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Fulda er Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadl Fulda.

Nr. 213.

Verantwortlich für den redaktionellen Teil : Dr. 3- Kramer.

2 für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. u Rotationsdruck u. Derlaa der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, fkernlprecher Nr. 9. Postscheck-Konio 4051 Frankfurt a. M.

Samstag, 16. September 1922.

Bezugspreis: Monatlich 50.00 Alk. zugestellt frei ins Haus. 2 Abgeholt in der Geschäftsstelle 48,00 M. - Anzeigen: Klrinzeile nach Colonel 4.00 Alk., ausw. 5,00 M. Reklamezeile (tepbreite) nach Colonelmaß 15 Mark.

49. Zahrg.

Sie Irmzaskll rufen mH Mtzmhmen.

Was wir- kommen?

Der Reichskanzler mahnt erneut zur Besonnenheit.

Das französische Nachrichtenbüro Havas ver­öffentlichte am Donnerstag folgende Mitteilung:

Morgen, am 15. September, läuft die Frist ab, die Deutschland zur Bezahlung von 10 0 Millionen Goldmark (Raten für August und September) gewährt worden ist. Man nimmt in gewissen Kreisen mit Sicherheit an, Deutschland werde noch im letzten Augenblick diese Zahlungen leisten. Sollte das nicht geschehen, so wird Belgien, für das die 100 Millionen bestimmt sind, nicht ver­fehlen, übermorgen der Reparationskommisston von der Weigerung Deutschlands Mitteilung zu machen. Die Kommission wird dann nichts weiter zu tun haben, als die Nichterfüllung der Bestim­mungen des Versailler Vertrages durch Deutschland zu ton flatteren. Sobald das geschehen ist, wird es Sache der alliierten Regierungen sein, die Maßnahmen zu ergreifen, die sie für nötig erachtet. Was die Zahlung der Privatschulden an die Ausgleichsämter betrifft, so ist bekannt, daß Deutschland lediglich 500 000 Mark von den 1,5 Millionen Mark, die es zu zahlen hat, anbietet. Die Alliierten haben in London beschlossen, daß in einem derartigen Fall zu Sanktionen zu schreiten wäre. Poincare wird sich, also über diesen Punkt mit den Alliierten ins Benehmen setzen.

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Was nun ? Das ist die bange Frage, die heut« jedes deutsche Herz erfüllt. Wie die Dinge liegen, ist zweierlei möKich: entweder schließt die Repavationskommission sich ohne weitere Prüfung der bekannten Forderung der belgischen Regierung auf Goldsicherheit an, und es ist in diesem Falle auch mit der Möglichkeit zu rechnen, daß sie zur Feststellung eines „böswilligen" Verschuldens der Reichsregierung kommen wird. Ein solcher Entschluß würde bebeuten, daß dann die Repara­tionskommission bezw. Frankreich die so lang er­sehnte Gelegenheit bekommen würde, um ihrerseits durch Zwangsmaßnahmen die vermeinlliche „Bös- willigkeit" der Reichsregierung zu brechen. Es braucht in diesem Zusammenhang nicht ausführlich nachgewiesen zu werden, daß selbstverständlich von einem böswilligen Verschulden der Reichsregierung gar keine Rede sein kann. Denn eine Hinterlegung der Goldreserve der Reichsbank bezw. eines Teiles derselben ist, wie wir das bereits mehrfach dargelegt haben, unmöglich aus venvattungsrechtlichen und auch aus sachlichen Gründen. Die Reichsbank ist"'auf ausdrückliches Verlangen der Reparations­kommission autonom und die Reichsregierung hat daher fein Dersügungsrecht über deren Gold­bestände. Aber davon abgesehen, würde die Her­ausgabe von Goldreserven einen weiteren Sturz.der Mark herbeiführen und damit jeg­liche Reparationsleistung Deutschlands noch mehr illusorisch machen.

Andere Meldungen behaupten freilich zu wissen, daß die Reparationskommiffion entschlossen sei, dern Wunsche Deutschlands nach einer längeren Lauf­zeit der Schatzwechsel insofern Rechnung zu tragen, als sie eine solche von einem Jahre zuzubilligen gewillt sein soll. In Ermanglung eines Besseren wird uns nichts übrig bleiben, als an dieser Hoff­nung festzuhallen, daß schließlich die Besonnen­heit das Feld behauptet und daß wir aus der Siro artigen Krisis heil herauskommen. Der skanzler sprach im „Deutschen 3 n •

dustrie- und Handels tag" in Berlin, wo er eine längere Rede hielt, ein sehr treffendes Wort, als er die „T e r m i n s p o l i t i k" geißelte, die alle Monate oder doch alle Vierteljahre eine neue Krisis herbeisührt. „Diese Politik der Termine," sagte er, iff*die Politik der Divisektion Europas. In der,Tat, Europa muß doch endlich sich befreien von den Quälgeistern, die immer wieder Angst, Not und Elend über den unglücklichen Erdteil herauf­beschwören.

haoenslein reist nach London.

Wie verlautet, begibt sich Reichsbankpräsident Havenstein nach London, um dort mit der Bank von England die Fragen zu besprechen, die sich auf die in den Verhandlungen mit den Vertretern der bel­gischen Regierung bereits berührten eventuellen Garantien von englischer Seite für die deutschen an Belgien zu gebenden Schatzwechsel be­ziehen. _________________________

Dar wirtschaftliche Elend.

Sie Ursachen der Sredilnot.

In der Vollversammlung bes Industrie- und Han­delst ayes in Berlin sprach Direktor Urbi g (Diskonto- gesellschast) über unsere Kreditnot. Direktor Ur-big führte u. a. aus, das einzige Mittel, das man zur Linderung der Äiebitnot anwenden könnte, sei die e r- höhte Einführung der Wechsel. Um den Handelswechsel wieder stärker einzufijhren, müßten die Verbände herangezogen werden. Außerdem fet es dringend erforderlich, daß die Reichsbank Grundlinien vorschreibe, unter denen sie zum Diskont von Wechseln bereit sei. Jedoch könne die Dernrehrung des Wechsel- vwlMffs die Kreditnet nicht beseitigen. Diese habe vielmehr ihre Ursache in der Verminderung der Kapitals, die durch den Verkauf unter dem Er» gänzungsprcis eingetreten sei. Die Gegenmittel seien starke Preiserhöhungen und Fakturie- rung in Auslandsvaluta. Doch Mässen diese beide.: Mittel schwer« Gefahren in sich, da fte_ immer stärker zur Ausschaltung der Mark beitragen würden. D.e Frage fet nun, we die deutsche In­dustrie bet diesen Schwierigkeiten bestehen könne. Ent­weder könne sie iroch vorhandene Reserven flüssig ma­chen, ober sie müsse sich eftffchränken. Die Lösung der schweren Probleme der deutschen Kapitalmarktes hin- gen auf» innigste mit der Reparationssrage zusammen. Dte natürliche Grenze ber deutschen Zah­lungsfähigkeit liege in dem Betrage, den andere Län­der in der Lage seien, uns zu borgen.

Im Anschluß an das Referat des Direktors Urbig wurde eine Entschließung angenommen, in der auf die Wichtigkeit der Währungsstabilisie­rung und der ausgedehnten Anwendung des Handelswechsels hmgewtesen wurde.

«efeti den Ausverkauf Deutschlands.

_braunschweigische Staatsmmsterium hat dem „Verl. Lokmanz." zufolge die LanDespolizeibehörde an­gewiesen, mit aller Rücksichtslosigkeit gegen ten Ausverkauf der Geschäfte durch tohrtcftarte Aus- ,^t*rJx?r3U0^en- Dor allem ist dabei an em Verbot bes Ktemoerkauss an Ausländer gedacht, das all- ^^.Deckimg des «uigenbsicklichen Bedarfs dienen den Gegenstände umfaßt.

vom Krieg in Kleinasien. |

Beendigung der Operationen?

Nach einÄ Meldung des „Journal des Debats" aus Konstantinopel betrachtet man die militärischen Operationen in Kleinasien als beendet. Nur die erste griechische Division leistet noch in Gellnek, nördlich von Drussa, Widerstand. Sie soll sich aber in einer sehr kritischen Sage befinden.

Nach einer Meldung des „Temps" aus Achen wird die griechische Regierung demnächst die N a - tionalversammlung zur Erledigung einiger dringender Gesetze einberufen.

Beim Dölkerbundssekretariat in Genf ist ein dringender Appell des ökumenischen Patriarchen Melitions emgetrofsen, der schnellste Hilfsmaß­nahmen vom Völkerbund zugunsten von 200 000 Ehristen fordert, die infolge der griechi- fchen Niederlage an die Küste flohen und die hier dem Hunger und ber Obdachlosigkeit ausgesetzt sind.

Has dem besetzten Gebiet.

= Die Franzosen an der Saar. Wie ber Pariser „Tempo" meldet, begibt oft der französische Minister für öffentliche Arbeiten, Le T r o c q u e r, ins Saargebtet, um eine „Studienreise" durch die Saargruben zu machen. _

Deutsches Reich.

* Berlin. 15. Sept. Die Gerüchte, daß der fran­zösische Abgeordnete H e r r i o t auf der Durchreise nach Moskau vom Reichskanzler empfangen würde, entbehren jeder Begründung. — Der General ber Infanterie von Linde-Suden, früherer Prä­sident des Reichsmilitärgerichts, ist im 74. Lebens­jahre in Braunschweig gestorben.

* Der sächsische Landtag aufgelöst. Der sächsische Landtag hat den Antrag. der RechtSauSschusseS auf Auflösung deS Landtages mit 53 gegen 39 Stimmen in namentlicher Abstimmung angenommen. Da­für stimmten die bürgerlichen Parteien und die Kommunisten. Der sozialdemokratische Antrag auf befristete Ablehnung wurde abgelehnt. Präsident Fraßdorf verkündete da? Abstimmungsergebnis mit den Worten: „Der sächsische Landtag ist auf­gelöst, die Sitzung geschlossen!"

Landwirtschastsvertreter beim Kanzler.

Der Umlagepreie.

Der Reichskanzler empfing eine Abordnung des des Reichsausschusses ber deutschen Landwirtschaft und beriet mit ihr über die Getreideumlage und die Beschaffung der Kredite für Düngemittel. Die land- w-rtschaftlichen Vertreter sind noch wie vor gegen die Umlage, vertreten aber die Ansicht, daß für di« Um­lage mindestens ein Preis gewährt werben müsse, der nicht in einem Mißverhältnis zu den landwirtschaft­lichen Betriebskosten stehe.

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In dieser Angelegenheit liegt auch eine örtliche Kundgebung vor. Der Arbeitsausschß ber kurhessischen Zentr um spart ei hat sich in seiner Sitzung am Donnerstag in Fulda u. a. auch mit ber Oetreibeumlage befaßt. Einstimmig würbe folgende Entschließung angenommen, die sowohl an den Reichsernährungsminister, als auch an den preußischen Lanbroirtschaftsminister gesandt wurde: Der am 14. September in Fulda versammelte Arbeitsausschuß der kurhessischen Zentrmnspartei gibt der Auffassung Aus­druck, daß der Preis für das UMagegetreide ffirr dar erste Drittel 345 Mark pro Zentner Roggen) unter Berücksichtigung der eingetretenen Geldentwertung er­höht wirb. Er erwartet ferner, daß entsprechen- dem oitierotie geringen Erträgnis der Getreideernte tw Umlagesoll neu festgesetzt wird.

Gefina van Zagen.

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Ein leiser Schauer überrieselte Gefina. Wenn die Tente richtig vermutete, bann erfuhr sie also in weni­gen Minuten, ttfie der Mann aussah, der ihr seinen Namen und seinen Reichtum bot, ihr armem, unbe­deutendem Mädchen, ihr, der Fuchsin mit dem ab­scheulichen Saar.

„3d) würde niemals eine Frau mit so fürchterlich schreiender Haarfarbe nehmen", hatte Hans Elmhorst gesagt. Nun aber würde er erfahren, daß er auch Manner gab, die anders dachten, ganz anders.

Sie war nun in ihrem Kämmerlein angekommen mW drehte dos elektrische Licht an. Sie hatte es plötz- ich sehr_ eilig, den Brief zu lesen, aber noch eiliger, u i?“ uber$eu9en, ob wirklich eine Photographie vor- handen war. 3a, tatsächlich, sie war da und eine Se- tunbe spater hob Gestna das Bild vor die Augen.

l.ange sah sie daraus hin, und ein seltsames Bangen ‘na?iti)ersrebatteerfiWrl Mt Mtig.

„T1™ • ’atte ssch Cornelius van Cooper Borge» KL o?n°L.sA 6^äbi9 Don Mgur, väterlich, gut- mutig von Gesicht.

Don alledem zeigte da- Bild keine Spur. Ein schmales, scharfes Antlitz hatte Corn-lius »an Cooper Augen. Er schien schlank von Gestalt und sein Haar begrenzte dunkel und voll in kurzem Cd)ctteJ dee hubschgeformte Stirn. Alt sah Cornelius van Cooper nicht aus, gar nicht alt und er war ihr sympathisch.

Sie blickte starr unb unentwegt auf da- Bild und plötzlich sch-en sich da- Bild wandeln, es tr£ mit einem MÄe Hans Elmharsts Züge, huschen jungen Zuge.

Sie neigte sich leicht und küßte da- Bild, dann stöhnte sie auf.

„Nein nein, ich Haffe dich jo, Sans, hasse dich über alle Maßen!"

Was ist bas mir mit mir? sann sie gequält und schob banrf alles auf Ueberreizung ber Nerven, zu sehr war sie heute beleidigt worden, das fraß an ihr gleich hölli­schem Feuer.

Sie wollte aber nun endlich lesen, was Cornelius oan Cooper ihr schrieb. Sie setzte sich und legte das B.w vor sich auf den Tisch. Sie bemerkte, wie der Briefbogen in ihrer Hand beim Entfalten leise bebte unb mußte lächeln. Aber schiehlich handelte es sich bei diesem Brief auch um die bedeutungsschwerste Fraae die bisher in ihrem Leben an sie herangetreten wL um etwas, wodurch ihr ganzes Dasein in völlig andere Bahnen gelenkt wurde.

Die Augen taten ihr beim Lesen weh,, sie brannten meOeubt nod) von den Tränen, die ihr Frau Sternhosfs schroffe Behandlung erpreßt. "

Der Brief war ziemlich lang und Besina war nicht so batb damit zu Ende. Dennoch las sie abermals und noch einmal, als müsse sie den Inhalt restos ihrem Se- dächttns einprägen: -

„Liebe kleine Befind

Nachdem ich dein Bild gesehen, ist urplötzlich ein Wunsch in mir erwacht, den ich niederzwingen wollte und der doch, kaum geboren, schon von solch einer Stärke und Kraft ist, daß ich nicht gegen ihn ankämpf-n kann. 3ch bin kein junger Mensch mehr, der zu seiner Entschuldigung sein Alter der Sturm- und Brause­jahre vorbringen darf, ich bin ein Mann auf der so­genannten Mittagshöhe des Lebens, aber mein Empfin­den und Denken, feit ich dein Bild sah, ist dasselbe wie dereinst, als ich deine Mutter kannte, liebte und — es ihr doch nicht zu sagen wagte, weil ein anderer ihr Herz besaß. Dein Beter war der Glückliche, der von mir unsäglich Beneidete. Damals verließ ich Europa, unb weil die Eine, Einzige, die Holdeste mit dem Flam- menhaar nicht mein werden konnte, waren mir fortan alle anderen Frauen gleichgültig. 3ch glaubte, es würbe so bleiben bis zu meinem Tode. Es wäre auch so ge­blieben, Besina, liebe kleine Besina, wenn dein Bild nicht zu mir gekommen wäre. Seitdem ich weiß, daß ich dich lieben muß, wie ich einstens deine Mutter geliebt habe, und frage dich nun, willst du mein Weib werden? Be­denke es gut, denn ich könnte den 3ahren nach dein Baier sein. Auch sieh dir mein Bild genau an und prüfe dich, ob du mich ein wenig gern hoben könntest, denn es wäre Dermessenheit von mir, m verlangen, du soll­

test dich in mein Bild verlieben. Nur ein bißchen Bern» haben erbitte ich, dafür will ich dich halten wie eine junge Fürstin, keine Gorge soll an dich heran unb es wird meine vornehmste Lebensaufgabe sein, dich glücklich zu machen, damit du die trüben Stunden, durch die du trotz deiner Sugenb schon hindurch mußtest, bald und vollkommen vergißt. Ich sehe dein Bild an, die süßen, feinen Züge, das weich gelockte Haar unb vergesse die Würde meiner fünfundvierzig 3ahre, ich werde dabei wieder zu dem jungen, heißblütigen Kerl von dazumal, der deine Mutter liebte. — Geh' mit dir zu Nate, Besina, und dann laß mich deinen Entschluß wissen. Wie er auch ausfällt, ich bin und bleibe dir ein treuer Freund."

Besinas Augen glänzten tränenschwer, aber ihr Mund lächelte. Wie wundervoll war der Brief, wie weich und zärtlich schmeichelten sich die Worte in ihr gerade jetzt so troftbebürftiges Gemüt.

Was gab es da noch zu überlegen, was gab es da noch zu bedenken, wer wurde, wenn das Glück vor der Tür stand, erst nachsinnen, ob es klug war, die Tür zu offnen. Sie sprang auf, stellte sich vor den kleinen Wandspiegel unb betrachtete sich aufmerksam unb mit fragenden Augen. Sie fand sich häßlich mit dem straff zurückgequälien Haar und ihr siel ein, wie ganz anders sie auf dem Bilde aussah. So wie sie jetzt war, würde sie Cornelius van Cooper kaum gefallen. Ein paar hastige Striche mit dem Shmnt lockerten die weiche Flui über Stirn und Schläfen unb bann sanken die häßlich zusammk »gezwängten Flechten nieder und Besina dachte mit leicht gepreßtem Stern: So würde sie dem Manne, b#r ihre Mutter in ihr liebte, gefallen!

Maria van 3ngen trat leise ein.

Sie schimpfte nicht, als sie Gefina vor dem Spiegel im losen niederhängenden Haar erblickte, sondern scherz­haft mit dem Finger drohend, schalt sie liebenswürdig: „O du kleine Eitelkeit!"

«Nach feinem Briefe liebte Herr van Cooper gerade das Haar von meiner seligen Mutter hervorragend, sie trug es leicht und gefällig." -

Das alte Fräulein vergaß zum ersten Mal ihren Groll gegen die tote Schwägerin, zum ersten Mal fand sie ein Dort des Lobes für fi& .,

Berufswahl.

In der „Germania" veröffentlicht bei DezirkspräfeS des katholischen Beamten- Vereins Aachen, Kaplan Wirtz, einen Aufsatz über daS Thema „Der katholische Beamte u. seine Kinder". In der Donners. tagSsttzung ber Fuldaer Siadtverord, neten-Versammlung sind gelegentlich der Beratung über die Erhöhung deS Schulgeldes an der Oberrealschule einige Fragen gestreift worden, die mit dieser Angelegenheit in Zusammenhang stehen, sodatz wir aus den Ausführungen bei Herrn Kaplan Wirtz folgendes auch für unseren Leserkreis für wichtig halten: Die schwierigste unb verantwortungsvollste Frage, die an den Deamtenvater herantriti unb über bas Wohl und Wehe feines Kindes entscheidet, ist die Frage der Berufswahl, jene Frage, die das Kind im Rah. men jeiner seelischen Kräfte an sich vollkommen unab­hängig zu beantworten hat.

Von hoher Bedeutung ist hier die ^Beantwortung der Frage, ob der Beamte ein talentiertes Sind noch den akademischen Studien zusühren kann. Tatsache bleibt, daß aus soliden BeamtenfaMilien sehr viele unb nicht die schlechtesten Akademiker in der Ver­gangenheit bervorgegangen sind. Die Zukunstsaus­sichten ftnb leider bi t benfbar traurig st en. Heute kostet nach vorn Verfasser genau ausgestellten Tabellen:

Dledizm ca. 200 000 Mark.

Nationalökonomie, Philologie, Jurisprudenz ca, 120 000 Mark.

In diesen Summen sind die notroendigsten Neben­ausgaben: Zimmer, Pension, Taschengeld, Bücher ufw. mit den geringsten Sätzen (September) berechnet. Heute erhält ein Beamter für ein schulpflichtiges Kind bis 14 Jahre 15 785 Mark; bis 21 Sahne 18 954 Mark jährlich. Wenn Steuer, Schulgeld und Bücher von der erstgenannteir Summe abgezogen ftnb, sind das ca. 67 Mark pro Tag. Bedenkt man die Kosten der Er­nährung und der Kleidung (Schuhe 1200 bis 1500 M, Anzug ca. 5000 Mark), dann versteht man, daß Ober- tegterungerat Begusat, Mitglied des Reichsgesundheits­amtes, an Statistiken großer deutscher Städte seslstellle, daß die Kinder des MittetstmEes in Mittel- und höheren Schälen 60 bis 70 Prozent unterernährt sind. Don Tag zu Tag wirb biss traurige Bild sich hi noch düstere Farben hüllen, bereit die Indexziffer steigt jede Wache. (Wir können sie für FuLda ergeben. Sie be­trugen im Ium 3581, im Juli 4297, im August 6498).

Darum läßt sich in den ersten acht Gehaltsklassen, wenn drei oder mehr Kinder da sind, ein Studium un­möglich aufbringen, zumal, was offen beton.- werden muß. tit den meisten Beamtenfamilren trotz aller bis­herigen Sparjamkeit Neuanschaffungen nicht mehr zu umgehen sind. So Wirb es verständlich, daß Leiber heute 85 Prozent unserer Studenten Werk st üben- Leit sind, die sich die Mittel für ihre wissenschaftlichen Studien mit ihrer Hände Fleiß erst in ihren Ferien erarbeiten müssen. Bent», rer. pol Eorde verfertigte im Winterhalbjahr 21-22 eine Statistik der Wirtschafts­lage der Donner Studenten. Auf 2033 durchgearbeite- ten Fragebogen gaben 1193 ihre Einnahmen an. Unter diesen hatten 70 Prozent unter 1000 Mark pro Monat. Die Kohlen« und Kalibrrgaverke, die diese Aermsten in den Ferien aufnehmen, vervollständigen das Bild der Rot. Der Ausschuß des Preußischen Landtages für da, Unlerichtswefen zeigt erfreulicherweise Verständnis für diese Lage. Er nahm einen Antrag der Studenten­schaft an, ber talentvollen Studenten durch Erlaß der Kolleggelber und Gebühren die Erreichung ihr-.ez Zie­ler erleichtern soll.

Ebenso beachtenswert rft aber auch der in der Rund- schau für Komiminalbeamte (8. April 1922) vuösftnt. sichre Aufruf ber deutschen Studentenschaft an die Abi­turienten ber höheren Schulen, wo es heißt: „Nur wenige von Äich, nur diejenigen, die durch stari

„Deine Mutter verstand es allerdings ausgezeichnet, ihr Haar zur Bettung zu bringen, sie war geschickt wie ein teurer Friseur."

Sie überfegte flüchtig.

„Wozu gibt es denn überhaupt Friseure, Kind, paß auf, morgen werden wir einen davon in Berlin auf­suchen und dein Haar recht hübsch und sorgfältig ordnen lassen. Denn du habet ein bißchen acht gibst, kannst du es das nächste Mal vielleicht schon allein tm. — Aber deshalb kam ich nicht", unterbrach sie sich, „sondern ich wollte gern hören, ob du dir schon schlüssig geworden bist; die Sorge um deine Zukunft treibt mich zu der Frage, ich soll dich zwar nicht drängen, und ich will das auch nicht hm —"

Sie redete nicht weiter, deyn sie merkte, daß sie be­reits fest dabei war, zu drängen.

Besina aber war das jetzt gleich, ihr Entschluß stand fest, und deshalb erklärte sie plötzlich so ruhig und sicher, als habe sie Wochen darüber nachgesonnen:

„Du kannst Herrn van Cooper mein „3a" fabeln, Tante!"

„Dem Himmel sei Dank!" entfuhr es dem alten Fräulein. Etwas Bangen vor einem „Nein" war doch dagewesen, Besina hatte zuweilen etwas so Unberechen- bares, fand Maria van 3ngen. Aber es wäre ja auch eine mordsgroße Eselei gewesen, die Hand des reichen Cornelius van Cooper nicht anzunehmen. Sie selbst hätte sich nicht einmal einen Herzschlag lang besonnen. 3a, tausendmal ja hätte sie gesagt, gerufen, geschrien hätte sie es! Sie biß die Lippen aufeinander. Was für dumme Bedanken waren das nur in ihr, sie hatte nie, niemals jemand nach ihrem „Ja" gefragt, sie war ein- fam und unbegehrt gebtieben ihr Leben lang.

kin seltsames quälendes Befükfl von Neid quoll in dem alten Mädchen auf.

Das rothaarige Ding, das kaum achtzehn geworden, mußte ein Liebling der Sötter fein, daß sie ihrer törich­ten unreifen Sugenb den Reichtum entgegenwarfen, um den sich andere 3ahre um Jahre mühten, ohne daß ei ihnen zuteil ward, die meisten starben und verdarben darüber,

^Fortsetzung folgt.)