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FuldaerZeitung

Amklicher Anzeiger für den Kreis und die Ltadk Fulda.

Nr. 202.

Verantwortlich für den cedauionellen Teil: Dr. I. Kramer, r. Mr die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. z Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actlendruckerei in Fulda. Kernivrecher Nr. 9. Postscheck» Kowo 4051 Frankfurt a. M.

Sonntag, 3. September 1922.

Bezugspreis: Monatlich 50.00 2RL zuqestellt frei ins Haus. - Abgebolt in der Geschäftsstelle 48.00 2HL :: Anzeigen: Kleinzeile nach Colonel 4.00 mt; ausw. 5,00 Ulf. Reklameze 11 e (Textbreite) nach Colone'maß 15 Mark.

49. Zahrg.

Hat die

Schiffbruch erlitte»?

„Davon kann nicht die Rede sein".

Hilfsmaßnahmen gegen die Folgen des Valuta-Elends.

Der Grundgedanke der ausnxtrifgen Politik Les Reichskanzlers Wirth, den guten Willen Deutsch­lands Len Feinden und namentlich der neutralen Welt unzweideutig zu zeigen, wird haut« wieder allenthalben viskutiert. Reichspostmrnffttr Giesberts, der am Frei­tag abend in Fulda Mach und auch die neueste Wen­dung in der internationalen Politik berührte, hat in einer nicht mißzuoerstehenden Weise ausgesprochen, daß es sich bei der „Erfüllungspolitik" nickst darum han- dctt, den Gegnern olles zuzugeftehen, was diese etwa verlangen, sondern nur solange den Erfüllungswillen zu zeigen, als es die deutschen Lebensnotwendigkeiten

Sssina van Zügen.

Roman von Anny von Panhuys.

1. t

Die Iulisonne senkte sich tiefer und zeigte sich, ehe *e im Westen hinter dem Föhrenwalde schwand, noch einmal in ihrer vollen leuchtenden Pracht. Rotgolden, . S^ich einer feurigen riesigen Ampel, hing sie droben am wmmd, der wie ein großes rosiges Meer anzusehen war.

Gesina oan Ingen starrte wie verzückt zum Firma- ment hinauf, tausend unausgedmhte unklare Gedanken stürmten durch ihren Kopf, die alle in der tiefen bren- . gipfelten, einmal hier aus der Enge

. L. , Häuschens herauszukommen, darin sie mit

ihr« rJ, ® Een Maria van Ingen wohnte, die y,ni) ^nzige nahe Verwandte auf der weiten ^errgottswelt war. Langsam kehrte ihr Blick zur Erde kleinen firiH« 911L9.em wenig hin und her vor dem rer big »i?1h«2inb 6ann spazierte sie ein Stückchen wei- "...großen Besitztum des bekannten Rosen- dessen einfache- Landhaus mitten in «mf JRtrQbi'5 lag. Ein h^rlicheres Heim h A uicht geben, ging es Gesina im»

ZÄ ' menn fic di° z-mienchöne' Rosen.

Sn IrS schritt3^i9JrSg£arfS da- mächtige, weithin sichtb°re°Schttd über'dem To°r^ weg:

Friedrich Elmhorst, Obst- und Blumengärtnerei,. Rosenkulturen.

Sie las laut und hatte dos Gefühl, den Nomen eine? Mächtigen auszusprechen. Friedrich Elmhorst' Ja der war wer, seine Rosen genoßen Ruf und wurden weite hm versandt. Oh, wie dos duftete, so stark, so wunder- sam! Dos waren die dunklen Rosen, bij> tiefpurpurnen und die mit dem bräunlichen Schein, die lichten Farben besaßen den berauschenden Dust nicht.

Zur Sage schreibt u. o. auch das „Achruhr-Abend- v^att' in Berlin folgendes: Hat die Ersiilümgspolitik «» Kabinetts Wirch Schiffbruch erlitten? Wird das Kabinett, wie es in einer demokratischen Republik in einem solchen Falle üblich ist, aus seinem Mißgeschick vce Konsequenzen zu ziehen haben? Wer aber inmitten Des brausenden Sturmes, der über die deutsche Mensch» bett fegt, sich noch die Gabe der Objektivität zu wahren vermocht hat, wird vielleicht gerade angesichts der letzten politischen Erscheinungen zugeben müssen, daß ungeachtet aller augenblicklichen ungeheuren und gefahrvollen Schwierigkeiten der Sage x>on einem Fiasko dieser Erfüllungspvlirik nicht die Rede sein fomr, denn das Gewissen der Welt ist immerhin erwacht. Wenn Frank­reich von den beabsichtigten Retorsionen in letzter Stunde Abstand genommen hat, so ist diese Hemmung mn Ende doch nur auf den Widerstand zurückzuführen, den seine Ansichten nach dieser Richtung bei den Alliier- ten gefunden haben. Schon lehnte es England ab, mit einem außer Rand und Band geratenen Frankreich ge­meinsame Sache zu machen, und beste uni) feinste Köpfe in den Bereinigten Staaten bestürmen ihre Regierung und die europäischen Kabinette zugleich, Deutschland, und mit Deutschland das Abendland, vor seinem nun wirklich drohenden Untergang zu bewah­ren. Das ist eine politische Wandlung, deren Beden- ttrng nicht unterschätzt werden darf. Heute erlaubt überall auf dem Erdenrund, ausgenommen in Paris, jebcrmami an Deutschlands redlichen Willen, bis zur Grenze feiner Leistungsfähigkeit auizumochen, wieder- aufzrckEn und Frieden zu halten, und man hat von Zurich brs Rewyork upb von London bis Brüssel und Rom, ja vielleicht von Prag bis Belgrad die unae- •JJeoe ®.efQ$r allmählich erkannt, die Frank­reichs Zertrummermrgswille jenem armen Tokio tjeoen» über, b’Cr doih ^ismureffd^gn noch iibrio nu>- W«$. fü; St?;

3® Welt bedeutet. Diese Erkonntnis stellt einen Aktivposten im deutschen Haupt- kmch dar, auch wenn er nicht über Nacht liquidiert we'-- den kann; und m der Politik gibt es mir Wechsel a-f mehr oder minder lange Sicht.

Furcht und Hoffnung.

Wr wollen dem Reparattonsausschuß dankbar fein, weil er nicht ganz auf die französische Seite gefallen ist und durch sein Kompromiß die augen­blickliche Krisis zum Pausieren gebracht' hat. Aber das darf uns doch nicht hindern, auf einige absonderliche Seiten dieses Ergebnisses hin­zudeuten.

Auffällig ist zunächst dis Beflissenheit, mit der das Protokoll des Reparationsausschusses an zwei Stellen ausdrücklich betont, daß der entscheidende

Beschluß „verschoben" werden soll und die An­nahme von deutschen Schatzwechseln den Zweck habe, „für die Vorbereitung und Durchführung der an* gekündigten Maßnahmen Zeit zu schaffen'. In dem Ausschuß scheint man also besonderen Wert darauf gelegt zu Haben, das Kompromiß nur als Lückenbüßer, als Notbehelf für die kritische Gegen­wart und dis nächste Zukunft zu kennzeichnen. Ge­schieht das aus zarter Rücksicht gegenüber Poincare, um den französischen Kampfhähnen den Verzicht auf das sofortige Losschlagen schmackhafter zu machen? Oder entspricht diese geflissentliche Be­tonung des Provisoriums der englischen Po­litik, die gründliche Arbeit verlangt?

Von diplomatischer Rücksicht auf Poincare war offenbar die Reihenfolge der Absttmmungen in dem Ausschuß getragen. Auf Verlangen des Herrn Poincare hatte man vereinbart, daß zunächst der englische Antrag auf ein glattes Moratorium ab­gelehnt werden sollte. Um diese anscheinende Niederlage der Engländer in die Akten zu bringen, verstand sich der italienische Vertteter zur Stimm­enthaltung, obschon er zweifellos sachlich mit Eng­land übereinstimmt.

Demgegenüber erhielt nun England wieder eine Genugtuung, indem in der Nummer 1 des Be­schlusses ein förmliches Reformprogramm von größ­tem Umfang aufgenommen wurde, — ein Pro­gramm, das dsrfranzöfischenAuffasfung in allen wesentlichen Punkten widerspricht. Die Franzosen sagen, Deutschland spiegele seine Leistmrgsunfähigkeit vor, indem es selber die Ent- werttmg seines Geldes betreibe. In dem Protokoll aber heißt es, Deutschland Ijabe durch den fort­währenden Rückgang der Dkark jeden Kredit im In- und Auslände verloren. Während Frankreich bisher alles mögliche getan hat, um die angebotene Finanzhilfe für Deutschland zu sabotieren, kündigt der Ausschuß ein Reformwerk an, das auf nichts geringeres hinausläuft, als auf die Herab­setzung der auswärtigen ^Schuldenlasten Deutsch­lands und die Aufnahme äußerer und innerer An­leihen. Wenn der Ausschuß schon vor einem halben Jahre einen so vernünftigen Beschluß einstimmig gefaßt hätte, wäre Morgan gewiß in Europa ge­blieben.

Man darf ftef), nicht täuschen über die großen Schwierigkeiten, die dem Programm der Finanz-Reform noch entgegenstehen, namentlich auch in dem Punkte der „Kontrolle", wo die Quer­treiber immer wieder den Hebel ansetzen können. Doch immerhin bedeutet es einen Schritt vorwärts, wenn die Ermäßigung unseres Tributs und die erlösende Anleihe offiziell aus die Tagesordnung gesetzt worden sind.

Für die Zwischenzeit tritt nun eine Ver­schiebung insofern ein, als wir jetzt mit Brüssel zu verhandeln haben, während bisher Paris das große Wort führte. Freilich ist Belgien sehr ab­hängig von seinem großen und anspruchsvollen Nachbar: aber wegen der Schatzwechsel und der Golddepots werden wir doch mit den Belgiern uns noch eher verständigen können, wie mit Poin­care und seinen Genossen. Das Kompromiß, das der Ausschuß angenommen hat, rührt bekanntlich un wesentlichen von dem belgischen Ministerpräsi­denten her. Damit hat er sich zweifellos um -en tfrteöen m Europa verdient gemacht.

Bei dieser Sachlage wollen wir die Kritik des AJcbluiies einschränken und uns auch nicht wetter

Das Tor war weit offen und langsam trat Gesina van Ingen, die junge holländische Waise, in den Garten ein. Sie sah die herrlichen Rosen gar zu gern von ganz nahe und am liebsten hätte sie sich in die niedrigen Ro- sen hineingeworfen wie in ein Bett, daß ihr die seide­nen Blumenblätter auf Stirn und Wangen niedergewehk wären gleich kosendem duftendem Regen.

Ihre langen, hellroten Zöpfe hingen ihr bis zu den Knöcheln und sielen gleich feurigen Schlangen über ihren Rücken.

Ein Buschen hochstämmiger weißer Rosen zog ihre Aufmerksamkeit auf sich, und da kein Mensch weit und breit zu sehen war, neigte sie den feinen Kopf und küßte die schönste dieser weißen Rosen.

Ein lautes Lachen ließ sie jäh herumfahren.

Ein schlanker junger Mann stand vor ihr und seine grauen Augen funkelten vor übermütigem Spott

Ah, Mejuffromv tut unseren Rosen Ehre an! Ist das in Ihrer Heimat, dem Lande der echten Rem- brandts, der Tulpen und der Holzschuhe so Sttte, ober handelt es sich nur um eine persönliche Liebhaberei von Mejufstouw Gesina van Ingen?"

Er erhielt keine Antwort. Das garte Gesicht bis unter die metallen glänzenden Stirnhaare von Röte der Verlegenheit gefärbt, verharrte das junge Mädchen schweigend, mit tief gesenkten Wimpern.

Der junge Mann lächelte gönnerhaft.

„Wollen Sie ein paar schöne Rosen? Aber ich kann das ja auch holländisch sagen. Also: Maak ik U oan deze roozen aanbieben, Mejufstouw?"

Der Satz klang holperig, aber er sagte sehr ver­gnügt über seine holländischen Kenntnisse: „Ich unter« halte mich zuweilen des Abends mit niederländischem Selbstunterricht, „en et gaat nu weldra heel goeb." Also: „hoe is it met deze roozen, Mejuffrouw?"

Jetzt lächelte Gesina auch.

„O ja, Mynheer Elmhorst, ich bin Sie sehr dankbar, wenn Sie mir bas Vergnügen tun wollen."

Der junge Elmhorst sah sehr belustigt aus.

„Wie komisch Sie deutsch reden!"

Sie nickte ernsthaft.

„Run ich soll das lehren mit die Zeit, cs ist nicht so slimm, Sie sprechen das Holländische gebrechlich und ich spreche das Deuttck gebrechllch."

, darüber aufhalten, daß die deutsche Zahlungs- I Unfähigkeit anerkannt, das dadurch gebotene Mora­torium formell abgelehnt und dann tatsächlich be­willigt wurde. Der Ausschuß mußte sich durch vie­lerlei Klippen und Sandbänke hindurchwinden, und wir wollen gern anerkennen, daß er vorläufig den Krach verhindert und die Möglichkeit einer friedlichen Löfung offen gehalten hat.

Wenigstens ist es eine Atempause, was wir gewonnen haben.

Beratung der französischen Regierung,

Reue internationale Konferenz?

In Paris wurde am Freitag ein Ministerrat abge­halten. Nach den Ausführungen des Ministerpräsiden­ten fand ein Meinungsaustausch statt, wobei alle Mini­ster sich darüber einig waren, die vom Ministerpräsi­denten empfohlene abwartende Haltung zu billigen. Ebenso ergab sich keinerlei Meinungsver­schiedenheit über die Möglichkeit des Zusammentritts einer internationalen Konferenz. Es sei im übrigen wahrscheinlich, daß eine diese Konferenz betreffende Anrogimg sich in der Note befrist, bereit Text im Ministerrat festgestellt worden sei und die an die eng­lische Negierung als Antwort auf die Note Balfours über die interallnorten Schulden gerichtet werden würde.

Segen die Teuerung.

Von einer neuen Zwancsbewirtfchaftung des Zuckers. Gegen die Schlemmerei. — Der Preis für Umlage-

Getreide.

Das preußische Staatsmi-msterium befaßte sich in seiner Freitagssitzung ausschließlich mit den Maßnah. men zur Bekämpfung des Wuchers und der Proistteibe- rei auf dem Lebensmtttelmarkt und bei den lebens­wichtigen Artikeln. Ws taugliche Mittel zur Durch- führung der Bemühungen wurden u. a. angesehen:

Wisdereinsührung des Zwanges zur Prvisauszeich- nulch jämtticher Waren, die NotweirdigLeit einer Ein­schränkung der Llusschanfftätten von Wem und Likör. Bor allem die Kcmzessionsverweigerung für ine Neu­einrichtung von Weinstuben wurde einftmtmtg aner­kannt. Ebenso wurde ein umfaffenfcer Ausbau der für den Winter geplanten Volksküchen und Masfenspei- fungen erörtert. Die Reichsvegjenmg wird aufgefordert, zur Sicherung der Zucker- und Morgar ineverso rgung vor den einschneidendsten Maßnahmen nicht zurückzu­schrecken und gegen den Ausoerkcmf Deutschlands mit allen Mitteln einzuschreiten.

Das Ministerium des Innern wird bereits dieser Tage einige Verordnungen erlassen, die m der Rich­tung der diskutierten Vorschläge liegen.

Reichsminister Schmidt äußerte sich über die Maß­nahmen gegen die Teuerung einem Korrespondenzver- treter gegenüber u. a., soweit das Reichswirtschafts­ministerium zuständig sei, seien die notwendigen! Maß­nahmen bereits erfolgt. Die Verordnung über die Erhöhung der Ausfuhrabgabe sei ergangen. Auf dem Gebiete der Ernährung stehe zunächst wiederum der Getreideumlogepreis zur Entscheidung. Ge­gen die Schlemmerei sei ein neues Gesetz ausgearbeitet, das die Konzefsionspflicht verschärfe. Bei Zucker dürfte die Rückkehr zur Zwangswirtschaft unvermeidlich sein. Auf finanzpolitischem Gebiet sei bisher noch keine Ent­scheidung getroffen. Außer der Devisenkontrolle brau­chen wir nach Ansicht des Ministers kurzfrffttge Gold­schatzwechsel, um der Markflucht entgegenzuwirken.

Einem Vertreter des „Der!. Tagebl." wurden im Reichsernährungsminffterium Mitteilungen gemacht, nach welchen das Reichsernährungsministcrimn der

„Gebrechlich! Ach Himmel, bas ist zum Schießen!" Sie sah ihn erschrocken an.

„Warum wollen Sie schießen, bitte nicht jetzt, ich habe Furcht vor bas."

Er schnttt einige Rosen ab und reichte sie ihr, während er beruhigend sagte:

„Ich schieße jetzt nicht, Sie Wijfjesoos!"

„Warum sagen Sie mir Fuchsin?" fragte sie, die Hand mtt den Rosen matt nieberfinfen lassend.

„Weil Sie mit Ihrem brandroten Haar eine „Fuch­sin" sind", ahmte er ihr in feiner Entgegnung das Wort nach, „und weil Sie immer wie eine „Fuchsin" in un­serem Revier hier hemmwildern, allerdings nur nach Rosen."

„Fuchsin gefällt mir nicht, aber mein Haar ist sehr schön, hat mein Vormund, Willem Säumers, ein be- rühmtet Maler in Holland gesagt", sprach sie in scham­hafter Eitelkeit.

Er schüttelte den Kopf.

„Nein, Mejufstouw, schön ist die Farbe nicht, ich zum Beispiel würde niemals eine Frau mit so fürchterlich schreiender Haarfarbe nehmen."

Sie blitzte ihn mit ihren dunkelbraunen Augen zor­nig an.

„Mir kümmert Ihre Frau nicht und mein Haar ist doch sehr schön, ein Maler kennt bas mehr als ein Ge- neesherr."

„Geneesherr", belustigte er sich, „sagen Sie lieber Arzt, Mejuffrouw."

Ihr feines Gesicht war starr und blaß.

Die Fuchsin wird nicht mehr Rosen wildern, Herrn Elmhorst, meine häßlichen Haare werden Ihnen nicht mehr stören."

Nachlässig ließ sie die zarten weißen Rosen zur Erde niedergleiten und plötzlich wandte sie sich und stürmte da­von, daß der faltige Rock ihres schlichten Leinenkleides nur so flog und die langen Zöpfe in erregtem Spiel auf und nieder tanzten.

„Wilder Balg!" brummte Hans Elmhorst vor sich hin und wußte nicht recht, ob er sich ärgern ober lachen sollte.

Er ging dem Hause zu unb ein halbes Stündchen später saß er mit den Eltern auf dem Balkon beim Abendbrot. .

Einführung der allgemeinen Zwangswirtschaft im großen urt& ganzen ablehnend gegenüberstehe. Das ReichsernähriMgministeriiM fei bereit, über das Er­suchen des Landbundes, den Getreideumlagepreis zu erhöhen, mtt dem Ausschuß, der den Preis für das nächste Umlagedrittel festzusetzen hat, zu beraten. Sollte man sich auch für eine Preiserhöhung des ersten Umlagedrittels entscheiden, so würde der heraufgesetzte Preis selbstverstättdlich nachbezahlt werden.

Gegen den Ausverkauf Deutschlands.

Dem „Bert. Tageblatt" zufolge hat die s ä ch s i s ch < Regierung bei der Reichsrvgievung dringende Vor­stellungen erhoben gegen die Ueberschwemnuing Sach­sens mit tfchecho-slowa'kischen Staatsan­gehörigen und gebeten, die Gesandtschaft m Pme anzuweisen, mit der Erteilung des Sichtvermerks auf tschechischen Pässen nicht so freigiebig zu verfahren.

Maßnahmen des Reichsarbeitsministers.

Im Rahmen der von der Reichsregierung unter- nommenen Aktion zur Bekämpfung der Wirtschaft« lichen Notlage sind vom Reichsarbeitsministerium eine Reihe von Maßnahmen in die Wege geleitet worden. So hat das Reich zu außerordentlichen Notstandsmaßnahmen für die Renten­empfänger, die bisher schon neben der erhöhten Rente laufende Unterstützungen erhalten, 1 Milliarde Mark den Ländern zur Verfügung gestellt. Tiefe oder die Gemeinden, oder beide zusammen, sollen dazu aus eigenen Mitteln wenigstens Vs der aufzu­wendenden Beträge beisteuern. Auf dem Gebiete der Kra nkcnversicherung wird eine Aufbesserung der Leistungen vorgesehen; außerdem wird die Ber- sicherungsgrenze erhöht, ebenso bei der Unfall- und Angestelltenversicherung. Die Reichszu schliffe an die Länder für Maßnahmen zur Unterstützung not­leidender Kleinrentner wurden von 500 Mill, auf eine Milliarde erhöht. Außer den erhöhten Teuerungszuschüssen für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene für September soll noch im September eine Nachzahlung erfolgen, die durch­schnittlich die Hälfte der am 1. September zahlbaren Teuerungszuschüsse betragen wird.

Hus -em besetzten Gebiet.

— Ein belgischer Wachtposten erschossen. Wie aus Oberkassel bei Düsseldorf gemeldet wird, ist dort ein belgischer Posten unb ein belgischer Sergeant erschossen worden. Die Täter sind noch nicht festgestellt. Die belgischen Desatzungsbehörden haben Haussuchungen vor­genommen und sieben Personen verhaftet. Wie aus Brüssel zu diesem Borfall gemeldet wird, habe die bek- gffche Regierung den Kommandanten von Oberkassel be­auftragt, den beutfehen Behörden mitzuteilen, daß, wenn die Schuldigen nicht innerhalb 6 Stunden verhaftet sein sollten, man bie Behörden verhaften werbe, unb daß weitere Maßnahmen folgen werden, wenn man nicht Genugtuung erhalte. Außerdem habe der Außen- minifter Iaspar dem deutschen Geschäftsführer gegenüber einen energischen Protest ausgesprochen. Er habe ihn aufgefordert, diesen Protest sofort an die deutsche Regierung weiterguleiten und habe Ent­schädigungen von der deutschen Regierung ver­langt unter dem Vorbehalt weiterer Sanktionen. Bon der belgischen Regierung seien Maßnahmen beschlossen worben, die der belaifcbe Delegierte der Rheinlands- kommifsion zur Genehmigung vorlegen soll.

, .= «■ deutscher Protest. Die deutsche Regierung hat beim Bolkerbund erneut Einspruch gegen die Anwe. fenhett französischer Truppen im Saar- gebiet erhoben.

tfrau Elmhorst war eine stattliche, dunkelhaarige Dame mit frischer Hautfarbe, während Friedrich Elm- Horsts Haupthaar schon völlig filbern schimmerte. Er aß langsam unb sorgfältig kauend, denn er war seit Jahren magenleidend unb mußte strenge Diät hallen.

Er sprach mit seiner Frau über geschäftliche Dinge, bann meinte er zu Hans: Soeben lief roieber bas holländische Mädchen in unserem Rosengarten herum, ich glaube sie vom Fenster aus gesehen zu haben, und dich bei ihr?"

Hans nickte. „Ja, ich traf sie gerade dabei, eine weihe Rose zu küsien, aber als ich ihr ein paar schenkte, warf sie mir dieselben vor bie Füße, weil ich offen ihr branbrotes Haar unschön fanb."

Frau Elmhorst wiegte den Kopf in leichtem Be- bauern hin unb her.

„Wann wirst Du endlich lernen, ein bißchen galant zu sein, Hans? Du bist doch bereits fünfundzwanzig Jahre alt, da raspeln andere junge Herren längst nach allen Regeln der Kunst bet jungen Damen Süßholz, Du aber wirst ihnen grob."

Hans Elmhorst trank erst fein Glas Apfelwein leer, ehe er antwortete:

„2ch habe eben kein besonderes Talent zum Stur« macher, Muttchen, das bißchen Talent, was ich besitze, brauche ich für Dich und dieser storchbeinige Backfisch aus dem Käse- unb Buttert and, der vor ungefähr zwei Jahren drüben in dem Häuschen der verbitterten alten Jungfer auftauchte, ist ein Gör, ihr Haar aber finde ich wirklich abscheulich. Wenn ich es sehe, überfällt mich immer die Versuchung, es abzuschneiden." Frau Erna Elmhorst machte eine Bewegung der Abwehr.

„Erstens ist Gesina van Ingen kein Gör mehr, denn sie muß reichlich 17 Jahre sein, wenn sie auch vielleicht jünger wirkt in den ausgewachsenen Kleidern, die sie trägt, und zweitens ist ihr Haar nicht abscheulich, eher das Gegenteil." Sie wurde lebhafter. „Habt ihr schon einmal darauf geachtet, ihr Haar gleicht dem unserer schönen spukenden Witwe?" Friedrich Elmhorst nickte. „Tatsächlich, Erna, jetzt, wo Du darauf aufmerfam machst inde ich es auch." Hans sah nachdenklich aus

Gortsetzung folgt}