FuldaerZeitung
| Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.
49. Zahrg.
Santstaa. 20. Mai 1922
Bezugspreis: Monatlich 18.03 AN. WrNsL- frei ins »)üus-
~ Abgeholt in der Geschäftsstelle 17.50 AN. -
«ebantwonlich tür den reöartioneUen Teil' Dr. I. Kramer« s für die Anzeigen: 3- Par ze Iler-Fulda.^ S Sssfa&J>e&gBaKSE.Sd&Bbs8^. «H. Suite.
Die Schlußsitzung in Genua
u; 7. Schlußreden.
Sie die Blätter aus Genua melden, hat L l o y d
. der reu), 'öm-
ischen Premierminister zum Tee eingeladen den waren, empfangen. Der Besuch der hrer der deutschen Delegation erte etwa eine S t u n b*e. Unmittelbar darhat Lloyd George seine Vermittlungsaktion chen Italien und Südflavien fortgesetzt, deren Kationen zu diesem Zweck in der Billa d'Al- i erschienen waren.
Abreise der deutschen Vertreter.
Der 31. Mai
ftichts erreicht, aber auch nichts verdorben! So st« man auf den Grabstein der Konferenz üben.
llmtlich ist freilich gesagt worden, die Konferenz noch nicht zu Ende; die Zusammenkunft im 8 s-i die „Fortsetzung". Das ist ein Wortspiel 5 für den Haag vorgesehen ist, führt mit Recht Namen der Sachverständigen -Konfe- i ; zum Unterschied von der großmächtigen Kon- ‘ az der leitenden Minister. Für Genua en endgültige Beschlüsse in Aussicht gestellt; im ? g sollen Studium und Borarbeiten geleistet den, die alsdann den betreffenden Regierungen i Vollziehung unterbreitet werden. Also bildet Haag eine Zwischen st ation zwischen zwei ferenzen; auf die abgebrochene Versammlung
Genua muß noch eine neue Beschlußfassung Mächte folgen, die freilich unter Umständen durch Briefpost und den Draht erfolgen kann. )as Wort „Fortsetzung" wird so stark betont denen, die nicht offen eingestehen wollen, daß ua hinter dem erstrebten Erfolg zurückgeblie- ist. Wir Deutsche gehören nicht zu diesen täuschten. Sowohl unsere Regierung als auch re öffentliche Meinung hatten sich von Anfang zu der Ansicht bekannt, daß auf Genua noch :ere Konferenzen folgen müßten, weil der deraufbau des zerrütteten Europa sich nicht in m Anlauf erledigen lassen werde. Somit sind nicht überrascht worden, weder von den vierigkeiten der russischen Frage, noch von der ruktion der französischen Regierung.
Das Lloyd George und die englische Poli- ingeht, so ist freilich der glänzende Erfolg für
!Die Schlußsitzung der Konferenz von «re-tua ist auf den 19. Mai anberaumt, -um- der KnHferenz, - die -ä m - r-ö f H WSd-
1 war, den förmlichen Abschluß zu geben. Die i> g e s o r d n u n g der Schlußsitzung umfaßt fol-
sie noch ausgeblieben, doch ist der Faden zum Weilerspinnen aerettet worden.---Jnwieweit-dLs-aus- reicht; --um Gis--Wshlaussichten vom- IKsyd -Georgs und feine Genossen zu sichern, muß sicherst noch zeigen. Zum Triumphieren Haven die Engländer krsnEAnlatz'"dsch MNi M-rzagen-such-'iwch nicht; M-Tie^L^a al-ch-i« :Ereri-Nsd:rv KMer-
nisfe. durch Zähigkeit zu überwinden suchen.
■V -Zu^MNiliWn DraWrsi Eh^de^ fr sn? zosUche"VolkscharaMk. Sv' hört"such jetzt Stimmen aus Paris, die einen Triumph des Herrn Poineare in die Welt hinausposaunen. Es wird als ein großer Erfolg der Franzosen hrngestellt, daß man die Verständigung mit Rußland verhindert und dabei den Bruch in der Entente vermieden habe. Allerdings ist ctm Obstruktion gelungen, doch nur in dem Sinne der Verzögerung. Das russische Problem bleibt auf der Tagesordnung. Sollten die Franzosen aus der jüngsten Absage der Vereinigten Staaten für 'ihre Obstruktionspolitik Kapital schlagen wollen, so würden sie sich über den letzten,Sinn und Zweck, der amerikanischen Zurückhaltung einer selbstgefälligen Täuschung hingeben. Frankreich will alle Fortschritte zum Völkerfrieden vereiteln; Amerika dagegen hat mehr im Auge, als die kleinen Fortschritte, um die bisher verhandelt wurde. Es wartet ob, bi« bie Zeit reif geworden ist für eine großzügige Weltwirt- ch a f t mit Abrüstung und HanLÄlssreiheit unter der
Führung der Vereinigten Staaten.
Wir Deutschen können uns in di« Eifersüchteleien der Siegermöchte nicht einmischen, sondern müssen nur im Auge behalten, ob das Verständnis für die Solidarität der Völker und damit die Neigung zu einer besseren Behandlung der Besiegten zu- oder obnimmt. In dieser Hinsicht hat offenbar die Konferenz von Genua vorteilhaft gewirkt, wenn sie auch an greifbaren Früchten noch zu wünschen übrig ließ. Was noch fehlt, kann nachgehott werden im Haag und in Paris.
Wfo mag es heißen: „Forschung folgt."
Die Reparalionsfrage.
Neber die VerhcmdluN'gen, die Dr. Hermes in Paris führt, find heute ungünstige Gerücht« im Umlauf, die aber zum Teil in Abrede gestellt werden.
Im englischen Unterhause fragte Kenworthy, ob England die Zusicherung erhalten habe, an der französischen Konferenz über die Reparationen teilzunehmen, bevor ein« weitere militärischeAktion gegen deutsches Gebiet unternommen werde. Chamberlain erwiderte, es feien kein« neuen Zusicherungen gegeben worden, weil keine gefordert worden feien. Sollte Deutschland im Verzug« sein, so würden die alliierten Regierungen zusammen beraten, welches Vorgehen einzuschlagen sei.
Darauf fragte Kenworthy: Bedeutet das, daß wir schon ^hingehende Versicherungen erhalten haben, und hat die Regierung Kenntnis, daß die gegenwärtige Politik dahingeht, am 31. Mai zu marschieren, wenn kein Abkommen erreicht wird? Chamberlain er- widerte, er habe keine Kenntnis, ldaß die Ang<che in dem ersten Teil der Anfrage korrekt sei, und er könne sich auch nicht denken, daß dem so fei.. Bezüglich des Ersten Teils der Anfrage habe die englische von der französischen Regierung nach der Besetzung von Frankfurt a. M. die endgültige und klare Versicherung «r- hÄten, daß die ftanzösische Regierung in Zukunft bei allen interalliierten Fragen nur in Ueberein- stiMmuN g m i t deN A l'li i er teN handeln werde.
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■ -St--■ NenehmiMchb PrnkrksiW der-
Äiarsitzung der Konferenz: 2. Einbringung.' BsKbsnae« her 3- Lommissism Mirtschsstsfras^ ^'Mnöringuftg der' Beratungen' der "ersten Ki
fian; 4. Einbringung des Berichts der Kom- Iton zur Prüfung d« Vollmachten; 5. Einbrin- lg des Entwurfs uver die Sanitätskonferenz I Warschau; 6. Einbringung des Entwurfs be- i end die Arbeit des Roten Kreuzes in Friedens-
ie deutsche Delegation fäh.. Ssms- früh nach Berlin zurück. ,
orge Donnerstag nachmittag nach einander langer, Barthou, Motta und sodann chskanzler Dr. Wirth mit dem Reichsminister Aeußern Dr. R a t h e n a u, die beide von dem
Die Blücher-Nichten.
Roman von Hanns v. Zobelitz.
: er General hielt hart an der Brücke von Schwartau -ti ließ die Resthäuflein der Seinen an sich vorbei- - n. Struppiger als sonst hing dem Alten der starke auzbart über den Lippen, malpropre sah die Uni- --j aus, bedeckt mit Schlamm- und Staubspritzern; seit ! n mochten die Stiefel keine Bürste geschaut haben. , Kopf hing leicht vornüber, den Hut hatte der Ge- l tief in die Stirn gedrückt. Aber darunter blitzten - llugen immer noch feurig und schakf. Und jedesmal, i i eine der zusammengefchmolzenen Kompanien und drons herankam, rief er den auf den Tod erschöpf- j Burfchen ein paar aufmunternde Worte zu: „Habt s brav gemacht gestern!" — „Wird schon wieder gut •en, Kamerabetz!" — „Sollt balde Ruhe und Futter n!"
• a freilich, brav hatten sie sich gehalten, die Burfchen, ----- >a müde zum Umbrechen, hungrig und durstend im — enden Morgen des Wegs zogen ins Ungewisse. Seit Unheilstag von Jena und Auerstedt war ihnen l ein Ruhetag vergönM gewesen. Dem ganzen f Derschen Streitharst, der da von der geschlagenen . en preußischen Armee abgezweigt gen Nordosten chiert war, drei französische Korps — Bernadotte, t und Murat — hinter sich hergezogen hat und noch al die alte Preuhenfahne hell im Wind flattern ließ, imig hatte der Gebhard Leberecht Blücher um sich j tagen; bei Waren und Crivitz, bei Gardebusch und 7// t noch, gestern, beim blutigen Straßenkampf im Lübeck. Da setzte er sich, als der Franzose ein» mgen war, selber an die Spitze der Reserve, stürmte - t das schon genommene Holsten,tor vor. Vergebene.
7 schlimmer, schlimmer Tag, der 6. November 1806.
Igeschlagen hat sich der Held, aber seine Geschütze - r fast ganz, dazu beinahe die Hälfte der Infanterie Z «en.
nb nun ziehen sie an ihm vorüber, die zerschossenen von den Regimentern Borcke und Tschanner, die onerschwadron von Osten und Herzberg, die Ver
sprengten der Bataillone Larisch, Ivernois, Keyserling, ein Trüpplein der tapferen Iorkschen Jäger. Ach, der Bork, der Eisenftesser! Der war gestern schwer verwundet, Scharnhorst auf dem Marktplatz gefangen wor- den. Scharnhorst, der Getreue, den der General als seine zweite Seele ansah . . .
Kommt das erste Bataillon Regiment Kunheim. Die wackeren Burfchen marschieren noch fest geschlossen, reden sich, als sie den General sahen, schauen ihn stramm aus •den todblasien, verschmutzten, übernächtigen Gesichtern in die Augen. Und er lüftet den Hut: „Nur den Kopf hoch, Bursche! Morgen stst auch noch ein Tag!"
Kommt hinter den letzten Rotten eine Bahre. Vier Musketiere tragen sie. Drauf liegt ein schwer Blessier- ter. Ein Stabsoffizier. Langaugestreckt, die silberne Schärpe zusammengefaltet auf seinem Leib, barhäuptig der schmale feine Kopf. Der Rock ist über der Brust geöffnet, ein notdürftiger Verband ist sichtbar und sickerndes rotes Blut.
„Giese!" rief der General. „Vetter! Mein guter Giese!" Und sprang, der Dierundsechzigjährige, aus dem Sattel, warf der Ordonnanz die Zügel zu, lief, stürmte zur Tragbahre. „Giese! Lieber Giese!"
Die Träger hielten. Der Wunde schlug die Augen auf.
„Ist's arg, mein Gkdse?" fragte der General hastig. „Was sagt der Feldscher?"
Ein weniges wandte der Blessierte den Kopf. „Er lügt, Herr Vetter. Ich ... ich weiß es: es ist am Ende . ."
„Will ich gar nicht hören, Giese. Sind ja beide von gleichem Schrot und Korn. Die Doktorsch — was wissen die? Kann ich denn gar nichts für den Herrn Vetter tun?"
Der Blessierte starrte zum General hoch, lieber das gefurchte Gesicht lief ein wehes Zucken. „Frau und Kinder . . ." Es kam mühsam und schmerzvoll heraus. Die Rechte griff nach der Brust, färbte sich gleich rot.
Frau und Kinder . . .
Wie eine Vision zogen vor Blücher die frohen Tage in Münster vorüber. Er sah die stattliche^ trotzige Frau, die ihrem Manne so manrhe harte Ruh zu knacken |
M Melde- und Mri-WsvkiW. i
Einer Korrespondenzmeldung zufolge fand am Don- neLstass.MmI^äahMWmöi^KHe MgWnmgte. Bk, ftzrEmM Wer die WikLMM'-üiAM Md AJag« am Zuckermarkt statt, in der Vertreter des Handels, der Industrie und der KonfumMnossenschaften d ie unhaltbaren Zustände in der Zu Server- torg.ttuLMitdnten.... ;_.j. i_______
Im Anschluß daran fand im wirtschaftspolitischen Ausschuß Los Reichswirtschaftsrats,edonfn!iL.oino^Le-
WchMhLS«Mrss_ . spräche kam der Ausschuß zu dem Beschluß, daß nur durch «in«- umychMl^ Freigabe der Ern-puch-r v-o n- A-u o-l s wd^rr ck-r-r- dem- rsr
WSKtt MOm- kMKn
steuert werden könne. Wie die Korrespondenz erfahren haben mill. fe? dr-mst zu rechnen, Äaß der Mjchss-irt- sWMtKmsiör di« Foeioadx drr Zuckvrenifuhr genehmigen wird.
Im Kuratorium der Reichsgetreidrstelle fand am Donnerstag eine Besprechung mit Vertretern der Landwirtschaft, des Handels, der Mühleninduftris und der Verbraucher über den Referenten-Entwurf der Reichsgetreidesteile betreffend die Getreidcordnung im neuen Erntejahre statt. Der Entwurf wird in den nächsten Tagen dem Reichsernährungsmimsterium, dem Rcichsrat und dem Reichstag zugehen. Das Gesetz soll möglichst noch in der ersten Hälfte des Juni in Kraft treten.
Aller Wahrscheinlichkeit nach wird, der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" zufolge, di« Getreide-Umlage als solche bestehen bleiben, jedoch soll die Landwirtschaft bei der Aufbringung und Der- tellung des Getreides i n st ä r k e r e m M a ße als bisher herangezogen werden. Der Py^is für Getreide dürste sich im kommenden GetreidMhr nicht wesentlich erhöhen, da die Reichsgetreidestell« auch im kommenden Erntejahr zwischen dem Auslands- und Inllandsgetreide die Mitte ziehen will.
Lin Antrag der Sozialdemokraten.
Ein dem Reichstag zugegangener Antrag Müller-Franken und Gen. (Mehrh.-Soz.) ersucht die Reichsregierung, dem Reichstag mit tunlichster Beschleunigung Gesetzesvorlagen zu unterbreiten, wonach für das Wirtschaftsjahr 1922/23 das Umlageverfahren für die Erfassung des Brotgetreides beibehalten wird. Der K a r t o f f e l b e d a r f der .verforgungsberechtigten Bevölkerung soll auf dem Wegs privatrechtlicher Lieferungsverträge sicher gestellt - werden. Damit die Lieferungsverträge auch eingehalten werden, ist der Erfüllungszwang gesetzlich f e st z u l e g e n. Außerdem werden Maßnahmen gefordert, um den schrankenlosen Aufkäufen entgegenzutreten. Im Interesse der Allgemeircheit wird ferner die Bewirtschaftung des Zuckers durch das Reich gefordert. /
gns dem besetzten Gebiet.
* Kurland« als deutscher Schulausfichtsbeantt«. Die Regrerungskommission beSOaargebietS hat den Kabinetts, tbef du PaSquier zum Dezernenten für den französischen Unterricht in den Volksschulen deS Saargebiets ernannt und ihm die Berechtigung zur Vornahme von Revisionen erteilt. — Damit ist cm Ausländer — du Pasquier stammt aus der franz. Schweiz — Aufsichtsbeamter der deutschen Schule geworden. Die Ernennung ist mit dem Friedensvertrag unvereinbar. Auch werden jetzt in Orten, wo c8 gar keine Bergleute gibt, französische Schulen errichtet, zum Beispiel in Dillingen, obwohl nach dem Friedensvertrag solche nur für die Kinder des franz. Personals dettBergverwaltung zulässig sind.
* Redeverbot für Minister kjirtsiefer. Der preußische Minister für Volkswohlfahrt, welcher der Zentrums- fraktion angehört, hatte zugesagt, anläßlich einet Jubelfeier deS katholischen Arbeitervereins in Höchst a. M. am Sonntag, deck 14 Mai, in einer Versammlung zu
reden. Kurz vor der Versammlung wurde dem Minister telegraphisch mitgeteilt, daß ihm das Reden von der Besatzung nicht gestattet worden sei. ES ist weit gekommen,, daß ein Minister im eigenen Lande wegen des: Verbotes einer fremden Macht nicht mehr rede» paifi —— '
Deutscher Reichstag.
Tie Rechtsparteien gegen den Arbeitsrnimstsr.
In gleichmäßigem Tempo schreiten-die Verhaus' hianettiz zfiSerzzzzngnzz, iSjzctizzzbzE» zifteidlS-itf-be-tj’S* mTnl ffcTi irffisT fort7'Zük'RkL7rx^löft"Lrri =anbrtn-ek Nichts von Belang ereignet sich, bis auf einige Ent. rustungSstürme der Deutschen.PolkSparteftalS der ReichSarbeitSmitnstev-. -Dr.- Br««- sich- <» -schneidender diag einandersetzt. Da begehren" ein paar von den anw esenden Herren nur Der Rewten auf — daS ist alles, wa» Las
Im Mittelpunkt der Verhandlung steht ein sozial, demokratischer Antrag, der ein besonderes Gesetz über den Lehrlingsschutz verlangt; danach sollen jugendliche und Lehrlinge unter 16 Jahre wochentäglich nicht länger alö 6 Stunden arbeiten dürfen, während die Ueberschreitung des 8 stündig. Arbeitstages für Jugend» liche und über 16 Jahre zu verbieten sei und noch eine Reihe derartiger Wunsche mehr. Der Minister bittet, den Antrag abzulehnen; er kündigt Gesetze übet die Arbeitszeit, über die berufliche Ausbildung der Lehr» linge und das Arbeitsgericht als in Aussicht stehend an und hält es darum mit Recht für angebracht, über diese Materie jetzt noch nicht zu sprechen. Der sozialistisch« Antrag wird abgelehnt.
Der Rest der Debatte erstreckte sich auf die Reform und die Vereinheitlichung deS Sozial-Ber. stcherungswesens, das in der sozialen Gesetz, gebung und bei der fortschreitenden wirtschaftlichen Notlage deS Volkes eine starke und bedeutende Rolle spielt.
Am Freitag wird die Beratung fortgesetzt toerbeil -----—------
Preußischer Landtag.
Der haushakk des Doikswohlfahrts-Mniskeriumr.
In der Vollversammlung des preußischen Landtage» am Donnerstag sollte endlich der Berghaushalt'in zweiter Lesung erledigt werden.
Nach einigen unwesentlichen Auseinandersetzungen kam es zur Abstimmung. Die Anträge des Haupiaus- schusfes gelangten fast durchweg zur Annahme mit einigen wenigen Ausnahmen. Die aus der Mitte des Hauses hervorgegangenen Anträge wurden teils abgelehnt, teils den Ausschüssen überwiesen.
Die viel umstrittene Frage eines Großkraftwerkes Hannover wurde dann von der Tagungsordnung ab- gesetzt und man begann mit der Beratung des Haushalts des Ministeriums für Dolkswohlfahrt. Der Ausschuß hatte eine Reihe von Anträgen befürwortet, die eine beträchtliche Ueberfteigung des vorgeschlagenen Haushaltsplanes ins Auge fasten. Bei der Wichtigkeit und Vielseitigkeit des Ministeriums k«We es nicht ausbleiben, daß von den verfchiedensten^Seiten eine Reihe von Entschließungen eingebracht wurden, ein Zeichen dafür, welches Intereste jetzt dem neuen Ministerium entgegengebracht wird. Die verschiedensten Wünsche und Punkte tarnen dann bei den Rednern auch reichlich zum Ausdruck: Krüppelfürsorge, Tuberkulosenbekämpfung, Staatsbäder, Ernährungsbeiräte, Sittlichkeit, Bekämpfung der Seuchen, Versicherungswe- fen, Kleinrentner, das alles und noch vieles mehr wurde in kürzester Zeit dem Hause dargeboten.
Doch die Hauptdiskussion wird erst in den nächsten Tagen stattsinden und so vertagte man sich auf Freitag,
Gewerkschaftliches.
.= ckiftnbahneriagi!«-. In den Tagen vom 27.-SL Mai hält bekanntlich der allgemeine Eisenbahner- Verband seinen alle drei Jahre einmal stattfindenden Delegiertenkongreß in Nürnberg ab. Die Tagesordnung weist außer den üblichen geschäftlichen Beratungsgegenständen auch einige sehr aktuelle Themata auf. So wird Dr. Heinz Potthoff-München über die Besteuerung der Arbeit und der Grundrenten, Reichs-
aufgegeben, und die er doch so heiß liebte. Er sah die sechs Kinder; fünf Mädels — die „Orgelpfeifen" hatten sie in der Garnison geheißen — und den Spätling, den Jungen — und er sah sie plötzlich in schwarzen Trauerkleidern, sah sie in Armut und Not.
Tiefer beugte er sich über den Todwunden: „Giese, was Blücher für sie tun kann, tut er. Mein Wort drauf und meine Hand." Griff die Rechte, hielt sie fest, fest, blickte auf das rote Blut ...
Wollte wohl noch lügen, wie der Feldscher, kriegte es nicht über die Lippen.
Drüben, auf Lübeck zu, Hub das Feuern an. Kleingewehr, bann ein paar vereinzelte Kanonenschüsse.
„Euer zweites Bataillon, Giese ... die "Sakramenter lassen nicht ab von uns!"
Zum ersten Male stöhnte der Major laut auf. Hob den Kopf, ließ ihn gleich sinken. Die Lippen bewegten sich, wollten sprechen, hatten noch etwas zu sagen. Aber es kostete einen Kampf, bis endlich die Worte fielen, einzeln, in Pausen: „Unser altes . . . stolzes Preußen . . . geht unter . . ."
Da fuhr der Gebhard Leberecht hoch: „Ne, Giese! Um Gott nicht. Wir können fallen und sterben . . . un- ser Preußen» das bleibt!"
Hatte hart und rauh gesprochen, der General, hart, rauh, eisern. Wurde gleich wieder weich: „Nun fort, mein Alter. Sich neu verbinden lassen! Wird schon noch werden. Und morgen in der Früh', da greif’ ich die dreimal verdammten Hunde an und schmeiß' sie wieder nach Lübeck hinein . . . Vorwärts, ihr Bursche, und ordentlich sanft zugefaßt . . ."
Lüstet den Hut. Stand dann noch und lauschte in die Ferne Das Feuer kam näher, der Feind drängte stark. Zlutz von Osten her dröhnten die Kanonen. Wenn nur Travemünde sich hielt, daß die linke Flanke nicht bedroht wurde! Das Frösteln überlief den General, dies Frösteln, das sich seit Tagen wiederholte, immer wieder. Fieber, hatte der Medikus erklärt. „Ins Bett, Exzellenz!" Fehlte grabe noch . . jetzt ins Bett. 3n den Sattel, das galt!"
Winkte der Ordonnanz, schwang sich auf den Gaul, ist erst im schanken Trabe, bann langsam und immer
langsamer auf Ratkau zu geritten. Meldungen kamen von vorn, überholten ihn von rückwärts. Dix von rückwärts: daß der Feind mit sich stets steigernder lieber- macht nachdränge, daß die Arrieregarde bis Schwartau ausweichen müsse. Die von vorn: daß die Truppen in Ratkau nicht unterzubringen, daß es gänzlich an Fleisch und Brot ermangele. Kann sich der Soldat schlagen» so er Hungen?! Stärkerapports kamen: die Bataillone, die Kompanie auf die Halste zusammengeschmolzen, aus ein Drittel. Fast kein Geschütz mehr, nur noch die Kavallerie war leidlich brauchbar.
Aber der trotzige Tollkühne wollte angretfen. Er ha es dem Blessierten nicht nur zum Trost gesagt. Was ei an Reitern hat, wird er juammenraffen, wird mit ihnen über die Sakramenter herfallen, wie Sieten aus dem Busch, sie auf ihre Reserven zurückwerfen, bis $ulq Schwartau, bis unter die Mau-rn von Lübeck.
Ausschau hält er, rechts und links ins Terrain. Doch da reiht sich Knick an Knick, da ist kein Feld für eine frischfröhliche Attacke. Und überall, wo er Truppen. überholte, sah er in den mageren Gesichtern der Bur- schen den Hunger. Und überall, wo er fragte, kam die Antwort: keine Patrone mehr, Exzellenz! Wie sollen wir uns wehren ohne Patronen, Exzellenz?! Immer düsterer wird das einst so fröhliche Husarengesicht. Wieder schüttelt ihn das Fieber. Und da kommt der Herzog von Braunschweig auf schaumbedecktem Gaule: Travemünde ist gefallen — . . ...
Er mußte stch's wohl gestehen: er war umfaßt von allen Seiten mit seinen knapp sechstausend Mann vyn einer fast zehnfachen Uebermacht. lieber die nahe dänische Grenze konnte er nicht. Er wußte, der horten kommandierende General würde ihn mit Kanonenschüssen empfangen. Das Trauerspiel war zu Ende.
Am 7. November in der Frühe hat er in Ratkau die Kapitulation unterzeichnet. Mit allen KriegsehHn, die ihm Marschall Bernadotte zugestand, zähneknirschend setzte er sein „Blücher" unter das Schriftstück. Aber un. ter den Namen, das ließ er sich nicht nehmen, schrieb er: „Ich kapithulliere, weil ich kein brat und kein Muhnition mehr habe." Und das ist die lautere Wahr- beit gewer - * (Sortf. W4