FuldaerZeilung
Amklicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda.
Nr. 172.
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Samstag, 29. 3ull 1922.
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49. Zahrg,
Die Wege zum Frieden.
€in Programm zur Wiederherstellung Europas. Der Reichspräsident für die Einigung mit Bayern.
Deren, dir in innen- und außenpolitisch vom Ra- vikalismus beherrschten Zeiten zum Ausgleich, M AerstLndiM-nig, zum Mußhallen raten, scheinen es wohl manchmal zum Verzweifeln wenige zu fein. Die Radikalinskis und Kratehler, diejenigen, die es für Mie Heldentat halten, einmal mit der Faust auf den Tisch zu Magen, haben immer Aussicht, den großen Haufen nach sich zu ziehen. Das ist eine Erscheinung, hie in der Arbeit für Sachlichkeit und Verständigung, in der Arbcri für die Politik der Mitte, mutlos und verzagt machen könnte. Aber es gibt auch wieder krö- fkende Tatsachen. Ganz ist der gefunbc Menschen- oerftani» durch dos Kriegsfieber doch noch nicht aufgezehrt worden. Er regt sich immer noch und wird wohl auch wieder kräftiger werden und sich durchsetzen konnew Eine tröstliche Nachricht fegt heute zur außen- pouttschcn Situation sowohl als zur innerpolitlschen Woge des bayerischen Konflikts vor. Beide stehen hn Zechen des BerstanÄiguugsWillens und des Ausgleichs. Freilich ist damit nicht gesagt, daß diesen Mahnungen mrn auch von dm Kampfhähnen gleich unbedingt Folge Ke>eistst werden würde. O nein! Aber es ist wenigstens erfreulich, wenn laut und imzwsideutig Partei Tür die Vernunft ergriffen wird.
Voraussetzungen für wahren Weden.
Unter dem 28. Juli meldet uns ein Wolff-Teie- Cramm aus London folgendes:
vtd London, 28. Juli. (Tel.) 3n der gestrigen Bormittagssitzung des internationalen Friedenskongresses wurde eine Anzahl eingebrachter Entschließungen angenommen, in denen erklärt wird, die wirtschaftliche Wiederherstellung Europas erfordere folgende Maßnahmen: 1. Die Herabsetzung der Reparationszahlungen auf eine Summe, die den im Kriege angerichteten materiellen Schaden gut macht und deren Zahlung vernünftigerweise vom deutschen Söffe erwartet werden kann. 2. Zurückziehung bet Desehungsarmee vom Rhein und Einstellung der hohen Ausgaben, die deren Auftechterhaltung notwendig machen. 3. Rückgabe des Saargebie- Ess an das Reich und Wiederherstellung der französische» Bergwerke. 4. Alle Bedingungen, die den internationalen Handel und wandel fördern, find herzu- stellen. 5. Annullierung der gegenseitigen Schulden. 6. Einstellung der Rüstungen durch ein internationales Abkommen. 7. Ausgestaltung des Völkerbundes. 8. Beschaffung internationaler Anleihen, damit das Werk der Wiederherstellung (Europas in möglichst kurzer Frist beendet werde. 9. Durchsicht ber FriedensvertrSge durch den Völkerbund. 10. 3ebe Ration muß das Recht, daß das rufiifche Volk sich selbst in seiner eigenen Weise regiere, anerkennen: das rusiische Volk muß die Vorkriegsschulden anerkennen. 11. Gewährung eines ausreichenden Beistandes an das rnffische Volk, damit dieses in den Stand gesetzt werde, die ihm durch den Krieg und vor allem nach dem Krieg zugefügten Schäden wiedethetzustellen.
Wenn heute auf einer Tagung tn England solche Forderungen erhoben werden können, so darf das jcbenfalls in Deutschland mit Genugtuung gebucht werden. Dabei ist besonders bemerkenswert, daß dieser Friedenskongreß vom König von England und vom englischen Ministerpräsidenten Begrüßungsschreiben erhalten hat.
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Sn der unerquickliche» Angelegenheit, die Bayern durch seinen Widerstand gegen die Reichsgesetze zum
Der Sturz von der höhe
Roman von Fritz Ritzel.
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.Daran erkenne ich meine Pappenheimer!" rief Otto Witen mit erhobener Stimme dazwischen. „Dgnn ist sie noch die alte Martha, die sie gewesen ist, als ich und der arme Kerl, der Felix, allabendlich mit ihr zusammen- faßcn und Shakespeareschen ober andere klassischen Dra- "«n mit verteilten Rollen lasen. Mit Wehmut nur geöent ich jener Tage, weil sie im Strom der Zell Der« fünfen sind! Ja, Kinder, bas war eine köstliche Zettl ^en!L der Teufel diesen Lafleure Holle!"
«Welchen Lafleure?" fragten alle.
"?en abgefeimtesten Hallunken, den je die Sonne oe,ebenen — den ich mit diesen meinen Händen dem »eäjebub zuschubsen würde, wenn ich ihn zu packen triegte! xer Sprecher machte mit seinen gewaltigen Händen eine entsprechende Gebärde.
. 5°r’ mal. Platen," rief Herr Rudolf Well-
horst, .halb ubergeschnoxpt scheinst Du ja glücklich zu [e‘" mi 9a"3 bift- i>ann s°ge es uns gütigst,
daß mir rechtzeitig Dot Mr eiligst die Flucht ergreifen können. Von wem sprichst Du denn eigentlich — wer ist denn dieser berühmte Lafleure?"
„Dm Menschheit ganzer Jammer faßt mich an, wenn ich vor meinem inneren Gesichte bas, was gewesen, neu heraufbeschwöre!' erwiderte Platen pothettsch, um bann ernst fortzusohren:
"2hr habt keine Ahnung davon, was es heißt, einen Menschen zu verlieren, ber einem an bas Herz gewach. fen war, als wäre er em Stück von bem eigenen Selbst! Doch lassen wir es! Tempi passati! Die Glock hat sechs geflogen, ba ist es so ziemlich Zeit, daß wir uns auf Sie Strümpfe machen!
Niemand fühlte sich veranlaßt, eine weitere Frage an Otto Platen zu richten. Alle waren durch dessen letzte Aeußerungen, die auf tiefes Herzeleid schließen ließen, in eine Stimmung versetzt, die ihnen verwehrte, irgend etwas zu erwidern. Umsoweniger als Otto Platen als ewig heiterer, in launigen Zitaten schwelgender Gesellschafter bekannt war, der über alles Destehende und
Schutze ber Republik heraufbeschworen hat, kormte Reichspräsident Ebert wieder zeigen, daß er in bester Weise und rrnt patriotischer Wärme dem deutschen Da- terlanie dient Er hat sich nämlich auf Grund ber Besprechungen der Reichsregierung mit bem Reichspräsidenten entschlossen, an den bayerischen Ministerpräsidenten Lerchenfeld einen Brief zu richten, in welchem auf den Ernst der emgetretenen Lage h-nM'wtesen wird. In einer KabEttsfitzung wurde der Wortlaut des Briefes mitgeteilt.
Verständigung mit Sayern?
Durch den Brief des Reichspräsidenten an den bayerischen Ministerpräsidenten Grafen LerchenftD, ist der Konflikt zwischen dem Reich und Bayern in ein neues Stadium getreten, tote die „Germania" fugt, geht aus der Senrntttegscttian des Reichspräsidenten deutlich hervor, daß man in Berlin bestrebt ist, auf einer Basis der Verständigung die Krise beiziLegen. Es bestehe die Hoffnung, daß der begrüßenswerte Schritt des Reichspräsident^ zu einem Erfolg führt und der innere Friede, der uns ft not tut, gewahrt bleibt. Die .Voff. Ztg." will aus dem Inhalt des Schreibens des Reichspräsidenten mitteilen können, daß in dem Briefe der große Emst der Situation dar- gelegt werde, der durch die bayerische Setortmuma ge- TOaffen worden fei. Das Schreiben enthalte, wie die Matter zu berichten wissen, ferne direkte Aufforderung E die bayerische Regierung, die Verordnung zurück- Mzichen, aber Wendungen, die cs dem Münchener Ka- omett nahelegen, seinen Entschluß aus eigener Initiative SU fassen und zu verwirklichen.
Erleichlenmg in Södbayem.
Wie bis Blätter über die Stimmung in München meföen, sei man dort ziemlich hoMmngsvoll über bis Wahrscheinlichkeit einer Verständigung mit Berlin. Man Hube laut .Boss. Ztg." geradezu Erieichevung darüber empfunden, daß der Dries des Reichspräsidenten die Wiedermchnahme der Diskussion zwischen München und Berlin ermögliche. Rach einer Mitteikma des „Vorwärts ist die DewftentlnhmV des Schreibens des Reichs prchidcnten nach Verständigung mit der bayerischen Regierung für Freitag abend geplant.
llnbegründele Generalfireiksgerüchle.
Der Allgemeine (stziald.) deutsche Gewerkschssts- bmrd und der Afabund treten den Gerüchten entgegen daß im Zusammenhang mft dm letzten Vorgängen in Bayern die Proklamation eines Gsnerälftreiks, die Verhängung von Rohstoff- urti> Verkchrssperren ufro gepl«ni gewesen stien. Die Gewerkschaften würden zwar an zentraler Stelle, wie insbesondere auch in ihren bayerischen Gliederungen, wachsam dir weitere Entwicklimg der Dinge oerfotgen; in inesmi Augenblick aber habe die Reichsregierung als die einzig berufene Exekutive für ine Erfüllung beschlossener Reichsgesetze was Wort.
Der Reichstag.
. Don maßgebender Seite wird rmtgeteilt, daß die Frage eurer Einberufung des Reichstages erst zur Erörterung gestellt werden farm, wenn die Venmttlunqs- aknon des Reichspräsidenten durchgeführt sein wird, r^nn wich der Aellestenrat des Reichstages, der Mitte nächster Woche zusammentreten wird, über die Ein- verusung beraten.
Borkommende die Sauge harmlosen Spottes zu gießen pflegte, und dabei ein so urgemütliches Haus war, wie man es sich nur denken konnte.
Die Geschichte mit feinem Freunde Felix Tauber, die vor feer Jahren Stadtgespräch gewesen, mußte ihm doch gewalttg zu Herzen gegangen fein. ...
Man erinnerte sich, daß Platen damals selbst nach Nancy gefahren war, um den Derbleib seines verschwun- denen Freundes auszukundschaften. Auch er war, wie der von ^rrnUlrid) Hellborn baustragte Geheim- Detekttv, unverrichteter Dinge zurückgekehrt, aber trotz, dem konnte er nicht von dem Glauben abgebracht werden, daß Felix Tauber noch lebe und mir durch irgend ein Verhängnis verhindert fei, Nachricht von sich zu geben. Denn bei feinen damaligen Nachforschungen in Nancy hatte er von einem alten Mütterchen, das an der Eingangspforte des Bahnhofes Obst und kleines Gebäck verkaufte, in Erfahrung gebracht, daß an dem betreffenden Nachmittag ein bildhübscher Herr dessen Beschreibung genau auf Felix paßte, mit dem 'Schnell- zug aus Deutschland angekommen und von einem vornehmen Herrn per Auto abgeholt worden fei. Alle Bemühungen Otto Platens, dieses Auto und dessen Besitzer ausfindig zu machen, waren vergeblich gewesen.
Nach der Versicherung der alten Verkäuferin, die behauptete, alle Leute in der Stadt zu kennen, war der bettessende Herr ein Fremder gewesen, den sie aber sofort an seinem eigentümlich schleppenden Gang wie- dererkennen würde, wenn er ihr wieder zu Gesicht käme. Otto Platen hatte die alte Frau durch ein reiches Geschenk dazu bewogen, den Namen des Herrn zu erkunden und ihm sofort nach Deutschland Nachricht zu geben, wenn ihr dies gelungen sei. Frau Ponsart, wie die Alte hieß, hatte sich auch redlich bemüht und durch ihren Sohn mehrmals schreiben lassen, da sie selbst des Schreibens unkundig war, doch war aus ihren Mitteilungen nichts wesentliches zu entnehmen. Einmal aber fdjrieb sie, daß ihr zufällig zu Ohren gekommen fei, tm „Grand Hotel" märe zu jener Zeit ein Herr Lafleure aus Paris a&geftiegen, in dessen Begleitung sich eines Tages ein bildhübscher junger Mensch, bem Ansehen nach ein Deutscher, befunden habe. Am anderen Tage wäre dieser Herr Lafleure in Begleitung feiner beiden
I Das Gesetz zum Schutze der Republik.
. Von Reichsminifter a. D. Dr. B e l l, M. d. R.
Blitzartig beleuchtete der verruchte Mord an dem Reichsmmrster Rathenau unser« imierpalftssche Situation. Cliquen und geheime Organisationen trieben seit Jahren ihr Unwesen in Deutschl«d. Ihr Ziel war die gewaltsame Beseitigung der deutschen Reichs- Verfassung und der verhaßten deutschen Republik. Nicht offen und ehrlich erschien man auf dem Plane. Mit sachlichen Argunrenten verstand man nicht umzugehen. Statt dessen arbeitete man im Dunkeln, in politischen Schlupfwinkeln. Gift und Mord bfeben die Mittel MU Zweck. Ein Mord folgte dem anderen. Eine Mordatmosphäre lagert über unserem darmederltegen- fcen Vaterlande, das bet dem unerträglichen außenpolitischen Druck schwer um sein Dasein ringt. Dieser Pesthauch, verbreitet von einer gewissenlosen Dtörder- zentrale, deren geheime Oberen im Verborgenen ihre skandalöse Minierrrrbeit verrichten und die mißleiteten und verführten Mitglieder der in Deutschland verbreiteten Organisationen bei dem schwersten Fchm- strafen Mm biinden Gehorsam verpflichten, droht dem deutschen Volk den Atem zu rauben. Selbst den ruhigsten und geduldigsten Leuten wurde dieses vaterlandsfeindliche und verbrecherische Treiben doch zu arg . .. Orkanaritg ging ein Sturm durch die deutschen Lande. ViektEstndfach drang der Rus an Rmchsregte- nmg und Reichstag: Bis hierher und nicht weiter!
Diese furchtbaren Anstände zwangen zu unverzüg- liehen durchgreifenden Entschließungen. Halbe Maßnahmen halfen nichts. Cm Schwert mußte der Regierung in die Hcmd gegeben werden, scharf geschliffen, um mit allem Schneid gchandhM zu werben gegen die Reichsverderber.
Aus diesem Boden erwuchs das „Gesetz zum Schutze der Republik". Verordnungen des Reichspräsidenten, gegründet auf die Reichsoersassung, gingen der Gesetzesvorlage vorauf. Aber zum wirksamen" Schutz der bedrohten deutschen Republik reichten sie nicht aus. Dazu bedurfte es gesetzlicher Regelung.
Die wesentlichen Bestimmungen des „Gesetzes zum Schutze der Republik", das in tiefgründigen Beratungen zweier Lesungen des RechtsMsschusses und der Voll- versammlung fces Reichstages eine Reihe wichtiger Aendermiigen und Umgestaltungen erfahren hat, sollen hier in gÄwidiFter Kürze vorgetragen werden. ' Der erste Abschnitt „Strafbestimmungen zuyl Schutze der Republik" enthält das Kernstück der Vorlage. Soin Ziel ist die wirksame Bekämpfung der reichsschädlichen Geheinwrgcmisationen, Lenen man durch he Brzeichmmz „Mörderzentralen" nicht Unrecht tut. Die schwersten Strafen waren hier am Platze. Dagegen wehrte sich auch feine Partei. Mit Zuchthaus nicht unter fünf Üchren oder mit lebenslangem Zuchthaus wird nach § 1 bestraft, wer an einer Vereinigung oder Verabredung teilnimmt, zu deren Bestrebungen es gehört, Mitglieder einer republikanischen Regierung des Reichs oder eines Landes durch dm Tod zu beteiligen. Mit Tod ober lebenslangem Zuchthaus wird jeder bestraft, der zur Zeit der Tat an der Vereinigung teilnahm unb ihre Bestrebungen kannte, wenn in Folge dieser Bestrebungen eine Tötung begangen oder versucht worden ist. Die §§ la bis le stellen die Teilnehmer und Bemmftiger solcher Geheimverbindungen, Bereinigungen und Verabredungen unter schwere Strafen. Der 8 Ick setzt Zucht- hausstrast, bei mildernden Umständen Gefängnis von mindestens drei Monaten gegen btmjetwgen fest, der non dem Dasein einer solchen Vereinigung, Verabredung oder Verbindung ober von einem Tötungsplan Kennt - nis hat, wenn er es unterläßt, von dem Bestehen solcher Organisation, den Tätern und dem Tötungs- plan, der Behörde oder der bedrohten Person unverzüglich Kenntnis zu geben. Straffrei bleibt der Geist- liche in Ansehung des ihm in der Sertsorge Anver
trauten. Ebenso bleiben straffrei in aus- und absteigender Linie, Geschwister und Ehegatten, wenn sie sich nach Kräften bemüht haben, den" Täter von der Tat abzuhalten, es sei denn, daß die Unterlassung der Anzeige eine Tötung oder einen TötunWvrrsuch zur Folge gehabt hat.
Der zweite Abschnitt regelt die Organisation und &XS- Zusräudigteitsgebiet des „St a at s ge r i cht s - Hofs zum Schutze der Republik". Es war das umstrittenste Kapitel der Vortage, gegen das namentlich von der bayerischen Staate'regienrng und den bayerischen Abgeordneten schwere BÄenken erhoben wurden. Nach langwierigen Beratungen hat sich die Mehrheit dahin verständigt, den Staatsgerichtshof aus neun vom Reichspräsidenten zu enronnenäen Mitgliedern zustmmenzusetzen, wovon drei Reichsgerichtsräte und sechs Laien sind. Der Staatssonchtshof ist .zuständig für die in den §§ 1—2a bezeichneten Handlungen sowie für Hochverrat und für Tötung an Re- gierun^smitgliedern. Soweit dieselben ausschließlich gegen die Republik eines Landes oder gegen Regie- ruregsmttglieber eines Landes oder gegen Landesfarben gerichtet sind, ist der SlaatsFerichtshos «ur zuständig, wenn die Landesregierung oder der Verätzte bei dem OberveichLanwÄt vor Eröffnung des Heuptverfahrens Einteitung oder Uedernahme des Verfahrens beantragt.
Der dritte Abschnitt befaßt sich mit den „Verbotenen Bereinigung e n". Versammlungen, Auszüge, Kundgebungen können nach § 7 verboten werden. Mim besrrmmte Tatsachen vorliegen, die die Besorgnis rechtfertigen, daß in ihnen Erörterungen stattftnden, die den Tatbestand einer der in 1—2a
bezeichneten strafbaren Handlungen bilden. Vereine und Bereinigungen, in denen Erörterungen solcher Ar: statt« finden oder die Bestrebungen dieser Art verfolgen oder die Erhebung einer bestimmten Person auf den Thron betreiben, können verboten und aufgelöst werden. 2m Verbotsfall erhall der Veranstalter auf Antrag sofort kostenfreien Bescheid mit Gründen. Zu Gunsten lter Wahlversammlungen sind durch den vom Reichsaus- schufse eingefügten § 7a bedeutsame Ausnahmen seft- gelrgt worden. Aber auch die sonst erlaubten Wahlversammlungen, worin Verstöße gegen §§ 1—2a Vorkommen und geduldet werden, können durch Beauftragte der Polizeibehörde aufgelöst werden. Der vom Rechteaiusschusfe in zweiter Lesung neu eingefügte § 9a mit Strafvorschrift gegen den, der nichtverbotene Ver- jammiunZen, Auszüge oder Kundgebungen mit Gewalt oder durch Bedrohung mit Gewalt sprengt ober ihre Abstlrittlng verhindert^ ist-in der dritten Lestmz des Plenums wieder gestrichen worden. Von drei Partciciz ist aber gleichzettig em entsprechender sLbstäMger. Jnittatio-Antrag gegen den Bersammtungs-Tsrror ein. gebracht worden, der nach ten Reichstagsferien den Rechtsausschuß beschäftigen wird.
3m Abschnitt IV wird, als Folge der vorherigen Absatz«, dis Beschlagnahme und das Verbot von Druckschriften geregelt.
Der Abschnitt V beschäftigt sich mit den Mit- gliedern vormals landesherrlicher Familien". Die Mehrheit des Ausschusses und auch der Vollversammlung hat den den Hauptstein des Anstoßes bildenden § 13, ber die von der Mehrheit als unerträglich und unannehmbar beze-ichnete AuLnahme- vorschrift über Ausweisungsrechte enthiell, gestrichen. Nach § 14 kann Mitgliedern früherer landesyernicher Familien, wenn sie ihren Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt im Ausland haben, ixm der Rrichsregie- nmg das Betreten les Reichsgebietes untersagt oder der Aufenthast auf bestimmte Teile oder Orte des Reiches beschrüntt werden, wenn die Besorgnis gerechtfertigt ist, daß andernfalls das Wohl der Republik gefährdet wird. Im Falle der ZuwiLerhanLlungen können fie durch Beschluß der Reichsregierung aus dem Reichsgebiet ausgewiesen werden. Der Rechtsausfchuß, ber unter wesentlicher Umgestaltung des Entwurss die vorstehende Fassung unter Billigung des Plenums wühlte.
Damen abgereist: der junge Deutsche aber müsse schon in der Nacht den Gasthof verlassen haben, denn man habe nichts mehr von ihm gesehen.
Das war vor zwei Jahren gewesen und Otto Platen hatte nichts eiligeres zu tun gehabt. Äs nochmals nach Nancy zu ressen und in dem „Grand Hotel" sich persönlich zu erkundigen. Mit vollständig negativem Er- Erfolge. Das Hotel hatte sowohl den Besitzer wie auch dar ganze Personal gewechselt und der frühere Diener, von welchem Freu Ponsart jene Mitteilung erhalten hatte und den der Ingenieur auffuchte, wußte dem, was er der alten Verkäuferin erzählt hatte, nichts mehr hinzuzusügen. So dürftig auch diese Auskunft war, so glaubte Otto Platen doch die Folgerung daraus ziehen zu können, daß der Freund noch am Leben sei.
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Die Stammtischgesellschaft hatte die „Altdeussche Bierhalle" verlassen, um sich zu Fuß nach bem Opernhause zu begeben. Schweigend schrttt Otto Platen dahin. Als er vorhin die Zeitung gelesen hatte, war ihm eine Notiz ausgefallen, die ihm zu denken gab. Es war ein Artikel gewesen, aus einer an der französischen Grenze gelegenen Stadt datiert, in welchem mitgeteilt wurde, daß schon wieder mehrere junge Deutsche den französischen Werbern für. die Fremdenlegion in die Hände gefallen und angeworben worden seien. Nach dem stets von den Werbern geübten Verfahren hätten diese die jungen Leute bettunken gemacht, ihnen das Blaue vom Himmel herunter versprochen und sie so zur Unterzeichnung des aus 5 Jahre lautenden Vertrags veranlaßt.
Sollte es Felix Tauber nicht ebenso ergangen sein?
Otto Platen wunderte sich über sich selbst, daß er diese Möglichkeit noch nicht früher erörtert hatte und beschloß nach dieser Richtung hin Nachforschungen anzustellen. In welcher Weise, darüber war er sich selbst noch nicht klar. Vielleicht konnte ihm Rudolf Wellhorst, der lange in Frankreich gewesen war, einen Rat geben.
3m Orchester wurden bereits die Instrumente gestimmt, als die Herren ihre Plätze in den vorderen Reihen des Sperrsitzes einnahmen. Ein eigentümlich packendes Vorspiel leitete die Oper ein, deren Stofs dem Roman -'’itb»'' von Georg Ebers entnommen war.
Trotz der ihn bewegenden Gedanken hatte Otto Platen der Aufführung des Werkes seine volle Aufmerksamkeit geschenkt. Wie es sich denken läßt, war es vor allem die Gestatt der Uarda, welche fein Interesse fesselte. Er konnte sich nicht satt sehen an ihrer lieblichen Erscheinung, über welcher, dem Geiste der Nolle gemäß, ein Hauch von Schwermut lag. Mit diesem war sie ganz die alte Martha, wie er sie bei seinem Freunde Felix Tauber kennen gelernt hatte, nur zeigte ihr ganze- Wesen etwas Sicheres, Selbstbewußtes, wie auch chre Gesichtszüge mit bem durchgeistigten Ausdruck reizvoller wie ehedem erschienen, als wären sie von der hehren Kunst geadell worden.
Otto Platen wußte, daß es der Lieblingswunsch der Frau Tauber gewesen war, Felix und Martha als Mann und Frau zu sehen und es war ihm oft vorgekommen, als wenn das stille Mädchen für den schönen Freund eine heimliche Neigung im Herzen trage.
Gedachte das herrliche Weib dort oben noch heute des atmen Verschollenen?
Etwas wie Neid regte sich im Innern des in diese Gedanken Vertieften, als er mit den Blicken die Gestatt der Sängerin umfing, die eben bis dicht an die Rampe getreten war. Da schien es ihm, als ob Martha nach ihm hinsehe und als ob es plötzlich wie ein freudiges Ueberrafchen über ihre Züge ging. Hatte sie ihn erkannt und freute sie sich darüber, ihn wiederzusehen? Ein Hochgefühl schwellte ihm die Brust und sein für alle Ewigkeit gefaßter Entschluß, allem, was weiblich war, fern zu bleiben, kam bedenklich ins Wanken. Und so ereignete es sich zum Erstaunen seiner Freunde, daß Otto Platen, dieser eingefleischte Hagestolz und Weiber- hasser, nach Schluß der Vorstellung mit einem ganzen Schwarm Begeisterter an der Ausgangstür stand, dmch welche die auf der Bühne Mitwirkenden das Theater zu verlassen pflegten und daß er wie die um ihn Her- umstehenden begierig auf das Erscheinen Martha Möllers wartete. Und das allgemeine Erstaunen wuchs noch, als die in Begleitung einer alten Dame endlich heraus- ttetende Diva mit einem freudigen Ausruf auf den Ingenien zueilte, ihm herzlich die Hand schüttelte und laut zu ihm sagte:
(Fottfetzung folgte