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Fuld aerZeitung

Amklicher Anzeiger für den Kreis und die Stabt Julda.

Ur. 195.

Verantwortlich tür Len redallionellen Teil: Dr. I. Kramer, - für die Anzeigen: I. Parzeller-Fuida. z Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, fternjpredjer Nr. 9. Postscheck - Konto 4051 Frankfurt a. M.

Samstag, 26. August 1922.

Bezugspreis: MonEch 28.00 Mk. zugettellt frei ms 5)aus- u Abgeholt in der Geschäftsstelle 27,00 Mk.

Anzeigen: Kleinzeile nach Colonel 2.S0RL; ausro. 4,00 Btt Reklamezeile (Textbreite) nach Colone'maß 12 Mark.

49. Zahrg.

Die Lohnerhöhung -er Bergarbeiter.

Die im Reichsarbeiismimsterium geführten Ver­handlungen über die von den Bergarbeitern geforderten Lohnerhöhungen haben zu einer Einigung, zu­nächst für das Ruhrreoier, dahin geführt, daß zum Ausgleich der im September zu erwartenden Teuerung eine Echöhung der Schichtlöhne um durch» fchmttlich 150 Mark zu gewähren fei. Ein weiterer Betrag von 140 Mark soll als Ausgleich der noch nicht abgegoltenen Teuerung in der zweiten Augusthälfte ge­währt werden: außerdem soll das Hausstandsgeld ab 1. Oktober um 3 Mark, das Kindergeld um 2 Mark pro Schicht erhöht werden.

Für die übrigen Kohlenreviere steht eine Einigung über die Lohnfrage bevor. Ferner wurde vereinbart, daß die Bergarbeiter des Ruhrgebiets ab 1. Oktober bis auf weiteres an drei Tagen der Woche im An­schluß an die regelmäßige Schicht je zwei lieber» stunden gefahren werden. Die Bergleute erhalten für diese Ueberarbeit einen Lohnzuschlag von 50 Proz.

Die Organe der Kohlenwirtschaft sollen am 30 August über die neue Kohlenpreiserhöhung beschließen, die durch diese Lohnerhöhung notwendig wird.

Der Sturz von der höhe.

Roman von Fritz Ritze!.

Mit einem innigen Händedruck verabschiedete sich Felix von Helene unb schritt quer über den Platz nach der Stelle, wo Otto Plate» und einige Monteure sich mri dem y» Stog beEirhevbrn Kondor" beschäftig-

Die Steuerzahlung in Naturalien.

I Zum Vorschlag des oidenburgischen IRiniffers Tantzen I Zu dem schon kurz gemeldeten Vorschlag des Mini ! sters Tantzen für eine Reform der von der Landwirt. I schuft zu zahlenden Steuer wird uns aus Berlin ge I schrieben:

I Der oidenburgische Minister Tantzen hat eine» I Steuerplan für die lanÄrvirtschvftliche Bevölkerung an- | geregt, der an die alte Einrichtung desZehnten" I erinnert. Er meint, man könne alle direkten Steuern auf den Grundbesitz (auch die Einkommen- und Ver- I mögenssteucr) ersetzen durch eine Reichsgrund» I st e u e r, die nicht in Geld, sondern in Naturalien I iu Olsten märe. Er meint, bei einer Abgabe von zwei I Doppelzentnern Getreide auf das Hektar würden sowohl I bic Reichskasse als auch die Landwirtschaft und die ge- I samte Volkswirtschaft sehr gut auskommen.

I lieber die Einzelheiten dieses Planes soll nächste» I Rivnat auf einer Mim ster ko nfcrenz in Braunschweig I gesprochen werden. Bis dahin muß man mit dem I Urteil warten, doch kann man schon heute sagen, daß I der Grundgedanke einen sympathischen oder sogar be- I stechenden Eindruck macht. Sollte der Plan durch- 1 fühlbar sein, so würden die Bauern das Joch der Geld- I wirtschaft zum Teil abschütteln können. Sie erledigen I ihre Steuerpflicht durch eine Abgabe von der (Ernte, I ohne sich erst mit der Umwandlung der Ernte in Geld- I scheine belasten zu müssen. z

I Das war ja auch der Vorzug des früheren Zehnten, | daß von dem Pflichtigen nichts anderes verlangt wurde, I als was er hatte. Von zehn Garbenhaufen oerblie- I neun dem Bauern und der zehnte wurde aufgeladen I und abgefahren. Keine Schreibereien, kein Schätzungs- I streit, keine Zahlungsunfähigkeit! Die Steuer regelte I sich automatisch nach der Leistungsfähigkeit, denn in I einem schlechten Erntejahre war die Abgabe kleiner, als I in einem fruchtbaren Jahre, und umgekehrt.

I Der schwache Punkt an diesem Zehnteir war der I Umstand, daß ein nachlässiger oder ungeschickter Bauer w e n i g e r zu leisten hatte, als ein fleißiger und tüch-

I tiger Landwirt. Damals, als man einfach nach ter urväterlichen Methode das Land bebaute, fiel das nickt ins Gewicht. Jetzt ist der Unterschied zwischen den

I Leistungen der einzelnen Betriebe sowie zwischen j der intensiven und extensiven Wirtschaftsmechade von I wesentlicher Bedeutung. Darauf muß bei der Be- I Messung der Abgabe sorgfältig Rücksicht genommen wer­den. Ebenso auf den verschiedenen Grad der Fruchtbar­keit des Bodens.

I Dcw Wohl der Gesamtheit fordert gebieterisch, daß der Ackerbau möglichst intensiv betrieben und auch Lar mangelhafte Boden bis auf das äußerste zur Er­zielung von Nahrungsmitteln ausgenutzt wird. Diesen Zwecken muß sich die Einschätzung cmpassen. Wenn die. Veranlagung nicht nach dem wirklichen Einkommen oder Vermogenswert erfolgt, sondern nach der Größe des Ackers, so kann darin ein wertvoller Anreiz liegen, aus dem Acker möglichst viel herauszuholen. Der Land- weiß dann, daß der Mehrertrag unverkürzt ihm selbst zu fallt, und wird sich dadurch angespornt fühlen, recht viel Kunstdünger, recht treffliches Saatgut zu kau­fen, den Boden tüchtig zu bearbeiten usw. Jede Ver­mehrung der einheimischen Ernte erspart uns den An­kauf von kostspieligen Lebensmitteln aus dem Aus- iand-c, stützt also unsere Valuta und hilft die schlimme!, folgen der Zeuenmg einschränken. Die Sache lohnt sich also, wenn auch der Reichskasse einige Scheine ver­loren gehen sollten.

Die Durchführung des neuen Steuerplanes könnte sich anfchließm an das Umlageoerfahren, das bereits jetzt für einen Teil der Ernte eingeführt worden ist. Trotzdem würde sich bei der Mannigfaltigkeit un­serer landwirtschaftlichen Verhältnisse eine Menge von Schwierigkeiten ergeben. Dadurch sollte man sich aber uuht abschrecken lassen von einer wohlwollenden Prü-- fung des oldenburgischen Gedankens. Es steckt ein

Slimes und die EmeWaWhrer beim Kanzler Kritische Stunden des Reiches.

Bor der Abreise der Delegierten Bradbury nnd Mauclere.

i sorg un g für das deutsche Volk in Gefahr I komme. Die Gewerkschaften stimmten dem zu.

| Die von den Gewerkschaften gemachten Vor- I schlüge wurden im Einzelnen durchgesprochen und I sollen den Gegenstand weiterer Verhandlungen mit I den Ressorts bilden.

I Inhaltlich sollen Oie Vorschläge der Gerne rk- I schäften u. a. dahin gehen: Einschränkung der ! Einfuhr auf das geringstmögliche Maß, insbe- I sondere die Unterbindung der Einfuhr von Luxus- I artikeln durch gänzliches Verbot oder scharfe Er- I Höhung der Einfuhrzölle, werter die Erhöhung I der Ausf uhrabgaben entsprechend der Ent- I Wicklung der Devisenkurse. Um die Ausartung der | Devisenfpekulatirm zu verhindern, wurde die Kon- I trolle des Devisenhandels verlangt mit I dem Ziel, daß ausländische Devisen nur von solchen I Interessenten gekauft werden dürfen, die sie für I ihren Geschäftsverkehr mit dem Auslande brauch­ten. Auf dem Gebiete der Steuerpolitik ver-

I langten die Gewerkschaftsvertreter schnelle Erfasiung I der nicht unter den Lohn- und Gehaltsabzug fallen- I den Einkommensteuer und ebenso rasche und gründ- I tiche Einziehung der übrigen Steuern. Auf dem I Gebiete derErnährungswirtfchaft wurden I Vorschläge zur Sicherstellurig der Lebensmittelver- j sorgung der Bevölkerung gemacht. Erwähnenswert I ist hier die Forderung des Verbots der Herstel- I lung von Trinkbranntwein aus Kartoffeln, I Getreide usw., ferner der Einschränkung der Bier­brauerei mit dem Verbot der Herstellung von Bier

I mit mehr als 8 Prozent Stammwürze; weiter I wurde verlangt ein Verbot der Verwendung von I Z u ck e r zur Herstellung von Konfitüren, Likören, I Schaumwein, Süß- und Backwaren; endlich scharfe Sicherungsmaßnahmen gegen die Ausfuhr von Lebensmitteln ins Ausland. Nachdrücklich forderten die Gewerkschaftsvertreter auch eine V e r- j X äsm^n 8 der StrafbestiMMungen gegen dm Wucher und gegen die Zurückhaltung von Wa­ren mit gewinnfüchtigen Absichten.

Stinnes beim Kanzler.

| Im Anschluß an die Besprechungen mit den ^pltzenorgauisationen der Gewerkschaften hatte der Reichskanzler, laut Vorwärts, eine Unterredung mit I Etmnes. Am Freitag werden sich die freien Gewerk- I schäften, die Unabhängigen und die Sozialdemokraten m einer gemeinsamen Sitzung mit der innen- und I außenpolmsche Lage beschäftigen.

Hilferufe.

Der Allgemeine Deutsche Gewerkschastsbund hat am Donnerstag an den Trade-Union.Kon- ! greß in London ein Telegramm gerichtet, in dem | et unter Hinweis auf den ungeheueren Dollarstand, I oer den wirtschaftlichen Zusammenbruch Deutsch- I lanbä bedeute, auf die Folgen aufmerksam macht, I ote hieraus für alle Jndustrievölker erwachsen. Noch I ?"me Rettung möglich; sie hänge hauptsächlich von den Matznahmen der Trade Union ab. Ein ähn° lrches Telegramm ist an den Internationalen äugen11*t§6Un£> in Amsterdam abge-

Nach einer Meldung des Berliner Tageblatts hat ^mmh#nter^Ont^e Botschafter iu Berlin I H°ughton, Donnerstag abend dem Reichskanzler

öelu^ abgestattet, um sich über die Politische I -age zu unterrichten. r ' I

Äus dem besetzten Gebiet.

* Df« verbotenen fseuerwchrsignale. Der fränzöstsche Kreisdelegierte von K u s e l an der Nahe hat der Feuer­wehr in diesem Bezirk verboten, bei ihrer Tätigkeit die ortsüblichen Feuerwehr- bezw. Trompetensignals zu ver­wenden. Das Verbot hat er schriftlich damit begründet, daß ein Feuerwehrmann, der Zrompetenfignale spielt oder ubt, sich mit einer Hebung befaßt, die militärischen Charakter hat. Der Eifer, mit dem man auf der Bei­behaltung der Trompetensignale bestehe, scheine den Zweck zu verfolgen, Leute zu behalten, die dieses Instru­ment beherrschen.

Aurweisung von venischen. Der Ortskomman­dant von Trier hat 56 zugezogenen Deutschen b«e Aufenthaltserlaubnis versagt. Der OrtSkomman- dank stutzt sich auf einen Befehl des französischen Ober- berehlshabers, der den zuziehenden Deutschen den Aufent­halt von über 20 Tagen unter Umständen verbietet Die Behörden haben nm Aufhebung dieser Anordnung gebeten.

Deutsches Reich.

* Berlin, 25. August. Die deutsche Hochschule für Politik veranstaltet für die deutsche Presse wieder «inen Kursus für auswärtige Politik « ®.05Jar' der in der zweiten Hälfte des Oktober ftattfinbet.

* Dem Gedächtnis Erzbergers. Anläßlich des Jahrestages der Ermordung Erzbergers am 26. August findet in Griesbach, wo sich Erzberger die letzten Wochen vor seinem Tode mit seiner Familie zur Kur aufhielt, und in dessen Nähe die Mordstelle I stegt, e,n Requiem statt. Das Pontifikal-Requiem m Biberach, wo sich Erzbergers Grab befindet, zelc- brrert am 26. August der Bischof Dr. Schmid v. Gruneck aus Chur, ein Freund Erzbergers. -r-as vom Bildhauer Thoma aus Stuttgart, einem hervorragenden Biberacher Meister, entworfene Ehren- grab Erzbergers wird am 27. August nachmittags emgeweiht. An die Einweihungsfeierlichkeit schließt sich Kranzniederlegungen an.

5» -1 v. Scheele f. Der frühere langjährige Rcichslagsabgeorkmete unb Vorsitzende der wcifi- fchen Fraktion im Reichstag, Frhr. v. Sckeele ist in Osnabrück gestorben.

* Die bayerische Notverordnung zum Schutze der Verfassung der Republik vom 22. Juni 1922 wurde am Donnerstag durch Erlaß des gesamten Staatsmimste- rmms aufgehoben. Damit ist die Krise im Ver- haltms zwischen Bayern und den: Reich endgültig he-

2^5 einen der schwersten Tage seiner Re- tictur.gstätigfeit hat der Reichskanzler Dr. Wirch den Lünnerslag, den 24. August, bezeichnet, an dem der ^ollar vorübergehend auf 2 0 0 0 gestiegen war und die Schwierigkeiten der wirtschaftlichen und poli­tischen Lage Deutschlands in plastischer Weise deutlich werden ließ.

Den Hintergrund für die Vorgänge an -der Börse vi.oen natürlich die Verhandlungen, die mit den Ver- rn ^cr Reparation skommiff ton, Bradbury und lautiere, in Berlin geführt werden. DstiZiells Berichte über den Gang dieser Verhandlungen fmo bisher mcht erschienen, wodurch den Kombinationen ^r. Tor geöffnet sind. Anhaltspunkte für dm m.«,/der Verhandlungen bieten nur einige Dr. Wirth beim Empfange der gt= werkjchaftliGen -vpitzcnorgamsationen gemacht hat. Der Kanzler erklärte, daß es sich darum gehandelt habe, fest- zustellen, ob Deutschland ein Moratorium für 5 JJt onate erhalten könne. Die Gegenseite verlange Ef. deutsche Kohlen im lücksrhemischen

'Uah-Jr'U^TS£btt ' Deutschland machte nun dazu den Vorichteg einen Geldfonds in Devisen zu beschaffen

Enteme jederzeit zurückgreifen könne, wenn Deutschland feinen Lieferungen in Kohlen und Holz, die W nrachen wolle, nicht nachkomme. Dieses Angebot Dcuftchlands ist von de» Entente-Vertreter abqe = handelt sich jetzt darum, neue Vorschläge zu machen. 3m Mittelpunkt der Ver- T^n steht immer noch die Frage der Bergwerke

' Der Kanzler deutete an, daß sehr wichtige I ^ltscheidungen ustmsstelbar beoorständen. Das less'e Wort scheint im Augenblick noch nicht gesprochen zu

rcabinetts-Sitzung am Zreitag.

Nach den Besprechungen des Reichskanzlers und des Reichsfinaiizministers mit Bradbury und Mauclere trat Donnerstag abend das Reichskabinett u n t e r d e m I Sorftfee des Reichspräsidenten zusammen I uni) verhandelte über die Ergebnisse dieser Besprechun- I ^n. vertag mittag werden die Verhandlungen mit den I Reparationsvertretern fortgesetzt werden. Außer dem Reichskanzler werden auch ReichsfinanMäNister Dr I ^E-^mÄStaatssekretär a. D. Bergmann teilnchmen' Voraussichtlich werden Bradbury und Mauc'ere Frei­tag abend abreifen. °

5ur abwendung -er ttataftrophe. rai£*a*rs empfing Donnerstag nach­mittag die Vertreter der gewerkschaftlichen Evi Ken- I

- deutscher Gewerk- (1)0(1550110, Deutscher Gewerkschaftsbmid icbristl'cki) I unö Deutscher Gewerkschaftsring zu einer Besvre- I ^ra®e l>er Abwendung der droben- I ^^"^skatastrophe. Die V-rrreter der Ge- werkschaften Miterbreiteten eine Reihe von V o r - I Reichskanzler gab eine Darlegung I öer gegenwärtigen und vorhergegangenen Reva- !*Mt0^DC uni) l)er außenpolitischen I

hLad>e2L gegenwärtigen bedrohlichen Entwick"

lung und führte aus, daß die Reichsregierung vor! ^ner schweren Entscheidung stehe. Wie diese auch aussallen werde, sie werde der Notwen- I öigfeit Rechnung tragen müssen, daß die E r f ü I - ung da eine Grenze finde, wo die Broker- I

fern Dem Ingenieur schien an der Maschine etwas I uicht zu gefallen, denn mehrmals disputierte er heftig

mit den Monteuren und unterwarf den Motor, die I Tragflächen wie auch jebc einzelne Schraube einer sora- I Mltigen Untersuchung. Es müsse etwas mit dem Motor I 2!. in Ordnung fein, meinte er zu dem heran- tretenden Felix, denn sobald er in Gang gesetzt würde wachten sich oerdächttge Rasselgeräusche bemerkbar, die ja andeuteten, daß im Innern der treibenden Maschine I Defekt vorhanden sei. Felix aber redete dem Freund I r"!clc Besorgnisse aus, indem er darauf hinwies, daß er

bei seinen Flügen schon öfters die von Platen erwähnten Geräusche vernommen habe, die wahrscheinlich ihren Grund darin hätten, daß sich Staubteile aus der Luft in die Maschine preßten. Von irgend einem Bedenken fonne keine Rede sein und ginge es unter keinen Um- ftanben an, den mit so großer Reklame angekündigten und mit allgemeiner Spannung erwarteten Flug im lebten Augenblick abzusagen. Otto Platen ließ sich auch beruhigen, als Felix die Äurbrf des Motors versuchs­weise drehte und ein tadelloses Funktionieren der Ma-

I J^ine erfolgte. Mit einem Scherzwort schwang sich Felix auf den Führersitz und schwebte eine Minute j water unter brausendem Jubel der Zuschauer in die Höhe.

Das Lob, welches allabendlich in den Blättern un­ter der RubrikFlugwesen" dem SystemKondor" ge­spendet wurde, war nach einstimmigem Urteil der Zu- schauer nicht übertrieben. Das schien keine von künst- I tich angewendeter Kraft bewegte Maschine zu sein, die I bort sich in Schraubenlinien immer höher in die Lüfte I erb°b, sondern ein mit Seele begabtes Wesen, bas, einem I Dogel gleich, die Anziehungskraft der Mutter Erde spie- I lend überwand. Immer höher stieg der Flieger, so daß I bas surrende Geräusch der Propeller nur noch matt her- I unterklang und die Maschine genau einem mit cmsge- I breiteten Flügeln in der Höhe schwebenden Raubvogel I glich, I

Großartig! Noch nicht dagewesen! Superb!" hörte I man in her Menge auscufen und ängstliche Aeußerun- I gen wurden laut, als der Flieger jetzt aus seiner unge- I hcuren Höhe in schiefer Ebene in der Richtung nach der I

I Stadt herniederschoß, um in Kirchturmhöhe über dem I Boden angekommen, leicht und graziös unter dem herz- I befreienden Jubel der Untenstehenden wieder den Flug I nach oben zu nehmen. Programmäßig umflog Felix I Tauber die beiden Domtürme und kehrte bann nach dem I Flugplätze zurück. Das Tosen des Beifalls setzte nicht I eine Sekimde aus, doch jetzt verstummte es wie mit I einem Schlage, als gerade über dem Flugplätze der in I der Luft schwebende Riesenvogel plötzlich ins Schwanken I geriet und das Geräusch der Propeller gänzlich ver- I stummte. Und aus tausenden von Kehlen erscholl ein= I stimmig ein Schreckensschrei, als derKondor" in ver- I tikcrler Linie pfeilschnell zur Erbe schoß.

I Alles eilte herbei, um dem verunglückten Flieger bei- I Zustehen ihn zu retten, wenn Rettung noch möglich I war. Aber jeder der die Schranken Durchbrechenden I sagte sich, daß menschliche Hilfe hier wohl vergebens fei, I denn der Sturz war aus sehr bedeutender Höhe erfolgt, daß jede Hoffnung auf Erhaltung des Lebens ausgeschlos­sen erschien. Und es schienen sich die schlimmsten Be­fürchtungen beim Näherkommen an die Unglücksstelle zu bestätigen.

Zwischen einem Gewirr von Aluminiumstangen, Sei­denfetzen und Maschinenteilen, die zum Teil tief in den I Boden eingetrieben waren, lag ein blutiger, zuckender Menschenkörper, zerschmettert von dem furchtbaren Sturz aus der Höhe. Die Kopfbedeckung war dem Verunglück­ten entflohen, so daß man das nach auswärts gerichtete totenblasse Antlitz sehen konnte. Über welches ein aus den dunklen Locken quellender Blutstrom sickerte, ein gräßlicher Anblick, über welchen einige der herandrängen- den Frauen ohnmächtig wurden unb von welchem sich auch sehr herzhafte Männer schaudernd abwenden mußten.

Die rauschende Festmusik war verstummt und die vor. her so fröhliche Stimmung der Menge in tiefe Trauer verwandelt. Die eilig herbeigekommene Sanitäts­kolonne waltete unter Leitung mehrerer Aerzte ihre- traurigen Amtes. Varsichtig mürben die den Verun­glückten einzwängenden Maschinenteile entfernt und bet bewußtlose Körper in einen Tragkorb gehoben, um sofort "ach dem Krankenhause üüertührt zu werden. fF. f.)

Erscheinung betraf, doch keiner der anderen ümw LnTa-'ft 3tV?ne.m Niegerkoftüm und dem von Sonne I ""d -uft gebräunten, Energie verratenden schönen Män-

S 2 i ? " ^rhaftig entzückend aus unb glücklich pries sie sich, daß dieser von allen Verherrlichte ihr an- gehoren sollte Sie verschlang den Daherkommenden völ-

?en Micken und begiäßre ihn in so nertSiZ .mh'frrw6 d-e Umstehcndeii sich bedeutungsvoll ansahen und flüsternde Bemerkungen über die so mffallenbc Li- benswurdigken der schönen Witwe austausch en Weder Helene noch Fel-r gewahrlen die-: in qeaenfeit a,m «n ÄÄÄÄ Ä ÄftA 5 *

! nehmen. Unter tausendstimmigem Jubel ^ob sich der ÄTr « ts^84einC Mahnen und Tücher schmen- keichen Insassen in die üerne. Der ellipsenförmige Ballon zeichnete sich noch als glanzend weißer Streifen aon dem ^lau des Himmels am Hor-zonte ab, als bie Aufmerk- faotat der Zuschauer aufs R-ue durch einen Flstg^ g- fesselt wurde, der sich anschickte, mit feinem Zweidecker in bie Lüfte zu steigen. Auch ihm wurde nach wohlgelun­genem Fluge allgemeiner Beifall zuteil, wie denn bas Publikum sich für alles Gebotene dankbar erwies

Ein zweites Luftschiff fchwevte heran unb nahm'wie bas erste, eine Anzahl Passagiere auf; sodann führten bte ersten Aviatiker Deutschlands die vertchiedenen Systems ihrer Flugmaschinen vor unb allen getana es mit ihren Leistungen den stürmischsten Beifall bei bet I Zuschauermenge zu erwecken. Ein wahrer Enthusias- I mus aber bemächtigte sich ber Massen, als es hieb hab Znm Schlüsse Felix Tauber, ber von ber Fremdenleaion in Algier entwichene Lanbsmann, mit feinem snL.« I - der nämlichen Maschine, mit ber er den Fiko über bas Mittellänbische Meer unternommen aufstsiaen I unb die Türme des Domes umfliegen würde. J I

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So war denn der von Frau Helene Welty sck lang ersehnte Tag gekommen, an dem bas Schauflicgen statt- fmben sollte unb bis halbe Stadt strömte nach dem etwa eine halbe Stunde von t. gelegenen Flugplätze hinaus. -Das herrliche Maienwetter begünstigte die Beranstal- wng, die außergewöhnliche Ueberraschungen versprach, sich außer einer Reihe von Fliegern auch e ferfchiedener Systeme zur Teilnahme gemeldet, vollten Detm7 w116 Slüge mit Passagieren unternehmen haben ^Eeldungen zu diesen waren trotz des ein geringer^Test b^ J.° zahlreich eingelaufen, daß nur wie aud)Sbie JA*" berücksichtigt werben konnte, ten ungeheuren Trtb-°" Se^en bes Flugplatzes errichte- der Schaulustiges genügten, um bie Menge

Herr Weltn m

«anbauer herausaekom^ feiner Schwiegertochter im ten Stelle, von welch^ °" Unb Vielt on einer beoorzug- big übersetzen tonnte Der"n»7r7 SI9pIa6 D°nftän5 gestimmt, ba unter ber aJ V roar f)cute responbenz sich ein Schreiben^?°"> ^"gelaufenen Kor- trägltd) Forberungen an ihn r ln welchem nach- fterbenen Sohn kontrahierte fei"em Der= I

welcher er keine Ahnung hatte 9 murbV' Don I er wäre zu Hause geblieben, 'n® in^^h- U"& Papieren seines Sohnes nachzufthen ab

Schriftstück oorfanb, bas bie 'Rer-rfn'' Cln ' rung anerkannte. Aber er wollte Helene""35°rbCs I verderben unb beschloß, sofort nach

bie Sache zu untersuchen. $ fe,nem H°-mk°mmen

Helene bagegen befand sich in ber röschsten Om,e ließ berselben im Gespräch mit mehreren c?. . b

Gesellschaft, die sich an ihrem Wagen einqefunbeT hat- ten, freien Sauf. Unb erhöht würbe ihre SZ teftt Felix Zauber, von aller Welt angeftaunt mit freubigVi Zurufen begrüßt, auf bem RbigpInj,c rrtoi tob sich ihr näherte. Mit ihm form* sich X sE