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FuldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 181.

Verantwortlich für den redaatonellen Teil: Dr. I. Kramer, z für die Anzeigen: I. Varzeller-Fulda. ~ Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, itemlpredier Nr. 9. Postscheck » Konto 4051 Frankfurt a. M.

Mittwoch, 9. Kugust 1922.

Bezugspreis: Monatlich 28,00 Mk. zugestellt frei ins Haus- = Abgeholt in der Geschäftsstelle 27.00 litt. :: Anzeigen: Kleinzeile nach Colonel 2.50 Mk.-, ausw. 4.00 Mk. Reklamezeile (Textbreite) nach Colonelmaß 12 Mark.

49. Zahrg.

Gegen die Haß-Saat der Lüge.

Die Reichsregierung zu den „Retorsionen".

Die Londoner

Der „Perl. Lokalanzeiger" erfährt aus München, baß m der dieser Tage erschemenden Ausgabe der «SiMeurschcn Monatshefte" FrankreichsSchutd am Weltkriege auf Grund der Abmachungen des russischen mit dem französischen Gmeralstabschef in dm wahren 1911, 1912 und 1913 durch neu entdeckte D o k u m e n t e, die man der Sowjetregienmg verdankt, davgekegt wird. Sie fird> umviderlsglick^ Beweise dafür, wie Herr Poincare die Spannung zwischen Frankreich »md Deutschland verschärfte. Da» Heft rst darum Herrn Poincare, „Zrcm Baier der Lüge", gewidmet.

*

2m Reichskabinett in Berlin wurde am Montag di« don der ftmHösischen Regierung beschlossenen Retor­sionsmaßnahmen besprochen. Es kommen für die Be­urteilung folgende Gesichtspunkte in Betracht:

Die in P u n k t 1 der französischen Rote enthaltene Weisung an die Ausgleichsämter in Paris und Straß­burg, bis auf weiteres jede Anerkennung deutscher For­derungen aufzuschieben, widerspricht nicht nur dem Gerste der Gegenseitigkeit, sondern auch dem Bersail- kr Vertrag, in dem vorgesehen ist, daß das Schulbner- amt dem Gläubigeramt die anerkannter, Forderungen bekanntzugeben hat.

Zu Punkt 2, die EntschädigungszaHlungen für deutsche Rechnung abzusetzen, ist zu sagen, daß sich :Frankreich in einem Abkommen verpflichtet hat, die Entschädigungsbeträge zu zahlen aus den Erlösen des Squchierten deutschm Eigentums. Die Einstellung die- t« Sahümgen bedeutet einen Bruch dieses Abkommens _ Zu P u n k t 3 dürfen die französischen Ausgleichs- amter die Erlöse aus der Liquidation des deutschen Eigentums in Frankreich nicht mehr bekanntgeben. Nach dem Versailler Vertrag hat aber Frankreich die Liquidation dem L-outschsn Ausgleichsamt gutzulchrei- ben, und zwar spätestens drei Monate nach der Liqui­dation. Also mich hier liegt eine glatte Verletzung lausender Verpflichtungen vor.

Das Verbot der Möbelaussuhr aus Elsa ß-Lot h r in gen bedeutete einen Bruch des Baden-B adener Ab kommens. Die Zahlung von 25 Millionen Franken, die DsutschLmrd in diesem Vertrag übernommen hat, ist bereits vor längerer Zeit erfolgt.

Gerüchte.

Aus dem besetzten Rheinland kommen Gerüchte über französische Bormarsch-Absichten. Sie seien der Vollständigkeit halber verzeichnt, ohne daß zimächst ihre Richtigkeit zuverlässig verbürgt ist. Nach enter Kölner Meldung des „Tag" hätten die französi­schen Besatzungs-Brigaden in Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort Befehl zur Bereitschaft erhalten und seien zu­sammen mit den ftanzösifchen Truppen, die Bonn und das dahinterliegende Gebiet links des Rheins besetzt halten, dem General Rivelle unterstellt worden, der in Düfleldorf das Kommando übernommen habe und, falls es dazu komme, die „Polizei-Aktion" ins Ruhr- «ebbet untsrnehmen fMe. Diese solle sich zunächst nur auf Esten und Mülheim erstrecken imd angeblich erst stattfinden, wenn andere Zwangsmaßnahmen gegen­über Deutschland fruchtlos geblieben sind. Sie "solle von Duisburg ausgehen. Das englische Ober­kommando in Köln ist angeblich mm der geplanten ftanzösifchen Polizei-Aktion und ihrem Charakter un­terrichtet und aufgefordert worden, englische Offiziere 3U den für die Aktion bestimmten einzelnen französischen Truppenteilen zu kommandieren und sich davon zu überzeugen, daß die Aktion wirklich nicht über den Rahmen einer Polizei-Aktion hinaus geht. Der eng«

Konferenz.

lische Oberkommandierende soll die ftanzösische Auf­forderung mit dem Bemerken abgelehnt haben, dafür keine Dcschle seiner Regierung zu haben.

Das verarmte Deutschland.

Erklärungen des Reichskanzlers Dr. Wirth.

Dem Berliner Korrespondenten der „Daily News" erklärte Reichskanzler Dr. Wirth in einer Unterredung, daß Deutschland die Reparationszah­lungen nicht umgehen wolle. ES könne nur nicht nach dem Londoner Zahlungspläne bezahlen und wünsche die Zahlungen auf einen längeren Zeitraum verteilt zu sehen. Die Methoden der Gewaltanwen­dung und der Drohungen könnten nicht zu einer Lösung deS Problems führen. Noch einige Noten, wie die letzten französischen und der Zusammen­bruch der deutschen Währung werde vollständig sein. Ein Fehlschlag der Londoner Konferenz wäre ihr vollkommener Zusammenbruch. Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund sei solange nicht aktuell, solange unS das Wasser bis zum Kinn stehe.

Dem Berichterstatter deS „Newhork Harald" er­klärte Reichskanzler Dr. Wirth, daß der Zusammen­bruch einer Bevölkerung von 60 Millionen Deutschen sich nicht über Nacht wieder gut machen lasse. Die Existenz der deutschen Republik hänge von dem AuS- gang der Reparationsfrage ab. Deutschland würde auf jeden Fall zahlungsunfähig werden, wenn die Reparationskosten nicht herabgesetzt würden und wenn keine internationale Anleihe zustande komme. Im Auslande mache man sich eine falsche Vorstel­lung, wenn man behauptet, eS genüge, wenn Deutsch­land neue Steuern mache, um größere Summen in Gold zu erhalten. Die Entwertung der deutschen Mark sei eine derartige, daß das Ausland die gesamte deutsche Industrie für wenige Milliarden Dollar kaufen könne. Dies wäre aber eine schlechte Kapitals- Anlage, denn das Ausland könne höchstens 2 Prozent Zinsen in Gold herauswirtschaften. Alle Behaup­tungen von einem Wohlstand in Deutschland seien falsch. Man könne dies deutlich daran erkennen, daß der F le ischko n sum in Deutschland auf 76 Pro­zent des Konsums des letzten Friedensjahres gesun­ken sei.

Die Zusammenkunft in London.

Poincare entwickelt Pläne. — Lange Reden.

Wie aus London gemeldet wird, hatte zur Eröff­nung der Londoner Konferenz Poincars eine Unter- redung mit dem belgischen Ministerpräsidenten Theunis, der einen Reparationsplan nach London mitbrachte, über den er sich mit Poincarö auSeinan- dersetzte. Dann begann eine Vorbesprechung der drei Ministerpräsidenten Lloyd George, Poinrars und TheuniS, sowie des italienischen Außenministers Schanzer. Die Sitzung wurde zum größten Teil von den Auseinandersetzungen Poincarss ausgefüllt.

Auf der Uebersahrt erklärte ein französischer Delegierter, die Franzosen betrachteten die Londoner Konferenz als ein Experiment. Sie würden abwarten, ob dasselbe, in einer englisch-französischen Berständigung seinen Abschluß finde. Poincare werde seine Austastung in ganzem Umfange der Welt bekanntgeben.

Die Konferenz selbst dauerte am Montag sechs Stunden. Poincare und Lloyd Georg« hiellen 'lange Reden. Poincaro legte einen endgültigen Plan vor, von dem er wünscht, daß er geheim gehalten wird. Dieser Plan wird einem Ausschuß der

Der Sturz von der höhe.

Als ----------

11. Kapitel.

Immer wieder drückte Frau Regina Tauber den fo .rgekehrten Sohn an ihr Herz und vermochte vor Seligkeit mir Wort« des Dankes für den Allmächtigen zu finden, weil er endlich ihr jahrelanges Flehen erhört hotte. Und immer wieder ergriff sie die Hände des gro­ßen, auf Mutter und Sohn lächelnd herabsehenden Man- ne- -mb führte sie unter hervorgsstammelten heißen Donk sworten an die welken Lippen. So war ihr wäh- rcn J oer langen Trennung füll gehegtes Ahnen, daß der Sohn noch lebe, doch kein Trug gewesen; ihr inniges Gottvertrauen war nicht getäuscht worden, und nochmals durchbrach des Lebens Sonne die 'Nacht ihres Grames und erhellte mit glanzvollem Leuchten den Abend ihres Daseins.

' Gerührt hielt Felix die Mutter in den Armen und sah mit zärtlicher Besorgnis ihr in das sanfte, in seliger Freude strahlende Gesicht. Sie war alt geworden, die gute Mutter;^ der jahrelang nagende Kummer hatte seinen unauslöchlichen Stempel auf die milden Züge ge- pragt, und hinfälliger, greisenhafter erfchien ihr ganzes Wesen. Nur die tiefblauen Augen leuchteten ihm noch im alten Glanze entgegen. Wie hatte er sich in den einöben öes fernen Afrikas nach ihnen gesehnt, wie un­endlich woh.tuend und befriedigend wirkte ihr Schimmer auf sein ganzes Empfinden, als wäre er wieder ein «einer Bube, der nach wildem Umhertollen auf der Gaste den Schoß des heben Mütterleins sucht und sich unter dem Schutze des Mutterauges geborgen fühlt.

„Unser Herrgott vergelte Ihnen, was Sie an mir und Felix getan haben. $err Pioten!" sagte Frau Tauber zum hundertstemnol, nachdem sich der erste Sturm der Freude etwas gelegt hatte. Wieder ergriff sie mit beiden Händen die Rechte des Ingenieurs, der lachend abwehrte und erwiderte:

„Den Dank, Dame, begehr ich nicht! Ich habe getan, was ich nicht lasten konnte! Doch wenn Ihr danken wollt, bann säumet nicht, den müden .Seib uns freund­lich zu erquicken!"

Damit hatte Herr Otto Platen das richtige Mittel ergriffen, um der alten Dame ihre volle Fassung wieder­zugeben. Behend trippelte sie in die Küche, befahl dem dort neugierig harrenden Mädchen, Kaffee, Wein und einen Imbiß zu richten, und eilte bann in die Stube zurück, um mit zitternden Händen den Tisch zu decken und bann wieder den heimgekehrten Sohn in die Arme zu schließen.

„Wie war es denn möglich, Felix, daß Du glücklich entkommen bift? In der kurzen Mitteilung von Malaga hast Du nur geschrieben, daß dank dem „Kondor" dte Rettung geglückt sei! Wer ist denn dieser Herr Kondor! Warum hast Du ihn nicht mitgebracht, daß ich ihm danken kann?"

Die Freunde brachen in ein fröhliches Gelächter aus, und Otto Platen belehrte:

„Wir konnten ihn nicht mitbringen, den Herrn Kon­dor, verehtte Frau Tauber, weil er doch etwas zu viel Platz im Eisenbahnabteil eingenommen hätte. Aber wir haben ihn sorgfältig in einen Güterwagen verpackt! Hoffentlich trifft er in den nächsten Tagen ein!"

Verständnislos sah Frau Tauber den Sprecher an, und dieser fuhr fort:

„Der „Kondor" ist eine Flugmaschine — mein famoser Eindecker, der Felix über das Meer getragen hat!"

„Herr des Himmels — über das Meer bist Du ge­flogen. Felix?" schrie Frau Tauber entsetzt auf. „Mit einem von den neumodischen Dingern, mit denen sie über die Häuser hinwegfliegen, höher wie die Domtürme? Angst und bange wird es mir jedesmal, wenn ich so einen Waghals sehe! Und Du bist nicht heruntergefallen?"

„Gott sei Dank nicht, wie Du siehst, Mutter!" lachte Felix. „Die Sache ging ganz famos. Ich habe einen Rekord für Weitflug ausgestellt, der so bald nicht ge> schlagen wird! Allerdings hätte wenig gefehlt, und ich wäre in das Meer geplumpst, wo es am tiefsten ist, aber ich muß bei unserem Herrgott gut angeschrieben sein — im letzten Augenblick, als der Motor schon anfing, zu versagen, gewann ich im Gleitflug das Land!"

„Und ist Dir wirklich nichts passiert, Felix — gar , nichts?" stammelte Frau Tauber, wieder in Tränen '

IFinanzminister unterbreitet werden, der dann der allgemeinen Konferenz Bericht erstatten wird.

Die deutsche Kohlenkrise.

Nach dem .Vorwärts' beschäftigte sich in Berlin eine Chefbesprechung in der Reichskanzlei mit der Kohlenkrise und der Entscheidung der Reparations­kommission bezüglich der Herabsetzung der Repa­rationskohlenlieferungen von 19 auf 17 Millionen Tonnen.

Reparationswucher.

Die Repararionspolitik der Entente ist in eine. Sack- Mste geraten. Es gibt pvaktifcherrveife nur einen Aus­weg: die Herabsetzung der deutschen Reparationsschuld auf ein vernünftiges Maß. Ob Lurch Streichung oder Herabsetzung der an Amerika geschuldeten Beträge der Alliierten, ob durch SchuEdennachiaß unter den euro­päischen Ententemächten — in irgend welcher Form muß Deutschland entlastet werden, wenn es nicht wirt- «hmllich zusammenbrechen und bamit das Chaos in ganz Mitteleuropa herbei führen soll.

Außer der wirtschaMchein hat aber auch die Frage der Herabsetzung der deutschen Schuld noch eine juristisch-moralische Seite. Nach dem Friedensvertrag, der bekanntlich in dieser wie in anderer Hinsicht den Bruch eines feierlich gegebenen Versprechens der En­tente (Wilsons 14 Punkte!) bedeutet, haben wir uns nur verpflichtet zur Wiedergutmachung der t a t s ä ch - l i ch erlittenen Schäden. Daß man auf der Gegenseite gänzlich anderer Meinung gewesen ist, zeigen die „großzügigen" Schadeneil' atzforde rungen, namentlich Frankreichs. So hat die französische Regierung eine Reparationsrechnung von insgesamt 218% Milliarden Papierfranken präsentiert, eine Summe, von der Keynes in seinem Buch über die Revision des Friedens- Vertrages schreibt, sie sei geradezu eine pHantastische Uebertreibung dessen, was man bei einem Kreuz­verhör würde rechtfertigen können. Er beweist das durch eine Reihe von Stichproben. Dabei stellt sich heraus, daß selbst bei liberalster Schätzung beispiels- weise die Forderung von 36,9 Milliarden Franken für Len Ersatz der zerstörten Häuser im verwüsteten Gebiet 3^ fach zu hoch ist, daß sich für die durchschnittliche Bewertung der MöbeL und festen Anlagen in dem Haufe jedes Bauern und Bergarbei ters nach der ftcmzösischm Rechnung ein Betrag von mehr als 16 000 Goldmark ergibt! Die französische Regie­rung verlangt nämlich dafür 25 Milliarden Franken. Das macht zusammen mit den Häuserschäden 6 2 Mil­liarden Franken! Alles in allem behauptet Keynes, daß ito Durchschnitt der Anspruch Frankreichs das zwei bis dreifache des tatsächlichen Schadens beträgt!

In völlig gleichem Sinne äußert sich der ehemalige italienische Ministerpräsident Nitti in seinem Aufsehen erregerDen Buche „Das friedlose Emopa" zu dieser Frag«. Während Keynes die deutsche Schadenersatz­summe zur Deckung sämtlicher Ententeschäden aus 53 Milliarden Goldmark geschätzt wissen will, setzt Nitti nur 40 Milliarden dafür ein. Beide aber lehnen ka­tegorisch den französischen Anspruch auf Ersatz der MN,tärpensionen und Familienunter­stützungen, der sich auf insgesamt 7 3 Milliar­den Bapierftanken beziffert, als in keiner Weife ge­rechtfertigt ab.

Wie man in Paris mit den Geldern der anderen

umspringt, läßt sich auch aus der folgenden Mitteilung des Journals des Debats" ersehen. Danach hat es sich gezeigt, daß die ursprünglich für den Aufbau des Msne-Departemcnts geforderte Summe von 36 Mil­liarden Franken um über 10 Milliarden Papier- ranken zu hoch angesetzt war!! Aber auch diese Ab- chätzung fft nach den Nachrichten, die über den ftanzösi- chrir Wiederaufbau vorliegen, noch außerordentlich weitherzig. Wenn man auf der anderen Seite so warm für Völkerbünde und internationalle Schiedvge-

ausbrechend. „O Gott — wenn ich gewußt hätte, daß Du auf diese Art gerettet werden sollst, ich wäre vor Angst gestorben!"

„Deshalb habe ich mich auch wohl gehütet, eine Silbe von meinen wohldurchdachten Plänen zu verraten, als ich von Ihnen und Fräulein Martha damals Abschied nahm!" sagte Otto Platen lachend. „Was man nicht weiß, macht einem nicht heiß! Und nicht ratsam ist's, das neidische Geschick mit unbedachten Reden zu beschwö­ren! Die Hauptsache ist: wir haben den Felix Sieder! Restlos ist er aus Afrika verschwunden — nur seinen Tornister und sein Gewehr hat er feinen dortigen Freunden als Andenken zurückgelassen!"

Frau Tauber vermochte sich immer noch nicht zu be­ruhigen. Erst als Otto Platen in ebenso launiger wie sesielnder Weise erzählte, wie er sofort nach Landung des Dampfers „Miß Ellen" in Malaga sich nach Felix auf die Suche gemacht und den Freund fchon am näch­sten Tage wohlbehalten in der kleinen Hafenstadt Mottil an der Südküste Spaniens mit dem unversehrten „Kondor" angetroffen habe, wie beide dann mit dem nächsten Dampfer nach Genua gefahren wären, um von dort aus die Heimreise nach Deutschland per Bahn fort« Metzen, da kam allmählich die sanfte Heiterkeit bei ihr wieder zum Durchbruch, die ehedem der Grundzug ihres Wesens gewesen war.

Es war eine Stunde reinen Glücks, in welcher die drei wieder vereinigten Menschen um den runden Tisch saßen. Aber wie nichts auf der Welt vollkommen ist, so lenkte das Gespräch in Bahnen, die nach Ansicht der Mutter wohl schmerzliche Gefühle bei dem heimgekehrten Sohn auslösen mutzten. Frau Tauber hatte es ängst- üd) vermieden, der jungen Frau Hugo Welty Er­wähnung zu tun, da sie doch annehmen mußte, daß rielix die Berheiratung der gewesenen Braut mit einem anderen auf das bitterste empfand und war daher um­somehr überrascht, als der Sohn selbst das heikle Thema anschlug und sich anscheinend mit ganz leidenschaftsloser Ergebung mit der vollendeten Tatsache abgefunden hatte.

In der Tat hatte Felix die Mitteilung von der Ver- hetremma Helenens mit Hugo Welty, die ihm von Otto

richte Eintritt, so sollte man sich endlich entschließen, auch einmal — an der Zeit dazu dürste es mahl sein — dir alliierten Schadenersatzrechnungen einer Kommis, sion neutraler Schiedsrichter zur objektiven Durchführung vorzülegen. Es dürste sich bann einwandfrei die Tatsache ergeben, daß die nunmehr in Aussicht genommene Herabsetzung der deutschm Schuld- verpflichtungen kein „Gnadengeschenk" der Entente ist. solchen: daß sie damit einfach die p r im i t löste» Anforderungen an Recht und Moral ersüKt. ,

Kus dem besetzten Gebiet.

— Die Reicksslaaae im befehlen Gebiet. Der Reichs- kommissar hat auf Grund der Verordnung Nr. 80 für das gesamte besetzte Gebiet be^. Rheinlandkommission angezeigt. deck am V er f asf u n q s t a ge geflaggt werden solle. Die Rheinlandkommission hat hierauf er« widert, daß sie keine Einwendungen dagegen erhebe, daß die Behörden und die Bevölkerung am 11. August in der Farbe des Reiches, der Länder, der Provinzen oder Städte flaggen. Die Rheinlandkommis­sion hat diesen Beschluß auch ihren sämtlichen Delegiere ten mitgeteilt.

Deutscher Reich.

* Ei» Schritt der deutschen Regierung in War­schau. Anläßlich der letzten Unruhen in Ober­schlesien ist eine Reihe von Personen nach Pol en verschleppt worden. Trotz aller Bemühungen der deutschen Regierung bei der interalliierten Kommission ist es nur einem Teil der Verschleppten gelungen, in die Heimat zurückzukehren. Nach dem „Vorwärts" ist nunmehr die deutsche Gesandschaft in Warschau beauftragt worden, die polnische Regierung zu ersu­chen, Nachforschungen nach den Verschleppten anzustellen.

* Bayern und das Reich. Der bayerische Minister­präsident Lerchenfeld wird zusammen mit dem baye­rischen Innen- und bayerischen Iustizminister am Mittwoch früh in Berlin zwecks Verhandlungen mit der Reichsregierung Eintreffen. — Laut.Lokal- anzeiger' ist der »Völkische Beobachtet in München wegen grober Angriffe auf den Minister­präsidenten Lerchenfeld auf acht Tage verbvte» worden.

cpc. Personalveränderung in der Justiz. Durch Erlaß des Staatsministeriums vom 5. August d. I, ist zum Kammergerichtspräsidenten an Stelle des am 1. Oktober d. I. in den Ruhestand tretenden Wirkl. Geh. Oberjustizrats Dr. v. Staff der Ober­landesgerichtspräsident Dr. Tigges in Düffeldorf er­nannt. Sein Nachfolger in Düsseldorf wird der dor­tige Landgerichtspräsident Dr. Schollen. Der Land- gerichtspräsident Dr. Martens in Elberfeld wurde in gleicher Eigenschaft nach Düsseldorf versetzt, zum Landgerichtspräsidenten in Elberfeld der Oberlandes, gerichtsrat Dr. Kleinschmied in Düfleldorf, Personal­referent am dortigen Oberlandesgericht, und zum Landgerichtspräsidenten in Aachen der Landgerichts­direktor Oppenhoff in Bonn, Mitglied des Land­tages ernannt Ferner wurden der Oberlandesge­richtsrat Dr. Viefhaus in Hamm zum Senatspräsi­denten dort und der Landesgerichtsrat Schmitt in Aachen zum Landgerichtsdirektor in Aachen ernannt

Kurland.

* Unterbrechung in der amerikanisch-europäischer. Kabelverbindung. Die Verbindung zwischen den Vereinigten Staaten einerseits nach Irland, Fran­kreich und Nordeuropa andererseits ist seit Montag morgen unterbrochen, wahrscheinlich infolge Besetzung der Station Waterville in Irland durch irische Aufständische.

* Eine neutrale Zone an der Tschataldscha-Linie. Die Vertreter Griechenlands, ®rof;britanniena, f^ran»' Platen schon auf dem nach Genua fahrenden Dampfer gemacht worden war, recht gefaßt aufgenommen und dem Freunde erklärt, daß er nach Lage der Verhältnisse der früheren Braut nicht gram fein könne. Rur war ein seltsamer Verdacht in ihm aufgestiegen. Hugo Welty war ein immens reicher Mann und hatte lange Jahve in Frankreich zugebracht; sollte er vielleicht bei der gegen ihn angezettellen Intrigue die Hand im Spiele gehabt haben und sollte Helene — aber nein — diesen (Be­banten wies er mit Entrüstung gegen sich selbst weit zurück. War Helene auch oberflächlich — eine solche Niedertracht durfte er ihr nicht zutrauen, um so weniger, als sie doch zwei Jahre lang treu auf ihn gewartet hatte und erft bann dem reichen Bewerber ihr Jawort gab, als fein Tod mit Sicherheit angenommen werden konnte. Er hatte feinem Verdacht keine Worte gegeben, auch gegenüber dem Freunde nicht; auch widerstrebte es ihm, nach seiner Heimkehr Nachforschungen in gedachter Hin- sicht anzustellen, denn was hätte es ihm genutzt, wenn ihm der Beweis geworden wäre, daß sich alles so zu- getragen, wie er es sich ausmalte? War der reiche Bankier wirklich der Verursacher seines Unglücks und hätte er, Felix, ihn der ftrafenben Gerechtigkeit über, liefert, dann würde Helene mitbetroffen und das wollte er unter keinen Umständen.

Frau Tauber war überglückllch, als sie den Sohn in leidenschaftsloser Weise über, die Verheiratung seiner ehemaligen Braut sprechen hörte — hatte sie doch ge­fürchtet, daß die Nachricht ihm eine unheilbare Herzens­wunde zufügen würde. Das war ihre größte Sorge gewesen. Daß die Verbindung ihres Sohnes mit He- lene nicht zustande gekommen war — darüber empfand sie nicht das geringste Bedauern; im Gegenteil erfüllte es sie mit Befriedigung, daß das Schicksal es in dieser Hinsicht anders gefügt hatte. Wenn sie auch ihren früher gehegten Lieblingswunsch betreffs Felix und Martha Möller für immer begraben mußte, denn Martha war so hoch gestiegen, daß sie wohl kaum mehr an Felix dachte, so war doch der geliebte Sohn wieder bei ihr, gehörte ihr wieder ganz, und ihre frühere Befürchtung, daß er mit Helene Hellborn nicht glücklich werden würde, war für immer ein überwundener Standpunkt. (F. f.t