FuldaerZeiturrg
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
Nr. 175.
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49. Zahrg
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Deutschland wendet fich an die Gesamtheit der Vertragsmächte.
Kriegsgefahr im Osten.
3n Deutschland hat man sich wieder viel zu lange turrf) innere Auseinandersetzungen über die Gefahren der Gesamtlage hinweggetüuscht. Es bedurfte wieder schwerer Nackenschläge, um wenigstens weitere Kreise darauf aufmerksam zu machen, daß es jetzt keine theoretische Debatten über Föderalismus oder Umtaris- mus und ähnliche Fragen, so wichtig sie an sich sein mögen, geben darf. Es Acht ums ganze. Die Regierung m Berlin sieht sich folgenschweren Entschlüssen gegenüber, bedrängt von den zahlreichen und undurch. sichrigen Anschlägen der unerbittlichen Entente-Staats- männer. Polinäres Ultimatum in der Frage der Aus- gleichszcchlung hat die Lage grell geleuchtet. Man muß ömmt rechnen, daß der Schritt des französischen Mimsterpräsidenten einen Schachzug des geriebenen Diplomaten üarstellt, dem Deutschland nicht unvorsichtig in die Falle gehen darf. So erklären sich folgende Meldungen:
Keine Ablehnung der französischen Korderungen.
Nach den Morgenblättern hat das Reichskabinett «m Morttag den Wortlaut der Antwortnote an Frankreich festgestellt. Die Note wird ant Dienstag dem französischen Ministerpräsidentm überreicht und dann veröffentlicht werden. Sie Reichsregierung nimmt in ihrem Antwortschreiben keine positiv ab- lehnendeHaltungein, fonöetn erklärt vor allem, daß nach ihrer Auffassung die Frage der Ausgleichs - zahtungen von den in Betracht kommenden RegirMngen gemeinsam behandelt werden müsse und die Re- parationsfrage von der Behandlung der Ausgleichs- zahlungen nicht getrennt werden könne.
Im Zusammenhang mit der ablehnenden Antwort der französischen Regierung auf das Gesuch Deutsch- kmds, die aus dem Clearing-Verfahren erwachsenden Kosten herabzusetzen, stellt der „Vorwärts" fest, daß der Gesamtbedarf Deutschlands an Gold- d e v i s e n auch ohne Reparationsleistungen, ohne Besatzungskosten Md die Kosten für das Ausgleichs- verfahren die Einnahmen Deutschlands an Golddevisen übersteigt. Allein durch die Gestaltung der Handelsbilanz ist die deutsche Zahlungsbilanz heute mit mindestens einer Milliarde Goldmark passiv.
Was poinearö schrieb.
Die Schelt- unb Drohnote, die uns Herr Poincare zugeschickt hat, liegt jetzt im Wortlaute vor und darnach ftetü sie sich als ein Ultimatum dar von einer Rücksichtslosigkeit in Ton und Inhalt, die kaum zu überbieten ist.
JnnechÄlb zehn Tagen, vom Datum des französischen Schreibens (26. Juli) an gerechnet, soll Deutschland die Zusicherung geben, daß es künftig jeden Monat zwei Millionen Pfund, d. h. 40 Millionen Goldmark, als Ausgleich der deutschen Forderungen und Schulden zahlen wird.
Daneben läuft die weitere Forderung von 50 Millionen Goldmark monatlich für die Reparationen. Wenn diese Erklärung nicht eingcht, so erklärt Porn- tare, „habe ich eine bestimmte Anzahl von Maßnahmen beschlossen, die sofort mb automatisch zur Anwendung gefangen".
Diese kurzfristige Drohung ist nicht bloß eine feind- selige Herausforderung Deutschlands, sondern auch eint
Der Sturz von der höhe.
Roman von Fritz Ritzel, 24] ----------
Warum und weshalb — das war für ihn ein ungelöstes Rätsel. Nur um einen Legionär für Frankreich zu werben — das konnte der Grund nicht fein *— des
halb hatte dieser Lafleure wohl kaum eine so erhebliche . Summe geopfert, wie er sie bei Ulrich Hellborn deponierte, deshalb hatte er wohl kaum eine so sorgfältig vorbereitete Komödie in Szene gesetzt! Es mußte speziell auf seine Persönlichkeit abgesehen gewesen sein irgend ein ihm Mißgünstiger auf der Welt hatte In» liesse daran, ihn verschwinden zu lassen und reich m ' Mißgünstige sein, sonst hätte er den ver- ruc^n dlan nicht ins Werk setzen können.
Wie schon tausende Male kehrten die Gedanken Felix Taubers int Kreislauf immer wieder bis zu diesem Punkte zurück, wo sie wie vor einer verschlossenen Pforte Halt machen mußten. Aber sie ließen ihn nicht los und begleitete ihn, als er vor drei Jahren in Marseille an- gekommen und mit dem Dampfer nach der algerischen Hafenstadt Dran befördert worden war; sie verfolgten ihn bei dem aufreibenden Dienst in der Garnison, wie Lagerfeuer im Felde und in die zahllosen (3cfe(f)te mit aufrührerischen Araber- und Kabylenstäm- men, M Denen er mitgekämpft — zu jeder Stunde grübelte er über das unbegreifliche Rätsel nach, ohne dessen Lösung zu finden.
Er hatte damals, als er in Algier angekommen und in dem Garnisonort Sidi ben Abbas als Leaionär ein- gekleidet worden mar, nochmals alle Versuche gemacht, um seine Vorgesetzten davon zu überzeugen, daß man ihn gegen seinen freien Willen auf hinterlistige Art zu dem Dienst gezwungen, aber alle seine Vorstellungen waren mit Hohn oder Barschheit und dem Bemerken zurückgewiesen worden, daß derartige Märchen von der Hälfte der Neuangeworbenen aufgetifcht würden und daß er sich ruhig in sein Schicksal fugen solle, sonst hätte er als ewiger Querulant die schwersten Strafen zu gewärtigen. Wann und wo sich die Gelegenheit bot hatte er Briefe und Postkarten nach Deutschland geschrieben
Rücksichtslosigkeit gegenüber ben Verbündeten Frankreichs. Demi dadurch wird ben letzteren ange- kündig!, daß Frankreich eigenmächtig und allein zu Gewaltmitteln greifen werde, auch wenn England, Italien urtb Belgien nicht billigen.
Und dieses Schreckgespenst eines neuen Krieges wird heraufbeschwormr wegen einer Angelegenheit, die bei weitem nicht so wichtig und dringend ist, wie die Reparationszahlungen. Heber den Aufschub für diesen WiederhersLollungstrÄntt wird noch mit Aussicht auf VerständiMng verhandelt, mb da soll nun mit einem Male die Pauschalsumme für die AusgkeichsreHnuug Europa in einen neuen Krach stürzen. Sogar der „Pariser Temps", das regterungsfreundliche Bfatt, gesteht zu, daß diese Allsgleichszchümgen eigentlich eine Privatangelegenheit seien, die außerhalb des politischen Gebietes bleiben füllte. Wenn Poincare sie trotzdem in so friedensgefährlicher Weise in dm Vordergrund schiebt, fe drängt sich freilich der Verdacht auf. Laß es ihm nicht um das Geld zu tun sei, sondern um einen Vorwand für neue Gewalttaten.
Der Eindruck wird dadurch verstärkt, daß das Ultimatum gestellt wurde in einem Zeitpunkt, als die Entwertung des deutschen Geldes in stürmischer Weise fortschritt. Cs war vorauszusehen, daß nach dem französischen Vorstoß der DoLarpreis noch höher und höher steigen würde. Am Montag ist er denn auch in Berlin auf die fabelhafte Höhe von 670 gelangt. Das bedeutet für Decttschfand die Unmöglichkeit, noch 40 Millionen Goldmark als AusgleichsgeD neben dem Reparationstribut von 50 Millionen Goldmark monatlich aufzubringen.
Hat nun Poincare vorsätzlich und mit Uebetffegung in 10 Taigen etwas gefordert, was er als unmöglich erkennen mußte? Will er wirklich feine geplanten Sanktionen automatisch zur Anwendung bringen, ohne sich mn die Verbündeten zu kümmern? Oder farm man noch di« Vermutung hegen, er Verfölge eine diplomatische Taktik und wolle einerseits seinen Ratio» naßften eine Genugtuung geben, andererseits für die bevorstehende Konferenz in London sich ein gewichtiges Faustpfand reservieren?
Die Antwortnoten ans London und Brüssel, die inzwischen in gleicher Angelegenheit in Berlin eingetroffen sind, stehen im Gegensatz zu der Note Poincares.
Es kommt nun darauf an, ob Lloyd Georg« sich wieder verblüffen läßt, oder ob er so trief! Mut unb Kraft findet, um Poincare von eigenmächtigen Gewaltmaßregeln abzuhalten. Wir möchten trotz aller bisherigen Enttäuschungen noch nicht daran verzweifeln. Das Vorgehen Poincares ist zu roh unb von so offensichtlicher Ungerechtigkeit unb Gefährlichkeit, daß man kaum glauben kmm, die Verbündeten würden sich die brutale Durchkreuzung ihrer ganze Politik ruhig gefaNen lassen.
Immerhin hat sich, die europäische Krisis in wahrhaft furchtbarer Weife zugespitzt, so daß es nach selbst- mörderischer Verblendung aussehen würde, wenn wir unter solcher Not Deutschlands noch ben häuslichen Streit wegen der Ausführung der Schutzgesetze weiter führen wollten. Die Zukunft von ganz Deutschland, Bayern eingcschlossen, steht auf dem Spiele.
Wenn dieses Ultimatum uns nicht einig macht, dann ist dem „Volke der Dichter und Denker" überhaupt nicht zu helfen!
— cn seine Mutter, seine Braut, an Otto Platen — in welchen er seine verzweifelte Lage schilderte; nach der bestehenden strengen Vorschrift mußten die Schriftstücke den Vorgesetzten übergeben werden — eine andere ®e- legenheit zur Beförderung gab es nicht — und niemals kam ihm eine Antwort, so daß er schließlich überzeugt war, daß man seine Briefe unterschlagen und nicht be- fördert hatte. Dies wurde ihm auch von den älteren Legionären bestätigt.
Da sann Felix auf Flucht, aber eine solche glücklich auszuführen, war bei den allem Raffinement getroffenen Vorsichtsmaßregeln des Kommandos ein Ding der Unmöglichkeit. Glückte es auch hin und wieder einigen der verzweifelten, zum äußersten getriebenen Leute, aus dem Garnifonort zu entweichen, so «erden sie unter zehn Mal neun Mal wieder von den nach ihnen au,- gesandten berittenen Spahls nach einigen Tagen wieder zurückgebracht und müssen die barbarischsten Strafen, wie die Krapodine, eine raffiniert ausgedachte Folter, oder langjährige Haft in den entsetzlichsten, unter der Erde liegenden Kerkern erdulden, oder aber man fand nach Wochen im Sande der Wüste die Leichen der Em- flohcnen, wo sie dem Hunger unb Durst oder dem Schre- Len der Wüste, dem Samum, erlegen waren.
Auf eine solch elende Art sein Leben zu beschließen, dagegen wehrt- sich in des jungen Mannes Innern ein gewisses trotziges Selbstgefühl, das ihn immer wieder hoffen ließ und ihm Vertrauen auf die Güte der Allmacht einflöhte. Einmal muhte doch diese surchtbare Prüfung enden unb ber Tag kommen, an bem er bie Bande ber Knechtschaft abstreifen durste — er war ja noch jung unb fein kräftiger Körper hatte sich den Strapazen des Dien- fies angepaht — so durfte er hoffen, daß er nach Ablauf der fünf Jahre in bie Arme ber Mutter, in die Arme ber Braut zurückkehren würde.
Ein selffames Gefühl durchschauerte den Legionär im fernen Afrika bei dem Gedanken an Helene. Würde sie ihm, dem verloren Geglaubten, bie Treue gehallen hüben?
Fast erschien ihm dies mehr als zweifelhaft, wenn er bie Charaktereigenschaften seiner Braut erwog. Schwerlich würde ihre, durch seinen plötzlichen Verlust bewirkte seelische Erschütterung so nachhaltig sein, daß
Die Haltung Englands.
Inzwischen ist in Berlin ebenso wie aus Brüssel eine Antwort aus London auf die deutsche Note vom 14. Juli 1922 wegen der Barzahlungen im Ausgleichsverfahren emgegangqn. Darin wird zum Ausdruck gebracht, daß die britische Regierung beabsichtige, die in der Rote aufgeworfenen Fragen baldigst mit den anderen beteiligten Mächten zu erörtern, um in Gemeinschaft mit den anderen alliierten Mächten der deutschen Regierung eine Antwort zu erteilen.
Der Bericht des Garantiekomrkees.
Havas meldet offiziös, daß das Earantiekomitee den Wortlaut seines Berichtes über die deutsche Finanzlage und zweckmäßige Abhilfsmaßnahmen noch nicht endgültig festgesetzt habe. Das ziemlich umfangreiche Schriftstück werde also frühestens Dienstag der Reparationskommission übergeben werden. Der „Temps" behauptet, daß der Bericht des Garantiekomitees keinen Plan zur Sanierung der deutschen Finanzen enthalte. ■
Begegnung Poincars-Lloyd George.
Havas meldet aus London, daß der Zeitpunkt der Begegnung zwischen Poincare und Lloyd George noch immer unbestimmt und in hohem Grade davon abhänge, daß die italienische Ministerkrise bald eine Lösung finde. Man hält es für wahrscheinlich, daß die Besprechungen in der zweiten oder sogar in der dritten Augustwoche ausgenommen werden.
verWicklungen auf dem Balkan,
Tcr Gegensatz zwischen England und Frankreich.
Schon seit einigen Tagen gingen beunruhigende Gerüchte über einen angebl. PlanGriechenlandS, die Großmächte vor vollendete Tatsachen in Kleinasien unb Trazien zu stellen. Nicht ganz mit Unrecht behauptet man, daß England trotz der äußerlichen neutralen Haltung Griechenland vorgeschoben habe, geradeso tote im griechisch-türkischen Kriege in Kleinasien, der mit einem Fiasko der Griechen endete.
Daß diese Annahme richtig toar, beweist eine Erklärung des englischen Generals Henrington, der Chef der alliierten Truppen in Konstantinopel, der dem türkischen Großtoester auf dessen Beschwerde über griechische Truppenansammlungen in Trazien erklärte, durch die bekanntgewordene Verschwörung der Kemalisten, die Konstantinopel besetzen wollten, habe auch Griechenland seine Handlungsfreiheit toiedergewonnen. Die Engländer scheinen also einer Besetzung Konstantinopels durch Griechenland keine Schwierigkeiten bereiten zu wollen, sondern sie im Gegenteil sogar zu begünstigen. ES wird sich jetzt zeigen müssen, ob die Franzosen, gegen die daS ganze Spiel Englands in Kleinasien gerichtet ist, eS wagen werden, die Griechen mit Waffengewalt daran zu verhindern. Daß es den Griechen Ernst ist, zeigt die Landung von 25000 ManuTruppen inRodosto,das etwa 100 Km. von Konstantinopel entfernt ist. Ohne geheimes Einverständnis mit England würden sie es sicher nicht wagen.
In Kleinasien, wo sie gemäß den Abmachungen mit ben Alliierten Smyrna räumen müssen, hat der griechische Befehlshaber die Autonomie verkündet unb zwar an dem gleichen Tage, an dem die griechischen Truppen in Rodosto landeten. Offenbar will Griechenland eS auf diesem Wege verhüten, daß die dort lebenden Griechen noch einmal unter türkische Herrschaft kommen.
Die ganze Angelegenheit kann letzten Endes zu schweren Konflikten nicht nur unter den Balkan-
fit ihren Lebensburst, ihren stürmischen Drang nach ben Freuden dieser Welt in ber langen Zeit von brei Jahren unbefriedigt ließ — unb konnte man ihr dies bei ihrer Sugenb unb bei ihrer Schönheit verdenken?
Nein, gewiß nicht — ihn, den Verschollenen, mußte man zu den Toten rechnen unb bie Lebenden haben recht!
Merkwürdig war es, baß bief« Vorstellung so gar kein tieffchmerzlichrs Gefühl in bem Sinnenden aus- löste, daß er vielmehr ben Verlust Helenens als etwas Unabänderlicher betrachtete, in bas er sich schicken mußte. Tauchte aber bas Bild Martha Möllers vor ihm auf, bann durchströmte ihn ein roarmes Empfinden unb unwillkürlich überkam ihn ber Gedanke, daß Martha en ber Stelle Helenens auch über bas Grab hinaus bie Treue gehalten hätte.
Der heisere Schrei eines Nachtvogels riß ben Einsamen aus seinen Sinnen.
Einem Schatten gleich schwebte ein mächtiger dunkler Körper über ihm peilschnell durch bie Lust nach Narben. Felix sah bem Bogel nach, bis er in ber Dunkelheit verschwunden war. Er beneidete bas Tier um bie Fähigkeit, sich von ber Erde zu lösen unb in schrankenloser Freiheit in ber Höhe dahinzueilen, unerreichbar für bie am Staube Klebenben. Die altgriechische Sage von Dä- baius und Ikarus kam ihm in ben Sinn — die Mär von jenen beiden auf ein meerumfpültes Eiland Verbannten, bie mit Hilfs von Flügeln, die sie aus Weidenzweigen, Dogolfedern unb Wachs geformt hatten, ber Gefangenschaft durch bie Lüfte entrannen. In bescheidener Höhe schwebte Dädalus, ber Vater, bem Lande seiner Sehnsucht, der Heimat, entgegen — Ikarus aber genügte bie bescheidene Höhe nicht. Zur Höhe ber Sonne wollte er emporfliegen — ba schmolz unter bem Einfluß ber sengenden Glut des Tagesgestirns bas Wachs von seinen Flügeln unb er stürzte, ein rettungslos Verlorener, in bie Tiefe.
Wenn man es ben sagenhaften Flugkünstlern nach- machen könnte? Törichte Träume!
Raschelnde Schritte näherten sich — man kam, um ihn abzulösen.
„Leg' Dich noch ein paar Stunden auf bas Ohr!" mahnte ihn ber seinen Posten beziehende Kamerad, eben- j
floaten, sondern auch zwischen England und Flank' reich führen unb Italien wäre auch zu einer offenen Stellungnahme für oder gegen Frankreich oder England gezwungen. Wir dürfen unsererseits nicht allzugroße Hoffnungen an einen solchen Zwist knüpfen, denn tritt Frankreich und England einmal in offene Gegnerschaft, dann hat Frankretch Deutschland gegenüber auch vollständig freies Spiel und ehe es jemand daran hindern könnte, wäre ein großer Teil Deutschlands von ihm zerschlagen untz zerstört.
vor einem Orienlkrieg?
Havas meldet aus Konstantinopel, dort habe die Nachricht vom Dorrücken der Griechen große Aufregung hervorgerufen. Eine Anzahl von Familien am europäischen User sei bereits über den Bosporus gegangen. Die lokale Polizei habe Vorsichtsmaßnahmen getroffen.
Nach einer weiteren Havasmeldung aus Konstantinopel soll bei T s ch a t a l d s cha ein neuer Zu- sammenstoß zwischen irregulären griechischen Truppen und türkischer Polizei stattgefunden haben, bei dem die Griechen aus der neutralen Zone hinausgedrängt worden seien.
Das „Journal des Debats" stellt fest, daß alle in den letzten vier Monaten unternommenen Bemühungen um den Frieden einen Mißerfolg gehabt hätten. Das Blatt sagt weiter, man fei. nicht gegen einen regelrechten Orientkrieg gesichert.
Die bayerische Hrase.
Roch keine Entscheidung.
Wie die „Münch. Ztg." hört, dürfte die Entscheidung über den Inhalt der A n t w o r t der bayerischen Regierung auf den Brief des Reichs- Scäsidenten wahrscheinlich erst am Mittwoch fallen, n anderer Stelle schreibt das Blatt, daß die Frage der Erweiterung der Regierungskoalition in Bayern durch den Eintritt der D eu t schn a ttonal e n und der Deutschen Volkspartei neuerdings in ein akuteres Stadium zu treten scheine.
Allem Anschein nach wollen die Bayern nicht nachgeben. Die Meldungen lauten sehr ungünstig.
Die Korresponderrz Hofstnann meldet amtlich: Der badische Staatspräsident Dr. Hummel ist in München eingetroffen. Es handelt sich um einen privaten Besuch, der schon vor längerer Zeit angekündigt worden war und in keinem Zusammenhang mit der Ministerpräsidenten- zusammenkunft in Bruchsal steht. (Dort haben vor einigen Tagen die nichtbayerischen Minister Süddeutschlands sich mit Entschiedenheit hinter die Reichsregierung gestellt. D. Red.)
Deutsches Reich.
(a) Der Skaaksgerichkshof. Die erste Verhandlung des Staatsgerichtshofes zum Schutz der Republik findet am 16. August d. I. unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten Dr. Schmidt, des Leiters der Kriegsbefchuldigtenprozeffs, statt. Als Richter nahmen teil die Reichsgerichtsräte Riedner und Dr. Baumgarten, außerdem Reichskanzler a. D. Fehrenbach und die Mitglieder des Reichstages Hermann Jäckel und Erkelenz. Verhandelt wird zunächst gegen die Angeklagten Archivar K. Laun in Füssen und Genossen, Kaufmann Julius Mengert in Nürnberg, Kapitän Eduard Geerken in Hamburg, Kaufmann Georg Buhmer in Oppurg, Student Manfred Vachere in Heidelberg und Genossen und Landwirtschaftseleve Rudolf Ziepke in Greifswald.
W Helffcrichs Gratulant. Der angebliche Student Werner Flesch, der seinerzeit verhaftet worden toar,
falls ein Deutscher. „Morgen gibt’s wieder einen schweren Tag! Gefecht gegen einen markierten Feind in ber Rich, tung nach Nordwesten! Bei ber Paroleausgabe hott's geheißen, baß bei ber Gegenpartei Flieger als Kunb- fchafter sind, bie sich auf eine Maschine setzen unb in bet Luft herum kutschieren. Sollen so bummes Zeug aufbin. ben, wem sie wollen — ich glaub’s nicht eher, bis ich es mit eigenen Augen sehe!"
Die Mitteilung hatte den sich in sein Zelt begebenben Felix eigentümlich berührt, weil sie sich so unmittelbar an seine phantastischen Träume von Däbalus unb Ikarus anschloß. Ein merkwürbiger Zufall! Für einen Augenblick war es ihm, als sei bies ein Wink bes Schicksals. Doch fort bamit! Derartige törichte Hirngespinste vertrieben ben Schlaf, ben er so notwendig gebrauchte. Unb ermüdet ftretfte er sich in bem Zelte neben bie laut schnarchenden Kameraden auf ben mit ©rasbünbefa belegten Boden unb verfiel in einen tiefen Schlummer.
Der andere Tag brachte für bie Legionäre wieder einen anstrengenden Marsch nach Norbwesten, der Meeresküste zu, bem markierten Feinde entgegen. Glück- licherweise war bie Hitze weniger erschlaffend wie ge- ftern, ba ein lindkühler Hauch vom Gebirge herüberwehte, so daß bie Mannschaft in guter Verfassung an ber zum Nachtlager bestimmten Station ankam. Von bem Feinde hatte man nichts gemerkt — derselbe schien weiter nordwärts den Angriff ber Legion zu erwarten. Das beftätigte sich, als man am dritten Tage in ber Luft einige seltsam geformte, noch nie gesehene Vögel gewahrte — bie Legionäre hielten wenigstens das, was dort in weiter Ferne schwebte, für Vögel — und der Kommandeur beim Näherkommen Schnellfeuer auf bie merkwürdigen Gebilde abgeben ließ. Das waren also bie berühmten Flieger, bie an jenem Abend bei ber Paroleausgabe erwähnt worben waren?
„Na — die Dinger sind ja gar nicht so übel!" meinte; ein alter Legionär, bet neben Felix marschierte. „Den Kerl bott oben fliegt trotz einem Geier! Wenn ich so' eine Maschine unter mir hätte, bann wüßte ich was ich täte — dann könnten mir ber Adjutant, ber Kapitän, ber Major unb bie ganze Legion den Buckel hinaufsteigen!"
(Fortsetzung folgt.)