JK. (28.
Sonntag, 4. Juni 1922.
Fuldaer Zeitung
Druck der Fuldaer NeUeudruckerei in Fulda
Pfingsten.
„Ser Fünfzigste" Tag noch Ostern, bei den Hebräern «uh „bas Fest der (7) Wochen" genannt, lMe trotz dieser unscheinbaren, kalendermößigen Bezeichnung die LeHemung eines großen Festes. War es doch bas Fett Bundesoersossung, der Ermnerrmg an die Ge- setzgebimg <Bif Sinai. An demselben Tag sandte der Lemünder des.neuen Bundes, Iefius Chrisdrs, den hl. Geist die Besiegelung des neuen Bundes, dessen Berfas- fona er den Aposteln übergeben. Heute publiziert Petrus, das Haupr der Kirche, diese neue Bundesverfassung vor Vertretern fast aller Völker des Erdkreises. TausenLe folgen dem Rufe der Gnade und begründen ihrersests durch Annahme der Taufe ihre Zugehörigkeit zu dem neuen, nicht mehr nolionaljüdischen, sondern unioer- falchrMichen Bund. Alle fühlen sich jetzt und in der Zukunft <äs „Brüder", Geschwister ber einen Gottesfamilie, wenn auch körperlich und territorial in Ge- meinden und Landern verteilt. „Der Geist des Herrn hat den Erdkreis erfüllt."
Der Israelit fühlte sich trotz der vielen seine Freiheit einen-genden Bestimmungen des alten Gesetzes nicht unglücklich. Er genoß eine „heilige Freiheit" in fernem Gesetz. Er freute sich am Wochenfeste seines Gesetzes. Um wieviel größer und inniger darf die Freude Les katholischen Christen am Pfingstfest« fein; denn er gehört zur ailereiften heiligen Internationalen. Fremde Größe bedrückt. Gröhe, an der man selbst teilnimmt, erhebt, erfreut. Im neuen Bunde gilt das Gesetz der Liebe, deren Gebote, auch wenn sie noch so vieles und schweres verlangen, als gering und nicht drückend empfunden werden. Der Katholik findet in feiner Kirche dm Geist der Wahrheit, der in den höchftm Lebensfragen Sicherheit dem zwei- feinben Menschengeiste gewährt. Er flabet den Tröst er in des Lebens llWhm, die nun einmal aus dem Men- s'chenlebm nicht zu bannen sind, aber mit gottoerlichener Straft ertragen, ja mit Freude ertragen werden können.
Das Lrftreten der Apostel zeugt von heiliger Begeisterung. Wärme versinnbildm ja auch die feurigen Zungen, die sich auf jeden der Begnadigten herniederließen. Der Glaube des katholischen Christen soll nicht bei der kalten Ueberzeugung stehen bleiben. Di« Wahrheit muß sich jur Liebe und Freude durch- rIngen. Diese aber sind unmöglich ohne Begeisterung. Tatkraft ist undenkbar ohne Begeisterung für ein Ideal. Sollte es für den denkenden Menschen hier auf (Erben höhere Ideale geben als Wahrheit und Liebe? Die chriftl. Religion gibt dem Wahrheitsdrang und Liebebedürfnis cmßer dm diesseitigen, vergänglichen, auch rwch jenseitig« ewige Objekte, die mit freudiger Begeisterung zu umfassen der Schöpfergerst, der Seelengast, Licht und Kraft verleiht.
Wahrhettssim» und selbstlos Liebe, wie sind sie seltene Gäste im modernen Menschenherzen! Der Katholizismus ringt nach Wahrheit, verkündet Wahr- heü, fordert und drängt nach tatkräftiger Liebe. Nicht mnfonst stieg seit Jahrhunderten und steigt auch in diesen Pfingsttagen aus Tausenden katholischer Herzen das Gebet der Kirche zum Himmel: „Komm heiliger Geist, erfülle die Herzen der Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe."
Schonet die Tiere und pflanzen!
3m Namen des Der eins der Naturfreunde schreibt man uns das Folgende, das hoffentlich bei denen, die es angeht, eine gute IBeächtung findet.
Wenn der Städter nach den Mühen der Woche hinauswandert in Gottes schöne Natur, so ist es zu verstehen, wenn er von all der Herrlichkeit etwas mit nach Hause nehmen will, um in seinem Heim die Schönheit nachzügenießen. Die Blumen unserer Berg« und Matten zu schönen Sträußen gewunden, erinnern ihn dann durch einige Tage an genußreiche Stunden. Kein Laiidmann, kein Besitzer von Wald und Wiese wird dagegen etwas einzmoenden haben, wenn die Bermu.ft dabei waltet.
Wie aber wird leider von vielen gegen die Natur und ihre lieblichen Kinder, gegen Pflangen und auch gegen Tiere gesündigt. Schon im zeitigen Frühjahr, wenn dl« Kätzchen der Salweide blühen, setzt die Zerstörung ein. Für den Palmsonntag gönnt man jedem Kinde seinen Palmkätzchenzweig, aber leider plündern gerade Erwachsene die Salweidenbüsche, die die erste Nahrung für unsere Bienen tragen, m mwerantwvrt- licher Weise. Wiederholt sind Städter gesehen worden, die mit Wagen sich die Zweige hollen, ohne auch nur den Besitzer um Erlaubnis zu fragen. Dem Schnee-
Vie Blücher-Richten.
t Roman von Hanns v. Zabeltitz.
Rach einen langen Mick hat er zu dem schmalen gelben Hause hinaufgetan, ist dann langsam dem Königlichen Sckstoste wieder zugeschritten, mit seinem müden Gange und dem ein wenig gebeugten Rücken. Wie einer, der eine lange mühsame Wanderung hinter sich hat. Fast wie ein aller Mann, der junge Dicomte Montauban. Russische Gefangenschaft lastet schwer.
Ueber den Schlotzplatz ging er, über die Schloßbrücke, die Straße Unter den Linden hinunter.
An der Ecke der langen Friedrichstraße fühlle er plötzlich eine leichte Hand auf seiner Schuller, hörte seinen Namen: „Montauban — sind Sie es wirklich?"'
Er sah sich um.
Dor ihm stand ein hagerer, hochgewachsener, älterer Herr. Sehr distingiert, im dunkeln Gehpelz und funkel. nagelneuen Lackschuhen. Oh, der Vicomte hatte jetzt das rechte Auge für gutes Schuhwerk!
Aber in dem Gesicht des andern konnte er sich nicht zurechtfinden. Es kam ihm wohl bekannt vor; zu erkennen vermochte er den Herrn nicht. Er sah fast wie ein Engländer aus mit dem kurzgeschnittenen grauen Bart.
„Zum Teufel! Hab ich mich denn so verändert, lieber Montauban? Ja, diese Jahre wogen doppeü. Ihnen sieht man den eleganten Montauban von ehedem auch nicht an. Erinnern Sie sich gütigst an Ihren alten Kollegen von der hiesigen. Gesandtschaft, aus der schönen Zeit, wo wir noch die Herren von Berlin waren . .. Virolade . . .
„Comte Virolade? Entschuldigen Sie mich, bitte, ich scheine meine Augen in Rußland verloren zu haben. Wo kommen Sie her, wenn ich fragen darf?"
Sie tauschten einen kurzen Handdruck, sind dann nebeneinander weiter gegangen auf das Brandenburger Tor zu.
„Wo ich herkomme, lieber Freund?" sagte der andere. Es war mehr ein Flüstern, als ein Sprechen. „Im alten Vertrauen gesagt: aus dem Süden unseres .herrlichen Vaterlandes, das Goll behüten mäae-" Er
glöckchen geht es nicht besser, die Maiblume ist aus der Umgebung Fuldas first verschwunden, das Waldver- gißmemnicht an der Milseburg ausgerottet. Der Einsender hat an einem der letzten Sonntage in der Rhön traurige Ersochrungen gesammelt. An ben Straßen zu den Bcchnhsen in der Nähe der Ausflugsorte tagen am Abend nach ber Abfahrt der Züge die welken Blumen haufenweise, darunter seltene Orchideen und durch bas Pflanzenschutzgesetz geschützte Pflanzen, abgerissene Birken- und Lärchenzwcige, Trollblumen u. a .
Man sieht hier, wie die Liebe zur Natur auf falschem Wege ungeheuren Schaden anrichtet. Es muß immer wieder betont werden, daß niemand außer dem Grundeigentümer das Recht hat, Pflanzen zu entfernen, und auch dem Besitzer find durch das Natur- und Pflanzenschutzgesetz Beschränkungen auferlegt. Das Betreten des Staatswaldes ist ja außerhalb der Schonungen gestattet, aber wir würden es verstehen müssen, wenn Privatwaldbesitzer ihre Forsten dem Publikum sperren würden, wenn der sinnlosen Zerstörungssucht rächt Einhalt geboten wird. Die Allgemeinheit hat bann unter den Ausschreitungen EmMner zu leiden. Hier würden sich die Erzieher unserer Äugend, die Herren Geistlichen und Lehrer, den Dank Bieler verdienen, trenn sie ausklärend und warnend eingreifen würden. Wenn man einige Blumen oder Sträucher mitnehmen will, so pflücke oder noch besser schneide man sie gegen Ende des Ausflugs ab, damit sie nicht zu zeitig welk werden, vor allem sorge man, daß nicht Grundblätter und Wurzeln beim Pflücken beschädigt werden, denn die ausdauernden Pflanzen erscheinen dann im nächsten Jahre wieder. Seltene oder mir vereinzelt auftretende Pflanzen laste man stehen, es wollen sich auch noch Andere daran erfreuen, Egoisten sind böse Menschen.
Die Pflanzen, die man glücklich zu Hause hat, stelle man nicht zu dicken Bündeln gebunden m die Gläser, sondern einzeln und lose, gebe täglich ftisches Master und entferne nach einigen Tagen mit einem scharfen Mester den unteren, schleimig gewordenen Stengellell, dann erfreuen sie uns mehrere Tage durch chr frisches Aussehen.
Auch die Tiere verlangen von uns eine liede- und verständnisvolle Behandlung. Der Laubfrosch, den man dem Walde entführt, zu Hause mit einigen Fliegen täglich bestechen will gutes Wetter anzuzeigen und nach einiger Zeit womöglich verhungert, hat seinen Zweck verfehlt, ebenso der Salamander, der in ein kleines G!as eingezwängt, seine Tage vertrauert. Die als Kreuzotter getötete Ringelnatter ober gar die Blindschleiche sind eine Anklage unserer naturwissenschaftlichen Unbitbung. Alle Käfer und Schmetterlinge haben mit Ausnahme der ausgesprochenen Schädlinge ein Recht zum Leben, ihr Endzweck ist nicht in sogenannter Sammlung zu vermodern, die anzulegen mir ernsten Forschern gebührt. Alle Pflanzen und Tiere verlangen von uns, als Werke des allgütigen Schöpfers geachtet zu werden, und wir stellen uns als vernunftbegabte Wesen das beste Zeugnis aus, wenn wir den Schöpfer in feinen Geschöpfen ehren. Hn.
Soziales.
= Kriegsbeschädigte und veamteaschei». Der § 35 deS ReichsoersorgunasgesetzeS (R.-V.-G.) gewährt den für die Beamtentaufbahn geeigneten Kriegsbeschädigten den Beamtenschein. Trotzdem das ReichsversorgungS- gesetz am 1. April 1920 in Kraft getreten ist, sind bis heute die Anstellungsgrundsätze noch nicht verabschiedet worden. In einer Eingabe des „ZeutralverbandeS deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegs« Hinterbliebener" (Sitz Berlin 91.-0. 18) an den Reichstag wird darauf hingewiesen, daß die Verabschiedung der Anstellungsgrundsätze zurückzuführen sei ans Schwierigkeiten, die im Reichsministerium des Innern entstanden find. Weiterhin wird darauf hin- gewiesen, daß sich die Versorgungsberechtigten des Ein- drucks nicht erwehren können, daß man pe mit Absicht von den Bramtenstelleu fernhalten will.
Aus dem Nachbargebiet.
k Haimbach bei Fulda. Unser Männergesangverein „Sängerin st", Dirigent Herr Lehrer Schlitt, ist nach einem Vortrage des Bundesvorsitzenden des Fulda- Rhön-Süngerbundes dem Bund beigetreten.
— Jossa bei Hosenfeld. Am 31. Mai schied aus unserer Mitte Herr Kaplan Hermann R a m b, um nach seinem neuen Wirkungskreise Eichenzell überzusiedeln. Er hat während der Zeit, wo er hier weilte, sich um unsere Gemeinde sehr verdient gemacht; ihm lag das Seelenheil der Angehörigen hiesiger Gemeinde sehr am Herzen, namentlich bas der Jugend. Besonders hat er sich auch verdient gemacht um die Ausschmückung unserer Kirche. Möge es ihm beschieden sein, in seinem neuen Wirkungskreise zur Ehre Gottes und zum Heile der Pfarrangehörigen ebenso segensreich zu wirken.
senkte den Ton noch tiefer. „Vicomte, Frankreich braucht Sie. Der Kaiser —"
Meister Lacroix hat vergebüch seinen Laufburschen nach der Schenke zum „Schöneberger Krug" hinaus- gsschickt mtt den schönen neuen Sttefeleüen. Er fluchte bitter, halb deutsch, halb französisch, auf die Unzuverlässigkeit der einstigen Landsleute. Doch dabei ist er trotzdem geblieben: der Vicomte würde wiederkommen und das Konto ausgleichen. So wurden die feinen Stiefeletten sauber eingepackt und ins Regal gestellt. Sie konnten warten. ,
» .
Daß das jüngste Giesemädel ein Tunichtgut war, die Lore nämlich mit dem stupsnäsigen Porzellanköpfchen, das hat ihr die Frau Mutter fo oft gesagt, daß sie's schließlich selber glaubte. Aber geholfen hat's wenig oder nichts. Mutter Giese konnte schimpfen, schel- ten, predigen, drohen, hat es sogar an Dachteln und Katzenköpfen nicht fehlen lasten: Racker bleibt Racker. Auch noch mit siebzehn Jahren, wo junge Mädchen aus gutem Hause sonsten doch nicht nur die kurzen Kleider, sondern auch die Unmanieren ausgezogen haben sollen. Das heißt: unmanierlich war die Lore nun gerade nicht. Wenn sie wollte, wußte sie sich schon in Gesellschaft zu benehmen. Und höchst manierlich sah sie auch aus: sozusagen zum Anknabbern. Man konnte ihr auch nichts Böses vorwerfen. Silberne Löffel hatte sie noch nicht gestohlen, sondern höchstens versteckt; auch hatte sie bis dato keinem Mann einen Kuß gegeben, außer dem Ka- dettenbruder und dem Onkel Blücher, was bei dem elfteren der Bruderschaft und der Jugend wegen, bei dem letzteren des Alters wegen nichts ausmachte. Nicht zu leugnen ist freilich, daß der alte Blücher bas Mädel sehr gern beim Schopf nahm und ihr einen tüchtigen Schmatz aufbrannte, der, wenn der Herr Fürst, Durchlaucht, grad nicht seinen Rasiertag gehabt, höllisch kratzte. Was die Lore aber als unvermeidlich hin- nahm.
Item: die von Gieses hatte sich der Alte nach feinem schlesischen Krieblowitz geholt. Das ist wohl eine kleine List von feiner Frau Gemahlin, seinem geliebten Matchen, gewesen, sintemalen ihr Leberecht eine Weile hindurch gar zu grimmig auf Mutter Giesen geschimpft, sie.sogar eine verbohrte, eigensimüge alle Tagte genannt
vermischtes.
• Späte Sühne. In München-Gladbach verurteilte die Strafkammer den ehemaligen Bezirksfeldwebel Schommer beim Bezirkskommando Rheydt zu 2Vi Jahren Zuchthaus. Er war im Krieg Leiter der Zurückstellungsabteilung und hat von Leuten, die reklamiert werden wollten ober für ihre Fabrik Arbeiter reklamieren wollten, erheblich« Schmiergelder angenommen, deren Höhe er selbst auf 150000 Mark beziffert.
* Motorbootsnng Lck bei Berlin. Am Mittwoch abend explodierte auf dem Motorboot eines Villen« besitzers, der mit seiner Familie und zwei Gästen eine Vergnügungsfahrt aus der Dahme machte, der Benzinbehälter und fetzte das ganze Boot in Brand. Die Jnsaffen sprangen sofort ins Wasser und hielten sich an einem Tau fest, bis sie von anderen Fahrzeugen ausgenommen wurden. Die Frau des Besitzers ging aber schon vorher unter und wurde bis jetzt noch nicht geborgen.
* Eisenbahnunglück im Tunnel. Nach Meldungen aus Paris ereigneten sich in einem Tunnel zwischen Bourg und Bellegarde am Mittwoch abend ein Zusammenstoß. Durch Gasentwicklung in dem Tunnel erstickte die gesamte Mannschaft eines Gülerzuges, fo daß er stehen blieb und ein Personenzug von hinten auf ihn auffuhr. Zwei Wagen entgleisten. Die Gefährlichkeit des Tunnels soll schon seit längerer Zeit bekannt sein.
Technik und verkehr.
--- Zlugpoßveekehr mit der Schweiz. Am 1. Juni haben die Junkers, Flugzeugwerke A. G, Berlin, in BelriebSgemeinschaft mit 3er Ad Astratero Luftverkehrsgesellschaft, Zürich, eine regelmäßige Flugverbindung Nürnberg Zürich—Genf und zurück eröffnet, die auch zur Postbeförderung dient. M«t der Flupost nach Zürich—Genf werden auch Mugpostbriefsendungen nach Italien und Südfrankreich gegen dieselben Zuschläge befördert. Grüne Aufklebzettel .Mit Lustpost" sind in den Flu Postorten und dreien anderen Orten am Schalter erhältlich, wo auch nähere Auskunft in Flugpostangelegenheiten erteilt wird.
WM aus den Heglftem des Skandesawks Ma.
Sterbefälle vom 26. Mai bis 2. Juni 1922.
28. Mai. Witwe Theresia Steinhauer, geb. Burfchel, 59 I. 4 M 14 T. 30. Hofbäckermerster Peter Franz ©immer, 70 I. 10 M. 24 T. 31. Ehefrau Sophie Katharina Knab, geb. Tretzel aus Haßfurt, 36 I. 5 M 22 T. 1. Juni. Ehefrau Maria Becker, geb. Zentgraf aus Lehnerz, 22 I. 8 M. 21 T. 2. Ehefrau Angela Fickler, geb. Liebig, 60 I. 10 M. 18 T.
Sottesdienftordnung.
Katholischer Gottesdienst.
Sonntag, 4. Juni. (Pfingsten — Kollekte für die Heiden-Mifsion.) Tom. */«6, 6, Vi7 und 7 M., um *A7 pestift. M. f. d. gefall. Mitgl. d. M-Ap. m. Anspr. u. Generalkom. d. Männer, 8 Pfarramt m. Pr. u. Segen, '/,10 im Bischöflichen Hochamt aus Anlaß des am dort gen Sonntag verkündigten Missionsjubiläums Ansprache des Hochw. Herrn Bischofs und am Schluffe des Hoch, amte» feier!, päpstlicher Segen, V«12 M u. Pr., */i2 21., 4 Bischöfl. Vesper, danach Beichtgelegenheit. — Stadtpfarrkirche. (Kollekte für die Missionen.) 5st, Korn., 58/« M., 6*/< M. u. Kam. d. MännerapostotateS, 8 erster Schulgd. m. Pr., gst, feierliche» Hochamt m. Diakonium u. Pr., 11 zweiter Schulgd. m. Pr., 2st, Pfingstandacht, 4 Gelegenheit zum beichten. — Pfarrkirche zum heiligen Geist. (Titularfest mit vollkommenem Ablaß.) Samstag nachmittags 4 Beichte; Aushilfe vom Frauenberg. P f i n g st-S o n n t a g */«7 Som., 7 Frühm., 8 Festpr. u. Amt m. Som., 4 Beichte, 5 A. — Severi- kirche. Sonntags st,7, werkt. 6“ M. — Herz-Jesu-Heim. 8 Hochamt m. Pr., nachm. 2 A. (Mittwoch abends 8 A.) — Frauenberg. 5, 6, 6*/i u. 7 M., 8 M. m. Pr., 9 Levitenamt m. Pr. u sakcam. Segen, nachm. 2 Festpr. u. A. Generalabsolution für die Terziaren. Abends st,8 Pr. u. Herz-Jesu-Andacht.
Montag, 5. Juni. (Pfingstmontag — Kollekte für den BonifatiuSverein.) Do». st,6, 6, st,7 u. 7 M., 8 Pfarramt m. Pr. u. Segen, st, 10 Kathedralamt u. Pr., «412 M. u.Pr., st,2 A., 4Abendandacht.—Stadtpfarrkirche. Kollekte für den Bomfatiusvereln.) 5«/, Kom, 5*/« u. 6st« M., 8 erster Schulgd. m. Pr., 9st, Pfarramt m. Pr., 11 zweiter Schulgd. m. Pr., nachm. 21/, Pfingft-A. — Pfarr- kirche zum hl. Grift. */«.! Kom, 7 Frühm., 8 Pr. u. Amt m. Kom., 5 21. — Severikirche. */,7 M. — Frauenberg. 6, 6, 6st, u. 7 M., 8 M., 9 Leviteuamt, nachm. 2 Pr., A. u. Umg. f. d. Füns-Wunden-Bruder» schast. Abends st,8 Pr. u. Herz-Jesu-Andacht.
Dienstag, 6. Juni. (PfingstdienStag.) Frauenberg. Ilm 6«/« Levitenamt m. sakrament. Segen.
hat, weil sie sich nicht in ihre Töchtings „hineinmcm- schen" lasten wollte. Die Frau Fürstin ist nämlich sehr milden Herzens gewesen und hat immer Frieden stiften wollen, gar nun, wenn der Gestrenge tüchtig loswetterte.
Daß die Gieses gern nach Krieblowitz gegangen, das konnte man ihnen nicht verdenken. Denn in Berlin war die Teuerung nach dem Kriege groß, und die Frau Mutter mußte noch mehr knapsen als sonsten, zumal auch Luffes Ausstattung für Wien trotz aller Zuwen- düngen der Humboldts einen Batzen Geld gekostet hatte. Die Töchter aber jubelten, selbst die stille Julie jubelte mit. Am lautesten freilich das Neftküken, die Lore.
War ja auch ein weites freies Leben auf dem Her- rensitz. Konnte jedweder tun und lasten, was ihm be- hagte. Brauchte nicht am Sttckrahmen zu sitzen, konnte im Park Herumlaufen ober durfte bei den Büchern sitzen am Kamin, in dem einer der großen Buchenkloben loderte, und am Abend um den runden Tisch. Da saß denn der Hausherr mit dem blauen Schirm über den Augen, die immer noch manchmal von Anno vierzehn her schmerzten. Neben ihm Frau Amalia; neben ihr der Durchlaucht getreuer Leibarzt, der Herr Doktor Bieseke. Dann schloffen sich die Giesemädchen an, zwischen denen manchmal einer der beiden jungen Enkel Blüchers, schon ein wenig die Cour schneidend, und als Abschluß meist, wieder neben dem Alten, die tolle Lore.
Vater Blücher hat gern erzählt, ist fast immer ge- sprächig gewesen. Manchmal von seiner Jugendzeit und wie er’s mit dem allen Fritzen verdorben und elend „kaffiert" worden; wie er dann wieder zu Gnaden gekommen; vom Jahre 1806 und von den großen Schlach. ten, die er geführt. Auch wohl von Tollheiten in Paris, wozu Frau Amalia immer ein mildes Lächeln gehabt, oder von den verrückten Engländern oder Englän- berinnen.
Ober aber er hat auf Wien geflucht unb hie infamen Mplomattks, bie alles verdürben, was bas Schwert gut gemacht, bie Himmelhunbe. Dann. ist jedesmal fein Gesicht puterrot geworden, bis die milde sanfte Frau chm die Hand geftreichell: „Ruhig, Väterchen, ruhig!", worauf er dann die Zähne gehorsamst auseinandergepeßt unb den weißen Schnauzbart mächtig gestriegelt hat.
Evangelischer: Gottesdienst.
Pfingstsonntag, 4. Juni. Fulda. Vormitt. 8 Sup. Ruhl, 9'/, Sup. Ruhl (hl. Abendmahl). — Großen- lüder. Vormittag« 97» Pfarrer Weber. — Bieberstein. Vormittags 9 Pfarrer Reich.
Pfingstmontag, 5. Juni. Fulda. Vormittags 8 und 9«/, Pfarrer Weber. — Bad Salzschlirf. Vormitt. 9«/, Sup. Ruhl.
Mittwoch, 7. Juni. Fulda. Abends 8 Bibel« stunde Gemeindehaus (Kleinkinberschute).
Lvangel. landerkirchl. Gemeinschaft Zulda, vuttlarstr. 17-
Pfingstsonntag, 4. Juni. Abends 8«/* Uhr Evangelisation. — Dienstag abends 8 keine Bibel«, stunde. — Donnerstag abends 8«/« Jugendbundftunde. Freitag abends 8«/< Bibel- und Gebetstunde.
Verzeichnis
von
Neuanschaffungen der Landesbibliothek
zu Fulda
aus dem Jahre 1921 [22.*)
XI. Fuldensien.
Auf hä user: Zum Bonifatias-Jubiläum. S. A. 191V Dalberg, Carl Theod. v. Porträt Riedel sc.
Fack, A.: Zur Rhön hinauf. Kaltennordh. o. J.
Fack, A.: Zwei Rhönlieder. Kaltennordh. o. J.
Fliegerpostkarten (20 Stück) vom Segelflug in der Rhön nn Sommer 1921.
Flug, Motorloser (in der Rhön. Illustr. Blatt 9. 35.)
Fachs, F.: Rhönwanderkarte. Frkf. 1921.
Geschichtsblätter, Fuldaer. Fulda. — J 15.1921
Hossfeld: Die Rhön. B. 1920.
Hossfeld. C.: Spezial-Karte der Rhön. Eisend — Blätter: Hohe Rhön, Kreuzberg, Lichtenburg. 1921.
Kirchweihfest, Ein, in der Rhön. Eisen,, 1921.
Kiss in gen, Bad, u. Vorder-Rhön. Karte. Kiss. 1917.
Kunstdenkmäler, Die, von Unterfranken. Mch. H. 21: MeUrichstadt 1921. — H. 22: Gemünden. 1920.
Langsdorff, W. v.: Segelflugzeuge (Rhönsegelflug. Tech. Blatt 1921.)
Lutsch, H.: Der Dom zu Fulda. 1—3. B. — S. A.
Meissner, A. 8. Porträt gest. von Krüger, o. J.
Moser, F.: Der Holzschnitzlersbub aus der Rhön. Wftrzb. 1921.
Rhön, Die. Monatszeitschrift für den Rhönklub. Eis. — Jg 10. 1921.
Rhönklub-Liederbuch. Fulda. 1921.
Rösser, J.: Beiträge zur Siedelungskunde der Südl. Rhön. Mch. 1920.
Scbannat, F.: Dioecesis Fuldensis. Francof. 1727.
Ueb ersichtskarte der Rhön. 1:150000. Würzb. o. J.
Verkehrsbuch des Rhöngebirges. Eisen. 1921. Wegweiser Kurzer, durch die Rhön. Eisen, o. J. W eickard, A. M. Porträt gest. von Verholst, o. J. Weismantel, L.: Die Festspiele von Langenbieber. (Graal 16, 3.)
Wenzel, E.: Der Ebersberg auf der Rhön. (Burgwart 15,3.) B. 1621.
Wicelius, Georg. Porträt. Stich.
Winzler, C.: Gruss an die Rhön. Fulda o. J.
Wucke, Chr. L.: Sagen der mittleren Werra. Eisen. 1921.
♦) Die mit einem * versehenen Werke sind von det Vereinigung der Freunde der Landesbibliothek gekauft worden.
Amtliche Anzeigen.
Die burch bie Zeitverhältniffe fortgesetzt brohenbe Seuchengefahr, inSvesonbere von Cholera und Ctzphur läßt eS erwünscht erscheinen, der Bevölkerung weiterhin bie Möglichkeit zu geben, nötigenfalls zum persönlichen Schutz Impfungen gegen Cholera und Typhus durch die praktischen Aerzte an sich vornehmen zu lasten. DaS Institut für Infektionskrankheiten „Robert Koch, in Berlin N39, Föhrerstratze 2, hält die Impfstoffe ein«, schließlich Gebrauchsanweisung, Verpackung und Porto vorrätig.
Fulda, den 29. Mai 1922.
Str Laadral. 3. SB.: Schuster.
vr. vahr'r Zahnpulver „No. 23“
Erprobtes Mittel, irm bie Söhne gesund und weiß zu erhalten Sobnftemiöienb; desinfiziert bie Mundhöhle. Jit im Sebrauü billiget als Sahnvafta.Drogerie «. St. Sten et.
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Manchmal Hat er aber auch von Vater Giese felig gesprochen. Was das für ein braver, todesmutigei Offizier gewesen und wie Heldenmütig er gestorben. Es daß Mama Giese die Tränen in die Augen gestiegen und die ganze Tafelrunde mäuschenstill geworden ist.
Aber manchmal Hat diese Tafelrunde sich auch vev großer! Sind Gutsbesitzer aus der Nachbarschaft ge kommen, unb ber Pontac ist geflossen. Bald kom der bald der, unb schließlich immer öfter ber Herr von Bause Das war ein nicht ganz junger, aber keineswegs alte Herr, ber als Rittmeister unter bem Herrn Feldmorschat gekämpft und bei Möckern schwer verwundet morde« war. Nun hatte er fein väterliches Erbe» unfern Kriek» lowitz, übernommen, war ein eifriger Landwirt geworden, und gall dazu als ein besonders tüchtiger Jäger. Sie hatten es bald heraus, daß er auch hier auf die Jagd zu gehen trachtete, denn der blonde Hüne machte kaum ein Hehl darcms, daß er's erftcuinlicher- roeife just auf das jüngste Giesekind, die Lore absah.
Die aber, unverständig, wie solch junge Dinger sind, schien es gar nicht zu bemerken. Sie sah über den Herrn von Bause, dem sie kaum bis an die Schuller reichte, hinweg, als ob er Luft wäre. Und wenn eine der Schwestern sie wegen ihres Verehrers neckte, fo machte sie „Pah!" und streckte die Zunge heraus. Oder sie lachte unverschämt: „Die Frau Mutter läßt sich ja doch nicht in ihre Töchter hineinmanschen. Denkt doch gefälligst noch, wenn ich danach an die Reihe komme."
Freilich, bie Lore hatte auch keine Zeit gehab! Sie hatte alle Hänbe voll zu tun unb mußte alle Sinne an« fpannen, um täglich neue Tollheiten auszuhecken. Am liebsten saß sie in ben Ställen auf trgenb einer Futter« kiste, fdjlenterte mit ben Beinchen unb hatte ein paar Stalljungen um sich versammelt, benen sie bie wahnsinnigsten Märchen aufbanb. Etwa, daß es in China Pferbe mit sechs Seinen gäbe, in Berlin fei neulich solch ein Tier gegen Antree gezeigt worben, unb sie hätte es mit eigenen Augen gesehen. Auch lebe in Griechenland ein Rößl, daß dichten könne, und es heiße Pegasus. Ebenso trug sie archäologische Kenntnisse in die andächtige Zuhörerschat, indem sie ihr die Geschichte vom Trojanischen Rotz, mit eigener Phantasie cmfge- putzt, vorletzte.
(Fortsetzung folgt)