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Sonntag, 6. August 1922.

Fuldaer Zeitung

^*-0 Druck der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda

M""U «MIM MMMr».

Wie amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, erlassen . Minister des Innern und der Finanz- Minister K.jenbe Verfügung:

Infolge der fortgesetzten, gegen den Bestand der Republik gerickteten verbrecherischen Umtriebe hat sich der verfassungstreuen Bevölkerung eine tief­gehende Erregung bemächtigt. Diese wird weiter ge­nährt durch die an vielen Orten immer noch sicht­baren Zeichen der früheren monarchischen Staats­form, die den berechtigten Widerspruch weiter Bolks- kreise Hervorrufen und von ihnen angesichts des Ernstes der Lage als Herausforderung em­pfunden werden. Unter diesen Umständen erscheint das bloße Vorhandensein monarchischer Hoheitszeichen an amtlichen Stellen geeignet, die allgemeine Er­regung und Spannung zu erhöhen und dadurch die öffentliche Ruhe, Sicherheit und Ordnung zu ge- sahrden. Zur Abwendung dieser Gefahr bestimmen wir in Abänderung der hierüber ergangenen Erlaffe folgendes:

1. Die früheren monarchischen Hoheitszeichen an der Außenseite, sowie im Innern sämtlicher st a a t- lichen und kommunalen Dienstgebäude und Diensträume, sowie an allen anderen dem Publikum zugänglichen oder sichtbaren, als amtlich gekennzeichneten Stellen (zum Beispiel Wegetafeln, Meilensteinen, Grenzsteinen, Schildern) sind un­verzüglich zu entfernen. Ausnahmen hiervon sind nur bei Bauwerken in solchen Fällen zulässig» in denen die Beseitigung der früheren Hoheitszeichen nicht ohne Zerstörung ihres besonderen Kunstwertes möglich ist. _

2. Bilder, Büsten, Statuen oder andere Dar­stellungen des letzten preußischen Königs, seiner Ehefrau, seiner Geschwister und seiner Ab­kömmlinge sind von sämtlichen in Nr. 1 bezeichneten Stellen zu entfernen. Für die Entfernung von Sil­bern usw. anderer verstorbener Mitglieder des früheren königlichen Hauses verbleibt eS bei den bis­herigen Vorschriften.

gus der Zentrumspartei.

• ver Provinzialausschutz der Rheinischen Arntrnms- dartei ist zum 14. August nach Köln einberufen worden.

— Der Provinzverband der Zentrumrpartei Branden­burg beklagt den Tod seines langjährigen verdienstvollen Mitarbeiters in der Zentrumsarbeit, deS Berliner Zahn­arztes Dr. Karl Ti dick. Dr. Tidick war in der Tat ein Mann von seltenem Eifer für die Zentrumspartei und für die katholische Sache. Alle, die ,hn in (einer Mitarbeit im katholischen Leben der Reichshauptstadt kennen gelernt haben, namentlich auch seine Kartell­brüder aus der K. B.» werden ihm ein ehrenvolles An­denken bewahren. K.

Er führte in

Sie MrWe $u Sternen in der »•

„Lieblich und heilig wie dem Kinde die Züge der Mutter sind den Parochianen die ehrwürdigen Züge seiner Mutterkirche und die Nachrichten, die zugleich einer geheiligten Familienchronik von dem Gebete, der Not, der Entwicklung und den Geschenken der Heimat- lichen Pfarrkirche erzählen."

Wir wollen im Folgenden etwas hören aus der Geschichte der Pfarrei Bremen, vom Bau ihrer Pfarr­kirche und deren jetzigen inneren Erneuerung.

1. Zur Geschichte der Pfarrei. Die Pfarrei Bremen bestand schon 1460, in welchem Jahre Abt Reinhart von Fulda sein Einverständnis dazu erteilte, daß Pfarrer, Heiligenmeister und Gemeinde Bremen um des Kirchenbaues willen einen Acker und Wiesen „zum Bach gelegen", verkauft haben. Die Pfarrei wurde längere Zeit von Schleid pastoriert. Es wirk­ten dort ein Pfarrer und mehrere Kapläne, die den Gottesdienst in den umliegenden Pfarreien, so auch in Bremen zu halten hatten. Die Reformation hat in dem gothischen Kirchlein zu Bremen keinen Einzug gehalten, auch nicht in den Seelen der Pfarrkinder. Gegen Ende des 30jährigen Krieges finden wir die Pfarreien Borfch und Bremen unter der Verwaltung eines Pfarrers mit dem Sitze in Barsch. Zunächst

eines Pfarrers mit dem Sitze in Barsch. Pfarrer Nikolaus Hamann K40—52. Er . , Barsch die Pfarrbücher ein und machte am 24. Oktober 1640 die erste Eintragung. Sodann Pfarrer Kaspar Hartung 1652—GO. Pfarrer Gottschalk Koch 1661 bis 66. Er ist Verfasser einer Spezifikation alles Ein­kommens der Pfarreien zu Barsch und Bremen sub ditione Fuldensi nullius Dioecesis. Pfarrer Christoph Hübener 1666—1708. Mit ihm beginnt das erste Pfarr- buch von Bremen, auf dessen Titelblatt er seine Vor- stellung also erwähnt: Anno Domini 1666 wurde der hochw. Herr Christoph Hübener aus Fulda den beiden Kirchen in Barsch und Bremen vorgestellt von dem hochw. Landdechanten und Pfarrer von Geisa Conrad Witzel. Zeugen waren Ioh. Weider und Conrad Schran, Küster und Organist Valentin Hain. Hübener

Unpolitische Zeitlänse.

Von Fritz Nienkemper.

Berlin, 3. August 1922.

Nächste Woche ist wieder Laurentius. Zu ine- fern Zeitpunkt werde ich trotz meiner 74 ^-ahre em Wände rvogel, allerdings chne Zupfge'.ge und ohne Kochapparat. Ich schone auch die Fuß- und Stiefelsohlen, verschmähe die langweilige Eisenbahn mrd das unsichere Luftschiff, laste sogar den elcstrffchen Funken hinter mir, weÄ der in sieben Minuten nicht weiter als bis zur Sonne kommen kaum. Ich reise nämlich in Ged cr nken in das Weltall Hinern, und die Gedanken sind nicht nur zollfrei, sondern auch wegefrei und so schnell, daß sie jm Nu bei' den klußersten Sternen der sichtbaren Schöpfung anlangen.

Besuch in Gedanken ist eigentlich ein Gegen - besuch. Denn fremdt Sterne geben um den 10. August chre Visitenkarten auf unserer Erde ab, was wir 11 ? "uppen nennen.

3e sch.echter es auf Erden aussieht, desto lieber Mchte rch m das Weltall hinaus. 3e weiter der Blick wird, desto kleiner sicht das irdische Elend aus. Was bist du denn, o Mütterchen Erde? Nur ein winziges, ganz rmnziges Tröpfchen im ungeheuren Meer der SletmenTvelt. lind was sind wir Menschen? Ver­schwindend Keine Ameisen, die auf diesem HügÄchen Erde herunctrrec^en und ungeheuer geschäftig tun, ob­schon st« nichts tik'fd/eüed zustande bringen.

Wir stöhnen und jammern, es ginge auf der Erde schrecklich zu. Aber was macht sich bas Erdensternchen aus Weltkri-tz und simlem Frieden tmb Geldnot und

Er -auft ruhig weiter in seinem Jahres- kauf um dis Ctfnawberum; es hält stetig feine Achse so i schief, datz Ott ^dAachten vier Jahreszeiten heraus- üomn-tn. Unö bä Mutter Sonne speit alle Tage chre Strahle« nach allen Seiten aus, in Strahlen, die mir 'feiert, and noch mehl Strahlen, die wir nicht sehen. .Gif tut, rw» khr« Amtes ist, und läßt sich durch das öfefnet* en dem rnmWchen Ameisenhügel nicht im vWdchev stören»

?kt der Pfarrer dellen Name bei der römischen Kurie w «SA d- --

zwischen Würzburg und Fulda sein ^utachtenh aboab, daß „sowohl im vorigen wie im gegenwärtigen Jahrhundert die Einsprüche des Würzburger Ober- Hirten für unbegründet erachtet und mit Sttlle ub gangen worden" seien. Der Schiedsspruch der Rota wütete zugunsten des Fürstabtes von 5"^?bittion Anerkennung seiner

Beide Pfarrkirchen umfaßte fern glühender eifer. Unter vielen Anschaffungen v-rdient hervor^hoben zu werden die 1675 für Bremen gegossene Glocke ver Gebr Ulrich in Hersfeld, die vom Weltkneg oer^orrt aeblieben ist Seine Arbeitskraft muß groß gewesen k-in d» »r länalre Jahre auch Buttlar und Bermbach pästorwrte Vstarb am 21. Juli 1708 in Dorsch und liegt in der 1691 von ihm umgebauten Marienkapelle begraben. .

Unter seinem Nachfolger Ioh. Adam Schr°k°ph-ky 1708—15 kam es zum Bruche »wischen Dorsch und Bremen. Das Pfarrhaus sollte erneuert und Bremen zur Kostentragung herangezogen werden. Bremen aber weigerte sich mit dem Bemerken, sie hatten M ihr eigenes Pfarrhaus nebst Stallung, Scheune Garten: zwar fei das Pfarrhaus fetzt medergelegt, doch seien sie willens es wieder aufzubauen, ba sie den Pfarrer oft über Feld holen müßten. Barsch hingegen wehrte sich wegen der wiedereingeführten Alternativa im Gottesdienste: sie seien nicht gewillt, nach Bremen zu gehen, das doch „die geringste unter allen , wah­rend „Barsch das Hauptdorf im Amte Geisa sei. Die geistliche Behörde machte dem Streite em Ende und sandte 1715 nach Schrakophskys Abgang den Bene­diktinerpater Ramanus Büttner und danach den -pater Philippus Kuhn nach Bremen. Die Bremer hatten inzwischen (1713—?) ihr Pfarrhaus neu erbaut und damit beginnt für die Pfarrei Bremen em neuer hoch­wichtiger Zeitabschnitt.

2. Bau und Beschaffenheit der Pfarr- k i r ch e. Der erste definitive Geistliche in Bremen war Daniel Scholl van 1718—1758, gebürtig aus Unter» erthal in Unterkonten; er entfaltete eine überaus eifrige Tätigkeit. Sein Bestreben ging vor allem dar- auf hinaus, an Stelle der alten gothifcben Kapelle eine geräumige Pfarrkirche zu schaffen. Mit Genehmigung des Fürstabtes Adolf von Dalberg erbaute er 1730 die Kirche in reinem Barockstil. „Die großen ernsten Linien der Architektur des Barockstils deuten auf den- selben Meister, der die katholischen Kirchen in Derm­bach, Zella, Schleid, Mackenzell und Kloster Frauen- berg erbaut hat. Der architektonische Schmuck ist in Bremen fast ganz auf die Eingangsfront an der Straße konzentriert. Die Fassade ist wirkungsvoll belebt durch vier hohe Pilaster aus rötlichem Sandstein. Die Be­krönung bildet die Giebelmauer, deren schräge Seiten­teile durch Voluten gebildet werden, die in flachen Bogen gegen den mittleren Teil der Giebelmauer an­steigen. Auf diesem mittleren Teile steht der Turm; es ist ein quadratischer Dachreiter aus Holz, der von einer Schweifkuppel bekrönt wird. In der bogen­förmigen Bekrönung, deren Gesims in der Weise des Barockstils in der Mitte durchbrochen ist und in Vo­luten endet, steht schräg gestellt das aus Stein gemei­ßelte Wappen Adolks von Dalberg. Es ist mit dem Fürstenhut des Fürstabtes bekrönt; neben dem Wap­pen zwei Engel." — Betreten wir nun das Gottes­haus. Der Altarraum hat durch abgeschrägte Ecken die Form eines halben Sechsecks erhalten und ist durch einen weiten, im Korbbogen gewölbten Triumphbogen vom Hauptraum der Kirche getrennt Der Hauptraum ist ein rechteckiger Saal mit weiten, runbbogigen Fen­stern und flacher gestuckter Holzdecke, die am Rande durch 23oute (Gewölbeansatz) belebt wird. Prof. Voß sagt in feinem Buche „Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens" u. a.: „In diesem architektonisch sehr schlichten Raum besteht der Hauptschmuck des ganzen Inneren aus den drei prächtigen im Stuckmarmor aus­geführten Altären und der außergewöhnlich reich ge­schnitzten Kommunionbank." Vom Hochaltar: „An dem .Hauptaltar in Bremen tritt nur die mittelste der an jeder Seite der Bogennische stehenden Säulen ein wenig hervor. Doch in dieser schlichten Einförmigkeit wirkt die Säulenwand vielleicht um so ausdrucksvoller. Die auffallend gleichmäßige Gruppierung der Säulen erinnert merkwürdig an die den Romfahrern wohl- bekannte prunkvolle Fassade der Kirche St. Vincenzo ed Anastasis gegenüber der Fontana Trevi." Von den beiden überlebensgroßen Figuren am Hochaltäre sagt er: „Beide Figuren mit den starken Pathos des Barock­stils und in lebhafter Bewegung sind außergewöhnlich gut modelliert und für die künstlerische Auffassung die­ser Zeit charakteristisch." Von der Kommunionbank schreibt er: „Die Kommunionbank bildet einen künst­lerisch besonbers wertvollen Schmuck der Kirche. Sie ist aus Birnbaumholz geschnitzt mit durchbrochen ge­arbeiteten Ornamenten. Die Schnitzerei der Orna­mente, — darstellend Abendmahl und die 5 Geheim- niste des schmerzhaften Rosenkranzes — ist wohl die beste Arbeit dieser Art, welche in der ganzen Gegend aus den Zeiten des Barockstils erhalten ist." Ja, wir behaupten, die Kommunionbank ist die wertvollstste der ganzen Diözese. — Aus einer Quittung des Maurers und Steinhauers Niklas Bäßer vom Schramenhof 1734 geht hervor, daß er die sämtlichen Maurerarbeiten für 844 fl. 52)4 Kr. hergestellt hat, wobei er noch oer- pflichtet war, die alte Kapelle, die auf dem jetzigen

Um unsere Sonne herum schweben noch Millionen von anderen Sonnen, die zum großen Teil noch größer und Heller sind. Wir bekommen von ihnen nur wenige Lichtstrahlen, die nicht mehr wärmen, sondern nur ein wenig das Auge oder die photographische Platte reizen können. Wo bleibt die ungeheure Kraft, die von dieser Maffe gMaltiger Gesttrne ausgcht? Die Gelehrten sagen, es ginge kein Stück Kraft im Weltall verloren. Das mag fein; aber wir Menschen wissen nicht, was bei diesem Spiel der kolossalen Kräfte schließlich heraus- kvmmt.

Was den Stoff angeht, so sehen wir aus der Visitenkarte der Sternschnuppe, daß die anderen Plane­ten und vermutlich auch die Sonne aus demselben Element zusammengesetzt sind, wie die Erde. In meiner Jugendzeit wurde uns auch noch gelehrt, daß die ge­samte Materie aus so mch so vielen Elementen bestehe. Die sog. Wissenschaft fft aber gleich dem alten Heiden­götzen Chronos, der seine eigenen Kinder auffraß. Die alte SHullchre von den Elementen fft abgetan; hMtzu- tage Haden wir gemerkt, daß ein Element in das andere übergeht. Wir glauben auch nicht mehr an das Atom, das ftüher als unteilbare Emhett gatt,' sondern be­trachten vielmehr das Atom als ein verkleinertes Ab­bild vom Sonnensystem, in dem unsichtbare Elektrons em geheimnisvolles Ringelspiel betreiben. Was noch übrig geblieben ist an der alten nchurwissenfchaftlichen Anschauung, wird durch Dr. Einstein mit seiner Rela- irvtehre ins Wanken gebracht. Der Leser braucht nicht zu fürchten, daß ich ihm di« neueste Weisheit klar- machen wollte; ich verstehe sie nämlich selbst noch nicht und warte ab, was bei dem Streit der Gelehrten her aus- kommt.

In Summa: wir wissen nichts und wir s i n d auch nichts, soweit es unseren Körper angeht. Der ist gemacht aus „Lehm und Erde", und dieser irdische Stoff ist vermutlich wesensgleich mit dem Stoff, der in den zahllosen Sonnen brennt und leuchtet u. wärmt. Infer Körper ist em winziges Gebilde in der allgemei­nen Wettmaterie; er bekomnft feinen Wert erst durch die S e e l e, die ihm eingehaucht fft, um arff der Wände- tung durch die Wett zum (Ehenbäi Gottes herangrrechm,

Vorplatz stand, abzubrechen. Für Aufräumungs- arbeiten im Steinbruch zu Gehaus (lll Std. entfernt) erhielt er auf besonderes Gesuch an den zlürftabt noch 91 fl 30 Kr. Die Zimmererarbeiten leifteteten Zim- merleute aus Stadt Geis, die It Vertrag mit dem Fürstabte dafür 165 fl. erhielten, wobei die Turin- aufführung eingeschlosten ist. Eine Copie des Origi­nals, so wörtlich schon der Rechnung beigebunden, besagt, daß Fürstabt Adolf von Dalberg den Hohen Altar und einen Nebenaltar in der Kirche zu Bremen fertiaen lasten will und in Anschauung ihrer Notdurft er propriis zu bezahlen gnädigste versprachen, auch den nach Haselsteiner Art mit Johannes Glas Marmorierer gemachten Aeeordt den hohen Altar um 200 fl.. den Nebenaltar um 75 fl. gnädigst ratifiziert haben; auch ratifizieren wir gnädigst den mit Johannes Leister, Bildhauer zu Bremen getroffenen Accordt nach vor­gezeigten Risten die Bildhauerarbeit am Hohen Altar um 90 fl., am Nebenaltar um 35 fl." Der Stifter des Hochaltares und des Muttergottesaltares ist also der Füfftabt von Fulda Adolf von Dalberg. Deshalb fein Wappen über beiden Allüren und die Statue feines Namenspatrons, des hl. Bischofs Adolfs zur Rechten des Hochallares. Es ist derselbe kunstsinnige Kirchen- fürst, der hier in der Nähe 1726 die Kirche zu Zella und 1731 die zu Dermbach, beide herrliche Barock- kirchen, erbaute; der St. Barbaraaltar wurde etwas später von der Gemeinde angeschafft. Seine fpätere Entstehung verrät uns wohl das Relief oben am Ge­sims; es ist nicht mehr der strenge Barock, sondern schon die Stilperiode des Classizismus. Der Pfarrherr Daniel Scholl konnte kein schöneres. Denkmal feines rüstigen Eifers fetzen als dieses Gotteshaus; und seine Pfarrei hat dabei die Opfer gebracht, die allzeit vor- bildlich bleiben werden. Diese Kirche, die sein glühen- der Eifer umfing, sollte auch seine Ruhestätte werden. Er starb am 17. April 1758 versehen mit allen heiligen Sterbesakramenten und wurde in der Nähe des St. SBarbaraaltares bestattet, um hier zu ruhen, wo er 40 lange Jahre gewirkt. Auch sein erster Nachfolger Ni- kolaus Motzung, ein Sohn der Pfarrei, gestorben schon 1761, ruht neben ihm.

3. Die innere Erneuerung der Pfarr- kirke in den Jahren 1921-2 2. Es galt zu- nächst, an Stelle der baufälligen Orgelempore eine neue zu errichten und zugleich darauf zu sehen, daß mehr Platz geschaffen werde. Die alte Empore hatte sich merklich gesenkt. Beim Abbruch zeigte sich, daß die Stützen über Gröber standen; nur der starke Brü- ftungsträger hatte ein Unglück verhütet. Die Orgel hatte bisher vorn auf der Bühne gestanden, und die Männer hockten hinter der Orgel in ihren Sitzen und wurden nichts gewahr von Kanzel und Mar. Dazu die mit Brettern verschalten Treppen, die einen Aus­blick unmöglich machten und die Andachtslosigkeit för­derten. Es gatt nun eine Bühne zu schaffen, die alle Mißstände beseitigte. Das ist dem Architekten Mahr- Fulda glänzend gelungen. An Stelle der zwei Treppen nunmehr eine aus Sandstein freitragend; sie lehnt sich so leicht und unauffällig an die Wand an. Die Orgel wurde vor die Rückwand gestellt, die ganze Bühne um 80 Zentimeter verbreitert, rechts und links der Orgel die Kniebänke in theatralischem Ausbau ange- bracht. Damit der Blasebalg nicht unnötig Platz weg- nahm, wurde er auf die Orgel gelegt. Die Empore bietet nun Platz für ca. 150 Personen. Die Zimmer- arbeiten besorgten die Gebrüder Fischer aus Kran- lucken, die treffliche Arbeit geleistet' haben, besonders auch mit der eingegliederten, mit schönen Pilastern versehenen Brüstung aus astreinem Fichtenholz. Das Ganze wird getragen von 4 Säulen aus U-Eisen, die ummantelt und mit jonischen Kapitalen versehen sind.

Die letzte Ausmalung war im Jahre 1885 unter Pfarrer Jos. Staubach vorgenommen worden. Wie sehr man damals mit dem Verständnis für die Aus­malung einer Barockkirche im Rückstand war, zeigte die vollständig stilwidrige Ausmalung.^ Das Innere war inzwischen so verfallen und die Altäre so schadhaft geworden, daß die Kirche, nach Erneuerung schrie, wenn nicht biefer Kunsttempel immer mehr verfallen sollte. Ein Kunstdenkmal ist diese Kirche, fei es, daß wir be­trachten den herrlichen Hochaltar aus rotbraungrünlich­weißem Stuckmarmor, oder die graublauweißen Säu­len der Nebenaltäre, oder die herrlichen Figuren aus Lindenholz bis zu den kleinsten Putten und Ornamen­ten der Gesimse. Es galt nun, diese schöne Kirche stil­gerecht auszumalen, damit sie werde eine Stätte, die das gläubige Gemüt erhebt und zur Andacht stimmt. Da durfte aber nichts unüberlegt und schablonenmäßig gemacht werden. Wie die neuen Statuen ganz dem Barockstil der Kirche angepaßt sind', so mußte auch die ganze Ausmalung religiöse Weihe und zartes Kunst­empfinden hauchen. Hier sollte „die christliche Kunst" das Wort haben. Deshalb ließ sich der Pfarrer auf gründ eingehender Beschreibung der Kirche und ver- fügbarer Bilder vom Kircheninnern von der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst in München ein Gut­achten ausfertigen; die Ausführung aber übertrug er der bekannten Firma Schmauß u. Pfister in Fulda, die hier eine Arbeit geschaffen haben, die ihnen alle Ehre macht und von ihrem eigenen gediegenen Kunstsinn Zeugnis ablegt.

Hoch im Gewölbe sind durch die grünlichweihe Tönung und echten Goldlinien die Stuckleisten wieder zur Geltung gekommen. Im Mittelfeld der Schiffs­decke sehen wir ein großes farbenreiches Bild. Ein

GM es nun außerhalb der Erbe auch Menschen, d. h. eine Verbindung von sterblicher Materie und un­sterblicher Vernunft? Da lautet wieder die demütige Antwort: Wir tröffen es nicht! Wir haben die Ameisen, die auf den anderen Siemen herumknMÄn, noch nicht 'ns Fermohr bekommen können, und wenn man andererseits sagt, auf dem Mond ober auf dem Neptun sei es zu eisig tollt und auf der Sonne sei es zu glühend heiß für menschliche Lebewesen, so beweist das gar nichts; denn der Schöpfer könnte dort der Seele eine stoffliche Hülle gegeben haben, die sich im Eis oder im Schmelzofen wohl MK.

Das Ende vom Lied fft immer die Unwissen- h e i t. Jahrtausende hindurch hat nun der Mensch auf Erden den gestirnten Himmol betrachtet, Form und Maß der ungeheuren Wettschüpfui^ studiert, sich immer neue Hilfsmittel zur Forschung beschafft — und steht schließlich vor dem Geheimnis der Schöpfung wie dis Kuh vor dem neuen Tor.

Die Wifsen'chaft versagt; es lebe der Glaube, der uns zum Herzen des allmächtigen und allweisen Schöpfers zurückführt, und es lebe die Hoffnung, die uns die Aue ficht auf Aufklärung im Jenseits er­öffnet.

Der Ausflug in das weite Weltall macht uns l>e- scheidm und geduldig. Alles hat feinen Grund und feinen Zweck, sowohl der gewaüige Sonnmtanz in ixt Milchstraße, als die versprengten Sternschnuppen, so­wohl die riesigen Auspuffungen an der Sonne, als dir Schicksaisichiägc im Erbenleben. Wenn trör die Ursache und das Ziel dieser Verwirrung nicht richtig erkennen, so liegt das an unserer eigenen Beschränktheit, und wir müssen ergeben abwarten, bis die Binde von unseren Augen faßt und wir einen klärenden Einblick in den Weltenplan des Schöpfers und Erlösers gewinnen. Bis dahin können wir seufzen; das fft kindlich Aber wir dürfen nicht schmollen oder trotzen, den das wäre stndifch oder gar verbveck-erksch Hatt aus und tu deine ^fliegt; weiter reicht weder dein Verstand, noch deine Kraft. Die Erde ist «in winziger Srödbaff im imge- qeuren Sportplatz der Schöpftmg, und mir Menschen Sieben auf Gedeih und Verderben an diesem Srdendall,

Maler der neueren Zett, Doldt, hat ein Gemälde ge­schaffen: „St. Antonius als Fürb itter am Throne der Gottesmutter." Die Mmier Gottes sitzt auf einem Throne einem Altäre ähnlich, umflossen von himmlischem Lichte, das Gotteskind auf dem Arme. St. Antonius steht zur Rechten und weist hin auf eine Schar hilfesuchender Menschenkinder: Vom Aller gebeugt, von Krankheiten heimgesucht, von Blind- hell und Armut niedergeschlagen; alle wenden sich ver- trauend an ihn. St. Antonius empfiehlt sie der lieben Mutter Gottes und durch sie dem göttlichen Kinde. Zur Linken die betende Kirche: den Bischof, Priester und Mönch, die selbst vom Vertrauen auf St. Antonius beseelt ihre Gebete mit der (einigen vereinigend in Be- schauung verharren. Ein weihevolles Bild. Die Eng- lein schweben aus den Wolken hernieder und bringen die gläubigen Gebete vor Gottes Thron. Eine tief­empfundene Wiedergabe dieses Bildes hat uns hier Meister Pfister gemalt. Es stimmt die gläubige Seele zu innigem Vertrauen auf die Macht der Für- bitte des hl. Antonius, von dem in Deutschland schon früh gesagt wurde:

„Wer Wunder sucht und Zeichen will Bei St. Antoni find't er viel."

Die beiden Rondells zeigen uns den Schutz, e n g e l vorn über den Kindern und S t. Aloyfiu>, als Patron der Jugend. Unten an den Wänden sehen mir den neuen von Meister Pfister in Del auf Lein­wand gemalten Kreuzweg, der auf die Wand geklebt ist, wohl einer der schönsten und edelsten der Diözese. Wie herrlich stimmen dazu die in Stuck­imitation gemalten Rahmen.

Nun noch ein Wort über die herrlichen Altäre mit ihren Statuen und Bildnissen. Hoch oben über dem Hauptaltare das Auge Gottes von Engeln und Silber­wolken umgeben, ein Symbol der Gegenwart und Allwissenheit Gottes, „der Herzen und Nieren durch­forscht." Darunter Darstellung der „Himmelfahrt Mariä", der Mitpatronin der Kirche. Diese Arbeit, ist umrahmt von Ornamenten aus Lindenholz, die, einst an dieser Stelle, weggeworfen auf dem Kirchenboden lagen. Meister Schmauß brachte sie in feinem Eifer, wie fo vieles andere, wieder an ihren Platz. Seit- roärts sitzen auf Gesimse angelehnt große Engel, der eine die Lille in der Hand, der andere die Palme, mahnend: die Lille reinen Wandels führt zur Palme, der Herrlichkeit. Rechts und links davon Rosengehänge wieder zu Ehren gebracht. Das Wappen des Fürst- abts Adolf von Dalberg mit den Fürsteninsignien der Siebte von Fulda, den Lilien und dem schwarzen Kreuz auf Gold; oben die Turnierhelme zum Zeichen feiner weltlichen Macht, das Ganze von Engeln getragen. St. Jakobus der Weitere, Patron der Diözese, wie er predigend das Wort hervorschleudert in die, Menschen- herzen; den Pilgerstab in der Linken, die goldene Reiseflasche zur Seite, den Pilgerhut im Nacken, die Pilgermuscheln an der Gewandung. Auf der Evange- lienfeite St. Adolf mit Mitra und Stab, im vollen Ornat, eine wunderbare Bischofsgestalt, segnend ba« binschreitend. Die Säulen aus Stuckmarmor, jede ein Blumenstrauß für sich! Aus dem Tabernakel wieder wie einst das Jesukind auf geschnitzten Ornamenten thronend, auf fein Herz zeigend, ein allerliebstes Figür­chen aus Lindenholz, ihm zu Füßen sitzend auf den Ornamenten zwei jubilierende Engel: desgl. die vielen Engelsköpfchen den Tabernakel umschwebend. Nach­dem schon vor etwa 100 Jahren Frevlerhände sich am Tabernakel vergriffen, hatten mir das Unglück und den Schmerz wieder am 14. Februar 1920. Die Diebe raubten zwei Ciborien und einen Kelch, die hl. Hostien schütteten sie auf den Altar. Das Allerheiligste ist nun geschützt vor Frevlerhänden durch einen Panzertaber­nakel aus der Werkstätte des Kunstschlossers Joseph Ruppel in Fulda, mit getriebener Arbeit, mit viel Kunstsinn gearbeitet, in ff. Vergoldung des Kirchen- malere.

Am Triumphbogen steht di« lebensgroße Statue des hl. Joseph mit dem Jesukind auf dem Arm, eine Arbeit des Bildhauers Wilh. Dietz aus Unteralba, eine unvergleichlich schöne Barockstatue, würdig, den beiden Statuen am Hochaltar zur Seite gestellt zu werden. St. Joseph gegenüber soll in Kürze St. Elisabeth ihren Platz finden. Inzwischen arbeitet derselbe Meister Dietz an der neuen Muttergottesstatue, die am Feste Maria Himmelfahrt die feierliche Weihe erhalten soll. Den Barbaraaltar ziert die aus feiner Hand hervor­gegangene St. Barbara, eine Kopie der Barbara vom ©nabenaltare in Vierzehnheiligen, in formvollendeter Schönheit.

Wenn man bedenkt, unter welchen Schwierigkeiten jetzt die kirchliche Kunst arbeitet, so muß man alle Achtung haben vor einer Pfarrei, die fo große Opfer für ihr Gotteshaus gebracht. S.

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bis der Tod uns aus her Gewalt des vergänglichen Stoffes löst.

Dor den Schickfalsfahren hatten ängstliche Stute ausgerechnet, daß ein vayabunbievender Komet mit der Erbe zufammenistoßen könnte. Freilich, das hätte einen furchtbaren Kladderadatsch ergeben. Aber die Gestirne halten schon die richtige Ordnung auf der Landstraße des Weltalls. Es war nicht ein fremder Komet, der uns ins Verderben gestürzt hat, sondern die eigene Torheit und Bosheit der Menschen. Jetzt müssen wir die bittere Suppe ausessen. die wir selbst uns emgebrockt haben. Der Himmel wird denen, die darum bitten, die Kraft zum Durchhalten geben; aber wir dürfen nicht verlangen, baß der liebe Gott ein Wunder tue, um die Menschheft aus den Folgen ihrer eigenen Sünden mit einem Schlage zu befreien.

Die sichtbare Weltschöpfung ist so groß, daß sie un­seren Raumbegriffen imanbltdj vorlonmft, weil hinter den vermeintlich letzten Sternen immer noch weitere entdeckt werden, deren Lichtstrabe tausende von Jahren gebraucht, um zu uns zu kommen. Demgemäß können wir auch die Zeitdauer der Schöpfung nicht ab­messen. Wir wissen nicht, wann bet jüngst« Tag kom­men wird. Wir wissen nur, daß unser Erdens eben ein Augenblick ist, — winzig Kan bloß im Verhältnis zu der wahrscheinlichen Wettdauer. Daraus folgt, daß wir wegen des llngemadjcs, das uns in die­sen paar Jährchen während unseres Heber ganges über die Seine EÄe treffen mag. kern allzu lautes Geschrei erheben dürfe,;. Es ist dcch nur eine mlkrrökopriche KlomiMt im vergleich zu dem großen Ganzen an Raum and Zeit. — und es fft so gut wie mchts im Vergleich zu der Ewigkeit.

So hatten die Sternfchiruppcn dne sehr zeitgemäße Predigt, wenn mau ihre ftunime Sprache richtig über­setzt.

Was fft der Mensch? Noch seinem sterblichen Teil auch eine Sternschnuppe, die einen Moment au stauchtet unb sich verzehrt Md vergeht. Was übrig bleibt und nachher kommt, daraus muß das Sinnen unh Trachten Serichtrt Jein.