Fuld a er Z eitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
Nr. 198.
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Mittwoch. 30. Huguft 1922.
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49. Zahrg
Die mtslWW Rst IMIinids.
Die Beratungen der Ministerpräsidenten und Innenminister über die Wirtschaftliche Not Deutschlands wurden in den Nachmittags- und Abendstunden des Montag fortgesetzt. In einer K a b i- nettssitzung nahmen die einzelnen Ressorts zur Lage Stellung. In der daran anschließenden Fortsetzung der Besprechungen der Ministerpräsidenten gab Reichsernährungsminister Fehr eine ausführliche Darlegung unserer Ernährungslage, während der Reichswirtschaftsminister, der Reichs- arbeitsminister und ein Vertreter des Reichsver- kehrsministers über die Lage ihrer Ressorts berichteten. In der Aussprache ergriffen die Minister- vräsidenten, u. a. Graf Lerchenfeld und Lipinski das Wort. Die Beratungen werden am Dienstag fortgesetzt. Eine besondere Konferenz der E r- nährungsminister soll am nächsten Montag unter dem Vorsitz des Reichsernährungsministers in Hamburg abgehalten werden.
Nach den neuesten Meldungen hat der Reich s- kanzler die Führer sämtlicher Reichstagsfraktionen für Donnerstag abend zu einer Besprechung emgeladen. Die Parteiführer sollen über den augenblicklichen Stand der Außenpolitik sowie über die Teuerungsmaßnahmen unterrichtet werden.
Nach anderen Meldungen wurde in der Montag-Sitzung des volkswirtschaftlichen Ausschusses des Reichstages allseitig gefordert, daß der Ausschuß angesichts des Niedergangs der deutschen Währung Gelegenheit haben müsse, zu dem Problem der wirtschaftlichen Lage Stellung zu nehmen. Es wurde in Aussicht genommen, daß zunächst der Reichsernähmmgsminister Fehr Darlegungen über unsere Ernährungslage machen und in den nächsten Tagen auch die anderen Ressorts über die wirtschaftlichen Fragen gehört werden (offen.
Bor Bro MMino Btt Morotilm- KmlnWo.
Tie deutsche Regierung hat über die Einladung der Reparationskommission, deutsche Delegierte nach Paris zu entsenden, beraten. Es wurde beschlossen, der Reparationskommission mitzn-eilen, daß die Reichsregierung bereit sei, ihren -Liandpunkt am Mittwoch in Paris darzulegen. Als Vertreter der deutschen Regierung wird Staatssekretär Schröder vom Reichssinanzministerium nach Paris entsandt werden. Außerdem werden noch einige Referenten der in Frage kommenden Ressorts mitfahren. Nach dem „Berl. Tagebl." ist es möglich, daß sich, auch Staatssekretär Bergmann, jedoch in privater Eigenschaft, nach Paris begibt.
Ter französische Ministerrat.
Wie der ,Matiw meldet, wird der auf Donnerstag einberufene Ministerrat unter dem Vorsitze Millerands, der in Rambauillet stattsindet, sich mit der Prüfung der Entscheidung der Reparation skommission beschäftigen.
Die Ansicht der Gewerkschafisiukernakionase.
Der „Vorwärts" veröffentlicht eine Unterredung des Sekretärs Fimmen des Internattonalen Gewerkschaftsbundes mit dem Vertreter einer Parlamentskorrespondenz. Fimmen erklärte u. a.:
Die Gewerkschaftsinternationale hat die Absicht, das Ausland über Deutschland aufzuklären. Das internationale Wirtschaftsprogramm der Arbeiter- schäft wird sich vor allem mit den Teilen des Versailler Vertrags befassen, die unter allen Umständen verschwinden müssen, wenn Europa wieder auf-
gebaut und Deutschland gerettet werden soll. Eine internationale Kredit Hilfe zu Gunsten der deutschen Konsumgenossenschaften könne jetzt bei der Versorgung der Bevölkerung für den Winter viel Segen für die hungernd« Bevölkerung Deutschlands bringen. Wir sind sicher, daß bei einer großen Hilfsaktion die Genossenschaften nicht hinter den Gewerkschaften zurückstehen werden. Die Ge- werkschaftsinternationale verlangt aber von den deutschen Arbeitern di« absolute Sicherung der deutschen Republik.
Die amerikanischen Bankiers.
Erst radikale Reformen in Europa — dann Hilfe.
Für die Hoffnungen, die vielfach aus amerikanische Hilft gesetzt wird, ist folgende Drahtmcldung mcht sonderlich günsttg:
wtb Paris, 29. Ang. Rach einer Rkldtmg der „Chicago Tribüne" aus Rewyork hat die Konferenz der amerikanischen Bankiers den Wiederaufbau Europas und die inkeralliierle Hilft erörtert und ist dahin über- eiugekommen, daß im Allgemeinen für Europa große Anleihen unter den jetzigen Verhältnissen keine wesrnt- liche Hilfe darstelien würden. Es seien erst r a d i k a l c Reformen in Europa erforderlich. 3n der Schlußsitzung hot der frühere Sekretär Lloyd Georges einen Entwurf eines Weltbundes eingebracht, für den das amerikanische System der sich selbst regierenden Staaten maßgebend sein soll. Dieser Plan faltet die Nakionalilöt der verschiedenen Länder nicht an and beläßt ihnen größte Unabhängigkeit innerhalb ihres eigenen Bereiches.
Ueberwachungsausschuß des Reichstages.
Der Ueberwachungsausschuß des Reichstages ist für den Freitag vormittag einberufen, um die Durchführung des Gesetzes zum Schutze der Republlk, insbesondere die bayerische Angelegeu- heit zu beraten. ___
Deutscher Reich.
* Berlin, 29. Aug. Die Einzahlungen uuf die Zwangsanleihe, die Ende Juli begonnen haben, haben bis zum 20. August 1835.7 Millionen Mark ergeben. — Der bisherige Leiter des Jn- landsreferats der Presseabtekkmg der Reichsregie« rung, Geheimrat Haas, scheidet demnächst aus dem Amte aus, um auf einem Auslandsposten Verwendung zu finden. Nachfolger wird der bisherige Chefredakteur der „Germania", Dr. Hom- m e r i ch.
Kurland.
* Die Denkwürdigkeiten Lloyd Georges. ES wird mitgeteilt, daß das Erträgnis des Buches Lloyd Georges über den Weltkrieg, das auf über 100000 Pfund Sterling angegeben wird, für wohltätige Zwecke im Zusammenhang mit der Linderung der durch den Krieg geschaffenen Not bestimmt ist. In einer offenbar aus der Umgebung Lloyd Georges herrührenden Mitteilung wird gesägt, der Premier- Minister sehe sich außerstande, irgendeinen persön- licken Vorteil für sich selbst aus der Geschichte des Krieges und der Leiden der Station zu ziehen.
wirtschaftliche Rampsbewegungen.
. N StratzenkSmpsen in Le Havre, die sich auS Len Streiks heraus entwickelten, sind 28 Personen durch Schüsse aetötet worden.
Oer Sturz von der höhe.
Roman von Fritz Ritze!.
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Während der ärztlichen Untersuchung war Felix »um Bewußtsein gekommen und lag nun, vierzehn Tage nach dem Unglück, die gebrochenen Glieder Mit Gips- binden umwunden, unbeweglich auf seinem Lager. Körperliche Schmerzen litt er keine und die tröstenden Worte des Chefarztes hatten das anfangs ihn befallende verzweifelte Weh über die Folgen seines Sturzes einigermaßen gelindert und ihn mit Hoffnung erfüllt, aber nagende Zweifel wegen Helene raubten ihm die innere Ruhe.
Warum kam sie nicht und warum gab sie nicht das geringste Lebenszeichen von sich? Eie war doch Zeugin seines Unglücks gewesen und liebte ihn mit der ganzen - leidenschaftlichen Herzens - durfte sie da zögern, -ofort zu ihm eilen, um ihn zu trösten?
Vielle-ciu war sie vor Schrecken krank geworden und wenigstens über seinen Zustand 5 ± ™ I JbkiC ^es-n Trost raubte dem Harren-
;eX) cs gestattet worden war, ihn zu
V ht nh 'bm zählte, daß Frau Helene Welty sich wohl befinde und seltsamer Weise wieder in ihr Mernhaus ubergesiedelt sei. Die ganze Stadt zerbreche sich den Kopf daniber, warum die junge Frau das Haus ihres Schwiegervaters verlassen habe, mit dem sie doch ,m besten Emvernehmen gelebt. Zweifellos müsse es zu e-nem Zerwur ms zwischen den beiden gekommen sein, denn Herr Welty befinde sich auf Reisen und das Haus m der D.llenstraße fei zum Verkauf ausgeschrieben.
Diese Nachricht gab Felix zu denken. Er erinnerte sich der dunklen Andeutungen, die ihm Helene bei iluem ften Wiedersehen gemacht hatte, an das Geheimnis das sie ihm erft offenbaren wolle, wen» sie Mann und Frau wären. Ein banges Ahnen kam über ihn. Sollte Helene etwas begangen haben, was das Licht be» Tages zu scheuen hatte und war diese ihre Schuld zur Kenntnis ihres Schwiegervaters gekommen?
tzs sollte ihm Aufklürimg werden und zwar durch Otto Platen. Dieser versäumte es nicht, den Freund täglich zu besuchen und stundenlang bei ihm zu verweilen.
Felix freute sich jedesmal über sein Kommen, denn des Ingenieurs lustiges Geplauder half ihm über die Eintönigkeit der Stunden hinweg und lenkte ihn von feinen trübseligen Gedanken ab. Selbstredend war von beiden vor allem die Ursache des Absturzes erörtert worden. Felix erzählte, daß sich bei seinem Fluge um die Dom- türme wieder das verdächtige rasselnde Geräusch in dem Motor bemerkbar gemacht habe. Er hatte demselben keine weitere Bedeutung beigelegt und sei wieder nach dem Flugplätze zurückgesteuert; da habe der Motor plötzlich nach einem leisen Krachen vollständig versagt und der Sturz sei unmittelbar darauf erfolgt. Zum Gluck Haber Geistesgegenwart genug gehabt, sich an dem Gestänge des Apparates festzuklammern — bann habe ein stechender Schmerz seinen Körper durchzuckt und er sei bewußtlos geworden.
Der Ingenieur klärte den Freund über das plötzliche Versagen des Motors auf. Im Innern desselben war, wie die Untersuchung ergeben hatte, die Kolbenstange gebrochen, so daß der Absturz unvermeidlich gewesen war.
„Na — bist noch gut hinweggekommen!" meinte Platen zum Schlüsse seiner Auseinandersetzungen. „Ein richtiger Flieger muß^fo einen kleinen Absturz mit in den Kauf nehmen. Sobald Dich der Obermedizinalrat zufammengeflickt hat, steigst Du wieder frisch und fröhlich auf dem „Kondor" in die Lüfte."
Der Freund entwickelte Pläne für die Zukunft. Gespannt horchte Feüx auf, als Platen Herrn Weüy erwähnte und erzählte, daß er den alten Herrn vor dessen Abreise gesprochen und von ihm die Zusicherung erhalten habe, daß er nach wie vor auf seine tatkräftige hilft rechnen dürfe.
„Und hat Herr Welty keine Andeutung darüber ge- macht, aus welchem Grunde er sich von seiner Schwiegertochter getrennt hat?" fragte Felix mit verhaltenem Atem.
„Weißt Du das auch schon?" fragte Platen entgegen. „Schickt Frau Famg ihre Sendlinge selbst in diese heiligen Hallen?"
„Meine Mutter hat es mir erzählt, wußte aber nichts weiter, als daß die jurTC Frau wieder zu chren Eltern zurückgekehrt ist! I
Katholikentag in München.
Am Montag vormittag fand eine Versammlung der katholischen Schulorganifation
statt, zu der auch Kardinal Faulhaber, Nuntius Pacelli und Kultusminister Dr. Mett erschienen waren. Senatspräsident Marx eröffnete die Versammlung mit einer längeren Ansprache, die mit dem Gelöbnis schloß: Wir alle sind einig in dem festen Treuschwur: Wir halten fest an der katholischen Schute für die katholischen Kinder tStürmischer Beifall). Wir geloben, die schwersten Opfer aus uns zu nehmen, um unsere konfessionelle Schule und religiöse Kindererziehung zu verteidigen. Ge- neralsekretär Böhler berichtete über die Tätigkeit der Scftttorganisatton, wobei er feststellte, daß noch kein Schulgesetz gegen die Schulorganifation zustande gekommen sei. Schulrat L an g e n b e r g-Neuß sprach über „Die Bekenntnisschule — die wahre Einheitsschule". Er forderte mindestens Gleichberechtigung der konfessionellen Schule. Die welttiche Schule sei ein Hirngespinst, das mit den Wirklichkeiten des Lebens nicht rechne, im Volke keinen Boden habe und sich nur auf dem Wege brutalster Vergewaltigung der Elternrechte verwirklichen lasse. Man solle sich darüber durch Volksentscheid Gewißheit verschaffen. (Zustimmung) Nicht den Pädagogen, sondern dem Volke gehöre die Schicke. Die Schulorganisation wolle eine stiedliche Verständigung, aber sie hielt fest an der Einheitsschule auf konfessioneller Grundlage. Oberbürgermeister Asden- auer-Köln betonte die Wichtigkeit der Aufgaben der Schulorgcmisation für den sicher kommenden Kamps um die Schule. Kultusminister Matt erlätte, sür einen bayerischen Kultusminister sei es selbstverständlich, daß er sich zur Konfessionsschule bekenne. Die Einheitsschule fei durch die Weimarer Verfassung nicht geschaffen worben, denn die Schulorganisatton fei jetzt noch mannigfaltiger und verworrener. Prof. Lurtz gab einige Zahlen über die Anhänger der Bekenntnisschule. Eine Unterschriftensammlung für diese habe in Baden, Bayern, Hessen und SBürttemberg zusammen 3 290 000 Stimmen ergeben. In Bayern allein habe die Sammlung 2170 000, in Württemberg 360 000 Unterschriften ergeben. Heber „Elternrecht — Elternpflicht" sprach die zweite Vorsitzende der katholffchen Schulorganisatton Gräfin Tattenbach-Jsny. Die Rednerin erklärte, es müsse der Satz gelten, Staatsrecht breche nicht Natur- unb göttliches Recht, unb forderte, daß nicht nur die Volksschulen, fonbrn auch die mittleren, höheren und Berufsschulen konfessionell gestaltet würden. Zum Schluß führte Kardinal Faulhaber, von lebhaftem Beifall begrüßt, u. a. aus: nach dem Ergebnis der Unter« schristensommlung für Bekenntnisschule müsse Jes sich zeigen, ob im Volksstaat der Wille des Volkes etwas gelte. Zum Schluß bezeichnete der Kardinal die Schul- frage als die Schicksalsfrage der deutschen Einheit.
Eine Resolution fordert auf, die Bestrebungen zum weiteren Ausbau eines Instituts für wissenschaftliche Pädagogik in Münster i. Wests, zu unterstützen. In einer weiteren Resolution heißt es, der Katholikentag hatte an der katholischen Auffassung von Elternpflicht- und -Recht fest, imb mit Entschiedenheit müsse jeder Versuch zurückgewiesen werden, diese einzuschränken. Er könne deshalb auch die alleinige und absolute Schulhoftüt des Staates nicht anerkennen und fordere freie Entwicklungsmöglichkeit für die Be- kenntnisfchule. Auch die christliche Simuttanschule müsse abgelehnt werden. Weiter verlangt der Katholikentag die genügende Berücksichtigung des religiösen Unterrichts und Pflege des christlichen Gedankens auch in den mittleren und höheren Lehranstalten. Schließlich wurden die Eltern aufgeforbert, sich in Eliernvereini- gungen in der katholischen Schulorganisatton zusammen- zuschließen. Die beiden Resolutionen wurden einstimmig angenommen.
Prefle, römische Frage, Jugendbewegung.
Die geschlossene Versammlung, die am Montag vormittag st,11 Uhr begann, nahm zunächst eine Erklärung an, in der die deutschen Kattzollken zur Unterstützung der von einer Katastrophe bedrohten katholischen Presse aufgefordert werden. Dann sprach Geheimrat Porsch über die römische Frage. Er
„Ra — da weiß ich allerdings mehr! Herr Welty war zwar über diesen Punkt schweigsam wie das Grab, ober zwischen ihm und Fran Helene scheint es zu einem rentablen Bruch gekommen zu sein."
„Warum aber, warum — so rede dochl"
„Wenn es wahr ist, was am Stammtisch verzapft wurde, bann hat der alte Herr allen Grund dazu, seiner schonen Schwiegertochter den Laufpaß zu geben. Aber sch fürchte, daß Dich die Geschichte zu sehr aufregt, weil ich ja weih, daß Du wieder einmal zur Abwechslung in Deinen alten Schatz vernarrt bist!"
„Jedenfalls regt es mich mehr auf, wenn Du mich in Zweifel läßt, Platen, versicherte Felix mit seltsamer Ruhe.
„Warum sich Helene mit ihrem Schwiegervater entzweit hat, wolltest Du wissen? Ganz einfach, weil sie gegen ihren verstorbenen Mann einen perfiden Streich verübte. Wie Du ja weißt, hat der Hugo Wetty die Leute mit wertlosen Aktien anschmieren wollen. Sein liebes Weibchen wußte um den Schwindel unb hat bic Herren Börsianer schriftlich gewarnt. Warum unb weshalb — bas wissen die Götter! Wahrscheinlich wissen die Götter auch, auf welche Weise der SB rief, den bic gegen ihren eigenen Mann so wohlwollende Dame an den Börsenvorstand geschrieben hat, in die Hände des alten Herrn Welty geriet. Ra — daß es ba zum großen Krach gekommen ist, bas kannst Du Dir benten."
Felix fragte nichts weiter. Er wußte jetzt, was ihm Helene verheimlicht, wußte, warum sie ben ihr angetrauten Mann verraten hatte. Unb ein Gefühl des Abscheus ergriff ihn gegen ihre Handlungsweise. Niedrige Denkungsart offenbarte sich in dieser unb ein Charakter, der zur Befriedigung der Rachsucht auch das verwers- llchste Mittel nicht scheut. Wenn Hugo Welty auch schändlich an ihm gehandelt hatte — in dieser Weise durste Helene nicht Vergeltung üben.
' Längst schon war Otto Platen gegangen unb immer uvch lag Felix auf bas mächtigste von bem Gehörten erschüttert unb fachte in dem Gewühl der ihn bestürmenden verschiedenartigen Empfindungen einen leitenden Foden zur klaren Erkenntnis zu finden. Und es war ihm, als wenn von feinem durch die Leidenschaft ge-
IvieS darauf hin, daß sich auch im liberalen Italien neuestens ein Verständnis für die Unhaltbarkeit des jetzigen Zustandes verbreite. Er gedachte des verstorbenen Friedenspapstes Benedikt XV. und gelobte dem Heiligen Vater Treue. Es wurde bann eine Entschließung an- genommen, in der es heißt:
Die Versammlung beklagt aufs tiefste, daß in einer Zett vielfacher Friedenskongresse die sogenannte römische Frage noch immer nicht in einer des Stellvertreters Christi würdigen Weise gelost ist. Die Aussprache über die sogenannte römische Frage, die in der italienischen Presse mit Würde unb Ehrfurcht gegen den Heiligen Stuhl fortgesetzt worden ist, zeigt erneut, daß bte gegenwärtige Lage des Papstes in Rom nach dem Bekenntnisse selbst der Liberalen nicht haltbar ist und daß bte Mehrheit des italienischen Volkes wünscht, der schmerzliche und schädliche Zwiespalt möge endlich eine schnelle unb gerechte Losung finden. Die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands schließt sich diesen Wünschen des italienischen Volkes an unb gibt erneut bem Verlangen Ausdruck, daß es in feiner Mitte jene Gefühle der Billigkeit unb Gerechtigkeit immer weiter verbreM bis zu einer glücklichen Losung der fogenannien roiM, scheu Frage.
Die katholische Jugendbewegung in Deutschland behandelte Studienprosessor L e o n p ach e r- München. Er schilderte die Aufgaben und Ausdehnung der verschiedenen katholischen Jugendvereine, Quickborn, Neudeutschland, Iugendabteilung des Kathol. Frauenbundes, Schülerinnenverein der Mittelschulen. Die ka- thollsche Jugendbewegung solle neue Wege suchen unb sie bürfe Vertrauen für sich forbern, wenn sie einem neuen Lebensziel zustrebe. Die geistigen Berater ver- ftünben, die felbftänbigc Jugend leise dorthin zu lenken, wohin die bewährte Tradition ziele. Der Redner for- bette die Unterstützung dieser bedeutsamen Bewegung durch den Staat. Eine Erklärung spricht die Freude über bas frische Leben in ber katholischen Jugend aus, lenkt bie Aufmerksamkeit ber gesetzgebenden Körper- schäften auf den Ausbau der Iugendwohl- fahr t s g e s e tz e, betont, daß die katholische Jugendpflege sich auch der körperlichen Ertüchtigung widme, wünscht den Zusammenschluß der katholischen Jugendvereine und die Verbindung ber wissenschaftsfrohen Art ber Iugenb mit ber Erfahrung und Ruhe der Er- matfüenen 5» einer lebendigen Gemeinschaft. Eine Kundgebung ber katholischen Jugendbewegung spricht bas Bekenntnis zur katholischen Kirche aus unb den Willen zum Ausbau neuen Lebens. In ber Diskus, fion sprachen Angehörige ber Jugendbewegung, ber Eesellenvereine, der Studentenverbände, der landwirtschaftlichen Jugend den Willen zu gemeinsamer Arbeit unter ber Idee des Katholizismus aus. Angenommen wurden schließlich zwei Erklärungen, von denen die eine sich gegen das Schulddiktat von B er s a i 11 e s wendet unb die katholische Christenheit dagegen aufruft, damit die Welt dem wahren Frieden des Rechts zugeführt werde. Die andere proteftiert gegen alle Bewegungen, Ehe und Familie aufzulösen, verwirft jeden Versuch der Gesetzgebung, die Trennung der Ehe zu erleichtern, wendet sich vor allem gegen bie Beseiti- gung der Bestimmungen über den Schutz des keimen- den Lebens, gegen die rechtliche Gleichstellung ber un. ehelichen Verhältnisse mit ber Ehe und fordert die Beamtinnen unb Lehrerinnen auf, bei ihrer Verheiratung aus bem Amte zu scheiden.
Die erste öffentliche Versammlung.
tim 4 Uhr nachmittags eröffnete ber Präsident des Katholikentags, Oberbürgermeister Dr. Adenauer. Köln, die erste öffentliche Versammlung, Der Redner betonte eingangs den Gedanken der nationalen Einheit, der, wie im Norden, so im Süden des Reiches gelte. An alle Katholiken der ganzen Welt müsse der Appell gerichtet werden, das Sterben eines Volkes von 60 Millionen zu verhüten, denn hinter der glänzenden Faffade, bie uns geblieben fei, verberge sich tiefe Not und Armut. Die alte Einheit unter den Katholiken
trübten Auge ein Schleier hinweggezogen würde, so daß ihm Helene in ihrer wahren Gestalt, in ihrem wahren innersten Wesen erschien — ein mit allen körperlichen Reizen geschmücktes Weib ohne Seele, ohne jede Spur von Gemütstiefe. Konnte er mit ihr als Lebensgefährtin glücklich »erben, die nur sich selbst unb die Befriedigung ihrer augenblicklichen leidenschaftlichen Wünsche kannte, mochten dieselben in der Begier nach Liebe oder nach Rache gipfeln und die sich ängstlich vor dem kleinsten Werk ber Menschenpflicht unb Nächstenliebe scheute, wenn ihr Empfinden dadurch nur im geringsten unangenehm berührt wurde? Gewiß bßeb sie ihm fern, weil ihr vor seinem Anblick graute, weil er, der vielleicht zum Krüppel Gewordene, nicht mehr als Gatte für sie in Frage tarn. Es konnte nicht anders fein!
Gewißheit darüber mußte er haben. Und er erhielt sie durch feine Mutter, welcher er sich bei deren nächstem Besuche anvertraute. Frau Tauber hatte wohl in der letzten Zeit gemerkt, daß Felix sich wieder zu Helene hingezogen fühlte — schon feine häufigen Besuche in X. sprachen dafür, — aber es überraschte sie doch, daß be- reits eine Aussprache zwischen den beiden stattgefunden hatte. Und das frühere Bangen, daß der Sohn mit Helene nicht glücklich werde, tarn wieder über sie. Verstärkt wurde dasselbe durch das auch ihr äußerst gefühllos erscheinende Verhalten der jungen Frau nach dem ihren Sohn betroffenen Unglück. Mit Eifer nahm sie sich der Sache an und begab sich unverzüglich in das Hell- bornsche Haus, um von Helene im Namen ihres Sohnes eine offene Erklärung zu verlangen.-
Was sie und Felix vorausgesetzt hatten, bestätigte sich. Helene spielte allerdings die vor Schmerz tief Ge- beugte, Fassungslose, wehrte sich aber wie ein Kind gegen die Zumutung, Felix zu sehen und erklärte, von ber alten Dame in die Enge getrieben, schließlich unum. tnunben, daß sich ihre ganze Natur dagegen fträube, einem Manne anzugehören, den das Schicksal zu einem bedauernswerten Krüppel gemacht habe.
Gefaßt nahm Felix die Botschaft der Mutter ent. gegen. Sie schmerzte ihn merkwürdigerweise nicht. Im Gegenteil kam jetzt eine gewisse Ruhe über ihn, eü» Gefühl, als wäre er innerlich befreit . .
(Fortsetzung folgt.?