JE 202.
Sonntag, 10. September 1922.
Mldaer EZettung
Druck der Fuldaer Actteudruckerei iu Fulda
Kus dem besetzten Gebiet.
— Klärung der Gberkaffeler Mörder. Die ange- stellte Untersuchung hat, wie französische Blätter auS Brüssel berichten, ergeben, daß der belgischeWacht- posten von dem belgischen Unteroffizier Stas, als er ßa» Kaffeehaus gegenüber der Kaserne verließ, im Zustand völliger Trunkenheit erschossen worden ist und daß sich Stas dann selbst den Tod gab. — Die belgische Besahungsbehörde hat sich durch ihr Verhalten bei diesem Zwischenfall aufs schlimmste bloßgejtellt. Es wird jetzt bekannt, daß schon am Morgen nach der Mordnacht belgische «Lol^aten erzählt haben, ein Belgier habe einen anderen erschossen. Trotzdem wurde der Beigeordnete Dr. Obenkirchen und der städtische Polizeikommissar Blasius verhaftet. Dabei wurde die Polizei sortgesetzt verhindert, den Tatbestand aufzunehmen; sie konnte keine Ortsbesichtigung vornehmen. Noch bei der Trauerfeier am Mittwoch trafen die Deutschen Kranzspenden an, auf denen zu lesen stand: „Ermordet durch Deutsche", .Ermordet durch die Barbaren". Jetzt, nach der Trauerfeier, gesteht Brüssel endlich ein, wie die Dinge liegen. Es kündigt überdies an, daß die belgische Regierung eine Erklärung vocbereite, durch die auch der deutschen Regierung Genugtuung geschaffen werden solle.
* Main;. Mit dem von der französischen Geheimpolizei verhafteten Regierungsrat Pranget in Wiesbaden ist noch ein hiesiger Kriminalkommissar festgenommen worden. Beide wurden in die fran. zösische Abteilung des Provinzialgefängnisses in Mainz eingeliefert, da die Sache zur Zuständigkeit des Kriegs, gerichtes am Hauptquartier der französischen Rhein, armee gehört.
kmckcn. Im Gegenteil! Ich wünsche ihnen herzlich, Lag sie aus der Einsamkeit herauskommen und eine behagliche Hausherrin werden. Nur müssen sie die Vorbedingungen erfüllen.
Erstens müssen sie die notwenDigen Kenntnisse und Fähigkeiten in der gesamten Hauswirtschaft sich erworben haben. Das war schon früher eine unentbehrliche Grundlage für das häusliche Glück und ist es in diesen Zeiten der Teuerung erst recht. Es ist un- verzeihlich, wenn die Eltern ihre Töchter einfach in eine Berufstätigkeit einschieben, ohne dafür zu sorgen, daß sie auch für den Fall der Verheiratung vorbereitet sind. ®ei_ aller Schätzung der weiblichen Erwerbstätigkeit darf^ man doch keinen Augenblick vergessen, daß der oberste Beruf des weiblichen Wesens die Heirat und me Mutterschaft, die Begründung und Beglückung einer eigenen Familie ist. Wenn in der ganzen Erziehung Les Mädchens dieses Naturgesetz zur Geltung gelangt, so wird in d:n meisten Fällen das Mädchen nicht bis zu seinem vierzigsten Jahre zu warten brauchen, um einen Heiratsantrag zu erhalten. Gerade die besseren Elemente auf der männlichen Seite merken es bald h raus, welche der Kolleginnen sich zu tüchtigen, gemütlichen Hausfrauen besonders eignen.
Die zweite Vorbedingung ist die Bescheidenheit. Das blühende Mädchen liest ihren Roman und denkt ror ihrem Spiegel: „Warum soll ich mich wegwerfen on so einen gewöhnlichen Freier? Ich habe mein gutes Auskommen in der Berufsstellung: ich kann ruhig ab- warten, bis sich eine recht feine Partie findet!" Und sie wartet auf den Märchenprinzen oder den Dollar« fürsten ein Jahrzehnt und noch ern Jahrzehnt, bis aus der reizenden Rola eine Rosine geworden ist. Dann möchte sie schon mit einem „gewöhnlichen" Manne vor- liebnehmen, — wenn er nur käme. Das ist die gefährliche Schattenseite an der Emanzipation in der weiblichen Berufstätigkeit. Die gut bezahlet« Fräulein werden anspruchsvoll und wählerisch, bis es zu sväi ift. Die Einen denken überhaupt nicht an die Möglichkeit, daß sie dauernd sitzen bleiben könnten, und die Aichern bilden sich ein, daß sie auch im vorgerückten Aster ihre volle Zustiedeicheit in der Tretmühle der Lohnarbeit
Sozialer.
= Vie Meter gegen dar Mieterschutzgesetz. Der deutsche Mietertag in Kassel hat eine Entschließung angenommen, in der schärfste Kritik an den unklaren Ausführungsbestimmungen zu dem Mieterschutzgesetz geübt wird. An die Reichsregierung wurde ein Ersuchen gerichtet, .diesem Wirrwarr" ein Ende zu machen. Eine weitere Entschließung verlangt hinsichtlich deS deutschen Wvhnungsbauprogramms von der Regierung die Verhinderung des Wuchers mit der Bauzeugerzeugung und der Baustoffe.
ausian».
f Neue lothringische Partei. Unter dem Namen .Alliance bemocratique et sociale" hat sich als Zweig der entsprechenden gesamtftanzösischen Partei gleicher Firma eine neue Partei aufgetan, über deren Hintermänner und letzte Ziele man noch nicht ganz klar sieht. Eigenartig und bezeichnend ist, wie der CPC aus Metz mitgeteilt wird, einmal, daß Poincars der Ehrenvorsitzende, Jodart, der französische Botschafter beim Vatikan, der eigentliche Präsident ist, zum andern, daß unter den aufgeführten führenden Leuten eine ganze Rethe ist, deren Namen gleichzeitig eine Stellung in der „Union röpublicaine lorraine", der katholischen Partei, einnehmen, der die neue Parteigründung ihrem Programm nach aber als Gegner eutgegentritt. Da ist eine Klärung nötig, die wohl ergeben dürfte, daß die Betreffenden durch irgend eine .nationale" Phrase („Einigkeit", „Einheitsfront" und bgl.) geködert wurden. Das Programm fordert Beseitigung der konfessionellen Volksschule, an dessen Stelle fakultative religiöse Kurse treten sollen. Im übrigen ist die Partei aber bet grundsätzlichem Festhalten an der französischen Laiengesetzgebung dafür, daß in Lothringen
Jeuberung nur int Einvernehmen mit dem Vatikan erfolgen dürfe. Die prinzipielle antiklerikale Haltung unterscheidet die neue Gründung von der bestehenden „Union republicaine lorraine", die bis»
nicht vorlägen. Bis heute hätten tne (Bemeinbearbeiier, bei der Regelung ihrer Lohn- und Arbeifsverhältniffe, immer die Interessen der Allgemeinheit berücksichtigt. Möge dies auch weiterhin der Fall sein. In diesem Sinne wünscht auch die Stadt Würzburg den Beratungen besten Erfolg. Kollege Otte schildert kurz unsere heutigen Zustände und die Aufgabe, die der Gewerkschaftsbewegung heute erwachsen. Die Einbeziehung der Betriebsangestellten und Beamten in unsere Reihen wird auch ein besseres Verhältnis innerhalb der drei Gruppen herbeiführen, was ebenfalls nur zum Nutzen unserer Gesamtbewegung sein wird. Kollege Deden- bad) gab alsdann noch Erläuterungen zum Bericht des Zentraloorftandes. Die im Laufe der Berichtszeit geführten Streiks wurden noch einmal besonders besprochen, sowie die Vorgänge am 1. Mai der drei letzten Jahre. Der c r st e Mai ist für uns christliche Gewerkschaftler kein Feiertag, solange ihn nicht die Regierung als solche anerkannt hat, dementsprechend muffen sich auch unsere Kollegen verhalten. Der Kassenbericht zeigte nach den runden Zahlen wohl eine Verbesserung gegenüber dem letzten Bericht, aber prozentual ist tatsächlich eine Aufwärtsentwicklung nicht vorhanden. An- schließend daran folgten die Berichte der verschiedenen Kommiffionen.
Gewerkschaftliches.
Zweiter Verbands tag der Gemeindearbeiter unb Straßenbahner Deutschlands vom 3. bis 5 September 'n Würzburg. Der erste Verbandsvorsitzende De- de n b a ch-Koln eröffnete den Verbandstag Herr Anken brand begrüßte als Vertreter der Regierung den Verbandstag und Herr Stadtrat H a u ct gab in kur- jen klaren Worten das Verhältnis der Stadtverwaltung Würzburgs gegenüber den städtischen Arbeitern bekannt Heute seien die städtischen Betriebe anders geartet al« minh^n0 yrü^er Eten sich die Städte meist
mmderleistungssahiger und invalider Arbeiter bedient
"cht mehr möglich. Heute verlange die Aufrechterhaltung der städtischen Betriebe tüchtige und ?ualMZwrte Arbeiter. Dadurch sei auch die aefamte städtische Arbeiterschaft auf ein höheres geistiges Niveau gekommen Mst der Regelung der Löhne sei es nicht ge-
MWnMMuiMesm in PMsn.
killt Dkllkflhml über Sie NeiWlMns her SelWermsiunl'.
Dem Preußischen Staatsrot ist zugleich mit den Entwürfen für die Städteordnung un) Landgemeinde- orbnung und deren Begründungen eine vom Minister des Innern unterzeichnete „Hebersicht über die kommunale Verwaltungreform in Preußen" zugegangen. Diese Uebersicht ist für jeden Kommunalpolitiker von größtem Jnteresfe, vor allem, weil damit die erste systematische amtliche Veröffentlichung darüber erfolgt, wie das preußische Ministerium sich die Grundlinien unserer Verwaltungsreform denkt. Diese Denkschrift ist aber auch deshalb ungemein lehrreich, weil sie einen Vergleich mit den Plänen des Staatskommissars für die Vorbereitung der Berroaltungsreform ermöglicht. Und dieser Vergleich muß leider wieder bestätigen, daß die großen richtunggebenden und neue Wege suchenden Gedanken des Staatskommissars Dr. Dreros im Ministerium derartig „bearbeitet" worden sind, daß die Gradltnigkeü und Klarheit des Aufbaues, ihr Gehalt an modernen fortschrittlichen Ideen sehr stark verloren gegangen fft.
Die Denkschrift gibt zunächst eine allgemeine Umschreibung der Verwallungsrefvrm, bei der zwischen der kommunalen Verwaltungsreform unb der staatlichen Verwallungsreform zu unterscheiben ist. Die Denkschrift geht dann auf die Hauptforderungen, an die Umgestalüing unseres Verwaltungsausbaues, ein. Sie lehnt die Forderung auf Be- feitigung des Dualismus in der Prooinzialinstanz, der in der Zuständigkeit von Dberpraftbium und Bezirksregierung auf den gleichen Gebieten bestehl, ab. Damit ist auch die Ablehnung der Heberleitung der Haupt- aufgaben dieser Stellen, vor allem der Aufsicht über bie Selbstverwaltung, auf den kommunalen Setbst- verwoltungskörper der Provinz gegeben, weil die Stachsvsgierimg „in Anbetrackst der fortschreitenden Poillis»ercmg bet Selbstoerwaltungskörperschaften" bet MEN Stütze ihrer eigenen Provrnzialbehörden bedürfe; getabe die Staatsaufsicht über die SeLstverwaltung Mkoin zur Uebertragamg auf die provinzielle Selbstverwaltung geeigneter Gegenltanb. Auch die Besei- tiMMg der Bezirksregierung durch deren Verschrnel- N«S «ft den Oberprästbien roitb mit dem Hinweis auf l)ie Kosten dieser Umorgarriftrtion und auf das Be° (heben, Behörden unb Bevölkerung örtlich anzunähern, adgÄehnr Allerdings soll doch deren ZustäMgketts- ftw» wesentlich eingeschränkt werden, um eine Vereinfachung unb Verbilligung zu erzielen, aber diese Amderung sei nicht grundsätzlicher Art für die Organisation der Staatsverwaltung. Auch die „Kommuna- Lsterung" bes Landrats wirb abgelehnt, dessen Stel- bmg grundsätzlich dieselbe wie bisher" bleiben soll, weit bet der Wahl dieses überaus wichtigen und verantwortlichen Ausläufers der Staatsverwaltung durch die der Regel parteipolitisch orientierte Kreistagsmehrheit die Interessen des Staates zu kurz kämen.
Der allgemeine Teil der Denkschrift weist darauf hm, daß hinsichtlich des Rechtsschutzes die bestehende Organisation keiner grundsätzlichen Aende- rung bedarf und daß durch die kommunale Verwaltungsreform der Neuordnung des allgemeinen Beamten. und Difziplinarrechts nicht vorgegriffen werden soll. Die Denkschrift zieht dann den Schluß, daß die kommunale Verwaltungsreftwm zeitlich unabhängig von der staatlichen Berwaltungsreform in Angriff genommen werden kann, da die Kommunalverwaltungsreform eine grundsätzliche Aenberung der Staats- orgamfation nicht erforderlich macht. In ben „gemein* famen Grundsätzen für die neuen Gemeindeverfassungs- «esetze", die die Denkschrift weiter aufftellt, wirb zunächst bas Verhältnis der ©emeinben zum Staat behandelt. Die Staatsaufsicht, die klar umschrieben und genau umgrenzt werden soll, will die Denkschrift beschränkt wissen auf die Beanstandung gesetzwidriger Gemeindebeschlüsse, die Sicherung einer ordnungsmäßigen Verwaltung unb ein Einspruchsrecht gegenüber bestimmten Gemeindebeschlüssen von be- sonders weittragender Bedeutung. Für die Provinz hält die Denkschrift eine Abgrenzung der Besua- mffe nicht sür erforderlich. Dagegen fei in den Landkreisen ein festerer Zusaminewchluß erforderlich um der Selbstverwaltung auf dem Lande die nötige' Leistungsfähigkeit zu sichern und- um die Selbstverwaltung bes Kreiskommunalverbandes zu stärken. Durch die Bildung der Landbürgermei ftereiem in ganz Preußens will die Denkschrfft den „in einem größeren Teile des Staatsgebietes bestehenben Fchler beseitigen, „daß vielfach weder die Verwaltung noch die Leistungs- fähigkeft der Einzelgemeinden ben ihr gestellten Aus- gaben gewachsen ist". Die Landbürgermeistereien sollen ..die eigentlichen Träger der örtlichen Selbstverwaltung auf dem platten Lande werben" und sollen daher den I
Eemeinden Setbstoerwaltungsangelegcnheiten auch | gegen deren Willen abnehmen können. Um zu ver- I hindern, daß bei dem jetzigen Wahlverfahren Teile von Bürgermeistereien, Kreisen oder Provinzen in den entsprechenden Walsikörxer'chaften unoertreten bleiben, will die Denkschrift durch die Bildung von Wahlbezirken eine Oberverteilung der Wahlstellen auf die einzelnen Teile des Wahlverbandes vornehmen, ebenso wie sie auch innerhalb einer Gemeinde die Bildung von Wahlbezirken zulassen will.
In dem Abschnitt über die Selbstverwaltung- und Auftragsangelegenheiten wird bei den Seibstverwal- lungsangelegenheiten unterschieden zwischen der „Schaf- fmig gemeinnütziger, unmittelbar dem Wohle aller Ein- I wohner dienenden Einrichtungen" und der gewerbs- I mäßigen Betätigung der Gemeinden, „die nicht notwendigerweise durch den Gegenstand der Betätigung unmittelbar, sondern häufig erst mittelbar durch den wirtsachstlichen Erfolg einen Nutzen für die Gemeinde zur Folge hat." An anberer Stelle wirb offenbar von diesen Kommunolisienmgsbestrebi'ngen gesprochen in der Begründung der Städteordnung; die Denkschrift meint selbst dazu: „Eine erfolgreiche wirtschaftl. Betätigung ist auch für die Finanzwirtschaft der Gemeinden und Gemeindeverbände von größter Bedeutung. Beide Be- tätigungsgebiele werden daher ben Gemeinden grundsätzlich in gleichem Maße offen gelassen." Aus dem Abschnitt über Eingemeindung, der die bereits bet arm« len Bestimmungen der Entwürfe erläutert, fft als neuer Gesichtspunkt folgender Satz hervorzuheben: „Die I unmittelbar beteiligten Gemeinden und die mittelbar beteiligten weiteren Verbände (Landbürgermeistereien, Kreise und Provinzen) wurden grundsätzlich gleichgestellt." ____________________
Sur Meiling her MW her Preße hat der Verein deutscher Zeitungsverleger dem Reichs-wirtschaftsministerium eine Reihe von Anträgen übermittelt. Es handelt sich um 1. die Festsetzung von Höchstpreiien für Zell-, Holzstoff und Zettungsdruckpapier; 2. die Sicherstellung eines ausreichenden Einschlages von Papierholz in den Forsten, sowie die Bereitstellung dos erforderlichen Quantums von Papierholz zu angemessenen Preisen; 3. die Verstärkung des Fonds der Röckvergütungskaffe; 4. die | Beseitigung der neuerlichen Verschärfung der Zah- lurogsbebianungen, die an Stelle des bisherigen Ziels von vier Wochen und mehr die Vorausbcza^ung des halben Monatsbedarfs erfordern; 5. weiterhin auch die Beseitigung bei steuerlichen Mehrbelastung (Anzei- gensteuer) unb andere steuerliche Maßnahmen. Auch der Reichsrat unb der volkswirtschaftliche Ausschuß bes Reichstages beschäftigten sich eingehend mit der Nollage der Presse. Das Reichswirtschafts- mimsterium ist jetzt erblich erttschloffen, mit der größten Entschiedenheit vorzugehcn. Rei chswiris chcrft sm f ni ft er Schmidt betonte im Reichstagsausschuh, die Presse muffe unbedingt gerettet unfc das zur Herstellung des Druckpapiers nötige Holz mit aller Emraie erfaßt werben.
Das Rcichswirtfchastsministerium wirb bei feinen Bestrebungen im Reichstag eine sehr große Mehrheit finden. Hoffentlich wirb das auch im Reichsten der Fall sein, wo bisher die einzelnen Lander gegen eine angemessene Abgabe von ihren ungeheuren Holz gewinnen mit großer Entschiedenheit sich sträubten. Ohne eine angemessene Abgabe von ben hohen Holzgewinnen wird aber das Problem überhaupt nicht zu lösen sein. Alle anderen vargeschlagenen Mittel reichen ohne eine solche Maßnahme nicht aus. Vor allem aber kommt es jetzt darauf an, was wir immer schon gefordert haben, daß mit größter Schnelligkeit gehandelt wird; sonst, fürchten wir, werden alle Maßnahmen gar nichts oder doch nicht viel mehr helfen können.
Unpolitische Zeitkäufe. ,
Bon Fritz Nienkemper.
Berlin, 5. September 1922.
, ®n. Engländer singt ein Loblied auf bi» alte sJc,r‘ E einer eigenartigen Zuspitzung. ,5 .“j“1 uns gewöhnlich bas „sitzengebliebem:" Framem sei zu bem opferwilligen Beruf der fteund- '^fie Doch der Engländer er*
wert Heiratskandidatin. Er
habe eine 2Rabd,cn Dtm etwa 40 Jahren
Sen jucerläffLn ^nZ'chungskraft für Männer, die Ehe suchten bequemen Kameraden in der
meistens ein kwinesSefi^n lästigen Anhang, besitze den unb Einkommen, sei beschei-
sie noch vor Zcrt^fri-rH^ Ul,b werde dem Mann, der sein. y upJ ^ewahtt habe, recht dankbar
von der Ehe entjprichr 5fcelf
alternde Leuts eine DerftnnÄ^- nK$' roenn Zwei auf nichts Höheres schließen, die
Verpflegung auf Gegenseitigkeit aUf~™,2 b!.a’-fle Drum prüfe, wer sich ewig binfcrt k rr^"Jer sagt: Zum Herzen findet. Bei diei'em 615 $cr3 mehr darauf anzukommen ob sich^E"^ f^tnl es Magen findet. NH der Magen zum
Den umworbenen Fräulein .
M-agt, zuerst stellten sie die Sr^e-
zwanziger Jahren aber kämen ft L. ? et» 3n Das ist er? Und wenn sie schier tSrug-s:
M es einfach: W o ist er? 3Senn nun® ®^"^0 °hnge noch einen Hnraisamraz erhält u
? ihr das Allerbeste, aber gerate mö^R% 'hr raten, nicht zu rufen: „Wo ist cr9® »hnbHngs zugreifen, sondern recht sorgfättia nri;^7,‘
er ist und wie er ist. Damit soll nicht bie äuS «Ye Schönheit und Eleganz gemeint sein, auch mdit tw Mllchaftliche Titel, sondern der Charakter des Hannes. Wenn er zu dem verspäteten Heiratsentschiuff E^chrinüt, jo Kot er doch feine besonderen Absichten
unb die Auserwah.tc muß sich darüber ganz klar rver- den, ob ,w diesen Erwartungen vollauf entsprechen kann
will, sonst soll sw lieber „Tante" bleiben; das tft 'wmer nllch cin kleineres Hebet als wenn fern einen WbfW/tflen odw launischen Mann qeftsM Ed, der bald ferne EmtSuschung merken läßt .... Auf der anderen Seite hat der Bewerber nm ein älteres grau em auch allen Anlaß, genau m nrä'en ob. die Heiratskandidatin wirklich M&qt ft mutliche und geschickte Hausfrau zu werden ' U L- Icheitknheit, die ter Engländer greift, darf'nan nicht G^ne weiteres voraussetzcn. Wenn das Friftlein sich fahrzchntelang abgemuht hat in ihrer Bsrufttätigk'it so ist es durchaus nicht unnatürlich, .daß sich ein Bronn nalafryiUnfl ba% fie *4 mal herrschen mochte, statt zu geharcheii, und das Leben aenieüen möchte, statt im Arb.it-joche erneut m lauson Es kommt darauf an klarzustcllcn, ob sie die Absichr kJ ihren künftigen Mann glücklich zu machen o<r b:c Absicht, sich sclber von ihm glücklich machen zujassen
Und zu der guten Absicht muß auch die V e s ä h i - gung kommen. Die Ringe sind bald ause-tamcht unb die Hochzeitstafel ist bald abaeräumt. 2ann kommt der Alltag mit feiner Probe auf das Exempel Hoi die „junge" Ehefrau auch einkauftn, kochen, fegen flicken stopfen, waschen usw. gelernt, ober hat sie in ihrer ang- jährigen Bcrufsarbnt dis Hauswirtschaft anderen Leuten überlassen? Der Ehemann muß schon recht wohlhabend sein, wenn er bei den heutigen Zeitoerhättnissen sich den Luxus einer Dienerschaft gestalten kann. Bis auf seltene Ausnahmefälle wird die Frau selbst den Haushalt fuhren muffen, und wenn ihr das nicht ordentlich gelingt, jo ist die Enttäuschung und der Aeraer da. Hat sich ein Pärchen in jungen Jahren verheiratet, so legt die „Liebe" ein Pflaster aus solche Wunden, und beide Teile denken, das werbe sich schon allmählich bessern. In den reiferen Jahren kann aber der Kuß nicht jede Suppe genießbar machen, und der Ehemann denkt: Was sie mit zwanzig Jahren nicht gelernt hat, wird sie mit fünfzig.Jahren wohl nicht mehr lernen.
Mit solchen Betrachtungen möchte ich nun (eines* wogs die Hoffnungen der vierzigjährigen Junsftauen
her ziemlich unangefochten int Besitz bet meisten Mandate ist. Das deutschsprachige katholische Blatt Elsaß-Lothringens, die „Lothringische Volkszeitung" erklärt denn auch, daß die Weltanschauunasfrage e8 erforderlich mache, daß „bet Neugründung bet fchärfste Kampf selbstverständlich angesagt" werde» müsse.
Aus dem Nachbargebiet.
X Alsberg b. Salmünster. Am Sonntag de» 17 Sept, wirb hier in althergebrachter Weise das Fes der Erhöhung des hl. Kreuzes gefeiert (Vollkommener Ablaß für alle, die daselbst die hei-l. Sakramente empfangen.) Das feierliche Hochamt ist um halb 10 Uhr. Die übliche Pwzession (bei günstiger Witterung!) ist nachmittags um 2 Uhr. Mögen sich auch diesmal wieder recht viele Wallfahrer ent« finden!
----- Hanau. Die Straftammer verhandelte über einen Bestechungsiall. Der Inspektor WiM Meißner, jetzt Kaufmann in Gorga-st, wirkte 1919 bei der Abwicklung bes ■Betleibungsamtes in Hanau mit. Er ließ sich, weil er „mitverdienen" müsse, von bem Kaufmann FraiH Kohl in Hanau 25 000 M für die Zuweisung von Zsltbahnstoff geben. Die Strafkammer verurteilte jetzt -den Kaufmann Kohl wegen Bestechung zu 5000 JL Geldstrafe; Meißner mar bisher reiseMrfähig.
— Kassel. In einem hiesigen Geschäft erschien tiefer Tage eine Frau unb kaufte für ihre Tochter ein Fahrrad für etwa 12 000 Mark. Das Gold zählte die Frau in lauter Fünfzigmarkscheinen auf! Trotzdem nahm der Geschäftsmann das Geld nicht. Liebe Frau, sagte er, das ist kein Geld mehr, das sind die alten, längst verfallenen 50-Mark- Scheine! Die Frau 30g mit dem Hamstergut und langem Gesicht ab . . . sie wird sich jetzt mit dem „Gelb" die „gute Stube" tapezieren lassen!
MriraisÄier heMeiuMMImher!
»Bedenkt die Wichtigkeit der Kreistatswabl am 10. September. Jede Stimme ist wichtig. Wählet geschlossen Oie Liste Schuchert-Dr. Kiel der christlichen Volkspartei. Bei der Doppelwahl obacht geben, daß Kreisratswahlzettel in den richtigem für diese Wahl bestimmten Umschlag kommt!
Kur Gbertzessen und den hessischen Aemtern
* Treysa. Einem hiesigen Bürger wurden nächt« licherweise auf feinem Acker sieben Hügel Hafer ausgcbroschen, beten Körnerinhalt nach Aus- sage Sachverstänbiger einen Wert von 3200 Mark haben soll. ______________
Vermischtes.
* währenb bes Dreschens brach in Unterbühl ein Rad der Maschine. Ein Eifenstück traf die Tochter des Sauern Scheubeck so schwer am Hals, daß sie sogleich tot war, ein anderes Stück drang der Bäuerin in den Unterleib; auch sie ist ihr« Devletzimg erlegen.
* liebet Nacht zum achtfachen Millionär geworden. Ein Arbeiter der August Thyssen-Hütte iu Hamborn erhielt dieser Tage von einet Bank die Nachricht, daß sür ihn 5000 Dollar aus Amerika zur Zahlung angewiesen feien. Wenn man den Valutastand von 1700 zugrunde legt, so ist bet in bescheidenen Verhältnissen lebende Mann über Nacht zum achtfachen Millionär geworden.
* Die Weste mit dem goldenen Futter. Bei einem vor kurzem verstorbenen Händler Hermann Thieme in Wellaune, welcher als Sonderling galt, fand man in einer Weste 303 Zwanziamark- stücke eingenäht, die sich nach der heutigen Währung auf 1515 000 Mark belaufen würden. Einen großen Teil davon dürfte das Finanzamt in Beschlag nehmen.
* 2'A Millionen Trinkgeld! Sn einem Berliner Hotel fand ein Hausdiener beim Reinigen der Kleider eines Gastes 2% Millionen DarlehnskasjensckDine, die er dem Gaste sofott überreichte. Mst einer Hcritd- bewegung wies der Gast den Hausdiener ab unb machte ihm das gefundene Geld zum Geschenk. Es handelte sich dabei um — Sowjetrubel, die einen Wert von 112 Mark hatten.
* 3n der Kleidung einer Vogelscheuche entkam- men. Ein zu langjähriger Zuchthausstrafe verurteilter Wohnungseinbrecher aus Regensburg war bei einem
finden würben. So verurteilen sie fdber sich zu der ewigen Tantenschaft.
Das suchen nun die ehescheuen Jünglinge zu ihrer Verteidigung ouszunutzen. Sie sagen: „Die emanzipierten Damen von heutzutage sind zu stolz und begehrlich; ta bleibe ich lieber ledig, als daß ich mich um Lohndiener für eine eitle und vergnügungssüchtige Frau mache." Sehr schon gesagt, aber in Wirklichkeit teckt dahinter der Trieb, das gute Gehalt und die fort- geletzten Teuerungszulagen auszunutzen zu der eigenen Vergnügungsjagd. Sie wollen „sich ausleben" in ungestörter Leichtfertigkeit, und wenn fie dann in die Jahre kommen, wo das Bummeln keinen rechten Spaß mchr macht, dann sind sie für einen richtigen Familienvater schon verdorben.
Also kommen wir zu der Einsicht, daß auf die Spätste! cat, die der Engländer preist, doch kein Verlaß ift, und der kluge Mensch, wenn er nicht zum geistlichen Stand berufen ist, sich rechtzeitig umsehen soll nach einer paffenden Lebensgefährtin, um nicht auf einem flotten Segelschiff in den Hafen der Ehe einzn- lausen.
Es ist nicht gut, daß der Mensch allein fei. So heißt es schon zu Anfang der Bibel. Das gilt euch heute noch bei den schlechten Zeiten. Heber diese Schwierigkeiten und Gefahren kommt das bedrängte Menschengeschtecht am besten hinweg, wenn sich die Leute paarweise zusammenfinden in einer vernünftigen Ehe, damit sie nach der Ordnung der Natur udn unter bem Segen Gottes sich gegenseitig stutzen unb erbauen.
„Zu spät!" Das ist ein trauriges Wort, bas wir in den Schicksalsjahren oft gebrauchen mußten. Sorge feder dafür, baß er beim Aufbau feines Erbenolücks nicht bie recht« Zeit und Gelegenhett verpaßt! Dazu sollten auch bie Eltern und die sonstigen Pfleger der grünen Jugend nach besten Stäften mitwirken, — schon von langer Hand, ehe es für Rat unb Hilfe zu spät geworden fft.