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FuldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Aulda.

Nr. 167.

Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Dr. I. Kramer, ~ für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. - Rotationsdruck n. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, rrernforecher Nr. ». PoMcheck- Konto 4061 Frankfurt a. M.

Sonntag, 23. 3uli 1922.

Bezugspreis: Monatlich 24.00 litt zugeftelli frei ins Haus- = . AbgehoU in der Geschäftsstelle 23,50 IliL ck

Anzeigen: Klrlnzeile nach Colonel 2.00 Alk., ausw.Z.OS M. Reklamezeile (Te$tbreite) nach Colone'maß 10 Mark.

49. Zahrg-

chistifche

Wenn man das

so prickelnden Genuß bereiteten. ' Das verführerische Weib an seiner Seite, das bald elegisch schwärmte, bald kindlich plauderte und dann wieder alle Register schel­mischer Koketterie gegen ihn auszog, umstrickte sein ganzes Denken und Fühlen wie mit einem Zauber; kaum achtete er auf den Inhalt des zwischen chm und dem Comte dÄuberville geschlossenen Vertrages, den Herr Lafleure mittlerweile im Nebenzimmer entworfen hatte und ihm vorlas. Das Schriftstück enthielt die Erklärung des Herrn Felix Tauber aus $., daß er die an dem Kunstwerk des Herrn Comte d'Auberville nötigen Reparaturen nach bestem Wissen und Können vorneh­men und über das System des Mechanismus unver­brüchliches Stillschweigen beobachten wolle. Eine Kon­ventionalstrafe mar für den Fall der Außerachllassung der Verpflichtung festgesetzt. In seinem Sinnestcmmel unterschrieb der junge Mann rasch das Schriftstück, ohne sich die Mühe zu geben, einen Blick auf das Ee- schriebene zu werfen und setzte die Unterhaltung mit Fräulein Heloise unverzüglich fort, bis die Gesellschaft sich anschickte, auszubrechen. Es war lange nach Mit- ternacht. Wieder erschien der Diener, um den Gast auf sein Zimmer zu geleiten, in welchem angekommen die­ser sich sofort zur Ruhe begab. Erst jetzt merkte er, daß « dem vorzüglichen Wein zu stark zugesprochen hatte; wie ein Nebel legte es sich um sein Denken, durch welchen nur noch das ihm beim Abschied mit zärtlichem Augenaufschlag geflüsterte „Au reooir" der schönen Heloise klang — dann versank er in einen todesähnlichen Schlummer. — _ —

Dmch ein lautes: „Allons, es ist Zeit zum Auf- stehen!" dem ein heftiges Rütteln an seinen Schultern folgte, wurde er geweckt. Die Augen aufschlagend, sah cr Üch verwundert um. Träumte er? Wie kam er in Siefen ihm vollständig fremden Raum und was wollte der französische Soldat, der ihn soeben aus dem Schum­mer gerissen hatte? War die prunkvolle Einrichtung seines Schlafzimmers über Nacht verzaubert worden? Er befand sich in einem weiten Saal mit kahlen, ge- tunchten Wänden, an welchen eine lange Reihe eiserner

Die Hinanzkonttolle.

Die Denkschrift des Garantiekomitees.

Das Memorandum, in dem die von der Repara- rwnskommifsion nach Berlin entsandte Garantiekoimnis- sion ihre Eindrücke und Forderungen nieder gelegt hat, wird jetzt bcfaraü gegeben. Es ist ein umfangreiches Dokument. Es besagt u. a. folgendes über die durch das Komitee auszuübende Nachprüfung, über die Unterdrückung der Kapitalflucht und die von der deutschen Regierung aufzustellenden Sta­tistiken:

Zwecks N a ch p r ü f u n g bei Einnahmen und Aus» Wden werden zwei Vertreter des Garantiekomitees sich mit den Eiimahmen bezw. Ausgaben des Reiches be-

dicfen Vertretern die Schriftstücke über den Haushalts- Mn, die Gesetzentwürfe fiskalischer Art, die Nachtrags- £reinte, die Haushaltsüberichreitungen, die monatlichen Kaffemilffchlüsse ufw. zu unterbreiten. Die Delegierten des Garantiekomitees werden in ständiger Fühlung- nahme mit dem Reühsfrmmzmimsterrum sich unterrichten über die Steuerprojekte, die Veranschlagung der Steuer­ertrage und der Ausgaben und sind befugt, auch die- zenMn Maßnahmen kennen zu lernen, welche die Zen- traiverwaltwig zu treffen beabsichtigt, um das Funttio- meren der Steuergesetze sicherzustellen. Den von der

Ausius der deutM MmtsMei!

Für die große christliche Partei der Mitte

I Feldbetten stand, wie ein solches auch ihm zum Lage, diente. Gähnend erhob sich eine Anzahl männlicher ®e|talten von den schmutzigen Matratzen, während einige hin und her eilende Uniformierte scheltend auf die Leut- einsprachen. Eine abscheuliche Luft herrschte in dem Raum..

Mit einem Satze war Felix aus bem Felbette ge­langen und fragte den immer noch vor ihm stehenden Soldaten, wie er hierher gekommen sei, doch nur ein Achs^ucken und die schroffe Entgegnung wurde ihm zur Antwort, daß er sich mit dem Ankleiden beeilen möge, weil der Zug in einer Stunde abfahre.

»Welcher Zug?" rief Felix verwirrt. „Ich bin ein Deutscher und kann mich legitimieren! Die Behörde hat kaum das Recht, mich ohne weiteres auszuweisen'"

„Wer will Sie denn ausweisen?" höhnte der Soldat oer nach den Abzeichen an seinem Kragen ein Chargier-' ter war. Sie bleiben schön bei uns, mein Bester! Aber fputen Sie sich — in einer Viertelstunde steht die Mann- schäft auf dem Hof zum Appell! Jede- Zuspätkommen wird strengstens bestraft!"

_ einem vor sich hingemurmelten „maubit

vrufften entfernte sich der Mann.

Mll dem Ausdruck des Entsetzens im Blick sah ihm izekix nach. Was sollte das alles heißen? Hastig [eine am Müßende des Bettes liegenden Kleider cmlegend wendete er sich an einen vor dem nächsten Bett sich ankleidenden jungen Menschen mit der Frage, wo ' er sich befinde und wie er hierher gekommen sei?

Vor Schreck erstarrte ihm fast das Blut, als er die m echtem Pfälzer Dialekt und recht leichtfertigem Ton gegebene Antwort vernahm: „Ja — des müsse Sie doch bester wisse, wie ich! Sie sein doch angeworb-- wie wir all do in dem Stinkkaste!"

Eine fürchterliche Ahnung ftieg in Felix empor. „An. geworben?" wiederholte er mit versagender Stimme. "3ch angeworben?" Es war ihm, als ob etwas feine Kehle zuichnüre, so daß er kein weiteres Wort heraus- bringen konnte und nur mit großen Augen den jungen (yözoj bunstrjpoZ) 'sp.ivstuv asHvlH

Wir erhL'tcn folgenden Aufruf zur Veröffentlichung:

Die politischen Ereigmsse der letzten Wochen haben gezeigt» wie nahe das deutsche Volk am Abgrund steht. Jeder behauptet, das zusammengebrocheue und zerrüttete Dsutschlond wieder erneuern zu wollen. Pro­grammatische Ankündigungen werden zu Schlagworten, wenn nicht endlich Taten folgen. Der tiefere Grund all dieses Elends liegt bei den Parteien. Die Ver- ernfachuing und Vereinheitlichung unseres Parteiwesens ist eine Lebensfrage Deutschlands.

Diese Gedanken waren richtunggebend für die letzte Tagung des Reichsausschusses der Deutschen Zentrums­partei. Wir bruachen eine starke Partei, die durch Zielsetzung, Haltung und Zusammensetzung eint. Diese Partei muß die Ideen der neuen Zeit verkörpern, ohne das Gut der alten Zeit, die Staatskraft, staatstreues Beamtentum, religiös-sittliche Werte preis zu geben. Diese Partei muß die großen sozialen Ausagben der Gegenwart meistern, die Trennung nach Klassen über­winden, die Stände und Konfessionen zu aufbauender, politischer Arbeit zusammenführen. Sie mutz tau zur Verfassung stehen un& ihre Wurzel in allen Latrdes- tellen Deutschlands haben. Die hier beschriebene poli­tische Lime hat die Zentrumspartei tatsächlich einge­halten. Sie ist deshaib geeignet, sich zu dieser großen und starken Mitte auszuwachsen und insbesondere auch den Kem der in letzter Zeit viel besprochenen Ar­beitsgemeinschaft der verfassungs­treuen Mitte abzugeben.

Die obersten Instanzen der Deutschen Zentrums­partei sind aus diesen Erwägungen heraus einmütig entschlossen, den grundsätzlich stets vertretenen politi­schen Charakter der Partei bei den nächsten Wahlen auch nach außen hin klar und unzweideutig zum Ausdruck zu bringen. Bei den nächsten Wahlen soll eine größere Zahl nicht katholischer Kandidaten ausgestellt werden, ohne Rücksicht darauf, ob diese eine entsprechende Anzahl von Wählern ihres Bekenntnisses hinter sich Haden.

Die Zentrumspartei ist eine deutsche Verfassungs­partei, die weder vor den Grenzen einer Konfession, noch einer Klaffe, noch eines Standes, noch eines Lan­des HM macht. Ihre politische Arbeit gilt der Wic- deraufrichtung des deutschen Volkstums in einem starken deutschen Reiche, der Erhaltung der christlichen Kul­turgüter.

Parteiorganisation und Parteipreste sind ersucht worden, chrer Arbeit diese Richtlinien zugrunde zu legen und insbesondere alles Erforderliche für die Wah- nmg des politischen Charakters der Deutschen Zen- truMspartei zu tun. Aus diesen Erwägungen heraus wendet sich die Deutsche Zentrumspartei an alle, die guten Willens sind, auf diesem Boden mitzrmrbesien, gleichviel welcher Konfession sie angehören.

Die Deutsche Zentrumspartei bietet die Hand zu dieser staatspolitischen Tat. Deutsche und Christen tut Eure Pflicht!

Der Reichsparteioorstand.

gez. Marx, M. d. R., Seiiatspräsidem, elfter Vorsitzender der Deutschen Zentrumspartei.

Der 5turz von der höhe.

Je länger sich Felix mit der reizenden Französin tn das Gespräch vertiefte, desto fesselnder und anregen­der wurde es für ihn Es war einmal etwas ganz Dlencs, mit einer Dame zu verkehren, die so gar nichts

Art von dem besag, was nach deutscher Auffas- ung Attribut echter Weiblichkeit fein muß, wie Der- «chämtheit, jungfräuliche Würde und die doch durch ihren eigentümlichen Liebreiz und durch ihr ungebimdenes Wesen förmlich bestrickte. Schon wieder muhte Felix Bergleiche mit Martha Möller anstellen und innerlich lachen, wenn er die verführerische Heloise ansah, die mit übergeschlagenen Seinen dasaß, Zigaretten rauchte und ganz respektable Quantitäten Champagner trank.

wurde Martha allerdings in ihrem ganzen Leben "W Jerh£. Engen — Helene vielleicht schon eher, aber der stunde es ganz gewiß nicht so gut wie diesem berückenden iamon da vor ihm — diese naive Grazie war mich sur Helene imerreichbar. Die Kobolde, welche den MerhÄsigen Flaschen mit der Etikette „Deine CttPwt entsprubetten, trieben schon ein tolles Spiel '"dem Kchwndes guten Felix; sie flüsterten ihm un- ablassig die Dichterworte zu: ,/jtur wer den Augenblick genießet, der ist der rechte Mann!" und immer wärm-r wurde fein Ton, immer glühender und beredter seine Aussprache. Wenn mcht die lebhaft sich unterhaltende Gesellschaft um ihn gewesen wäre, so hätte er sich viel­leicht zu Aeußerungen gegen sein reizendes Gegenüber hmrcißen lasten, die er bei wiederkehrendem, klarem nüchternen Denken gewiß bitter bereut haben würde Allerdings schoß es ihm manchmal durch den hmner mehr von den Geistern des Weines erregten Sinn daß er mit seiner, der schönen Heloise gewidmeten Verehrung -in Unrecht gegen seine Braut begehe, aber er lullte jedes dahingehende Bedenken mit bem Tröste ein, daß Helene sich während seiner Abwesenheit ja auch' nach Herzenslust mit einem anderen amüsiert hatte. Zum Glück für unseres Helden Seelenruhe riß ihn eine lsb-

strebungtn der Unabhängigen in die Regierung zu kam men, ausgeführt hat. Herr Levi ist augenscheinlich Befürworter der sozialistischen Arbeitsgemeinschaft, die, wie er u. c. ausführte, „nach ihrem eigenen Gewicht weiter und letzten Endes auf einen Zusammenschluß der Fraktionen oder Parteien in kürzerer oder längere, Frist" tendiert. Aber Herr Levi behält sich das Recht der Kritik vor, auch der Kritik an den Freunden, d. h. in diesem Fall der Mehrhritssozialdemokratie, und e, wirft dann die Frage auf, warum die Bürgerlicher die Unabhängigen fürchteten, während sie sich doch mit der Mchrheitssoziwidemokratie vertrügen und a fügt hinzu: „Wenn überhaupt aus der Arbeitsgemein­schaft sich eine größere Einigkeit entwickeln kann, dann nur, wenn diese Frage erörtert und geklärt ist". Herr Levi lammt dann zu dem Schluß, daß die Unabhängi­gen gegenüber der Politik der sozialdemokratischen Partei auf den großen Gedanken der f oz i a! e n Re- v o l u tion, der einen Tert ihres Wesens bedeute, nicht verzichten. Diese Betonung des Wesens der Unab­hängigen sei notwendig, nicht nur aus idealen Grün­den, sondern aus Gründen der praktischen Tages- Politik.

Diese AusfiihrungM Levis beweisen auch deutlich, daß die unabhängig« sozialdemokratische Partei durch­aus nicht gewillt ist, ihr Leipziger Programm preis» zugeben und daß sie nach wie vor an dem Gedanken der Räterepublik grundsätzlich festhält. Solange das aber der Fall ist, kann doch, das wird sicherlich auch bei den Unabhängigen eingesehen, nicht gut die Rede davon jein, die Unabhängigen in die Regierung anfzunehrnen. Gerade von den soziaListi-schen Parteien wird doch als Hauptgrund gegen den Eintritt der

I Pafte .?er Gesellschaft entstehende Bewegung aus leme“ Traumen, gerade als die schöne Heloife ihm mit verführerischem Lächeln ein ganz unverhohlenes Kom- pttment über feine äußere Erscheinung machte. Auf- bkmend bemerkte er, daß ein älterer Herr eingelreten würd'der ”°n aUen aur" ehrfurchtsvollste begrüßt

„Ah — Monsieur le Comte, bei dem Sie Ihre Kunst- fertigkett beweisen sollen!" flüsterte die junge Dame ihremJR^ar zu Das trifft sich ja sehr schön, daß Sie ihn heute noch kennen lernen!“

^err<^^0^Ure kee^te sich- den Eingetretenen dem zungen Deutschen vorzustellen. Mit etwas altmodischer Grandezza begrüßte der Comte, ein Mann von einigen 50 Jahren, mit dem Typ des echten französischen Aristo­kraten, den Gast und ließ sich sofort mit ihm in ein eingehendes Gespräch über die vorzunehmende Repara­tur an feinem Kunstwerk ein. Wie seinerzeit Herr Laf­leure, erwähnte er, daß sich schon mehrere, von Paris rerschriebene Feinmechaniker vergeblich an dem Werk versucht hatten, dessen System er mit einer gewissen Fachkenntis schilderte imd daß ihm alles daran liege, die von seinen Vorvätern ererbte Reliquie wieder voll­ständig instand gesetzt zu sehen. Mit weltmännischem Zartgefühl ließ er habet durchblicken, daß bei befriedigen­der Leistung den jungen Wann ein hohes Extrahonorar erwarte. Doch müsse er die Bedingung stellen, daß, im Falle es Felix gelinge, das Rätsel des mechanischen Getriebes zu lösen, er sich schriftlich verpflichte, das System in keiner Weise anderweitig zu verwenden unb über dasselbe strengstes Stillschweigen zu beobachten. Denn er, her Comte, setze einen Stolz darein, ein Kunst­werk zu besitzen, wie es in dieser Art in ganz Frankreich und wahrscheinlich auch in anderen Ländern nicht mehr vorhanden fei. Bereitwillig sagte Felix zu unb mit be­friedigtem Kopfnicken wendete sich der Comte wieder der Gesellschaft zu, während der junge Deutsch« abermals von der reizenden Heloise in ein interessantes Gespräch verflochten wurde. In feinem ganzen Geben meinte Felix ! noch niemals Stunden erlebt zu haben, die ihm einen I

Beschlüsse der Sitzungen des 7teichsparki Vorstandes und Reichsparleiausschuffes -rr Deutschen Zenlnnns- Partei (23. bis 25. Juni 1922).

lieber die Beschlüsse der Sitzungen des Reichspartei­vorstandes und Reichsparteiausschnstes ist im Anschluß daran nur kurze, zuscimmenfaffende Mitteilung durch die Preste gegeben worden. Die Veröffentlichung dieser Beschlüsse unterblieb mit Rücksicht auf die gleichzeitig er­folgte Ermordung des Reichsaußenministers Ratheuau und die dadurch heroorgerufene Erregung im ganzen deutschen Volke. Ich gebe den Inhalt der damaligen Beschlüsse nachträglich ausführlich wieder; sie wurden bet allseitiger Beteiligung von Vertretern aller Landesteile einstimmig gefaßt:

1 .) Die Notwendigkeit des Bestehens des Reichsgeneralsekretariates wirb an­erkannt. Zur Durchführung feiner Aufgaben werden die Landes- unb Provinzialorganisationen angehalten, den auf dem 2. Reichsparteitag übernommenen Beitrags. Verpflichtungen ungesäumt nachzukommen, weil sonst die Existenz des Reichsgeneralsekretariats aufs äußerste ge­fährdet ift Wohlhabende Parteifreunde werden ge­beten, größere Betrage zur Verfügung zu stellen. — Den Vertrauensleuten der Partei wirb für ihre bis­herige mühevolle Tätigkeit der Dank der Partei aus­gesprochen; sie werden gebeten, auch fernerhin die Partei mit allen Kräften zu unterstützen.

2 .) Die Parteiteitimg hat für die Aufrechterhaltung unb Durchführung eines gart arbeitenden zentralen politischen Pressebien st es Sorge zu tragen.

3 .) Bei ber Reichsleitung her Partei wird ein R e i chs- wirtjchafts beirat gebildet, ber sich aus den be­rufenen Vertretern der verschiedenen Erwerbsststände zusammensetzt. Der Reichswirtschaftbeirat hat die Aufgabe, die Reichsleitung ber Partei bei besonderen wirtschaftlichen Fragen zu beraten. Bei kommenden Wahlen hat ber Reichswirtschaftsbeirat der Partei­leitung Vorschläge zu unterbreiten über die Kandidaten, die für die Vertretung der wirtschaftspolitischen Inter­essen nach den Grundsätzen der Partei im Reichstage notwendig sind. Die Parteileitung wird beauftragt, zeitig vor den nächsten Wahlen mit den verschiedenen Crwerbsständen zwecks Namhaftmachung von Kandidaten in Verbindung zu treten; nach den VorWägen von Kandidaturen hat (ich sodann die Reichsparteikeitung mit den Vorsitzenden der Landes- unb Provinzicckoganifa- tionen zwecks Verteilung dieser Kandidaturen auf die einzelnen Wahlkreise ins Benehmen zu setzen.

4 .) Auch die Auswahl ber Kandidaturen von Frauen unb politischen Persönlichkeiten soll die Reichspartei- leitung schon jetzt ins Auge fassen.

5 .) Der politische Charakter ber Zentrumspartei, den sie seit ihrer Gründung grundsätzlich gewahrt hat, soll für die Folge auch äußerlich mehr in die Erscheinung treten. Zu dem Zwecke soll bei den künftigen Wahlen eine größere Zahl nichtkatholischer Kandidaten aufge» stellt werden, ohne Rücksicht darauf, daß diese Kandidaten eine entsprechende Anzahl von Wählern ihres Bekennt­nisses hinter sich haben.

Ferner wird die Parteipresse aufgefordert, den p o 1 i- tischen Teil der Zeitungen ausschließlich politisch zu gestalten. Der Augustimisverein wird gebeten, in diesem Sinne auf die Parteipresse einzuwirken.

Die Vorsitzenden der Landes- unb Provinzialargcmi- fationen werden dringend gebeten, sich für die Durch­führung dieser Beschlüffe einzusetzen.

Im Steif trage des Reichsparteivorstandes unb Reichs- parteicmsfchuffes der Deutschen Zentrumspartei, . gej. Marx, M. d. R., Senatspräsident, I. Vorsitzender.

proben überwachen. Dieser Nachprüsunysbienst muß dm November d. I. in Kraft treten. Den Delegierten liegt es ferner ob, jederzeit den genauen Stand der sch webenden Schuld kennen yt lernen unb zu diesem Zweck von der Reichsregievimg genaue Aufftel- kungen einzufordern.

Degüglich der Maßnahmen zur Unterdrückung der Kapitalflucht heißt «s tn dem Memorandum, daß sich das GarantiekLmitee mit dem von der deutschen Regierung ausgestellten Programm enwerstarÄen er­klärt Hai. In dem Memorandum werden dann genau« Richtlinien für gesetzgeberisch« Maßnahmen zur Er- Sanzung _ des Kapttalfbuchtgesetzes gegeben, die sich u. a. auf banktechnische Fragen usw. beziehen.

Bezüglich der Statistiken werden vierteljähr­lich« Vorlegung der Anßerchandelsstatrstiken, eine Hebet» sicht über die Ausfuhr nach Gewicht und Wert, eine Verkehrs- und Schi ff a h rteftatistik, eine Produktions- ftatistik und schließlich eine Fiiianzstatiftik verlangt.

Dem Memorandum smd ferner zahlreiche A n - lagen beigegeben, in denen u. a. verlangt werden Monatliche Heberfichten über die Veranlagung der Ein­kommensteuer und der Körperschaftssteuer, der Hmsatz- steuer, der Lohnsteuer und vierteljährliche Auffteltun- gen der Zahl der Steuerpflichtigen. Ferner werden verlangt Hebersichten über die Höhe der schwebenden Schuld (täglich), zehntägige Hebersichten über die Fi­nanzen des Reiches, monatliche Hebersichten über di« «teuereingänge und di« Einnchmen der Post- und Telegraphenoerwaltung und der Reichsbahnen sowie eine erÄMtige Gcfamtübersicht über die Einnchmen und Ausgaben des Resches.

In einem Begleitbrief, der von Bemelmans Mauclere, dÄmelio und Cook unterzeichnet ist, wird die deutsche Regierung ersucht- sich mit den vom Ga- rarrtrefomitec vorgoschlagenen Maßnahmen einver­standen zu erklären und ihre Anwendung sicherzuftellen.

Sie sozialistische Arbeitsgemeinschaft und die Einbeziehung der Hn ab hängigen m die Regierungsmehrheit bildeten den Gegenstand eines Be­richts, den der frühere Kommunist und der jetzig« un­abhängige Sozialdemokrat Paul L e v i der Funktionär- Versammlung der unabhängigen Partei Groß-Berlins am Donnerstag erstattet hat.

Don Jmeress« ist, was Levi über die Bildung der Arbeitsgemeinschaft und im besonderen über di« Be-

anerkennt, so wird doch auf der andern Seite von den Hnabhängigen nicht gut verlangen können, daß man nun gerade ihnen gegenüber eine Ausnahme macht. Wir sind jedenfalls der Msinung, daß in der Regie­rung nur solche Parteien vertreten sein können, die auf dem Boden der Verfassung stehen oder doch zu- mmdeftens entschlossen sind, sich mit der geschaffenen Tatsache abzufinden und die Verfassung gegen jeden ungesetzlichen und verfassungswidrigen Angriff zu schützen.

Die Frage des Eintritts der Hnabhängigen in di« Regierung wird ja übrigens auf dem Parteitag der Hnavhangigen eine entscheidende Roll« spielen und es wird sich ja dann zeigen, ob und imvieweit und welche Teil« der Hnakchängigen entschloffen sind, dem Beispiel der Deutschen Volkspartei nachzuahmen, die in ihrer öffentlichen Erklärung ausdrücklich erklärt haben, bäte fre feft uitb unerschütterlich alles aufbieten werde zum -^"00 der verfassungsmäßigen Staats- form. Wenn die Unabhängigen sich zu einem gleichen EntMig erst einmal aufgerafft haben, dann erst kann nach unserer Ansicht btt Frage eines Eintritts der Hn- abhängigen m hie Regierung in Frage kommen.

lieber die Scheidung der GÄster bei den veutschnatronalen

wird uns aus Berlin geschrieben: Di« Wstoßwiq des Herrn Henning durch die Deutschnotionale Partei hat • ,?er "V ölkifchen Gruppe“ aufrührend ge­wirkt. Der Führer der ©nippe, Herr Bulle, zieht m fernem Blatt scharf gegen die Parteileitung vom Leder unb richtet heftige Angriffe gegen den Fraktions- Vorsitzenden S) e r g t und eine Reihe anderer Mitcfl'e- Wull° droht, baß „angefangen non Hergt über Durmger, Hotsch, Dryander, Kunitz, Hugenberger, Behrens, Graef, Anklam — wer zahlt btc Volker nennt die Namen", den erklärten Gegnern »er völkischen Sache nicht eine einzig« Stimme aus (einen, poluricheii Rcihen gegeben werden dürfe. Ganz schlagt der Direktor Sonntag des „Deut- f^n Abendblattes" an. Wenn er zum Schluß auch f?£tart ir'“TL®.°aJ die Hoffnung nicht auffgeben, daß sich erue Verständigung ermöglichen lasse, so läßt ei