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Serantwortlid; für den reüattionellen Teil i. D.: A. Wetzl er.

49. Zahrg.

Mittwoch, 6. September 1922.

Nr. 204

in Fulda.

die Stützung der deutschen Schatzschein«

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franz gierung

Orientkrieg.

innerhalb weniger Tage zur Zufriedenheit 1er

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Deutschen wie der belgif sein würden. Der Bern über während des letzten Reparationskommiffion m stattfanden. Bradbury habe den nen bei seinem Aufenthalt in

Der neue

In den für die Verhandlungen mit den Dien«, lag abend in Berlin eintreffsnden belgischen Der- trefem in Frage kommenden Ressorts bereitet man sich gegenwärtig bis in die letzten Einzelheiten vor. Man will auf beiden Seiten möglichst Zeitverlust vermeiden, und die B e s p r e ch u n g e n so s ch n el l als möglich zum Abschluß bringen. Dienstag nachmittag fanden verschiedene Chefoesprechungen statt, in denen die Reparationsfragen und die bel-

Rotationsdruck u. Derlaa------ ------------- -

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Die Regelung der Garantiefrage

Ungewöhnlich scharfe englische Kritik Poincares.

Räumung ttleinasienr.

Die griechische Niederlage.

Der unerwartet erfolgte Angriff der Angoratürkea auf die Griechen hat diese zum Zurückgchen gezwungen« lso daß man schon von einer vollständigen Niederlage der Griechen spricht. Die Niederlage ist infofern voni hochpolitischer Bedeutung als dadurch die Pläne der englischen Regierung in Kleinasien zerstört werden. Denn es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Grie. chen nur ausfühvende Organe der Qtmimner Regierung waren, die dort sich ein Gegengewicht gegen die Fran- zosen schaffen wollten, die ihrerseits sich aus die An- goratürken stützen. England hat deshalb ein besonderes Interesse an Kleinasien, weil von dort aus leicht der Weg nach Indien geschützt aber auch bedroht werben kann. Da das eine Lebensfrage für das englische Plutrerlanü ist, so wird England andere Mittel suchen muffen, um diesen Weg zu sichern, der jetzt durch das griechische Zurückweichen von Norden her fast schutzlos daliegt. Man kann es deshalb verstehen, daß die Eng­länder auf baldige Einberufung der Orientkonfe. r e n z drängen, die in Venedig stattfinden soll.

der Mtglieder der Erörterungen dieser Operatio- fo gut wie ge° rpäische Finanz.

Amerika oder England. Es fei darum ein wesent­liches Erfordernis für die ruhige Fortentwicklung in der Welt, daß die Bereinigten Staaten, Frank­reich und England herzliche Beziehungen unter­hielten und die Notwendigkeit, die aufrichtig demo­kratische Regierung Deutschlands zu stützen, an­erkennten. In diesem Zusammenhang erwähnens-

englischsn Kabinett mit, daß sie dem französischen Ober, kommifsar in Griechenland Anweisung schickte, sich der Einladung, welche an die Regierungen in Angora, Athen und Konstantinopel ergehen werden, anzu. schließen.

Berichte der englischen Blätter weisen auf die R ä u. mung Kleinasiens durch die Griechen hin. Eine Reutermeldung aus A t h e n besagt, daß dort unter der Bevölkerung große Erregung herrsche und daß »man allgemein der Ansicht sei, bafj sehr wichtige Er­eignisse bevorstchen. Aus Smyrna meldet Reuter, daß dort ein britisches Kriegsschiff eir.ge» troffen ist und weitere Kriegsschiffe folgen werden. Der Daily Telegraph" schreibt, es fei klar, daß die Lage der griechischen Streitkräfte genügend ernst sei, um große B e f o r gn i s bezüglich der Ereignisse in den allernächsten Tagen zu verursachen. Der diplomatische Berichterstatter des Blattes schreibt, es feien innerhalb der allernächsten Tage ernste und dramatische Heber- rasthungen möglich, sowohl auf dem Schlachtfelde, als auch in Athen. Es bestehe Grund zu der Annahme, daß ein Teil des augenblicklichen griechischen Kalnnetts die sofortige militärische Räumung der Smnrna» Enklave verlangen und fordern werde, daß den Mächten die Verantwortung für den Schutz ihrer eigenen Unter­tanen und auch der griechischen Einwohner überlassen werden soll.

poincares antwort und die presse.

Die gesamte engl. Presse kritisiert scharf Poincares Note, hält aber die Annahme seiner Vorschläge für selbstverständlich. DerManchester Guardian" regt an, Amerika zu der Konferenz der Alliierten einzuladen, selbst wenn deshalb ein Auf- schub bis nach den Kongreßwahlen nötig würde. DieDaily Chronicls", das Sprachrohr Lloyd Georges, schreibt in einem Leitartikel:

Poincares letzte Note fei eines jener borstigen stachel- schweinartigen Dokumente, das schwerlich zu einem anderen Zwecke versaßt worden fei, als um zu ärgern. Es bringe die Empfänger in das unangenehme Dilemma, daß sie entweder die darin enthaltenen Hsraussor- derungen annähmen, was die Debatte zu einem Streu erweitern würde, oder sie liefen, wenn sie sich still verhielten, Gefahr, daß ihr Schweigen gegen sie ausgelegt werde. Das Blatt bezeichnet die Note Poin- rares als die am meisten unfreundliche und un- bet I ft i f t e n b e, die feit dem Krieg zwischen den Alliierten ausgetauscht worden seien. Sie sei unedel in der ganzen gewollten Herabsetzung besten, was Großbritannien für Frankreich während des Krie- ges getan habe, und unheilftistend in dem vollkommen grundlosen Vergleich, der zwischen den britischen und amerikanischen Anstrengungen im Weltkriege gezogen werde, ein Vergleich, für den es schwer sei, einen ande- ren Beweggrund zu finden als den, böses Blut zwischen England und Amerika zu stiften.

Auch in Amerika erregte Poincares Antwort auf die Balfournote große Ueberraschuna, tnsbe- foirdere wegen bet Aeußerung des französischen Ministerpräsidenten, daß kein Volk erwarten dürfe, bezahltzu werden, so lange nicht Frank­reich vollkommene Zahlungen erhalten hätte.

Man hätte demNewyork Herold" zufolge In Newport den Eindruck, daß Frankreich durch diele Aeuße­rung die Forderungen Englands bestreiten wolle, wes­halb P o i n c a r e eine neue Note absenden wolle, in der er die Aeußerungen dieser ersten Note näherer­läutern" werde. Dabei wolle er ausführen, daß Frank- reich bereit sei, die Forderungen gegenüber Deutschland

Lage und die Frage der Maßnahmen gegen die Teuerung. Der Empfang der Parteiführer durch den Reichskanzler wird von dem Gang der ersten Besprechungen mit den belgischen Vertretern abhängen, auf jeden Fall aber nicht vor Mittwoch abend stattfmden.

Am Mittwoch werden die Verhandlungen der Reichsregierung mit den belgischen Vertretern D e- lacroir und Bemelmans über die in der Pa­riser Entscheidung gestellte Garantiefrage beginnen. In einigen ausländischen Blättern wird die Sache so dargestellt, als ob hinter den Kulissen zwischen Deutschland und Belgien bereits eine Einigung er» zielt sei, so daß es sich bei den Berliner Verhand- lungen nur noch um eine Formalität handele. Lei- der ist dies nicht der Fall. Der Reise der beiden belgischen Delegierten dürfte allerdings, wie es in solchen Fällen zu geschehen pflegt, eine inoffi­zielle Fühlungnahme vor ausgegangen sein. Aber von hier bis zu einer Einigung über eine be­stimmte Garantieform ist immerhin noch ein Stück Wegs. Die belgischen Vertreter werden in Berlin den besten Willen M einer Verständigung vor- finden. Man muß dabei beachten, daß es sich M- nächst darum handelt nach der Fassung der Pa­riser Entscheidung für die beiden Schatzwechsel, die an die Stelle der Raten vom 15. August und 15. September treten sollen, eine Form der Garantie zu finden, da deren Ausstellung vor­dringlich ist. Es handelt sich dabei um einen Be­trag von 100 Millionen Goldmark. Wenngleich auch diese Summe bei den jetzigen Verhältnissen außerordenttich hoch ist, wird doch eine ausreichende Garantie in dieser Höhe keinem unüberwindlichen Hindernis begegnen, auch ohne daß dabei die für den Zugriff des Reiches ja gar nicht freien Gold­bestände der Reichsbank angegriffen werden müs­sen. Erst in zweiter Linie fomtnen die Sicher­heitsleistungen für die später fälligen Schatzwechsel in Höhe von 170 Millionen GoDmark.

DieFranks. Ztg." hält es für wohl möglich, daß diese Zweiteilung der Arbeit, die in den Ber­liner Verhandlungen zu bewältigen ist, auch ihrem Ergebnis zustatten kommt. Im einzelnen über die sich auf deutscher Seite bietenden Möglichkeiten heute schon etwas sagen zu wollen, wäre aus mancherlei Gründen verfrüht. Jedenfalls sind die da und dort in einzelnen Blättern au stauchenden Meldungen, daß die Garantie deutscher Großbanken oder ähnliche Vorschläge in Frage kämen, nur nahe­liegende Kombinationen, hinter denen keine Tat­sachen stehen.

Der Pariser Berichterstatter iserTimes" schreibt, Bradbury, der am, Samstag abend aus England

in dem Maße herabzwnindern, wie ihm selbst seine Schulden von England nachgelassen würden. Anderer­seits würde Frankreich auf feine Forderungen gegenüber den kleinen Alliietten verzichten, um dadurch zu beweisen, daß es die finanzielle Ordnung in Europa wünsche. Di- Abminderung der deutschen Schuldenforderungen müsse natürlich vor allem von England ausgehen. Poincare glaubt, daß man die Frage des Moratoriums einstweilen beiseiteschieben könne, weil es viel wichtiger sei, daß zunächst einmal die Regelung der interalliierten Schulden in Verbindung mit dem Reparationsproblem erfolge, am besten im Beisein der amerikani- sehen Vertreter.

(Ein neuer plan Lloyd Georges.

Die französische Forderung auf baldige Einbe­rufung einer" interalliierten Schuldenkonferenz wird in Londoner amtlichen Kreisen ziemlich kühl auf- genommen. England wolle zunächst seine Sonder­verhandlung mit Amerika abwqrten und auf keinen Fall an einer Konferenz der Verbündeten teilnehmen, bevor der Schatzminister Sir Robert Horne, der sich jetzt als Führer der britischen Schuldenkonsoli« dierungskommission nach Washmgton begibt, wieder zurückqekehrt ist. Man glaubt daher nicht, daß die interalliierte Finanzkonferenz vor Ende November oder Mitte Dezember zustande kommt.

Nach dem »Daily Mail" bereitet Lloyd George den Plan einer gemeinsamen WirtschastS- aktion zur Sanierung Europas vor. Als Basis dieser Aktion soll eine große internationale Anleihe dienen, an der sich, wie man hofft, auch die Vereinigten Staaten beteiligen würden. Im Zusammenhang mit der Tatsache, daß der englische Finanzsachverständige, Sir Basil-Blackett, von Bal­four dringend nach Genf berufen wurde, wird damit gerechnet, daß der neue Plan Lloyd Georges bereits auf der gegenwärtigenVölkerbundstagung erörtert wird.

Die herbstksnserenz -er Alliierten.

Der Pariser Berichterstatter desDaily Telegraph" schvsibt: Eine Tatsache kann aus dm Erörterungen während des Wochenendes über Poincares Antwort auf die Bcchvurnvte und die allgemeine Fnige der Repa- mtiorren gefolgert werden: der französische Pvemier- mimster erhofft die Teilnahme Amerikas an der HerbstkonfereriJ in B ruf sei. Inoffizielle An­strengungen werden bereits zu diesem Zwecke unter- no-mmen und sind das Ergebnis der Rolle, die der amerikanische offiziös« Delegierte Logan auf der letzten Reparations kcmferenz gespielt hat.

Unterstützung -er -rutschen Regierung.

Eine neue Rede des Gouverneurs Cox.

Bei einem Dankeff der amerffanischsn Gesell­schaft zu Ehren des früheren demokratischen Präsi- dentscha-ftskandiidaten Cox richtete dieser einen neuen Appell an sein Land, Europa zu Hilfe zu kommen. Die beste Begründung für seine Mah­nung ist die katastrophale wirtschaftliche Lage vester- vsichs und Deutschlands, die Cox seinen Zuhörern anschaulich schilderte. Für Deutschland besonders interessant ist die offene, nachdrückliche Art, in der Cox für die U n t e r st ü tz u n g der gegenwärtigen deutschen Regierung eintrat. Er erklärte, daß keine zwei Männer gewisienhafter seien bei der Erfüllung ihrer Aufgabe als Ebert und Wirth. Cox ist überzeugt, daß diese beiden Männer den Fortbestand der demokratischen Institutionen

sachmann, der fähig sei, die Frage zu einem günstigen Abschluß zu bringen und er werde auch in Frankreich dafür angesehen. Er habe 6 oder 7 verschiedene Kom­binationen im Sinne gehabt, um die deutschen Schatz­scheine annehmbar zu machen. Di« Korrespondenz hört, bei der von Bradbury gewählten Methode spiel« Großbritannien eine wichtige Rollo.

Vie Instruktion für die Belgier.

Dir Minister Theunis urä> Iaspar empfingen die belg. Sezierten Delacroix und Bemelmcm sowie den Bankier Philippson, der der bergischen Delegation für Berlin beigsgeben werden wird. Zur Beratung standen die Garantien, die man von Deutschland für dir Wechsel verlangen soll, die Belgien gegeben werden. Theunis druckte den Wunsch aus, daß die Verhandlungen mit möglichster Eile ge­ährt würden und daß die bergischen Delegierten, abge-

FuldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.

wert ist noch, daß Cox für den endlichen Abschluß eines amerikanisch-französisch-englischen Garan­tiepakts eintrat, weil dadurch die Rheinland­besetzung überflüssig werde und weil ohne diesen Pakt mit Frankreich nicht über dieAbrüstun zu Lande verhandelt werden könne.

völkerbun-s-Versammlung.

Am Montag vormittag eröffnete die Völker« bundsversammlung in Genf ihre dritte Tagung. Sie ist insofern von besonderem Interesse, als dort das letzte Wort gesprochen werden soll übet die internationale Anleihe an Oesterreich. Wird die Entscheidung im verneinenden Sinne fallen, dann stehen wir in Mitteleuropa vor folgenschweren Er­eignissen. Es muß dann notgedrungen zu einer Abänderung des Trianoner Vertrages kommen.

Die Wahl des Präsidenten vollzog sich, ohm daß vorher auS der Versammlung heraus Vor schlägt gemacht worden wären, da die Delegierten sich bereit# vorher über den Namen deS Vertreters »oi Chile, Edward, chilenischer Gesandter in Lon­don, geeinigt hatten.__

3]

Hans

Brick bis «tenranb

Gesina »an Ingen.

Roman von Anny van Pan Huys. **

trat langsam und mit aufmerksam prüfendem nahe vor das BiD hin, dessen unserer Rah. nur knapp einen Viertelmeter vom Fußboden

mtfernt war. Er sah lange, lange auf die Frau, deren Nestalt und Züge ein unbekannter Künstler von einst ?ar so lebendig auf der Lcindwand für spätere Gene­rationen sestgehalten. Wirklich, gar so lebendig. Man tonnte sich mit Zuhilfenahme von ein wenig Phantasie tatsächlich einbilden, die schlanke, schmale Frau mit dem Waffen, feinen Gesicht und den dunklen, todesbangrn Augen stehe vor einem. Wie lebendig diese Augen waren, imb wie lebendig der scharsumrissene rote Mund. ?a$ue.?c!,*e brandrotes Haar in überreicher Fülle um

, eichen und das Lockengewirr über den schwarzen, schmalen Brauen war wie hundert grelle Flämmchen, - ,s meiste Antlitz überlohten. Wuchtig und schwer m U u Haar über die kleinen Ohren, die übrige Pracht borg sich unter der Witwenhaube, die ihre tiefe eptge zwischen die Augenbrauen eindrückte. Ein weiter schwader SckLeier fiel ihr von der Haube bis beinahe «rn ltleber und umschattete gleich schwär-

;em -'-eve. dar schneeweiße, stumpfseidene Gewand, »essen Tracht langst verschollenen Tagen angehörte.

So stand Frau Claudia vor dem letzten Elmhorst und ör fia°r S'lnlmlC gleißte, ließ seine Flammenzüng- sem unter d«n «chleier aufflackern und der junge Mann verglich m Gedanken dieses Haar mit dem G-sma van Ingens.

Tat, Gesinas Haar hatte denselben Ton und °uch Besicht und -lugen wiesen entschieden Aehnlichkett auf DiÄleicht ,ah pe wenn sie einige Jahre älter ge­worden, der Wittib Claudia noch ähnlicher

Er ließ sich in einem alten, hochlehnigen Stuhl nie- der und gedachte mit schmunzelndem Lächeln seiner heuti­gen Begegnung mit Gesina van Ingen. Diese Begeg­nungen mit ihr bereiteten ihm stets Vergnügen, denn er mar so ziemlich der einzige Mensch weit und breit, Mit dem sie sich in eine längere Unterhaltung einlteh

Sm Sommer vor zwei Jahren war sie "drüben in dem Häuschen der alten Maria van Ingen aufgrtaucht

und bald danach staunend um die Rosenpracht der Gärt- nerei herumgestrichen, bis er, sie beobachtend, eines Tages kurzen Prozeß machte und sie in den Garten hineinschob, wo sie, ein glückseliges Kind, von Rose zu Rose ging und die Blumen mit allerlei liebkosenden hol­ländischen Namen bedachte. Don da an wiederholte sie i^re Besuche oft, ohne erst um Erlaubnis zu fragen, und wenn jemand außer Haus in ihre Nähe kam, eilte fie fast immer davon. Mit ihm aber unterhielt sie sich, so ost er sie im Garten aufstöberte. Und et unterhielt sich gern mit ihr. Sie sprach das Deutsch«, das sie tadellos verstand und las, mit ziemlicher Geläufigkeit, nur schoben sich zuweilen gar so drollige Sprachschnitzer ein, die für ihn zu einer besonderen Quelle des Ver­gnügens geworden waren. Schade, wenn er sich durch feine heutige Offenheit fernerhin des Vergnügens beraubt haben sollte.

Ganz deutlich meinte er ihre zornige Stimme zu hören:Die Fuchsin wird nicht mehr Rosen wildern, Herr Elmhorst, meine häßliche Haar werden Ihnen nicht mehr stören!"

Wenn sie nun Wort hielt und nicht mehr wiederkam? Zuzuttauen war es ihr, in diesem nach außen hin so scheuen Kinde steckte Leidenschaft, steckte Temperament, das hatte er heute nachmittag erkannt.

Mit einem Male bedauerte er, ihr so geradeheraus erklärt zu haben, er finde die Farbe ihres Haares häß­lich. Seine Mutter hatte recht, es war wirklich Zeit für ihn, etwas galanter gegen Damen zu werden.

Aber Gesina von Ingen war doch noch ein halbe» Kind und er hatte gar nicht gedacht, sie könne ihm seine Worte so übel vermerken. Eigentlich hatte er sie nur ein wenig necken wollen. Aber außerdem fand er thr Haar tatsächlich abscheulich. Er sah auf das Bild. Frau Claudia Baronin von Elmhorst war dos, was man ohne Uebertreibung wohl eine dämonisch schöne Frau nannte. Das rotflammende Haar, die dunklen großen Augen und das feine weiße Gesicht mochte dereinst viele Männerherzen zu heftigerem Pochen veranlaßt haben, aber jedermanns Geschmack war sie nicht. Ebenso würde es später ®efina van Ingen ergehen.

lieber sich selbst lachend erhob er sich. Was kümmerte es ihn, ob sich die langbeinige Mejufrouw zu einer Schönheit -niswuchs oder nicht, sein Geschmack war sie

auf keinen Fall, mit diesem Teufelsgespinst auf bem Haupte, das dadurch gezeichnet ward. Weg mit den Gedanken an den wilden Balg, der ihr ähnlich sah, er wollte lieber in sein Zimmer gehen und arbeiten.

Maria van Ingen saß am Fenster und sah Gesina in rasendem Lauf auf ihr Häuschen losftürmen. Man hätte meinen können, jemand hätte eine Meute auf sie gehetzt. Doch war, so weit das Ange reichte, niemand zu erblicken und die altjüngferliche Dame schaute der Nichte mit einer Art von ärgerlicher Erwartung ent­gegen. Gesina bekam ihren Nerven nicht besonders, seit sie sich im Hause befand, war es mit der einschläfernden Ruhe, in die sie ihre Verbitterung über ein einsames Mhungfernleben einlullte, vorbei, alle Augenblicke war etwas los. Einmal wollte Gesina in ein holländisches Kloster eintreten. Dann entdeckte sie wieder Maltalent an sich und wollte in dem nahen Berlin Unterricht nehmen. Dutzendweise warf sie Köpfe auf das Papier, flüchtig skizziert und doch deutlich erkennbar. Hans Elm- harst war es, der Sohn des Gärtnereibesitzers, der Arzt werden wollte und die Berliner Universität besuchte. Ein ganz hübscher Mensch, aber schließlich gab es doch noch andere Köpfe, die Gesina mehr zum Festhalten hätten reizen können, als das herbe, etwas hochmütige Jvng- münnergefidjt.

Maria van Ingen war die einzige Schwester von Ge. firtas Vater, der Baumeister in Amsterdam gewesen, wo er mit seiner Fran vor zwei Jahren ohne Vermögen», histerlassung starb. Damals mußte sie sich der Waise aunehmen, denn außer ihr besaß Gesina nur noch einen entfernten Verwandten mütterlicherseits, und der lebte in Indien.

Maria van Ingen war Gesellschasterin gewesen und nachdem sie zuletzt säst zehn Jahre eine alte kranke Dome betreut, die in dem kleinen. Berlin so nahe ge­legenen Nest, daß man es fast Vorort nennen konnte, wohnte, wurde sie deren Erbin, erhiett das kleine Hau» bei Berlin und dazu ein Dermögen, von dem sie sorglos zu leben vermochte, wenn es ihr auch keine großen Sprünge zu machen gestattete. Ihre Tage spannen sich füll ab bis Gesina kam, dies seltsame Mädchen, halb scheu, halb Wildkatzennatur, bei der man ständig auf der Hut sein mußte. Maria van Ingen traute dem Charak­ter ihrer Nichte nicht, das rote Haar schon schien ihr eine

Warnung. Gesinas Mutter hatte auch dieses Feuer, haar gehabt und die beiden Schwägerinnen waren ein- ander niemals besonders sympathisch gewesen.

Jetzt stürmte Gesina ins Haus und die Tür flog mii lautem Knall hinter ihr ins Schloß.

Was sind denn das für Gaffenbubengewohnhetten?' rief ihr das alte Fräulein empört entgegen und fetzte die ftrengfte Miene auf.

Sie sprach ihre holländische Muttersprache mit un­verkennbar deutschem Akzent, sie lebte ja schon so langt in Seutfdjlanb.

Gesina antwortete zunächst überhaupt nicht, bau» ballte sie die rechte Hand und schüttelte diese Faust in der Richtung der Gärmerei und eine Flut von hollän- bischen Worten kam aus ihrem Munde. Das alte Fräu- lein begriff gar nichts davon, bis sie empört Ruh« gebot.

Nun erkläre mir kurz und deutlich, was geschehen ist, und was dir der junge Herr Elmhorst .getan, denn um ihn scheint sich die Sache zu drehen, sprich aber langsam, ober noch besser, sprich deutsch, sonst werd« ich doch nicht aus dem Durcheinander klug."

Gesina suhr sich mit den Fingerspitzen über dis Augenlider, hinter denen brennende Tränen des Zorne» und der Empörung darauf harrten, überströmen zu bür- fen. Langsam und deutlich sagte Gesina nun in beut- scher Sprache:

Mynheer Elmhorst Hai mirFuchsin" genennnt, weil ich rote Haare habe und feine Rosen wildere und er beleidigt mir schrecklich und sagt, ich habe häßlich Haar, eine Frau mit meine Haar will er sich in fein Leben nicht trauen."

Maria oan Ingen schüttelte den Kopf, doch bann begriff sie, was Gesina meinte und belehrte zunächst:

Das holländische Worttroumen", das man wie trauen" ausspricht, wird mitheiraten" übersetzt, Dv meinst also: Eine Frau, die Deine Haarfarbe besitzt, wird er nicht heiraten. Gut! Aber was geht Dich das an, wen Herr Elmhorst einmal heiratet?"

Dar Letzte klang sehr zürnend.

Nichts geht mir bas an, gar nichts, aber ich habe Schmerzen, weil er mirFuchsin" getrennt hat, und auf meine schöne Haar Spott getan hat."

(fiortiefeiw fniat)