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FuldaerZeilung

Nr. ,51.

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Verantwortlich für den ceüaulonellen Teil 133.: A. Weßler- - für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. u Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, ^erniprecher Nr. 9. Postscheck - Konto 4051 Frankfurt o. M.

Mittwoch, 5. 2uli 1922»

Bezugspreis: Monatlich 24.00 Mk. zugestellt frei ins Haus- u Abgeholt in der Geschäftsstelle 23,00 Mk. :: Anzeigen: Kleinzeile nach Colonel 2.00 Mk., ausro. 3,00 OTf. Reklamezeile (Tertbreite) nach Colone^maß 10 Mark.

49. Zahrg.

Jas Gesetz zm Wz der ReML

Der Entwurf im Rerchsrat angenommen.

Abzug -er Besatzrrngstrupperr ans Oberschlesien.

?n der MontaALsitzrkng des Reichs rat es ist der F-esetzemnmrf zum Schutz der Republik mit -18 gegen 18 Stimmen angenommen worden. Dagegen stimm­ten außer Bayern die PwvüHen Ostpreußen, Brandenburg, Pommern, Westpreußen, Posen, Niederschlefien, Oberschlesien, Schleswig-Holstein und Hessen-Rassau. Das Amnestirgesetz wurde mit 55 gegen 11 Stim­men ebenfalls angenommen. Dagegen stimmten Bayern und Bremen. Die erforderliche Zwe^.ittelmchr- heit ist also bei beiden Gesetzentwürfen vorhanden. Zahnenwechsel in Beuchen und Gleiwitz.

. Montag vormittag 10 Uhr haben die Engländer die drei Fahnen der Alliierten in Beuthen nieder­geholt, wobei eine englische Kompagnie präsentierte. Darauf wurde die schwarz-rot-goldene Reichs­flagge gehißt. Auch hierbei präsentierten dre Engländer, während die ausländischen Offiziere Ehrenbezeugungen erwiesen. Die nach vielen Tausenden zählende Menge brach in be­geisterte Hochrufe aus. Oberbürgermeister Dr. Stephan richtete an die Bevölkerung eine kurze An­sprache, die in ein Hoch auf das deutsche Vaterland ausklang. Nach dem Gesang des LiedesDeutsch- land, Deutschland über alles" grüßte der Vertreter des Landkreises Beuthen die Fahne und brachte ein dreifaches Hoch auf die oberschlesische Heimat und das deutsche Vaterland aus. Nach der Feier ver­ließen die Vertreter der interalliierten Kontrollkom- mifsion und der Rest der englischen Besatzungs­truppen die Stadt. Die Bevölkerung ist in geho­bener Stimmung; die Häuser tragen reichen Flaggen­schmuck. In Gleiwitz fand der Flaggenwechsel in schlichter Weise statt. Interalliierte Truppen waren nicht aufgebotcn. An der Feier nahmen nur die Ver­treter der städtischep Behörden teil. Die Mitglieder der interalliierten Kontrollkommission und die letzten Besatzungskruppen verließen nach der Uebergobe der Regierungsgewalt an die deutschen Behörden die Stadt. Unter der Bevölkerung herrscht Jubel.

Die Unabhängigen wollen in -ie

Das gekennzeichnete Verfahren der beiden Par­teien ist Agitation. Mit Politik hat es nichts zu tun. Auch bei der Mstimmung über die freiblei­bende Fläche haben die beiden Rechtsparteien eine eigenartige Rolle gespiel. Bei der zweiten Lesung der Eetreidumlage stimmten sie für 2 Hektar, während Zentrum, die MchrheitssozilÄdemokratie und USPD., um eine volkswirtschaftlich vernünftle Durchführung des Gesetzes zu ermöglichen für 1A Hektar votiert. Bei solcher Äichlage mußten sogar die Rechtsparteien ohne Gefahr für den non ihnen vertretenen Großgrundbesitz sich als die Sachwalter der kleinen Landwirte auf­spielen. Bei der dritten Lesung stimmten die Unab­hängigen für 2 Hektar, sodaß Zentrum und Mehrheits- sozioSdemokratie keine Mehrheit mehr hatten. Boi sol­cher Sachlage stimmte auch das Zentrum! für 2 Hektar und mm, wo es ernst wurde, stimmten die beiden Rechts­parteien bei der dritten Lesung für 1^ Hektar. Wenn nunmehr der Mistel- und Großgrundbesitz die Getreide- umlags so gut wie allein aufbringen tomi, so mag er sich dafür bei den beiden Rechtsparteien bedanken.

Segen die neue Krbettsruhe.

Wir glauben nicht, daß es im Sinne des ermordeten Ministers Rathsnau liegt, daß durch DemonstratnmM, wie sie von den sozialistischen und freien Gewerkschaften zum 4. Juli geplant sind, das deutsch» Wirtschaftsleben empfindlich gestört werde. Vor allem aber liegt es ganz sicher nicht im Interesse der Republik und des Reiches, daß derartige Störungen des Wirtschaftslebens so rasch hinterMWnder erfoilgen. Diese Domonstrationen sind auch überflüssig, nachdem der Rerchsrat bereits das Gesetz zum Schutze der Republik angenonrmsn hat.

Diese Ansicht vertritt auch der Berliner Gewerk­schaftsring der Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenverbände. Er erklärt, daß er an der von den sozialistischen Parteien und dm srrtm Ge­werkschaften angeoürneten ArbÄtsruhe am 4. 3utt sich nicht beteilige. Es stehe än Widerspruch mit dem Sinne der Kundgebung für den Schutz der DerMung und Ordnung, wenn diese Kundgebung mit Arbeitsein­stellung und MasfeNdemonstratiEir eingeleitvt werde. Durch den DruckderStraße könne die; Ver - fassung nicht geschützt werden. . z,

Die ameManische Streikbewegung.

Vor einer Versammlung von Grubenbesitzern und -Arbeitern hielt Harding eine Ansprache, in der er erklärte, es liege im Interesse der Arbeitgeber und der Bevölkerung, daß erstere mit ihren Arbeitern zu einer Einigung kämen. Wenn die Parteien allein den gegenwärtigen Streik nicht beilegen könnten, siehe 'die Regierung mit ihrer Hilfe zur Verfügung.

Dem allgemeinen Streikaufruf der Vorsitzen- Iren von sechs Verbänden der Ei senbahnwer k- tüttenarbeiter haben bisher ungefähr 50 000 Arbeiter von den Eisenbahnen der Neu-Englaud-Staa- ten bis zu den westlichen transkontinentalen Linien Fc<ge geleistet, indem sie die Werkstätten verließen. Eine Störung des Bahnverkehrs ist bisher noch nicht eingetreten, da das Lokomotiv- und das Zugper­sonal von dem Ausstand nicht berührt ist; affe Züge treffen fahrplanmäßig ein.

9i6 WM-liMMWn MUMM

Daily Mall" meldet, daß die Verhandlungen mit Frankreich über den Pakt, bezüglich des­sen der französische Ministerpräsident vor kurzem in London war, nicht so glatt verlaufen sind, rote man berichtet hat. Die britische Regierung habe xiyre Bereitwilligkeit ausgedrückt, einen solchen Pakt abzuschrieben und sich zur Verteidigung Frankreichs zu verpflichten, falls französisches Gebiet angegrif­fen werde. Frankreich fei jedoch ersucht worden, in der Reparationsfrage in Uebereinstim- mung mit Großbritannien zu handeln. Poincare fei nicht in der Lage gewesen, mit Lloyd George eine Uebrreinstimmung in dieser Frage zu er­reichen. Inzwischen werde, lautDaily Mail", die Haager Konferenz möglicherweise zu einer gemein­samen Aktton in einem größeren Rahmen, als ur- sprünglich beabsichttgt, fuhren.

\ Im übrigen seien die Gründe für die Krise im fran­zösischen Bergbau nicht allein in der Reparations­kohle zu suchen. Einen großen Teil der Schuld treffe England, das in Frankreich die Kohlen bil­liger als im eigenen Land verkaufe. Als Ergebnis der Aussprache wurde von dem Kongreß eine Ent­schließung einstimmig angenommen, in welcher dem Vorstand des internationalen christlichen Bergar­beiterbundes die Frage der Beschaffrmg und Der- teilung der notwendigen Kohle für die Industrie und die Wirtschaft aller Länder zur baldigen Klä­rung und Lösung überwiesen wird.

Regierung.

Die Ermordung Raiyenaus hat die innerpolitischen Dinge in Fluß gebracht. Schon seit einiger Zeit verlautete, daß die Unabhängigen daran dächten, aktiv an der Regierung teilzunehmen und daß sic nach dieser Richtung hin ihrerseits die Initiative zu ergreifen beabsichtigten. Diese Gerüchte haben jetzt feste Gestalt angenommen. Wie wir erfahren, hat die Fraktion der U. S. P. D. mit großer Stimmen­mehrheit gegen eine nur geringe Opposition den Beschluß gefaßt, wegen ihres Eintritts in die Regierung unter bestimmten Bedingungen an die Mchrheitssozialdemoklatie und an die in Frage komtnenden Stellen heranzutreten. In diesem Zu­sammenhänge wird auch bereits ein Name genannt, der aus den Kreisen der Unabhängigen, wenn ihr Eintritt in die Regierung erfolgen sollte, zu einem Portefeuille ausersehen ist. Es ist der frühere Chef- redakteur der Freiheit Dr. Hilferding, der auch als Finanzsachverständiger sich unter der deutschen Delegation in Genua befand. Man denkt in unab­hängigen Kreisen wohl daran, daß er für daS immer noch zu besetzende Wiederaufbauministerium in Frage kommt.

Heber den Schritt der Unabhängigen läßt sich so lange nichts sagen als nicht "ihre Bedingungen bekannt sind.

wie man nicht Politik machen darf. Aus pavlamentarqchen Kreisen wird uns geschrieben: Die landwirtschaftlichen Drgamfatioiten haben sich Wit größer Schärfe gegen die GetreLeumtage eingesetzt, ^mn ist es rm besonderen in anormalen Zeiten sehr schw:ertg, den Gang der Gesetzgebung im öoraus durch vrganffationen, die außerhalb des Parlaments stehen, C'£?ni,?en Zu wollen. Im vorliegenden Fälle sind «rrch das Verhalten der lcmdwrrtschaftlichen Orgam- Abgeordneten der Zentrmnsportei, die der rtM^oirtschaft nahestehen, in die schwierigste Lage ge- Sie wollen nichts unternehmen, was Beschlüsse der landwirtschaftlichen Orgawsa- otaWnJ btc Ze-ttrumsfraktion aber wollte nid} ohne SDötoRdkL ®e9en .chre landwirtschafLich nahestehenden umrde auch sie bei der VorMt^br-tge m chrer Aktionsfähigkeit gelähmt. SÄife "-^^beispielsweise die Mchrheits- Entgegenkvnm-en'", ber Preisfrage zu weit größerem ErEdtmg^ ^^Emen gEsen Äs nach der Bayerische Volksoni^"^' kam noch, daß dte feftgelegt hatte Getreideumlage

StiH) £e Deutsche Bolkspartei letzten 'A Mitglieder durch Fraktions- sodaß -fi" Ae MiMge zu stimmen,

bemikommen die Reichstagsaufiösung vor-

pofitioe Mitwirkung Sozialdemokratie um

Statemußte. Mehrfach 4ütaer arrsa-sprocken L" >burch mehrheitssozialistische

ÄÄtjftsÄ

USPD. udergGanLen, 1

(Ein Anschlag auf Maximilian Harden.

- Am Montag abend wurde der Politiker und Schriftsteller Maximilian Harden in der Nähe seiner Wohnung in Berlin von zwei Männern über­fallen und mit Totschlägern bearbeitet. Harden trug fünf Kopfverletzungen davon und wurde bewußt­los in die Wohnung gebracht. Ein vermutlicher Täter toutbe verhaftet.

Der internationale christl. Bergarbeiter« Kongreß über die ReparatiomKohle.

Die deutschen Kvhlenlieferuneg an die Entente haben in den bergbautreibenden Entente-Staaten zu Krisen und umfangreicher Arbeitslosigkeit ge­führt und eine der wichtigsten Fragen in unserem Wirtschaftsleben ist andauernd unsere Kohlenablie­ferungspflicht. Der kürzlich in Innsbruck ab­gehaltene internationale Kongreß der christlichen Bergarbeiter hat sich mit der Frage der Repara­tionskohle eingehend beschäftigt. Der deutsche Ge­samtbericht hob die drückende Kohlennot hervor, die infolge der Ablieferungsverpstichtungen fort­dauernd besteht. Bon dem Vertreter des Saarge­biets wurde berichtet, daß dort die Revarations- kohle auf den Markt gebracht werde und schwere Konkurrenz mache. Dabei lagerten etwa 700 000 Tonnen Kohlen an der Saar auf den Halden. Die Feierschichten hätten einen Lohnverlust von über 20 Millionen Franken verursacht. Der Vertreter Frankreichs bemerkte, daß der Wiederaufbau im Bergwerksgebiet gut voran gehe. In Lothringen habe die Förderung den Friedensstand bereits überschritten. Di« Frage des Absatzes werde für Frankreich bald sehr schwierig werden. Der ame­rikanische Streik habe eine nur vorübergehend« Entlastung gebracht. Von Belgien wurde erklärt, daß die Meng«, die von der Reparationskrchle auf das genannte Land entfall«, auch früher schon aus Deutschland eingeführt worden sei. An die von den Vertretern der einzelnen Länder erstatteten Be­richte knüpfte sich «ine lebhafte Aussprache. Deut­scherseits wurde ausgeführt, daß es sowohl im In­teresse der französischen, wie auch der belgischen Bergarbeiter liege, wenn eine wesentliche Herabsetzung der Reparationsliefe­rungen erfolge. In diesem ©inne müsse in Bel­gien und Frankreich auf die Regierung eingewirkt werden. Die deutsche Industrie habe die Repara­tionskohle bitter nötig für den eigenen Verbrauch, um produktronsfähig zu bleiben und Arbeitslosig­keit zu verhindern. Wenn man die deutsche Indu­strie vernichte, sei an keine Wiedergutmachung zu denken. Die deutschen Arbeiter lehnten es aber auch entschieden ab, Lohnskla­ven der Völker und Industrien ande­rer Länder zu werden. Demgegenüber wies der belgische Vertreter darauf hin, daß die Kohlenlieferungen nur eine Seite der Repara­tionsfrage darstellten. Wenn hier eine Milderung eintreten solle, müßten andere Kompensationen er­folgen. Der Vertreter Frankreichs erklärte, daß die Frage der Reparationskotzle nur im Rahmen der gesamten Weltkohlenlage geregelt werden könne.

Die französische Geschäftswelt

und die Valutaspekulation.

Cs ist ein 'charakteristisches Zeichen sowohl der deutschen als auch der französischen Geschäftswelt, daß sie erst in der letzten Minute an eine drohende Gefahr glauben. Bis zum Borabend einer großen Katastrophe kann man denn auch auf der Börse von den Gesichtern den größten Optimismus ablesen, der sich beim Eintreffen des Unglücks ganz unvermittelt in den tiefsten Pessimismus verwan- delt und der zum Teil daran schuld ist, wenn poli­tische Ereignisse von geringer und mittlerer Be­deutung einen gewaltigen Druck auf das Sinken der jeweiligen Geldwährung ausübt. Die Pariser FinanzzeitiurgDas Cablograrnme" charakterisiert das Benehmen der Finanzwelt in kritischen Augen­blicken durch die jeweiligen Stagen, die man bei einer solchen Gelegenheit aus dem Munde dieser Leute kommen hört. Das Blatt schreibt:

Auf den Banken, auf der Börse und in ber sonstigen Geschäftswelt kann man jeden Augenblick Zeuge folgen- der Fragen sein: Warum bekümmert man sich nicht höheren Orts mit dem immer größer werdenden Ab- gründ des Defizits im Staatshaushalte? Warum war­tet man solange mit der Anwendung von Vorsichtsmaß. regeln, bis man sich einer verzweifelten finanziellen Si­tuation gegenüber sieht? Warum handelt man so, als ob die höchste Finanzpolitik darin bestände, Anleihen und immer wieder Anleihen zu nehmen? Warum wi­dersetzen sich die großen Industrie-Organisationen der Ausführung des Wiesbadener Abkommens? Sie rotfien doch ganz genau, daß für den gegenwärtigen Augenblick die Naturallieferungen die einzig möglichen Zahlungs- lieferungen sind. Wissen dieselben beim nicht, baß ein­mal der Augenblick kommen muß, wo die egoistischen Interessen, ob sie wollen ober nicht, mit den Interessen ber Allgemeinheit enger verbunden sind?"

Diese Ausführungen zeigen uns klar, daß man in Frankreich allmählich zu ber Ueberzeugung kommt, daß an bem ganzen Valuta-Elend auch die Kopflofikeit ber französischen Fi- nanzwelt mitschulbig ist.

Die Aufklärung des Mordes an Rathenau,

Die Ermittelungen zur Auftlärung des Mordes an Rothenau nehmen ihren Fortgang. Zn den Verschwörern, die die Tat verabredet haben, gehört der in Stettin verhaftete und inzwischen nach Berlin gebrachte Bernhardt Voß. Auch Jlsemann, von dem die Mörder die Maschinenpistole abgeholt Haden, womit der Mord ausgeführt worden ist, ist nach Berlin gebracht worden. Voß hat auch die Garage in der Warnemünder Straße besorgt, von der auS die Mörder ihre Mordfahrt antraten.

M MM Mum.

Chicago Tribüne" meldet aus Washington: Präsident Harding hat den Treuhänder für fremdes Eigentum, Miller, angewiesen, die Rückgabe der deutschen chemischen Pa­tentrechte zu verlangen, die von der vo­rigen Regierung für eine nominelle Summe an die

Chemical Fundation verkauft worden feien. Die Patente sollen mehrere Millionen Dollars wert ein. Kürzlich hatte eine ergebnislose Untersuchung >er Fundation durch den Senatsausschuß stattge- unden. Infolgedessen erregt der Schritt des Prä- identen großes Aufsehen. In einer Botschaft an >en Treuhänder Miller fagt der Präsident, es be- ich« Grund zu der Annahme, daß die Regierung den Trust, der mit der Uebernahme dieses Eigen­tums beauftragt war, nicht richtig beaufsichtigt hat. Der Vorstand der Chemical Fundation erklärt zu diesem Schritt des Präsidenten, die Maßnahme der Regierung werde lediglich den Deutschen Hel­en. Sie bedeute die Zerstörung der organischen Industrie. Die Fundation werde an die Gerichte appellieren.

Prozeß Hermes.

Vor der 9. Strafkammer des Landgerichts I in Ber- [in begann die Verhandlung in der AngcLegercheit der Weinlleserung an den N-eichsernähvcmFsminister Her­mes. Die Klage wegen Seleibigimg und übler Nach- rede richtet sich gegen den R e d a k t« u r b e r,,tt r e b h « i t", Robert Hensel. Unter Anklage gestellt sind acht Artikel. Die Aussätze enthalten nach der Anklage neben schweren sormellen Seleibigamgen- Hermes' sowie des Reichsernährungsministeriums und ferner Beamten vor allem die Behauptung, 57erm.es habe von dem dienst?, ch von ihm attjärrgiigan fiDMI-roorbaM für Mosel, Saar und Ruwer im April 1920 und geöruat 1921 Weine zu einem unverhältnismäßig billigen Preise bezogen u. cffs Gegenleistung unter Mißbrauch der amt­lichen Stellung dem Winzerverband durch Ueberroeiifung von 50 000 Mark und einer ©onlderamoeisung von 8000 Zentner Zucker besondere Vorteile zugewendet. Diese Behauptung wird von der Anklage als unwahr bezeichnet. Preise stellten die Gestehungskosten der ein- zellten Weine dar. Es handelte sich um sogenannte Restbestände, zahlreiche ander« BestEer wurden in glei­cher Weise beliefert. Damit stehe die Sonderzmveiflung an Zucker in keinem Zusammenhang. Eine Sonder- behmMmg des Winzerverbandes für Dlosel, oaar, Ruwer gegenüber anderen Winrevverbündsn habe nicht stattgeswiden. Die Verhandlungen wanden durch Laiid- gerichtsdirekwr Rehn eröffnet. Zu Beginn der Ver­handlungen regte der Vorsitzende einen Dergleich cm, einmal mit Rücksicht auf die crugenbüclllche polllijche Soge, dann weil große Bedenken bestehen könnten, ob die Strafkammer aus Grund der Verordnung des Reichspräsidenten überhaupt zuständig sei oder der Staatsgevichtshof. Das Gericht besMoß nach längerer Beratung, die Sache auf unbestimmte Zett zu ver­tagen, da hinreichender Verdacht bestche, daß gemäß der Verordnung eine Beschimpft«« vorliege.

Preußischer Landtag.

Nach einer dreitägigen Pause ist der Preuß. Landtag zum letzten Male vor den großen Herbstferien zu einer Sitzungsreihe zusannnengetreten, um noch eine Reihe wichtiger Gesetze zu verabschieden. Als erster Punkt der Tagesordnung der Montagssitzung kam der Entwurf eines Schutzpolizeibeamtengesetzes zur er­sten Beratung. Debattenlos wurde dieser wichtige Ent­wurf an den Ausschuß für Beamtenfragen überwiesen. Ebenso ging es mit einer Reihe von anderen Punkten, wie die Erweiterung des Stadtteises Barmen, die Be­steuerung des Herbergsvertrages durch die (gememoeii usw., die alle den entsprechenden Ausschüssen überwie­sen wurden. Dann tarn es zur Aussprache über zwei sehr wichtige Gegenstände, bei denen wieder verschie- bene Interessen im Laufe der Debatte aufeinander, platzen. Es war zunächst der Entwurf zur Erhal- tuna des Baumbestandes und zur Schaffung von Uferwegen im Interesse der Volksgesmidheit Das maßlose Abholzen von Waldern, das tn der letzten Zeit im Ruhrkohlengebiet und in der Umgegend von Berlin Platz gegriffen hatte, veranlaßte, daß endlich dieser Entwurf, den man fast vergessen hatte, zur Beratung gelangte. Da waren es vor allem wieder die Deutsch- nationalen, die das Privatinteresse über das Allgemein- wohl stellten. Auch einige andere Abgeordnete, die dieser etwas unverständlichen Ansicht huldigten und die llen- berunasanträge gestellt hatten, mußten sich von JJlmi- ft« j§i7tfiefer in ihre Schranken zuruckverweffen lassen/ Wir können darin dem Zentrurnsrnmifter nur

SS ÄÄtÄ«Ä M X. lich darum, den Geistlichender katholischen und der evangelischen Kirche eine den Zeiten entsprechende Aus- besserung ihres Einkommens zu bewilligen. Dagegen erhoben wie gewöhnlich die S^amten ßmt5par. teien, Kommunisten, Unabhängige E Mehrheitssozialr. sten Einspruch und zwar mit solchen Gründen, b.e llar deren Feindseligkeit gegen legliche christliche RellPon hurmbliden ließ. Doch wird die Entscheidung rb dieser notwendigen Gehaüsausbesserrmg erst in der Dienstags« sitzung fallen.

Aus dem Versassirngsausschutz des preuß^hen Lanbkags.

Der Verfassungsausschuß des Landtags '«rret den ganzen Sonntag über und Montag vormittag weiter über die Anträge zum S chutz e der Republit An genommen wurde der Entwurf eines Gesees ub« die Dienstvergehen ber nichtrichterllchen Beamten, der Richter und der Privatdozenten.

Kurland.

* Der Bürgerkrieg in Irland. ,Daily Chronicle' meldet aus Dublin, daß dort eine neue Schlacht be­gonnen habe. Die Freistaattruppen unternahmen mit Unterstützung von Maschinengewehrfeuer einen Angriff auf die Stützpunkte der Rebellen im Bezirk der Sackvillestraße und nahmen die gesteckten Ziele ein. Die die Stützpunkte verteidigenden Rebellen ergaben sich. Die Freiftaattruppen haben auch eine Straße, in der zahlreiche Holels von Aufstän­dischen besetzt gehalten werden, umzingelt. De Va­lero soll sich bei dieser Gruppe befinden. Die Verluste sind bisher leicht. Das Zentral-Telegraphen« | amt befindet sich unter Feuer. Es wurden mehrere