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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sfabf Fulda.

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Dienstag, II. Juli 1922

Nr. 156

in Fulda.

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Vie Mordunterfuchnng

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Heber die weüere Verfolg g a n i j a t i o n wird berichtete

T Mörderor- in Düsseldorf oer-

einem der neuerbauten Teile der Autzenstadt lag. Er wollte heute abend es seiner Slutter Mitteilen, daß er sich mit Helene Hellborn verlobt habe.. Warum er dies eigenüich nicht schon heute morgen beim Fortgehen, oder heute mittag beim Essen getan hatte, wußte er selbst nicht; es war gerade, als befürchte er, daß er der Mutier mit der Mitteilung einen Schrecken verursache.' Gut, daß Martha heute abend nicht zu Besuch kam! Ihre Gegenwart hätte ihn entschieden beengt. Nickst, weil er sich ihr gegenüber in irgend einer Art verpflichtet fühlte, sondern weil er sich scheute, dem lieben Mädchen vielleicht ein Herzeleid zuzusügen. Mochte sie von seiner Mutter erfahren, wie die Sache stand.

Ms er die Treppe zu seiner im dritten Stock gelege­nen Wohnung emporstieg, klangen ihm Klavierspiel und der Gesang einer Frauenstimme entgegen. Da war Martha also doch anwesend, ttotzdem sie bei ihrem letz- ten Besuche erklärt hatte, daß sie für die nächste Zeit allabendlich in Anspruch genommen sei. Martha war Lehrerin am Musik-Konservatorium und wirkte als So« liftin bei dem im nächsten Monat stattfindenden großen Musikfeste mit, $u dem gegenwärtig die Proben abge» hallen wurden.

Felix blieb an der Dorplatztür stehen und wartete, bis die Sängerin geendet hatte. Sie trug das „Ave-Maria von Schubert vor. Es war wirklich eine Luft, ihr zuzu­hören. Ihre herrliche Stimme hatte neben klangreicher Fülle etwas tief zu Herzen Gehendes. Kein Wunder, daß Martha schon häufig der Vorschlag gemacht wor» den war, zur Bühne zu gehen, bei der sie sich nach dem Urteil berufener Kenner zweifellos zu einer Mptze entwickelt hätte. Aber ihrem bescheidenen Wesen wider- ftrebte es, sich öffentlich hervorzutun, und nur mit großer Mühe war es den Leitern des Festes gelungen, sie zur Uebernahme einiger Solopartien zu «Harnlassen.

Die Sängerin drinnen verstummte und einige rau- schenke Klavierokkorde beschlosien ihr begleitendes Spiel. Felix trat ein. Leuchtete es ihm aus den Augen Mar- fhas, die sich eben vom Klavier erhoben hatte, nicht freudig entgegen und floß nicht ein zartes Rot über

Deinem Geschmack? Du weißt, ich bin in allen Sätteln

!* Korts, folgt.)

Me öGMsstmde her Mitin Deutschlands «enes Moratoriumsgesuch.

Terror in Oberschlesien.

Der Sturz von der höhe.

Roman von • Friß Ritzel..

Beranttvoctlicd ‘ür den rrdalttoneüen Teil i. B.: A. Weßlek' - für bte Anzeigen: I. Parzelier-Fulda. u

Stzttattonsdruck u. Verlag bet Fuldaer Actiendruckerei i Fernfprecher Nr. 9. Postscheck - Konto 4051 Frankfurt a. M.

Wir haben in den letzten Tagm mehrfach barairf Angewiesen, wie in der Frage der RegieruirgseWeite­rung bei ten sozialistischen Parteien augenscheinlich der WNe zu einer ehrlichen Verständigung jedeufails in ihren extremen Kreisen nicht vorhanden ist. Die fest einigen Tagen wieder erschienenen Berliner soziaiisti- schen Blätter aller Richtungen berichten chren Lesern ternär über die Ereignisse, aber bewußt einseitig. Wenn z. B. der „Vorwärts" das Schreiben des Zentrums und der Demokraten an die Deutsche Voikspartei dahin kommentiert, daß er erklärt, tie Sozialdemokratie denke «icht daran, statt der UnabhängigM die Partei des Herrn Stresemann in die Koalition aufzunehmen, so ist das eine bewußt einseitige Darstellung, die den Zweck verfolgt, die Leser des „Vorwärts" gegen die Bemü­hungen, eine wirklich große Koalition zu schaffen, ein« zunehmen. Cs ist nie und nirgendwo davon die Rede gewesen, daß die Sozialdemokratie st a t t der Unab­hängigen Sl^ialdemokratie die Deutsche Dolkspartei in die Regierung aufnehmen soll. In dem erwähnten Schreiben an die Deutsche Volkspartei heißt es aus­drücklich, daß die Rot der Stunde mehr denn je die Heranziehung aller, die in williger und tätiger Mit- arbcst an der Erhaltung und am Wiederaufbau des Staates auf dem Boden der heutigen Berhälnisfe be­reit sind, verlangt. Dieser Satz beweißt unwider- keglich, daß Zentrum und Demokraten auch gegen die Zuziehung der Unabhängigen dann nichts emzuwenden haben, wenn diese auf dem Boden der heutigen Ver­hältnisse zum Wiederaufbau des Staates sich bereit er­klären. Es ist auch durchaus irreführend, wenn im „Vorwärts" und in der „Freiheit" darauf hingEfen wird, daß es doch unmöglich fei, eine Partei, die in ihrem Programm den monarchistischen Standpunkt ver­trete, in die Regierung auszunehmen, aber gleickWitig den Eintritt der Unabhängigen fordert, obwohl sie ganz genau wissen, daß die Unabhängige Sozialdemokratie

terrorisiert. Der Bürgermeister von Königshütte ist mij Vertretern der Gewerkschaften bei dem Wvjwoben des­wegen vorstellig geworden. Dieser sagte zu, alles zu tun, was in feiner Macht stehe. Es foK ein Aufruf zur Abgabe der Waffen ergehen. Die Polizei soll 'verschärfte Anweisungen erhalten. Beamten, die den Terror Un­terstützer., sollen aus den Aemtern entfernt und land­fremde Elemente abgeschsben werden. Sollte trotzdem keine Besserung eintreten, soll die Verhängung des De- lagerungszustandes erwogen werden.

Der polnische Terror in Polnisch-Oberschle- sien gegen die deutschen Beamten und Arbeiter führte zur Stillegung einzelner Hütten und Grubenan­lagen. So wurde gestern der Betrieb der Königs», und Laurahütte eingestellt, weil die deutschen Angestellten von ihren Arbeitsstätten vertrieben wurden. Auch den Stickstoffwerken in Chorzow droht dasselbe Schicksal. Die gleichen Zustände herrschen auf Iker Maxgrube und der Gräfin Laura-Grube sowie auf bet Baildonhütte.

2. Kapitel.

Die hochgemute Stimmung, in der sich Felix wäh­lend des gestrigen herrlichen Sonntags befunden hatte, war heute etwas abgeflaut. Er muhte sich immer wie­der die Frage vorlegen, ob es denn wahr fei, daß Helene die von ihm heimlich Vergötterte, ihm angehören wolle, ihm, der thr doch nur ein bescheidenes Lebenslos zu bieten vermochte. Niemals würde er es gewagt haben, d« B.emmworbenen mit einer offenen Erklärung zu nahen, wenn sie ihm nicht so offenkundig ihre Steigung gezeigt hatte. Und ein gewißes Bangen vor der Zukunft ergriff ihn. Wurde Helenens Neigung Stand halten, auch wenn es thm nicht gelang, sich 3U her Höhe des *!St in welcher sie zu atmen be-

mmn md,t bereuen, daß sie die ^»en^^h5itninR°Ien Erbotenen Gelegenheiten, in glanzende Derhattnisie zu kommen, nicht benutzt hatte? ^-^ben GhaSteT1?6, “ bie Frage bejahen, wenn “ <ReIenre,n5' foroeit er ihn zu kennen

SebensiTei hl 10nniSen Heiterkeit und harmlosen Lebensfreude wehte ihm aus ihrem aanzen Wesen etwas rote kühle Berechnung entqeaen aieer auch di- unbeftimmte Smpfinbang hatte — abft unwill­kürlich mußte er Helenens Gemütsart mit beriemqen Martha Mo.lers vergleichen, und ein Gefühl, als hätte er gegen Martha ein Unrecht begangen, durchzuckte ihn wenn er an ferne Seriobung dachte. Er hatte ja Martha gegenüber, die eine entfernte Verwandte mütterichcr- feits zu ihm war, noch niemals em Wort von Siebe ge­sprochen, ober es a-immer gewesen, als wenn das stille Mädchen heimlich auf ,hn hoffe. Mehr als einmal hatte fM>J1“8® «Bebaute aufgebrängi,

daß Martha Mann glücklich machen

müsse. War sie aU^e "L6 f"0Jra9en^ Schönheit und ließ sie auch der oon h stets zur Schau getragene Ernst älter cri^!n X außermdent^ fo 8emann ff hei näherem Verkehr außerordentlich durch die sanfte,

Wenn die Sozialdemokratie so sehr auf die pro- sMmmmattsche gefttegung pocht, bann sollte sie in erster Linie daraus bedacht sein, von den Unabhängigen eine klare Erklärung zu verlangen, wie Zentrum und Demo­kraten es von der Deutschen Volkspartei bereits verlangt haben, nämlich anzuerkennen, daß ein Wiederau f- dades Staates nur auf dem Wegs der verfasfungs- mößigen republikanischen Staatsform möglich ist. Das hat die Sozialdemokratie anscheinend bisher nicht für erforderlich gehalten. Darauf aber kommt alles an. Es handelt sich hier nicht um Parteiprogramm, sondern einfach um praktische positive Mitarbeit zum Wiederaufbau und zur Erhaltung des Staates auf dem Wege der verfafftmgs- mäßigvn republikanischen Staatsform. Es scheint aber, wie wir bereits einleitend bemerkten, daß bei der Sozialdemokratie und den Unabhängigen der ehrliche Wille zu einer solchen Mitarbeit nicht Überall und rest­los vorhanden ist.

Die Haltung, die die „Rote Fahne" einnimmt, sollte für die Sozialdemokratie und auch für die Unabhängi­gen, die ja vorgeben, für die Erhaltung des gegenwär- iigen Staates eintreten zu wallen, als Warnung dienen. Die „Rote Fahne" läßt ganz deutlich erkennen, daß die Kommunisten sich anschicken, die Saat zu ernten, die der „Vorwärts" und die „Freihell" in den letzten Tagen gesät haben. Dis „Rote Fahne" fordert ganz unverhüllt den Austtstt der Sozialdemokrat« aus der Koalition, die Auflösung des Reichstags, Neuwahlen und die Bildung einer Arbeiterregierung,

, bis zu einem gewissen Grade sie fordern. — Ein Pariser Mitarbeiter des „Daily Telegraph" will von vertrauens, würdiger Seite erfahren haben, bie deutsche Regierung sei im Begriff, der Reparationskommission eine Note zuzusenden, in der sich die deutsche Regierung bereit er­klärt, Ende dieses Jahres alle im März festgesetzten Bar- Zahlungen zu leisten unter der Bedingung, daß für 1923 und 1924 auf alle Barzahlungen Verzicht geleistet werde und daß die Reparattonskommisston sich in diesen beiden Jahren mit Sachlieferungen begnüge.

Es versteht sich wohl ganz von selbst, daß von der französischen Presse der Versuch unter­nommen wird, Deutschland den guten Willen zur Zahlungsleistung abzuerkennen. Das „Echo de Pa­ris", dessen Nachricht auch vom „Petit Parisien" als wahrscheinlich bestätigt wird, schreibt: Wenn wirklich die deutsche Regierung eine derartige Note an die Alliierten richten wird, dann wird sich unter den alliierten Regierungen eine ernfteDebatte en tf pinn en, nämlich über die Frage, ob in diesem Falle eine beabsichtigte Verfeh­lung Deutschlands vorliege.

Für jeden Einsichtigen dürfte es klar sein, daß das neue Moratorium unmöglich vermieden werden konnte und durch die starken Erschütterungen, die unser Wirtschaftsleben in letzter Zeit erfahren, ein# zwingende Notwendigkeit geworden ist.

Gberschlefie«.

Der Reichsminister des Innern bestimmte durch eine Verordnung vom 8. Juli, daß die Abstimmung in Oberschlesien über die Auttmomiefrage am 3. Sep­tember stattsindet: zum Abstimmungsleiter ist Ober, Präsident Bitta in Oppeln ernannt worden.

B-mbenattentate.

Nach in Berlin vorliegenden Meldungen wurden in. polnischen Oberschlesien auf eine Reihe deutscher

ihre Wangen? Merkwürdig, wie diese leichte Befangen- l........

hell und das sauste Lächeln das Mädchen verschönten! i gerecht!

und sie fordert weiter, daß zur Erfüllung dieser Forde- rmilgen der Generalstreik verkündet werden müsse und daß die Gewerkschaften von fc®n ihnen zu Gebote stehenden Machtmitteln den rücksichtslosesten Gebrauch machen müßen. Was die „Rote Fahne" hier fordert, bedeutet nichts anderes als die .Forderung des Bürger- krieges.

Es ist durchaus unrichfig, wenn es in der „Frei­heit" heißt, daß nur eine Auflösung des Reichstags und Neuwahlen den Konflikt lösen könnten. Wir behaupten, daß genau das Gegenteil richtig ist. Nur ehrlicher Wille zur rückhaltlosen Mitarbeit an der Erhaltung der verfassungsmäßigen republika­nischen Staatsform kann den Konflikt lösen. Welche Folgen Neuwahlen allein auf wirt­schaftlichem Gebiete haben müßten, das kann man sogar im „Vorwärts" und in der „Freiheit" selber lesen. In der „Freiheit" heißt es z. B. u. a.: „In­zwischen steigt der Dollar von Tag zu Tag, sinkt , der Wert der Mark, werden Löhne und Gehälter in ihrer Kaufkraft ständig herabgedrückt, treiben wir auch wirtschaftlich katastrophalen Zuständen ent­gegen." Das ist sehr richttg. Man kann sich nur über eins wundern, daß die „Freiheit" nicht nach den Ursachen dieser bedauerlichen Erscheinung forscht. Gewiß hat der Mord an Rachenau dazu heigetragen, aber nicht ausschließlich, denn das stärkste Steigen des Dollars ist erst nachher einge­treten, als durch die Haltung der sozialistischen Par­teien das deutsche Wirtschaftsleben mehrfache Er­schütterungen aushalten mußte. Noch trefflicher ist es im „Vorwärts" ausgedrückt, der u. a. schreibt: „Dann aber kommt hinzu, daß die Börse auf jedes unkontrollierbare Gerücht von einem Putsch oder Attentat in einer Weise reagiert, die über alles Maß hinausgeht. Iedensalls saugen die Devisen­spekulanten aus allen Nachrichten, die das Volk be- imruhigen könnten, Honig. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, wie sehr Deutschland der Ruhe bedarf." Auch das ist sehr richttg, aber was meint der „Vorwärts" dazu, wenn solche unkontrollier­baren Gerüchte solche Folgen Hervorrufen, was dann die Tatsache von Neuwahlen erst zur Folge haben könnte? Er wird doch sicherlich nicht bestrei­ten wollen, daß die Erzwingung von Neuwahlen Deutschland sicher nicht die Ruhe bringen wird, die der „Vorwärts" als notwendig bezeichnet. Kommt es zu Neuwahlen, bann ist es mit der Ruhe in Deutschland ganz sicher vorbei und dann wird die Entwertung der Mark eine so große werden, daß sie sicherlich nicht mehr auszuhalten ist.

Aber noch eins. Die freien Gewerkschaften ha­ben wieder einmal beschlosien, in der nächstem Woche abermals einen 24ftünbigen Generalstreik zu proklamieren. Glaubt man bei der Sozialdemo­kratie mit solchen Mitteln bas Ruhebebürfnis Deutfchlanbs beliebigen zu können?. Wir sind im Gegenteil der Meinung, daß der „Vorwärts" besser täte, statt bie ohnehin schon große Erregung der Massen bauemb zu erhitzen, ihr in ruhiger und objektiver Form lieber bie Folgen vor Augen zu führen, welche Neuwahlen unb fortgesetzte Streiks letzten Endes für bie Wirtschaft haben müssen. Nur ein kleiner Hinweis in diesem Zusammenhang. Der jüngste 24stünbige Generalstreik hat im Ruhr­gebiet allein einen Förberausfall von rund 275 000 Tonnen Kohlen verursacht in einem Werte von runb 275 Millionen Mark. Doch genug bavon. Wenn bie Sozialbemokratie sich nach ber Verantwor- echt weibliche Art sich zu geben und die Gemütstiefe, die aus ollen ihren Anschauungen sprach. Wie ein erquicken­der Hauch strömte es von ihrem Wesen aus, eine hei­melige, zufriedene Sflmmung auslösend. Felix hatte sich in den letzten Jahren mehr als einmal selbst eingestehen muffen, daß ihm etwas fehle, wenn er Martha längere Zeit nicht gesehen hatte. Er hatte sich auch gegen die versteckten Andeutungen seiner Mutter, deren Herzens­wunsch ja es war, daß aus ihm und Martha Möller ein Paar würde, durchaus nicht ablehnend verhakten, sondern sogar mit allgemeinen Redewendungen wie: „Kommt Zeit, kommt Rot", oder mit dem klassischen Zitat: „Das Sprichwort sagt, ein eigener Herd, ein braves Weib sind Goll) und Perlen wert", der guten Frau Hoffnung gegeben, und ernstlich war er mit sich zu Rate gegangen, ob er sich nicht an Martha fest binden solle, um gegen den bestrickenden Reiz, den die Tochter seines Prinzipals auf ihn ausübte, ein für alle Mal ge­feit zu fein. In einem seltsamen seelischen Zwiespalt hatte er sich während des letzten Jahres befunden. Für Helene Hellborn glühte er in heißer, verzehrender Lei. denschoft, und doch durchsirömte "es ihn wie wehmütige Sehnsucht, wenn er sich sagte, daß er für immer auf Martha verzichten solle. Es war, als hätte jede der beiden Anteil an feinem Herzen und als könne er keine von ihnen betraue verdrängen, ohne für sein künftiges Ecben ein wahres Glück zu entbehren. Erst als er das auffallende Jmeresie gewahrte, bas Helene für ihn zur Schm, trug — sie, die er für unerreichbar geholten — da flutete die Leidenschaft für dos schöne Mädchen jede andere Empfindung hinweg und er dankte im Stillen , dem Schicksok, daß es ihn vor einer voreiligen Aug. | spräche mit Martha abgehalten hatte. Denn dann wäre er der Seligkeit verlustig gegangen, die ihm der gestrige herrliche Sonntag beschert hotte — die Schönste im ganzen Lande als sein Eigen zu umfangen. Martha würde sich, wenn sie ibn je geliebt hatte, gewiß trösten; ihre leidenschaftslose, sttlle Rotur bewahrte sie davor, über nidjterfüÄte Hoffnungen todunglücklich zu werden, und doch . . .

In diesen Gedanken schritt Felix noch Schluß der Gefchäftsstundea der elterlichen Wohnung zu, die in

tung bewußt ist, die sie dem deutschen Volke schul- big ist, bann wirb es endlich an der Zeit, daß sie ihre Organe veranlaßt, mit ber unerträglichen ein­seitigen Darstellung der Lage und der Erhitzung dec Massen ein Ende zu machen.

Jedenfalls muffen wir es entschieden als eine Verdächtigung der bürgerlichen Parteien zurückwei­sen, wenn es in der „Freiheit" und „Vorwärts" so dargestellt wirb, als ob die bürgerlichen Parteien sich anschickten, einen Vorstoß gegen die Interessen der Arbeiterschaft zu unternehmen. Das ist selbst­verständlich nicht der Fall, sondern im Gegenteil sind beide Parteien darauf bedacht, eine große Koalition zu bilden, wie die Not der Stunde sie erfordert. Eine solche Koa­lition liegt durchaus im Interesse der Arbeiterschaft unb es wäre, wenn man bie Darstellungen des „Vorwärts" unb ber „Freiheit" ernst nehmen wollte, ein trauriges Armutszeugnis, welche diese Blätter ihren Parteien ausstellen, daß diese nicht in der Lage sein sollten, einer etwaigen, den Ar- beiLerinteresien entgegenstehenden Politik der Deut­schen Dolkspartei, für die übrigens nicht der min­deste Beweis besteht, entgegenzutreten.

wegen der Regierungsbildung.

In der Samstag nachmittag stattgefundenen Bejprechung der Regierungsparteien über die Re- grerungsbildung hat man sich über die Er­weiterung der Koalition un! rhalten, ohne daß die Versammlung zu einem Beschluß gekommen wäre. Montag vormittag wirb die Besprechung fortgefetzt. Regierung und Reparatiomyroblem.

Die Mitteilung der Ententepresie über ein be-. vorstehendes neues Moratoriumsgesuch Deutschlands wird an zuständiger Stelle be­stätigt. Es ist allerdings nicht richtig, wie in bel­gischen Blättern zu lesen war, daß die deutsche Re­gierung bereits offiziell ein solches Ersuchen an die Reparationskommission gerichtet habe unb daß bie Verhandlungen schon im Gange seien. Die Reichs- regieiung hat sich vielmehr entschlosien, angesichts der neuen außerordentlichen Markentwertung in eins Fühlungnahme mit der Reparationskommis- sion einzutreten, um zunächst durch inoffizielle Be- sprechungen die Frage eines neuen Moratoriums zu klären. Zu diesem Zweck ist Staatssekretär F t - scher, der Vorsitzende der Kriegslastenkommission, unb Staatssekretär Schröber vom Reichsfinanz- minifterium nach Paris gefahren. Wahrschein­lich wirb auch Staatssekretär Bergmann, ber zurzeit im Haag weilt, zu diesem Zwecke nach Paris reifen.

Es ist beabsichtigt, eine inoffizielle Aussprache mit den einzelnen Mitgliedern der Reparations- kommisfion abzuhalten, um sich über die Basis einer Regelung zu verständigen, durch welche die für das Jahr 1922 festgesetzten Geldzahlungen auf einen längeren Zeitraum verteilt werben könnten, sodaß bie jeweiligen Monatszahlungen be- trachtlich verringert würben. Nach Ab­schluß bieser Fühlungnahme beabsichtigt bie beutsche Regierung bas offizielle Ersuchen um ein ver­längertes Moratorium an bie Reparationskommis­sion zu richten.

Daß man in ausländfichen Kreisen die Möglichkeit weiterer Zahlungsunfähigkeit Deutschlands einAusehen beginnt, beweisen zahlreiche Pressestimmen. So schreibt der Berliner Korrespondent der „Time s" zu dem er­neuten Sturz der Mark, die Möglichkeit, daß regel« mäßige monatliche Reparationszahlungen geleistet würden, schwinde immer mehr. Nur eine prak- tifche Aktton von außen her werde das Vertrauen wie­derherstellen. Die letzten französischen Vorschläge be« eich der Beteiligung deutscher Arbeitskräfte bei dem : von Wasserstraßen in Frankreich könnten das Re- parattonsproblem nur erleichtern, wenn sie einen Er­satz der monatlichen Barzahlungen darstellen, oder

hastete Praktikant Kauertz, der jetzt in Bersin ver­nommen wurde, gibt zu, den Kreisen anzu gehören, aus denen bie politischen Anschläge hervorge-gangen finb, be­streitet jedoch von diesen selbst sowie von dem Mord- anschlag auf Rat Henau irgendwelche Kenntnis gehabt'zu haben. Durch umfangreiche Zeugenvemehmungen fit aber ermittelt worden, daß er doch darum gewußt hat. Der in Oldenburg verhaftete Derlagsbuchhäwdler Albert j Grenz sit nach Berlin gebracht worden. Er leugnet, Weichard zu dem Anschlag auf Harden veranlaßt zu haben. Die Anregung sei, wie er behauptet, von anderen auswärtigen Stell en gekommen. Die Namen diefer Anreger will er nicht kennen. Der flüchtige Ankrrmann ist jetzt wohl aus Berlin verschwunden. Wie schon mitgrteisi, beziel^n sich alle Untersuchungen

Mit ihren strahlenden, großen Augen und diesem Aus» druck in dem feingeschnittenen, von leicht gewelltem Draünhaar umrahmten Gesichte konnte sie recht gut einen Vergleich mit Helene Hellborn aushatten: sie Hatto sogar mit der hohen, fast imponierenden Gestalt etwas! vor Helene voraus. Fäst ärgerte sich der Einttetende über sich selbst, daß er schon wieder unwillkürlich in! Gedanken Bergleiche zwischen den beiden Mädchen an­stellen mußte — er hatte doch endgültig Helene gewählt und mußte sich jetzt jeden Gedanken an eine andere au? dem Sinn schlagen.

So fiel seine an Martha gerichtete Begrüßung ziem« sich steif und förmlich aus, sodaß Frau Zauber, die in einem Korbsessel vor dem runden Tische saß, erftamd auffah. War sie es doch gewohnt, daß Felix sonst dem sieben Böschen mit einer Wärme begegnete, die sie, bk Mutter, zu den schönsten Hosfmmgen berechtigt hatte. Und lag es nicht, wie eine Wolke des Unmutes auf der Stirn des Sohnes?

Auch Martha mußte wohl Die ungewohnte Art uni Weise, in der sie Felix begrüßt hatte, ausgefallen fein denn fast erschreckt, wie in banger Frage, richtete ft« den Blick auf ihn. Doch nur einen Augenblick, bann nahm ihr Gesicht wieder den ernsten Ausdruck an, den ei gewöhnlich zu zeigen pflegte, und ruhig sagte sie:

„Du wirst überrascht sein, mich heute abend bei zu finden, Felix? Die Probe ist für heute abend aus- gefallen, weil Kapellmeister Schneider erkrankt ist. Da hatte ich nichts Eiligeres zu hm, als Euch wieder ein­mal heirnzufuchen!"

„Das war fehr schön von Dir!" erwiderte der junge Mann mit der vorigen Kühle. „Leider bin ich etwas zu spät gekommen und habe Deinen Gesangsoortrag versäumt! Hofsentsich entschädigst Du mich und läßt noch etwas von Dir hören!"

Ohne sich im geringsten zu zieren, schritt Marth» wieder nach dem Piano und blätterte in den dort aus» .liegenden Noten.

„Ganz rote Du wünschest!" sagte sie habet. „Ist etwas Sentimentales oder etwas Heiteres beute nach