Einzelbild herunterladen
 

FuldaerZeilung

Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Sfabf Fulda.

Nr. 155.

Lerantwonlick für den reüauioneUen Teil i. V.: A. Weßler- - für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. r. Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, rrerniprecher Nr. 9. Postlcheck - Konto 4051 Frankfurt a. M.

Sonntag, 9. Juli 1922«

Bezugspreis: Monatlich 24.00 Mk. zuqeftrllt frei ins Haus- n Abgeholt in der Geschüstsstklle 23.50 Mk. - Anzeigen: Kleinzeile nochdoionei 2.00 Mk., ausw. 3,00Mk. Reklamezeile (Tert breite) nach Colone maß 10 Mark.

49. Zahrg.

Der Sturz von -er höhe.

Roman von Fritz Ritzeln

Es scheint fast, als ob der einen politischen Er­schütterung die andere auf dem Fuße folgen soll. Kaum war di« Entscheidung über die stark umstrittene Getreide­umlage gefallen, da tauchten bereits neue Schwierig­keiten auf, die in engstem Zusammenhang« stehen. Der Mord an dem Außenminister Roihenau hat die mner- politijche Lage Deutschlands aus das äußerste gespannt unb der unvermeidliche Gegenstoß von links gegen den Vorstoß der extrem-radikalen Elemente war die not­wendige Folge. Dieser Gegenstoß von links ist sichtbar Kwn Ausdruck gekommen einmal in dem Gesetze zum Schutze der Republik und den damit im Zusammen­hang stehenden Gesetzentwürfen und zum andern in der starken Annäherung der beiden sozialistischen Parteien, die ihren Ausdruck gefunden hat in der von der, beiden styialistischen Parteien geforderten Erweiterung der Re-

Bor WnWereil MWdilM

Um die Regiermigscrweiterung.

Ein neuer Demonstrationsstreik?

4] ----------

Der freundliche Besitzer all dieser Herrlichkeiten, Herr Ltthofer, wußte gar viel von der Vergangenheit der Burg in festetnder Weise zu erzählen: von den um sie , tobenden Kämpfen, von ihrer Zerstörung im Jahre 1639 und ihrer Wiederauferstehung. Auch von einet Sage * berichtete er, die man sich von der schönen Kunigunde, der Tochter Kunos, des letzten Ritters von Hoheneck, erzählte, was feine Gäste, besonders die weiblichen, zu der inständigsten Bitte veranlaßte: die alte Geschichte ausführlich zum Besten zu geben. Lächelnd sagte Herr Mhofer zu und bemerkte, aus Helene Hellborn deutend:

„Wie könnte ich da widerstreben, da das Ebenbild der schönen Kunigunde doch heute in meinen Mauern weilt. Genau wie Ihr jüngstes Töchterlein mit dem rotgoldenen Haar, mit dem seinen Gesichtchen und den schillernden Nixenaugen hat die schöne Kunigunde von Hoheneck auch ausgejehen, Herr Hellborn. Im Rittersaale hängt noch ein altes Bild von ihr; dort wollen wir bei einem guten Tropfen die alte Mär verkünden. Schön Helen- chen möge sich die Geschichte zu Herzen nehmen, daß es Ujr nicht gerade so wie ihrem Ebenbild ergeht!"

Die reizende Dame in der Tracht eines längst Der» gangenen Jahrhunderts, welche das im Rittersaals be- Erstellte, hatte allerdings eine auffallende Aehnlichkeit mit der schönen Helene Hellborn — das waren die nämliche Kopfform, die gleichen Haare und die namttchen Augen — man hätte glauben können, Helene k^be dem Maler als Modell gesessen, nur lag <tuf den Zügen der schönen Kunigunde von Hoheneck ein trauriger Ernst der aber dem Gesichte einen eigenen Burgherr schloß ein in die Mauer °^,Unb erlahm demselben ein ver. gübtes Manuskript. Man nahm an dem altertümlichen Eichenttsch- P>--tz; °uf dem in Römerkelchen der bern» steingelbe Rebensaft funkelte, und lauschte mit Span- tunq der Vorlesung.

Herr Althofer begann:

„Ist eine gar traurige Mär, so dies Blättlein tun. »et von der schonen Kunigunde, dem Töchterlein des in Gott ruhenden Herrn Kuno, Ritter von Hoheneck, des letzten seines Stammes. Ist ein gewaltiger Recke ge­wesen, der Herr beJ in manchen Schlachten Kai­ser Heinrichs sich mit Ruhm und Ehren beüecker. dabet ein wackerer Mann, biderb, von echt deutscher Sinnes-

punkt vertreten, Laß eine aktions- und leistungsfähig« Reichsregiermig auf breitester Grundlage ruhen müsse. Wir haben daher von je her die sogenannte große Koalition erstrebt. Es sind nicht parteipolitische Erwä­gungen, die diesen Wunsch eingegeben haben, sondern die Erkenntnis innerpolitischer und vor allem aber auch außerpolitischer Notwendigkeilen. Diesen wird nach un­serer Uederzeugung aber nicht Rechnung getragen, wenn die Regierungserweiteruing ausschließlich nach links erfolgt. Wir stehen einer solchen durchaus nicht von vornherein ablehnend gegenüber. Wenn wir Las zuge- stehen, so mästen wir auf der anderen Sette von der Sozialdemokratie verlangen, daß sie ihrerseits ebenfalls die Einsicht in die staatspoMschsn Notwendigkeiten hat. Diese gehen aber zweifellos dahin, daß die Regienmgs- erweiterung nicht einseitig nur nach links erfolgen kann, sondern Laß sie erst durch Einbeziehung der Deutschen Volts-partei di« genügende Gewähr für die Erreichung der damtt verbundenen Ziel« geben kann. Es scheirtt aber, als wenn man sich bei der .Sozialdemokratie solchen Erwägungen verschließen wolle. Schon bei der Getreideumlage haben wir er­leben müssen, daß die SozialLemokrati« sich auf einen rem parteipolitischen MachtstaNdprmkt gestellt hat. Wir 'haben schon damals betont, daß man auf diese Weise die für die (Errettung des Vaterlandes notwendige Volksgemeinschaft nicht Herstellen kann, daß das nicht tie .Grundlagen sind, auf denen der Wiederaufbau des Reiches erfolgen kann. Auch jetzt wieder nimmt die Sozialdemokratie, vor allem aber die Unabhängigen, denen ter Kamm außerordentlich geschwollen zu sein ; scheint, eine schroffe Haltung ein. Das Organ der Un­abhängigen, die „Freiheit", droht sogar ganz offen. Die Derhandlungen über die RegierungserweiteMNg sind zwar noch im vollen Fluß und haben eine Entscheidung bisher mxh nicht gebracht. Die Sozialdemokratie scheint entschlossen zu sein, wenn die übrigen KoalitionsPar­teien ihr nicht zu Willen sind, aus der Regierung aus» zufcheiLen und eine Auflösung des Reichs, tages zu erzwingen.

Wir wollen davon absehen, heute auf die schweren Folgen eines solchen Schrittes hinzuwesten. Wir Ha­den das erst kürzt ich getan. Notwendig erscheint es uns

aber, etwas näher auf die Haltung der Sozialdemo­kratie einzugehen. Die Sozialdemokratie glaubt einem Wahlkampf mit Zuversicht entgegensehen zu können. Das mag fein. Aber die Sozialdemokratie könnte sich doch aber auch täuschen, Wir glauben nicht, daß die nach außen hin mit so großem Nachdruck zur Schau getragene Zuversicht bei der Soziatldemokratie selbst auf so ganz festem Fuße ruht. Die Sozialdemokratie hat namentlich durch die letzten Demonstrationen zweifellos di« Lage nicht verbeflert. Es ist noch sehr die Frag«, ob ihre Aussichten wirklich so gut sind, wie sie selbst zu glauben scheint oder zu glauben vorgibt. Aber das mag einstweilen dahingestM bleiben, well ja niemand Dorants feiert kann, welchen Verlauf unter den gegen­wärtigen Verhältnissen ein Wahlkampf überhaupt neh­men würde. Aber geseift einmal den Fall, es würde der Sozialdemokratie gelingen, zusammen mit den Un­abhängigen eine Mehrhett zu erreichen. Glaubt man in der Sozialdemokratie ernsthaft, daß eine reine Linksregierung von Dauer sein könnte; ober sollte man bei der Sozialdemokratie feine Einsicht dafür haben, daß eine solche Regierung Kredit im Aus- lande Unter keinen Umständen haben würde? Von innerpolitischen Folgen ganz abgesehen, wie glaubt die Sozialdemokratie ohne Kredit aus dem Auslande der Lage Herr werden zu können?

Wie glaubt sie den Reparationsverpflich­tungen nachkommen zu können? Wir beschränken uns auf diese kurzen Andeutungen, um zu zeigen, wie allein cmßenpolitisch Schmierigkeiten von so unge­heuerer Größe die SoziaDemvkratie erwarten, selbst dann, wenn ein Wahlkampf für sie mit vollem Erfolg begleitet wäre. Wenn die Sozialdemokratie so stark auf die Arbeitsgemeinschaft mit den Unabhängi­gen pocht, so sollt« sie dabei nicht übersehen, dcß das, was bei den sozialdemokratischen Parteien mögllich ist, auch bei ben bürgerlichen Parteien durchaus im Bereiche des Möglichen liegt Wir können uns jebenfafls sehr gut die Möglichkeit vorstellen, daß bei einem etwaigen Wahlkampf, der von der Sozial­demokratie erzwungen wäre und der zwangsläufig zu einer Kampfstellung der bürgerlichen Parteien gegen die gesamte Sozialdemokratie führen müßte, eine Ar­beitsgemeinschaft der bürgerlichen Parteien oder ein sonst irgendwie geartetes Zusammengehen durchaus denkbar ist. Was die Sozialdemokratie jetzt tut, das hat, das sagen wir offen heraus, mit Politik überhaupt nichts zu tun. Die Haltung der Sozialdemokratie ist ganz und gar angegeben von rein parteipolitischen Gesichts­punkten.

Die Sozialdemokratie glaubt im Augenblick io stark zu fein, daß sie ihre Macht die übrigen Parteien fühlen lasten kann. Wir haben von der Sozialdemokratie bis­her eine bessere Auffassung gehabt., Sie hat sich, das erkennen wir auch heut« noch unumwunden an, in schwierigen Situationen dem Volksganzen und dem Vaterland« zur Verfügung gestellt, o^ire Rücksicht auf parteipolitischen Erwägungen. Umsomehr mußten wir es bedauern, wenn di« Sozüldemokratie bieten Weg setzt verlosten wollte, um reinen parteitaktischen und partei- egoistischen Erwägungen stattzugeben.

ort und tugenbfamem, gottgefälligem Wandel. Aber tue Seinen prüfet der Herr, so nahm er dem Ritter sein geliebtes Weib, des Pfalzgrafen Tochter, als Kunigund das Licht der Wett erblicket. Don Stund an zehrte der Gram an dem Herzen Herrn Kunos, sodaß er aller Fröhlichkeit der Welt abhold ward und einsam auf sei­ner Feste hauste. Seines Herzens einzig Labsal ist Kuni- gund gewesen, und er hat das Mägdlein nimmer von sich glasten und basfetbige auferzogen gleich einem Bu­ben, also daß Kunigund in allen ritterlichen Künsten, als da sind: Fechten, Reiten, Bogenschießen usw. so erfahren roarb, daß mgnniglich sich darob verwunderte. Und als Herr Kuno sich zu seinen Vätern versammelt, hat die Jungfrau ihr Erbe vermottet gleich einem Mann, furchtlos und unerschrocken, allezeit bereit, jedem Geg­ner Widerpart zu halten. Der Freier kehrten gar viele ein auf Burg Hoheneck, oen Kunigundens Liebreiz ge­fesselt; vor allen strebte der auf Burg Rötlichen hau- sende Ritter Sibo, ihre Minne zu gewinnen, doch schnöde wies sie ihn ab, da der Sibo ein gar rauher, wilder Geselle war, der mit Herrn Kuno von Hoheneck des Defteren in Fehde gelegen. Auch war das Herz des holdseligen Burgfräuleins gebunden an den Heinz von Flörsheim, einen woPgestallen Jüngling von feinen Sit­ten. Den hatte sie zum Gemahl erküret. Der finstere Sibo brütete Rache und gedachte den Glücklichen schlim­men Tort anzutun. Strich wie ein grimmer Wolf Tag für Tag um Burg Hoheneck herum, bereit zu ruchlosem Beginnen. Und es geschah, daß das Burgfräulein von Hoheneck aus den Bergen des Hunsrücks, wo sie des edlen Wridwerks gepflegt, eines Tages mit ihrem Troß heimwärts ritt. Am Brunnen im Tale hielt sie Rast, um die Roste zu tränken: dort faß die weife Els, ein uralt Welblein, so in den Sternen zu lesen verstand und das Schicksal der Sterblichen vorher zu künden wußte. Mit ihrem Stecken grub die Seherin verwor­rene Kreise in den Sand, also daß die Jagdgenosten scheu vor ihr zurückwichen und sich bekreuzten. Nur Kunigund faßte Mut und begehrte zu misten, was in den Furchen des Sandes zu lesen stund. Da erhob sich die Alte und verkündete mit hohler Stimme: Wahre den letzten Pfeil, so Du noch in Deinem Köcher birgst — er wird das Herz des Mannes durchbohren, dem Deine Minne gehört! Darob erschrak bas Fräulein baß und gedachte dem Rate getreulich zu urigen, zog den Unglückspfeil hervor, um ihn in Stücke zu brechen. In diesem Augenblick tönte der Schrei eines Hachts (Ha­bicht) aus der Höbe; rasch entschlosten legte Kunigund den Pfeil auf die Senne des Bogens und Ichnelltc ihn

Deutscher Reichstag.

Forlgefehke Besprechung der Jnlerpcllationen.

Im Reichstag wurde am Freitag die Besprechung der Interpellationen zum Schutzgesetz fortgesetzt Die De­batte vollzog sich diesmal in aller Ruhe.

Abg. Hensel (Dentschnat.) vollendet seine gestern ab- gebrochene Rede, während bie Linksparteien den Saal verlassen. Er mahnt zur Einigkeit. Die Einigkett in Ostpreußen habe dieses vor den Polen gerettet.

Abg. Dr. Götz (Dem.) protestiert im Namen des dem- schen Volkes gegen die Dolchstoßlegende. Wir alle hät­ten das Gefühl gehabt, unsere Pflicht für das Vaterland zu tun, im Felde und auch daheim. Redner tritt sodann energisch für den Reichswehrminister Geßler ein. Er habe die Auflösung der alten Formationen und die Ent- lassung vieler Taufender von Offizieren und Unteroffi« zieren sehr geschickt durchgeführt. Ihm sei es zu dan- ken, wenn die heutige Reichswehr sich wieder sehen las­sen könne. Die höheren Offiziere der Reichswehr, die noch Monarchisten feien, könnten noch nicht entlasten werden, weil kein Ersatz für sie da fei. Aber die Liste derjenigen, die entlasten werden mußten, weil sie nicht ehrlich für die Republik arbeiteten, sei groß. Die höhe- ren Offiziere seien alle der Ueberzeugung, daß es für jeden Baterlanbsfreunb nur eines gäbe, gemeinsam zu arbeiten und sich der Republik zur Verfügung zu stel­len. Wir sprechen dem R eich sw ehr minister und den Führern der Reichswehr unser Vertrauen aus.

Abg. Dr. David (Soz.) betont, daß er unter seine Verehrung für Hindenburg einen Strich am 18. Novem­ber 1919 gemacht habe, als Hindenburg im Unterfu- chungsausschuß die Dolchstoßlüge von sich aus aufge- nommen habe. Die Reichswehr fei heute ein Fremd­körper im republikanischen Staatsorganismus,, der le­bensgefährlich werden könnte. Auch tie Sozialdemokra­ten wollen keine parteipolitische Einstellung der Reichs- wehr, aber sie müsse fest auf dem Boden der Republik stehen. Statt besten werde im Offizierskorps heute der antirepublikanische Geist gepflegt und nur die monar­chistische Gesinnung gelte als gesellschaftsfähig. Den festen Willen der Arbeiterdemokratte „Nie wieder Krieg" unterstütze die Negierung. Die Zeit der Monarchen, die durch die Jahrhunderte die Geschicke des Volkes zu ihrem eigenen Vorteil geleitet haben, find vorüber.

Abg. Fröhlich (Kommunist): Was sollen uns Lob­reden auf den Hort der Reaktion, die Reichswehr, wie sie der Demokrat gehalten hat, was die historifche Er- gänzung der Schulbücher durch den Sozialdemokraten? Jetzt gilte, denen da drüben recht aufs Maul zu schlagen.' Wir haben keinen Reichswehrminister, sondern einen Kriegsminister, und der heißt Seetft.

Abg. Meyer-Zwickau (Soz.): Das Gerücht von der Errichtung eines Volkstribunals in Zwickau ist falsch. Es hat 2 Tote und 29 Verwendete gegeben. Minister Li­pinski ist falsch informiert worden. Die Demonstration selbst ist ohne Zwischenfall verlaufen. Erst nachher hat ein Arzt auf die sich verlaufenden Demonstranten aus seinem Fenster geschossen. Das hat die Mißverständ- niste verursacht.

Abg. Becker-Hessen (Dtsch. Volksp.) beantragt Ver­tagung. Von rechts wird außerdem die Beschlußfähig- kett des Hauses bezweifelt.

Nächste Sitzung Montag 5 Uhr: Interpellation Hergt wegen Unruhen in Thüringen und Jnterpellatton Be- cker-Hesten wegen der Vorgänge in Darmstadt. Ferner zweite Lesung des Gesetzes zum Schutze der Republik.

Preußischer Landtag.

Schuh- und Amnestiegeseh.

Frau Abg. Wolffstein (Komm.) fordert Ausdehnung des Amnestiegesetzes auch auf die Zeit vor dem Kapp- Putsch.

Abg. Dr. Seelmann (Dnt.) warnt vor einer zu weit gehenden Amnestie. Ferner würde die Amnestierung für den Eisenbahnerstreik ein Freibrief für künftige Falle fein.

dem gefieberten Räuber der Lüste in bie Brust. Sie sah ben Vogel stürzen und ritt getröstet von hinnen, denn des Pfelles war sie ledig. Aber da- Schicksal geht ver­worrene Pfade. Nur kurze Frist war verronnen, als Sibo von Rötlichen des Weges kam. Die schwarze Seele voll böser Gedanken hatte der Gauch im Walde auf der Lauer gelegen, doch waren bie Lagdgenossen eines anberen Weges gezogen, also daß er unverrichteter Dinge heimwärts ziehen mußte. Am Wege lag der von Kuni­gundens Pfeil durchbohrte Hacht; an dem in ben Schaft geschnitzten Hohenecker Wappen erkannte Sibo den Pfeil und nahm ihn rasch an sich; vielleicht konnte das Geschoß seinem Rachegelüste einst dienlich fein. Und kaum hatt' er ben Pfeil in seinem Kocher geborgen, als im Forste Hufschlag erklang und ein einzelner Reiters- mann bes Weges kam — Herr Heinz von Flörsheim. Der hatte sich auf der Pürsch verspätet. Darob freute sich der Ruchlose; im Gehölz verborgen spannte er den Bogen und durchbohrte dem ahnungslosen Jüngling mit Kunigundens Pfeil das Herz. Und auf heimlichen Schleichwegen enteilte der Mörder auf feine jenseits bes Rheines gelegene Burg.

Holzhauer haben den Leichnam des unglücklichen Heinz von Flörsheim gefunden, mit dem Todespfeil in der Brust. Sie brachten ihn nach Burg Hoheneck. Da zerraufte die schöne Kunigunde in wildem Herzens­jammer ihr goldenes Haar und hat geschworen, die blu­tige Mistetat zu rächen. Nur Sibo von Rötlichen könnt der Mörder fein, sintemalen der edle Heinz keinen Feind im ganzen Gau hatte — Sibo, besten Hand sie verschmähte, ber geschworen hatte, sie keinem anberen Mann zu eigen zu lasten. Aber sie hatte kein Zeugnis für seine Schuld. Nur die Vöglein des Waldes und ber Herrgott hatten bie grause Tat gesehen. Deswillen forschte Kunigund emsiglich, sendete Späher aus und ging felbsten, bie Wahrheit zu erkunden. Und Zeichen sanden sich. Ein Hirtenknab hatte den Ritter Sibo ge­sehen, wie er auf heimlichen Pfaden hinab zum Rhein schlich und im Gestrüpp bei der Mordstelle fand sich ein rot-schwarz Federlein, wie solche ber Ritter von Nal- lichen auf fernem Barett zu tragen pflegte. Kein an­derer als Sibo war der Mörder! Dem Wahnsinn nahe vor Herzeleid fchloß Kunigund sich in ihre Kemenate, um Vergeltung zu ersinnen, wie sie noch nie geübt roarb. Und ließ voll Arglist bem Ritter Sibo tünben, daß sie sein Eheweib werden wolle, sintemalen Burg Hoheneck bes Herrn entbehre. Zum Stuhlfest lub sie ihn mit feiner Sippe. Und Sibo, in feines Herzens wildem Gehre», i

I Abg. Theilmann (Soz.) betont, wer das Gesetz loyal auslege, dem fei es völlrg klar, da es sich nicht um ein Gesetz für Kappverbrcchen handelt, sondern nur um Ver­gehen, die mit ber Abwehr bes Kapp-Putschcs in Zu­sammenhang stehen.

Abg. 2*r. INeyer-Ostproußen (Komm.) erwidert, die Spitzenverbände ber Gewerkschaften hätten den Arbei­tern weitergehenbe Versprechungen gemacht und die So-' zialbemokrkaten sollten sich ihrer Macht bewußt fein.

Zu § 1 wird ein Antrag der Kommunisten auf wei­teste Ausdehnung der Amnestie mt 167 gegen 138 Stim­men unter Pfuirufen ber äußersten Linken ab gelehnt unb ber grundlegende Paragraph sodann gegen die Stim­men ber Deutschnationalen angenommen.

§ 3, ber bie Straftaten aus Anlaß bes Eisen­bahn c r st r e i k s in das Gesetz einbeziehen will, wird in namentlicher Abstimmung mit 172 gegen 144 Stimmen abgelehnt. (Erneute Protestkundge. bungen links.)

§ 4 sieht Fälle vor, in denen Straffreiheit nicht ge- währt wird unb bezieht sich auf Roheitsoerbrechen, Raub, Notzucht unb Branbftiftung. Unter erneutem Pro- test ber äußersten Linken werden die einzelnen Arten von Verbrechen, bie nicht straffrei bleiben sollen, nach ber Vorlage angenommen unb bann ber ganze § 4 mit 271 gegen 248 Stimmen angenommen.

Schließlich wird das ganze Amnestiegefetz un- ter Ablehnung ber von ben Kommunisten zu den ein­zelnen Paragraphen gestellten Erweiterungsanträge an­genommen. Das Gesetz tritt mit bem Tage ber Ver- tünbung in Kraft.

Nunmehr kommen bie Anträge über bas Difz! pli- narrecht für nichtrichterliche Beamte zur Debatte.

Abg. Dr. Sedmann (Dn.) tritt bafür ein, den Be­amten die Freiheiten nicht zu nehmen, die sie bisher hat- ten. Im übrigen fei das Gesetz vollkommen unklar. Wenn im § 1 von Verletzung von Beamtenpflidjten ge­sprochen werde, die tn bet demonstrativen ober agitato. rischen Förderung monarchistischer Bestrebungen liege, so könne kein Richter mit einer solchen Bestimmung et. was anfangen. Dem

Abg. koch (Komm.) geht das Gesetz nicht weit genug. Er verlangte eine gründliche Säuberung ber Beamten»

Artikel 1 wirb indessen unter Einfügung eines An­trages ber Demokraten angenommen, wonach bie Worte „demonstrativ" ober „agitatorisch" ersetzt werden durch „gehässig" ober „aufreizend".

Zum Artikel 2 über Dienstentlassung wird beschlossen, bas Wort „Entlassung" durch „Entfernung aus dem Amte" zu ersetzen.

Auch Artikel 5, der bestimmt, daß der Disziplinarhof aus 7 Mitgliedern bestehen soll, von denen 2 Richter bes Kammergerichtes sind, wirb angenommen. Ebenso bet Rest bes Gesetzes.

Es folgt das Disziplinargesetz für Richter.

Ein Antrag Porsch (Ztr.) unb Lampet (D. 23p.), von ben Mitglieber des Difziplinarsenats drei von dem Prä» sibenten des Kammergerichts aus dessen Mitgliedern zu ernennen, die übrigen aber aus ber Zahl ber preußi­schen Richter vom Staatsminifterium berufen zu lasten, wird mit 176 gegen 152 Stimmen angenommen, und bas Gesetz fobann im ganzen in zweiter Lesung erlebigt

Es folgt bie dritte Lesung des Etqts.

Abg. Koehler (Dn.) lehnt namens feiner Partei ben Etat ab, um ber Regierung, nicht bem Minister persön­lich, das Mißtrauen auszusprechen, roeil sie zu Aus­nahmegesetzen greifen müsse. Redner protestiert gegen das Verbot ber Regimentsfeiern, sowie der Bereinigung alter Offiziere und Soldaten. Er protestiert auch gegen bie Auflösung bes Hochschulringes, denen auch katholische Stubentenoereine angehören. Seine Partei habe nichts zu verkleistern. Sie habe gegen ben Abg. von Henning einen Untersuchungsausschuß eingesetzt. Aber durch Aus­nahmegesetze werde bas politische Leben nicht entgiftet.

Abg. Hellmann (Soz.) protestiert dagegen, daß man bie Sozialbemokraten von 1878 in Parallele stelle mit ben heutigen Deutschnationalen. Das Sozialistengesetz hetzte taufenb Unschulbiger in Tob und Elend. Der 2tt- tentäter auf Harden sei von der beutschoölkischen Drga-

fclgte frohlockend dem Rufe. In 'estlichen Gewändern ritt er den Weg nach Burg Hoheneck hinan, wo auf bem Scller bie schöne Kunigund ihm grüßend winkte. Doch als er nahe gekommen war und sehnend die Arme hob, da schwirrte ihm jach ber Pfeil, mit dem er den Mord an Heinz von Flörsheim begangen, von ber sicheren Hanb ber Jungfrau gesendet, in die Brust. In feiner Knappen Arme hauchte ber Verräter die schwarze Seele! aus. — Hat ihre Rachetat gefühnet, bie schöne Sunt-j gunb — hat im Kloster Sützkirchen, so sie jenseits bes Tales erbauet, Buße getan. Der Herre Gott schenk» ihr seinen Frieden."

Der Vorleser schwieg und legte das alle Manuskript wieder zusammen. In atemofer Spannung hatten die Zuhörer gelauscht und gaben jetzt ihre lebhafte Befriebi- gung über das Gehörte kund. Das Bild der schönen Kunigunde hatte erhöhtes Interesse gewonnen und der immer zu Scherzen aufgelegte Schwager Harden meinte, zu Helene gewendet:

„Nimm Dich in Acht, HÄenchen, daß es Dir nichts geradeso wie Deinem Ebenbild ergeht — daß die Bfeile aus Deinen schönen Augen kein Unglück anrichten!"

„Das hat keine Not mehr!" lachte ein anderer, ber, Schwager Friederici. „Helenchen hat schon ihren letzten Pfeil verschossen und damit einen Tauber mitten tn da» Herz getroffen!'

Alle brachen über bas anzügliche Wortspiel in eins lautes Hallo aus und begannen bas verlegene Liebes- paar so lange zu necken, bis Helene sich schließlich zu einem Gestänbnis bequemte. Wußte sie boch, daß ihre Eltern nichts gegen ihre Wahl einzuwenden hatten. Mit stürmischem Jubel wurde die Neuigkeit aufgenom­men. — Herr und Frau Hellborn gaben gerührt ihren Segen, von allen Seiten egnete es Glückwünsche unb Herr Allhofer, ber Burgherr, ließ es sich nicht nehmen, in Eile ein festliches Veriobungsmahl zu rüsten, bei welchem bie fröhliche Gesellschaft bis zum späten Abend zusammenblieb. Erst als der Vollmond sein silbernes Licht über bie in märchenhafter Schönheit unter ihnen liegende romantische Landschaft ergoß unb der Zeig« ber Uhr unerbittlich bie Stunbe näher rückte, in welcher ber letzte Eisenbahnzug zur Heimfahrt benutzt werben mußte, trennte man sich von dem liebensroürbigen Gast­geber und dampfte, auf bas Höchste von bem herrlich verlebten Tage befriedigt, wieder ber Vaterstadt zu.

(Fortsetzung folgt)