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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadk Fulda.

Nr. 176.

Verantwortlich für den redattionellen Teil: Dr. I. Kramer- s für die Anzeigen: I. Parzeller-Fnlda. r Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Sternlnrecber Nr. 9. Postscheck »Konto 4051 Frankfurt a. M.

Donnerstag, 3« Kugust 1922.

Bezugspreis: Monatlich 28.00 Ulf. zugestellt frei ins Haus- g Abgeholt in der Geschäftsstelle 27,00 Ulf. :: Anzeigen: Kleinzeile nach Colonel 2.50 Ulk.-, ausw. 4,00 Ulk- Rekiamezei^e (Tenbreite! nach Eolone'maß 10 Mark.

49. Zahrg,

MöMt r-

Der Notenwechsel zwischen

für heu 5. Anglist /

Dr. Wirth und poincare. — Neuer Mark-Sturz.

Die Creigmfl« nehmen ein überstürzendes Tempo tn. Auf eine Note des Reichskanzlers Dr. Wirth, die am 1. August in Paris übergeben wurde, ist bereits die Antwort Poincares gefolgt. Die neue französische Antwort übertrifft die erste Note aus Paris, di« be- kannKch schon sehr scharf war, noch um em beträcht­liches. Für Deutschland und man darf wohl sagen für ganz Europa ziehen mit diesem Notenwechsel wieder kritische Stunden herauf. Die Lage wird auch dadurch gekennzeichnet, daß am Mittwoch vormittag der Dollar» kurs zei-tweiilig mit 766 genannt wurde.

Am 1. August ist in Paris folgende Note, un- Herzeichnet vom Reichskanzler Dr. Wirth, über­reicht worden. Die Note stellt die Antwort auf das Schreiben Poincares in der Angelegenheit der Ausgleichszahlung dar:

»Herr Ministerprüsidentl Ich beehre mich, den Emp- v-der Note Ew. Exzellenz vom 26. Juli 1922 zu be»

Das Abkommen über die Ausgleichszahlungen vom 10. Juni 1921 ist von Deutschland nicht mit einzelnen Macksten, sondern mit der Gesamtheit der betei­ligten alliierten Regierungen vom 14. Juli d. I., wie der französischen Regierung bekannt ist, gleichzeitig auch an die anderen beteiligten Mächte gerichtet worden. Die deutsche Regierung kann sich über ihre weitere Stellung­nahme aus diesem Grunde erst schlüssig machen, wenn stch alle beteiligten Regierungen geäußert haben. Eine andere Haltung ist ihr auch angesichts der in ultima- ti ver Form angedrohten, nicht näher ^bezeichneten Maßnahmen Frankreichs nicht möKich.

Indem sich die deutsche Regierung ein weiteres Ein­gehen auf die Sache selbst vorbehält, bemerkt sie schon jetzt: Die Zahlungen, die Deutschland im Ausgleichsver­fahren und aus Artikel 297e leisten muß, können letzten Endes nur aus derselben Quelle geschöpft werden wie die Reparationszahlungen. Gleichviel, ob es sich um Schulden des Reiches oder um Privatfchulden han» delt: in beiden Fällen bleibt die Notwendigkeit der Her­ausnahme von Devisen aus der gesamten deutschen Volkswirtschaft die gleiche und für die Wirkung dieser Operation auf den Mark-Kurs ist es ohne Bedeu­tung, an welche Stelle und auf Grund welcher Para- graphen die Zahlung erfolgt. Wenn die deutsche Volks­wirtschaft die Entziehung von monallich 50 Millionen Goldmark für Reparationszahlungen nicht tragen kann, so wäre es eine Illusion, zu glauben, daß die Ausgleichs- zahllmgen von fast 40 Millionen Goldmark monatlich weiterhin aufgebracht werden könnten. Alle diese Lei­stungen können nur als ein einheitliches Ganzes betrachtet und in einem einheitlichen Plan behandelt werden. Der deutsche Antrag, der nicht eine Kürzung der Ausgleichszahlungen, sondern lediglich ihre Vertei­lung auf einen längeren Zeitraum bezweckt, be- vuht auf denselben Gründen, die für die deutsche Regie­rung bei ihrem Antrag auf Gewährung eines Morato- Hunts für die Reparationszahlungen maßgebend gewesen sind, nämlich derzeitigen Erschöpfung der Fähigkeit Deutschlands zu Zahlungen in auÄändi- scher Währung, die in dem katastrophalen Niedergang der Mark deutlich zum Ausdruck kommt. Inzwischen ist nach dem Eingang der Note Ew. Exzellenz ein neuer Sturz der deutschen Währung eingetreten und die Mark bis auf 1/160 ihres Friedenswertes gesunken.

Deutschland macht alle Anstrengungen, seine aus dem Kriege entstandenen Verpflichtungen zu e r f ü 11 en. Hier- zu ist aber vor allem die Gesundung seiner Volkswirt- schäft notwendig. Diese wirtschaftliche Wiederherstellung wie die ganz Europas kann jedoch nur erfolgen durch die alsbaldige solidarische Zusammenarbeit aller beteiligten

Der Sturz von der höhe.

Roman von Fritz Ritzel.

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Auch Felix' Blicke hingen wie gebannt an den in der Luft Schwebenden. Wenn der Legionär, der eben gesprochen hatte, eine solche Maschine unter sich hätte und zu fliegen versuchte, dann wäre er jedenfalls dem sicheren Tode durch Absturz verfallen, da er keine Ahnung von der Führung eines Flugapparates hatte. Wenn er, Felix, aber im Besitz eines solchen gewesen wäre, er, der von Freund Platen in der Führung eines Flugzeuges unterrichtet worden war und sich dutzende M-st erfolgreich als Flieger versucht hatte, bann wäre die Möglichkeit nickst ausgeschlossen, daß er--

Das Signal „Schwärmen" verwehrte ihm weiter­zudenken und rief ihn zu seiner soldatischen Pflicht zurück. Huf der gegenüberliegenden Hügelkette blitzte es an mehreren Punkten auf; weißgraue Rauchwölkchen kräu­selten dort empor und gedämpftes Blaffen klang her­über. Man war mit dem Feind in Fühlung gekom­men. Auf dem linksseitigen Höhemücken hob sich eine Gruppe Reiter von dem Gelbbraun der dahinter liegen­den höheren Bodenwelle ab — das waren die höchstkom- trtanbierenben Offiziere der in diesem Teile Algiers sta- tionierten Truppen, die von jener Stelle aus den Ver­lauf des Manövergefechtes ihrer Kritik unterzogen. Sie schienen mit den Leistungen der ihnen unterstellten Trup­pen zufrieden zu sein, denn als Felix, der an dem äußersten Ende der Schützenkette marschierte, in ihrer Nähe Halt machte, klangen Worte des Beifalls herüber. Besonders den Fliegern zollten die Herren einstimmiges Lob. Felix konnte jedes Wort genau verstehen.

„Zur Schande unserer fliegenden Landsleute muß ich eingestehen, daß der barengroße Deutsche sie übertrifft!" sagte eben der Brigadekommandem zu einem neben ihm haltenden Obersten. „Sein Gleitflug ist einzig! Man meint, er müsse stürzen und immer wieder schwebt er em. por und gewinnt die Höhe, so baß ihn keine Gewehr- kugel erreichen könnte. Die Regierung könnte nichts Klu- geres tun, als das System zu erwerben!"

„So hat der Deutsche unserer Regierung fein System Qum Kaufe ,-Angeboten?" fragte der Oberst entgegen.

Mächte. Eine Politik der Drohungen wirkt nicht wiederaufbauend, sondern z e r st ö r e n d."

Kurz, kräftig und geschickt ist diese deutsche Antwort auf die französische Drohnote. Sie sagt Herrn Poincare deutlich die Wahrheit, bleibt aber doch höflich im Ausdruck.

Eigentlich ist es noch keine endgültige Antwort. Unsere Regierung schiebt nämlich aus gutem Grunde den Gesichtspunkt in den Vordergrund, daß sie das Abkommen über dis Ausgleichszahlun­gen mit der G e s a m t h e i t der beteiligten alliier­ten Mächte abgeschlossen hätte und sich demgemäß auch an die anderen beteiligten Mächte gewendet hat, sodaß sie erst die Antwort der anderen Mächte abwarten muß, um sich über ihre weitere Stellung­nahme schlüssig zu machen. Dadurch wird vor aller Welt klargestellt, daß Herr Poincare durch sein Ulti­matum nicht bloß gegen Deutschland, sondern auch gegen seine Verbündeten sich ins Unrecht setzt.

Was Belgien angeht, so ist dessen Wider­spruch gegen die überspannte Note Poincares schon zweifelsfrei festgestellt. Belgien betrachtet das einseitige Vorgehen von Paris nicht bloß als einen Mangel an Rücksicht, sondern auch als eine sach­liche Verletzung ferner Prioritätsrechte und des bisher anerkannten Grundsatzes, daß die Repara­tionszahlungen den anderen Verpflichtungen Deutschlands vorangehen. Dis englische Re­gierung hat offenbar dieselbe Ansicht. Wenn sie noch nicht so deutlich kundgegeben ist, so erklärt sich das dadurch, daß die Ankunft Poincares in London bisher für den 7. August geplant war. Da muß es sich zeigen, ob Lloyd George den Mut seiner Meinung finden oder wieder einmal vor den Pa­riser Schreckschüssen zurückveichen wird.

Es heißt freilich, Lloyd George wünsche die Zusammenkunft bis zum September zu verschieben. Vielleicht in der Hoffnung, daß bis dahin auch Italien sich beteiligen könnte nach Ucberw.n- düng seiner erst jetzt behobenen Ministerkrisis und seines Generalstreiks. Doch wird hinzugefügt, England schlage im Falle der Vertagung einen vorläufigen Zahlungsaufschub vor. Wenn das bewilligt wird, also das französische Ultimatum in Fortfall kommt, so können wir auch noch einige Wochen länger aushalten. Entscheidend ist ja schließlich, ob Lloyd George standhaft bleibt oder wieder umfällt.

Die vorläufige Antwort Deutschlands erleichtert ihm das Festbleiben, da sie mit aller Deutlichkeit feststellt, daß die deutschen Verbindlichkeiten ein einheitliches Ganzes bilden, — daß es eine Illusion wäre, wenn man von Deutschland 40 Millionen Goldmark monatlich für Ausgleichs­zahlungen erwarte, während es für die 50 Mil­lionen Reparationskosten einen Aufschub erhalten müsse, — daß die beiden Geldsummen aus der­selben Quelle geschöpft werden müssen und diese Quelle jetzt verstecht wegen der katastrovhalen Entwertung der deutschen Mark. Daher die "blanke Unmöglichkeit, an der die Drohungen Poin­cares nichts ändern können.

Daraus ergibt sich, daß diesmal mit Halbheiten nichts zu machen ist, sondern daß England den

„Das wundert mich!" Sonst halten diese Prusfiens doch jede Erfindung vor uns, den Erbfeinden, geheim!"

„Keine Regel ohne Ausnahme! Dieser Monsiem Platen ober von Platen, wie er heißt, schlägt fein Ding dem Höchstbietenden zu! Im Grunde genommen bat er recht!"

„Platen?" fragte der Oberft „Ist das der nämliche Waten, der auf dem letzten Pariser Flugmeeting einen der ersten Preise baoongetragen hat?"

«Kein anberer!" erroiberte der General. „Soll jetzt hier nochmals Probe ablegen! Fällt dieselbe günstig aus, bann wirb der Kauf perfekt!"

Das Signal „vorwärts" zwang den gespannt auf- horchenden Felix, seinen Platz zu verlassen. Wie ein Trunkener stürmte er mit den Kameraden der feind- lichen Stellung entgegen. Was er da zufällig gehört hatte, löste einen Sturm von Empfindungen in ihm aus.

Dstülich hatte der General den Namen Platen ge­nannt hatte von einem bärengroßen Deutschen gespro­chen. ' !

Wäre es möglich, daß Platen, sein Freund Otto Platen, einer der dort oben schwebenden Flieger war?

Hatte der wegen Krankheit vor Monaten entlassene Legionär Fritz Kugler doch vielleicht seine ihm ausge- tragene Botschaft ausgerichtet und war dieselbe durch Martha an Otto Platen gekommen, um ihn zu be­freien?

Vergeblich strebte Felix die Gestalten der über dem Manöverselde kreisenden Flieger zu unterscheiden; die Entfernung war zu groß und die Sonnenstrahlen bien- beten. Enblich ertönte bas Signal: „Das Ganze halt!" Die Schützenketten formierten sich wieder zu Kompanien und die Offiziere wurden zur Kritik nach der Anhöhe befohlen, wo der Hochstkommandierende sie erwartete. Auch die Flieger schwebten in weiten Kreisen zur Erde nieder und verließen ihre Maschinen, um der Kritik bei­zuwohnen. In der flaren Lust hoben sich nun ihre Ge­stalten scharf von dem braungelben Hintergründe ab, als sie sich der Gruppe der Offiziere näherten und Felix hätte fast einen Jubelschrei ausgestoßen, als er in dem Vorder- ften Otto Platen zu erkennen glaubte. Es konnte kein Zweifel sein — er war es! Die mächtige, alle anderen überragende Gestalt, der Gang, die eigentümlichen, etwas

Franzosen in den Arm fallen mutz, wenn es nicht die ganze weltwirtschaftliche Aufbaupolitik preis- geben und ein neues Elend über Europa herein­brechen lassen will.

Unsere Note sagt zum Schluß: „Eine Politik der Drohungen wirkt nicht wiederaufbauend, sondern zerstörend." Sie weist darauf hin, daß -Poin- care durch seine Drohnote den weiteren Sturz des deutschen Geldes herbeigeführt, also seinerseits den deutschen Schuldner zahlungsunfähig gemacht hat. Für die öffentliche Meinung in Frankreich ist noch ein kleiner Zwischenfall von Bedeutung, in dem es heißt, der deutsche Antrag bezweckt nicht eine Kürzung der deutschen Ausgleichszahlungen, son- dern lediglich ihre Verteilung auf einen längeren Zeitraum. Die Franzosen werden dadurch vor die Wahl gestellt, ob sie entweder das Geld vorziehen oder die zweifelhafte Glorie der angedrohten Sanktionen. Vielleicht ist die französische Volks­seele noch nicht reif für eine vernünftige realpoli­tische Entscheidung. Doch jedenfalls wird die kurze und klare Note Deutschlands dazu beitragen, daß in der übrigen Welt und besonders auch in Eng­land, sich volle Klarheit bildet über das wider­sinnige und verhängnisvolle Vorgehen von Poin- cars.

*

Inzwischen haben sich die Ding« bereits weiter ent­wickelt. Eine Drahtmeldung besagt:

Die neue Rote poincares.

Drohung«;.

Ministerpräsident Poincare hat noch am I.Aug. dem deutschen Geschäftsträger in Paris von Hoesch folgende Antwortnote übermittelt:

Herr Geschäftsträger! Ich habe die Ehre, Ihnen den Empfang Ihres Briefes vom heutigen Tage zu be­tätigen, der auf meine Mitteilung vom 26. Iuni ant­wortet. Mit Bedauern muß ich feftfleöen, daß Ihre Antwort nicht die in meinem Brief geforderten Siche­rungen enthält. Das Abkommen vom 10. Iuni 1921 wurde damals zwischen Deutschland und den verschie­denen alliierten Mächten geschlossen. Seine Abände­rung kann daher in der Tat nur dus einem einflimtni- gen Uebereinkotnrnen der vertragschließenden Mächte hervorgehen. Die Regierung Frankreichs hat Ihnen bereits mitgefeilf, daß fie nicht daran denkt, auf Grund der deutschen Rote vom 14. 3uli Aenderungen vorzunehmen.

Die französische Regierung hat daher das Recht zu verlangen, daß innerhalb der in seiner Rote vom 26. Iuli gewährten Frist, d. h. vor dem 5. August, mittags, die Versicherung abgegeben wird, daß, bis die uner­läßliche Uebereinstirnmung zu jener Abänderung gewähr­leistet ist, das Abkommen vom 10. Iuni ganz und gar angewendet wird, und daß die Pflichtsumme von 2 Millionen Pfund Sterling am 15. August gezahlt wird.

Denn diese Zuflcherung nicht gegeben wird, hat die französische Regierung das Recht, um die Anwendung des bestehenden Vertrages sicherzustellen, „Aus- pathetischen Gebärden, mit welchen er seine Rede be­gleitete — alles stimmte!

In zitternder Erregung wartete Felix, ob Otto Platen sich nach ftattgefunbener Kritik mit bei: Offizieren den zur Parade aufgestellten Bataillonen nähere und stürmifch pochte sein Herz, ats er den Freund neben dem eifrig auf ihn einsprechenden General den Hügel herabkommen sah. Aber wenn er geglaubt hatte, daß Platen der Le­gion eine besondere Aufmerksamkeit schenken, dieGesichter der einzelnen Legionäre prüfen würde, so wurde diese Hoffnung getäuscht, denn nur oberflächlich ließ der Freund die Blicke über die langen Reihen schweifen und vertiefte sich sofort wieder in ein eingehendes Ge­spräch mit einem der Generäle. So hatte vielleicht doch nur ein Zufall den Ingenieur nach Algier verschlagen und derselbe hatte keine Ahnung davon, daß er, Felix, hier in erzwungener Sklaverei schmachtete?

Zum Schufte des Manövertages marschierten die Ba- taillone unter klingendem Spiel am Höchstkommandie- renben und dessen Suite vorüber. Starr richtete Felix im Dorbeimarschieren die Blicke auf das Gesicht Des anscheinend gleichgültig das militärische Schauspiel be­trachtenden Fliegers, als messe er ihnen eine zwingende Gewalt bei, die Aufmerksamkeit zu erregen, und heim- lich jauchzte er auf, als ihn das Auge des Freundes bfltzähnlich traf und dieser den Finger wie zum Schwei­gen mahnend, in anscheinend zufälliger Bewegung vor den Mund legte. Platen wußte also, daß er sich unter den Legionären befand, und beabsichtigte gewiß, ihm Rettung zu bringen! Jetzt galt es, alle Geisteskräfte anzufpannen und alles, was in feinen Gesichtskreis kam, genau zu beobachten, ob darin nicht ein Zeichen zu er­kennen war, dar ihm von Platen gegeben wurde!

Ein kühner Wagemut erfaßte den Hoffenden, und fest stand fein Entschluß, auch fein Leben einzusetzen, wenn ihm Gelegenheit geboten wurde, das unerträgliche Joch abzufchütteln.--Er mußte sich gebulben. lieber vier­

zehn Tage noch dauerten die Manöver, an denen sich meistens die Flieger, darunter auch Platen, beteiligten, ohne daß dieser dem sehnfüchtig darauf harrenden Felix irgend ein Zeichen gegeben hätte. Die Truppen waren an der Meeresküste, in der kleinen Hafenstadt Beni Saf, angekommen, von der aus am folgenden Tage der Rückmarsch in die Gcrnijonorte angetreten

gleichsmaßnahmen" zu ergreifen, welche sie im Inkeresse so vieler eigener Staatsangehörigen und derer der anderen alliierten Staaten, die das Abkommen un­terschrieben haben, für notwendig erachtet. Diese Matz- nahmen werden, wie ich bereits ausgeführt habe, vom 5. August ab in Kraft treten. Die französische Regierung glaubt jedoch, nicht heute schon den vollstän­digen Plan, der hierfür gefaßt wird, bekannt geben zu können.

Unter diesen Vorbehalten zu den Ausführungen der Rote vom 1. August bemerkt die französische Regierung nur, daßdiedeutscheRegierungnichtdie ge­ringsten Anstrengungen macht, um die Zah­lung der geschuldeten Summe an die alliierten Armier durch die wirklichen Schuldner, d. h. durch die deutschen Privatleute sicherzustellen, die nach den letzten uns zu­gegangenen Meldungen durch ihre Ankäufe fremder Devisen zu dem Markkurs beigetragen haben.

Zum Schutz der Republik.

„Berliner Lokal-Anzeiger" verbalen.

Von zuständiger Seite wird mitgeteilt, daß vom Minister des Innern gemäß § 21 des Gesetzes zum Schutze der Republik der „Berliner Lokal- Anzeiger" auf drei Wochen verboten worden ist. Das Verbot stützt sich auf einen „Das kommende bayerische Kabinett" betitelten Atikel, worin angebliche Besprechungen erörtert werden, die in einer Geheimsitzung des Aktionsausschusses der Unabhängigen und Kommunisten im Berliner Gewerkschaftshaus stattgefunüen haben sollen. Nach den Darlegungen eines dieser Vertreter habe sich die Reichsregierung entschlossen, die Rechte zu entwaffnen, um die Revolution weiterzutrei­ben. Die Wiedergabe enthält außerdem eine Be­schimpfung der Mitglieder der Reichsregierung und stellt eine öffentliche Herabwürdigung der verfas­sungsmäßig festgestellten republikanischen Staats­form dos Reiches dar.

Erste Entscheidung des Slaalsgerichlshofes.

Der auf Grund des Gesetzes zum Schutz der Republik geschaffene Staatsgerichtshof in Leipzig hat die A u f l ö f u n g des „B u n d e s d e r A u f- rechten", die der preußische Innenminister aus­gesprochen und gegen die der Bund Beschwerde beim Staatsgerichtshof eingelegt hatte, beftätigt. Dadurch wird die Auflösung endgültig.

Verbotene Vereinigungen.

Nach der „Volkszeitung" hat die sächsische Regierung auf Grund des Schutzgesetzes folgende Vereinigungen verboten und aufgelöst, Eos, Deut­scher Orden, Bund der Graden sTreubund für aufsteigendes Leben), Verein ehemaliger Baiti- kumer, Turnverein Theodor Körner und Allge­meiner deutsch-völkischer Turnverein.

werden sollt». In dem dicht bei der Stadt an der Meeresküste aufgeschlagensn Zelllager herrschte nach be­endetem Dienst ein reges Leben. Zahlreiche arabische und spanische Händler hatten sich eingefunden und boten den Soldaten Zigaretten, Tabak, Weintrauben aus Mas­cara, Ananas und sonstige Südfrüchte zum Kaufe an, während mehrere Wirte in rasch errichteten Zelten bil­ligen Wein zum Ausschank brachten. Großes Intereste erregten bei den Truppen die im Hasen liegenden Schiffe, besonders ein riesiger englischer Ostindienfahrer, der hier kurze Rast auf feiner Heimfahrt machte, um Südfrüchte einzunehmen, die in zahlreichen Ruderbooten herange- fahren wurden.

Felix Tauber, der dem lärmenden Treiben vom Ufer aus gleichgültig zusah, stutzte plötzlich. In einem der deinen Boote stand die hohe Gestatt Platens und sah scharf nach dem Lager herüber. Wollte Platen auf dem englischen Dampfer, der sich doch schon zur Abfahrt vor- bereitete, noch rasch einen Besuch machen? Bevor et weiter darüber nachdenken konnte, wurde er von einem der im Lager Früchte feilbietenben Araberjungen an. geredet, der ihn zu feinem Erstaunen mit feinem Vor­namen anredete.

„Du kennst mich, Freund?" fragte er den Jungen.

„Du bist der dritte Mann im ersten Glied der fünf­ten Kompanie!" war die leise, in gebrochenem Französisch gegebene Antwort. „Der große Sidi mit den gelben Haaren hat Dich mir gezeigt! Nimm dieses!"

Damit reichte der Junge dem Ueberraschten eine un­geheure Weintraube und war im nächsten Augenblick in der Menschenmenge verschwunden.

Felix stand einige Augenblicke verdutzt und betrachtete verständnislos die ihm übergebene herrliche Frucht. Da schimmerte ihm zwischen den blauschwarzen Beeren etwas Weißes entgegen — ein Blatt Papier, auf dem Platen ihm wahrscheinlich eine Weisung erteilte. Er brannte vor Begierde, den Inhalt zu erfahren, und konnte nicht rasch genug in sein Zelt kommen, wo zum Glück keiner seiner Kameraden anwesend war. Das Papier aus der Traube lösend, entfaltete et dasselbe und las:

„Benutze die Gelegenheit! „Kondor" steht zum Fluge bereit. Nordwestlicher Kurs. Malaga. Komme mit Lady Ellen". Otto."

(Fortsetzung folgte