Mldarr Leitung
Druck des Fuldaer Sletteudruckerel l« Fuld
1921.
enheimer, F.: Genossenschaft!. Ansiedlung.
weil sie nicht
.1 bevorstehen-
Die Menschheit ist elend geworden, christlich dachte und handelte!
darin. Die Besinnung sangt an wiederzukehren. Vorsichtigerweise sprechen wir nur vom Ansang, van der Einleitung, von der Anbahnung. Die Sonne ist noch nicht ausgegangen, aber es dämmert doch schon im Osten. Neben dem Geist des Hasses, der in den letzten Jahren das Fel- beherrschte, erhebt doch der Geist des Friedens und der BrDerlichkeit allmählich wieder sein Haupt. Langsam, sehr langsam, aufgehalten durch taufen- natürliche und künstliche Hindernisse will sich die Erkenntnis von der Solidarität der Völker emporringen; und wir können ohne Gefahr der Selbsttäuschung sagen, daß
Grunde sind die Beamten und Arbeiter der Post- und Tchegrapherwerwaltung jetzt mit einem Auswe's versehen.
* Tragisches Schicksal. In dem Schaufenster i Modehaus« in Saarbrücken standen zwei Wachsfiguren, die sich infolge der drückenden Hitze langsam aber sicher in Wohlgefallen auflösten. Der Köpf der einen fiel nach vom, und die Arme lagen hallysrschmol- zen daneben. Die Figur zur Rechten konnte den Tod ihrer Freundin nicht überleben und sank vor Richnmg und Hitze überwältigt, sachte neben ihr zu Boden.
* Verkauf der englischen Landsitze. England war bis jetzt das Land der großen Gutsbesitzer, die auf ihren alten, oftmals historisch bekannten Schlössern thronten und da? Land, soweit das Auge reichte, als Eigentum besaßen. „Das Alte stürzt, es ändern sich die Zeiten". Jetzt sind auch diese Großgrund- besitzer teilweise verarmt, oder durch Steuern so geplagt, daß in einer einzigen Spalte des Grundstückmarktes der .Times' über 2 Dutzend alter Herrensitze mit großem Landbesitz zum Kauf angeboten werden.
*) Die mit einem • versehenen Werke sind von der* Vereinigung der Freunde der Landesbibliothek gekauft worden.
M 127»
Samstag. 3. Juni 1922.
X. Rechtswissenschaft. Staatswissenschaft.
Adler, A.: Volkswirtschaftslehre. L. 1919.
Amtsblatt der Regierung zu Kassel (nebst Anzeiger). Kassel. — Jg 1921.
Archiv, Seufferts, für Entscheidungen der obersten Gerichte. Mch. u. B. — Bd 75 u. 76. 1921.
Beninde: Die Hebung der deutschen Volkskratt b. 1920. „ i
Blühet, H.: Die Rolle der Erotik m der männl. Gesellschaft. Jena — Bd 1—2. 1919—20.
Technik und verkehr.
— zlugpostpakrtverlehr mit Lettland- Vom 6. Juni an können nach Lettland auch dringende Pakete mit der Flugpost versandt werden. Die Sendungen dürfen höchstens 5 Kg. tvie. cn und in keiner Ausdehnung 60 Ctm. überschreiten. Ein Flu. postpaket kostet bis 1 Kn 2.05 Goldsrank, über 1 bis 5 Äp. 2 25 Gold, frank (1 Gotdfrank zurzeit = 56 Mark) an Paket» und Eilbestellaebühren, sowie 18 Mark dringende Gebühr und für jede» ongefangene Kg. 25 Mark ,rluZuschlag. Die Pakete werden sogleich nach der Ankunft mit Vorrang vor den übrigen Sendungen verzollt und dann durch Eilboten den Empfängern zu-ieführt. Die Flugbeförderung nach Riga und die beschleunigte Zollabfertigung gewähren gegenüber der gewöhnlichen Beförderung für Pakete einen erheblichen Zeitgewinn, der auf mindestens 3 Tage zu veranschlagen ist.
Verzeichnis von Neuanschaffungen der LandesbiJiOthek zu Fulda
aus dem Jahre 1921/22.*)
Markte.
fpd. Aronksirrl a. HL, 1. Juni. (Möhmarkt. «ufgetrieben waren 1172 Kälber, 273 Schafe inti) 611 Schweine. Bezahlt wurden für einen Zentner Lebendgewicht: Kälber, beste Qualitäten 3000—3400 <M, Kälber, mittlere Qual!» täten 2500—2900 M, Kälber, geringere Qualitäten 2000 bi; 22400 M. Schafe: 1400—2000 «M.. Schweine unter 80 Kg. Lebendgewicht 3200-3600 M, Schweine von 80 bis 100 Kg. Lebendgewicht 3000—3800 M, von 100—120 Kg. Lebendgewicht 3600—3850 M, Fettschweine über 150 Kg. Lebendgewicht 36003850 «M.. Sauen und Eber 3300 bis 3600 M. Außerdem wuceen 32 Rinder ohne amtliche Preis notienmg gehandelt. Der Kleinviehmarkt wurde bei flottem Handel geräumt. Schweine hinterließen bei langsamem Geschäft etwas Ueberstand.
Brodm ann, E.: Recht und Gewalt B. u. L. 1921.
Cathrein, V.: Das Privateigentum und seine Gegner. Freib. 1809.
Conrad, W.: Technik des Bankwesens. B. u. L. 1920.
Ebersbach, E. u. Müller:Ausführ.-Bestimmunge» zum Beamten-Diensteinkommengesetz. B. 1921.
Eberstadt, ft: Handbuch des Wohnungswesens. Jena 1920.
‘Eheberg, K. Th.: Finanzwissenschaft L. n. B„ 1921.
Fischer, E. K.: 1) Programme für Volkskunstabende. 2) Die Laienbühne. Mch. o. J.
Frau, Die christliche. B. — Jg 28. 1921.
Gesetzsammlung, Preussische. B. — Jg. 1921, George, H.: Fortschritt u. Armut Jena 1920.
Giese, A.: Deutsche Bürgerkunde. L. 1921.
Giese-Volkmann: Die preuss. Verfassung. B. 1921.
Handbuch der Politik. B. u. L. — Bd 4. 1921.
Hand Wörter buch der Kommunal-Wissenschaften.
Jena. — Lfg. 10—11.1921,
Handwörterbuch der Staatswissenschaften. 4.
Aufl. Jena. — Lfg. 1-5. 1921.
Hin sc hi us, P.: Das Reichsgesetz über die Beurkundung des Personenstandes. B. 1909.
Hofmann. E.: Indexziffern im Inland u. Ausland.
Karlsr. 1921. .
Jahrbuch Statistisches, für das Deutsche Reich- B. — Jg 1915-20. 1916-21.
Kampfmeyer, H.: Wohnungs- und Siedlungspolitik. Mch. u. B. la20.
Kaul la, R.: Die Grundlagen des Geldwerts. Stuttg. u. B. 1920.
Köppers, W.: Die Anfänge des menschl. Gemeinschaftslebens. Mch.-Gladbach. 1921.
Krukenberg,E.: Die Frauenbewegung.Tüb. 190a.
Lenz, F.s Staat u: Marxismus. Stg. u. B. 1921.
Meissner, U.: Das neue Staatsrecht des Reich»
B. 192L
Müller, W.: Verzeichnis hessischer Weisthümer, Darmst 1916. _
Natorp, P.: Individuum u. Gemeinschaft Jena 1921.
Oberbach, J.: Kleine Wirtsch.-Handels u. Verkehrs-Geographie. B. — T. 1. 1920. _
Obst, G.: Das Bankgeschäft Stuttg. — Bd 1—2,
Das sind traurige Betrachtuuge.: zu . " ;
den Tagen. Doch etwas Hoffnung stockt immer noch
«acholisch« Welt.
j. InleruÄ.oucker katholischer ArbeilrkonMed Die vor» bereitenden Arbeiten für den mtermüwnalen kathollfchen Arbeitskongretz, der mit gütiger Erlaubtes
in Luxemburg vom 30. 2u!> bis 3. August 1922 ft alt» findet, nehmen einen sehr gu'en Verlauf Der Kongretz unterscheidet sich von andern ahnlchen Veranstaltungen besonders dadurch, daß er nicht nur allgemein d.e Fra«« der internationalen Aufammenarbett der Katholiken behandelt, sondern vielmehr konkret Ausgaben pmNisch zu Io en versucht. So findet u. a. eine besondere Konferenz statt, dte die Frage der katholischen Presse und die Möglichkeit der internationalen Auiammenarbett ouf btt» fern Gebiete studiert. Eine andere Konferenz beschasitgt sich mit der aktuellen Frage der katholtschen Auswanderer um eine internationale Zusammenarbeit auf diesem Gebiete vorzubereiten. Besonderes In- teresie findet die Missionskonferenz, die die atk- tuelle Itracc der Wiedergewinnung der modernen Äu:tur» vöL fi^as Christentum behandelt, so die in»
nun« des Proletariats, der WiedergewmMNg der Gebil» beten, die religiöse Misiiorierung Rußlands. Dorkampser des nationalen und internationalen Lebens der verschiedenen Länder haben ihre Zusage bereits gegeben. Der .Os- 'ervatore Nomano' W hat m emem Leitartikel auf den Konaretz hingewiesen und der bekmmte Kardinal Maffi von Pisa hat jüngst ein schr herzliches Begrüßungsschreiben zugehen lassen Nähere Auskünfte erteilt: Lka, Graz, Karmeliterplatz 5.______________
aus dem Nachbaraebiet.
fpd. Vom Untermain In diesen Tagen bat man auch in der hiesigen Gegend tüchtig Tabak anaepflanzt, nachdem der letzte Sommer den Be- wets erbrachte, daß am Main gar kein schlechtes Kraut wächst. Wären die Tabakpflanzer nicht genötigt, ihre mit Tabak bepflanzten Grundstücke dem Haup'zollamt anzumelden, um nicht als Strafe den vierfachen Betrag der hinterzogenen^ Steuer, mm» bestens aber 50 Mark zu zahlen, so dürfte der Tabakbau noch in stärkerem Maße bei uns betriebe,'werden zumal Klima und Boden dem Anbau günstig sind. Schwierigkeit macht nur die richtige Fermen- ftation kleiner Tabakmengen, wenn der fertige Tabak nachher den Selbstversorger auch wirklich Freude macken soll.
— Kassel. Man bittet uns, folgendes zu verosfem- lichen: Vor dem hüfboen Schöffengericht kam dieser Tage eine Privatklaoe zur DerhaMung, deren Ergebnis besonders für Go st wir te, C afe-, Ktno be- k i tz e r u. a., die vielleicht arglos die gleichen Sunden begehen wie der Angeklagte, mm Lntereffe ist und als eindringliche Warmmg dienen mag. Der Angeklagte hatte, wie ein ausgesandter Späher fiftstellte, ungefähr 50 Musilstücke un te r Ber le tz un g des Urhe der- rechts von feinen Kapellen fpielen lasten. Sein Einwand, er habe das Spielen dieser Stücke verboten, drang nicht durch, da der Richter der Ansicht war, daß ihm der Vortrag dieser Stücke bei pflichtgemäßer Aufmerksamkeit nicht hätte entgehen können. Der An» geklagte wurde zu einer Geldstrafe von 10 000 Mark verurteilt.
** Bad Pyrmont. Eine Kuranstalt für Reichswehrangehörige im ganzen Reiche ist am 15. Mai hier eröffent worden.
doch nicht so leicht. Fasse an deinen eigEnBufen: du liebst dich und deine Angehörigen, deine Wahttaier und grämte, natürlich! Du liebst auch dem Vat^a^: selbswerftäMich! Ztod) bei den Opfern sm dW Bat«- land sichst du schon genau zu, daß du mchtetwamehr leistest, als ein andere. Mch diqsmgen, die^duh Jx- kämpft haben und dich bedrängt h^eri MÄ dich noch heute bedrängen? Da wutzt du ^-«r Stedejfr» einen kräftigen Ruck aus dem chriMdchen PflichtgLsuhl geben, um sie auf die Höhe des PfingstfiftW bringen.
Wer dte RottvsMgkest erkennt, daß tee Menstyhst nur erzogen wird, fange damit an, sich selber W erziehen.
Ans das wehmütige Pfingstfest wird auch aneber ein frohsinniges folgen, und zwar um so schneller, 1» bester wir dte einfmh klingende und doch so inhaltsschwere Mahmmg des treuherzigen Apostels Johannes befolgen: Meine Kindlern, liebet euch rmtereinanderI
— Geplante Ueberquervog der Strahe von Messt», durch eine Hochspannungsleitung. Für dte industriell« Erschließung Sizieliens, trat weiteren Ausbau ds SchwefelgnLen und dte Elektrisierung der Bahnen be-' nötigt die Insel elektrische Energie, die ihre eigenen Wastevkräste nicht aufbringen können. Es ist daher eine Versorgung durch dte Anlagen der Societa della Site geplant, dte durch in Bau befindliche Staubecken 50 KW zur Verfügung stellen können, die auf eine Entfernung von 300 Kilometer zu übertragen sind. Bemerkenswert ist dte notroentege Ueberfpamtung der Meerenge von Messina, dte mittels Stahlseilen erfolgen soll. Die Stahlseile für die Ueberguerung der etwa 3,2 Kilometer breiten Meerenge fallen je 18 Miüünerer äußeren Durchmeffer haben, jedes Seil besteht aus 81 verzinken oder vernickelten Einzeldrähten von 2 Millimeter Durchmesser und hat einen ®cianstdurchschnstt von 198 Quadratmillimeter. Die Seile werden vem zwei eisernen Türmen von 277 Meter Höhe getragen, so daß bei einem Durchhang von 204 Meter die tiefste Steile der Leitungen 70 Meier über dem Wasserspiegel legt. Die Kosten des Projekts der Ucberspannung der Meerenge sind bis zu 7 Mill. Lire veranschlagt. Man erwägt, dte Abspcmntürms gleichzeitig zum Aushängen einer Antenne für etae drahtlose Station zu benutzen. Außer dem Freileitungs. plan bestehen allerdings auch noch Pläne für Legung eines Kabels und für eine Untertmmellmg der Meerenge. los.
ttritifches zum SSrI!tz«r Parteiprogramm.
Das neue mehrheitsiozialistische Parte'programm, ias aut dem Görlitzer Parteitag im vergangenen gerbst aufgestellt wurde, stellt entwicklungsgeschicht- M ohne Zweifel einen erheblichrn Fo ' iiritl dar. während das Erfurter Programm den ozialismus inbewußt, naturnotwendig, au» oer ökonomischen Entwickelung he vorgehen läßt, betont das kekenninis von Görlitz den bewußten Willen zur Umgestaltung der heutigen Wirtjchaf, und Geiellschaft ■n eine ivzialistifche. Aber auch das Görlitzer Be- senntnis läßt, um in den Augen der Massen den pro.iTammatt chen Slellun 'swechlel nicht zu schroff »rscheinen zu lassen, starke Anklänge an den Ton von Erfurt nicht vermissen. So spricht es .. B. von einer „beschleunigten Konzentration der Betriebe und des Kapitals", einer „Erweiterung her Kluft zwischen Kapital und Arbeit, Reichtum und Armut", von einem Herabgleiien der mittern Schichten auf „proletarische Lebensbedingungen".
Hier haben wir eine stark taktische Einstellung der neuen Sozialdemokratie. Mit den agitatorisch erprobten Mitteln des Erfurter Glaubensbekenntnisses möchte man vielleicht gerne politisch weiterarbeiten. Hat das Görlitzer Programm den im Erfurter gezeichneten Entwicklungsgang nicht aufrechterhalten können, so wird man weiter nicht sagen können, daß die wirtschaftlichen Theorien nun auch des erftern auf alle Fälle richtig seien. Bemerkt doch z. B. Eduard Bernstein in feiner gemeinverständlichen Erläuterung des Görlitzer Programms zu den vorgenannten Thesen:
„Es würde voreilig fein, aus tiefen Sätzen ben Schluß obzuleüen, tich das zahlenmäßige BechÄtrris der kleinen «ins Mittlerin zu den großen Unternehmungen durch den Krieg und in der Nachlriegszeü eine Delündemng zu UnFur-ften der erftern erfahren hat. Die Angliederungen und Verschmelzungen, von denen das Programm spricht, sind Verbindungen von Grvtzrmternchmrmgen mit Grotz- unternehmungen und Haden die Mittlern und kleinen Unternehmungen zumeist unberührt gelassen. Dagegen hat die Kriegswirtschaft ... di kleinen mst» mr'tüein Unter» nehmmigen direkt künMch am Loben echatton. Zwar wurden in bestimmtem Wirtschaftszweigen kleinere Betriebe . . . zeitweuq sttlfaelegt. Es wurden ihren Inhadem aber fo hohe EntfckMiAmgsn gewährt, daß sie nach dem Kriege ohne werteres ihre Geschäfte wieder in Gang setzen fomiten."
Also auch für die Nachkriegszeit wird man von einer Verdrängung des gewerblichen Mittelstandes durch den Großbetrieb nicht sprechen können. Kernstein fährt j/ort:
„Nach dem Kriege bewirkte der ffroh« Warenhunger einp Eeschöstskonfunktur und Pveissteigemng, die den Mittlern und kleinern Unternehmungen erst recht Das u ins Möglichkeiten davbok Mst Recht hebt das Programm im vorstehendem Satz da» Versinken großer Massen vrm Angehörigen 6er bürgerlichen und kleinbürgerlich sn Mittelschichten in proletarische Le» bensbedingungen bercor. Es sind viele chunderttousende, die durch den art bauernden Fall der deutschen Währung — zu einem grofien Teil Folge ter durch den Krieg verursachten Schwächung der deutschen Volkswirtschast — pro» letariftert wovden find und mst der bittersten Not kämpfen. Aber von dieser ’Braletarifierwnn sind gerade große Zahlen von mMern und> kleinern Gewerbetreibenden am wenigsten betroffen Ein nicht unbedeutender Teil von ihnen hat im Gegenteil als Kriegskieferanten die Schicht der neuen Bourgeoisie vermehrt, auf welche das Programm hinweist. So stehen wir, wie es dieser Satz zu erfenjnen gibt, vor einem sozialen Auf- und Abwogen, Vas sich wohl ihr feinen Formen und Urfachen ksnnzeich- men aber bei Mangel jeder genauem Statistik der Bewegung der Betriebe und Vermögen in bezug auf seine vollkswirrschaftlkhen Resuttale noch nicht mst derjenigen Sicherhest einschätzen läßt, die zu einer Dorhersage hierüber berechtigte."
Wenn letzteres nicht der Fall sein tarnt, so wäre zu erwägen gewesen, ob auch das Görlitzer Parteiprogramm in der Aufzeichnung der von ihm gesehenen Entwicklungstendenzen im eignen Interesse nicht hätte vorsichtiger fein sollen. Bernstein selbst betont ja, wie sehr die heutigen Verhältnisse unter dem nachwirlkenden Einfluß^ der Kriegswirtschaft und dem unmittelbaren der Baluta stehen. Aerdert sich diese grundlegend, warum sollte bann auch die wirtschaftliche Entwicklung nicht wieder einen andern Weg gehen können? Woraus sich ergibt, daß auch das Görlitzer Programm noch nichtder sozialdemokratischen Weisheit letzter Schluß ist.
dieses FrMngsblümchen seit dem vorigen Pfingstfest sichtlich gewachsen ist. Mag man über Genua noch so kühl denken, es war doch, wie auch im Reichstag soeben sestgestellt wurde, ein Fortschritt. Ein Hahnen- fchntt ist "auch schon eine Errungenschaft, wenn er zum guten Ziele hrngcht und Fortsetzung erwarten laßt. Das HÄ der Wett kommt nicht im SchmAzug oder im Auto angesaust» man muß schon froh fein, wenn es dann und wann um einen Ruck näher kommt.
Wenn die Krankheit acht Jahre gedauert hat, darf man dte Genesung nicht in umigtn Togen erwarten.
Von innen heraus muß die Heilung der kranken Welt kommen. Dte Menseln müssen in sich gchen, umilernen, sich selber erziehen, sich mit dem rechten Geist erfüllen und den Entschluß zur Besserung soffen. Das erfoidett Zeit. Das erfordert auch Geduld fettens der besseren Elemente, di« schneller zur Selbstbesimmng gelangen . Sie müssen allmählich dte leidenschafillchen und dte schwerfälligen Naturen nach sich ztehem.
Am ersten Pfingsttage zu Jerusalem gab es Zeichen und Wurteer. Trotzdem erfolgte dte Ausbreitung des Chlistentums nur langsam unter großer Mühsal und Geduld. Wir dürfen nie denken, daß jetzt mit einem Schlage der imchristtiche Geist aus der Well sich vertreiben lasse und aus der achtjährigen Höllenwirtschaft auf Erden im Handumdrehen ein christliches Paradies werd«?
Dte bllterste Erfahrung hat uns gelehrt, daß all die äußerlichen Stützen des Wellfriedens morsch und zerbrechlich sind. Amh die imposantesten Rüstungen, die abschreckend wirken sollten, Haden nichts gefruchtet und sogar aufreizend gewirkt. Es kommt schließlich auf den Geist an, der in den Völkern lebt. Der Weitsriede hängt von der sttedlichen Gesimmng ab, und der Friedenssinn gedecht nur unter dem Emfluh des Heiligen Geistes.
Denn was uns notiut, ist die L iebe, mch zur rechten Bruderliebe führt uns die Verehrung des geme-nfa- : men Trösters. Gott es liebe und Nächstenliebe — das sind zwei Rosen an einem Strauch. Dte Liede wirkt aber fortdauernd Wunder, von denen der Festpsalm singt: Sende deinen Geist, und sie werden geschaffen werden, und erneuern wirst du das Antlitz der Erde.
Diese Emeuemng des Angesichts der Erde ist bas» clbe Ziel, das die strebsamen Staatsmänner fitzt „Wie- oeroufixm" nennen. Das Rezept der Liebe klingt sehr einfach, aber *>te Durchführung de« Heilverfahrens ist
Jena 1920. ,
Osbahr, W. u. Eckardt, P.: Wirtschaftsgeographie und Wirtschaftskunde. Bielef. u. L. — Bd L 1920. „ „
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Pesch, H.: Lehrbuch der Nationalökonomie. — Freib. - Bd 2. 1920. „ L _ ..
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Zur Erhaltung und Mehrung der Volkskraft. Mch, 1918.
ÄtlotrW ■ «ormulare
vorrrSttg
Fuldaer Akttendruckerei.
eingefchlafen und heute auf gewacht wäre, würde nicht bey Ulfen, daß er noch auf den.stiben Planeten und unter denfilden Adcunekmder lebte.
„Gab mir ein gütiger Gott doch zurück die vergangenen Jahre!" So seufzt schon ein Dichter im alten Rom. Wir würden gern alles opfern, was wir noch haben, denn wir die acht Lahre zurückdekommen könnten! Wenn wir wieder anknüpfsn könnten an das letzte frohe Pfingstfest von 1914, um den Laus der Dinge in ein anderes Geleise zu bringen. Doch rück- rvarts läßt sich dte Zeitemchr nicht drehen. Ewig still |td)t die Vergangenheit. Nach hinten ist keine Rettung aus dem Elend möglich. Mr müssen uns durcharbeiten durch den Sumpf, so gut und so schlecht es gcht. Entweder Durchgang oder Untergang!
„Kismet" sagt der stmnpfsinnikge Mann im Orient und wickelt sich gelasfen in feine Decke. „Schicksal" sagt mancher Europäer, und er ist auch nicht ttessinnig. Es soll den Anschein erwecken, als ob alles Unheil von einer höheren Gewalt über die unfchulüiM Menschl)ell verhängt worben wäre. Wer es handelt sich nicht um Blitzschlag und HagÄwetter. Dte Menschen Haden sich gegensoirig zerfleischt und gemartert; die Menschen haben in Todsucht Md blinder Gier das Güte zerstört, die Welt verkehrt, die Brüder ins Verderben gebracht und sich selber schwer grjchädigt. D-e Menschheit muß an die eigene Brust schlagen; sie ist der erfolgreiche Schmied chres Unglücks geworden, weil sie sich losgesagt hatte von dem rechten Geist, der zu Pfingsten der Welt verkündigt war.
Sottesdienstordnung.
Katholischer Gottesdienst.
SamStaa,3. Juni. Vigil bon Pfingsten, gtautii» berg. Um V.7 Beginn b. Prophetien, Weihe des Tauf, waffers; gegen 8 Hochamt, nachmitt. */i5 feiert. Vesper und falram. Segen, abends Herz»Jesu»Andacht.
Israelitische Gemeinde.
Freitag u. Sam-tag, L.-8. Juni Srub Tawschillin. Vorabend 7,80, Samstag morgens Predigt 7,30, nachmittag» 5, SabbathauSgang 9,30 Uhr. — Wochen, tag»; Morgens 6,15, nachmitt. 7,30, abends 9,30 Uhr:
vermischtes.
• Ein gefährliches Dienstmädchen. Am 15. Mai wurde in Bretzenheim bei Mainz die Frau des Bäckermeisters Schnell infolge Gasvergiftung tot in der Wohnung aufgefunden. An Hand von anonymen Drohbriefen hat die Staatsanwaltschaft jetzt festgestellt, daß es sich um di« Mordtat eines selüzehnjährigen Dienstmädchens der Bückerfamilie handelt, das eine Berichraubung der Gasleitung gelöst und ein offenstehendes Fenster von außen geschlossen hatte, nachdem die Bäckeröftau eingeschlafen war. Die Täterin wurde verhaftet. Ma» hatte anfänglich einen Unfall angenommen.
* Falsche Telephovarbetter. Sn der Reichshaupt- staLt Berlin mehren sich in letztet L-lt die Fälle, daß Schwindler unter der Blaske von Teicphonarbettem Cmtritt in Wohn- und GüschästsrÄrme erhaltet, an» güblich um dte Leitungen ausznbeffem, in Wirklichkeit aber, um in unbewachten Augenblicken alles mitzuneh- men, was ihnen in die Finger fällt, oder auch Gsleyen- heiten zu Einbrüchen auszutundschaftM. Aus !>, fen und Kellerrimmen lassen ste bei dieser Gelegenheü auch Metallgegenstände, wie ^'.oirohre von WasferlettuuMn oder Messingteile von Türen mügehen. Aus diesem
Unpolitische Zeitlaufe.
Von Fritz Nienkemper.
Berlin, 31. Mai 1922.
„vMte denke ich zurück an das Pfingstfest von 1914. Dos fiel auf den 31. Mai und war das letzte voll Friede und Freude.
Me leicht war damals das fiebert! Wie lieblich sah die Welt aus! Wir hatten freilich aus Antech der Balkankriege eine Heeresverstärkung beschlossen und einen Wehrbeitrog ausgeschrieben; aber das machte uns keine Sorge und keinen Kummer. 5m, Oegenteti: wir fühlten uns stark und gesichert: „Uns tarnt keiner, an «ns traut sich kein Feind heran."
Ach, es tarn anders. Sie trauten steh heran, sie bedrängten uns von allen Seiten, sie erdrückten und erstickten uns mst ihrer Uebermacht. Dte nachfolgenden Pfingsten waren nicht mehr Feste der heiteren Freude, sondern mit Schweiß, Blut und Tränen gettänkt.
Der Maitrank wurde herb, dann bitter und schließlich giftig.
In den ersten Jahren des Waffenkrieges gab es fteilich noch einen stärkenden Trost in der schweren Arbeit und den saueren Embehrungen: die zuversichtliche Hchflmng auf einen sieghaften Frieden weckte immer wieder die Festststnniung. Aber dann kamen dte zer- mürbenden Lahre, die immer mehr Lasten und Leiden brachten und immer weniger Hoffnung ließen. An den Festtagen woille kein Lubelgesang mehr gelingen; vielmehr ertönte der Rus: Herr, hAf uns, denn wir sinken.
3a, wir sind gesunken von dem Gipfel der stdifthen Herrlichkeit in die Tiefe des menschfichen Elends. Welch ein Abstand zwischen dem frohen Pfingstfest vom 31. Mai 1914 und dem Stichtag vom 31. Mai 1922! Dieser Stichtag bedrohte uns mit dem Vormarsch der fchwarzen und weißen Tmppen Fachs über den Rhein, und wenn auch mit Mühe und Not ein Aufschub er- 5iell fft, so we ß man doch nicht, was nach dem Pfingst- rsl von 1922 dem armen Deutschland beschißen ist.
Was sind acht Jghre? Eine kleine Zeitspanne an ter Wettenuhr. Auch nur ein bescheidenes Stück von Irr menschlichen Lebensdauer. Aber welche Qualen test» Nöte, welche Trümmer und Gräber haben sich « btefer kurzen Frist gehaust! Wer zu Pfingsten 1914