49. Zahrg
Samstag, 10« Juni 1922
Nr. 132
iendnickerei in Fulda-
Somstag fortgesetzt.
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R e i ch s p o st- und Telegraphenverwalttmg hat 1327176 589 M., die Deävalkmg der deutschen Reichseisenbahnen 8997 291000 M vereinnahmt.
Der Stand der schwebenden SchuLd wird nunmehr mit 29 804 Milliwodm Mark ausgerviesen.
gesamte Summe an sti Höhe von 13107125
Vas 1200 jährige Amöneburg.
Wenn man mit der Main-Weser-Dahn von Kassel kämmend die Wasserscheide von NeustM hinter sich Hot, erhebt sich links wie ein Bergwunder Amöneburg. Der 364 Meter hohe trotzig« Basaltkegel HÄ seinen Namen von der ruhig sich dahin windenden Amana, ein Name keltischen Ursprungs, heute heißt der Fluß Ohm.
Das Stödichsn, das den Berg krönt, hat eine eigenartig bewegte, große Vergangenheit hinter sich, es steht gleichsam mitten in dem hestischen Gau wie ein Wegweiser in die Ewigkeit. Amöneburgs Gründung geht zurück auf den Apostel der Deutschen, den hl. Bonifatius, der hier im Herzen des alten Germanien auf seinen Bekehrungsreisen im Jahre 722 — nach neuerer Geschichtsforschung 721 — die Fahne des Christentums aufpflanzte. Der- hältnismüßig schall ging die Saat des Christentums im alten Chottrnlande ach, nachdem in Amöneburg zwei chattifche Grafen Dellic und Diorulf von DomfÄius gr- tauft waren; die Kirche auf der Bergspitze weihte er dem hl. Michael, und bald stand das Kloster daneben.
Die späteren Bischöse von Mainz haben Berg und Ort stark befestigt, die strategische Bedeutung Amöneburgs für die Wege vom Rhein und Main nach dem Norden Deutsch- lands lag auf der Hand. Im späten Mittelalter zankten sich Mainz urd Hessen um tue Bergfeste. Der dreißigjährige Krieg hÄ hier mit allen feinen Schrecken und Leiden getobt; Christian von Braunschweig, Piccolomini, Wvangrl und andere Fetdherrn kämpften um den Besitz Amöneburgs. Die wackeren Bewohner haben für ihre Heimat hungern md bluten müssen: 1646 fiel d-ie Stadt in die Hände der Schweden und Hesien und versank in Schutt und Asche, kein Haus blieb verschont. Ws der Feind nach sechs Wochen obmarschierte, steckte er auch das Schloß in Flammen; nur eine Ruine fiel an Mainz zurück. Unverzagt siedelten sich jedoch die unglücklichen Amöneburger
- Am Abend war wie auch an den vovausgehenden Tagen Konzert der unermüdlichen und tüchtigen Morbmger Musikkapelle und nach dem Eintritt der Dunkelheit wohlgelungenes Feuerwerk. Damit schloß der festliche Tag und die Jubelfeier, zu deren gutem Gelingen wir Amöneburg herzlich beglückwünschen.
A W MWt »kl MMleiMlM« 18® MMatg m MMnMg 1922.
Das 1200jährige Jubiläum der Begründung und Be- festtigung des Christentums in «Amöneburg und dem Obeitohngau hatte schon am Sonntag die Stadt in festlicher Weise begangen. Nun wollten auch am Pfingstdicnstag die Katholiken Oberhessens unserem Glaubensvater auf dem ehrwürdigen Berge ihre Huldigung darbringen. Aus allen Pfarreien zogen sie in dichten Scharen durch die Ehrenpforten an den prächtig geschmückten Häusern vorüber in ihren malerischen Trachten mit bunten Fahnen unter den Klängen der Musik und unter dem Gesänge des Bonifa- tiustiedes, von Döllerfchüsien und Glockengeiäute begrüßt, zur Stiftskirche — ein echebendes Schauspiel.
Das Hochamt zelebrierte in ihr Pfarrer Cbel-Neu- ftadt. Domkapitular Dr. L e i m b a ch - Fulda, den der Hoch würdigste Herr Bischof als seinen Vertreter entsandt hatte, überbrachte besten Grüße, Glückwünsche und Mahnungen. Dank dem Herrn, der durch den hl. Bonifatius uns zu seinem wunderbaren Lichte berufen hat, das war der Grundton, der seine Predigt durchklang. „Fest soll mein Tausbund immer stehn",' war das Gelöbnis, das danach alle im Liede bekundeten. Da die Pfarrkirche die Zahl der Gläubigen, nicht fasten konnte, fand gleichzeitig auf dem Marktplatz ein Festgottesdienst statt. Pfarrer Schlitt-Mardorf, der ihn hielt, ermunterte seine Zuhörer unter besonderem Hinweis auf die brennende Schulfrage der Gegenwart zu unbesieglicher Glaubenstreue.
Am Mittag vereinten sich Geistliche und Lehrer mit dem Bürgermeister der Stabt und den Marburger Studentenkorporationen, die bei dem Feftgottesdienft chargiert hatten, im Schwesternhause zu einem gemeinsamen Esten. Der Vertreter des Bischofs benutzte den Anlaß um im Auftrage des Hochwürdigsten Herrn die Geistlichen zum Anschlusie ihrer Gemeinden an die katholische Schulorgani- fation aufzufordern, und erbat dafür auch die treue Mst- Wirkung der Lehrerschaft. Sem Vorschlag, dem KÄh. Lehrerverein der Diözese Fulba zum goldenen Jubelfeste ein Glückwunschtelegramm zu senden, fand freudige Zu- stimmung. Er bracht« ein Hoch <ws auf Lmöneboi« fein Oberdcu« et feine Büro«.
Gegen 2 Uhr trafen der Oberpräfident und der Regierungspräsident in Begleitung des Lanb- rates v. Gilsa ein, am Stadttor vom Bürgermeister Weißbecker empfangen. Es ordnete sich der Festzug, der ein überaus schönes Bild darbst. Auf dem Marktplatz machte er Halt. Schon am Sonntag hatte hier eine Versammlung stattgefunden, wobei em Sohn der Stadt, Oberkehrer Dr. Weber, die Geschichte Amöneburgs zum Gegenstand seiner Festrede gemacht hatte. Heute begrüßte zunächst der Bürgermeister die erschienenen hohen Herren und legte die Bedeutung des Jubiläums dar. In sehr ansprechender Weise wurde das stimmungsvolle, von K. A r e n h o l d verfaßte Festgedicht torgetrogen. Darauf hieß auch Domkapitukar Dr. Le im doch die Vertreter der Staotsregierung herzlich willkommen. Er wies hin auf Amöneburgs hervorragend schöne landschaftliche Lage und auf seine interestante Geschichte, um dann besonders die Treue zu rühmen, mit der es dmch 12 Jahrhunderte das Erbe des Hk. Bonifatius bewahrt hab«. Das Gelöbnis, diese Gtaubensfestigkeit auch in Zukunft zu bewerfen, ließ er aussprechen durch ein begeistertes Hoch auf Papst und Bischof. Eine Strophe des Bonifatius« jedes fvAgle. Sodann ergM Oberpräftdejnt Dir. Schwan;-er das Wort. In einer eindrucksvollen Ansprache, worin er die Bedeutung des Festes für die Wek« kung des Heimat- und des vaterländischen Sinnes her- vovhob, ermunterte er zur HoffnMg auf den Wiederaufstieg Deutschlands und ermahnte vor allem zur Pflege des Gemeinschaftssinnes nach dem Beispiele des hl. Boni- . fatius, den alle Deutschen, Katholiken wie Nichtkatholiken, als einen wahrhaft großen Mann hoch in Ehren halten müßten. Freudig stimmte die Versammlung in das von ihm ausgebrachte Hoch auf das deutsche Baterland ein. Zum Schluffe sprach Pfarrer Fürst den zur Jubelfeier Erschienenen, besonders den Wallfahrern, seinen Dank aus und widmete auch dem dmch einen so tragischen Tod aus dem Leben geschiedenen Dichter des Festspiels, Haupt- lchrvr Schick, ein inniges Gedenken. -
Nach der Versammlung ging es zur Schloßruine, wo jetzt zum drittenmale das sinnige Heimatspiel zm Aufführung kam. .Pfarrer Fürst hatte sich mit dem Einstudieren des Stückes viele Mühe gegeben und alle Mit- wirkenden wurden ihrer Ausgabe vollkommen gerecht. Es mochte die Darbietung einen tiefen Eindruck, der durch
erstanden, da brandeten die Wogen des sibenjährigen Krieges an ihre Heimat. Mehrmals wurde die Festung von den Franzosen besetzt; 1762 fand an dem Fuße des Berges, an der Brücker Mühle eines der letzten Gefechte des siebenjährigen Krieges statt, wieder muhte sich Amöneburg den Franzosen ergeben. Kurz darauf überraschten die Friedensverhcmdlimgen zu Fontainebleau; da traten in der zerschossenen Drücker-Mühle die Heerführer der verbündeten Preußen und Engländer auf der einen und der Franzosen auf der anderen ©eite zu freundschaftlichen Besprechungn zusammen. Der Friedensstein erinnert heute noch jeden Wanderr, der an dieser Stätte vorbeikommt, an dieses Ereignis. Im Jahre 1802 wechselte Amöneburg seinen Herrn, von Mainz tarn es an Hessen, bis es 1866 jur preußischen Provinz Hessen-Nassau kam.
Durch alle bunten Wechselfälle der Geschichte hindurch hat sich Amöneburg zwei kostbare Güter gerettet: die Treue zum Glauben und die Liebe zur Heimat. Trotz aller Wunden, die der Feste geschlagen wurden, sind di« Bürger keinen Fußbreit von ihrer Scholle gewichen; und was kann es heute anders fein als die Liebe zur Heimat, werzn die Bürger es verschmähen, sich die Errungenschaften von Verkehr und Technik anzueignen und sich im bequemeren Tale anzusiedeln?
Menn Amöneburg in dieser Pfingsdwoche sein 12 00- jähriges Bestehen feierte so hat es nxchrkch Grund genug dazu. Neben der kirchlichen Feier, über die von anderer Seite hier berichtet wurde, war das „21 m 5 netz u r g e r Heirnatspiel" von Wilh. Schick von starker Anziehungskraft. Der Dichter, der Jahrzehnte hindurch als Lehrer -In Amöneburg gewirkt hat, kennt die Seele des Borgstädtchens gut. Die Heimatliebe hat ihm den Griffel in die Hand gegeben, als er im vorigen Jahre zwei behütende Begebenheiien der Stadt in zwei Teilen dramatisch geschickt gestaltete (1. Teil: St. Bonifatius, 2. Teil: Sch'MMMd Sühne, aus dem dreißigjähr. Kriege. Verlag I. SrWtoer, Kirchhain 1921.). Der tragische Konflikt im 2. Teile des Spieles ist von unverkennbarer Wir- kung. Die Aufführung atrf der Freilichtbühne der Schloß- rume war eine künstlerisch ochwerttge Leistung, bfe Schauspieler uferen Einwohner, die ihren Stolz und ihre Ehr« dareinfetzten, ihre Heimat im Spiele $u vecharikichen.
Es ist Schicksal, daß der Dicht« fe* Werk nicht mehr
Der Lrzberger-Moröprozetz.
Bei Eintritt in die Zeugenvernehmung wirb mitgeteilt, daß Fmu Erzberger wegen Krankheit nicht erscheinen tarnt
Als erster Zeuge wird der Abg. Diez vernommen. Er gibt die schon betatrnie Darstellung der Vorgänge, an« : gefangen von dem Zusammentreffen mit Erzberger bis zu dem Augenblick der blutigen Tat. Auf eine Frage des Staatsanwalts erklärt der Zeuge, daß er die beiden Täter noch gesehen habe, als er aus feiner Ohnmacht infolge der eigenen Verwundung erwachend zur Leiche Erzbergers ging und bei der Leiche Erzbergers stand.
Bezirksarzt Dr. Sartori-Oberkirch. berichtet ausführlich über den Befund der Sektion. Erzberger fei infolge Arterienverkalkung sehr hnank gewesen, sodaß er bereits Todeskandidat in dem Augenblick war. als er ermordet wurde. Er weist nach, daß Erzbergers Schädel durch zwei Schüsie vollkommen zertrümmert wurde. Außer, dem trafen ihn Schüsie in den Unterleib, einer durch die Lunge und zwei Streifschüsse. Insgesamt sind acht Schüsie abgeoeben worden.
Ein wichtiger Zeuge fft der Effenbahninspektor Jung aus Ludwigshafen, der in der Nähe der Weranderschanze Mei Leute getroffen hat, die er am Abend vorher im „Hirschen" in Oppenau kennen gelernt hatte. Sie hatten damals am gleichen Tffch geseffen und eine gleichgültige Untvrhalttrng miteinander geführt. Beide hatten durchgezogene Scheitel getragen. Einer sei durch eine Narbe am Ohr ihm aufgefallen. Als er morgens zum Frühstück gekommen sei, habe die Wirtin ihm mitgeteilt, die beiden.Studenten, die geftem abend am Tisch bei ihm gesessen hätten, feien schon seit 7 Uhr fort. Jung hatte am 26. August mit einem Begleiter, einen Freund aus Metz, auf der „Zuflucht" auf dem Kniebis zu Mittag ge- gesien und sie waren um HM 2 Uhr aufgebrochen, um über die Alexand«schanze nach Freudenstadt zu wandern. Auf dem Hohenweg, der parallel mit der Fahrstraße durch den Wald führt, begegneten sie nun den beiden Tischaenassen vom Abend vorher. Sie begrüßten sich und führten eine kurze Unterhaltung, in deren Verlauf die Beiden u. a. sagten, sie reiften jetzt wieder nach Hause und wollten vorher noch eine Tom über den Bodensee, machen.
Drei Zeugen aus Oppenau sagen übereinstimmend aus, daß am 26. Aurust geren 4 Uhr nachmittags zwei Herren, die von der „Zuflucht" henkamen. am Eingang von Oppenau an ihnen vorübergegangen sind; beide im Touristen- anzug. Die Beiden schienen aufgeregt zu sein und hätten sich etwas scheu umgesehen.
Eine weitere Gruppe von Zeugen, insbesondere von Damen, die zur Kur in Griesbach weilden, berichten über Beobachtungen, die sie in den Tagen vor der Mordtat borta selbst gemacht haben. Frau Wirth aus Manicheim hat im
von England vor mehreren Monaten an die deutsche Regierung gerichtet hat, und in welchem ebenfalls zum Ausdruck kam, daß ohne eine gründliche Aen- derung der Reparationsverpflichtungen lands die erforderlichen Voraussetzungen äußere Anleihe nicht gegeben sind.'
Bezugspreis: Monatlich 18.09 Alk. zugestellt frei ins Haus- z Abgeholt in der Geschäftsstelle 17.50 Alk. " Anzeigen: Kleinzeile nachCo'onel 1.50Mk.; ausro. 2,50 IRL Reklamezeile kTettbreite> nach Colone'maß S Blark.
Deutscher Reich.
e Berlin, 9. Juni. Die Z e n t r u m s f r a k- f i o n des Reichstages hat an den Vorstand der Sozialdemokratischen Partei folgendes Schreiben gerichtet: Anläßlich des ruchlosen Attentats auf Herrn Scheidemann übermittle ich zugleich namens der Zentrumsfraktion des Reichstages der Sozialdemokratischen Partei ergebenst den Ausdruck herzlicher Anteilnahme und verbinde damit den Ausdruck der Freude, daß das abscheuliche Unternehmen glück-
Alles in der Schwede
Die pariser Snleiheverhandlungen.
politische Besprechungen in Stuttgart.
Vie Gespensterseherei -er Boten Zahne
feiert wieder einmal Helle Triumphe. Das Matt fordert (Nr. 259 vom 7 .IM) zur „proletarischen Einheitsfront gegen die Orgesch-Offen- s i v e" auf. Es behauptet, daß die Reaktion „mit ner- stärktem Eifer am Werke ist, um systematisch die Vorbedingungen eines monorchistifchvn Umschwu! |s zu schaffen." Das Blatt führt dann eine Reik^ von Ausschreitungen extrem rechts gerichteter Kreise zur Beweisführung an und fährt dann fort:
„Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Mobilisierung der gegenrevolutionären Kräfte in den nächsten Wochen noch mit verstärkter Kraft betrieben wird. Die jetzt fast täglich siattfindenden Regiments- u. Erinnerungsfeiern sollen Ende Juni durch ein allgemeines Aufgebot sämtlicher Orgeschforrnationen gekrönt werden. Vom 13. Juni ab soll Berlin der Schauplatz der „Deutschen Kampfspiele" fein, in denen man nichts anderes sehen darf, als eine MusterungS- und Kontrollversammlung größten Stils der milltärischen Kräfte der Reaktion. Den Abschluß dieser Generalmusterung wird eine Johanniterfeier unter persönlicher Teilnahme der Hohenzollernprinzen und etn Germanentag des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes bilden. Wenn der
Die Elmiahmeziffem des Reiches.
Der „Vorwärts" veröffentlicht eine Zusammenstrl- Umg der steuerpflichtigen Einnahmen des Reiches im ersten Monat des laufenden Finanzjahres. Danach betragen die fortlausenden Besitz- und Berkehrs- steuern insgesamt 8 792 395 822 Mark, die einmaligen Steuern 189 667178 <31, das Aufkommen an Zöllen und Verbrauchssteuern 3 373 757 721 <33. Di« sonstigen Abgaben beziffern sich auf 887 315 091 <31. Die
Anleihekomitees unter sich soweit gediehen sind, daß die Verhandlungen mit der deutschen Vertretung ausgenommen werden können. Ms deutsche Sachverständige, die dem Staatssekretär a. D. Bergmann beratend zur Seite stehen sollen, sind in Aussicht genommen der Reichsbankpräsident Havensdein, die Bankiers Melchior, Mendelsohn, Urbifl, sowie der Kommerzienrat Hagen- Köln und Geheimrat Deutsch-Berlin.
Reichskanzler und Außenminister in Stuttgart.
Wie die Blätter Mitteilen, ist der Reichsminister des Aeußern Dr. Rat Henau Donnerstag abend nach Stuttgart abgereist, wo auch der Reichskanzler Dr. Wirth eingetroffm fft. Die „Deutsche Allgemeine Ze'Ämg" nimmt an, daß eine Aussprache des Reichskanzlers und des Reichsaußemnimisters über wichtige aktuelle Fragen ter außen- und innenpolitischen Lage stattffnden wird. Auch der badffche Staatspräsident wird, wie das Blatt hört, in Stuttgart anwesend sein.
Verantwortlich für den reüanionellen Teil' Dr. I. Kramer- n für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. _ _ S Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei i___
^emipredxt Nr. 9- Postscheck-Konio 4051 Frankfurt a M-
Kurhaus in Griesbach gewohnt und Hot am Tage vor dem Mord zwei Touristen beobachtet, die auf einem Höhen- weg, von dem aus man in bas Zimmer hineinsehen konnte, tos Epzberger bewohnte, verschiedene Male hin- int) Heiningen. Es ist ihr etwas unheimlich gewesen.
Krimme'tornmisiar Schumacher hat seinerzeit Nachforschungen nach Schulz und Tileffen in Budapest ary gestellt. Er hat ihre Spur trt verschiedenen vornehmen Hotels verfolgt, in denen sie sich im November und Dezember 1921 unter falschem Namen aushielten, hat den Faiseur feitceiteUt, bei dem sie sich rasieren ließen und der sie nach den Photographien wieder erkannte, ebenso ein Geschäft, m dem sich Tilesien einen teuren Mantel gekauft hat. Auch Revolver sind im Besitz der Beiden entdeckt worden. Zu Gesicht hat 6er Zeuge die Beiden nicht mehr bekommen, da sie inzwischen aus Budapest verschwunden waren. Die Verteidiger bemerken dazu ausdrücklich, daß sie nicht bestBiten, daß Schutz und Tileffen in Budapest gewesen sind. .
In der weiteren Verhandlung wird dann noch re» Fmge untersucht, wo Schulz mH Tileffen sich in den W o- chen vor dem Mord tag aufgehalten haben. Es wird zunächst durch Zeugen und Briefschaften fest- gestellt. daß sie vom 4. bis 6. August m Saatfeld, bann in Berlin gewesen sind und vom 14. bis 17. August m Stuttgart gewohnt haben.
Am Freitag wird bas Gericht sich zu Ortsbesichtigungen nach Oppenau, Griesbach und dem Attentatsort begeben. Die meirenen Verhandlungen, werden bau«
nationalistische Rummel am 28. Juni gelingt, ohne baß die Arbeiterschaft nenncnSrocuen Widerstand leistet, so wird das für die monarchistischen Drahtzieher vom Schlage Ludendorff ein Zeichen dafür, fern, daß der Weg frei ist zu einem neuen Kapp-Putsch."
Gewiß fft zuzugeben, daß in gewissen extremen rechtsgerichteten Kreisen immer noch mit dem Gedanken einer gewaltsamen Umwälzung gespielt wird, aber die Aufbauschung, die die „Rote Fahne" gewissen Vorgängen zuteil werden läßt, fft geradezu blödsinnig. Der Zweck dieser Uebertreibungen wird aus dem Aufruf der „Roten Fahne" selbst klar und unzweideutig ersichtlich. Die „Role Fahne" übertreibt absichtlich, um die Massen zu verhetzen. Das Matt fordert nämlich das Proletariat auf zu einer „kampfentschlossenen Front der Arbeiterklasse", um überall die „monarchistischen Kundgebungen zu verhindern".
Diese Hetze der „Roten Fahne" ist offenkundig eine Parallel-Aktion zu dem Vorgehen der Kommunisten im preußischen Landtag. Diese haben dort eine Interpellation eingebracht, die sich mit den angeblich „militärisch-konterrevolutionären Absichten" beschäftigt. Die Ankündigung der „Roten Fahne", daß es voraussicht- lich aus Grund dieser Interpellation am 12. Juni im preußischen Landtag zu einer großen politischen Aussprache kommen werde, deutet darauf hin, daß die' Kommunisten wieder einmal beabsichtigen, eine ihrer beliebten Radauszenen im Landtag auszuführen.
aus dem besetzten Gebiet.
= SeiSngni» silk Angehörige bes veutschrn Offizier- bunte». Vor Sein Kriegsgericht der Rheinarmee batten sich 17 ehemalige aktive deutsche Offiziere, sämtlich in Wiesbaden wohnhaft, zu verantworten, weil sie alS Mitglieder der Ortsgruppe Wiesbaden des Deutschen Offizierbundes entgegen einer Verordnung der interalliierten Rheinlandskommission im besetzten deutschen Rheingebiet einer Organisation angehört haben sollen, die drrekt oder indirekt mit dem deutschen Kriegsministerium oder anderen militärischen Dienststellen in Verbindung stehe. DaS Gericht verurteilt nach fünfstündiger Verhandlung den Major Georg Jürgen als beranttoortticLen Leiter zu drei Monaten Gefängnis und 5000 Mark Geldstrafe, Len Oberleutnant Heinrich Gräf in contumaciam zu vier Monaten Gefängnis und 5000 Mark Geldstrafe, ferner in contumaciam den Hauptmann Heinrich O t to und den Oberleutnant. Heinrich Aumann zu je einem Monat Gefängnis und 3000 Mark Geldstrafe, sowie die übrige» Angeklagten zu je 3000 Marl Geldstrafe.
— Zestsetzuna der vesatzungrtafien lieber den kürz, lich vom Obersten Rat gefaßten Beschlug über die Besatzungskosten wird jetzt bekannt. Saß für die einzelnen Armeegruppen folgende Höchstsummen festgesetzt worden sind: für die s r a nzös ische 440 Mil- lionen Franken, für die belgische 102 Millionen Franken und für die englische Armee 2 Millionen Pfund Sterling für das Jahr.
• Protest gegen die Zerstörung der rheinischen vahnen. Der Verein für die Interessen der rheinischen Braunkohlenindustrie und das rheinische Braunkohlen- syndikat haben an die Reichsregierung > ine Entschließung geriet) et, in der von dieser verlangt wird, gegen die von der Botschafterkonferenz beabsichtigte Zerstörung vorhandener und tm Bau begriffener Bahne» schärfsten Protest einzulegen.
Die Aussichten der äußeren Anleihe sind trotz •er Entscheidung der Reparationskommission noch durchaus ungewiß. Man darf vor allem nicht übersehen, daß die Entscheidung der Reparationskommission durchaus keine endgültige ist, sondern nur gewissermaßen einen Ausweg darstellt, um die Arbeiten der Anleihekommission weiterführen zu können.
Es kann zwar insofern wenigstens von einem, wenn auch nur moralischen, Erfolg gesprochen werden, als die Entscheidung der Reparafionskommis- sion ein Beweis dafür ist, daß die Erfüllungs- Politik des Reichskanzlers Dr. Wirth und der deutschen Reichsregierung richtig war; die Entscheidung ist außerdem ein Beweis dafür, daß auch in den Ententeländern im wachsenden Maße die Einsicht mehr und mehr zum Durchbruch kommt, daß die Forderungen des Londoner Ultimatums, dessen Unerfüllbarkeit die deutsche Reichsregierung von Anfang an vertreten hat, unhaltbare sind. Es ist bemerkenswert, daß diese Erkenntnis schon nach so kurzer Zeit sich einzustellen beginnt. Seit dem Londoner Ultimatum ist kaum einJahr vergangen.
Praktisch genommen bedeutet die Entscheidung der Reparationskommission noch nicht allzu viel. Darüber sollte man sich in Deutschland keinem Zweifel hingeben. Jedenfalls ist Anlaß zum Jubel ganz gewiß nicht gegeben. Nach amerikanischen Meldungen wird die Anleihekommission nach der nunmehr vorliegenden Entscheidung der Reparationskommission sofort mit seinen Untersuchungen über Deutschlands Zahlungsfähigkeit beginnen, was als erster Schritt für die äußere Anleihe in Betracht kommt. Weiter wird mitgeteilt, daß die A n l e i he- kommission voraussichtlich nach Deutschland kommen werde, um dort an Ort und Stelle ihre Nachprüfungen vorzunehmen.
lieber die Aussichten einer Beteiligung des englischen Kapitals an der Anleihe liegt eine Loichoner Meldung vor, die nicht unbefriedigend ist. Aus einer Umfrage unter führenden Finanzmän- nern des Londoner Großkapitals geht hervor, daß die Aussichten einer Anleihe auf dem englischen Geldmarkt sehr pessimistisch beurteilt werde. Als Hauptgrund wurde angegeben, daß eine solche Anleihe genügende Sicherheit nicht biete, solange die Reparationsschuld nicht endgültig herabgesetzt und dem politischen Einfluß nicht dauernd entzogen sei.
Das ist eine Auffassung, die auch in Deutschland vertreten wird. Sie ist übrigens an sich durchaus nicht neu, sondern deckt sich bekanntlich in vollem Umfange mit dem Schreiben, welches die Bank
FuldaerZeilung
Amklicher Anzeiger für den Kreis und die Stabt Fulda. ____
Deutsche Sachverständige für ... .... Handlungen mit der Anleihekommission über die äußere Anleihe sind entgegen anderslautenden Pressemeldungen, wie wir von unterrichteter Seite hören, bisher noch nicht ernannt. Ihre Ernennung wird vielmehr erst dann erfolgen können, wenn die Verhandlungen des