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AmMcher Anzeiger für den kreis und die Skadk Fulda.

Nr. 188.

Leronttvortlicy für den ceöaüionellen Teil: Dr. I. Kramer, - für die Anzeigen: I. Parzeller-Fuida. u Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, ftemtpredier Nr. 9. Pofttcheck-Konto 4051 Frankfurt a. M.

Freitag, IS. August 1922.

Bezugspreis: Monatlich 28.00 Mk. zugestellt frei ins flaus- - Abgeholt in der Geschäftsstelle 27,00 2TtL :: Anzeigen: Kleinzeile nach Colonel 2.50 Mk.; ausw. 4,00 M. Rrklamezeile (Tettbreite) nach Colone'maß 12 Mark.

49. Zahrg.

Verständigung

erwarten:

ausgew.ali — wie schwelgte er in der Erinnerung an jene Mondnacht, in der er das liebe Mädchen durch den Stadtparr der Vaterstadt nach Haufe begleitet hatte! Das Gefühl der Dankbarkeit für sie, die nach des Freu», des Erzählung einen so regen Anteil an der Befreiung aus seiner entsetzlichen Sklaverei genommen hatte, stei­gerte die Wärme seines Empfindens, und unbegreiflich erschien es ihm heute, daß er vor drei Jahren wie ein Blinder an feinem wahren Glück vorübergegangen war und nur Sinn für Helene gehabt hatte. V

I men — ganz gewiß nicht —, so beteuerte er sich selbst, ! als er die Stufen der Treppe hinabstieg. Martha war ! für ihn verloren, weil sie das schüchtern Mädchenhafte ’ von ehemals von sich abgeftreift hatte und ein felbftbe- Schon am j roufjtes Weib geworden war. Der Hochmut der ge-

Wtb Mönchen, 17. Auxust (Tel.) Mr die „Bayerische Liaalszeilung schreibt, Hai der D a u e r «- b u n d bereits seine Z u st i m m u ng zu den Abrnachun- rxn Bayerns mit dem Reich erteilt. In der Da y e ri- schenvolksportei mehren sich die Stimmen für diese Zustimmung, wenn auch vielfach befiimmle Sicher­heiten für Einzelheiten der Abmachungen gewünscht werden. Man ist aber doch in weilen Kreisen der lleberzenaung, dost die Worte des Reichspräsidenten die Gewähr für eine loyale Durchführung der Zugeständ­nisse bielen. Auch in den Kreisen der Mitlelparlet herrscht eine ähnliche Stimmung.

14. Kapitel.

Felix Tauber konnte mit der Aufnahme, die ihm in der Residenzstadt bei den, dem Flugwesen nabestehenden Kreisen wurde, zufrieden fein. Die Kunde von feiner abenteuerlichen Flucht aus der Fremdenlegion hatte ihm die Wege geebnet, und war man allgemein darauf ge­spannt, das System der von ihm bei dieser Flucht be- nutzten Flugmaschine „Kondor" näher kennen zu lernen, das, wie man sich erzählte, als das vollkommenste in' seiner Art angesehen werden konnte. Man wollte wissen, daß der glücklich entfommene Legionär, den man als geschickten Feinmechaniker rühmte, gemeinsam mit sei­nem Freunde, dem langen Platen, das System des „Kondor" ausgebaut habe und dasselbe der deutschen Heeresleitung anzubielen beabsichtige. Besonders käme bei dieser Vervollkommnung des Apparates eine Vor­richtung in Betracht, die Felix Tauber bereits oor länger als drei Jahren, noch bevor er zur Fremdenlegion an­geworben worden war, nach langen Versuchen ausge- fonnen habe, die, an der Maschine angebracht, eine fast unbedingte Sicherheit des Fliegers gewährleiste. Man gewann in der Tat bei den auf dem Flugfelde Johannis­tal von Felix Tauber und Otto Platen unternommenen Versuchsftügen den Eindruck, als wäre man mit dem

Belgien und Frankreich sind einig

Der Notruf des NelchskanLlers.

In Lrwnrtung der Entscheidung des Reparationskomitees.

Eine polnische Megerbombe.

10 Tote. 50 Benetzte.

Die polnischen Heereseinrichtnngen scheinen von der weltberühmten „Polnischen Wirtschaft" nicht un- berührt zu jein. Darauf läßt ein Unglücksfall schließen, über den uns ein Telegramm folgendes meldet:

Wtb Danzig, 17. August. (Tel) Auf dem polnischen F-ugplatz Putzig fiel bei einem militärischer, Sportsfest eine Bombe in die LOO Man« starke Zuschauermenge und tötete 10 Personen auf der Stelle. W-itere 50 Personen wurden verletzt.

Zur Getreideumlage,

Der Deutsche Landwirtschastsrat har an das Reichs Ministerium für Ernährung und Land, unrrchast ein Schreiben gerichtet, in dem im wesent- uchen ausgeführt wird:

r JPaJPVi5 Ufr 005 Umlagegetreide nach § 50 Ws. 1 des Gesetzes über die Regelung des Der- nnt Getreide aus der Ernte 1922 vom 4. Juli

1 z fur ^as Drittel der Umlage für Roggen 5 ZOO Mark, Weizen auf 7400 Mark, für (Äffe auf 6700 Mark je Tonne festgesetzt worden. Es ist schon bet den Beratungen im Reichstag seitens der i.a7Wwirtschast mit allem Nachdruck darauf hingewiesen worden, daß dieser Preis vielzuniedri g fei Die gesauste deutsche Landwirtschaft ist aufs höchste erbittert über diese Preisfestsetzung, da sie in keinem Verhältnis Sv «S .. st Erzengungskosten für diese Getreidearten. D« Ertragnisse der diesjährigen Ernte sollen dem Land- wirt das Kapital und die Mittel liefern, die er zur Ge- winnung Ler nächst-ährigen Ernte braucht. Die Preis- festsetzung, rme sie im 8 50 des Gesetzes über die Re» gel-ung des Verkehrs mit Getreide festgelegt ist, kann

ersten Tage feines Eintreffens in Berlin war er zu U’a fein ganzes Herz zu Füßen zu legen, aber ferne Hoffnung, bei ihr der früher doch un- verkennbar gezeigten Neigung auch heute noch zu begea» neu, war bedeutend herabgestimmt worden.

Martha war offenbar eine andere geworden. Woyr empfing sie den alten Freund und weitläufigen Ver­wandten mit alter Herzlichkeit, aber es schwebte über ( ihrem ganzen Wesen etwas vornehm Kühles, das jede [ innere Vertraulichkeit ablehnte. Voll Eifer erkundigte sie sich nach den Erlebnissen des glücklich fleimgekehrten: jede einzelne Phase seines Lebens während der letzten drei Jahre mußte er ihr schildern, wie auch den Hergang seiner abenteuerlichen Flucht bis in das kleinste Detail berichten, aber alles fragte sie in einem Tone, als wäre ihr das zu Hörende etwa so interessant, wie der Vor» trag eines von einer gefahrvollen Reise zurückgekehrten Afrikaforschers, dessen Säuberungen man wohl mit er. regten Nerven lauscht, dessen Persönlichkeit felbst aber d«m Zuhörer gleichgültig ist. In keiner Frage Marthas schwang etwas wie Angst und Sorge um den einem traurigen Schicksal glücklich entronnenen Mann, den sie dock) einst geliebt hatte. (Beliebt hatte!

Das mußte Felix sich selbst sagen, nachdem er kaum fünf Minuten sich mit der Sängerin in deren vornehm ausgestattetem Empfangszimmer unterhalten hatte. Martha Möller war aus den niederen Sphären zu den Höhen des Ruhmes emporgeftiegen — in Regionen, wo eisige Lüfte wehen, in deren Hauch die Blüten warmen Empfindens erstarren. So stimmte Felix unwillkürlich ebenfalls die Wärme feines Tones mit Wehmut im Laufe des Gesprächs herab, und fast empfand er es als eine Erlösung, als die Zofe der Diva eintrat und ihre Herrin daran mahnte, daß es die höchste Zeit fei, zur Probe nach dem Theater zu fahren. Recht förmlich verabschiedete er sich, und er fand es fast selbstoerständ- lich, daß Martha ihn nicht zur öfteren Wiederholung feiner Besuche eirdub. Er wäre auch nicht mehr gekom-

System „Kondor in feiner neuen Ausführung ber end­gültigen Lösung des Flugproblems um einen bebrüten« ! den Schritt näher gerückt. Wie eine Taube, fo leicht schwang sich die Maschine nach kurzem Anlauf in die i Lüste, schwebte dort bald, einem riesigen Vogel vergleich­bar, in majestätischen Schraubenlinien in die flöhe, um bann pfeilschnell eine gerade Strecke zurückzulegen, balb senkte sie sich fast geräuschlos zur Erde nieder, um, kurz vor derselben angekommen, wieder eine Kurve nach oben 3U beschreiben. Man war über das System „Kondor" einstimmig des Lobes voll und fetzte es als sicher voraus, daß dasselbe bei dem im Frühjahr bevorstehenden gern« siuge Berlin-Wien einen der ersten Preise davontrage.

Die Arbeit in der Flugzeugwerkstätte, die von dem über ansehnliche Mittel verfügenden Ingenieur Otto Platen eingerichtet worben war, die Probeflüge wie auch das gesellschaftliche Leben mit feinen vielen neuen Ein- drücken, nahmen Felix in ber ersten Zeit seiner Anwesen, heil in der Rcichshauptstadt dermaßen in Anspruch, daß er kaum Zeit fand, sich mit feinen Herzenangelegenheiten ö» befassen. Um so weniger dieses, als in feinem dies- bezüglichen Empfinden etwas wie eine Ernüchterung eingetreten war. Dem Wiedersehen mit Helene Hell­born war er mit Absicht, mit einer gewissen Aengstlichkeit aus dem Wege gegangen; es warnte ihm eine innere totimme davor, sich dem Reiz ihrer Persönlichkeit aufs neue auszusetzen, nachdem ihm die Gewißheit geworden war, daß Helenens Liebe für ihn nicht auf die Dauer standgehalten hatte, und nachdem er glaubte, daß feine Gefühle für die ehemalige Verlobte ebenfalls geschwun­den waren, um einer immer inniger werdenden Neigung 3U Mortha Platz zu machen. Mit welch hoffnungsvollem | inneren Beben hatte er sich das Wiedersehen mit Martha

Die tage in Bayern.

Die Vernunft scheint endlich zu siegen.

Am Mittwoch abend lauteten die Nachrichten aus München über die Verständigung mit dem Reich nicht günstig, lieber die Besprechungen der Fraktionen über Las vom Grafen Lcrchenfeld aus Berlin mitgebrachte Emigungsprogramm gingen ungünstige Nachrichten um. 2m Landtag in München erschienen, so wurde gameldet, eine große Abordnung von örtlichen Parteiführern und Vorständen vatcrländ. Organisationen aus dem Ober- land und Schwaben und verlangten energisch, teilweise sogar in drohender Sprache, die Ablchnung der Ber­liner Abmachungen und die Aufrechterhaltung der bayerischen Verordnung. Von einzelnen Rednern wurde die Forderung des sofortigen Rücktritts der Re- gierung und die Landtagsauflösung vertreten. Es scheint sich um r e ch t s r a d i k a l e Machenschaften ge­handelt zu haben. Jedenfalls läßt folgendes Tel» gramm, das uns zugeht,

Zurzeit muß man, ehe sich weitere Klarheit über die Lage gewinnen läßt, den Spruch der Re­parationskommission abwarten, dem ja die. Londoner Konferenz ihr Aufgabenbündel zur Lösung zugeschoben hat. In Berlin berät das Reichskabinett fortgesetzt. Irgendwelche Beschlüsse Wurden indes noch nicht gefaßt, da man erst die Ent- scheDung der Reparationskomnrission abwarten will. Immerhin wird die politische Lage in Regierungskreisen als sehr ernst bezeichnet, was auch dadurch zum Ausdruck kommt, daß der Reichs- kanzler seine beabsichtigte Erholungsreise zunächst aufgeschoben hat. Auch die übrigen beteiligten Res­sortminister bleiben in Berlin.

Wie der Spruch der Reparationskommission aussehen wird und wie wenig Erfreuliches Deutsch- lano davon erhoffen darf, kündigt folgende Draht- meldung an:

Deutschland soll zahlen.

Paris, 17. Ang. (Tel.) Rach dem „3a- franfigeaat“ soll der belgische Ministerpräsident Theunis am Montag in London einen Plan corge- bracht haben, der die Zustimmung Poin- rares gefunden hat. Der belgische Ministerpräsi­dent erklärte, das Geld, das Deutschland zahlen solle, werde Belgien zufließen und diene nur zur Deckung der Prioritäten Belgiens, bas noch 800 Millionen zu beanspruchen habe. Unter diesen Um­ständen mache er im Namen Belgiens den Vor­schlag, den jetzigen Zustand zu lassen, d. h. Deutsch­land zur Bezahlung dessen zu zw ingen, was es für 1 922 bar aufzubringen habe. Aber, fo sagt Theunis, wir werden uns unmittelbar an Deutschland wenden und ihm erklären, es solle uns anstatt der Goldmark sechs Monakswechfel geben. Das komme darauf hinaus, daß doch ein Moratorium von einem halben 3ahr gewährt wer­den würde. „So find wir (d. h. die Belgier) zu­frieden gestellt, und die andern Alliierten erleiden keine Verzögerung der Zahlungen, die ihnen nach dem Zahlungsplan zustehen."

Für Deutschland sieht das Bild hinsichtlich ber Zufriedenstellung natürlich anders aus als für den Belgier, der Deutschland anscheinend nur als Objekt der Aussaugung betrachtet und im deut­schen Volle so etwas zu sehen scheint wie Kongo­neger, die früher von den Belgiern ausgebeütet worden sind.

„Erst Brot, — dann Reparationen".

So hat unser Reichskanzler sich geäußert gegenüber einem enMchcn Zeitungsmann, wenn dessen Bericht zutrifft. Und das wird wohl der Fall sein, denn tat­sächlich hat sich die politische Krisis für Deutschland zur Magenfrage zugespitzt. Bei dieser ungeheuren lSeldentwertung kommt das deutsche Volk in peinliche Sorge um das tägliche Brot.

Wenn das so weiter geht, so können wir weder die Lebensmittel. noch die Rohstoffe bezahlen, die Deuisch- - land vom Auslande braucht. Was wir jetzt obsetzen an das Ausland, ist ein verderblicher Ausverkauf zu Schleuderpreisen. Wenn die Läger erschöpft find, so müssen zahlreiche Betriebe stocken ivezen Man­gels an Rohstoffen. Die drohende ArbeitdlosigLeit wird die Brotfrage, die schon durch die Teuerung sehr ernst geworden ist, zu kritischer Verschärfung treiben, so daß

Der Sturz von der höhe.

Roman von Fritz Ritzel.

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Das hatte Helene gewollt; wie sie wußte, stand die Mutter in regelmäßigem Verkehr mit Frau Tauber, unb mit dieser, ber Mutter des (Beliebten, Fühlung zu erhalten, barum war es vor allen Dingen der jungen Frau zu tun. Es wurde ihr auch nicht schwer, die Mutier zu einem Besuche bei Frau Tauber zu bestimmen, unb ehe eine weitere halbe Stunde vergangen war, saßen die beiden Frauen der aufs höchste von dem Be­such überraschten Mutter Felix Taubers an dem gemüt­lichen runden Tische gegenüber. Frau Tauber war ber jungen Witwe, die sie seit deren Verheiratung nicht-roie- dergesehen hatte, im Anfänge mtt einiger Befangenheit entgegengetommen, aber ihre Kühle schwand, als Helene sich mit der herzlichsten Teilnahme nach Felix unb nach ben Einzelheiten von besten glücklich gelungener Flucht erkundigte. 3n dem Wesen der jungen Frau lag dabei etwas fo Unbefangenes, als hätte sie unter dem Zwange ber Verhältnisse mit den früher für Felix gehegten Em- pfmöungen für immer abgeschlossen unb als sei an eine W-ederaufnahme inniger Beziehungen nicht zu benfen. Denn als Angehörige bes Hauses Welty ließ sie im Ge- spräche einfließen, kenne sie nur noch die eine Lebens- aufgaoe, taien guten Schwiegervater über den Verlust bes einzigen Sohnes zu trösten und ihm den Sohn zu ersetzen.

Das war beutlich. wie sich Frau Tauber sagte. Frau Helene Welty war eine vornehme Dame geworden und stellte ganz unverblümt eine Scheidewand zwischen sich und dem früheren Verlobten auf. Es war vielleicht der einzige Zweck ihres Besuches, einen freundschaftlichen Verkehr anzubahnen, um ber Weit vorzuläuschen daß die früheren Beziehungen zu Felix nur freundschaftlicher und nicht intimer Natur gewesen seien. Jedenfalls deutete nicht eine einzige Aeußerung der schönen jung-n Frau auf noch vorhandene tiefere Empfindungen für d-n ehemaligen Verlobten hin — die Neigung schien bei He- lene das nämliche Strohfeuer gewesen zu fein, rote sie es nach den von Frau Tauber gemachten Erfahrungen offenbar bei ihrem Sohne gewesen war. Die lange Trennung unb die mannigfaltigen, in den drei Jahren

| reiche, Großbritanniens und Italiens unter Hinweis auf I ben an bie Reparationskommission gerichteten Antrag auf I Aufschub ber Reparationszahlungen gebeten, eine neue | Regelung für bie Verpflichtungen Deutschlands aus dem I Ausgleichsverfahren und aus Abschnitt IV von Teil X I des Vertrages von Versailles zu treffen. Auf diesen An- I trag ist der Deutschen Regierung bie von ihr erwartete I gemeinschaftliche Entscheidung der beteiligten Mächte j bisher nicht zugegangen.

I Die Deutsche Regierung befindet sich hinsichtlich ber I Deckung des Devisenbedarfs für ihre zwingendsten | Lebensbedürfnisse, insbesondere für bie von ihr I eingegangenen privatrechtlichen Verpflichtungen aus Ge- I treibe’äufen in einer sehr schwierigen Lage, bie ber Re- I parationskommission urfb bem Garantiekomitee näher be- I kannt ist. Seit dem 14. Juli, bem Tag ihres Gesuchs um I anberroeitige Regelung ber Ausgleichszahlungen, ist bie I Mark von ein Hundertstel auf ein Zweihundertstel ihres Friedenswertes weiter gesunken. Es ist der Deutschen I Regierung daher beim besten Willen nicht möglich, I bie auf Grund des Abkommens vom 10. Juni 1921 am I 15. August fällige Rate von 2 Millionen Pfund I ben beteiligten Regierungen zur Verfügung zu stellen.

In ihrer Note vorn 5. August hat bie Deutsche Regie- | rung ber französischen Regierung erklärt, sie werde auch I für ben Fall bes Ausbleibens einer gemeinschaftlichen I Cnischeibung ber beteiligten Regierungen bestrebt fein, I ihre vertraglichen Verpflichtungen im Rahmen ihrer Lei- I stungssähigkeit zu erfüllen.

In Uebereinftimmung hiermit und um eine Verstau- digung über bie Frage ber Ausgleichszahlungen zu er- I leichtern, auf welche sie ben größten Mert legt, wird bie Deutsche Regierung, unter Zurückstellung ber sich aus der Deoisenlage ergebenden schweren Bedenken, den von ihr I in ihrer Note vom 14. Juni unter günstigeren Verhält- I Nissen angebotenen Pauschalbetrag von 500 000 Pfund den beteiligten Regierungen zur Verfügung stellen. Sie bat bie zuständigen deutschen Stellen mit entsprechenden Anweisungen versehen.

Der Betrag von 500 000 Pfund (10 Millionen Goldmark) ist inzwischen dem britischen und dem französischen Ausgleick^amt, welche für die gerade stattfindende Abrechnung im Kredit sind, nach dem Verhältnis ihrer Kreditsalden überwiesen worden.

Der französische Ministerrak.

Das von Havas ausgegebene offizielle Commu- niqus über den französischen Ministerrat besagt, daß die Nachmittagssitzung des Ministerrats um halb 5 Uhr zu Ende gegangen ist. Es sind die verschiede­nen Möglichkeiten beraten worden, die, je nachdem, welchen Beschluß der Reparationskommis­sion faßt, eintreten können.

Vie Entente als Weltachse.

Der Londoner Berichterstatter des Pariser „Journal meidet: Theunis erklärte vor feiner Ab­reise, daß nach seiner Meinung in kürzester Frist eine neue Konferenz stattfinde. Er wisse aber noch nicht, wo sie zusammentreten könne. Theunis er­klärte ferner, er sei n i ch t e n t m u t i g t. Die En- tente fei von solcher Bedeutung, daß sie die Achse der auswärtigen Politik bilde. Man müsse sie um jeden Preis erhalten.

Die folgen des MarL-5turzes.

Nach den Berliner Blättern haben die Spitzen- I verbände der Arbeitnehmerorganisationen in "den ! Tagen über die durch den Marksturz hrrvorgerufene wirtschaftliche Lage beraten. Die „Boss. Ztg." hört, daß die Arbeitnehmervertreter heute mit dem Reichswirtschaftsminister Schmidt die Lage Syriern wollen und daran anschließend Be­schlüsse fasten wollen, die der Reichsregierung I vorgelegt werden sollen. Die Spitzenoeröände wol­len der Regierung Maßnahmen zur Bekämpfung der Teuerung Vorschlägen, die eine Einschränkung I der freien Wirtschaft und teilweise Rückkehr zur Zwangswirtschaft, vor allem aber zu einer D rosselun g der Ein f u h r führen sollen.

Berzweiflungsausbrüche und Unruhen zu erwarten sind.

Dieser bittere Ernst der Lage darf nicht verdunkelt werden. Bor allem muß den Franzosen zum Bewußt- sein gebracht werden, daß sie das Geld, das sie er­streben, nicht eher erlangen können, als bis sie uns Deutschen das tägliche Brot gönnen. Was Poincare mit seinen .produktiven Pfändern" erstrebt, kann viel­leicht den Franzosen einen Machtzuwachs bringen, aber keinen Geldzufluß. Auch nicht bei der Besetzung der Kohlengruben an der Ruhr; denn die Ausbeutung der Bergwerke hängt davon ab, ob die dortige BevL- kerung arbeitsfähig und arbeitswillig bleibt.

Nun wird neuerdings aus Paris gemeldet, daß dort die Stimmung schon etwas gedämpfter ge­worden fei. Es ist schon möKich, daß ein Teil der Politiker bei näherer Betrachtung tser Gesamtlage etwas nachdenklicher geworden ist und die Gefahren ahnt, die auf dem eingeschlagenen Wege lauern. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, daß Poincare die Ein­berufung der Kammer etwas hinausschiebt, d. h. Zeit gewinnen will, um erst die weitere Entwicklung im Schoße des Rsparationsausschusses abzuwarten. Aber die öffentliche Meinung im französischen Volk wird sich nicht so schnell zur Mäßigung und Besonnenheit brin­gen lasten. Und doch tut Eile not, wenn die Wen- dwng zum Besseren noch rechtzeitig erfolgen soll; denn Deutschland steht vor der Hungersgefahr.

Wir brauchen nicht bloß einen schnellen Auf­schub, sondern auch eine ausgedehnte Atempause. Ein paar Wochen genügen nicht, um die Lebens- und Leistungsfähigkeit Deutschlands aus der Klemme zu er- lö;en, in die wir durch die Quertreibereien Poincares geraten sind. Darum sagte der Reichskanzler mit Recht, das Moratorium müsse sich aus viele Monate erstrecken, wenn es von praktischem Wert sein soll.

Nun wird oben aus B e l gi e n gemeldet, die Brüste, ler Regierung sei bemüht, eine Verständigung zu er- rerchen auf der Grundlage eines Aufschubs von sechs Monaten. Das wäre schon eine tröstliche Aussicht — Dorausgefefet, daß der Aufschub nicht an Bedingungen ^.Mander geknüpft stt, die das Wiederaufleben ber deutschen Wirt'chaft unb die Erholung des deutschen Geldwertes unmöglich machen würde. Die Bermitt- «ung der Belgier roürten wir umso höher einschätzen wenn sie selber dabei ein Opfer bringen, auf ihr tret« tragsmaßiges Prioritätsrecht zum Teil verzichten wollen.

Auf derartige Anregungen und Gerüchte kann man sich ftei lch noch nicht verlassen. Wir müssen unserer- setts den vollen Ernst der Lage to Auge behalten und auch vor aller Welt geltend machen. Es handelt sich um die Ernährung und die wirtschaftliche Zukunft von 60 Millionen deutschen Menschenkindern, und alle ver­nünftigen Staatsmänner von beiden Seiten des At­lantischen Ozeans müssen sich ihrer Verantwortlichkeit bewußt sein, wenn sie Deutschland in VerrweUuna und Verderben geraten lassen.

Vie Zahlung -er 500000 pfunö durch die deutsche Regierung auf die Ausgleichs- I forderungen (deren Auszahlung schon gerne!» öet wurde) ist den Negierungen in London, Paris. Rom und Brüste! am 15. August in folaender beut* morbeir Edrücklich zur Kenntnis gebracht

3n gleichlautenden Noten vom 14. Juli bat bie Etsche Regierung bie Regierungen Belgiens, Frank- erfahrenen neuen Eindrücke hatten bie ehemals fo leiben* fchaftliche Glut in den beiden jungen Herzen vollständig I augelöfcht. — Mit meisterhaftem Geschick verstand es Helene,, durch hingeworfene oberflächliche Bemerkungen diesen Gedankengang bei der alten Dame auszulösen unb I berfeiben bie Heber,jeugung beizubringen, daß eine Be> I gegnung ber jungen Frau mit Felix keinerlei Gefahr für bie Herzensruhe des letzteren mit sich bringe. Und be­greiflich erschien Frau Tauber der Wunsch Helenens aus Felix' Munde selbst die Schilderung seiner aben­teuerlichen Erlebnisse zu vernehmen. Als daher bet ber Verabschiedung der Damen die junge Frau die De­mi rkung hinroarf, daß es sie und ihren Schiviegeroater I recht freuen würde, wenn Felix bei seinem nächsten Kommen den versäumten Besuch im Hause Welty nach, hole, versicherte Frau Tauber, daß der Sohn geroi. nicht verfehlen würde, ber freundlichen Einladung Folge zu leisten. I