schicht eingebettet, über hundert Särge aus Eichen- und Tannenholz ausweist. Da die Särge ganz einfacher Art und anscheinend schnell zusammengezimmert sind, nimmt man an, daß die Gräberstätte zur Zeit einer der groftm Pest-Epidemien angelegt wurde, von denen ganz Ostpreußen schon achtmal, zuletzt 1709 heimge» sucht worden ist.
Gottesdienftordnung.
Sonntag, 17. Sept. Dom. (Monatskollekte.) Va6, 6, */»7 u. 7 hl. M., 8 Pfarramt, Umg., Pr. u. Segen, VilO Kathedralamt u. Pr., ’All Chr., V<12 hl. M u. Pr., Vi2 A., 2 Chr., 4 Sakraments-Bruderschaft m. Pr., 7 A. m. Segen i. d. Marienkapelle. Montag abends Vi8 Rosenkran, m. Segen. — Stadtpfarrkirche, (Diözesan-Monatskollekte.) 5V« Som., 53/< hl. M. u, Kom. d. Dienstmädchen-Kongregation, 63A hl. M. u. Kom. d. Jüngl., 8 erster Schulgd. m. Pr., 9V- Pfarramt m. Pr., 11 zweiter Schulgd. m. Pr., 9V« Chr. f. d. Jüngl., IVi Chr. f. d. Jungfr., 2V, Bruderschaft vom hochw. Gut, 4 A. f. d. Dienstmädchen-Kongregation i. d. Severikirche. — Pfarrkirche zum heiligen Geist. V«7 hl, Kom., 7 Frühm., 8 Pr., Amt m. Kom., V°5 Chr., 6 St. — Severikirche. Sonntags V,7, werktags 6M hl. M. — Herz» Jesu-Heim. 8 Hochamt m. Pr., nachm. 2 A. (Mittwoch abends 8 A.) — Frauenberg. Fest d. Wundmale d. hl. Vaters Franziskus. (Ablaßtag für alle Gläubigen.) 5,6, 6V, u. 7 hl. M., 8 Bruderschaftsm. m. Pr., 9 Leviten, amt, Pr. u. sakram. Segen, nachm. 2 Pr. u. A. f. d. Terziaren. Generalabsolution für die Terziaren.
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Fuldaer Zeitung
Druck der Fuldaer Aetieudruckerei in Fulda
Sonntag, 17. September 1922.
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UatholiKen und Revolution.
Msgr. C. Walterbach, der Münchener Der- bandspröses, steht seit 20 Jahren im katholischen Organisation- unb politischen Leben und hat die Revolution in Bayern in allen Cntwicklungsstadten bis zur Räterepublik durchgemacht. Sn entschiedener Weise tritt er mm in einer aktuellen Broschüre den Vorwürfen entgegen, als hätten die katholischen Volksführer und Parlamentarier aus Opportunitätsgründen ihre alten katholischen Grundsätze verlassen und sich vor der sozialistischen Macht gebeugt.
Diese Vomvürfe, wie sie besonders auch Pfarrer Haeuser in seiner Broschüre „Wir deutsche Katholiken" erhebt, werden Hier mit aller Entschiedenheit zurück gewiesen. So energisch die Broschüre auch ist, so ist sie doch ruhig und sachlich gehalten und hat alles Persönliche ausgeschieden. Zunächst werden die Vorwürfe an der Horch authentischer Zitate aufgestellt, dann werden sie gründlich untersucht und auf ihre Stichhaltigkeit geprüft. Dabei ergibt sich, daß dieselben auf total falschen Begriffen und Urteilen beruhen, so
Husgeraubtes Laub.
In der letzten Stadtverordnetenversamm- lang in Fulda wurde, wie mitgeteilt, die Herbergssteuer für solche Logiergäste, dre vor dem Jahre 1921 ihren Wohnsitz nicht m Deutschland hatten, auf das Fünffache oes sonstigen Steuerbetruges festgesetzt. In. o Begründung wurde auch auf einen ■nun s der.Frankfurt erZeitung' .AuSgeraubteS lano verwiesen, der dort Ende August erschien viel Beachtung fand. Es wird manche interessieren, waS dort gesagt wrrd.
Es empfiehlt sich, Ausländer zu sein. 8g- ist Deutschland ein wahchast gesegnÄer «ofcn. SJnen chird das Meiste geschenkt. .... Den SchwarzMÄ beglückt ein Ausländer-Strom wie me vorher. Aufenthalt in Tal und Höhen wird ihnen sa so wohl seil gemacht. Fährt nicht der Schwerzer für emen Franken von Basel bis Heidelberg? Für E Haib- tagrstour der Auto-Rundfahrten, dre von Baden-Baden durch das Burgtal gehen, bezahlt der Maik, also keinen Gulden. Sch mar Z-^e,
wie d-ese Groß-Autos, die zahlrerch ube^^dre Shwarz- waldstraßen rutschten, an einem Hochpumt Hau machten. Sie bergen regelmäßig Engländer, AmerrkMer, Franzosen, Schweden, Rumänen und vor allem Holländer. Einige Male sah ich Autobusse, die nur Holländer heraustrugen. Sie verließen den Wagen und erquickten sich im Waldhaus am seinsten Kuchen, Schinkenbröten, Kirschgeist, und fanden die Preis« sehr billig. Das tonnten sie leicht. Der Wirt, dem ich zuredete, die Ausländer nicht zu schwach zu nehmen und lieber uijs deutsche Gäste zu schonen, ließ sich zwar für ein Stück Kuchen 8 Mk. bezahlen und für einen „Kirsch" ebenfalls 8 Mk., war aber doch sehr verdutzt, als ich ihm, der des Geschäftes selig war, hinterher vorrechnete, daß die 18 Holländer für die vortrefflichen Ersrischungen noch keine 2 Gulden bezahlt hätten. Natürlich muß der Wirt, um die Ausländer mit feinster Bisqutt-Torte atzen zu können, in der ganzen Gegend Eier und Butter für schweres deutsch« Geld aufkaufen, ebenso muffen das die Hotelbesitzer im ganzen Schwarzwald. Deshalb sind für den deutschen Kurgast die Eier so rar. Die deutschen Hühner legen Eier vornehmlich für die Ausländer.
sten und Wandervögel sind enthaltsam gmoorden und kochen im Walde ihr Mahl und trmken lauteres Master — in der Wrtsstube sitzen wir und reden von unseren Sorgen. Der Geistliche kann sich kam Buch mehr kaufen, der Schriftsteller auch nicht, der Lehrer wartet auf eine feit Monaten fällige Zulage um zu e.nem Paar neuer Stiefel zu kommen, em «Ofahnger Arzt, der hier im Orte wohnt und sich von der 2trbett zurückgezogen hatte, muß wieder auf dre Praxis^gchen, weil er nicht genug zu leben hat, em hoher baats- beamtet, Zwangsmäßig zur Ruhe getetzt, hat E Not h.er in der Nähe angefredslt, hackt Holz und bestellt sein- Stecker. Er hatte sich seinen Lebensabend anders vcrgestellt. Wir trösten den von der ungewohnten Arbeit schon ganz wackelig gewordenen alten Herrn; auch der stemalte Greis, den tmr heute mähen iahen und der 'ein zerklüftetes Gesicht, das an Baumrmde er- innerte, zu uns aufhob, harte sich tzinen L^nsabend anders vorgestellt. Ebenfo hatten stch.^e^tude^ die in den Ferien in Bergwerken, StembnAen Kontoren, Danken oder Hotels schaffen ihre Studentenjahre anders vorgestellt. Und uns ist es nicht gegeben.
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Diese sind infolgedessen von Deutschland e n t z ü ckt. Das wir ihnen bieten können, das bieten wir ihnen. Wenn nich: mit Begeisterung, dann doch wegen ihrer Valuta. Die Terrasse eines Restaurants, das über dem Heidelberger Schloß liegt und eine weltberühmte Aussicht ins Neckartal gibt, könnte man ihnen reservieren. Vielmehr: sie ist ihnen zur Essenszeit schon eingeräumt. Mephisto dürfte wispern: „Sind Briten hier? Sie reisten sonst so viel, Schlachtfeldem nach- zuspüven, Wasserfällen, gestürzten Mauern, klassisch dumpfen Stellen." Man speist dort für 350 Mark, und, billiger, für 250 Mark zu Mittag.. Trocken selbstverständlich. Doch ist es dem deutschen Urlauber Nicht verwehrt, auch auf der Terrasse zu sitzen, bei einer Flasche Selters für 16,50 Mark himmterzu-- schauen und von der Romantik zu schwärmen. Er wird sogar so zuvorkommend bedient, als käme er geradenwegs aus Newyork. Die Kellner sind Philosophen und wissen, daß die Lose ungleich fallen. Der eine trägt einem Ausländer das große Mittagessen und erlesene Weine auf und bekommt 10 Prozent von 1000 Mark, der andere labt ein Landeskind mit Selters für 1,50 Mark. Morgen wird es umgekehrt sein (bezüglich des Kellners! D. 3t).
Die Geldentwertung, so heißt es an einer anderen Stelle, ist nicht vergnüglich, aber sie hat chr Gutes. Sn den Gasthöfen der kleinen Luftkurorte, die für die Ausländer nicht genug Komfort bieten, sitzen die abgedräng- ten Erholungsbedürftigen aus deutschen Städten, freuen sich der einfachen handfesten Mahlzeiten und der Stille. Sn besseren Zeiten tarnen auch wir in der Welt umher und sahen das Bllderbuch der Natur. Jetzt gehts bedächtig, sehr bedächtig, weil es der Tarif so will. In den lieben Nestern hört man nur von der Ausländer- Welle, wir lesen nur, daß Sachsen so viele Besucher valutastarker Tschecho-Slowaken bekommt, daß die Grenzbahnhöse dem Verkehr nicht mehr genügen und Tausende Einkaufslustige sitzen bleiben mästen, wir hören, nur, daß in Baden-Baden kein Bett frei ist und daß Schweizer Großbauern in Baden und in der Pfalz Güter für ihre Söhne kaufen. Sn der Wirtsstube, die nun schon längst nicht mehr vom fröhlichen Gelächter flüchtig Einkehrender widerhallt — eine Menge Touri-
fritier Zeitung.
über wese Bücher gebeugt, einen friedsamen Abend zu verbringen. Deutschland hat seinen Krieg verloren, wir reparieren und das Ausland kauft uns aus.
Der Vertrag von Versailles tut feine verfluchte Schuldigkeit. Wir gehen sachte vor die Hunde. Herr Poincare spricht von unserem Reichtum und Herr Wirth vom Sterbelager des deutschen Volkes. Beides zugleich kann nicht richtig sein. Wenn dem französischen Ministerpräsidenten seine Landsleute, die uns in diesem Sommer beehren, von dem üppigen Leben berichten, das sie bei uns für wenig Geld führen konnten, so sagen sie die Wahrheit. Der Ausländer hat es gut bei uns. Wir keuchen, um ihm feine Reisen angenehm zu machen. Seher Tag setzt Millionen deutscher Hände in Bewegung, dem Vaterlands einige tausend Millars, Gulden, Franken hereinzubringen, jeder Tag entzieht dem deutschen Dolle einen Toll seiner Lebenskraft. Und während unsere Gäste etwas Gutes in Ruhe schmausen, halten wir uns an Ersatz, an Kunsthonig und Margarine, an Kunstfett und Kunst- Ger. Neuerdings wird sogar Kunst-Most angeprie- sen und ,.Apftltne", ein Getränk, dem natürlicher Apfelsast beigemischt ist. Wir führen ein Ersatz^ Dasein. Die echten Dinge geben wir unter dem Einkaufspreis an das Ausland. Vielleicht kommen im nächsten Söhre die Bewohner ganzer ausländischer Provinzen zu uns zu Besuch. Dann werden wir uns weiter schinden, um ihnen angenehm zu sein. Man wird Deutschland wieder sehr billig finden und die Deutschen sehr artig. Wir verbluten langsam und sicher. Und Poincare wird dann sagen, es sei eine Verfehlung und wir hätten es aus Halsstarrigkeit getan.
insbesondere über den Sozialismus, die Demokratie, das alte Regierungssystem, über das Verhältnis, von Kftche und Staat usw.
Schließlich deckt der Verfasser aber die eigentliche Quelle auf, aus der saft regelmäßig all die Vorwürfe vieler Leute in der Gegenwart stammen, nämlich aus der Philosophie von Nietzsche mit chrer Lehre vom 11 e6 er Menschen. Sn all diesen Kapiteln werden aber gleichzeitig all die Fragen erörtert, die bei der Besprechung dieser Gegenwartsfragen sich von selbst ergeben. Sn klarer einfacher Form wird auf alle geantwortet, sodaß die Broschüre auch vom einfachstm Arbeiter leicht verstanden wird. Sie ist infolgdessen nicht eine polemische Schrift, sondern eine aufklärende Arbeit im besten Sinne des Wortes.
Da sie bei aller Entschiedenheit des katholischen Standpunktes nie den rechten Ton verliert, ist sie geeignet, nicht allein im katholischen Lager, sondern auch im gegnerischen aufklärend zu wirken. Für Politiker, Redner, Vereine ist sie eine wichtige Fundquelle zur Behandlung bedeutsamer Fragen der Gegenwart.
vermischter.
* Der Schah in der weste. Sn einem Dorfe bei Delitsch starb ein alter Mann, der immer ails Son- derling galt. Beim Ordnen des Nachlasses fand man in der Weste eingenäht 303 Goldstücke zu 20 Mark. Diese haben jetzt einen Wert von 1,5 Millionen Mark. So wird man lachender Erbe.
* Interessante Gräberfunde wurden beim Bau des Handelshofes in Königsberg i. Pr. gemacht. In brei Meter Tiefe entdeckten die Erdarbeiter ein aus« gedehntes Gräberfeld, das, in einer blauen Lehm
Unpolitijche Zeitläuse.
Von Fritz Nienkemper.
Berlin, 12. September 1922.
Krinten-Stuten (d. h. Weißbrot mit Korinthen Larin) war das häusliche Festgebäck in meiner münster- ländischen Heimat. Als der Schulmeister uns erzählte, daß die wohlschmeckenden Korinthen aus Griechenland kämen, erwachte bei mir das zärtlichste Gchühl für das griechische Volk. Die haben auch fast siebzig Jahve an- gedauert. Aber wenn'ich jetzt höre, daß die Griechen in Kleinasien Schläge gekriegt haben, will sich doch kein rechtes Mitleid regen. Denn ich sage mir: Diese saure Suppe haben sie sich selber ein gebrockt; sie hätten im Lande bleiben und sich redlich nähren sollen vom Korinthenpflücken, statt mist Kanonen nach Kleinasien miszurücken.
Es ist die heillose Eroberungssucht, eine ansteckende Krankheit, von der manche Völker befallen sind. Sie rufen mit Stentorstimme: Mein Vaterland muß größer sein! Es geht ihnen wie dem Hund in • “ro einem Stück Fleisch im Maule durch
Bach schwamm und aus Begehrlichkeit nach dem Schattenblll» Mtes Fleisches schnappte, wobei ihm das wirkliche Stück aus den Zähnen fiel. Oder wie dem aufgeb.aienen Kramer in der Kleinstadt, der in seinem aten Lauen sein sicheres Auskommen hat, aber durch- aus cm „großes Warenhaus" bauen will, in dem er pleite gehen kann.
. F°tti°tismus ist eine Tugend, doch die Habgier ist ein Laster. Wenn ine beiden sich verheiraten, gibt es gefährliche Kmder.
Wir wollen dabei auch an die eigene Brüll Hamen. Unsere deutschen Hakatisten glaubten vor zchn Jahren auch noch, daß sie alles, was im deutschen Machtbereich läge, germanisieren konnten und müßten Jetzt leben wir mit Entsetzen, daß Millionen Detes-h«ta sind, mit Gewalt slavisch oder itÄ'ien-Z rLr französisch gemacht zu werden. 1
Die alten Griechen hatten sieben kluge Leute die wegen ihrer vernünftigen Kernsprüche als Weltweise berühmt geworden find. Einer von ihnen vredime- Alles, mit Maß! Wenn die Nachkommen sich daran gehaiten hätten, wäre ihr Rücken verschont geblieben.
Etwas Mitleid habe ich mit dem griechischen König Konstantin. Er hat sich lange gesträubt gegen die erwähnte Zeitkrankheit und ist ibr schließlich "doch
zum Opfer gefallen. Dieser Schwager unseres geflüchteten Kaisers kann außerordentlich reichhaltige Memoiren schreiben. Ws junger Kronprinz hatte er schon einen Krieg mit den Türken zu führen, unb das mangelhafte Griechenheer wurde jämmerlich geschlagen. Als die Türken wieder aus dem Lande waren, brachte Konstantin sein Heer in besseren Schwung, fo daß es in den folgenden Balkankriegen chrenhaft bestehen konnte. Ws mm aus dem Balkankrieg ein Weltkrieg wurde, wollte er sich und seinem Lande die Unger nicht verbrennen. Aber die Entente wollte Griechen- lanü zwingen, ihr Hilfstruppen zu stellen. Es wurde so lange gehetzt und gedroht von innen und von außen bis König Konstantin es für bester hielt, wenn er mr Rettung fürs Volk feine Krone vorläufig niederleqte So wurde Griechenland ein Mitkämpfer in den Reihen unserer Gegner. Anscheinend auch ein Mitsieger. Nach dem Waffenstillstand konnte Konstantin auf Begehren seines Volkes den Thron wieder einnchmen. Aber die erwachte Eroberungssucht konnte er nicht bändigen Der Vorstoß nach Kleinasien sah zu verlockend au- da die Tiftken für vollständig ohnmächtig gehalten wurden. Das war ein verhängnisvoller Irrtum Di- treuen Türken sammelten sich m Angora um Kemal Pascha; der schuf eine tatkräftige Regierung und ein tüchtiges Heer, die Griechen mußten weichen und Koma Konstantin mußte wieder an Abdankung denken
Sn dieser stürmischen Zeit, wo die Kronen wie Falläpftl gepurzelt sind, ist die einmalige Abdankung eines Fürsten nichts Seltenes. Eine zweimalige Abdankung wie bei König Konstantin, ist auch jetzt noch bemerkenswert. Die Fürsten von heutzutage sind wahrlich nicht zu beneiden. Wenn es gut geht, so werden sie noch geduldet als Staatspräsidenten, die nichts zu sagen haben, und wenn es schlecht geht, so werden sie als Sündenböcke in die Wüste geschickt.
Was lehrt uns diese Geschichte?
Ich begreife sehr wohl, daß angesichts der schlimmen Zeiten manche Leute die Sehnsucht haben nach Wiederherstellung der monarchistischen Ordnung. Aber wenn sich dazu Gelegenheit böte, so würde ich doch den Monarchisten zurufen: Wartet lieber noch, und wartet gerade im Interesse der Krone! Denn die Verwirrung im Innern und die Bedrängnis von außen sind so groß, daß auch der tüchtigste Herrscher nicht sofort Abhilfe schaffen kann. Es gift unvermeidlich Rückschläge, Reibungen und Konflikte; dabei würde die wiederheraestellte Monarchie in die schwersten Ge
fahren geraten. Das Schlimmste wäre eine neue Revolution. Da ists besser, wir Bürger versuchen erst einmal aus eigener Kraft die verworrenen Zustände zu bessern.
Wo fängt man an, wenn em zerschossenes Haus wieder hergestellt werden soll? Beim Dachreiter oder beim Fundament? Sch glaube, das Heil muß von unten kommen. Wenn in dem Volke selbst nicht so viel Kraft steckt, daß es seine Wirtschaft in Ordnung bringen und seine Gelbverhältnisse zu regeln vermag, dann würde ein Monarch dieses Wunderwerk auch nicht vollbringen können.
Hilf dir selbst, dann hÄst dir Gott! Wenn wir das richtig bedenken, werden wir vor Aberglauben bewahrt und auch vor Größenwahn. Was wir verloren haben, möchten wir natürlich gern Wiedergewinnen. Aber das läßt sich nur von lang« Hand anbahnen. Zunächst müssen wir uns abfinden, so gut es geht, mit dem, was wir noch haben. Ist es auch nur wenig, so gibt es doch eine ©runblage, auf der wir zum weiteren Aufschwung di» Kräfte sammeln können. Minder Eifer schadet nur.
Setzt haben wir acht Schicksalsjahre hinter uns: vier Jahre des Weltkrieges und vier Jahre des falschen Friedens. Welche Jahre waren die schwersten? Die ersten vier Jahre forderten so schreckliche Blutopfer; aber wieviel Tränen, Angst, Siechtum und langsames sterben haben die vier Jahre des falschen Friedens uns beschert! Da ist der Ruf begreiflich: Herr, führe uns nicht länger in Versuchung, sondern erlöse uns oen dem schleichenden Uebel. Amen!
Die Ungeduld fft die größte Gefahr der Gegenwart. Nur das geduldige, zähe Ausharren und Durchhalten kann uns noch retten. Sn dem wetten Kleinasien mag es noch Raum für eine Waffenprobe geben; in dem dichtbevölkerten Deutschland, das auf Brot- yifuttr angewiesen und von allen Seiten eingeschlosten ist, könnte auch ein deutscher Kemal Pascha nichts ausrichten. Bei jedem Gewaltstreich würde es uns noch viel schlechter ergehen, wie den Griechen, denn wir würden nicht bloß zurüchgedrängt. sondern die Feinde kamen über , unsere Grenzen herein und schlügen uns ins Sklavenjoch nach alten Regeln der Kunst!
Nun sagt vielleicht mancher, die ewige Predigt vom Dulden und Warten sei langweilig. Mag schon sein; es kommt nicht auf den Zeitvertreib an, sondern auf die Wahrheit, und die bittere Wahrheit ist die: Mr dürfen uns weder in Wunderträume wiegen, noch
der Verzweiflung hinqeben, sondern muffen den Nacken steif halten und die Hände aus den Hosentaschen nehmen, um zu arbeiten nach besten Kräften, einerseits jur Rettung der eigenen Wirtschaft in der schrecklichen Teuerung, andererseits zur Unterstützung des Vaterlandes in dem andauernden Ringen um Erlösung.
Im Orient geht es etwas asiatisch zu. Hier zu Lande wird die Probe gemacht auf die deutsche Treue und Tüchtigkeit. Helft jeder an seinem Teil, daß site die Probe besteht! s 1
— Hon bet Dahlie oder Georgine. Sft die Rose äte Königin der Blumen des Sommers, so darf man die Dahlie gewiß die Königin der DlUMN des Herbstes nennen. Wohin man auch schaut, herrscht je|t Me Softie in den Gärten und hält aus, bis der erste Nachtfrost binnen wenig Stunden all die Pracht und Herrlichkeit vernichtet. Me verschiedenartig sind doch diese letzten Kinder Floras! Der Kenner wird immer neue Farben entdecken, immer schönere Formen — rein Wunder, gibt es doch jetzt fast 3000 Arten der Dahlie, während man gegen 1830 erst etwa 200 Sorten zahlte, einfache und gefüllte, und alle diese sind eigenlich nur aus drei Sorten hervorgegangen, die im Jahre 1790 der Direktor des Botanischen Gartens in Mexiko, Vincent Cervantes, fernem Kollegen iln Madrid, dem Abbee Jose Antonio Cavanilles, aus Freundschaft zu- gesandt halte. Später ftnden Forschungsrmsende, so auch Wexander von Humboldt, in Mexiko die herrliche Blume wildwachsend, brachten Samen und Knollen mit und trugen so zur Verbreitung der Blume bei, mit der man nun auch bald Veredelungsversuche vor- nahm. Wie erfolgreich diese gewesen sind, deuteten wir schon an. 1808 wurde die erste gefüllte Dahlie erzielt; zu derselben Zeit hatte der Hofgärtner Breiter in Karlsruhe schon 60 Arten gezüchtet, und 1824 wurde von der noch heute bestehenden Firma Degen in Köstritz eine große Dahlien-Gärtnerei angelegt, di« sich fast ausschließlich mit der Kultur dieser Blumen beschäftigte. Der 9lame Dahlie geht zurück auf den Botaniker Dahl, der sich besondere Verdienste umbif Zucht und die Verbreitung der Blume bis nach Däne* mark hinein erwarb, und der meistens in Norddeutschland angewandte Name Georgine wurde der Blume von bem berühmten Botaniker Widenmo gegeben zu Ehren des Petersburger Naturforschers Georgi. Seltsam erscheint es, daß es noch nicht gelungen ist, eine blaue Varietät zu erzielen, , mos.