Einzelbild herunterladen
 

FuldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.

Donnerstag, 6. Juli 1922

Nr. 152

Wird gut daran tun, bei der Beurteilung der ganzen

erwiderte

Männer wurden verletzt. Später Haus der Gutleutstraße auf die Durchsuchungen der Häuser waren

wurde aus einem

Schutzmannschaft zog blank und feuerte. Es gab sieben Verletzte. In der Zigarettenfabrik Laurens, aus der die Arbeiterinnen zurückgeholt wurden, sind schwere Beschädigungen und Plün­derungen vorgekommen.

In D u r l a ch bei Karlsruhe wurden Bilder der verstorbenen Markgrafen aus dem Rathaus her­

ausgeholt und von der Menge zerrissen. In Lörrach sollen jchwere Ausschreitungen vorge- faüen sein.

nichts unternehmen sollte, ohne jedesmal über den Nutzen oder Schaden politischer Schritte sich vollständige Rechenschaft abgelegt zu haben. Nicht parteipolitifche

Bezugspreis: Monatlich 24.00 Mk. zugeltelU frei ins Haus- - Abgeholt in der Geschäftsstelle 23,00 Btt. s Anzeigen: Kleinzeile nach Colonel 2.00 Mk., ausw. 3,00 M. Reklamezeiie (Textbreite) nach Colone'maß 10 Mark.

Schwestern ab, denn während diese sämtlich die kern- hafte, etwas in das Derbe gehende Frische der Mutter geerbt hatten, glich die Kleine mit ihrer zarten Gestalt, dem alabasterweitzen Teint und dem rotgoldenen Haar- gewoge einer Elfengestatt aus dem Märchenreiche. Wie ein schÄmischer Puck flatterte sie im Hause umher. Der- hätschelt von den Eltern und geliebt und bewundert von jedem, in desien Gesichtskreis sie kam. Als sie in die Jahre gekommen war, verdrehten ihre schillernden Nixenaugen sämtlichen im Geschäft des Vaters ange- stellten jungen Leuten den Kopf, aber keiner von ihnen konnte sich rühmen, von dem schönen Mädchen jemals den geringsten Beweis einer wärmeren Zuneigung empfangen zu haben, und es waren doch junge Man- ner darunter die sich sehen lasten konnten und durchaus nicht als Bewerber um Helenens Hand zu verachten ge­wesen wären. Das Gefühl der Liebe zum Mann schien in dem Seelenleben Helene Hellborns zu fehlen, und wenn sie auch für Galanterien sehr empfänglich war, so trug ihre zur Schau getragene Freude über die allge- meine Verehrung einen durchaus kindlichen Charakter, wie sie sich überhaupt trotz ihrer zwanzig Jahre noch als recht kindischer Wildfang gebärdete. Ihrs auf­fallend hübsche Erscheinung hatte chr bei den jungen Männern der Stadt den Beinamendie schöne Helena- eingetragen, aber weder einem Menelaus noch einem Paris gelang es, die Begehrenswerte zu erobern. Schon mehrmals hätte sie, wie man sich erzählte, in die an- gesehensten Familien einheiraten können, doch lachte sie den mit ernsthaften Anträgen kommenden Freiern einfach in das Gesicht und erklärte, daß es ihr nicht einfiele, schon jetzt unter das Ehejoch zu kriechen dazu wären die Jugend und die ungebundene Freiheit viel zu schön. Dabei teilte sie ihre Körbe mit einer so neckischen kindlichen Unbefangenheit aus, bat mit einer solchen Herzlichkeit die Abgewiesenen, sie doch mit so dummem Zeug wie Heiratsanträgen zu verschonen, daß ihr keiner im Ernst böse sein konnte und jeder mit der Men Hoffnung von dannen ging, daß viel- leicht mit der Zeit eine Aenderung in den Gesinnungei, der spröden Schönen eintrete.

tFortledung folgt.)

Polizei geschossen. ..... . .

erfolglos. Fünf jugendliche Personen wurden fest.

Stuttgart angekommen war, wo er sich auf lösen sollte, zog ein Trupp von vier- bis fünfhundert Leuten aJustizgebäude. Auf dem Wege dorthin wurde ein int, der irgendeine Bemerkung über den Zug ge- t hatte, von den Demonstranten blutig geschlagen. Am Gefängnisgebäude wurde ein T or e ingedrückl und die Mengs drang unter Vorantragung roter Fahnen in den Gefängnis Hof ein und verlangte Freilassung der Gefangenen. Die staatliche Ood-

n-rantworUiä! für den reüattionellen Teil t A. Wetzler» - für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. z Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fuwa. Fernsprecher Nr. 9. Postjcheck - Konto 4051 Frankfurt a. M.

Der Crnst der inneren Lage Die Frage der Regierungserweiterung.

Es wird die Ausgabe der nächsten Zeit fein, in eine gewissenhafte Erwägung einzutreten, wie dem deutschen Volke dazu geholfen werden tarnt, daß es von einer Regierung verkörpert wird, die.soweit wie dies in der Praxis parteipolitisch überhaupt möglich ist, a&> auf* bauwllligen Schichten in sich enthW. Das Gesetz zum Schutz der Republik farm vielleicht als Auftakt dafür dienen, bis wieweit die Willigkeit der Staatserhalttmg reicht. Dieses Gesetz braucht, da es sich in ihm auch um oerfaffungsändernde Maßnahmen handelt, die

fein, als das parlamentarische Leben in der allernächsten Zeit von drei wichtigen VvrgänMi beherrscht fein wird: Das Gesetz zum Schutze der Republik, die Frage der Amnestie und der geplante, von der MehrhetiÄsogial- bemofraiHe ersehnte und betriebene Eintritt der Unabhängigen in die Regierung. Es ist nicht zu leugnen, daß in diesen Fragen allerlei toppen

Die innerpolitische Lage, die an sich durch die schwie- eigen Verhandlungen itoer die Getreideumlage eine Spannung mit der dauernden Gefahr der offenen Reichs­tagskrise erfahren hatte, wurde durch die Ermordung des Außenministers Dr. Rachenau miss äußerste ver­schärft. Und wenn es auch der raschen Entschlußkraft und Energie der Regierung sowie vornehmlich des Reichskanzlers zu verdanken ist, daß die großen politi­schen Gefahren, die sich aus der Tat ergeben mußten, vermindert worden sind, so steht doch das eine ein­wandfrei fest, daß abgesehen von den schweren außen­politischen Wirkungen auch die Lage im Innern als immer noch ernst und in den kommenden Ent­wicklungen nicht ohme Besorgnis anzusehen ist. Die Gefahren mögen gemildert sein, aber sie sind noch nicht überwunden. Und wenn jetzt die sozialistischen Gewerk-

nungspolrzet griff sofort mit genügender Mannschaft ein um den Hof zu räumen. Bei der Durchführung der Räumung kam es trotz des ruhigen Auftretens der grünen Polizei zu weiteren Zwffchen füllen. Die Mengs griff nach im Hofe liegenden Holzscheiten und setzte sich mit diesen zur Wehr. Ein Polizeioffizier erlitt eine erhebliche Kopfverletzung: außerdem wurden einige Polizeileute durch Stockschläge und durch geschleuderte Bierflaschen leicht verletzt. Rach der Räumung des Gefängnishofes wurden die das Gefängnis umgren­zenden Straßen von der Pol izei ab gesperrt. Einer der Rädelsführer wurde verhaftet.

In Zittau nahmen an der Demonstration auch die Arbeiter des staatlichen Kraftwerkes in Hirschfelde teil. Diese zogen in großen Trupps noch der Schiitzen- wiese, drangen hier in das Schützenhaus em, nahmen den Schützen mit Gewalt die Gewehre weg und zer­schlugen sie. Daraus zogen die Arbeiter, zum größ­ten Teil Linfsradikale, vor dieZittauer Morgenzei­tung". Hier verlangte eine Abordnung, daß sich der

Der Sturz von 6er höhe.

Roman von Fritz Ritzet..

1. Kapitel.

Dar hatte sich wohl der alte, längst selig entschlafene Andreas Hellborn in seinem Leben nie träumen lassen, daß aus feinem kleinen, in einer engen Gaste der Alt­stadt gelegenen Uhrmachergeschäst sich ein so großzügiges EtabllstemeM entwickele, wie es sich heute in einer der ersten Straßen seiner Heimafftadt den bewundernden Blicken der Vorübergehenden darbot. lind sein Sohn, der Ulrich, wohl auch nicht, als er mit dem Ränzel auf dem Rücken und dem Stecken in der Hand vor fünfzig Jahren, begleitet von den Segenswünschen seiner Eltern in die Fremde zog, um sich dort in seiner Kunst zu ver- vollkommnen Das war ihm in weitestgehendem Maße gelungen. Ueber ein Jahrzehnt war er draußen geölte» ben und hatte sich in den ersten Uhrmacherwerkstätten chlEz mit unverdrossenem Fleiß und echt deut- LmL 3u einem wahren Künstler ausge-

b das komplizierteste mechanische Rätsel

u ? und eine nicht unbedeutende eigene Mq6. Erst als sein Vater da- Zeit- lichc g s 8 hatte, war Ulrich als angehender Dreißi- 8e-r>onbe5 Mädchen"' Jiatte ein braves, nicht unver- rchS^des geheiratet und das alte Uhrmacher-

8^, t ln gch h^-rnIe.Utr6ou^n Hauptstraßen der Stadt au! e °°n Mr ju Jahr vergrößerte, fobafiL Stifter 'm e^te in der ganzen Stadt galt. UH» "'Vsdmfien nnn^5 Wohlstand bei seinem ziel- bewußten . ' b n M zu Jahr hob, blieb auch ®* nicht aus. wenn owh m « Angebinde, die Gevatter

sS*",''"** Wim. !?* el-tmab-lte - sechs Müdch-n^°^'" brachte der LnnggeN _ und die e$rn Verlauf von fünf* -°hn i Buben gehabt ,^°tten bsd> 9ern

emCIts ?b'fbenbe Geschäft nicht 01,5 dem Grunde, um bQ5 Sn- Aber was mar Jre,nbe Hände kom-

***** -» VL

für den heutigen Staatsgedanken werden. An diesem Gesetz wirb es sich entscheiden, ob wir in der Lage sind, uns zu konsolidieren und auf breitere Grundlagen zu stellen, oder ob wir in einer Krise enden mästen, die mir von der Unreife unseres politischen Lebens Zeugnis Mögen könnte.

Der Reichspräsident zur Sage,

Der Reichspräsident besprach mit dem Reichskanzler eingehend die politische Lage. Ueber die Richtlinien der Politik herrschte völlige Uebereinftimtmning. Mit dem Reichskanzler ist der ReichspräsÄent der Meinung, daß das Gesetz zum SchuA der ReMlik eine dringende StaatsnotwendigkeitMÄdaß feine Ser ab» schiedung im Reichstag unbedingt geb o. tenist. ,

Die sozialistischen Kundgebungen.

In Berlin.

Auch die zweite Senwnftration, die die Ber­liner Arbeiterschaft unter Führung der Gewerkschaf­ten und der drei sozialistischen Parteien heute nach­mittag, diesmal im Westen Berlins, an der Kaiser Wilhelms-Gedächtniskirche für die Repu- blik und gegen die Reaktion veranstaltete, ist un­gestört und ohne ernste Zwischenfälle verlausen. Es waren einige hunderttausend Menschen, die aus allen Teilen Berlins zunächst in kleine, allmählich Uch verstärkenden Zügen der genannten Kirche zu- stromten und auf dem Augusta Viktoria-Platz und in den dort mündenden Straßenzügen Ausstellung nahmen. Man hörte den Vortrag einer Musik­kapelle, fang die Internationale und dann fetzte sich der Demonstrationszug über den Kurfürstendamm nach dem Halensee zu unter dem Vorantritt einer Musikkapelle in Bewegung. Zahlreiche rote und schwarz-rot-goldene Fahnen belebten das Masten­bild. D«zu kamen zahlreiche Plakate mit Inschrift ten, die der Demonstration angepaßt waren, wie: .Nieder mit der Reaktion!",Nieder mit der deutschnationalen Mörderbande!"; ein Plakat zeigte den roten Adler mit dem Abzeichen der S o w j e t - der auf den Umtausch der von ihm gebrachten Spröß- ttnge em, noch berücksichtigt er irgendwelche Wünsche für die Zukunft. Fast regelmäßig alle zwei bis drei Jahre hieß es: die Hellborns haben wieder ein nagel­neues Mädchen gekriegt, und wohl oder übel mußten die von allen Seiten beglückwünschten Eltern dasselbe behalten. Und sie behielten ein jedes der Neuange­kommenen gern, denn eines war reizender und her­ziger als das andere. Die Kinder wuchsen heran, und das älteste, die Käthe, war zu einer reizenden Jungfrau erblüht, auf deren blondem Haare schon der Braut­kranz lag, als es dem launigen Meister Sangbein auf einmal einftel, daß er die Hellborns ja zehn Jahre lang total vergessen hatte. Flugs legte er ihnen noch­mals einen kleinen Schreihals in die Wiege selbst- verständlich wieder ein Mädchen zum Gaudiirm der launigen Nachbarschaft, die es dem glücklichen Vater dringend ans Herz legte, es nicht bei der Unglückszahl sieben bewenden zu lasten, sondern auch die noch an dem vollen Dutzend fehlenden Mädels zu bestellen. Aber davon wollte Meister Ulrich nichts wisten. Sein Be- darf an Mädels wäre jetzt reichlich gedeckt, meinte er scherzhaft, und das einzige, was er noch zu bestellen habe, das feien passende Schwiegersöhne. Die ließen denn auch nicht auf stch warten. Kaum war das blonde Käthchen unter der Haube, als auch die zweitälteste, braunlockige Anna Men Haselnußaugen einem Jüngling das Herz in Nammen gesetzt hatte, und schon das Jahr darauf Hochzeit feierte. Und so ging es fort. Die Hellborns Mädchen gehen ab wie die Wecke auf dem Laden", sagten die Nachbarn; keines von ihnen umrde tausend Wochen alt. ohne daß ein Freier auf der Bildfläche erschienen wäre, und als das spätgeborene Nesthäkchen zehn Jahre alt gm,orden war, da folgte seine nächstälteste Schwester, die Gustel, einem in der Nähe der Stadt wohnenden Gutsbesitzer in besten Heim als Gattin.

Die verschiedenen Freier wußten sehr wohl, was sie taten» als sie sich um die Mädchen aus dem Hellbornschen Hause bewarben. Nicht nur schöne, sondern auch tüch­tige Frauen holten sie sich- Frau Christtne Hellborn war noch eine Mutter vom alten Schlage, die ihre Töchter in der mustergültigsten Weise erzog und mit

repubHt und der Inschrift:Hoch die rote Re- publik", ein anderes einen bewaffneten Arbeiter über der Leiche eines Kapitalisten; eine Tafel trug das Bild einer an einem Galgen baumelnden Leiche mit der Inschrift:Für Helfferich und Genossen!" Während des Marsches wurden die Marseillaise und die Internationale gesungen und Hochrufe auf die Republik, die Internationale und die proletarische Weltrevolution ausgebracht, andererseits Nieder!» Rufe auf Hindenburg, Ludendorff, die Hohenzol» lern, die Mörder Rathenaus und die Schieber des Kurfürstendamms. Das Publikum auf den Straßen hielt sich ziemlich zurück; die Läden und Cafes wa­ren geflossen. Oesters wurde Zuschauern der Hut vom Kopfe geschlagen, wenn sie die Internationale zu grüßen ablehnten. Am Bahnhof Halensee klet­terte ein Bursche auf einen der großen Kandelaber und vollzog dort unter tosendem Beifall der Menge die Hinrichtung Ludendorffs, der in Form einer lebensgroßen Puppe in Generalsuniform mit Schärpe und rotem Hakenkreuz aufgehängt wurde.

Im Reich.

In Frankfurt a. M. ist die Demonstration der vereinigten sozialistischen und kommunistischen Parteien nicht ganz so ruhig verlaufen, tote die in der Vortooche. In der Kaiserstraße ward ein Schild mit der AufschriftKöniglicher Hoflieferant" mit Steinen beworfen und auf die Straße geschleu­dert. Auch andere Hoflieferantenschilder

wurden zertrümmert. Da sich bei diesen Vorgängen die Menge staute, schritt ein größeres Polizeiaufgebot ein und räumte die Straße. Die Demonstranten forderten die Zurückziehung eines Panzerautos der Polizei, das in der Kaiserstraße in der Nähe der Moselstraße hielt. Der Kommandeur der Hundert­schaft gab, um Ruhe zu schaffen, Befehl zur Abfahrt des Automobil-. In demselben Augenblick wurden zwei Schupobeamte niedergeristen. Als nunmehr die Polizei die Straße räumen wollte, fiel ein Schuß aus der Menge, Steine wurden geschleudert und ein Polizeibeamte wurden am Kopf getroffen. Scharfe Schüsse fielen aus den oberen Stockwerken einiger Häuser in der Kaiserstraße. Die Polizei die Schüsse. Zwei Männer wurden verletz

genommen.

Bei dem Demonstratronszug kam es in Marburg in der Nähe des Marktes, wo gerade Smarkt abgehalten wurde, zu Tumulten. Ein ent, der durch einen Schuß einen Zugteil­nehmer verletzt hatte, wurde durchgeprügelt und mußte dann im Zug ein Schild tragen.

In Fulda vollzog sich der Demonstrationszug in Ruhe und Ordnung. Zwischenfälle ereigneten sich nicht. Die Zugteilnehmer brachten Hochrufe auf die Republik und Ruse: Niedermit der Reaktion! aus. An der Hauptwache sprachen: Pfeifer, Hertel und Erdnis.

Die Demonstrationen in Hamburg, Köln, Mainz, Ludwigshafen, Darmstadt, Karlsruhe, Weimar, Gotha, Eisenmh, Gera, Altenburg, Saalfeld, Dres­den, Bautzen und, im ganzen betrachtet, auch in München sind ebenfalls ohne Zwischenfall verlau- fett. Von mehr oder minder schweren Störungen der öffentlichen Ordnung wird aus einigen Städten berichtet:

Rach Auflösung des Demonstrationszuges kant es in Wiesbaden zwischen der Polizei und

Worten solle. Der Redakteur lehnte dies ab. Mitt­lerweile war die Menge vor das Amtsgericht gezogen, wo man die Absetzung eines unbeliebten Beamten for­derte. Ws sich das Gerücht verbreitete, daß man die Gefangenen befreien wolle, wurde die LandWpolizei emgescht. Der Führer der Truppe verhandelte mit den Kommunisten und das Ergebnis war, daß die Polizei wieder abzog, nachdem die Kommunisten zuye- fagt hatten, daß sie ebenfalls den Platz räumen wür­den. Tatsächlich umlagern sie noch immer das Gerichte, gebäude.

(Ein Krbeitgeber-protest.

Der im Zentralausschuß der Unter­nehmerverbände zufammengeschlagenen Zei­tungsorganisationen der deutschen Berufsstände ha­ben an das Reichskabinett und den Reichs­tag folgendes dringende Telegramm gerichtet:

Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbunv und der Allgemeine Freie Angestelltenbund legten in Verbindung mit den sozialdemokratischen Parteien die Produktion, den Handel und den Verkehr in der Reichshauptstadt und im Reiche still, um politische Forderungen durchzusetzen. Die unterzeichneten schaffenden Verbände des Deutschen Reiches lehnen eine solche Verquickung wirt­schaftlicher Kampfmittel mit politischen Forderungen mit allem Nachdruck ab. Eine solche Gewaltpolitik ist nur dazu angetan, unser Wirt­schaftsleben erneut Erschütterungen auszusetzen und dar Vertrauen des In- und Auslandes auf die schaffenden Kräfte Deutschlands zu vernichten. Wir protestieren des­halb gegen diese folgenschwere Störung des Wirtschafts­lebens und erwarten von der Regierung und Volksver­tretung. daß sie solchen eigenmächtigen und das Land schädigenden Handlungen mit allen zu Geboie stehenden Mttteln eUtgegentreten.

Vas Gesetz zum Schutze ver Republik ist dem Reichstag zugsgangsn. Die ursprünglich in diesem Gesttzentwirrf miteuthattene A m n e st i e ist vom Reichsrat m em besonderes Gesetz umgear beitet Der Reichsrat hat an dem Entwurf zum Schutz der Repu­blik eine Reihe wichtiger Veränderungen vorgenommen. Dor allen Dingen ist der verfassungs­mäßige Charakter der Republik festgelegt, sodaß durch

aller Energie dafür sorgte, daß keine von ihnen von Anschauungen angekränkell wurde, die nur im entfern­testen nach moderner Emanzipation der Frauen roch. Höhere Schulbildung wurde ihren Kindern zuteil; Musik Malerei, Literatur und andere schöne Künste mußten sie betreiben, aber das waren in den Augen der kern- hasten Frau Christine Nebendinge, die nur zur gelegent­lichen Verschönerung des Daseins dienen dursten; der Schwerpunkt ihrer Erziehungsmethode lag in dem Be­streben, die Mädchen in allen Zweigen des Haushalts, wie Kochen, Waschen, Backen, Nähen usw auszubilden und sie mit Arbeitsfreudigkeit für diese notwendigen all- täglichen Dinge zu besehen.Nur dann werdet ihr mti euren künftigen Männern glücklich fein so predigte die wackere Frau ihren Sprößlingenwenn ihr den­selben ein behagliches Heim zu bieten versteht und trotz einem Hotelchef in dec Küche Bescheid wißt, denn der Weg zum Herzen des Mannes geht durch den Magen. Eine vermögenslose Frau, die tüdjtig arbeiten und dem Haushalt selbständig vorstehen kann, ist einem Manne mehr wert wie eine elegante Zierpuppe, die ihm Hun- derttausend in das Haus brachte, aber nichts kann als auf der faulen Haut zu liegen, den modernen Der- gnügungen nachzujagen und Geld auszugeben. Das bringt die dümmste Gans fertig aber zusammen- zuhalten und selbst wirken, anstatt sich mit zahllosen Dienstboten herumzuärgern, das will gelernt sein!

Frau Christine traf mit ihrem gesunden Menschen­verstände immer den Nagel auf den Kopf, und ihre Vorhersage bewahrheitete sich. Ihre sechs verheirateten Töchter lebten mit ihren Gatten in den glücklichsten Chen; hatten die Paare doch auch sämtlich das heilige Band aus reiner Herzensneigung geknüpft. Letzterer Umstand aber war es, der einen Herzenswunsch Mei­ster Ulrichs unerfüllt liefe keiner der jungen Ehemän- ner war vom Fach, sodaß der Alte sich in einem von ihnen einen Nachfolger im Geschäfte hätte erziehen kön­nen; so mußte er denn selbst die Zügel in den Händen behalten und hoffen, daß die Nachgeborene, das Len- chen, sich dereinst einen in der Uhrmacherkunst ersah- renen Gespans erwähle.

Leuchen war ein quecksilbernes Ding von eigentüm­licher Anmut. 2n ihrem Aeußern wich sie von den I

sie bestehen wollen, sondern wenn es zu gemeinsamen Aktionen aller gewerkschaftLchen Richtungen gekommen ist unld wenn darüber hinaus auch die sozialistischen Parteien mti Ausnahme der Kommunisten auf dem Wege über die Massen zu einer Einigung und damit zur Verstärkung ihrer Front treiben, so mögen die rechts­stehenden Katastrophenpolitiker und Fanatiker darin die Früchte ihrer vollständig irregeleiteten und das Volk verhetzenden Politik sehen. Das Spiel, das verant­wortungslos und leichtsinnig von den rechtsradikalen Politikern getrieben wird, indem es gewollt oder unge­wollt ouf Gewalt abzielt, die Autorität des Staates untergrabt und neue revolutionäre Bewegungen herauf­beschwört, kann diesen Herren seübst leicht den Kopf kosten und den gesamten Staat in ein innen- wie außen­politisches Chaos stürzen.

Umsomehr wundert es uns, daß die politische Un­mündigkeit eines Telles des Volkes immer noch so groß ist, diesen rechtsradikalen Drahtziehern Folge zu leisten, da sich an ihre Fersen die Staatszersetzung heftet. Auch diese Erschütterung unseres politischen Lebetrs wird noch lange nachwirken. Zunächst sind nur die direkten Fol­gen spürbar. Ganz abgesehen davon, daß die wieder­holten Demonstrationen der sozialistischen Gewerkschaf­ten nach außen hiri deutlich zu zeigen vermög«, wo wir stehen, ist auch die parlamentarische Lage durchaus un- fidjer und ungeklärt. Es besteht kein Zweifel, daß weite Teile der Sozialdemokratie den (^danken einer Reichstagsauflösung, der schon bei der Frage der GetrelLeuimtage eine nicht unbedeutende Rolle spielte, durchaus noch nicht aufgegeben hab«, ja daß auch bürgerliche Kreise und vornehmlich die Demokraten einen solchen Gedanken zummdesten nicht scharf ablch- nend gegenüberstehen. Wir wollen uns in diesem Zu­sammenhänge auf die Folgen und Wirkungen einer etwa erstrebten Reichstagsauflösung nach innen wie nach außen nicht näher aussprechen, sie müssen jedem Lenkenden Menschen klar sein aber soviel wollen wir zusammenfassend doch darüber sagen, daß wir es für das gesamte Volk als ein Unglück ansehen würden, wenn durch erhitzte und erregte Wahlen der Riß unter uns noch immer stärker würde, obwohl sich, und das muß in objektiver Beurteilung durchaus zugegeben wer­den, daß Mittel der Volksbefragung, in Fällen der äußersten Notwendigkeit sicherlich ails heilsam erweisen kann aber nicht immer notgedrungen als heiisam er­weisen muß. Dieses Mittel soll außergewöhnlich eben nur dann zur Anwendung gelangen, wenn wirklich der alleräußerste Fall gegeben ist und die Staatsma­schinerie den Weg vollständig verlegt sieht. In diesem Fall sind aber noch nrehr wie die innenpolitischen Fol­gen die außenpolitischen Wirkungen in Betracht zu ziehen. Sie sind so start, daß man in DeutMand