Einzelbild herunterladen
 

FuldaerZeitung

nr. 165.

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

Verantwortlich für den reOatiioneüen Teil: Dr. I. Kramer, = für die Anzeigen: I. Par-ellrr-Fulbo. - Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Serntoretber Nr. ö. PMcheck» Konto 4051 Frankfurt a. M.

Freitag, TL Juli 1922»

Bezugspreis: Monatlich 24.00 M. zugestell! frei ins Haus- n Abaeholt in der Geschäftsstelle 23.50 Mk.

Anzeigen: Kleinzeile nach Colone« 2.00 Mk.; ausw.Z.OOMk.

Reklarnezeiie (lephrettef nach (Tolone'mag 10 War?.

49. Zahrg.

vor wichtigen Entscheidungen in der Neparationsfrage.

Weittragende Forderungen der Garantie-Kommission.

Die Garantiekommission, die seit einigen Tagen in ßeritn weilte, ist nach Paris zurückgekehrt. lHre Ab­reise war ursprünglich schon für Samstag voriger Woche geplant. Die Verlängerung des Aufenthalts erklärt sich daraus, daß noch eine Reihe von Schwie­rig k e i t e n M beheben waren, die in den Forderungen der Earantiekommission begründet lagen.

Es sollen sich nämlich unter den Forderungen eine Reihe von weitgehenden Maßnahmen für eine Fi­nanzkontrolle befunden haben. Es ist jedoch im Verlaus der Verhandlungen gelungen, eine wesent- »che Abminderung dieser Forderungen zu erzielen. 3n der Msttwoch-MorgenE gäbe desLok.-Ang." wird v. a. auch von einer Forderung gesprochen, die auf eme Ueberlassung von Pfändern in Gestalt von Industrieaktien zielt. Diese Meldung des »Lok.-Anz." ist unrichtig. Alle Nachrichten hier­über beruhen, soweit wir unterrichtet sind, aus einem falschen Gerücht.

Nachdem das Kabinett sich mit diesen Fragen ein- grhend befaßt hat, ist nunmehr am Mittwoch auch der Auswärtige A u s f ch in die Behandlung die­ser Materie eingetreten. Dort hat der Reichsfmanz- MMifter Gelegenheit genommen, über den Inhalt der Forderungen der Garantiekommiffion Bericht zu er­statten. Wie wir hören, hat sich der Ausschuß nach kurzen Beratungen auf Freitag vertagt, da noch auf die Drucklegung einer Reihe von notwendigen Un­terlagen gewartet werden soll.

Jedenfalls ergibt sich aus dieser Kennzeichnung der Lage, daß in der Reparationsfrage bald greifbare Tatsachen vorliegen werden. Ob diese für Deutsch­land mehr oder weniger ungünstig sind, läßt sich da­gegen noch nicht mit Sicherheit sagen.

Die Reparation und Amerika.

In N e w y o r k ist ein Bericht eingetroffen, wo­nach Großbritannien eine Herabsetzung der Repara­tionen vorgeschlagen und gleichzeitig angeboten habe, «st die ihm geschukdeten Summen zu verzichten. Der Bericht hat großes Auffehen erregt.

Zur Wahl des Reichspräsidenten, die, wie gestern gemeldet wurde, für die kommende Jahreswende zu erwarten sein soll, schreibt uns ein alter Parteigenosse:

Um die Neuwahlen zum Reichstag sind wir glück­lich herumgekommen. Aber die Neuwahl des Reichs- Präsidenten wird uns als Weihnachtsgeschenk an­gekündigt. Es freut mich, daß der Reichstag diese An­gelegenheit verschoben hat. weil sie wirklich nicht dring­lich ist. Ich würde mich noch mehr freuen, wenn auch der nächste Winter von diesem Wahlkampf verschont blieb.

Ist das möglich? Ja, wenn der Reichstag sich zu einer kleinen Aenderung der Versassung entschließt. So­eben ist ja die dazu erforderliche Zweidrittelmehrheit aufgebracht worden. Wenn sich noch einmal so viel be- sonnene Abgeordnete zusammenfinden, so können wir die Ernennung des Reichspräsidenten auf dem einfachen Wege der Wahl durch den Reichstag vollziehen las­sen. Dann brauchen wir die Volksseele nicht bis in ihre

Der Sturz von der Höhe.

14] ----------

Du bist so schweigsam. Lieb?" sagte, Felix, indem er die auf seinem Arm liegende linke Hand des Mäd­chens ergriff und an seine Lippen führte.Gewiß wärest Du noch gern geblieben?"

Nein, Felix nein! Ich wollte, ich wäre überhaupt nicht hingegangen! Aber die Grete Mühling, die Amely Dkach und alle die anderen Damen unserer Gruppe quälten mich ja so und die Herren vom Komitee be­schworen mich zu kommen und versicherten, daß ohne die Terpsichore der schönste Effekt der Musengruppe ver­loren ginge. Da habe ich mich denn schließlich be­schwatzen lassen und bat den Baker, seine Gemütlichkeit zum Opfer zu bringen!"

Sßlit einem gemütlichen Spottlächeln sah Felix auf bie sich so gleichgültig gegen das genossene Vergnügen «teilende herab und meinte:Run Du hast Dich

DieI ich sah, recht gut amüsiert, Schatz! Du jtraylst ja ordentlich vor Pläsier!"

»Ich kann am Ende doch auch keine Leichenbitter- mtene annehmen, wenn ich einmal in dem Trubel drin- nen bin. erwiderte Helene mit leisem Schmollen.Wenn es lustig um mich her zugeht, muß ich mittun das liegt mir einmal im Blut! Heute ist mir allerdings der Spaß von der Bertha Elbers, dieser Katze, arg ver- salzen worden!" 1 ° H

. mas Hai sie Dir .denn Schreckliches an­getan? _ . 'n

Das häßliche Geschöpf wird doch jedesmal'"grün vor Neid, wenn es fiefjt, daß einer Dame von einem Herrn besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird! Nicht so viel wurde ich mir aus dem Geschwätz machen" die Sprecherin wippte mit der rechten Hand durch die Luftwenn nicht ein ganzer Kreis von Herren und Damen ihre Impertinenzen mitangehört hätte!"

Du machst mich aber wirklich neugierig,, Helene!" sagte Felix.Was oat denn Fräulein Elbers gesagt, das Dich so in Harnisch bringt?

Gratuliert hat sie mir zu meinex bevorstehenden Skrfobung!" fuhr es Helene heraus.

Nun wenn es nichts Schlimmeres ist das wär. doch zu verzeihen! In den nächsten Tagen soll dock) «miete Verlobung veröffentlicht merbeul*

Tiefe aufzuregen durch eine heftige Agitation im ganzen Reiche.

Die junge Republik hat in den verflossenen vier Jah­ren manche Kinderkrankheiten und sonstige Lebensgesah- ren zu bestehen gehabt. Aber niemand kann sagen, daß von dem Posten des Reichspräsidenten die Schwierig­kellen ausgegangen feien. Im Gegenteil: diese oberste Zierde der neuen Staatsordnung hat sich durchaus be- währt, obschon der Reichspräsidem nicht durch Volks­abstimmung, sondern durch die Nationalversammlung gewähü war. Warum sollte für die Zukunft nicht auch die parlamentarische Ernennung ausreichen?

In Nordamerika gibt es freilich bet der Präsi­dentenwahl einen großmächtigen Wahlkampf. Aber auch dort trifft das Volk nicht die unmittetbare Auswahl zwischen den verschiedenen Kandidaten, sondern ordnet. Wahlmänner ab, die bann unter sich die Sache abzu­machen haben. Ucbrigens hat der Präsident der Ber­einigten Staaten eine viel größere Machtbefugnis, als unser harmloser Reichspräsident. Der Vergleich mit Nordamerika ist also nicht angängig; eher können wir Frankreich zum Vergleich heranziehen, und dort wird der Präsident der Republik nicht durch Volksabstim­mung erkoren, sondern durch den Kongreß, die Voll­versammlung von Senat und deputiertentammer. Wenn wir dieses Beispiel gelten lasten wollen, könnten wir ja den Reichsrat mit dem Reichstag zusammen das Wahl- kollegium bilden lassem

Das würde meines Erachtens vollständig genügen, um dem Reichspräsidenten das Ansehen zu geben, das er nach der Verfassung haben soll. Der Wahlkampf in der ganzen Masse des Volkes kann vielmehr für das An­sehen gefährlich werden. Denn noch der Natur der Dinge wird er eine persönliche Zuspitzung erfah­ren, bei der auf dem siegenden Kandidaten auch etwas hängen bleibt, was wenigstens bei einem Teil des Volkes den Respekt und das Vertrauen beeinträchtigt.

Die gegenwärtige Spannung zwischen grundsätzlichen Republikanern und hoffenden Monarchisten würde sich in der Wahlbewegung bedenklich geltend machen. Eine verfassungstreue Volksmehrheit würde sich gewiß er= geben.

Aber warum soll man einem sonst würdigen und ver­dienten Mann, den vielleicht die Rechtsparteien auf. stellen, eine Niederlage bereiten? Warum sollen durch die Zugkraft der Peinlichkeit die Gegner der Republik mehr Zulauf erhallen, wie ihnen bei den gewöhnlichen parteipolitischen Reichstagswahlen zukommt?

Der Gegensatz zwischen Sozialdemokratie und Bür­gertum ist vorläufig überbrückt, aber er kann im Wahl­kampf wieder aufbrechen. Mancher, der die Wiederwahl Eberts für gut hielt, könnte irre werden, wenn die roten Agitatoren diese Wiederwahl al« einenTriumph der klassenbewuhten Arbeiterschaft"" ober gar des Pro- letariats hingestellt hätten.

Alle diese Irrungen und Wirrungen werden dem Volke erspart, wenn die Abgeordneten sich über die Wahl des Reichspräsidenten sttll und friedlich verständi­gen. Man sollte sich allseitg noch einmal überlegen, ob nicht die Beruhigung des Volkes eine Verfassungsände­rung wert ist.

Alle dielenigen, die mit uns in fach kicher politischer Ärdect daS Rettungsmittel für Deutsch­land sehen, werden obigen Ausführungen wohl zu- stimmen. An einer Wahl des Reichspräsidenten durch Volksabstimmung können nur diejenigen ein Interesse haben, die durch Erregung von Leiden­schaften und Ausspielung persönlicher Gegensätze und unklarer Gefühle Gelegenheit für politische Fischzüge suchen.

Ja nicht zu meiner Verlobung mit Dir, sondern mit einem anderen mit dem jungen Welty, der sich ja allerdings während der Festtage zu meinem Ritter aufgeworfen hat! Das benutzt jetzt diese abscheuliche Person, die Gebers, um mich ins Gerede zu bringen! Erwürgen hätte ich sie können, die Natter!"

Wenn noch ein Rest von Verstimmung in Felix zu­rückgeblieben war, ho mürbe der durch biefe Worte Helenens verscheucht. Sie bekannte ja offen, daß der junge Welty ihr Aufmerksamkeiten erwiesen hatte! So- mit war es doch ausgeschlosten, daß sie sich Hoffnungen auf den Millionärsohn machte, sonst würde sie ihm ge­genüber doch geschwiegen haben! Da- Gespräch der beiden jungen Elegants, das er heute abend belauscht hatte, war also nichts weiter als richtiger Tratsch ge­wesen müßiges Gerede, das die auf fein schönes Lieb eifersüchtigen jungen Damen der Gesellschaft auf- gebracht hatten! Wie hatte er nur einem Zweifel Raum geben können? Fast schuldbewußt fühlte er sich und die Hand seiner Begleiterin drückend, sagte er innig:Rege Dich doch über den dummen Klatsch nicht auf, Helene! Strafe die Lästerzungen einfach stillschweigend mit Ver­achtung! Ich glaube an Dich!"

Du bist wirklich ein reizender Mensch, Felix!" er- widerte das Mädchen mit zärtlichem A'igeriaufschlag. Wird aber auch Dein Glauben nicht erschüttert werden, wenn man Dir das ungereimte Zeug hinterbringt?"

Niemals, Helene!" erwiderte er ernstFür zwei Menschen, die gemeinsam durch das Leben gehen wollen, ist gegenseitiges Vertrauen die Grundbedingung für wahres Glück! Fest Zusammenhalten, niemals anein­ander zweifeln tmb kein Geheimnis vor einander haben, das soll unser Wahlspruch sein! Siehst Du den glänzen­den Stern dort oben? Das ist der Abendstern die Venus der Stern der Liebenden! Bei ihm wollen wir es uns geloben, unserem Wahlspruch stets treu zu bleiben, damit das Dichterwort >ich bis in unsere späte­sten Ledenstage an uns erfüllt:

Zwei Seelen und ein Gedanke, Zwei Herzen und ein Schlag!"

schwärmerischer Begeisterung hatte Felix ocj,. a,... r.b hingerissen lauschte Helene. Das war der Ton, der zu ihrem Herzen sprach, der auch so ganz mit

Krife in der deutschnatlonalen Partei.

Der deutschnationale Abgeordnete Düringer, früherer badischer Justizminister, ein Mann, der auch dem politischen Gegner durch seine Sachlichkeit, Mäßigung und Würde Hochachtung abnöligen konnte, hat in einem Schreiben an den Reichstagspräsidenten seinen Austritt aus der Fraktion angezeigt.

*

Ter von der deuischnaiionalen Partei in Sachen wegen der Vorwürfe gegen den Abgeordneten Henning, einen Antisemiten-Häuptling, eingesetzte Ausschuß gelangte zu dem Ergebnis, daß gegen Henning nichts Ehrenrühriges vorliegt, daß aber die Art seiner politischen Betätigung den Interessen der Partei nickt entspricht. Ein Verbleiben in der deutschn. Partei sei infolgedessen unerwünscht.

Zum (Ende der Kathenaumörder.

Den letzten Meldungen zufolge hat sich Kem nicht selbst erschossen, sondern wurde vielmehr von den Po­lizeibeamten erschossen, die, well sie sich durch die Re­petierpistolen der Mörder bedroht sahen, nach den Fenstern hinaufjchossen. Kern wurde durch den Schä­del getroffen und scheint sofort tot gewesen zu sein. Fischer richtete daraus die Waffe gegen sich selbst und gab sich ebenfalls den Tod.

Kus dem besetzten Gebiet.

Der GberprSsident der Rhelnprovin;. Durch Se* schluß des preußischen StaatsmintsterlUmS wurde Re­gierungspräsident Dr. Fuchs m Trier zum kommissa­rischen Oberpräsidenten der Rheinpropinz bestellt. Dr. FuchS ist bekanntlich ZentrumSmann.

Stürmische Eröffnung des Saarparlamenks. Die erste S'tzung des Lanbesrars verlief fehr stürmisch. Der von ber Regierungskommission ernannte Vorsitzende, Re­gierungsrat Koßmann verlas eine Botschaft ber Re­gierungskommission, in der ber Lanbesrat aufgeforbert wirb, sich auf ben Boden ber gegebenen Verhältnisse zu stellen. Nach ber Verlesung kam es zu einer stürmischen, mehrere Stunben dauernden unb beinahe tumultartigen Geschästsorbnngsdebatte, da der Vorsitzende keine Er­klärungen ber Parteien entgegennehmen wollte, sobaß die Sitzung unterbrochen werben mußte. Nach Wie- derausnahwe ber Sitzung ließ die Kommission erklären, daß sie von ihrem Standpunkt nicht abgehen könne, fie wolle zwar die Erklärungen ber Parteien zulassen, je­doch ohne Debatte. Die Vertreter der Fraktionen gaben hieraus Erklärungen ab, in denen auf bas Sdjärffte gegen biePolitik ber Regierungskommif- f t o n protestiert wirb unb die bekannten Forderungen erhoben werben.

Gewerkschaftliches.

Die internationale sozialistische Gewerkschafls- konferenz. In Amsterbam fand die angefünbigte internationale Konferenz ber Gewerkschaftsinternattona­len statt, um über bie Möglichkeit ber Schaffung einer gemeinschaftlichen Front zum Schutze ber brut­schen Republik zu beraten. Fimmen (Holland) er- klärte, daß zur Abwehr reaktionärer Anschläge in Deutschland eine Abänderung gewisser Teile des Frie- bensvertages unumgänglich sei. Die Zweite Interna­tionale unb die Wiener Internationale erklärten sich bereit, zusammen mit dem Gewerkschaftsbund Mittel unb Wege ausfindig zu machen, um gemeinschaftlich bie Vorschläge zu verwirklichen. Bekanntlich hat bie ch r i st- liche Gewerkschaftsinternattonale gleichfalls Beschlüsse im Interesse bes Völkerfriebens vor einiger Zeit schon gefaßt. ________________

ber äußeren Erscheinung bes Geliebten übereinftimmte. So schlummerte unter feinem gewöhnlich zur Schau ge­trogenen nüchternen Ernst boch ibeal poetischer Schwung, den sie so sehr an ihm vermißt hatte! So wollte sie ihn haben! In überglücklicher Aufwallung schmiegte sie sich an die Gestalt des Verlobten unb unter zärtlichem Geplauber wurde ber Weg bis zum Elternhause zurück­gelegt.

Ms bann Felix nach herzlichstem Abschieb durch die monbbeleucksteten Promenadenwege heimwärts schritt unb den Blick nach dem sternenübersäten Nachthimmel richtete, da durchzuckte es ihn beim Anblick ber in mil­dem Glanze erstrahlenden Venus wie ein Vorwurf. Hatte er nicht entgegen feinen Beteuerungen dem geliebten Mädchen ein Geheimnis vorenthalten das Geheimnis, baß in feinem Herzen noch bie Neigung zu einer en­teren lebte, eine Neigung, die sich trotz allen Wehrens dagegen nicht unterdrücken ließ?

Von ganz anderer Art war das Empfinden für Martha lange nicht so stürmisch, leidenschaftlich rote bas Begehren für Helene, aber unentwegt, mit stiller Beharrlichkeit hielt es ihn fest. Würbe bie allmächtige Zeit diesen Zwiespalt in seiner Seele lösen, in bem er sich portam wie ber Tannhäuser, ber Jünbiger Begierbe folgend, ber dämonischen Schönheit ber Venus zum Opfer fiel unb fein wahres Glück verscherzte? Er hofft« auf die allmächtige Zeit.

Ucbrigens hatte Felix in den nächsten Tagen recht wenig Zeit, verliebten (Bebanten nachzuhängen, denn das Geschäft nahm seine Tättgkekit in um so höherem Grade in Anspruch, als sich während seiner Abwesen, heit eine Menge Arbeiten angehäust hatte, die nur von ihm ausgesührt werden konnten. Der Strom von Frem. ben, welchen das Musikfest hergezogen hatte, sowie bie jetzt beginnenbe Reisezeit wirkten frudjtbringenb aus das Hellbornsche Geschäft, das neben ber Uhrmacherei auch Handel mit Bijouterien unb bergleichen betrieb, außer- orbentlidj florierte und bie Angestellten sich rechtschaffen abmühen mußten, bie vielfeitigen Wünfche ber zahlreich erscheinenben Kundschaft zu befriedigen So faß denn Felix von früh bis fpät an feinem hinter ben mächtigen Schaufenstern befindlichen Werktisch unb feilte, stichelle unb bohrte unermüdlich darauf los, um bie reparatur-, bebürftigen Kunstwerke wieder in Ordnung zu bringen, wenn er nickt in belanders schwierige* Fallen rum Be-

Vas Reichsemaommenfteuergesetz.

(Nach den Beschlüssen bes Reichstags in britter Lesung.) i Von M. H ö n e r, M. d. R. |!

Im Dezember vorigen Jahres war die letzte Slentc rung im RESG. erfolgt. Durch die rasch sorlschrei. tenbe Geldentwertung u-nd die damit verbundene Er- Höhung der Bezüge aller Lohn- und Gehaltsempfänger, verschärfte sich die Steuerlost derjenigen, die unter das Lohnsteuergesetz fallen, zum Unerträglichen, weil ja mit jeder Lohnerhöhung durch den lOprozenti- gen Steuerabzug vom Lohn sich die Summe der zu zahlenden Steuer vergrößerte.

. Es sind in ben letzten Wochen die Organisationen der Arbeitnehmer und u. a. auch der Deutsche Gewerk» schaftsbund, sowie die Leitung der Westdeutschen karh. Arbeitervereine, auch der Bund der Kinderreichen, mit Eingaben an den Reichstag heran getreten, worin eine Anpassung des RESG. cm die GeLdentwertung ver­langt wurde.

Von den einzelnen Parteien wurden dementspre­chende Anträge im Reichstag emgebracht Von der unabhängigen Sozialdemokratie sowie von der deutsch-'« demokratischen Fraktion wurde beantragt, das Lohn» steuergesetz auf 80 000 M auszudkhnen und die Abzüge von der Steuerschuld zu verdoppeln. Schreiber dieser Zeilen beantragte dgegen, das Lohnsteuergrsetz auf 100000 JA auszudehnen und die Abzüge für Kinder nicht nur zu verdoppeln, sondern auf 960 Jl zu er­höhen. Es wurde das Gesetz, nachdem es im Aus­schuß vorberaten war, am 17. Juli im Plenum des Reichstages verabschiedet und zwar im wesentlichen nach den vom Zentrum eingebrachten Anträgen. Qm nächststehenden will ich mich bemühen, im einzelnen die Aenderungen, im RESG. wiederzugeben.

Für die Lohn, und Gehaltsempfänger ist dos Lohn, steuergesetz bis zu einem Einkommen von 100 D00 Jl auszudehnen. Es fallen also alle Lohn- und Gehalts- Empfänger, die ein steuerbares Einkommen bis zu 100 000 JA haben, unter den lOprozenttgen Steuer­abzug vom Lohn. Im § 12 Rr. 6 des RESG., das von der Steuerfreiheit, die auf Grund der MiLitär- peusions- unb Vsrforguugsgefetze bezogenen Stumme- lungs-Kriogszulage ufw. handelt, wird neu eingefügt, auch Tueemngszufchüsie. Es bleiben somit auch alle Teuerungszuschüsse frei. Weiter wird in demselben Paragraph unter Nr. 7 eine weitere Aenderung ange­nommen, wonach alle Gebührnisse, die auf Grund einer, infolge eines Krieges erlittenen Dienstbeschüdigung be* zogen werden, steuerfrei, wogegen im bestehenden Gesetz nur der Betrag bis zu 8000 <M frei bleibt. Im § 1? Nr. 4 werden Beiträge zu Sterbetaffen, die steuerfrei blecken, auf 1000 JA erhöht. Beiträge für Todes- oderLebensversicherungen bleiben nach ber getroffenen Bestimmungen bis zu 80 0 0 Jl steuer- frei. Weiter sollen in Zukunft steuerfrei bleibest Spareinlagen bis zu einem Betrage von 8006 Mark jährlich, fasern die Rückzahlung des Kapitals nur für den Todesfall, oder für ben Fall des Erlebens innerhack eines Zeitraumes von nicht weniger als 20 Jahren vereinbart ist und die Vereinbarung unter Ver zicht beider Vertragsteile auf eine Abänderung ober Aufhebung dem zuständigen Finanzamt angezeigt wird. Außerdem wird m § 13 noch eine Bestimmung Nr. 6a ausgenommen, wonach Beträge, die an kirchliche Kör­perschaften gegeben werden, vom Einkommen bei bet Veranlagung $ur Einkommensteuer in Abzug gebracht weichen können. In Nr. 7 wird noch ausgenommen, daß nicht nur regelmäßige, sondern auch einmalige Bei­träge zu wissenschaftlichen, künstlerischen, mildtätigen oder gemeinnützigen Zwecken bei fcer Veranlagung zur Einkommensteuer zu berücksichtigen sind. Befreiun­gen für Lebensversicherungen ober Spareinlagen ton­nen nicht nebeneinander geltend gemacht werden, son- bienen ber Kundschaft hercmgezogen würbe. So war er auch heute, wenige Tage nach bem Kostümfest, genötigt roorben, seine Arbeit zu unterbrechen, um einem distin­guiert aussehenben Herrn, ber in einem Auto vorge- fahren war, ben Mechanismus einer besonders kostbaren Taschenuhr zu erklären, die jener zu kaufen wünschte. Der überaus höfliche Fremde, der französisch sprach, welche Sprache Felix infolge feines langjährigen Auf. enthalts in der französischen Schweiz fließenb beherrschte, verwickelte ben jungen Mann in ein anregendes spräch, nachdem er die Uhr gekauft und die bedeutende Summe dafür bar erlegt hatte. Unter anderem er. wähnte er, baß er in ber Residenzstadt des benachbar­ten Herzogtums das GlockenfpiA gehört unb babei er fahren habe, daß das Kunstwerk von einem Angehörigen bes Hellbornschen Geschäftes wieder inftano gesetzt roer­ben sei. Ein Freund von ihm, ber in der Nähe oov Nancy begüterte Comte b'Auberville, habe nun ein» alte, noch aus der Zeit Ludwigs XIV. stammende Uhr bie als ein mechanisches Kunstwerk erster Klasse bezcich. net werben könnte, denn nicht nur Stunben, Minute! unb Setunben, sondern auch Tage, Wochen, Monat, unb Jahre zeige sie an. wie ihr Werk auch allerlliFtgurer in Bewegung setze. Leiber funktioniere ber Mechanis­mus schon feit Jahren nicht mehr, so baß alle bie schöner Dinge, an welchen man sich ergötzen könnte, wie ein, blöfenbe Schafherbe mit ihren Hirtinnen, ein veritables Ballfest mit anmutiger Musikbegleitung, eine Parforce- jagb mit heulender Meute unb luftigem Fanfar endlosen unb anberes mehr, in stummer Ruhe verharrten, da ri bis jetzt noch keinem Künstler gelungen märe, bas wohl burch fein Aller unbrauchbar geworbene -triebe wieder in Ordnung zu bringen. Es liege dem «"ernte d'Auber, ville sehr viel daran, bas ebenso kostbcu / -.»ie amüsant» Stück rot eher vollständig hergestellt zu fr'-en vitb wollt er, ber Besucher, fragen unb dieses sei 'er Hauptzweä feines Befuches ob Herr Hellborn ? igt wäre, dl, Reparatur zu übernehmen. In befahr! :t Falle wär« bann sicher auf bie bauernde Shjnbi'b.üt des Cormx b'Auberville unb ber demselben befreundeten Kreise w rechnen. Aus ben Kostenpunkt käme et gar nicht au; et sei als Bevollmächtigter gern bereit, eine <röfsem Summe für *»« entstehenden Kosten im vor«:- >u hin­terlegen.

(Fortsetzung folgt.)