uldaerZeuung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadl Fulda.
Dienstag, 27. 3uni 1922.
Nr. 145
Widerhall des ^athenau-Mordes
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Die Ermordung Rathemms Hai mit ememSchlags alle anderen politischen Schmierfetten, mit denen Deutschland zu kämpfen hat, m den ge«
rückt. Zu den schweren Ästen, die aus Vock und LaiecÄiD aufgchäusl liegen. B E nme st«ch^rs Last Wstürzt. Zu dem Mitleid mit dem Opser fificttt sich die stammende Entrüstung über die
tiltk herbeizusühren dwht.
Es ist rät Settenstück zu dem Meuchchrvrd an Erzderger. In beiden Fällen ist das Ziel das-
Abg. Müller (Franken) beantragt, die Rede des Reichskanzlers im ganzen Reich auf Kosten der Republik öffentlich anzuschlagen.
Abg. Hoffmann lU). dehnt diesen Antrag auf die Rede des Präsidenten aus. (Beifall.)
Beide Anträge werden gegen die Stimmen der Deutschnationalen und der Deutschen Dolkspartei an. genommen, nur Frau Abg. Oheimb stimmt dafür. RegierungserklZrnnq
und Schutzmaßnahmen.
Samstag abend kurz nach 8 Uhr trat der Reichstag erneut zusammen zur Entgegennahme einer Regierungserklärung. Das gesamte Kabinett ist er- schieren:
Reichskanzler Dr. Wirth nimmt sofort daS Wort zu folgender Erklärung:
Die Reicksreuerung richtet an daS deutsche Volk folaenden Aufruf und Mahnung:
Der Mord an dem ReichSminister Dr. Rathenau Hot die schweren Gefahren enthüllt, denen Deutschland durch die innerpolitischen Gärungen aus esetzt ist. Die Mahnungen, den Zwist der Parteien und den streit um Bergan en es ruhen zu laßen und alle Krä te der Nation dem Aufbau und der Rettung des Vaterlandes
Bemaspreis: Monatlich 18.00 Mk. zugestellt frei ins Haus- - Abgehoit in der Gelchästsstille 17.50 Mk. - ttnteigen: Kleinzeile nachTo'onel LSOIRt.; ausro.2.50OTf. re I □ m e 3 e i I e (Tertbreitel nach Colone maß 8 Mar .
Last gestürzt. Zu dem Mitt« gesellt sich die stammende Ent Mövderbande und Zugleich die bange Sorge, ob Deutsch!and die Folgen zu ertragen verm^, ine das Verbrechen in unserer inneren und auswärtigen Po-
rungspolW tron den Rechtsradikalen gehaßt und ge- fürchtet wurde. 3n beiden Fällen zeigt die Ausfuhr u n g des Mordplanes ein höllisches Raffinement und einen großen Rückhalt von Geldmitteln. Persönliche Helfer haben den Mördern Erzbergers die Flucht ermöglicht: auch die Mörder Rathencms haben vor- läufig noch verschwinden können. Es bleibt abzmoar- ten, ob der etwas steife Arm der Gerechtigkeit sie fassen wirb, oder ob die geheime Organiscttwn sie zu schützen vermag, wie nach den Enthüllungen im Offenburger Prozeß die Mörder Erzbergers geschützt worden sind.
Obschon wir in Erzberger einen alten Parteigenossen zu beklagen hatten, müssen wir doch anerkennen, daß die Ermordung Rathemms nochtieferindas Schicksal Deutschlands eingreift. Erzberger war mcht mehr Minister und gewissermaßen im politischen Rtche- stand, als er ermordet wurde. Rathenau wurde er- schossen, als er an der Spitze des Außenministeriums stand, mü> zwar nicht bloß dem Titel nach, sondern auch als leitender, bahnbrechender Geist, — als wichtigste Persönlichkeit nächst dem Reichskanzler Dr. Wirch. Ferner erfolgte die jüngste Mordtat in einem außerordentlich kritischen Augenblick, da gegenwärtig um die
(Zuruf links: Da kennt er er ober Helfferich nicht!) Wenn I rott einen Staatsmann und einen Freund verloren ha» | ben, wenn das Volk einen großen Sohn verloren hat, so wollen wir aus dieser entsetzlichen Tat doch das Eme lrnen: Geehrte Herren von rechts, so, rote es bisher gegangen ist, geht es nicht mehr! (Stürmischer andauern, der Beifall und langanhaltendes Händeklatschen tm Saale und auf sämtlichen Tribünen.) Wir werden dtese Republik, sobald nur erst der Druck des Auslandes von uns genommen, ausgestalten mit sozialem G e l st e. I Ich habe im vorigen Jahre in Biberach den Mahnruf | erschallen lassen: „Sorgt dafür, daß jn beutfchen Landen die Mordatmosphäre zuruckgehtl Dieser Mahnruf war vergebens und darum sage ich: Arbeiter aller Parteien und Vertreter bürgerlicher Freiheit und demokratischer Austastung schützt die Republi Und unser teures, gutes, deutsches Vaterland! (Stürmisckter nicht endenwollender Beifall im Haus und auf den Tribünen.)
Abg. Dittmmm (U.): Wir haben zuverlästige Nach- richten erhalten, daß der Mord an Rathenau das Signal zum Sturz der Republik fein soll. (Lebhaftes Hört! Hört! links und in der Mitte.) Es soll, roie wir vor einigen Tagen hörten, in der Nacht nach der nächsten Ermordung eines Ministers im ganzen Lande von der Reaktion losgeschlagen werden. Ich warne die Regierung, ich warne die ganze Oeffentlich- kett! Wir werden das deustche Proletariat zum Ab- wehrkampf aufrufen. (Lebhafter Beifall links.)
An die Zeutrumranhäilger!
Parteifreunde in Stadt und Land!
Mit Entsetzen und Abscheu hat der Re ichsparter- vorstand und Reichsparteiausschutz ber deutschen Zentrum spar t ei die Schreckens- Nachricht von dem politischen Meuchelmord, dem deq Reichsauhenminister Dr. Rathenau zum Opfer gefaU len ist, vernommen. Die politischen Folgen dieser Schänd- tat im In- und Auslande sind unabsehbar; ledenfalls ist eine ungeheure Schädigung der Lebens- intcreffen des deutschen Boltes, der mo- ralischen, sozialen und politischen, aufs tiefste zu bekla- gen. Die Verantwortung für all das trifft zu einem nicht geringen Teil diejenigen Kreise, welche bisher systemattsch die Atmosphäre der volksvergiftenden Der- hetzung gegen Verfassung und Regierung tn Presst. Der- fammlungen und Parlamenisreden geschaffen haben.
Angesichts der aufs höchste gefährdeten Lage unserer Vaterlandes fordern wir unsere Gesinnungsfreunde m Stadt und Land auf:
Gebt überall das Beispiel von Ruhe und Ordnung, um noch größeres Unheil zu veryuten. Tretet zusammen zu Parteioersammlungen und erhebt einmütigen Protest gegen den verrichten Mord und gegen das staatsfeindliche Treiben der dahinter stehend n I Kreise Erachtet es als Eure unabweisbare Psttcht. m Än krittln Tagen gesoffen • fere Regierung zu treten und ihre Maßnah. men zur Austechterhaltung der Staatsordnung nach- drücklich zu unterstützen.
| 2)er Reichsparteivorstand und Reichsausschuß der deutschen Zentrumspartei.
I. A.: Marx, Senatspräsident, 1. Vorsitzender der deutschen Zenttumspmtei.
Sie Md-MliA in len Womraitn.
Sowohl im Reichstag als im preußischen Landtag folgten dem erstenBekanntwerden^r Mordtat Szenen unerhörter Aufre gung und schwerer Zusammenstöße.
Im Reichstag kam es zu Tätlichkeiten gegen den volks- vatteilichen Abg. General v. Schoch, der -me nuhoer- «^nd cke Bemerkung in der Wandelhalle gemacht hatte. Während man'dann auf die Eröffnung der Sitzung rom- ♦7« ericheint durch die Tür der Rechten der unabhängige Abg Unterleitner, hält einen Eichenlaubstrauß mit schwarzweißroten Bändern m die Hohe unb ruft: „Für Herrn Helfferich abgegeben! (Lebhafte Pfuirufe der Linken, Zuruf von der Tnbune, ,,das ch scher Ehre!", war von einem etwa 18jährigen jungen Menschen in die Wandelhalle gebracht worden. Er sollte als Glückwunsch für die Freitagsrede Helsterichs llelten. Auf den Ueberbringer drangen fofort mebrere Personen ein entrissen ihm den Strauß, drängten den Menschen die' Treppe hinunter und Übergaben ihn der tm Hause anwesenden Kriminalpolizei, die ihn verhaftete.
Auch im Landtag, der schon in ber Beratung war als die Nachricht eintraf, setzten Radauszenen, die hauptsächlich von den Linksradikalen, du bekanntlich um kein ^-ar besser sind als die Rechtsbolschewiften, beftr.t. ten wurden. Die einzelnen Parteien gaben dann Er- fiärunaen ab. Der deutschnationale Abgeordnete Winkler wurde durch die Linke verhindert, auch seinerseits eine ErMrung abzugeben. Dio Beratung wurde ver- tagt.
DieTrauerkundgebung des Reichstags.
Kurz nach 3 Uhr nachmittags am Samstag trat der Reichstag zu einer -raue^ I kundgebung für Rathenau zusammen. Da auch I der Abgeordnete Helfferich tm Saale erschien, fetzten die K o m m u n i st e n mit l a n g d a u e r n- I den Lärmszenen ein und riefen immer wie-
Staat und feine Grundlagen auf Du» icproeqie oeutu^ Die Reichsregierung versteht die ^"1^ Erregung b e s Boltes. Sie bedauert die wirtschafttlchen Ruck- schläge eines solchen Wahnsinns, welch« d-« arbeitende Maste am meisten treffen. (Zustimmung wks.) Dm Reichsregierung hofft, daßdasdeuts-^Dolk instm^ verständlichen Erregung sich mcht zu Schritten DC^etten läßt, welche die wirtschosülchen und p°UtifchenSchaden und Wirren noch vermehren wurden. Sie erwartet vielmehr, daß das deutfche Volk sich hinter- di«Re- gierung stellen wird, und richtet daher an tue Be- amtenschaft unb Arbeiter aller Parteien und an das freiheitliche Bürgertum die ernste und drmgttche Mahnung, zum Schutz des Staates m Not und Gefahr zu- farnmenzustehen. Es lebe die Republik! (Leb Hafter Beifall bei der Mehrheit.) „ ,nrh
I Anschließend brachte der KanKer die Verord. i nung zum Schutze ber Republik vi,mi 2: . Juni 1922 zur Verlesung. Danach werden Versamm- ' lungen, Auszüge und Kundgebungen gegen die repu. blikanische Siaatssorm verboten. Zmviderhandlungen werden mit hohen Stasen bedroht. .Bls zu S Jahren Gefängnis unb 500 000 Mk. Geldstrafe soll treffen den- jenigen 1) der öffentlich Gewolltaten gegen biere* piwlikanische Staatsform ober gegen Mitglieder ber jefei« gen oder einer früheren republikanischen Regierung des Reiches oder eines Londes verherrlicht oder bil- liqt rber wer solche Gewalttaten bwlohnt oder begünstigt; 2) der zu Gewalttaten gegen Mit- ' alte de r der ietziaen oder einer früheren republikam- schen Regierung des Reiches ober eines Landes auffor» ! dort, aufroiegelt oder solche Gewalttaten mit anderen verabredet; 3) der die Mitglieder der lefetgen ober einer früheren republikanischen Regierung beschimpft; 4) der öffentlich die republikanische Staatsform oder tne Reichs- ober Landesfarben beschimpft; 5) ber an einer Verbindung der im § 128 und im § 129 des Strafgesetzbuches bezeichneten Art teilnimmt, wenn die Verbindung den Zweck hat, die republikanische Staatsform zu untergraben.
Bei dem Reichsgericht wird ein Staatsge- r i ch t s h o f zum Schutze der Republik errichtet. Weitere
der „Mörder". .
Nachdem die Ruhe wieder hergestellt ist, nimmt
Präsident Löb- i
Vas Wort zu folgender Ansprache, die von den Al^geord- 1 neten unb Tribünenbesuchern stehend angefjort wird.
Das Ereignis, das diese Szenen hier tm Haust her- »orgerufen hat, ist eine Tat von so ungeheurer Grau- samkeit und Roheit, daß sie uns das Blut mim'. '
erstarren macht. (Bewegung.) Heute. vonnMag ist Reichsminister Dr. Rathenau, er m einem Kraft wagen feine Wohnung verließ, von emem anderen Wa gen aus durch Schufte meuchlings ermordet worden, l Stürmische Rufe llnks: Dort drüben sitzen die Mor. der') Der Mann, der fein Privatleben, ferne privaten Neigungen, feine Ansprüche und seine Ruhe aufgab, um der deutschen Republik noch bestem Gewissen zu dienen — nicht aus eigenem Entschluß, nicht aus Ehrgeiz hctt er dieses Amt übernommen, sondern nach langen vielen Bitten der Herren, die heute unsere Regierung sind, und so oft ich Herrn.Rathenau habe sprechen Horen, auch in ber schwersten Polemik, ist nie ein unsachliches gß o tt über seine Lippen gekommen. Er erlag der Mörderhand.. Bei diesem furchtbaren Verbrechen kann ich ber Trauer unb dem Entsetzen, das uns alle bewegt, nicht Ausdruck geben, nicht dem Verachten für die elenden Hönde, die dieses Werk vollbracht haben. Wer meine Herren, cs steht mehr auf bem Spiel. (Lebhafte Bewegung und Zustimmung bei d'NParteien ber Mitte unb der Linken.) Auf dem Spiele steht (mit erhobener Stimme) das deutsche Land, bas h p u t i di e Volk unb die deutsche Ehre. -Dieme Herren! Die Täter haben Gehilfen und Spießgesellen gehabt. (Lebhafte Zustimmung, große Belegung, lärmende Zurufe auf der äußersten Linken.) Ich bin ber Ueberzeugung, sie haben Gehilfen unb eme Organisation LhEto&w; » äsä
Gleitet haben (Lebhafte Zustimmung, große Unruhe), bis nach aelungenem Anschläge noch das Andenken der j Opfer zu ^besudeln wagen. Sett S«« Jahren, seit S.e I mich auf diesen Platz berufen haben, habe verficht, ' mein Amt mit Unparteilichkeit zu verwalten, aber aus dieser Unparteilichkeit heraus muß ich sagen. Diese Tat märe nicht geschehen ohne die grenzcnlose unb maßlose I fiefee aeaen die Männer, die an der Spitze der Regie- rSg gestanden haben. (Lebhafte ^inrnnrng bei be„ her Mitte und der Linken.) Wie hat eine ge-
zu weihen, sind ungehört verhallt. Eine ruchlose wL nichtswürdige Verhetzung, welche sich gegen die Staatsform richtet und ihre Mitglieder fur vi^elfr« erklärt, reizten immer wieder unklare, politisch irrege» leitete ober verwirrte Köpfe zu Mordversuchen und zu Mord. Ein Netz der Verschwörung droht, den inneren Frieden, die Giundlagen der deutschen Erneuerung zu stören. Der Mord an Rathenau ist nur ein Glied in einer Sette wohlvorbereiteter Anschläge aus dm Republck. (Lebhafte Zustimmung.) Erst sollen die Führer der Republik, bann soll die Republik selbst fallen. (Sehr wahr bei der Mehrheit.) ... „ .....
In Verteidigung gegen den verbrecherischen Anschlag muß Durchgreifendes geschehen, («ehr richtig links und in der Mitte.) Dem wachsenden Terror, dem Nihilismus der sich vielfach unter dem Mantel nationaler Gesinnung verbirgt (Erneute Zustimmung bei der Mehrheit) darf nicht mehr mit Nachsicht begegnet werden! Der Ruf der Republik ist in Gefahr und muß alle für bie Freiheit und für den Ausbau des demokratischen
dem Leben trachten könne, als unmögftch abg-roftsen. | -usammenschließen und^einigem {5I)igften unb
besten Mitarbeiter durch Meuchelmord beraubt, erkennt in der Stunde tiefster Trauer die politische Forderi-ng dieser Stunde (Beifall). Da Gefahr im Verzüge ist, mutz schnell gehandelt werden, die Reichsregierung hat daher dem Reichspräsidenten empfohlen, von seiner verfasiungsmätzigen Befugnis Gebrach zu mache" und durch V e r o r b n w n g ben Schutz des Staates, der publik unb des Ledens seiner durch politische Mord- Organisation bedrohten Vertreter zu sichern. Sie wird für strengste Durchführung d.efer Forde- rung Sorge tragen und sofort Vorbereitungen treffen, durch gesetzliche Vorschriften der moralischen und politischen Zersetzung entgegenzuwirken, tu
land selbst auf Siedehitze gesttegen ist. Daher sind, wie schon gejagt, die Rückwirkungen dieser Schandtat noch | <Ktr nicht abzumesten.
Es sicht nach einer Katastrophe aus. Mer diese Wendung kann für die radikalen Elamsnte auf der Rechten, die bisher KatastrophenpolM getrieben haben, oerhängnisvoNe Folgen annehmen. Cs regen sich auf der Gegenseite leidenschaftliche Triebkräfte, die I den raffinierten Gewaltpolttikern auf der Rechten die Wucht der empörten Massen entgegenstellen wollen.
Soeben wurde von den besorgten Freunden des Laterlandes betont, daß wir eine Reichstagsauflöfuna und Neuwahl unter der Parole des Drotpreifes I unbedingt verhüten müssen, um nicht einen verderb- | lichen Masienkampf aufkommen zu laflen. Jetzt droht tnre die Gefahr, daß in dem Wahlkampf nicht bloß die | „Himgerfrage" aufgeworfen wird, sondern sogar die Parole: „Schutz gegen die Mörderzentrale!" Ein sehr I bedvnKickstr Ansatz dazu findet sich schon in dem Ausrufe der sozialistischen Preste, die Massen sollten sich bereit halten. Die stürmischen ©jenen im Reichstag j und im Landtag müssen natürlich die Befürchtung ver- | stärken, daß auch von links her Gewalt gegen Gewalt gesetzt werden und Deutschland in einen ver- | hängnisvollen Bürgerkrieg verfallen wird.
In dieser krttifchen Lage darf man die Gefühls- j Politik nicht überwiegen lasten, so berechtigt auch I die Gefühle des Mitleids und der Entrüstung sein I mögen. Rach diesem SchicksalsWag muß die alte Parole gelten: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. Das soll heißen, die erforderlichen Maßregeln muffen in | ruhiger Ueberlegmrg geprüft und vorbereitet werden, und dabei hat die R e g i e r u n g die leitenden Stellen zu übernehmen, nicht die ParteUeidenschast oder der Mafsentrieb.
Die Regierung Hot schon gehandelt und die guten Bürger werden sich zur Verfügung stellen, um bei der Besettigung des Mördertums mitzmvirken.
Der Hergang öes Attentats
stellt sich nach dem amtlichen Bericht entgegen an- । deren, zunächst widerspruchsvoll lautenden Darstellungen der Tat nunmehr folgendermaßen dar:
Am 24. Juni 1922 vormittag» aeaen 10 Uhr 50 Minuten wurde auf den Minister Rathenau, der in seinem Privatkraftwagen stadtwärtS fuhr, in ber Königs, allee, Ecke Wallotstratze, von den Jnfasten eines ihn überholenden fremden Kraftwagens eine größere Anzahl von Schliffen abgegeben, von denen fünf trafen und in ihrer Gesamtheit den sofortigen Tod des Ministers herbeiführten.
Anscheinend ist der Minister von seiner Privat- Wohnung aus von einem dunkellackierten, modern ge. bauten offenen sechssihMxn starken Tourenwagen, in dem anher bem Chauffeur noch zwei weitere jugend- liche Männer saßen — möglicherweise auch drei — bis zum Tatort verfolgt worden Einer ber Insassen hat aus seiner Pistole (Maschinenpistole, Ka.iber 0 Millimeter) nach den am Tatort aufgefunbenen Patronenhülsen zu urteilen, mindestens neun Schuß verfeuert. Außerdem hat der andere Täter unmittelbar danach in daS Auto des Ministers eine Eierhanb gr anate modernster Konstruktion geworfen die auch explodierte.
Die Täter sind etwa W pi's 30 Fahre alt und trugen dunkelgelbe Regenmäntel ober Lederjoppen und vollständig den Kops verhüllende Autokappen ohne Schutzbrillen. Der Schutze wird als sehr jung bezeichnet.
Für Angaben, die zur Aufklärung des Berbrechens führen, ist eine Million Mk. Belohnung ausaesetzt.
Die Verfolgung der Mörder ist mit allem Nachdruck ausgenommen worden. Von irgend einem Ergebnis ist aber bislang nichts zu melden. Die Nachforschungen sind sehr schwierig, da die Beobachtungen an der Mordstelle sehr unbestimmter Art sind. Eine besondere Kriminalabteilung der Berliner Polizei hat die Fahndung nach den Mördern ausgenommen. Eine Spur soll nach Hamburg führen.
wisse Prelle gehetzt, als das Attentat auf S ch e i de- mani' ausgeführt wurde. Es fft mißlungen. Heute aber ist es nicht mißlungen, und es scheint kemen Schutz baaeaen zu geben. Die Morber haben Helfer, die sie verschwinden lassen unb immer roieber aufs neue schützen. Neben uns sinkt ein Freunb nach dem anderen hm. Dieses Mal haben die Mörder einen Mann getroffen, der begab* unb befähigt schien, bie gäben roieber anzu- knüpfen, bie der Krieg zerriß, und er hatte bereits er« folge nach dieser Richtung hin aufzuweisen. Aber diese Stunde gibt mir nicht bie Ruhe, das Leben zu über» f«bauen Sie haben bem Manne Ihren Dank ausgesprochen, der feine Persönlichkeit eingesetzt hat, dem Lande unb bem beutschen Volke zu bienen. Sie haben dadurch Ihr Beileib ber betagten Mutter bezeugt. Möge unser Volk auch biefen furchtbaren Schlag überwinden.
Der sozialdemokratische Abgeordnete Wels bangt tm Anschluß an die mit tiefer Bewegung gesprochenen Ausführungen des Präsidenten ein Hoch aus die Re- pub 1 i k aus, in das die Parteien ber Mitte und der Linken einftimmen. (Stürmische Rufe von ber äußersten Linken: Nieder mit den Mördern!)
Reichskanzler Dr. Dirth
leffe beginnend, sodaß bie ersten Worte unverständlich bleiben: Ich darf etwas in Ihre Erinnerung zurückrufen. Wochen find vergangen, da sammelten sich m Genua die Vertreter aller Nationen. Da rauschten bie Reben ber Staatsmänner der ehemals feindlichen Staaten an unserem Ohr vorbei. Da erhob sich unser Freund, Herr Dr. Rathenau. Aus seinem Munde kamen edle Worte. Getragen von höchster humanitärer Gesinnung hat er Worte der Derständi- gung, bie ausgingen von den Tatsachen ber wirtschaft-
rid)i&eine Damen unb Herren! Dieses Werk !ws er sich vorgesetzt hat, bie Rettung des deutschen Vol les unter ber Staatsform der Republik, das darf durch diesen Mord und diesen Tod nicht unterbrochen werden. (Beifall.) Jni Gegenteck, alle wahren Republikaner Deutschlands und die es gut meinen mit dem Vaterland und ihrem Volke, werden aus diesem Tod | die größte Kraft schöpfen, mit denen ab3ure^nen, bte unserem Volke den Tod bermten wollen, (stürmischer sich immer wiederholender Beifall und Händeklatschen vom Zentrum bis zu den Kommunisten und au der Tribüne). Die Arbeiterschaft hat in d°n bitteren Taaen. roo bas Chaos über uns hmweggmg, keinem, der der alten Staatsform treu blieb, auch nur «in Haar gekrümmt. (Stürmische Zustimmung be, den soZ'alistischen Patteien.) Nennen Sie (nach rechts) mtr etnen politisch interessierten Vertreter bürgerlicher Auffassung, d.m auch nur ein Haar gekrümmt ist. (Zurufe links.) Gegen di-'Männer, die diesem neuen Staatswesen bienen, wird ein Gift mit Millionengeld in das Volk l)incmgegoffen. Von Königsberg bis Konstanz bedroht eme Mord, hetze unser Vaterland. Unter Aufgebot aller Kräfte schreien sie in großen Versammlungen hinaus, daß bas, was wir tun, ein Verbrechen am Volke wäre. Da schreit man nach bem Staatsgerichtshof. (Stürmische Pfui-Rufe links.) Der tote Freunb, den wir kannten, und den ich mehr als zwei Jahre kennen zu lernen die Ehre hatte, er hat, ich darf meine Kollegen als Zeugen anrufen, gegen die, bie ihn feiner „Raffe wegen schmählich angegriffen haben, bie ihn als Diener der Republik und als Bahnbrecher einer Verständigung der Volker angegriffen haben, nie ein böses Wort gefprodjen. Niemals kam über seine Lippen, nicht im Kabinett noch im Freundeskreise noch im Gespräch unter vier Augen ein böses Wort. Er hat nicht nur verziehen mit ben Lippen, er hat auch im Herzen allen denen vergehen, die in den letzten Monaten und Jahren ihn geschmäht hatten. Er war eine kindliche Seele. Noch gestern
| mittag hat er den ihm neuerdings angebotenen Sch utz I unter allen Umständen abgelehnt. (Hört! hort!) Er I traute niemandem eine solche Untat zu, und er hatte noch in diesen Tagen den Gedanken, daß man ihm . nach
HerantwortliO; wc den «bautonellen leil • Dr 3. R r a m e n bie Anzewen: 3- VarzeNer-Fu-ba. • sRntntinn«hnnf H. Bedao der Fulbaer Akttenbruckerei in Fulda ^°^°usdrucku. Scheck-Konw 4051 Frankfurt a. M- • vfnti prcujCT -,lle -
lichen Nöte der Well und der Wettverschuldung, ln den , Saal hineingesprochen in seiner edlen °°^^men Weist, baß die Herzen auch derer, die uns bis dahin v ellelch in starker Abneigung gegenuberstanden, geöffnet rour ben Man hat feine Worte in btefem Palazzo Reale verstanden unb ein rauschender Beifall aller anwesenben Frauen und Männer dankte dem Manne, der über dre Grenzpfähle- seiner Nation hinaus der Wett den Weg Ar wirtschaftlichen Verständigung und damit zum Frieden mit bewegtem Herzen gewiesen bat Kun legt er tot vor uns. Sein Platz schmückt em Rostn kickett. Meine Samen und Herren! Er ftel nicht nur Mr fein Volk, er fiel um bie Menfchenver- Js b n u n g Aber (mit erhobener Stimme) wehe benen, Hi- biests große Werk der Versöhnung ber Nattonen mit biesem Mord störten. Das Werk darf nicht unter krochen werden. Wir müffen dieses Werk das wir nut schweren Nöten begonnen haben, fortsttzen.. Es fft das Werk der Rettung unseres Volkes, es ist aber auch i-das Werk der Rettung von ganz Europa. Wir ftno 16errn Sr Rathenau näher gestanden, wir nannten ihn unseren Freunb Gewiß hat Dr. Rathenau viele Gegner gehabt. Ich weiß nicht, woraus die Gegnerschaft geslost stn ist. Er hatte früher feine Gedanken m literanfd) blendender Form niedergefchrieben. Aber von dem
, Auaenblick an, roo er öffentlich tn den Dienst des deut ' schen Volkes getreten ist und in den Menst der deickfckM Republik, von dem Tage hatte er nicht nur Feinde, km hatte er T o d f e i n be. (Zustimmung links, Rufe. Heisse-