M 202.
Sonntag, 3. Septemder 1922.
Fuldaer
Katholiken und Staat.
Die Programmrede Prälat Mausbachs auf dem Katholikentag.
Auf der Tagung der deutschen Katholiken in München ist eine große Reihe gedankenreicher und tiefschürfender Reden gehalten worden, bei deren Lektüre man nur bedauert, daß die heutigen Ramn- verhältnisse einer Tageszeitung ihre mrverkurzke Wiedergabe nicht zulassen. Auch wir haben uns mit gedrängten Auszügen aus den Münchener Reden begnügen müssen, um wenigstens schnell un abgerundet ein Gesamtbild der Tagung bre zu können. Nachträglich wollen wrr aber der schon kurz skizzierten Rede weiteren Raum geben die Prälat Prof. Dr. Mausbach-Munster über dar Thema „Christliche Staatsordnung und Staatsgesinnung" gehalten hat. Sagte doch der Präsident der Katholikenversaimnlung, 2r. Adenauer, in seiner Schlußansprache, der kristallklare Dortrag des Prälaten Mausbach, der sich bei dem, was er sagte, auf die Ausspruche un« serer höchsten kirchlichen Autoritäten stutzen konnte, werde in Bezug auf die Beurtellung der gegenwärtigen staatlich en B erh a l t- nisse reinigend und klärend gewirkt haben.
Prälat Dr. Mausbach führte aus:
Dom Volk zum Staat, von den „religiösen Quellen des Volkstums" zur „christlichen Staatsgesinnung — anscheinend ein kleiner Schritt, und doch m Wahrheit ein großer, ja ein schwieriger Schritt. Der Staat als solcher ist nicht ein Erzeugnis des Bösen, auch mcht Produkt des Zufalls oder roher Gewalt, sondern An- ordnung und Stiftung Gottes. Die positive Offenbarung Gottes und die Ähre der Kirche hat
keiner bestimmten Verfassung den Vorrang zuerkannt, vielmehr zu allen Zeiten die Möglichkeit verschiedener Staatsformen offen gelassen. So find die Verfassungen der Staaten tatsächlich auf Erden verschieden, so gibt es auch für die Staatsgewalt, d. h. für die oberste Autorität und gebietende Macht im Staate, verschiedene Träger und Inhaber. Die Staatsgewalt dient den höchsten Lebenszwecken, die Gott her Menschheit gesetzt, der Ruhe und dem Frieden der Gesellschaft, der öffentlichen Zucht und Ordnung. Das Gesamtwohl des Volkes ist der höchste und innerste Lebenszweck des Staates. Diese Höchststellung des öfsent- llchen Wohles ist für den christlichen Staatsgedanken be- sonders seit Thomas v. Aqmn unbestritten; auch Leo XIII. betont sie immer wieder und lettet aus ihr die eigentliche Staatsgewalt ab. Die christliche Staatsidee zieht aber auch der Macht des Staates eine deutliche Schranke: Die Staatsgewalt ist „Gottes Dienerin", nicht Gott gleich; sie ist „Gottes Dienerin zum Guten", nicht zum Bösen! Die Christen der ersten Zeit beteten großmütig für die Kaiser, die sie verfolgten, aber sie weigerten sich ebenso starkmütig, d - Ka'siHanzubettn. In dieser Kraft und Freiheit de-> rifttichen Gewissens liegt für alle Zeit das notwendige Gegengewicht
' gegen Ueberfpannung und Vergötterung der Staatsgewalt. Wenn diese beiden Wahrheiten feststehen: Alle menschliche Autorität ruht auf göttlicher Bevollmächttgung, alle menschliche Macht- uno Rechtsentfaltung dient aber auch dem wahren Wohl des Volkes, dann ist sowohl das stttliche Gewißen des Christen, wie auch das natürliche Freiheüsrecht des Bürgers auf die sicherste Grundlage gestellt. Aus dieser festen Grundstellung heraus hat die christliche Staatslehre im 18. Jahrhundert die große Irrung und Täuschung Rous- seaus zurückgewiesen, im 19. Jahrhundert die offene Vergötterung des Staates durch Hegel bekämpft; von dieser Stellung aus lehnen wir heute ebenso nachdrücklich die auf materialistischer Basis errichtete Staatskonstruk- tton des Sozialismus und Kommunismus als verhängnisvollen Widerspruch zur christlichen Staatsidee und echter Bürgerfreiheit ab. Als miet ige Folgerung ergibt sich aus der christlichen Staatsordnung die Un» erlaubtheit der Revolution, d. h. der gewaltsamen Störung und Umwälzung der verfassungsmäßigen Ordnung. Im weiteren Sinne gehört hierher neben der Auflehnung des Volkes gegen die Staatsgewalt auch die Unterdrückung der Dolksrechte durch die Obrigkeit, die sog. Revolutton von oben. In beiden Vergehen setzt sich die physische Gewalt, der nackte Wille zur Macht, an die Stelle des Rechts, der sitüichen Ordnung. Ein solcher Gewaltakt kann, auch wenn er siegreich ist, nicht Unrecht in Recht
verwandeln.
Und wie stellt sich dieser Grundsatz zu der Tatsache, daß doch so viele Staatswesen in älterer und neuerer Zeit durch Revolution oder Rechtsbruch hindurchgegangen sind, und dennoch bald nachher vom Völkerrecht anerkannt, ja auch von der Kirche wie rechtmäßige Staatsgebilde be- handelt worden sind? Auf diese Frage antwortet 2eo XIII. durch zwei bedeutsame Rundschreiben des Jahres 1892, in denen er die Bischöfe und die Katho- llken Frankreichs auffordert, sich „ohne Hintergedanken und voller Loyalüät" der Republik anzuschließen. Er weist darauf hin, daß die von Gott dem Staate gegebene Gewalt nicht zugleich einen ewigen unveränderlichen Bestand der historischen und posittven Rechtsformen garan- tiert; er weist hin auf die geschichüichen Aenderungen, die sich in Frankreich fett hundert Jahren vollzogen hatten, und fährt dann fort: „Solche Aenderungen sind keines-
Unpolitische Zeitläuse.
Von Fritz Nienkemper.
Berlin, 30. August 1922.
Eine ehrbare Jungfrau in reiferen Jahren wurde von der schrecklichen Anklage des Meineids bedroht, weil sie bei einer Zeugenaussage chr Wer um ein paar Ächre M knapp angegeben hatte. Die Monate kann man nicht vor Gericht schleppen; sonst müßte es dem Se^ember und fernen drei Nachfolgern schlecht ergehen, weck sie alle vier sich einer Alterslüge schuldig machen. September bedeutet auf deutsch der siebente Monat; in Wirklichkeit fft es der neunte Monat des Jahres. Der Oktober mrmt sich der achte und ist doch der sehnte. Elxcho schwmdslt uns der November neun statt df an, ?eymf>CT rehn statt zwölf.
Wrr haben die falschen Ziffern durch zweitausend Jahre geduldig weiter geschleppt und nehmen auch heute Anstoß daran. Die meisten denken sich mchts toerter bei den alten Monatsnamen, und wer sich ncd)_ der Sachlage erkundigt, erfährt bald, daß die asten Römer früher einmal ihr Jahr am 1. März be- gonnen habm. Da war also der September wirklich der siebente Monat des Jahres, und die drei Gerssien folgten nach auf Schritt und Tritt als achter bis zchnter Monat.
Also wollen wtt dm Sprung in ten September ruhig wWM n™ un» Jagen: dieser erste Herbstmonat ist noch lange mcht der schlechteste unter seinen Brüdern. Im (Segerneti. er zeichnet sich aus durch fernen gesättigten, wohlhabenden und friedlichen Charakter. Die Ernte ist halb vorbei, nämlich auf den Getreidefeldern; die Obsternte und die wichtige Kartoffelernte rft teils schon im Gange, teils steht sie noch bevor So hat die „Politik der Erfüllung" uns ichon einen gewissen Lohn gebracht und stellt uns noch weiteres in Aussicht
Die Tage werdm freilich kürzer; aber solange das Sonnenlicht nicht die Hälfte von 24 Stunden sinkt wird uns die Dunkelheit nicht beschwerlich. In Iahrm mit normaler,Witterung begrüßen wir den September als einen angenehmen „Monat der Mstte", der die Hitze (einer Borgänoer mildert und ums helle Moram. war me
wegs in ihrem Anfang immer rechtmäßig, ja es hält schwer, daß sie es seien. Dennoch bewirkt der höchste Ge- sichispunkt des Gemeinwohles und der öffentlichen Ruhe die Pflicht, die neue, im Besitzstände befindliche Regie- rung anzuerkennen, anstatt der alten, tatsächlich nicht mehr vorhandenen. Auf diese Weise erscheinen die gewöhnlichen Regeln der Eewaltübertragung als suspendiert; und es kann sogar kommen, daß fie mit der ^-ett völlig aufgehoben werden. Wie es sich auch verhalt mit diesen außergewöhnlichen Umwandlungen im Leben der Völker, deren Gesetze Gott allein zu berechnen vermag, deren Folgen aber der Mensch nutzbringend verwerten soll: Ehre und Gewissen verlangen auf alle Falle eine aufrichtige Unterordnung unter die bestehenden Gewal- ten; dieselbe ist gefordert im Namen ,enes höchsten unoe- streitbaren, unveräußerlichen Rechts, nämlich der^gemeinsamen Wohlfahrt". (Schreiben vom 3. Mai 1892.)
Leo XIII will diese seine Darlegungen ausdruckllcy als eine religiös-sittliche, nicht als eine .politische Belehrung gefaßt wißen. Gtejann uns zeigen, daß es nicht die „vollzogene Tatsaiye ist. nicht der bloß Machtiieg, der das Unrecht zum Recht gestaltet, wo nnrner eine neue Ordnung sich tatsächlich und rechtlich durch- setzt, da kommt diese Wandlung nicht von äußeren Fak- toten her, sie kommt aus der Natur und innersten Lebenskraft des Staatsorganismus, aus der Heilkraft lenes von Gott dem Staate eingesenkten Lebensprmz,ps: Salus publica suprema lex! Und es ist ebenso klar, daß solche Notwendigketten nicht die Gefühle der Verehrung und Dankbarkett gegen frühere Herrscher ausloschen wo-en.
Ein Charakter wie Windthorst hat es verstanden, un- entroegt persönliche Treue zu seinem früheren Ear- chen mit offenster, pflichttreuester Arbeit, im Luenste Preußens und des neuen Reiches zu vereinigen.
Wir können aus dem entsetzlichen Zusammenbruch nicht wieder emporkommen, wenn nicht alle Einzelnen als lebendige, gesunde Zellen im Organismus sich für das Ganze einsetzen und verantwortlich fühlen! Sie alle wißen ja, die Kräfte der Verneinung und Unordnung schlummern und rasten nicht; sie finden stets wieder entschlossene Anhänger, die zum Aeußersten bereit sind. Nur ein , , , , ,
kraftvoller Zusammenschluß
aller christlichen und ordnungsliebenden Bürger vermag das Gleichgewicht herzustellen, den öffentlichen Frieden zu mehren. „ _ , ,
Heute stehen wir Deutsche unter starker Versuchung, die Stellung zum Staate von leidenschaftlichem Empfinden beherrschen zu laßen. Wir müssen die rauhe Wirk- lichkeit sehen und nehmen wie fie ist; wir können sie mcht meistern mit Gewalttaten, Kraftworten und Hurrarufen, auch nicht mit leeren Wünschen und Wehklagen, sondern nur durch eiserne Pflichterfüllung nach den Grundsätzen chrisüicher Staatstreue. Dies gilt vor allem der
Jugend
von heute; ihr liegt es besonders nahe, das Politische vom Standpunkt romanttscher Neigung zu beurteilen. Aber wie oft muß die eherne Pflicht in allen Dingen der Sprache, der Neigung und Schwärmerei entgegentreten! Trotz allem, was niederdrückend wirkt auf Ihren Jugendmut, rufe ich Ihnen zu: Verzweifeln Sie nicht an der Gegenwart, urteilen Sie nicht nach vorschneller Empfindung, lassen Sie sich nicht in den Schmollwinkel drängen! Sie können die große Aufgabe, die Gott Ihnen stellt in dieser Zeitenwende, nur erfüllen durch männliche Selbstüberwindung, durch tätige, opferfreudige Einordnung in bas Ganze des öffentlichen Lebens!
Und weiter sage ich: Wenn auch der Staat nur Achtung und Gehorsam verlangt:
das Volk verlangt Liebe!
Wenn wir nicht zufrieden fein wollen mit kühler Rechts- gesinnung, so erwärmen und begeiftem wir uns für Volk und Heimat, für Vaterland und Mutterland! Auch das ist echte Staatsgestnnung. Staat und Volk sind ja nicht zwei getrennte Dinge; das Volk ist der lebendige Inhalt des Staates, der Staat die rechtliche Organisation des Volkes.
Die Einheit von Volk und Staat ist uns Deutschen leider nicht so ins Bewußtsein gedrungen, wie anderen Völkern, den Schweizern, Italienern, Franzosen usw.; dort wäre ein starkes völkisches Hoch- und Ehr- gefühl unverständlich ohne energisches Bekenntnis zur geltenden Staatsordnung.
Die katholische Staatstheorie erblickt das Ideal des Staates in einer Rechts- und Wohlsahrtsordnung, die, unbeschadet der Freiheit aller Bürger, doch von christlichem Geiste
durchtränkt ist, in einem Staate, der sich als Ganzes zum katholischen Glaubest bekennt, daher in wichttgsten Kulturfragen mit der Kirche einträchtig Hand in Hand geht. Dieses Staatsideal gehört heute fast überall der Der- gangenbeit an; die neueste Entwickelung hat auch in Deutschland zu einer weiteren Lockerung jenes Freund- sr^ftsverhältnißes geführt. Allein, was der Staats» form an positiv-christlicher Prägung abgeht, das kann und soll bei einer demokratischen Verfassung vom Volkswillen möglichst ersetzt werden, durch freie Gestaltung des Volks- und Gesellschaftslebens neugefchasfen werden! Solche demokratische Möglichkeiten sind auch heute gegeben.
Scheuen wir nicht, chrisüich - katholische Gedanken, edelstes Erbgut unserer allen Kultur ins Leben des neuen Volksstaates hineinjutragen! Der Boden ist gelockert, die Furchen sind gezogen, die deutsche Erde Harri des
Mittage, gemütliche Wende unä> erfrischende Nächte beschert. 3m laufenden Jahre ist freilich die Witterung verdreht; die letztverflossenen Monate waren so kühl und näß, daß wir nichts dagegen haben, wenn der September mehr auf die sommerliche als auf die herbstliche Seite fallen will. Wir möchten ganz gern noch einmal tüchtig schwitzen im Sonnenschein, ehe wir den Ofen anheizen, der uns ohnehin in diesem Winter noch übergenug von den kostbaren „schwarzen Diamant«:" verschlucken wird.
Die Stoppelfelder stören mich nicht. Im Gegenteil, ich sehe sie gern, auch dann, wenn der Bauer mit dem Düngerwagen kommt. Da knüpft an das fruchtbare Ende ein hoffnungsvoller Anfang sich an. Ich möchte nur wünschen, daß aus ben geschorenen Feldern noch mehr Hühner Herumkiefen; die könnten noch wahre Schätze aus dem Boden kratzen, indem sie aus dem verschütteten Korn und aus dem Wunnzsug sich frische Kräfte holen für die nächste Legeperiode: das Hühnerei wird ja heutzutage beinahe in Gold aufgewogen, und die Hühnerzucht müßte noch viel eifriger betrieben werden.
Wenn wir den Septentber ccks einen friedlichen Monat preßen, so stößt uns freMch die politische Verwirrung sauer aus. 3n der Well sieht es sehr schlecht aus, wo di« Siegermäcbte und die Börsenspekulanten alles zu sogen haben. Die Welt wird erst dadurch so qualvoll, daß die Menschen in ihrer Leidenschaft und Dummheit sie sich Mn Icunmertale machen. Das tonnen wir mm leider nicht ändern und müßen ftvh sein, wenn wir zur Erholung noch zeitweilig an den sogen. Busen der Natur flüchten können, um zu erkennen, daß der liebe Gott seine Sonne immer noch aufgehen läßt über die Gerechten und Ungerechten, und daß aus den Mern der Wett noch etwas Kraut wächst gegen den Hungertod. Es wird uns sehr schwer, dir wie mir, unter den heutigen Verhältnissen Mensch zu sein; obschon wir doch nur für uns selbst und die nächsten An- gehörigsn zu sorgen haben. Ein wahres Glück, daß wir nicht Minister und Abgeordnete such, die außer den persönlichen Lasten auch noch die Verantwortlichkeit für das Gesamtwohl von 60 Millionen auf dem Nacken Hecken. Unser Pflichtenkreis ist enger; davon tonnen
Leitung
Druck der Fuldaer Artiendruckerei i« Fulda
läcmanns. Eine gewaltige Schicksalsstunde ruft uns zur Arbeit; vielleicht kehrt nie ein Augenblick wieder, wo wir so Großes für Kirche und Vaterland grunMegen können!
Gott fei Dank besitzen mir freie Organisationen aller Art, die nach dieser Richtung hin großzügig arbeiten können und zeitgemäß arbeiten wollen. Möge ihr heiliger Wetteifer eine allmähliche, christliche Erneuerung unserer Dolkskultur zuwege bringen, möge ihre geschloßene Phalanx den berufenen politischen Parteien den notwendigen Halt und Nachdruck verleihen, um den christlichen Kulturgedanken in Staat und Reich zur vollen Freiheit und Kraft zu verhelfen!
Das alles wird schließlich nur gelingen, wenn wir einig sind, einig mit allen Glaubensgenossen in jener kirchlichen Treue und Bruderliebe, die allen Streit der Stände überwindet, alle Herzen zu Milde und Frei- gebigteit öffnet; einig aber auch mit andersgläubigen Volksgenossen im aufrichtigen Streben nach-Deutfchlands Wohl und Größe.
Die Wahrung der
nationalen Einheit
in Friedenszeiten ist, wie die Geschichte zeigt, für uns Deutsche lange nicht so leicht, wie das geschlossene Drauf- gehen im Kriege; möge uns das Beispiel anderer Nationen auch nach dieser Richtung ein Vorbild fein! Möge aber vcr allem der eine Gedanke uns vor Augen schweben: die nationale Einheit ist die einzige große Errungenschaft und Erbschaft, die wir gerettet haben aus dem politischen Zusammenbruch! Wahrlich, sie ist es wert, als teures Gut geschätzt und behütet zu werden, mag unser Reich von heute auch die stolzen Träume unserer Vater nur unvollkommen erfüllen!
Auch diese Heerschau der deutschen Katholiken im kerndeutschen Bayernlande erscheint uns als em leuchtendes Zeichen und als eine kräftige Stütze deutscher Einheit. Allen großen Verbänden, die hier vertreten find, gibt gerade ihre Ausbreitung über das ganze Reich ihre starke Werbekraft, ihre innere Spannung und Lebenskraft, ihren weitreichenden sozialen Einfluß. Die mächtige Woge religiöser Begeisterung und katholischer Fa- milieneinheit, die von hier ausströmt, wird und muß dazu helfen, zunächst bei uns selbst den traurigen Erdenrest von ,
Kastengeist und Erwerbsnerd hinwegzuschwemmen, der leider heute so oft den Frieden der Stunde trübt! Der Apostel sagt: „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit: wenn ein Glied sich freut, so freuen sich alle Glieder." Sind wir wirklich schon so weit, datz unsere Dauern sich freuen, wenn es den Beamten und Arbeitern gut geht, und daß die letzteren ehrlich Freude Haden, wenn erstere sich wohlfühlen?
Die heutige einmütige Offenbarung katholischer Kultur und Brüderlichkeit möge aber auch den VÄksgenos- fen, die draußen stehen, die infolge moderner Glaubens, und Kulturverworrenheit der christlichen Gesellschaftsordnung feinb sind, als ein Zeichen und als ein Friedensgruß
erscheinen, der fie einlabet, aus dem Leid und Streit der Zeit ihren Blick emporrichten zu den ewigen Leitsternen und Verheißungen, die uns Katholiken in aller Diesfelts- arbeit trösten und aufrechterhalten!
Der Zufall, oder beffer, die Geschichte hat es gefügt, daß die beiden deutschen Ströme, die zuerst eine große christliche Kultur geschaut haben,
der Rhein und die Donau, bis heute in ihrem Stromgebiet noch von katholischer Bevölkerung umsäumt sind. Ausgehend vom Südwestpseiler des Reiches, aus der Nähe des „deutschen Meeres, «eben sie dahin nach Nord und Ost, an Bifchofsstädten vorbei nordwärts bis Utrecht, ostwärts bis Wien; und sie umschließen wie zwei Riefenarme die Basis des Reichs. Sie bttben nicht eine „eiserne Klammer" zum Zusammmenhalten der deutschen Stämme; zwei Sttber- bänder sind es, diese herrlichen Ströme, besetzt fett Ncke- lungenjeiten mit den Juwelen deutscher Kunst und Kultur, getragen auch heute von katholischen deutschen Stämmen in echter Nibelungentreue!
Auch auf den anderen, den entferntesten Ecktürmen deutscher Kultur, in Oberschlesten und im Ermlande stehen katholische Landsleute mit auf der Wacht für Deutschlands Kultur. So soll denn überhaupt unsere katholische Einheit eine Stütze fein für das Heil des ganzen Vaterlandes. Der Redner schließt mit der Mahnung Schenkendorfs an das siegreiche Deutschland 1814, endend mit den Worten:
Nimmer wird das Reich zerstöret, Wenn ihr einig seid und treu!
Zeitschriften.
Deutscher Hausschuh — Sonntag ist - — Monatsschrift mit Bildern. Herausgeber Dr. Alfons Heilmann. Heft 11. Jährlich 96 X. Verlag Deutscher Hausschatz, Regensburg. Josef Kösel u. Friedrich Pustet, Komm.-Ges. Daß die unwichtigsten Dinge unter der Hand eines Dichters zum künstlerischen Genuß werden, beweist Peter Dörfler in der August- Fortsetzung des Romans „Der ungerechte Heller". Wohl müßen sich die Gestalten darin auch mit Alltäglichkeiten herumschlagen, aber Dörfler weiß allem und jedem einen fo eigenartigen Reiz abzu-
wir profitieren, indem wir nach Erfüllung unserer Be- rufsarbeit mit ruhigem Gewissen uns hrnsetzen im friedlichen und freundlichen Feierabend.
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Die Dreschmaschine und der Pflug gehören zusammen. Was gerefft ist, muß in die Scheune gebracht werden, und wo man weiterhin ernten will, muß man pflügen, düngen, eggen, säen.
Unter diefem Dvppelzeichen der Ernte und der Aussaat steht mich der deutsche Katholikentag, der nach den Kriegsjahren wieder in regelin.äßigen Gang gekommen fft. Er wird nach wie vor zu dem pafsenü- stm Zeitpunkt abgehalten, an der Wende von August und September, an der Scheide zweier Crntejahre. Dieses Jahr war München das Stelldichein, und wegen gewißer innerpolitischer Reckungen waren in den letzten Wochen hie und da Bedenken aufgetaucht. Wer nach allen Nachrichten, die bisher eingetroffen sind, hat dieser Katholikentag in München die höchsten Erwartungen übertroffen, sowohl in der Pracht und Mas- sMwirkung, als mich in der Eintracht und der Stärke! Wenn mich Aschma und Alter nicht an die Stube fesselten, wie gern wäre ich hinausgesichren, um an dieser kulturellen Erntefeier und Ackerbestellung teilzunehmen! Der katholische 3M Es teil ist auf dem Posten und hat trotz aller Schicksalsschläge und Gefahren Mut im Herzen, Kraft in den Händen. Und diese organisierte Tatkraft ist von weseittlicher Bedeutung für das ganze Vaterland, da das katholische Drittel der Natton die führende und ausschlaggebende Stellung emnimmt.
Das soll uns nicht zum Hochmut verführen, sondern vielmehr zum Pflichteifer omfpornen. Wer viel Talente erhalten hat, muß auch viel Talente gewinnen, um als guter und getreuer Knecht belobt urck belohnt M wer den.
Seien wir dankbar für das, was bisher erreicht ist; aber vergeßen wir beim Erntefest nicht die Fortsetzung der Arbeit für das nächste Erntejahr! Dazu mahnt eindringlich der Katholikentag, der die Sorge für ben Nachwuchs, für die seelische und körperliche Ertüchtigung der Jugend in ben Vordergrund stellte. Das fft der wahre Kulturkampf, für den alle Kräfte bis zum äußersten mobil gemacht werden müßen!
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gewinnen, baß ein bedeutungsvolles Erlebnis daraus wirb. Und ganz ausgezeichnet eingestreut ist die beginnende Schilderung eines bäuerlichen Kindheitspara- dieses mit all seinen Träumereien und heißen Sehens» planen. — In seinen „Sonntagsgebanfen" berührt der Herausgeber unter dem Titel „Stunden der Schwermut" als feiner Seelenarzt eine offene Wunde unfercr Zeit. — An erster Stelle der illustrierten Auftätze des Auguft- Heftes steht die Fortsetzung der „Wunberdauten Indiens' von Dr. Heilmann; die auserlesensten Schönhetten be« fernen reichen Laubes werden aufgezqigt. — Dann er. zählt der Herausgeber an Hand mehreter prächtiger Silber allerhanb Wissenswertes aus München, ber Stadt des diesjährigen Deutschen Katholikentages. — An kleineren Erzählungen ist das Heft besonders reich. Auch fonst enthält bas Heft noch allerlei zum Nachdenken und schöne gehaltvolle Gedichte. Feine kleine Stimmungsbilder sowie ganzseitige Photographien nach Originalgemälden bringen interessante Abwechslung zwischen die Textsetten.
Gottesdienstordnung.
Katholischer Gottesdienst.
Sonntag, 3. Sept Dom. V$6, 6, Vi7 u. 7 hl. M., r/,7 hl. M. m. Ansprache u. Generalkom. d. Männer. Apostolates, 8 Pfarramt u. Pr., VdO Kathebralamt u. Pr., »All Chr., V«12 HI. M u. Pr., Vi2 A., »A3 Pro. zession mit dem Allerheiligsten auf den Frauenberg, dort Pred. und And., 7 And. in der Marienkapelle. Montag 'A8 Rosenkran; m. Segen. — Stadtpfarrkirche. 5'/, Korn., 8»/« hl. M, 6»/« hl. M. u. Korn. b. Männerapostolates, 8 erster Schulgd m. Pr., 9l/s Pfarramt m. Pr., 11 zweiter Schulad. m. Pr., 9V« Chr. f. b. Jüngl. i. d. Sederikirche, 2‘/> Marianische Wallfahrt vom Dom nach Frauenberg. — Pfarrkirche zum heiligen Geist. >/«7 hl. Kommumon, 7 Frühmesse, 8 Preb. und Amt mit Kam., Vi5 Chr., 5 Andacht. — Sederikirche. Sonntags Vs7, werktags 605 hl. M. — Herz-Jesu« Heim. 8 Hochamt m. Pr., nachmittags 2 A. (Mittwoch abends 8 A.) — Frauenberg. 5, 6, 6V» u. 7 hl. M.,8hl. M. m. Pr., 9 Hochamt m. Pr., nachm. 3 nach Ankunft bet großen Dankprozession aus dem Dom Pr. u. A. zur seligsten Gottesmutter. (Die Prozession wirb vom Konvent abgeholt und zurückbegleitet; die Klosterkirche bleibt für die Teilnehmer der Prozession reserviert.)
Prozessionsordnung für die Dankwallfahrt am Sonntag, den 3. September 1922, nachmittags '/-z auf den Frauenberg: 1. 2 Klaffen Knaben der stadtpfarrl. und 2 Klaffen der dompfarrl. Schule; 2. je 2 Klassen der Mädchenschulen; 3. Ober- klaffen der. Englischen Fräulein; 4. JünglingS-Kongre« Nation der Stadtpfarrei; 5. Jüngltngs-Kongregatiov der Dompfarrei; 6. sonstige kath. Vereine und Bürger; 7. Marian. Bürger- und Junggesellen-Sobalität mit Musikkapelle; 8. Bischöfl. Konvikt; 9. Klerus; 10. baS Allerheiligste; 11. Jungfrauen-Kongregationen der Dom- und Stodtpfarrei; 12. Musikkapelle; 13. Dienst- mädchen-Kongregation; 14. Arbeiterinnen-Kongregation; 15. christlicher Mütterverein. — Die Aufstellung und Einreihung nach obiger Orbnung erfolgt vom Inner» des Domes aus.
Freitag, 8. Sept, zrauenberg. (Fest Maria Geburt.) Ablaßtag für die Terziaren. 8 Levitenamt nachm. Vä5 feierl. Vesper m. sakram. Segen. General, absolution für die Terziaren.
W Freitag, den 8. September 1922 wallfahrt nach Mana-Sterndach. Gottesdlenstordnung: Tag§ zuvor von 5 Uhr an Beichtgelegenheit. V-9 Butzandacht Am Festtag selbst früh von 5 Uhr ab Beichtgelegenhert, hl. Meßen und Austeilung der hl. Kommumon. 9 Uhr Prozession zur Wallfahrtskapelle, daselbst Hochamt mit Festpredigt. Hierauf Rückzug zur Pfarrkirche. — Bah» stationen Bruchenbrücken und Assenheim.
Evangelischer Gottesdienst.
Sonntag, 3. Sept. Fulda. Vormitt. 8 u. 9V> Sup. Ruhl (Sammlung für die Altershilfe), 11 Kinder- gottesbienst. — Bad Salzschlirf. Vorm. 9V» Pfarrei Reich. — Großenlüder. Vormitt. 9V» Pfarrer Weder
Mittwoch, 6. Sept. Jahresfest desHeffen-Kaßel'scher. Hauptvereins der Gustav-Adolf-Stiftung. Vormitt. $ Kindergottesdienst, 91/« Studienrat D. Merzyn-HosgeiS- mar u. Gen.-Sup. 1). Fuchs-Kassel, nachmttt. 3 Pfarre: Wolff-Kaffel, Pfarrer Grucker-Fritzlar, früher i. Elsatz, Pfarrer Gurland über Erlebnisse in Rußland (Wolga)
Lvangel. lande,kirchl. Gemeinschaft, znlda, vnttlarftr. 17
Sonntag, 3. Sept. Abends 8 Evangelisation. — Dienstag abends keine Bibelstunde (Beteiligung am Kirchenkonzert). — Mittwoch abends 8'/« Gesangstunde. — Donnerstag abends 81/« Jugendbundstunde. — Freitag abends 8 Bibel- und Gebetstunde.
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all' Ihren Freundinnen und Bekannten, daß Sie Ihre Kleider, Blusen, Gardinen, Strümpfe usw. nur mit den weltberühmten, Heitmann s zarben", Marke „zuchs- kopf im Stern", selbst färben, weil diese die besten sind.
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