Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.
■3
Nr. 174»
Verantwortlich für den reöattionellen Teil: Dr. I. Kramer, z für die Anze,gen: 3- Parzeller-Fulda. n Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, f^emlpredier Nr. ö. Postscheck-Kon!o 4051 Frankfurt a. M.
Dienstag, 1. Kugust 1922.
Bezugspreis: Monatlich 28.00 M. zugestellt frei ins Haus- u Abgeholt in der Gsschäftsstelle 27,00 Mk. :: Anzeigen: Kleinzeiie nachTotone>2.S0M.; ausM.4,00M. Reklamezeile (Tertbreite) nach Colonelmaß 10 Mark.
49. Zahrg.
Der Dollar auf 645.
eine Sewiffenserforschung.
Die Reichsregierung zu dem französischen Ultimatum.
So hoch, wie in den letzten Stunden, mar das AuslandsgÄÜ noch niemals gestiegen. So fürchterlich tief war unser deutsches Geld noch niemals gefilmten.
Ais seinerzeit der Dollar auf 300 Mark getrieben tott*. stießen wir schon schr berechtigte Angstrufe aus. Letzt ist es in kurzer Frist zu einer Verdoppettmg dieses WüchAPreises gekommen. Man hat Mühe, trie volle Bedärtimg dieser Wertoerschiebung zu erfassen. Der SoUatpreis ist auf das einhundertfünzig- ifache gestiegen; die deutsche Mark ist im Ausland« nicht ekvnal einen Pfenig mehr wert. Genau gerechnet erhalten wir auf dem Weltmärkte für eine Mark jetzt so mft, wie früher für zwei Drittel Pfennig. Wie sollen teil' da di« Rohstoffe und die Lebensmittel besohlen? Und wie sollen wir den Tribut für die Sieger- müchte ausbringen, wenn wir für jede verlangte Gold- nrMarüe 150 Milliarden Mark atufzuwenden haben? Di« allerschärfsten Steuer gesetze können das riesig« Loch nicht verstopfen^ das die Geldentwertung in unsere Staatswirtschast reiht.
Lloyd Georg« soll gesagt haben, Deutschland hänge «k einem verdorrten Ast, und wenn der reiße, so bleibe nur übrig, Deutschland der Gnade Gottes zu empfehlen. Dazu möchten wir bemerken, daß Deutschland nicht bloß unter der Ungnade des HimnÄs, zu leiden hat, sondern auch unter der Unvernunft und Hartherzigkeit der Siegermächte. Die größte Schuld an unserem Elend trägt das unerbittliche Frankreich; den letzten Anstoß zu dem neuerlichen Markstmz hat ja Poincare veyeben mit feiner brüsken Ablehnung jeder Erieichte- nwig Deutschlands in den Ausgleichszahtungen. Dieses Berftchr«!» hat nur dann Sinn und Verstand, wenn die Pariser es nicht auf die deutschen Zahlungen, sondern vielmehr auf den Ruin Deutschlands und auf neue Ämktiorwn abgesehen haben. England darf aber beinsswegs feine Hände in UnfchEd waschen. Lloyd George und feine Genoffen halten schon fest einem Jahre sthone Reden über die Rettung Deutschlands und über den Wiederaufbau mm ganz Europa; aber wenn «s zu Taten kommen soll, so Kappen sie auf jeder großen oder Keinen Konferenz vor dem französischen Machtgebot zusammen und lassen die Poris«: Kampfhahne sich weiter austoben. Auch die jetzt geplante Besprechung zwischen Lloyd George und Poincare wird Mieder mit dilatorischer Schwächlichkest behandelt.
So klar das Bersulden der Sivgermächte auch ifc (oWmren wir doch nicht sagen, daß Deutschland selbst unschuldig an feinem Unglück sei. Die beut- schm Börsemmmner behaupten, die gegenwärtige Mark- katastrvphe sei durch das Ausland herbeigeführt worden, weil man dort unser Papiergeld massenhaft zum Verkaufe ausgeboten habe. Aber wenn man genauer Msicht, so ergibt sich doch, daß an den deutschen Börsen Angstkäufe von feiten der Spekulation und der Industrie stattgefunüen hoben, die dm Dollar weit hinauf und unsere Papiermart weiter in den Abgrund trieben.
Eine erdrückende Schuld trifft die deutschen Morbgesellen und ihr« Hmtarmärmer, di« gerade in dem Augenblick, wo Deutschland aufatmen zu können glaubte, das Mißtrauen des Auslandes wieder wochge- rufen und das Vertrauen im ÄÄande abermÄs 'erschüttert haben.
Mr formen ferner gewisse Teile des Reichs- tagte nicht fteisprechen, da man dort ein« Zeitlang parteipolitischen Reibungen und Künsteleien betrieben hat, als es Pflicht gewesen wäre, dis Schutzgesetze so schnell und glast, wie nur eben möglich ferigi zu steilen.
Und insbesondere sei des schlimmen Fehlers ge- dacht, den wir durch die Entfachung des b a y e r i s ch e n
Der 5turz von der Höhe.
Roman von Fritz Ritzel.
33] ----------
Der Sprecher war aufgestanden und ging erregt,mit vroßen Schritten in dem Zimmer auf und nieder.
Frau Tauber weinte noch immer. Tröstend schlang Martha den Arm um ihch Schultern und sagte:
„Wenn nicht alles trügt, liebe Tante, bann dürfen wir hoffen! Ganz gewiß verhält sich alles so, wie Herr Platen meint! Felix lebt! Heute ist der 5. Septem- ber und am 19. Juli hat der arme Fritz Kugler die Notiz m sein Taschenbuch eingetragen!"
. , ””eure ? 'ch hab's gefunden," rief Otto Platen {egt aus, moetn er vor den Frauen stehen blieb und wie zum Eidschwur die Rechte erhob. „Wenn das ge- «Ä' o-5 T Sinne hab, dann ist der alte Ben Akiba Lugen gestraft! Das gibt einen Kapitalspah — bauon wird -nun reben ifi fpäfften
Die beio.n Dcnnen, besonders Martha, bestürmten den wieder erregt im Zimmer Auf- undAbschretenden mit fragen, was er zu tun gedenke, erhielten jedoch nur aus. we-ch-nde antworten und die Versicherung, daß hoff- nung vorhanden sei, Felix aus seiner unwürdigen Knechtschaft zu eriosen, wenn es sich wirklich bewähr- heite, daß man chn zur Fremdenlegion gepreßt habe. Welche Wege er zu diesem Zwecke einschlagen wolle, darüber gab Otto Platen keine nähere Auskunft, sondern erklärte nur, daß er an einem der nächsten Tage nach Frankreich abreisen würde, um seinen Plan ins Werk zu setzen. Als muffe er noch heute Vorbereitungen zu seinem Unternehmen treffen, nahm er von den Damen Abschied, wobei es anscheinend wie eine mächtige Bewegung über ihn kam. 3te $anb Marthas pressend und sie mit einem Blick ansehend, vor dem sie verwirrt die Augen zu Boden schlug, sagte er leise-
„Vielleicht ist es ein gefährlicher Gang, den ich antrete, aber er schreckt mich nicht zurück. Richt nur um Felix zu befreien, sondem mich Ihretwillen, Fräulein Martha,,wage ich das Aeuherste! Beten Sie für bas Gelingen!
Konflikts begangen haben. Wie soll das Ausland Respekt und Vertrauen gegenüber Deutschland haben, wenn wir selbst in so kritischen Seiten em abschreckendes Bild der Zwietracht und der Untergrabung des Reiches bieten?
Bei der Prüfung der Schrldfrage müssen atife Beteiligten an ihre Brust klopfen. Der furchtbare GLdsturz mH seinen katastrophalen Gefahren sollte aber wenigstens unter allen gutgesinntem Deutschen die Erkenntnis fördern, daß wir am Rande des Abgrundes sind und den Lichus häuslicher Zwistigkeiten nicht mehr gestatten dürssn, vielmehr nach dem Ratschlag des Reichsprüsi- bcr.’.m uns chleumigst vertragen müssen.
Wenn nicht, so zerren und rütteln wir selbst an dem verdorrten Ast, von dem Lloyd George sprach.
Der Dollarkurs.
Nachdem schon am Samstag der Kurs des Dollars 600 weit überschritten hatte, wurde dsr Dollar Mon- t a g vormittag vorbörslich im freien Verkehr mit 645 gehandelt.
Die Antwort auf das Ultimatum.
Im Laufe des Sonntags haben in Berlin zwischen den Vertretern der zuständigen Reichsressorts Besprechungen über die Stellungnahme zu der französischen Note über die Zahlungen im Ausgleichsverfahren stattgefunden. Am Montag dürft« ein Kabinettsrat den Text der deutschen Antwortnote feststellen. Die Reichsregierung wird, wie verlautet, nicht imstande sein, den französischen Forderungen nachzukommen, also das mit zehntägiger Frist gestellt« Ultimatum anzunehmen. Für die Reichsregierung war das Gesuch um Verminderung der Ausglei chsMhlungen ein Be- standteil der Aktion zur Herbeiführung eines Moratoriums, und deshalb ist eine erträgliche Regelung dieser Spezialfrage, wie auch die belgische Regie- rung anerkannt hat, nurimZusammenhang mit der Regelung der Reparationsfrage möglich._________________
Bekämpfung Ser Katastrophe auf Sem Baumarkt.
Am 24. Juli d. Js. hat im Ministerium für Volkswohlfahrt mit Vertretern der gemeinnützigen Bautätigkeit, der WohnungSfürforgegesellschaften, der Gemeinden sowie mit Landtagsabgeordneten eine Beratung darüber stattgefunden, mit welchen Maßnahmen her durch die gegenwärtige Preis- katastrophe geschaffenen Lage auf dem Baumarkt zu begegnen fei.
Es fand eine eingehende Aussprache statt über dre Frage der Erhöhuüg der Einzelsätze für die LandeSdarlehen sowie der Sätze für die Wohnungsbauabgabe. Eingehend wurde auch die Frage der Baustoffbeschaf'fung erörtert. Es wurde angeregt, eine umfassende Organisation der gemeinnützigen Verbraucher zu schaffen, die durch «gene Produktion von Baustoffen Einfluß auf die Preisbildung gewinnen soll. Aus der Versammlung wurde der Wunsch an die Regierung gerichtet, dahin zu wirken, baß dieser neu zu gründenden Ver- braucherorganisatwn ein Kredit von einer halben Milliarde Mark zur Verfügung gestellt wird.
Gefährlich ist Ihr Vorhaben?" stammelte die junge Dame heiß errötend. „So lasten Sie mich doch wiffen__"
„3ft es vollbracht, wird's auch zu Tage kommen!" unterbrach sie Platen, wieder feine frohe Laune gewinnend. „Bis dahin — lebet wohl und reichet mir zum Pfand der alten Freundschaft Eure Rechte!"
9. Kapitel.
Flimmernde Sonnenglut lag über dem welligen von braungebranntem chalsagras bewachsene Gelände' durch welches sich wie eine riesige Schlange mehrere Bataillone der Legion etrangere langsam nach Süden bewegen, zur Raststätte in dem augedehnien Walde.
Vom Garnisonorte Sidi den Abbas waren die Truv- pen heute morgen zu einem Uebungsmarsch abmarschiert,' der bis zu einem an den Ausläufern des Gebirges ge-' legenen Walde gehen sollte. Die mit vollständigem Gepäck ausgerüsteten Legionäre waren dem Anschein nach auf bas Aeußerste erschöpft unb sehnsüchtig richteten sie bie Blicke noch ber in scheinbar greifbarer Nähe vor ihnen liegenden kuppenreichen, zum Teil bewaldeten Bergkette des kleinen Atlas mit dem alles beherrschenden pyramidenförmigen Siebet Tesalah, welche den Blick nach Süden begrenzte: aber immer wieder schob sich eine neue Erdwelle vor das Gebirge, wie man deren schon ein halbes Dutzend mühselig überschritten hatte und Stunden vergingen, bis das mit dem stolzen Namen „Wald" bezeichnete Gehölz erreicht war. Dasselbe bestand aus einigen Hundert verkrüppelten Tannen, die sich aus einem Unterholz von Wacholderbüschen emporreckten, nebst einigen zwerghasten Steineichen, stachlichen Mimosen, Kakteen und knorrigem Buchsbaum mit aschgrauen Blättern; dazwischen wucherte fjatfa- gras.
Kühlenden Schatten spendete dieser Wald nicht, aber man konnte ihm bas 3um Abkochen nötige Holz entnehmen und ein für bie von brennendem Durst gepeinigten Legionäre unschätzbares Kleinod barg sich in seinem Inneren — eine trübe, von modernden Pflanzenteilen durchsetzte, algenbedeckte kleine Wasserlache. Dorthin wandte sich sofort nach Ablegung des schweren Gepäcks em Teil ber Soldaten, um das kostbare Naß sorMg }
Ak teteiw M 6»iW.
Unter dieser Ueberschrift macht in der K. V. der Eisenbahn-Inspektor Th. Klei n-Münster i. W. bemerkenswerte Ausführungen. Er schreibt u. a.:
Sie ist schneller gekommen, als mancher Beamter, ber bislang Anhänger der parteipolitisch und religiös neutralen Gewerkschaftsrichtung war, bei feinem gesunden Optimismus angenommen hat: Die Scheidung ber Geister in der spezifischen Beamienbewegung nach Welt an. schauungen.
Cs ist ja eigentlich, ich mochte sagen, ein aus parteipolitischen Zusammenhängen geborener Schönheitsfehler der beutfdjen Gewerkschaftsbewegung, daß sie bas dem Wirtschaftsleben sonst ganz fremdartige Moment der Weltanschauung auf ihre Entwicklung überhaupt hat Einfluß gewinnen lassen. Wer wirklich ganz unparteiisch, frei von jeder politischen Parteigesinnung, gewerkschaftlich zu denken und zu handeln gewillt ist, sollte bas reale, praktische Ziel feines Willens unb seiner Arbeit, bas Recht wirtschaftlicher Mitbestimmung, nicht auf Sonderwegen in die theoretischen Weltanschauungserörterungen aus dem Auge verlieren. Das muß naturnotwendig zur Zersplitterung führen unb die eigene Stoßkraft mindern; denn jede Sekunde und jeder Pfennig, die zu Organisationsstreitigkeiten vergeudet werden, sind für den Zweck ber Gewerkschaft, ben Kampf ums Dasein, verloren und nutzlos.
Doch wirb biefe meine Anschauung, für deren Anerkennung und Durchführung ich lange Jahre in der Organisationsbewegung gekämpft habe, in demselben Augenblick graue Theorie unb ein ewig frommer Wunsch bleiben, indem wir es erleben müssen, daß Kräfte fieberhaft am Werke sind, bie mit allen Mitteln und auch nicht ohne sichtlichen Erfolg, den Bestaub, ber bislang im parteipolitisch und religiös-neutralen Deutschen Beamtend unb zusammengefaßten Beamtenschaft einseitig zugunsten ber freigewerkfchaftlichen (sozialistischen) Organisationsrichtung zerschlagen möchten.
Diese Gewaltpolitik und Zerklüftungstaktik verfolgt ber Allgemeine Deutsche Beamtenbund, dessen Gründung am 18. Juni d. I. in Leipzig vollzogen wurde, unb dem neben ber Reichsgewerkschaft deutscher Cisenbahnbeamten unb Anwärter als vorläufig stärkste Säule in überwiegendem Maße bislang schon freigewerk- schaftliche ausgerichtete Beamtenverbände angehören — unb dessen gesamter Vorstand (natürlich zufällig!) aus S 0 zialisten besteht. Ungeachtet dieser zum mindesten sehr einseitigen Färbung des neuesten Organisationsgebil- bes sprechen Programme und Satzungen des Bundes die strikte Wahrung ber religiösen unb parteipolitischen Neutralität aus. Wers glaubt! Nur ber Vorsitzende (Scheffel) des freigewerkschaftlichen deutschen Cisenbahnerver- banbes, dessen Beamtensäule unter Kotzur sich ebenfalls dem neuen Beamtenbunde angeschloffen hat, war ehrlicher, als er bereits unter dem 10. Mai b. I. unter Zeu- gen erklärte, der Deutsche Eisenbahnerverband strebe bie sozialistische Republik an; in biefer sei selbstverständlich für bas Berufsbeamtentum kein Platz mehr....
Doch, nun zurück zum neuen Beamtenbunde, von dem wir eigentlid) noch nicht wissen, womit er selbst feine Daseinsberechtigung in ber Hauptsache begründet. Die ihm angeschlossenen Organisationen, soweit sie bislang dem DeutschenBeamtenbunde angehörten — und bie auch als Haupttriebfeber für bie Neugründung mit in tjrage kommen, haben geglaubt, aus dem Programmpunkt des Deuffchen Biamtenbundes bie Konsequenzen ziehen zu sollen, ber besagt: Ein Beamter, der streikt, hort auf, Beamter zu fein. — Man hoffte also bei der freigewerkfchaftlichen Richtung mehr Verständnis für den Gedanken einer entschiedenen Gewerkschaft-Politik — einschließlich ber Streitfragen — zu finden und zog deshalb gegenüber dem pflaumenweichen deutschen Beamtenbund den Trennungsstrich.
Wie aber hat sich die freigewerkschaftliche Großorganisation (ADGB.), mit dem der neue Beamtenbund demnächst auch ein besonderes Abkommen treffen will, noch vor wenigen Wochen auf feinem Leipziger Kongreß zum Beamt en streik gestellt? Der „Vorwärts" vom 10. Juni b. I., Nr. 270, brachte schon vorzeitig aus dem gedruckten Geschäftsbericht des ADGB. zur Streikfraae ber Barnten folgende interessante Notiz:
„Das K 0 a l i t i 0 n s recht 8er Beamten kann nicht beritten werden, doch dem Streik recht der Beamten fW bas geltende Beamten recht entgegen. Der Standpunkt des Vundesvorstanbes in ber Frage des Be
auszuschöpfen, während andere Holz zur Feuerung sammelten und nach den von den Kameraden inzwischen errichteten Zelten schleppten.
Auf den von ber Glut der afrikanischen Sonne aus- gemergerten Gesichtern sämtlicher Leute lag Abspannung, furchtbare Abspannung, die sich bei einigen in einer, jeden Bissen verschmähenden Hinfälligkeit äußerte. Die letzte, ihnen noch innewohnende Kraft hatten diqse Armen hergegeben, um dem zum Lager bestimmten Platz mit den Bataillonen zu erreichen, denn erbarmungslos hätte man sie in der sönnendurchglühten Einöde am Wege liegen lassen, wenn sie während des Marsches nieber« gesunken wären — eine Beute ber bie Tnrppe beständig umkreisenden Geier und ber umherschweifenden Raubtiere. Nun lagen sie unbeweglich am Boden, infolge ber übermenschlichen Anstrengung an allen Gliedern zitternd und warfen nur flehende Blicke nach den vorübergehenden Wasserträgern,, denen es auf das strengste verboten war, auch nur einen Tropfen des begehrten Nasses zu. spenden, da ber Genuß der ekelhaften, von einer Menge Bakterien erfüllten Flüssigkeit unbedingt verhängnisvoll werden mußte.
Das aus dem Sumpfloch geschöpfte Wasser mußte erst filtriert unb zu einem dünnen Tee gekocht werden, ehe man den Durstigen gestattete, davon zu kosten — eine weife Verfügung des Kommandos, bie aber weniger in ber Menschenfreundlichkeit für bie Legionäre, als in ber Befürchtung ihren Grund hatte, daß man bie für Frankreichs Ruhm und Vorteil ihre Haut zu Markte fragenben Soldknechte durch Krankheit einbüße.
Unter fast laullofem Schweigen wurden die für das Nachtquartier nötigen Arbeiten verrichtet. Da klang kein Singen, kein Scherzwort, wie in den Biwaks unserer deutschen Krieger, wo trotz Ermüdung ber Soldaten- bunwr seine üppigsten Blüten treibt — nicht nur bie jum Tod erschöpften, die sich einer nach dem anderen langsam nach ber Feuerstelle schleppten, auch die noch rüstigen Legionäre blickten stumm und verdrossen vor ich hin und kamen mit verdrossenen Mienen den ihnen zugewiesenen Arbeiten nach.
,, Etwas wie Stumpsheit lag in den Mienen dieser Unglücklichen, als Hütten sie mit allem, was bie Weil l
1 amtenstreikrechts geht dahin: Wollen diese Kreise das Recht I unbeschränkter Koalitionsfreiheit für sich in Anspruch nehmen, so müssen sie, unter ben Voraussetzungen ber gegenwärtigen Rechtslage, auf ihre Beamtenstellung ver. zichten und sich mit ber privatrechtlichen Stellung des Arbeiters ober Angestellten begnügen.
Gemessen an biefer Stellungnahme bes freigewert« schastlichen Allgemeinen Deutschen Gewerlfchaftsbunb zum Beamtenstreik wäre der neue Beamtenbund eigentlich vom Regen in die Traufe gekommen. Oder sollten bie Motive ber vorerwähnten Organisationen für bas Ausscheiden aus dem Deutschen Beamtenbunde nur Scheingründe gewesen sein? Ich denke, wer klar sehen will, ber merkt schon, wohin bie Reise gehen soll. Gewiß senlose Führer sollten boch wenigstens Farbe bekennen unb nicht frivol mit der Vertrauensseligkeit der Beamtenschaft im Laube spielen.
Die Scheibestunde der Geister nach Weltanschauungen, auch in der spezifischen Beamtenbewe- g u n g, sie ist unstreitig schneller gekommen, als mancher bislang überzeugte Anhänger der parteipolitischen und religiösen Neutralität in Beamtenkreisen jemals angenommen hatte. Nun ist sie da, nun gilt es den Entwicklungsgängen blickscharf nachzugehen und zu handeln.
Von den Anhängern der christlichen Weltanschauung, soweit für sie bie Frage der Neuorientierung sm Organisaitonsleben akut werden sollte, muß aber unbedingt erwartet werben, daß auch in dieser beachtlichen Entscheidungsstunde ber Gedanke des christlichen Lebensund Erziehungsideals ihr Denken und Handeln beherrschen wirb.
Austritt aus dem Beamtenbund.
Der 150 000 Mitglieder umfassende Reichs- verband Deutscher Post- und Telegraphen beamten hat in einem außerordentlichen Verbandstage in Berlin beschlossen, aus der Reichs- xostgewerkschaft und dem Deutschen Beamtenbund ttu s z u t r e t e n. Der Austritt wird damit begründet, daß der Verband in dem Deutschen Beamtenbund und der Reichspostgewerkschaft nicht mehr den. geeigneten gewerkschaftlichen Zusammenschluß, für breite Schichten der Beamtenschaft erkennen könne. Heber den Anschluß an eine andere Spißenorgani- sation hat der Verbandstag noch keinen Beschluß gefaßt, doch sei der größte Teil der Mitglieder dafür, den Anschluß an den vor einiger Zeit in Leipzig gegründeten Allgemeinen Deutschen Beamtend und (soziald.) zu befürworten.
Kus dem besetzten Gebiet,
— Aufgehobene Flugplätze. Im November 1921 ha: bie Besatzungsbehörde innerhalb ber geplanten Hafenanlagen von Speyer ein Gelände zur Anlage eines Landungsslugplatzes für Flugzeuge beschlagnahmt. Da diese Anlage die Ausführung des Hafenprojekts der Stadt Speyer in Frage gestellt hätte, wurden vom Reichs- kommisfar Verhändlungen mit ben Besatzungsbehörden eingeleitet, bie nunmehr zu der Aufhebung der Beschlagnahme geführt haben. Aufgehoben wurde ferner die Beschlagnahme bes nicht mehr benötigten Flugplatzes Dorsfeld im Kreise Bergheim des Regierungsbezirks Köln.
Deiches Reich.
* Zur achten Wiederkehr des Tages des Äriegs- ausbruchs veranstaltete der Aktionsausschuß „N i e w i e d e r K r i e g" am Sonntag gemeinsam mit 30 anderen Verbänden in über 250 deutschen Städten, so auch in Berlin, eine Friedensdemonstra- t i o n. Aus Oesterreich, England, Frankreich, Holland und Amerika sowie zahlreichen großen deutschen Städteft waren Sympathietelegramme eingetrosfen. Die Vttanstaltung nahm einen ruhigen Verlauf.
* Ein beutsch-lnxemburgischer Zwischenfall. Die ,Montagspost' erfährt aus Brüssel, datz die dortigen Blätter über einen schweren Zwischenfall an der luxemburgisch-deutschen Grenze berichten. Zwei Schmuggler, die von deutschen Beamten verfolgt wurden, überschritten die Mosel und verschwanden nach Luxemburg. Die deutschen Zollbeamten schossen von der deutschen Seite auf bte Flüchtlinge und
Schones unb Freudvolles bietet, abgeschlossen — als fühl- ten sie sich als unrettbar Verlorene und Verdammte. Mußten sie doch auch Tag für Tag davon Zeuge fein, wie ein Kamerad nach dem anderen in dieser Holle, als welche ihnen der Dienst in der Legion erscheinen mußte, unter den furchtbaren Sttapazen und der barbarischen Behandlung seitens der Vorgesetzten kraftlos zu Boden sank, um entweder im heißen Wüstensand eingescharrt ober als ein für fein ganzes Leben Bresthafter der Frecheit wiedergegeben zu werden — einer Freiheit, bie für den Armen, nachdem ihm das gesunde Lebens- mark herausgepreßt werben war bas furchtbarste Elend bebrütete.
Mit ber einbrechenden Dämmerung, welche in diese» Breiten nach wenigen Minuten in Nacht übergeht, es tönte ein Hornsignai, bas zur Ruhe mahnte. Zu je sechl zogen sich bie Legionäre in bie kleinen, gegen bie emp findliche Kälte ber Nacht schützenden Zelle zurück. Toten stille warb es im Lager; nur bas bnrch bie Schritte bei patrouillierenden Wachtposten in dem Halfagrase Den ursachte Rascheln war hörbar. Aus der Ferne klan; Schakalgeheul und bisweilen bas unheimliche Gelächtei einer Hyäne. In leuchtender Pracht hob sich zwifcher Myriaden von Sternen das Kreuz bes Südens von dunklen Nachthimmel ab.
Das Gewehr im Arm, langsam um bas Lager schrei, lend, sah Felix Tauber zu bem Sternenhimmel empor. Sein durch dreijährige Strapazen abgehärteter Körper hatte den furchtbaren Marsch von heute spielend über« standen und freiwillig hatte er bie Wache für ben zum Tode erschöpften jungen Pfälzer übernommen, der damals in Nancy, als man ihn — Felix — zum Dienste in der Fremdenlegion gepreßt hatte, fein Schlafgenosje gewesen war. War boch dieser Pfälzer, Heinrich Marien mit Namen, der einzige unter der zum größten Teil aus den anrüchigsten Elementen bestehenden Soldateska, dem er sich innerlich genähert hatte und der ihm, dem weit Gebildeteren, mit Leib und Seele ergeben war. Heinrich Marten war auch derjenige gewesen, ber sich feiner ba»