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FuldaerZeilung

Amklicher Anze . .e für den Kreis und die Lkadk Fulda.

Nr. 127.

Verantwortlich für den redauionellen Teil- Dr. I. Kramer, = wr die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. $ Rotationsdruck u. Verlas der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda- i^ernfprecher Nr. »- Postscheck-Konio 4051 Frankfurt o. M-

Samstag, 3. Juni 1922.

Bezugspreis: Monatlich 18.00 Mk. zugestellt frei ins Haus- 2 Abgeholt in der Geschäftsstelle 17,50 Mk. n Anzeigen: Kleinzeile nach Toionel 1.50Mk.-, ausw. 2,50 Mk. Reklamezeile (Textbreite) nach Colone'maß S Mark.

49. Zahrg.

Schritt ist wirklich zu bei

zu begrüßen.

tische Kraftfahrzeuge gesperrt. Durch Anordnung ist die Provinzialstraße

treu blieb?

Er hat wieder

seufzt. Leise und

(Fortsetzung folaLT

~Die Leute reden, die Demoisellen wären auf der Freite." Der Meister zieht die Achsel hoch und zieht dem Kunden die alten Stiefeletten wieder an.Weiter weiß ich nichts, Herr Vicomte. Aber die neuen Stiefel will ich schnellstens liefern. Wohin darf ich sie schicken?"

Mit leisem Erröten hat der Vicomte ein kleines bil­liges Vorstadtgasthaus genannt, draußen nach Schöne- berg zu, wo sich die Füchse gute Nacht sagen.

Oh," macht der Alte bedauernd.Nun, ich schick' sie recht bald. Und wegen der Strümpfe und was der Herr sonstens brauchen,-so rekommandier' ich den gnä­digen Herrn an meinen Schwager Dutruque, nicht weit von hier, in der Brüdergafse. Ist ein solider Mann . . ,«

spd. Für deu! . ......

landespolizeiliche Anordnung ist Linz-Altenahr auf der Strecke von Hemmessen bis Altenahr vom 4. Juni ab für deutsche Krastfahr,

dürfen. In Mainz selbst hat die Militärbehörde an zahl­reichen Stellen Ueberwachungskomman-dos eingerichtet, di« jede Ueberiretung zur Anzeige bringen müs­sen. Die deutschen Behörden roetben aufgefoidert, sich dem Vorgehen der Franzosen anzuschließen. Dieser

Aber der Vicomte Montauban legt ihm die Rechte ! auf die Schulter.Bedenken Sie, mein Lieber, ich hab' fast gar kein Geld. Ich hab' gehofft,, hier auf der Post Wechsel von meinem Intendanten vorzufinden. Es ist nichts angekommen, nichts!"

Herr Vicomte dürfen mich nicht verletzen. Unbe­schränkten Kredit haben der Herr Vicomte bei mir. Solch alter Kunde. Ist mir eine besondere Ehre."

Und er kniete nieder, knöpfte die verschlissenen Schuhe auf, betrachtete schier andächtig und kopfschüttelnd die Sohlen und die schiefgetretenen Absätze, sieht verächt­lich auf die zerschlissenen Strümpfe, ai»s denen die Zehen hervyrgucken.Man sieht's, Herr Vicomte, ein weiter, schwerer Weg. Ja . . . warum mußte der Na­poleon auch nach Moskau marschieren? Ja . . . und dann ist ihm hier unser Marschall Vorwärts, der alte Blücher auch mein Kunde aufs Dach gestiegen."

Sprechen Sie nicht so verächtlich von meinem Kat- ser, Monsier Lacroix! Darum muß ich denn doch bitten."

Verächtlich? O nyn, Herr Vicomte. Mag ja gewiß ein großer Mann fein. Uns hat er nur Unglück ge­bracht. Die langen Kriege und jetzt, nach dem Frieden, die Teuerung, die Teuerung! Es ist schwer, sehr schwer ist es. Aber wenn ich dem Herrn Vicomte vielleicht mit einem kleinen Darlehen-dienen dürfte, so mit hun­dert Tälerchens Kurant/ etwa, steh' ich doch gern zu Diensten. Wird mir eine besondere Ehre sein. Der Herr Vicomte sind mir sicher wie Gold , ,

zeuge jeglicher Art an Sonn- und Feiertagen wieder gce sperrt. Der Kraftfahrzeugverkehr wird umgeleitet über die Provinzialstraße Hemessen-Ringen-Gelsdorf-Altei» ahr und umgekehrt.

Ob sie meiner wohl gedacht hat? Oft und viel? Ob ihr Herz mir ' -----

hinübergesehen nach der Gieseschen Wohnung, auf die gelben Rouleaus, und hat leise ge- seufzt. Leise und schmerzlich.

Wo sind die schönen Stunden geblieben, die Tage, an denen wir uns heimlich trafen, mal hier, mal dort, bald im sandigen Tiergarten, den du immer so spaß­haft schön fandest, bald draußen am Potsdamer Tor?! Wo du dich so hinterlistig fortstahlst aus dem strengen Mutterhaus, mit schlechtem Gewissen, und ankamst mit roten Wangen, die brannten vor Scham. Ach, du Liebe, Gute, wir waren ja so artige Kinder. Jede Mutter hätte uns sehen können, zu jeder Stunde. Mademoi. selle de Giese!"Monsieur le Vicomte!" Ganz feierlich. Bis auf die letzte Stunde, bis zum Abschied, wo ich flüchtig deine Stirn küssen durste. Fluchtig, so flüchtig, zu flüchtig fort warst du wie ein Husch, und nur deine goldigen Locken sah ich noch im Winde flat» lern, als wollten sie mir zuwinken: auf Wiedersehen.

Ach, du geliebte Julie, es hat grausam lange ge­bauert, bis auch nur die Hoffnung auftauchte auf ein Wiedersehen. Aber die Stunde wird kommen sie mutz kommen

»Aber, Monsieur Lacroix, kennen Sie mich denn nicht mehr? Haben mir doch manch Paar eleganter Stiefeletten gefertigt."

f 3etzt ist der Alte hochgefahren, hat sich umgedreht, steht starr:Mon dien, der Herr Vicomte! Wo kom­men der Herr Vicomte denn her?"

Sie-sagten es ja selbst, mein Lieber. Aus Ruß­land. Genauer von der Wolga. Ist ein ziemlich weiter Weg, und auf ihm reißen die Sohlen mächtig."

Eifrig hat der Meister einen Stuhl herangeschoben.

Belieben der Herr Vicomte nur Patz zu nehmen. Das wollen wir gleich besorgen. Ganz hohe Stiefeletten sind neueste Mode zu dienen." Er hat schon das Meßband zur Hand.

Poincares Programmrede

Die Antwort der Reporafionskommiflion.

Die irmerpoMsche Auseinandersetzung.

Das neue Kabinett in Oesterreich.

Der Führer der christlich-sozialen Partei in Oester­reich, Prälat Seipel, hat mm endlich selbst den vere lmtwortilichen Posten des Regierungsleiters übernom­men, nachdem er erkcmnt^hat, daß die Abneigung der Großdeutschon gegen Schober, seinen bisherigen Vertrauensmann, unüberwindlich ist. Er ist der erste Priester in Oesterreich, der leitend in die Staats geschicke des armen Landes eingveift, um das Land aus seiner Berelendung herauszuführen. Seine Programmrede war denn auch in diesem Sinne ge­halten. Er hat zu viel in den letzten Jahren erfahren, als daß er nicht zur Erkenntnis gekommen wäre, daß große, uimstürzende Aenderungen das Heil nicht bringen können. Er steht darum auf dem Standpunkt, dast man die Alliierten nicht durch das starke Betreiben der AnMußfrage reizen dürfe und er vertritt deshalb die Ansicht, daß man aus dem Friedensvertrag von St. Germain die Konsequenzen ziehen müsse. Vielleicht hofft er dadurch, doch bald den so benötigten Kredit endlich einmal, zu erhallen. Sogar die Großdeutschsn, die auch einige ihrer Mitglieder ins neue Kabinett entsandt ha­ben, sollen sich verpflichtet haben, vorläufig die A n - schlußfrage ruhe n zu lassen.

Wenn bei uns in Deutschland deshalb einige sich darüber aufregen z« müssen glaubten, daß Seipel ein Gegmm des Anschlusses an Deutschland wäre, so braucht man bloß darauf hmzmveisen, daß sogar die unentweg- len Verfechter des Anschlusses an Deutschland, nämlich

läufig 150 Milliarden Kronen Kredite vom National­rat geben lassen und er hofft, damit bis Ende Septbr. auszukommen. Er wird sicherlich nichts unversucht las- L-mn bis dahin die Oesterreich so.unbedingt nötige» Kredite im Auslande bewilligt zu erhalten.

Nachdem hier gestern schon der wesentliche In­halt der Note der Reparationskommission, die dem deutschen Reichskanzler aus Paris zugegangen ist, gemeldet werden konnte, nimmt heute in erster Linie eine große Rede des französischen Ministerpräsiden­ten Poincare das politische Interesse in Anspruch weil darin der Standpunkt der Franzosen deutlich Mm Ausdruck kommt.

Bei der Interpellationsdebatte über die Außenpolitik der Regierung erklärte Ministerpräsident Poincare in der Kammer, daß die alliierten Truppen baldigst aus Ober- fchlesten zurückgezogen würden. Die in der Petersdorfer Angelegenheit Verurteilten würden zur Abbüßung ihrer. Strafen in außerdeutsche Gefängnisse übergeführt werden. Frankreich sei, so meint Poincare, der beste Dettei- iMgcr öes Friedens in Oberschlesien, und am Nh ein gewesen, und man könne es nicht anklagen er= ebcrungsluftig zu sein.

Poincare kam dann auf die Konferenz von Ge- sn ua zu sprechen. Angesichts der beunruhigenden Reso­lution von Cannes habe er sich bemüht. Garantien von den Alliierten zu erlangen, daß auf der Konferenz die Frage der Reparationen und der Verträge nicht aufgeworfen wevoe. Das sei auch erreicht worden. Die Instruktionen an Barthou seien einftirnmig vom Ministerrat gefaßt rmd loyal befolgt worden. Frankreich habe in Genua B e- werfe großer Geduld gegeben und habe nichts unternommen, um die Konferenz zum Scheitern zu brin­gen. Wirtschaftlich und finanziell habe die Konferenz übrigens Erfolg gehabt und auf dieser Grundlage könne sich letzt dre Wiedercrusr'chtung Europas vollziehen. Die privaten Besprechungen Rachenaus und Wirths über die Reparationen seien unter Ausschluß Frankreichs erfolgt und gingen es nichts an.

.Der Rapallo vertrag stehe hn Widersprach zu bwn Versailler Vertrag. Ms Sanktion sei Deutschland Ses^rlb von Oui Eischen Verhandlungen ausgeschlossen worden, «charfere Maßnahmen seien nicht möglich ge­wesen. Wenn die französischen Delegierten cbgereift wären, Een .sie allein abgereift. Poincare bespricht bann die tranzoirschen Forderungen an Rußland. An die Haager j Konferenz sei Frankreich in keiner Weise gebunden. An einer neuen politischen Konferenz werde die Regierung nicht tellnehmen.

Die französische Politik sei bi Genua nicht im Schlepp, tau einer anderen Politik gewesen. Es fei aber notwen-

>n Kontakt mit den andern Alliierten, Amerika und der Neutralen zu bleiben. Man dürfe aber nicht Massen daß das Ausland sich in die inneren An­gelegenheiten Frankreichs einmische. >

Poincare bespricht dann das Vechältnis zwischen- Frank, reich und Deutschland. Frankreich sei geneigt, alle Mittel I ausfindig zu machen, um dem allgemeinen Wohl durch I eine loyale Zusammenarbeit zu dienen. Man

lodvch von Frankreich nicht verlangen, daß es Deutschland irgend eines der Rechte opfere, die es aus bem Vertrag herleite (Befall.) Frankreich sei bercch- U' von Deuttchland Reue zu erwarten. Die Liebe zur I Gerechtigkeit habe Ne Franzosen diejenigen Haffen gelehrt, die sich gegen die Gerechtigkeit vergangen hätten. Täglich I erfahre man immer noch Beweise des schlechten Willens Demschlands. JSorgeftern seien z. B. die Tribunen des Reichstags mit den schlesischen Farben geschmückt gewesen I »mb zahlreiche Abgeordnete seien in Trauerkleidern er- I schienen.

.. Voinoare bedauert daß es Franzosen gebe, die gegen ^5 Ausführung des Versailler Vertrages feien und rer- I tenbigt feine Ausführungen in Bar-le-Duc. Auch Eham- I k>«b° kürzlich die Ausführung des Vertrages in berfetben Weise gedeutet Er sei weit davon entfernt, die Ungelegenheiten einer isolierten Handlung zu verkennen. Er werde alles tun, um diese isolierte Handlung zu rer- hmdem. Aber so wünschenswert auch das Einverständnis «nit den Alliierten sei, so könne Frankreich doch nicht auf I tze Ausführung seiner Rechte verzichten. (Donnernder Bei- I

Die Blücher-Nichten.

Man muß sich erkundigen. . \

Der Fremde biß die Zähne aufeinander, ivirbctte vn seinem kurzen, kecken, schwarzen Schnurrbart. Aber wo erkundigen? Auf der Polizei das war immer­hin langwierig und unter Umständen bedenklich, konnte zu Weiterungen führen. Man verlangte Papiere. Wer von den Flüchtenden, die jetzt nach dem Friedensschluß aus Rußland tarnen, hat Papiere, wie sie ein preußi­scher Polizeisergeant zu sehen begehrt?

Im Hause drüben bei den Mitbewohnern anpochen? Er kannte dort niemand. Man würde ihm die Türe weisen, würde grob werden. In Berlin wurde man Acht. grob. Und Grobheiten hat man bei den verfluchten vcoskowitern genug genossen.

Das Auge schweifte wieder über die Häuserreihe »uf der andern Seite, blieb auf einem Lädchen hasten, lieber der Tür stand auf feinem Schilde nichts als »Charles Lacroix" in goldenen Buchstaben.

Hat der Fremde einen Pfiff getan, fröhlich fast, und chnell die Straße überquert, die Ladentür aufgestoßen, > die Schelle laut anschlug.Bonjour, cher com- vatriote!" (Guten Tag. Sieber Landsmann!) Hat er tfagt t

Dämmerig war es im Lädchen trotz des Hellen Tageslichts draußen. Aus der Dämmerung aber leuch­tete die Schusterkugel, und vor ihr saß in Hemdsärmeln und blauer Schürze ein alter Mann, hämmerte unbarm­herzig auf einer Stiefelsohle und grölte, ohne sich um- I zuwenden, nach rückwärts:Hat sich was mit den Com- patrioten! Ich bin ein Preuße, will ein Preuße fein! Seh er zum Teufel!"

Aber, Monsieur Lacroix

Ach was! Erst hat man willig die Börse gezogen. Aber jetzt kommen sie zu Dutzenden, zu Hunderten und betteln. Wo soll das hin?" Er tat ein oaar besonders kräftige Schläge.Uns Emigranten hat die Große Armee auch nicht geschont, als sie nach Rußland zog. Rn sollen wir helfen ... Ja ... und haben selber schwere Not, uns durchzuschlagen. (?eh Er nur geh Er! Das Kemd ist einem näher als der Rockt"

tone AmM is MrslWes.

Belagerungszustand in üattowitz.

Wie die Blätter melden, greifen die polnischen Unruhen in Oberschlesien weiter um sich. In Friedenshütte wurden sämtliche deutschen Arbeiter und Beamte verjagt. Mehrere Frauen wurden derart mißhandelt, daß sie ins Lazarett gebracht werden mußten. Aus Orzegow und Hohenlinde liegen ähnliche Meldungen über Vertreibungen von Deutschen. vor. Auf der Strecke Bobrek-Orzegow- Morgenroth kontrollieren bewaffnete Polenbanden die Züge und verschleppen die deutschen Fahrgäste.

Nach einer Meldung derVoss. Ztg." sollen in Petersdorf bei den polnischen Ausschreitungen sechs deutsche Arbeiter getötet worden sein. Die aus dem vorjährigen Jnsurgentenaufstand berüchtigte Sobek- bande drang in die Stadt Sohrau ein, demolierte die Druckerei des Stadtblattes mit Handgranaten und warf die Schriftkästen auf die Straße. Auch mehrere Geschäfte wurden von der Bande vollstän­dig ausgeplündert. Die Belegschaft der Römergrube beschloß, alle deutschen Grubenbeamten und Arbei­ter auszuwei'en. In Paruschowitz sind 160 Arbei­ter und Angestellte der Silesia-Eisenwerke verjagt worden. AehMche Nachrichten liegen auch aus anderen Gruben vor.

In Hindenburg wurde ein Ueberfall der Polen auf die Guiüogrube versucht, der aber von der Polizei und den Besatzungstruppen abgeschla­gen wurde. Die Angreifer hatten mehrere Ver­wundete. Eine 3000 Mann starke Bande versuchte einen Ueberfall auf die Stadt Rybnik. Zwei Ba­taillone Franzosen und Italiener, verstärkt durch Tanktruppen, konnten den Ueberfall jedoch ver­eiteln. Infolge der polnischen Terrorakte ist es zu erheblichen Betriebs ft örungen im Eisen­bahnverkehr gekommen. Auf der Strecke Gleiwitz-Peiskretscham konnten 22 Güterzüge nicht weiterfahren. Auf einigen Nebenstrecken des Polen zuerkannten Teiles von Oberschlesien verhindern polnische Banden die Abfahrt der Personenzüge. Die Eifenbahndirektion fordert dringend die mili­tärische Sicherung der Bahnhöfe, da andernfalls der gesamte Eisenbahnverkehr zum Erliegen zu kommen droht.

Die Iitteratlüerte Kommission verhängte über die Stadt und den Landkreis Kattowitz, sowie die Ge­meinden Friedenshütte, SchwarzwaMolonie und Ein- tra^shütte den Belagerungszustand. Die öffentlichen Lokale muffen um 85S Uhr schließen. Der Straßen- oerkchr ist von 10 Uhr abends bis 4 Uhr früh gesperrt

$ dem besetzten Gebiet.

(fpb) Gegen die «ukawserel. Die franz. Militärbehörde 5®.waeorimet, daß Automobilfahrzeuge. Motorräder und Lastkraftwagen en ben Ortschaften des besetzten Gebietes nur mit einer Höchstgeschwindigkeit van 8 Kim. fahren

IIII 11JHIIIII»IIIJ

(Er schwatzte, der Alte, und mischte nach Emigran­tenart das halb vergessene Französisch mit deutschen Sätzen und Brocken. Er schwatzte wie eine Elster, während er Maß nahm, und nur mit Mühe brachte der Vicomte das einseitige Gespräch endlich auf den Gegenstand, der ihn eigentlich in das Lädchen geführt hatte obwohl auch die neuen Stiefeletten bitter not taten.

3a . . . Madame de Giese! Und hübsche Töchter chöne Mädchen, eine immer hübscher als die andere' Da- findet, sagt man, auch der Herr Feldmarschach Durchlaucht Blücher" . -

Laßt den aus dem Spiel!" ...

»Wie der Herr Vicomte befehlen. Obwohl es nicht s° recht geht. Nämlich, nachdem die Aelteste, Demoi- ftlle Luise, nach Wien zunz, Kongreß gereift, sind der tfürft von Wahlstatt eines schönen Tages vorgefahren gekommen, mit einer großen Karaffe, und haben die gnädige' Frau und die übrigen Töchter mit sich aufs Land genommen. Mag die Herrschaften baß erfreut haben. Denn da oben ist, mit Permission zu sagen, meist Knapphans Küchenchef gewesen. Toffeln und Rüben und Rüben und Toffeln. Bei dem Herrn Feld- marschall auf den Gütern gibt's gewiß noch Fettlebe, denk' ich. Man gönnts ihnen. Die gnädige Frau sind ja manches Mal sauertöpfisch. Ader die gnädigen Fräu­lein haben immer freundliche Worte und ein liebes Lächeln auch für unsereins."

Wie lang denn wohl die Herrschaften fortbleiben würden?

| soll im ganzen Hanse. Ein sozialistischer Zwischenruser I wird niedergeschrien.) I

Poincare kommt bann auf das Verhältnis zr Sow- I jeirußland zu sprechen. Die französische Revolution I habe nichts mit der russischen zu schaffen. Schließlich be- I spricht der Minister die guten Beziehungen zur kleinen I Entente und Belgien und drückt den Wunsch aus, die I Solidarität, die Frankreich mit England verbinde, ausrecht I zu erhalten. Frankreich habe das Recht, in der Frage I der russischen Schuld und des Privateigentums anders I zu denken wie England. Zum Schluß erinnert Poincare I an das gemeinsam vergossene Blut. Man würde das I Andenken der Gefallenen verrate^ wenn man die Allianz I zerstören würde. .

Diese Ausführungen beweisen erneut, wie völlig w»- I möglich cs den Franzosen ist, ihren einseitigen Änte- I resstnstanidpunki zu verlassen und sich zu einer objektiven I Beurteilung der europäischen Lage aufzuschwingen. I Man kann den dort rrorge trägeren Anschauungen ent- I nehmen, wie mühevoll nach der endgültigen Ge- I nehmiMng des für Deutschland die

I Auseinandersetzung mit Öen erftaaten <mf die Dauer I sein wird. Es wird aller guten Kräste im deutschen

Volke bedürfen, um dem gc-funöen Menschenverstand | in der Politik die Oberhand zu verschaffen und Schä- I digungen zu vermeiden.

Die letzten Vorgänge beim deutschmmonalen Miß- I trauMsvotum haben jedenfalls einen kl «glichen

Eindruck hinterlassen und die Zuversicht auf eine I sachliche Politik im deutschen Reichstag nicht bestärkt.

Deutschnalionale Kritik am deulschnakianalen Miß­trauensvotum.

Selbst im eigenen Lager sieht man deutlich, daß die I ermüdende Taktik des immer erneuten Mißtrauensvo­tums auf die Dauer lächerlich wirkt. So wendet sich der deutschnationale Abgeordnete Baecker, Chesre- dakteur derDeutschen Tageszeitung", in feinem Blatt

I gegen den Mißbrauch des Mißtrauensvotums, indem er schreibt:

IDas parlamentarische Mißtrauensvotum würzest in der Bestimmung jeder parlamentarischen Verfassung, daß die Regierung zur Führung der Geschäfte des Stet- trauens der Parlamentsmehrheit bedarf. Cs ist, wie sich daraus von selbst ergibt, eine ganz bestimmte tak­tische Aktion mit dem ausgesprochenen Ziel, der Re­gierung die verfassungsmäßige Grundlage zu entziehen. Daraus folgt weiterhin von selber, daß ein Mißtrauens» antrag im Grunde nur Sinn hat, wenn eine gewisse Aussicht besteht, dieses Ziel durch die Abstimmung auch zu erreichen, also die Regierung zu stürzen. Denn einerseits kann man ja der Regierung schärfste Mißbilligung und fchärfftes Mißtrauen ausfpre- chen, ohne zu einem formellen Mißtrauensantrage zu greifen, ein solcher Antrag ist also zur Bekundung des Mißtrauens keineswegs nötig; andererseits aber pflegt eine Waffe sich abzustumpfen, wenn sie zu häufig vergeblich angewandt wird. Es besteht sogar die Gefahr, daß die Stellung der bekämpften Regierung eher ge- feftigt als erschüttert wird, wenn wiederholte vergebliche Mißtrauensanttäge die Opposition, von der sie aus­gehen, in einer für die Regierung verhältnismäßig un­schädlichen Minderheit zeigen."

Mit dieser Ansicht steht Herr Daecker keinesfalls allem da. DieTägliche Rundschau", die be- kamrtlich mit einem Bein im deutschnationalen und mit dem anderen im volkspartetlichen Lager sicht, stimmt ihm ausdrücklich zu und bemerkt dabei, in der deu ts ch- nationalen Fraktion selber fei Herm Hergt mit Nachdruck entgegengehalten worben, ob cs nid# mit einem Messer ohne Heft, dem die Klinge fehlt, fechten hieße, wenn man immer wieder Mißtraucnsanträge einbringe.Mußte es Herrn Hergt und feine Gesin-

Deutscher Reich.

. Berlin, 2. Juni. Wie die Blätter mitteilen, wird Reichspräsident Evert eine mehrwöchige Er­holungsreise nach Freudenstadt in Württemberg an- treten, von wo aus er die Münchener Gewerbeschau besuchen wird. - Wie die.Deutsche Allgemeine Ztg/. meldet, werden Reichskanzler Dr. Wirth und der bayniche Ministerpräsident Graf Lerchenfeld an Det Bodenseetagung katholischer Politiker teilnehmen.

Mtt der italienischen Botschaft wurde eine Ver- I embarung getroffen, nach der das deutsch-ita- Itenrfche vorläufige Wirtschaftsabkom- men vom 28^ August 1921 für weitere neun Mo­nate bis 28. Februar 1923 in Kraft bleibt.

, * ^^a^nrälegesetz, welches z. Zt. dem Bemn- tenausfchuß des Reichstages zur Beschlußfassung vorliegt, hat zu großen Schwierigkeiten geführt und feine wichtig­sten Bestimmungen sind mit wechselnden Mehrheiten ge­strichen worden Es ist bisher nicht möglich gewesen, die entstandene Lucke zu einem Kompromiß zwischen den Parteien auszufüllm. Bei der parlamentarischen Lage ist nicht damit zu rechnen, daß das Beamtenrätegesetz vor der Herbsttagung des Reichstages feine Erledigung finden wird.

Nun war der Vicomte Montauban wieder draußen im blendenden Tageslicht. Er sah auf die alten Stiefel herab. Sie waren wirklich in einer jammervollen Ver- faffung. Wahrhaftig, der Weg von der Wolga bis Ber­lin war weit gewesen und schwer. Staat war mit den Dingern nicht mehr zu machen.

Aber das schadet nichts. Es gab jetzt neue, Dani Monsieur Lacroix war doch noch eine ftanzösifchc Seele in dem Mann, wenn er sich auch als Stockpreußc gab.

Ja, die Preußen. Sie haben's in sich. Das hat der Kaiser auch zu spät erkannt trotz alles seines Scharf­blicks. , '

Und erst die Preußinnen!

Ach, du liebe, liebe Julie! Keine Nachricht von dir, keine Nachricht von mir. Getrennt durch Jahre, ge- trennt durch wüste Steppen. Diese verfl Mosko» roiter . . .

nungsgenoffen", so fragt dieTägliche Rundschau" weiter,nicht stutzig machen, daß em Helfferich, der gewiß kein Leimsieder und sanfter Heinrich ist, grollend in feinem ZÄ1 blieb, als Hergt seine Myrmi- doren zum Sturm führte? Wir sind gewiß die letzten, die die Notwendigkeit und Nützlichkeit der sachlichen Kritik und damit einer Opposition im Staate vernei­nen möchten, aber zwischen Kritik und Kritik ist ein himmelweiter Unterschied. Daß unsere Opposition aus der Rechten seit lanaem auf üblen Abwegen ist, haben wir immer wickrer betont."

Sollte sich hier endlich ein Ansatz zur Besserung austun? Unsere Hoffnung ist nur schnvach. Posüives leisten die Herrschaften auf ter äußeren Rechten ebenso­wenig wie diejenigen auf der entgegengesetzten Seite und so müssen sie eben mit der Einbringung von Miß- trauensvoteti kümmerlich ihr politisches Dafem stiften.