Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.
Verantwortlich für den redattioncllen Teil- Dr. I. Kramer-
Mittwoch, 28. 3uni 1922
Nr. 146
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Mr bringen hiermit obigen Aufruf zur Kenntnis anferer Mitglieder mit der Weisung, diese Parole über- ill zu befolgen.
(Erklärung.
Mit Entsetzen und Abscheu haben die unterzeichneten politischen Parteien Fuldasdie Schre- ckenskunde von der Ermordung Dr. Rathenaus vernommen. Mit Abscheu wenden wir uns ab von dieser Tat, die hervorgerufen worden ist durch eine maßlose Verhetzung gegen die Regierung und die Verfassung.
Treu und fest stehen wir zur d e u t s ch e n Republik, geschlossen stellen wir uns hinter die Regierung und sind gewillt, ihre Maßnahmen zum Schutze der Verfassung bis zum äußersten zu unterstützen.
Mr erwarten, daß die Regierung rücksichtslos di« von ihr erlassenen Schutzbestimmungen vom 24. Juni zur Anwendung bringen wird.
Deutsche Demokratische Partei, Fulda.
Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Fulda.' Deutsche Zenkrumspartei, Fulda.
lichkeit schon Äußerlich. Er hatte eine hohe, schlanke Gestatt. Deshalb erschien er fast größer als der Kanzler Dr. M i - + h, wenn er mit diesem, wie so ost, in
Der Chef der Berliner politischen Polizei, Oberre- gierungsrat Dr. Weiß, erklärte in einer Unterredung mit einem Mitarbeiter des „B. T.", daß die Nachforschungen nach den Mördern bis in die kleinsten Details organisiert seien. Im Laufe des Montags seien in Berlin wichtige Verhaftungen vorgenommen worden. Die Haupttätigtett der Polizei besteht in der Durchsicht der zahlreiche Drohbriefe, die Dr. Rathenau besonders in den letzten Wochen erhalten hatte. Die Versuche, die Verfasser dieser Schriftstücke zu ermitteln, nehmen außerordentlich viel Zeit in Anspruch. Wie Dr. Weiß weiter erklärte, haben in Berlin bei politischen Organisationen, insbesondere bei antisemitischen Verbänden, Haussuchungen stattgefunden. Es sei sehr wichtiges Material beschlagnahmt worden. In den Räumen der Organisation Roßbach in Wansee bei Berlin seien ebenfalls wichtige Papiere beschlagnahmt.
Der Student Bernhard Flesch, der im Reichstag dem Abgeordneten Heisserich einen Blumenstrauß überreichte, ist nach seiner ursprünglich erfolgten Freilassung wieder vechaftet worden, da belastendes Material gegen ihn vorliegen soll. Er soll auch sehr intim mit Ehrhardt befreundet sein.
Zu der Verhaftung Karl TiLssens, des Bruders des Crzberger-Mörders, die in Flensburg erfolgt ist, bemerkt Weih, daß sich verschiedene Zeugen gemeldet hätten, die Tttlesen am Mordtag in Berlin gesehen ha- ben wollen.
Wie der „Lokalanzeiger" mitteiü, ist bei dm Haussuchungen ein umfangreiches Material gefunden worden, das Fingerzeige enthält, die vermutlich auf die Spur des Mörders führen. Die Spur soll auf deutschoölkische Verschwörerkreis« Hinweisen.
Me der „LokalmHeiöer" meldet, hak am Montag auch im Büro des Landesverbandes Berlin der Deutfchna- tionaile-n Dolkspartei eine Haussuchung stattgesunden.
Kllrhess.KlitruulsioWer!
Die Mordtat an Reichsminister Dr. Rathenau hak Euch mit A b s ch e u erfüllt! Mik Recht! Gegen ch r i st l i ch e Gesittung und deutsche Ehre, hohe religiöse und nationale Güter, ist durch die Tat schwer gefrevelt worden. Mik Euch verurteilen wir aufs entschiedenste die Atmosphäre des Hasses und der persönlichen Kampfe s w e l s e, aus der diäser sinnlose Mord entsprungen ist, der DakerKmd und Volk eines kaum entbehrliche« Staatsmannes beraubt hak. An seiner Bahre bekunden wir: nun genug des Hasses und der Verhetzung unter den Söhnen eines Volkes! Heraus aus der Aera der Mordeund der persönlichen Kampfes- weise! Zurück zu Christentum, zu Sitte und Kultur! Reichskanzler Dr. Wirth und seine Mitarbeiter haben unser volles Vertrauen ocks Deutschlands tatkräftige und vaterlandsliebende Führer in schwerster Zeit. Wir wollen alle an unserm Teil mithelfen, dle R e p u b l i k gegen Anschläge, von welcher Seile sie auch kommen, zu schützen. Pflichttreue Arbeit und gewissenhafte Achtung dec Gesetze sind wohl die besten Mittel zu ihrem Schuh. Unsere Losung bleibt immerdar: Für Wahrheit, Freiheit und Recht!
Der Arbeitsausschuß der Zenkrumspartei im Regierungsbezirk Kassel.
3. 2L: Johannes Parzeller, Vorsitzender.
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ßar.ca d^r Sc vAkjchaften Fulda u. Amgebuug. I Seine ByoegurMN hatten etwas sSrgMstr 1
Bezugspreis: Monatlich 18,00 Alk. zugestellt frei ins Haus- - Abgehost in der Geschäftsstelle 17.50 Mk. * Anzeigen: Kleinzeile nach Colonel 1.50 Mk.-, ausw. 2,50 Mk. Reklamezeile (Tejrt breite) nach Colone'maß 8 Mark.
W der Wl. KewllWsteil.
Der Deutsche Gewerkschastsbund erläßt folgenden Ausruf:
Wiederum hat blinder politischer Fanatismus gewütet. Reichsminister Rathenau, der an verantwortungsvollster Stelle an dem Wiederaufbau Deutschlands mitarbeitete, ist einem sinnlosen, verruchten Verbrechen zum Opfer gefallen.
Gemeinsam mit allen, die vom Gefühle-itärkster Mit- verantwortung für Volk und Staat beseelt sind, verurteilen wir auf das schiirfste diese folgenschwere, furchtbare Tat. Aus sittlichen und staatspoli- tifchen Gründen müssen wir überall auf das entschiedenste jedem Akte der Gewalt gegen Recht und Gesetz entgegentreten. Nur Ordnung und Achtung des verfassungsmäßigen Rechtes führt uns aus der Not, in die uns Pie Gewaltpolitik unserer Gegner immer aufs neue hin. Hnftöfet
Seit dem unglücklichen Ende des Krieges arbeitet unsere Bewegung mit verstärktem Willen an der Einigung aller Kräfte des deutschen Volkes. Diese erstrebte Einigung ist Voraussetzung für die na. tionale, wirtschaftliche und soziale Wiedererstarkung des Vaterlandes. Wer der Einigung entgegenroirtt, ist ein Verbrechen am Volke und dient den Dernichtungs- «bsichten unserer Gegner.
Wir sind gewiß, baff unsere Freunde im Lande in geschlossener Einmütigkeit, fernab aller Parteileidenschaften und unter Vermeidung nutzloser Störungen des wirtschafllichen Lebens, unserer Ueberzeugung auf das nachhaltigste Ausdruck verleihen. Mtt politischen Streiks und Putschen wird aber unsere Lage nicht gebessert. Ihnen ist °uf der ganzen Linie entgegenzutreten. Gemeinschaftliche Kundgebungen mit Organisationen unterer Richtungen, die in der Regel von diesen Gesichtspunkten abweichen, lehnen wir ab. Unsere Losung sei heute wie immer:
Nieder mit der rohen Gewalt!
Es lebe die deutsche Volksgemeinschaft!
Deutscher Gewerkschastsbund
©efamtoerbanb der Christlichen Gewerkschaften Gesamtoerband Deutscher Angestellten - Gewerkschaften
Gesamtoerband Deutscher Beamten- und Staats.
angestellten-Gewerkichusten G
Mmffter gehalt ihn irgendwie reizen komtte, hatte er doch nÄt seiner amtlichen Stellung sogar auf viele andere Einnahmequellen verzichtet.
Wenn er die mannigfachen Beziehungen, die das Judentum mtemattonoi aufweist, zum Besten des Reiches auszuwerten versuchte, wer könnte etwa deswegen ihn weniger national nennen? Nur in den M i t t e l n, nicht in den großen Zielen unterschied er sich von so Manchen, die seiner Arbeit mit Abneigung oder völliger Verständnislosigkeit gegenüberstanden. Don denen fft gar nicht zu reden, die sich durch bloße Schlagworte gegen ihn einnehmen ließen.
Daß er wahrhaft patriotisch dachte, zeigte sein vielfaches Eintreten bei Lloyd George in Genua für Besserung der Derhättnisse im Rheinlande, das 'beweisen die Mühen und Sorgen, die er freiwillig m schwerer Zeit auf sich genommen hat, und nicht zuletzt auch die Versuche, die er — frestich ohne Erfolg — noch unternahm, um Anfang Nooencker die Katastrophe abzuwenden, nachdem er in der Rohstoff. Versorgung während vier langer Kriegsjahre sich wahrhaft große Verdienste um das Vaterland erworden hatte. Haben die Mörder an das alles gar nicht ge= dacht? Wußten sie davon überhaupt nichts? Handelten sie nur als blind« Werkzeuge? Fast scheint es so. Die Zukunft wird es lehren.
Nähere Bekannte rühmen in Walter Rathenau den guten Sohn und Bruder, den treuen Freund, den lie- lienswerten Menschen. Durch seine Schriften geht ein eigenartigen Zug von Idealisnms. Dabei war er doch nicht weltfremd. Nicht alle werden die Ansichten teilen, die er hier und da von gegenwärtigen und kommenden Dingen entwickelte. Aber ein ehrliches Wollen fcffW sich in seinM Büchern Er falte es auch .
Montag nachmittag fand unter dem Vorsitz tts Reichspräsidenten ein Ministerrat statt, der sich mit dem Gesetz zum Schutze der RepuMk beschäftigte. Di« Beratungen über den Gesetzentwurf werden Dienstag nachmittag fortgesetzt.
Der Kanzler bis auf weikeres Außenminister.
Der Reichspräsident hat, wie jetzt a m t l i ch mitge-
wägung stand? Mtt nähten. Der beizweifelte Erfolg ,Deutschlands nach außen wär« fein eigener geworden. Bessere Verhältnisse im Reich sckbst nützten doch auch ihm. Für eine bessere internationale Stellung wurde er gerade als Außenminister persönlich verantwortlich gemacht. Man vermißt, gerade wenn man jedes ideale Motiv ausschaltet und nur einfache Nützlichkettserwä- gungen anstellt, jsdm vernünftigen Grund, warum er nicht das Beste seines Vaterlandes gesucht haben sollte.
weiteres beauftragt.
Die Haltung der Wehrmacht.
Sn den letzten Tagen ist von der Seite der sozial, demokrattschen Parteien He Zuverlässigkeit der Reichswehr für den FM eines Putschversuches angezweifelt worden. Ein Truppenbefehl, der sämtlichen Formationen der Reichswehr und ter Flott« zugegangen ist imb der sowohl von General v. Seeckt wie auch von Admiral Behnke unterzeichnet ist, besagt, daß die beiden der Landesverteidigung dienenden Teile unserer Milttävwiacht ihrem Eide gemäß der Regierung für jede Aufgabe voll und ganz zur Verfügung stehen und daß sie alle Versuche, sie in die Parteipolitik hmeinzuziehen und chr« Angehörigen mit dem an Minister Rathenau begangenen feigen Meuchelmord in Verbindung zu bringen, wett von sich weisen.
Die Totenfeier für Rathenau.
Die Totenfeier für Rathenau findet Dienstag nachmittag 12 Uhr im Sitzungssaal des Reichstages statt. Nach Abschluß der Feier im Reichstag wird der Sarg sofort nach Niederschöneweide zum Erbbegräbnis gebracht, wo die Beisetzung im eng- ften Familienkreis erfolgt.
Peileidskundgebung Italiens. '
In der italienischen Kammer widmete der Ministerpräsident Rathenau Worte der Erinnerung und gedachte des hohen Geistes und der tiefen Kultur, die dem Dahingeopferten eigen waren. Der Ministerpräsident schlug der Kammer vor, der deutschen Regierung das Mitgefühl zu bekunden. Der sozialistische Abgeordnete Modligiano feierte das Friedenswerk Rathenaus während der letzten Jahre. Die Kammer nahm schließlich den Anttag an, der deutschen Regierung das Beileid auszu- prechen.
lieber die Persönlichkeit Rathenaus schreibt der Zentrumsabgeordnete Dr. Herschel folgendes: Den intimen Mann kannte ter Verfasser nicht. Wohl aber kam er mit dem Verewigten ost zusammen im Auswärttgen Ausschuss« und sonst im Hohen Hause. Er härte Mitteilungen von Freunden über ihn, und er hat einen großen Toll seiner Schriften gelesen. Deshalb darf er es wohl wagen, wenigstens in Umrissen sein Bild zu zeichnen.
Das Wort: „Es ist der Geist, der sich den Körper baut", erfüllte sich an Rathenau. Trotz korrekter, weltmännischer Haltung und unaufdringlicher Eleganz in ter Kleidung, war er doch eine markante Persön-
senes, man könnte sagen, Gedämpftes. Man sah ihm auf den ersten Blick den Sohn aus gutem Hause, den Mann mit ästhetischen Neigungen, der zu repräfentie- den gewohnt war, an.
Das eigenartige Verhalten seines Wesens zeigte sich auch in seiner Rede. Er sprach frei. Wie Cannes und Genua zeigen, auch in der Sprache von Shakespeare, Voltaire und Dante. Die Stimme blieb stets leise und zeigte wenig Modulation. Der Vortrog fesselte mehr durch die Fülle und den Ausbau der Gedanken. Manchmal, jedoch nicht ost, waren poetische Sitter eingestreut. Auch seine Ironie, über die er verfügte, gebrauchte er nur selten, sondern um sich wirksam zu oetteidigen. Selbst in höchst zugespitzten Lagen und Debatten, wie sie ja im Auswärtigen Ausschüsse in der letzten Zett so häufig waren, verlor er die Ruhe nicht, bewahrte er stets Haltung. Freunden und Gegnern gegenüber erschien er höflich, aber zurückhalterÄ.
Da ihm jede äußere Schärfe, geschweige denn jede aggressive Vehemenz fehlte, ist cs um so auffälliger, daß er von Mörderkugeln gesucht wurde. Schon hieraus folgt, daß er nicht aus persönlichen- Gründen verfolgt uw getötet wurde, sondern nur irgend welchen Prinzip«» wegen, das in ihm und mit ihm getroffen werden sollte. Der Eindmck ist ja auch ganz allgemein tzn Volte.
Seine Tragik bestand einmal darin, daß auch er gegen die furchtbare Zwangsläufigkeit vergeblich kämpfen mußte, die unfern Außenpolitik anhaftet, solange der Friedcnsvertrag, und unferer inneren, solange die Menschen sich in Deutschland nicht ändern. Dann darin, daß das Meiste mm dem, was er diplomatisch leistete, geheim bleiben mußte, um die Früchte der Arbeit nicht völlig in Frage zu stellen. So sahen Gegner Mißerfolge dort, wo keine waren. Endlich — und nicht am wenigsten — darin, daß ohne feinen Eintritt hi die aktive Politik er heute nicht auf der Bahre läge.
Er hatte genießen können, anstatt zu regieren. Beides geht schlecht zusammen, wie unser größter Dichter sagt- Niemand' verfügt ohne bittere Erfahrung über Macht. Er brachte ihr das höchste Opfer.
Rathenau stand auf den Höhen des Daseins. Finanziell glänzend gestellt, mit großem Wirkungskreise in Handel und Industrie, mit literarischem — wenn auch hier und da beftrittenvm — Namen, hoch gebildet, ein Virtuose am Klavier, Freund vieler Freunde, brauchte er die Politik gar nicht, um fein Leben farbenreicher zu gestalten. Was also trieb ihn dann wohl zu ihr?
Manche- sagen, der Ehrgeiz. Das wäre an sich möglich gewesen. Doch mußte ein Mann von feinem Ulwblick sich doch fragen, ob gerade jetzt viel Lorbeeren als Lenker tmferer Außenpolitik zu holen waren. Er in ferner Zukunft, so durfte er bestenfalls hoffen, bei zäher, voraussichtlich oft verkannter Arbeit, wurde er vielleicht Erfolge erzielen. Daß viel« seine Tätigkett mit Mißtrauen und Haß begleiten würden, war ihm wohl auch llar, wenn er sich an der Politik des Erfüllungswillens beteiligte. Cs muß also doch wohl etwas Anderes die tteibende Kraft in ihm ge- meien sein. Wir meinen, es war die Liebe zum Vaterland e.
in seinem Handeln für den Staat. Den erhofften Erfolg seiner Arbeit im Leben zu sehen, war ihm nicht vergönnt. Möge mm sein furchtbarer Tod seine Werke vollenden helfen, indem er in den Siegerstaaten dte Einsicht weckt imfc schärft, daß ohne Aenderung be?. Friedensvertrages nicht Ruhe und Frieden werden kann, nicht in Deutschland und nicht in Europa, dann was das höchste Opfer für das Daterlaich nicht gcny umsonst gebracht.
Wir alle, die starkes Können und ehrliches Wollen bei jedem Volksgenossen schätzen, auch wenn er anderer Partei und anderer Meinung ist wie wir, wollen einen Kranz dankbarer Erinnerung an seine Treue und feine Arbeit für dar Vaterland an seiner Bahre niederlegen, wenn ihm die deutsche Volksvertretung im Hohen Hause tte letzte Ehre erweisen wird. Wir wollen vor dem viel zu früh Vollendeten das Gelöbnis erneuern, in unseren Kräften und in Mferem Bereiche getreulich zu arbeiten für Volk und Vaterland.
Muf der rNördersuche.
Auf Antrag der deuffchen Gesandtschaft hat die Polizei in H e l s i n g f o r s auf dem Montag eingelaufenen Dampfer „Rügen" drei unter dem Verdacht der Beteiligung an dem Mord an Rathenau Stehende festgenommen, die sich für englisch» Matrosen ausgeben. Die Untersuchungen werden fortgesetzt.
Blutig verlaufene Demonstrationen.
Anläßlich der Demonstrationen am Montag in Hamburg kam es am Bismarckdenkmal zu einer Schießerei zwischen Demonstranten und kleinen Abteilungen Schutzpolizei, die entgegen den Anweisungen des Senats mit Gewehren und einem Plakat mtt der Inschrift: „Wer weitergeht, wird erschossen!" Aufftellung nahmen. Die Demonstranten fühlten sich durch das Plakat gereizt und versuchten es zu entfernen, wobei es zu einem Zusammenstoß kam, der seitens der Demonstranten einen Tote» und sechs Verwundete forderte. ,
Der Scheidemann-AttenMer verhaftet?
Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft Berlin und Kassel ist der Kapitänleutnant H o f f m a nn als des Attentats an Scheidemann verdächtig verhaftet worden. Er bestreitet aber, mit der Tat das Geringste zu tun zu haben, und beruft sich darauf, daß an dem Tage des Attentats auf Scheidemann er sich bei seinen Eltern zur Teilnahme an der Hochzeit seiner Schwester befunden habe Am Tage vor dem Attentat will er sich ebenfalls bei seinen Eltern aufgehalten haben. Einen Stock, wie den am Tatort gefundenen, will er nicht besessen haben.
Der Gipfel der Verrohung.
Wie mitgeteilt wird, gehen der b e k a g't e » Mutter Rathenaus stündlich Briefe mit wüsten Beschimpfungen zu. Auch telephonisch wird die Frau täglich mehrfach belästigt. Nachdem Montag mittag wieder ein Brief mit dem unflätigsten Inhalt bei der Mutter Rachenaus ein» getroffen war, hat die Behörde nunmehr Maßnahmen ergriffen, um eine Wiederholung der persönlichen Beleidigungen der alten Dame zu verhindern, vier Kind, kein Engel ist so rein!
Die Zentrums-Parlamentsksrrespo» d e n z schreibt uns unter obigem Stichwort:
Die Deutschnationale Volkspartei richtet an ihre Mitglieder eure längere Kundgebung. Das ist ihr gutes Recht. Und niemand würde sich mtt diesem Dokument an ihre eigenen Parteiangehörigen näher befassen wollen, wenn nicht der Inhalt dazu zwäng«. Dem« was in diesem Schriftstück geboten wird, ist zu einem großen Teil das gerade Gegenteil von dem, was al» unabänderliche Tatsache gelten mutz. ' i
Es ist erfreulich, wenn noch einmal auch in dieser Kundgebung davon gesprochen wird, daß auch die Deutschnationale Volkspartei das schmachvolle Verbrechen an Minister Rathenau aufs äußerste oerur teile. Aber die sittliche Entrüstung, mit der man den Versuch macht, sich von der intellektuellen Urheberschaft des polttifchen Mordes zu reinigen, diese sstt- liche Entrüstung paßt wirklich schlecht zu derjenige» Hetzpropaganda, mtt der deutschnationake Kreise imd deutschnationale Presseorgane immer wieder die politische Atmosphäre vergiftet haben. Was soll es heißen, wenn man „im Bewußtsein des reinen Gewissens die niederträchtigen Verdächtigungen" zurückweist und den ««deren die Schuld in die Schuhe zu schieben srnht, wenn die Herstellung einer „gemeinsamen Kampffront gegen die furchtbare Verwilderung der Sitten" nicht möglich ist. Ist Lies Bornienheit oder Heuchelei?
Niemand wird behaupten wollen, daß einzeln« Mitglieder der deuffchnotionallen Fraktion mit diesem Morde in direktem Zusammenhänge stehen, aber soviel ist gewiß und einwandfrei sicher, daß di« deutsch-völkischen und antisemitischen Hetzapostel in den Reihen der Deutschnationalm Volks« Partei ihren Platz haben und daß diese Partei aus die« fcn Kreisen gewiß nicht den geringsten Teil der für sie abgegebenen Stimmen erhält. Oder weiß man nicht, daß alle diese Kreise die Mitgliedskarte der Deutsch- nationalen Volkspartei in der Tasche tragen! Und solange die Partei sich von diesen Elementen nicht zu trennen vermag, die in ihren Kreisen schon allzu starken Einfluß haben, dann wird si« sich durch feine und noch so stimnische Entrüstungen von dem Vorwurf frei» Machern können, auch diesem Mordgesindel Obdach zu fein-' ~-----
JM der Spur der Meuchelmörder ?
Zahlreiche Verhaftungen. — Die Totenfeier für Rathenau.