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Nr. 117

Sonntag, 2t Mal 1922

49. Zahrg

Völker

des Westens und des Ostens einander kulturell

scheu und wirtschaftlichen Fragen nur werden, wenn man sich von Angesicht zu Angesicht verständigt und verständigen kann man sich nur, wenn man sich verstän- digen will.

Die deutsche Delegation hat noch am Freitag nachmitlag Genua verlassen und wird inzwischen in Berlin eingetroffen sein.

Vie Reparationsverhan-lungen.

Zu den Veröffentlichungen der französischen Preffe über Las bisherige Ergebnis der Verhand­lungen des NeichsfinanzministerS Dr. Hermes mit den Mitgliedern der Reparations- kommission hören die Blätter, daß sämtliche Mit, glieder der Reparationskommission sich gegenseitig strengstes Stillschweigen zugestchert haben, also alle Mitteilungen der französischen Preffe auf Kombi­nationen beruhen.

Auch der Reichsfinanzminister hat sich übrigen- vor seiner Abreise den Parteiführern gegenüber ver­pflichtet, auch nicht die geringste Bindung in Paris einzngehen, ohne vorher die verfassungsmäßigen In­stanzen des Reiches zu befragen.

Verantwortlich für den redattionellen Teil- Dr. I. Kramer, n siir die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. s Rotationsdruck u. Derlaa der Fuldaer Actiendrtickerei in Fulda. Fernfprecher Nr. S. Postscheck-Konlo 4051 Frankfurt a. M.

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Wenn je eine Zusammenkunft von Politi^rn tn,t Schwierigkeiten zu rechnen hatte, dann war es diesmal in Genua. Es sollte eine Wirtsclmftskan- ferenz sein, aber die Wogen der politischen Kämpfe gingen dort so hoch, daß man den Blick für die wirtschaftlichen Ereignisse dortselbs: ver­loren zu haben scheint. Und es werden vielleicht noch manche Wochen vergehen, ehe man zu einem ruh-igen abgeklärten Urteil über Genua kommt.

Aber wir wollen doch schon versuchen, aus den Reden der Schlußsitzung am Freitag das heraus­zuschälen, was man als wirtschaftlichen Erfolg der Konferenz bezeichnen kann. Charakrsristisch mar schon die erste Rede, die der Präsident der Wirt­schaftskommission, der Franzose Cohrat, hielt. Wenn man bedenkt, daß es ein Franzose war, der diese Ausführungen machte, dann muß man zu­geben, daß die Konferenz für das Verständnis der Wirtschaftslage Europas Bedeutendes geleistet hat. Seine Hauptgedanken waren bte: Die Welt be­dürfe am meisten des Gleichgewichtes der Produk­tion, die nicht mehr auf das Bedürfnis der Ver­braucher Rücksicht nehme. Den Wiederaufbau der landwirtfchaftllchen Produktion stellte er auf die gleiche Stufe von Bedeutung, wie die Verteilung der Rohstoffe. Die verminderte Kaufkraft der in folge des Krieges verarmten Länder und die Art, wie man mit künstlichen Mitteln Europa nach dem Kriege in unmögliche wirtschaftliche Bahnen habe zwingen wollen, das seien die Ursachen der gegen­wärtigen wirtschaftlichen Krisen.

Der italienische Handeteminister Rossi wies ! kn einer kurzen markigen Rede darauf hin, wie überall heute noch die Kriegsmaßrkahmen in An­wendung feien: das verhindere die neue Entwick­lung der schlummernden Kräfte. Sein« Forderung lautete auf wirtschaftliche Solidarität, wenn man die Welt retten wolle.

Bon größtem Interesse für uns Deutsche waren dann die Ausführungen unseres Außenminister« Rat Henau, deren Bedeutung durch den lebhaf­ten Beifall, sogar von Seiten der Delegierten, ge- I kennzeichnet wird. Er betonte die Unmöglichkeit für Deutschland und für die WÄt, die Bilanzen und I die Wechselkurse in Ordnung zu bringen, so lange der Schuldner nicht wisie, was er schuldet. Und wenn man von einem Schuldner Leistungen ver­lange, dann müffe man ihn mit Rücksicht behan­deln. Deutschland sei glücklich, daß es zwischen dem russischen Volke und den übrigen Mächten vermit­telnd habe eingreifen können, um zur Lösung der Friedensfrage zwischen Ost und West beizutragen.

Wichtig war die Erklärung Tschitscherins, baß die russische Delegation trotz ifyrer Vorbehalte die Beschlüsse der politischen" Unterkommission im-1 ganzen annehme.

Sann begannen die eigentlichen Schlußreden. Der I Mstige Lenker der Konferenz, Lloyd George, I legte Mrt darauf, festzustellen, daß die Arbeiten der ötet technischen Kommissionen, Finanzen, Wirtschaft I

Transport, schon allem einen Erfolg der Konferenz ausmachten. Sie hätten viele notMNdige Arbeit ae- X Well. Lloyd

George sprach dann über die russische Fraae die I er als bas aufregendste Moment der Konferenz be^ich- |

®5 sei jetzt em Monat Zett, über die aufAeter I Konferenz zutage getretenen Schwierigkeiten nmDu- I

Der Reichskanzler über Genua

Die Schlußsitzung der Konferenz.

Bartho« über die Rede Rathenaus.

I und sah grab aus auf die Wand. Ganz steif und starr, I als ob es dorten etwas Besonderes zu lesen gäbe. Und | war doch nichts da, als ein paar alle schlechte Stiche in I häßlichen Rahmen.

Mit einem Male jubelten jetzt die am Fenster auf: I Da kommt der Fürst!!' Und sie rissen das Fenster auf, I beugten sich weit hinaus. Die strenge Frau Mutter hatte j das ja freilich verboten. Aber das junge Volk war nicht I immer zu bändigen.

| , drüben auf der anderen Seite der Straße tötens I ja auch nicht anders. Ueberall flogen die weißen Mull- I gardinen zur Seite, in allen Etagen, bis in die Dach- I kammern hinauf. War doch auch etwas: so den Sieger von der Katzbach und von Möckern, von Paris und in zehn anderen Schlachten zu schauen, der den Napoleon, den Korsen, kleingekriegt hatte, daß er jetzt auf dem elenden Felseneiland Elba im Mittelländischen Meere Kleinkaiserlein spielen mochte. War doch etwas, dem Marschall Vorwärts zuzujubeln, in die Hände zu klctt-

I l'chen, daß es von Haus zu Haus schallte und hallte. War I recht etwas für die lieben Berliner, die immer Lärm I machen und haben müssen, nun zumal, wenn das Herz i dabei ist.

2er Fürst von Wahlstatt ging damals anno 1815 meistens im Bürgerkleide. Nur an den Tagen, wo große Parole war, legte er die Montur an. So heule. I Ein paar Offiziere waren um ihn und ein paar Drbon» I nanzen dahinter. Aber all die Leute an den Fenstern I sahen nur den alten Husaren mit dem rosigen, offenen I Angesicht» mit dem weißen, mächtigen Schnauzbart über I ben vollen Lippen und den jugendlich feurigen Augen. I Gaben, wie er lächelte und lachte, wie er mit ben I Offizieren sprach und scherzte und bald hierhin und bald I dah>" grüßte. Sahen auch, wie er nach einem Mansar. j densenster hin, aus dem vier blonde Mädelsköpfe wie I Rosenknospen hingen, eine Kußhand hinaufwarf.

Stein, es waren nicht mehr vier, es waren ja nur I ®er eine ber Zwillinge, die Sophie mit den I Kornblumenaugen, war plötzlich aus dem SHwestern- I kreise fortgehuscht. Plötzlich, grab als der Sägeroffijicr, I ber links neben dem Feldmarfchall ritt, hinaufgegrüßt I hatte. Kurz und heimlich hatte sie zurückgenickt, war *

| in der Mansarde hinauf.Blüchers Nichten" hießen I sie m der ganzen Straße, sintemalen es sich herumge- | spachen hatte, daß er ihnen gelegentlich die Wange I hopfte und die eine ober andere als Nichtchen angeredet

Dnkeltmn und dem Nichtentum hatte es I freilich feine besondere Bewandtnis. So recht und richtig I verwandt waren der Herr Feldmarschall und die Gieses I gar nicht; höchstens was man in Schlesiendurch steben Scheffel Erbsen" nennt. Wenn der Alle bei besonders gutem Humor war, erzählte er wohl, daß seine Urgroß. I mutter mütterlicherseits einen Herrn von Geltheim ge- I heiratet hätte, auf Strockow, und daß dessen einzige I sachter aus erster Ehe beinahe den Großvater der Giese- I niäbets geheiratet haben würde, wenn Friederikus Rex I "icht den Konsens verweigert hätte. Aber der Major von I Giese, der Vater, war im Unglücksjahr 1806 unter Ge- I Nieral von Blücher gewesen und bei Lübeck gefallen. Da I datte sich denn, als etwas bessere ober doch ruhigere I ^age kamen, ber General der Hinterlassenen angenom. I men, den einzigen Lungen, Kurt, im Kadettenkorps un» I tergebracht und der Witwe eine kleine Pension erwirkt. I I Karg und knapp war sie ja, aber man schlug sich jn der Mansarde doch mit ihr durch.

Es waren übrigens nicht vier, sondern fünf Giese- I Zadels, und die fünfte, die im Aller zwischen Luise und den Zwillingen stand, Julie, war nach manches Ee- I schmack eigentlich die schönste. Aber sie tat nie mit, roenn die andern um Glocker zwölf zum Fenster husch­ten. Sie blieb in ihrer Ecke auf dem schmalen, harten schwarzbezogenen Kanapee sitzen und stichelte weiter.. Immer hatte sie den runden Stickrahmen mit ber aller- I fetnften Perlenstickerei vor, die am besten bezahlt wurde. So die anderen lustigen Döqel zwitscherten:Komm mit! schüttelte sie nur mit dem Stopf.Laßt mich!" I Zart war sie, aber vollendet schön gewachsen, hatte ein schmales Gesichtchen mit einem Grübchen auf ber rech, ten Wange, ganz dunkle Augen und blaufchwarzes Haar, das auf dem zierlichen Kopf kaum zu bändigen war. ' | Stich auf Stich tat sie, bis die Schwestern ihre Näs- lein hart an die Fensterscheibe gcdrückl hatten. Dann ließ sie wohl die Arbeit auf ein pa.ar Momente sinken '

bann zu der Schwester auf das Kanapee geflüchtet und starrte nun auch auf das Bild an der Wand gegenüber, auf den gleichgültigen Stich, der eine verfallene Mühl« I am Bachrand barstellte. Aber während Julie wie immer I feuchtfchimmernden Glanz in den schönen Augen I hatte, glitzerten tn ihren hundert Kobolde und spielte I um ihre Lippen etwas wie trotzige Siegeszuversicht.

Hallo, Fiekchen," rief es jetzt vom Fenster her.Dr I versäumst etwas. Was ganz Besonderes!"

rührte sich nicht. Und doch war es wirklich etroai I ganz Besonders. Denn Durchlaucht hatten sich unfern I des Schloßplatzes von seinen Herren verabschiedet und kam, nur von einer Ordonnanz gefolgt, langsam zurück- geritten. Mehr: er hielt vor dem Hause, in dem bi« Giesemädels wohnten; er warf dem Diener die Zügel zu und sprang ab. Immer noch wie ein Jüngling, bet Greis.

Run stoben die am Fenster auseinander, hatten plötz­lich rote Gesichter, trabten durchs Stübchen, liefen bis I 3ur Küchentür, rissen sie auf:Frau Mutter, der Mar­schall . . . Onkel Blücher . . . Durchlaucht ... er kommt zu uns . . ."

Unsinn!" schallte es zurück.Was ihr Gänse euch immer einbildet."

Gewiß und wahrhaftig, gnädigste Frau Mutter. Er ist schon auf den Stiegen."

So tauchte denn die lange hagere Gestalt der Frau Majorin in der Xüre auf. Auch sie hatte ein rotes Gesicht: bas kam aber sicher vom Herdfeuer. Einen höl-i zernen Quirl hatte sie in der Hand und fuchtelte damit' m ber Luft herum.Wenn ihr lügt, ihr Rangen, setzt es 'was! Und ihr lügt gewiß. Durchlaucht solltej mas ihr euch einbilbet! Der Herr Feldmarfchall . .

Da klang auch schon die leise Schelle der Flurtür. Du lieber Himmel! Wahrhaftig! Und ich nicht an­gezogen mach du auf, Sore! Ich will mir schnell die Schürze abbinden ... ja und das neue Häubchen Streicht euch das Haar glatt, ihr Wildfänqe . . " Hin- aus war die Frau Mutter. Aber man hörte sie noch die Kochtöpfe rücken und hörte chr:Sie brennen mirj wahrhaftig noch an, die Rüben . . . Was er nur will."!

(Fortsetzung folgt)

Deutscher Reichstag.

Wohnungsfragen, Kleinrentner, Kriegsopfer.

In ber Weiterberatung des Etats de» Reichsarbeitsministers stand am Freitag Zunächst zur Debatte der AbschnittSozialpolitik". I Kommunisten wollten wissen, wie weit durch bte bis» I Ver.erhobene Wohnungsabgwbe dein Wohnungsman» l gel m Deutschland abgeholfen worden ist. Die Herren I verlangen gar zu viel. Demi daß die Wirkungen nicht I ?°n heute auf morgen eintreien werben, das kann sich teder an den fünf Fingern abzählen. Aber für sie ist diese Frage, wie bte sich anschließende Forderung beweist, eben nut Mittel zum Zweck. Denn chr Redner fordert I paMttsch poöterrtb die Sozialisierung der Bau» I u?lfabrikatiou. Hier also lag des Pudels Stent! I Deutsche Volkspattei wünscht in einem Antrag, baß I r® teEiche Fach- und Siedlungswesen dem Ministerium sirr Ernährung und Landwirtschaft angegfiebert werde. Der

I m t wendet sich dagegen. Der volkspauteAiche Antrag wnd retouchieft durch eine sozialistische Resolution,

I wonach bte Regierung zunächst nur erwägen möge, ob I man bas ländliche Pacht- und Siedlungswesen dem Mini- stett-um sich Ernährung und Landwirtschaft angliedern solle.

Eine längere Debatte gibt es erst beim TitelZuschüsse I Ratstamdsmaßnahme n für die Unterstützung notteiben» ber Kleinkapitalrentner". Die Dei-tschnationplen wünschen den hierfirr vorgeschenen Betrag von 2 Million» MaE auf eine Milliarde zu erhöhen. Obwohl sie bekanntlich stets den ganzen Etat ablehnen und damit ber Regierung bte Gewährung aller notwendigen Mittel versagen, sind sie m ihren parteiagitatorischen Anträgen groß. Herr Oberfohren buhst um die Gimist der kleinen Rent. ner. Mst Recht wendet für das Zentrum die Fran Abg. Dransfeib ein, daß man über ben Antrag des Aussthnffes, den Betrag auf 500 Millionen zu erhöhen, nicht hinaus» gohen könne, weit sonst auch für di« Invaliden- und Un» Mrentner die Konsequenzen daraus gezogen werden mrßten. Dann sei das ganze System der geplanten Hilfeleistung gefährdet. Die Agriattonsgeste der Deutsch» vfltiomÄen war unnötig! Denn auch öte Regierung er» tennt die Not ber Kleinrentner durchaus an, wie Minister Dr. Brauns im Laufe der Debatte felbft hervorhebt. Sv üBnbigt zu gleicher Zeit an, daß wenn bie vom Ausschuß auf 500 Millionen erhöhte Summe nicht ausreiche, in ttnem Nachtragsetat weitere Mittel angeforbert würden. Barauf wird der Ansfchußantrag, 500 Millionen für die Kleinrondner einzusetzen, einstimmig genehmigt.

_ Aber auch nach diesem Punkte ist die Etatsberatung über das Reichsarbestsministerinm noch fonge nicht er- >ch°pst- Nun gcht es zum KapitelReichsoersiche. rungsamt" undReichsausführungsbe- nnfan0erfi4erunfl* sowie zum 5£tlL£SOmUüf Arbeitsvermittlung". Diese Abschnitte werden debattelos bewilligt.

Dann eine neue Position:Kriegopferfür. wird eine Jnttrpllatton der Deutschen

wieder zu nähern und ich glaube, daß wir Deutsche auf diesem Gebiete jederzeit mit Italien zusammenarbeiten können. Ich finde zwischen Deutschland und Jta» l i e n keine Differenz, die Anlaß geben könnte, baß wir nicht für Europa praktische Politik treiben könnten.

Wir werben in ben nächsten Monaten und Jahren in DeutWand alles tun, um mit Italien nicht nur wirt­schaftliche Beziehungen anzuknüpfen und die bestehenden zu erweitern, sondern wir werden sehen, daß wir mit ihnen gemeinsam große, wenn auch mitunter ftei» n i 9 e Wege für ganz Europa gehen können. Es kön­nen schwere Tage für die europäische Politik kommen sie werden kommen, wenn man den Geist der Genueser Konferenz verläßt. Das tritt dann ein, wenn man glaubt, durch Schwert oder Gewalt ökonomische Fragen lösen zu tön» nen. Die ökonomischen Fragen lassen sich nicht mit Gewalt lösen, sondern nur durch Verständigung der dazu berufenen Geister alter Nationen, die wirtschaftlich denken können. Gelöst können die größten sinanzvoliti-

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trag als der einzig richtige Ausweg aus den Schwierigkeiten und dem Chaos begrüßt wird und nur Verträge dieser Art als Norm für die Be­ziehungen Räterußlands zu den kapitalistischen Staatett anerkannt werden. Dem Volkskommissariat für Aeußeres und dem Rat der Volkskommissare wird vorgeschrieben» Abweichungen dom Typ des Rapollodertrages nur in solchen Fällen zuzulassen, wenn solche Abweichungen durch ganz besondere Vorteile für die arbeitenden Massen der Räterepublik ausgeglichen werden.

Der Reichskanzler protestiert gegen Gewalt.

Oekonomische Fragen können nicht mit dem Schwerk gelöst werden."

Vor dem Aufbruch aus Genua ließen der Reichskanzler Dr. Wirth und der Minister des Aeußern Dr. R a t h e n a u eine Einladung an alle in Genua versammelten italienischen Journalisten ergehen. Im Hofe des Haupt­quartiers der. deutschen Delegation hielt Reichs­kanzler Dr. Wirth eine Begrüßungsansprache an die italienischen Gäste, über die uns ein Drahtbe­richt folgendes meldet:

Die Konferenz bleibt, so führt der Kanzler aus, wie alles Menfchenwerk mir Stückwerk, b. i. nur Torso. Dar Torso von Eemra ruft aber geradezu nach Ergän­zung. Ich bin sicher, daß alle Völker, die an der Arbeit hier tcifgenommen haben, sich Mühe geben werden, den Tvrfo zu ergänzen, da die groß« roerbenbe Idee für all« DAker der Welt deutlich sichtbar geworden ist. Man ! wirb an mehreren Orten arbeiten, um ben Gedanken der ! Konferenzen zu verwirNchen. 3m Haag werben sich bie Sachverständigen fast aller Doster zufammenfinben; wir müssen eins bedenken, daß sich in gewissem Sinne schon hier, was (Eigentumsbegriffe angeht, zwei verschiedene Parteien getroffen haben. Auf staltemfchem Boden schlug man den ersten Vogen zwischen beiden I Uebetgergungen. Das ist schon eine große Tat.

Das italienische Volk, besonders die italienische Presse erwies bei diesem Brückenschlag ber ganzen Welt einen großen Dienst, für ben alle Völker bantbar sein müssen. Ich glaube aber auch, daß bas b e u t s ch e Volk, ^wenn es auch nicht mehr offiziell im Haag dabei ist, I ^Europa wieder wie hier denn wir spielten in man- I chen Dingen bie Rolle des Vermittlers unbedingt I gute Dienste leisten kann. Ich bin überzeugt, daß das I Werk, Rußland wieder aufzubauen, wenn alle von gutem I Willen beseelt sind, gelingen wird. Es wird gelingen, die I

FuldaerZeiturrg

_________________Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.

I denken und er hoffe aufrichtig, daß dieser Monat nütz- I inh verwendet werde.

Europa wolle helfen und Europa könne helfen, I über Rußland müsse bei den Berhandümgen 'den Ehren- I anerkennen. Es sei nicht zweckmäßig zu sagen, I daß man keine Schulden anerkenne, wenn man Kredite faten wolle. Er betrachte die russische Delegation als Fwund des Friedens und der Zusammenarbeit. Er ehe bie russische Delegation dafür an, daß sie, wenn sie nach dem Haag komme, nicht in provozierender Weise I Gefühle uni) Prinzipien, die im Leben Europas ihre Wurzel Haden, unter sich nist Füßen trete, lieber I o r iedenspakt sprechend sagte Lloyd George: -wir haben einen Friebenepakt unterzeichnet, wenn auch rmr einen provisorischen. Wir haben ihm versuchs­weise eine Gaststätte an unseren heimischen Herden be- I d°ee Friede sieben Monate an unseren

I Herdfeuern verutellt fyit, so werden wir ihn nicht wie- I der aus dem Hause jagen.

B a r t h o u, der französische Hrmplidelegiette, führte I Es, wenn der Vorredner gesagt habe, die Genueser bedoute eine Etappe, so sei damit gleichzeitig geMt, daß man für einige An°genblicke Halt gemacht M«. Es komme nur darauf an, daß alle von dem Willen zuinö Vorwartsgehrn beseelt seien. Redner be- tonte besonders schw-ieiige Sage feiner Regierung bet russischen Frage gegenüber. Er sei zu offiziösen, langtütertgen Besprechuttgen mit der russischen Dele- gatton bereit gewefsn, um so korrch einen WiSlen-M bie der französischen Regrerimg fest,Mögen. Die VespreuMngen feien rmterbrochen worden. Die Stunde sei noch nicht gekommen, um die Deraittwortlichkeit fest- c/*er hEe Rede Rathenaus sagte Barchou, er bestreile nicht ihre Uluftichtigkeik, er goutiere chre Feinhest und Klugheit. Rathermu habe da- tion gesprochen, daß die öffentliche Weinnna demobili- ! werden müsse. Zweifel'os Habs er damit sagen wollm daß man aus der öffentlichen Meimmg den kriegerischen Geist ausrotten müsse. Der -deutsche Mißemnnrrstor möge sich beruhigen» er gebe nochmals oos Wott Frankreichs und erklärte vor dm hier ver- ^negten Staaten, daß Frankreich, welches den

Slühendundleiden schäft» I lr<hden Frieden wolle. I

Cs folgte dann eine Reihe van Schlußioottm der I DelogÄione^ m idmmbchmders b?t Esen für ine gebotene Gastfreundschaft Aus- yrafföent de Facta sprach dieSckMß- worte, d-edahm ausklangen: Die g-fftMn und poliii- fchm Nachwirkungen der Konferenz von Genua auf I ben (Song der Entwicklung des Lebens der Völker wer­den sich mehr und mehr bemerkbar machen Der Geist der Universalität und der europüffchsn Befriedung wird dre Mropäische Politik von morgen beherrschen muffen. M-t dem Burgftwdenspakt ist aus Genua die Friedens, lofung ergangen, die ein Symbol der glühendsten Re- | gungen unserer Herzen ist und nicht untergchen kann I «te sie nicht von den europäischen BAkern gefrört ist

Daraus wurde die Konferenz geschlossen.

Abreise der britischen Delegation.

- n?c ^^Eische Delegation ist Freitag nachmittag I 5 Uhr unter Führung Lloyd Georges nachLondon abgererst. - v |

Di- Stellungnahme des allruffischeu Zentralkomitees.

Das allruffische Zentral»Exekutivkomitee in!

Entgegennahme eines -Referats von Joffe über Genua eine Entschließuna angenommen, m der der deutsch.russische Ver» I

Die Blücher-Richten.

Roman von Hanns v. Zabeltitz.

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An den tapferen Giese aber, der in der Nacht feiner wund- erlegen, hat er gedacht:Wir können fallen U"d sterben . .. unser Preußen, bas bleibt!"

3n der niedrigen Mansardenstube hockten sie zu viert mn genfter, bte Näslein dicht an ber Scheibe. Unten Arife bie jüngste, Lore; über ihr lehnte

über bie ttnteso^hif"St^uüer guckte Charlotte, ö,£1 nte f : Alle vier waren blond, und eine b^nn r9eC mu6t<L ^1 bet 'h"en Pate gestanden haben, denn sie waren bttofauber. Als die hübschesten aalten ch foeöhm5roi-n0£-: ?°E-hen und Lottchen; die sahen °hnl,ch. wie ein Ei dem andern, waren gewachsen W1m?nmmpnnen' ^?n einen rosigen Teint, blaue Korn- nMxTr s 8 \ und dazu einen mächtigen Schopf von ten^fZnTr: aU(^ bie beiden anderen fonn-

b,C ^^beste, mit ihrer stattlichen Fr0x' geschnittenen Profil, dem dunkel-

war und den schwarzen Augen; Core i

ar noch Backfisch, etwas eckig, stupsnasig, hatte einen o-Uuuen langen fjals, aber ein Porzellanköpfchen darauf, 8an3 Rokoko, rote frisch aus der Königlichen Manufak­tur oder aus ber Meißener gekommen.

Saft jeden Tag, mährend die Frau Mutter in der Sudje herumscharwerkte, hockten die Giesemädels so. Im. mer um dte Mittagsstunde. Eigentlich sollten sie hand- Nähterei warfen sie, wenn es von ber P-ttiknche Glocker zwölf schlug, regelmäßig beiseite. I tes war doch zu schon, wenn der Herr Oheim vorüber- 1 ntt, der Feldmarfchall, der Fürst, auf seinem feurigen «bdjtmmel, neben sich feinen Adjutanten. Und gar schön wenn er manchmal herausschaute, grüßte, winkte Mw lächelte ober lachte. Rechts unb links unb drüben, ? der ganzen Breiten Straße, standen die Leutchen an 7«i Fenstern: jeder wollte Held Blücher, den alten Mar- WI Vorwärts, den Fürsten von Wahlstatt, feben und ^neher unb manche blickten babei auch neugierig oder te nachdem, zu den vier hübjchen Blondkövfen