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Tsnnlag, 14» SRfti 1922. - Fuldaer Leitung -------

le in wurde

in der Nacht zum Sonntag von dem 20 Jahre atten- Photographen Peter Senz aus Saarbrücken gestohlen. Senz hotte ein VerhÄtnis zu der Frau eines Bahnbeamten, die ihrem Monn den Schlliffei entwendete, mit dem der Einbruch verübt wurde.

* 770 Mark für eine Flasche Sekt. In Berlin wurde kürzlich morgens um 2 Uhr eine Diele in der BAowstraße ausgehoben und etwa 40 Perso­nen angetroffen, die größtenteils Sekt, die Flasche zu 770 Mark tranken. Einige Personen, die sich nicht ausweisen konnten, wurden der Wache zu­geführt.

* Hochhäuser in Berlin. Um der stetig wachsenden Wohnungsnot abzuhelfen, plant man in Berlin große Hochbauten. Ns Baugelände Lienen meistens Rummelplätze. Diese Hochbauten sollen hauptsächlich zu Bürozentren für große Werke, Filmateliers und Hotels dienen. So ist ein Hochhaus geplant mit 3000 Räumen in 10 Stockwerken. Die deutschen Bauten werden nicht so hoch gebaut wie die amerikanischen Wolkenkratzer, weil diese größeren Gefahren, beson­ders dem Feuer, in erhöhtem Maße ausgesetzt sind. Die Kosten für ein einziges Hochhaus werden von Fachleuten auf eine Milliarde geschätzt. -

* Der grdrchleje Fingerabdruck. Der därrische Poii- zeiinspekwr Jürgens-Kopenhagen hat ein neues Ver- fahren entdeckt mrd in Berlin bereits einer internatio­nalen Versammlung von Polizeileuten vorgeführt, wo­nach der Fingerabdruck eines jeden Menschen genau beschrieben und aus eine Zahlenformet gebracht roer- len kann, die mir für den Betreffenden zustrmmt. Auf Liese Weise können jetzt Fingerabdrücke sogar tele- gr aphisch oder telephonisch weitergegeben werden. Wenn es jetzt die Herren Verbrecher nicht mit der Angst zu tun kriegen?

* 18 Jahre in der Themse. Am 4. Mai wurde eine Flaschenpost von der Themse ans Ufer gespült, die nach dem einliegenden Zettel am 20. Juki 1904 ausgesetzt worden war. Hiernach hat die Flasche 18 Jahre lang in der Themse gelegen, ohne ins Meer ab» getrieben oder zerschellt zu werden.

Hose im R h e i n g a u die Tanzmusik geliefert hatten ein etwas hohes Honorar forderten, wurden die Tür» zer derart unwillig, daß sie die sieben noch allen Re> geln der Shinft verprügelten. Leider wurden Labs mehrere Geigen und B-.aßinstrumente stark beschädigt Das Nachspiel dieser eigonartigon ZahllMgsmethoü« wird nicht ausbleiben.

* Bund gegen Wucher und Teuerung. In S t u t t- gart hat sich dieser Tage ein Bund gegen Wucher und Teuerung gebildet. Er will alle Bolksgenossen, die unter der Teuerung leiden, zu e.iter Einheit gegen weitere Steigerungen, Luxus und Verschwendung zu­sammenschließen.

sterblichen Teils so wesenLich beiträgt. Vor dem Kriege schon war es Mich geworden, den Soldaten Zucker zu geben, damit sie in Fällen besonderer An­strengung sich daran erfrischen sollten. Das Verfahren bewährt sich, da der Zucker rocht schnell und vorteilhaft auf die Muskeln des Körpers wirkt. Während des Krieges wurde leider aus verschiedenen Gründen der Zuckervorrat knapper, wie ja so viele andere Hilfs­mittel mehr und mehr versagten. Wenn die Soldaten im Fchüe andauernd mit Zucker und zuckerhaltigen Nahrungsmitteln reichlich versorgt gewesen wären, hät­ten Kraft und Mut länger ausgehalten.

In meiner Kinderzeit, als der teuere Süßstoff noch vorwiegend aus fremdländischem Zuckerrohr gewon- nün werden mußte, wurde uns der Zucker als ein Luxusartikel hingestallt und die Nascherei als schwerer Frevel bchandelt. Die nachfolgenden Jahrgänge hat-

pflcgtcn Siratfcart über dem niedrigen _ Umfallkragen fogar in dem völlig verarmten Moskau, wo äußere Eleganz nir» xenbs mehr ju finden ist, Lächeln. Er fährt ut®ent im Automobil ober an Wagen. Er haftet im Amt durch Kor­ridore, um selbst nach Telegrammen oder Akten zu fragen, aber er verzettelt euch seine Zeit,, verlegt Papine und kennt Ordnung weder im Arbeitszimmer noch auf dem Schreibtisch, an dem das diplomatische Krmstwerk der ver­wobenen SkMäce irt't dem iflamlsci-ev Nachbarn sein ftaatsmäimischs Meisterstück entstand.

Lebensfreuden abhold und eingefleischter Junggeselle, meidet er die Gesell schäft namentlich von Frauen. 3hre Auren suchen ard) kaum den vornübergebsugten hageren Marigi im abgetragenen Anzug, der niemals ohne Rs- garfdjirm ein Typ des proLetarifchen Rußland, ohne Gruß und ohne um sich zu blicken, durch die Straßen eilt. Am Tisch zu ®cm?a jedoch sitzt der Aristokrat, der feinen Frack zu tragen weiß und rn der Unterhaltung wie M der Debatte alle Feinheiten von fünf Sprachen kennt. Dort wünschten staunende Augen das Rütsei des Edctman- nes im Dienst des Bolschewismus zu lösen.

Seine Vergangenheit erklärt wohl den Tschitscherin von heule. Schon der Diplomat des Zaren, gatt als Liberaller, aber auch als Nationalist oder als Parrslawift, befreit. vom Hunger nach Macht für Rußland. Die Arbeit im Amtszimmer unter dem Dach stillt seinen Hunger, obwohl die Weit seiner Gebührt im »Es war einmal" versank. Leicht, federleicht aber wiegen für MSimer von Tschitscherins Art Reichtum und Bchaxen neben dem Bewußtsein,, als Mehrer tzre» Batevlardos das Schicksick von Völkern zu geftaLen. Wieder griff feine Hand weit über Rußlands ©rangen, als er die schrägen Buchstaben seines Na mens- $iscs unter den Derdnag von Rapallo setzte. Durch den Brr: der tmsfirjd Teufeleien und Torheiten, den zu Dev- sallles der Haß türmte, ging alsbald vernehmlich Knistern und durch die Reihen der Vertreter Polens unid der^Rand» fta-sten das tuschÄnde Fragen, ob nicht die Zeit für An« lehnm an RuMad oder Deutschland gekommen sei--

Neue Bücher.

Mmtrlitnenmatn der hl Ignstlnr von Lryol». von A Zeder 8. J. Regensburg 1922, Pustet. Hier erscheint Die erste deutsche Ueberfetzung der Lebenselinnerungen nach dem spanisch,italienischen U>text, zu der der Ueberseßer eine längere erklärende Einleitung vorausschickt und mit den nötigen erklären­den Anmerkungen versehen hat. Sie fuhrt sich ein zu einer sehr entsprechenden Gelegenheit, zur dritten Jahrhundertfeier der Heiligsprechung Jmatius o. Leholas. Wer empfände nicht das lebhafteste In» teresse an Lebensbeschreibungen, die der Stifter der Gesellschaft Jesu selbst hinterlassen hat. Freilich das Interesse einer Autobiographie bietet die Biographie nicht. Dem bemühten Heiligen wäre es unmö.iltd) gewe en, sechst zur Feder zu i reifen, um fein wechsel- volles und gottbegnadetes Leben zu erzählen, er mutzte zu den Mitteilungen geradezu gezwungen werden. ES bedurfte daher der nahdrücklichsten fort esetzten Bitten zunächst des von ihm hoch eschätzten P. Rabat und dann anderer feiner Söhne, um ihn am Abend seines Lebens zum Nachgeben zu bringen. Man konnte ihn nur da­durch überreden, daß man e8 a>S ein dringendes Be­dürfnis der gesamten Gesellschaft chinstellte und ihn air daS Beispiel anderer Orbensstifier hinwies, die ihren Löhnen öoi ihrem Tode ein geistliches Tenament hin» terlaffen hätten. Dies wirkte, aber eine Zusa e gab es noch nicht, sondern überlegte erst lange im Gebet, ob er eine definitive Zusage machen sollte. Drei Bäter« trug er auf, drei heilige Messen in dieser Meinung zu lesen; wiederholt muhte er an feine Zusage erinnert werden. Endlich im Jahre 1553 erklärte er den Vätern GonzaleS und Polanko: Magister Nadal und andere Mitglieder der Gefeüfchaft hätten ihn oftmals unt etwas gebeten, aber er habe sich nicht rntschttetzer» Sännen. Doch nachdem er sich gesammelt, fühlte er einen mächti en Antrieb, die Sache auszuführen; er wolle alles erzählen, was bi- auf diese Stunde in ferner Seele vorgegangen sei. An einem Lage des Septem­bers lies er P. Gonzales ruien und begann feine ganze

von TMfcheM, dem vielgenannten Führer der Sowleldslegation in Genua, weiß dieAllg. Zig." zu erzählen:

I Mit her vibrierenden Stimme fchmerzKch ®e?.n?ter endet Dar!Hou am Genueser Konferenztisch eine feierliche Rede:Frankreich darf nicht zuaemutet weiden. die Ab- vüstung zu Lande vor den SowsetÄelsgieri«n zu erörtern!"

Ein hagerer enabrüstiger Rusie mit dmcktem Kiimbart sicht auf..In Washingtlm," sagt er,welgsnte sich M. Brand, die Abrüstung zu Lande zu erörtern, weit Ruß­land nicht vertreten war." Und schon sitzt er wieder in feinem Sessel.

Seife und sanft, aber doch wie Peikschenschlan, klangen die trcckenm Worte, und im beklemmenden Schweigen suchen staunende Augen den sc^agfortigsn Georg Tfchst. scherin, der mehr «'s einmal an Europas Spieltffch mA einem Meisterzug feinen Gegner schachmatt gesetzt hat.

Es ist die Sphinx der Konferenz, ihr trnwägNwer Faktor, 'der kommenden Geschlechtern als ihr Großer gellen mag. Während die Telegva'phendrikhte seinen Namen arn die Eide tragen, gem'imt er mit diktatorischer Rede Lands, leute für feine Auffassung öder rerhandelt in wöltmänni- schsr Geschmeidigkeit mit Deutschen, Engländern, F«m- zosen in ihren Sprachen.

Daheim ist er em anderer, skller Mann. Wenn dos verödete Moskau in nöckMchsm Dunkel vom Glanz seiner Vergangenheit träumt, sticht aus den Fenstern des Aus­wärtigen Amtes noch btettfenbes Licht in die Nacht. Oden, saft unter dem Dach, arbeitet in einem un-wohnlich kahlen Zimmer oft bks zum Mo-vgerMm-menn der Staatsmann, der die Wett durch den Abschluß der Verträge mit. der Türkei. Afghanistan, Persien und mm auch Deutschland verblüffte. Nicht besonders sorgfältig gekämmtes Haar gibt seine hohe DtAnwölbung frei, und ans kluaen TiSn- mrmugen trauert jener Hang zur Einsamkeit, der Men­schen gern meidet und vielleicht verachtet. Sie ruhen im Gespräch selten in der Pupille emes Gegenüber und st-chm über den Kopf hinweg nach Größerem Weiterem. Doch frei von Scheu ist der Blick wie der von ganz großen Herren aus HintsiWäLdom, die me-mals Höhere' und Be- fsngenheit kannten.

Tschi^fcheckn ist Edelmann aus.altem Haufe, aber Lenin fetzt Versvauen cchnje Grenzen in den Mann, dvr nach der Rlovolut'ion alle Gcld-a-nken an seinen einst reichen Besitz und die Laufbahn im diplomatischen Dienst des 3oren_mit stoischem Achselzucken abtat, um mit leiden- schaftlech zähem Eifer einer Regierung zu dienen^ die jede (mrrrenmg an das schönere, stolzere Einst es ist bas bie Borhcdingung ihrer EMenz zu verbannen bemüht ist.

Mohr sein als scheinen will Tschitscherin. Der Mann ckA- fränkischer Einfachhest weckt in seinen Sbremiftten Kleidern von gänz'ich unmodernem Schnitt, mit seinem wenig ge-

* Der Fall Simfon. Die Bah Schrobenhausen mit 97000 Mark

der Honig, der damalige Stellvertreter des Zuckers, als Kraftquelle gepriesen.

Ich glaube, auch in diesem Zeitalter des Rüben­zuckers sollte man die Parole vonMilch und Honig" beachten und dahinstrebsn, daß die Imkerei in Dsutsch- lanfr wieder in Aufschwung kommt. Wenn ine Land­bewohner einige MiLionvn Bienenkörbe mehr auf» stÄltsn, so könnten diese fleißige Infekten erhed.ick Ä beitragen, daß die Lücke auf dem Zuckermarv

t wird. Der Bienenhonig ist wirklich der feinste Süßstoff.

öm übrigen bin ich der Meinung, daß zur Hoiluw der Kinder und der Kranken und zur Rettung der dem»

vermischter.

*Heidelberger Studenten". Der Sohn eines Frankfurter Fahr.kamen brannte in Bereitung eines Freundes und einer Summe von 200 000 Mark nach Köln durch, allwo man jein Kapital in heiterem Le- bensgerAß, Wein, Sekt und anderen guten Sachen nutzbringend deponierte. Die Ausreißer, die als He belfer gar Studenten auftraten, fielen bereits nach 4 Tagen der Polizei cuf und wurden foftgenommen. Bei dem Fabrikantensohn fanden sich noch 132 000 Mk. vor.

* prügel siech Zahlung. Da sieben Kirchheuner Musikanten, die fei einer Fcst-ichkeit in einem Gast-

störungrn besonders bei jungen Flaschenkindern, wenn der Zuckermangel andauert.

Wo bleckst denn der Zucker? Es ist die alte Ge­schichte: wenn die Zwangsavirtschast in einem Artikel aufgehoben wird, so rufen sie alleUff" und denken, jetzt könnte man nach Herzenslust kaufen zu billigem Preise: aber das Ende vom FreihondH ist, daß man im Schleichhandel Wucherpreise bezahlen oder darben muß.

Landtage bezwecken mrch nur eine Einwirkung der Staatsregierung aus das Reich.

Nun ging- aus den Darlegungen des Landwirt- schaftsministers hervor, daß dir preuß iche Staatsregie­rung sich auf das U m l a g e v e r f a h r e n für Ge­treide bereits festgelegt hat. Die Reichsregierung Hai noch keine Entscheidung getroffen; mit den landwirt­schaftlichen Organisationen wird noch verhandelt. Das geltende Umlage-verfahren ist gerade bei mittleren Landwirten sehr unbeliebt. Es ist deshalb nicht wün­schenswert, daß die preußische Negierung ihren Ein­fluß einseitig nur in dieser Richtung ausübt. Abg. Kloft geißelte auch bie Mißstände in der Zucker- verso r g u u g und die Preispolitik der Zuckerwirt- schaftsstelle.

Das Zentrum faßte seine Anregungen' in for- genbem Anträge zusammen:Der Ausschuß wolle beschließen, dem Landtag folgenden Antrag zu unter­breiten: Der Landtag wolle feschließen, das Staats­ministerium zu ersuchen, bei der Reichsregierung darauf hwzuwrrken, daß in Verbindung mit den land­wirtschaftlichen Organisationen 1. die Sicherstel- lung der Getreideversorgung für die -n-inderbemittelte Bevölkerung im kommenfen Wirt­schaftsjahr hi ausreichenden Mengen und zu erträg­lichen Preisen erfolgt. 2. in geeigneter Weise Maßnahmen für die Kartoffelversorgung ergriffen werden, ferner darauf hmzuwrkcn, daß 3. die Zuckerwirts chasts stelle verpflichtet wird, vorweg und in ausre chrndem Maße die Versorgung der Bevölkerung durchzuführen und die Preisgesta'- trmg in ertränllchen Bahnen zu halten. Die zuSer- verarbeitenfe Jndrrstr'e darf erst in zweiter Linie be­liefert werden. 4. Die Verschiebung von deutschem Zucker ins Ausland mit allen zu Gebote stchendm Mit­teln verhindert wird."

Bei der Abstimmung würfen die soziakistischrn An­träge abgelehnt. Die Dentschnat on-alen zogen einen Antrag über die Zirckerversorgiuny zugunsten des Zen- trumsantrages zurück. Der Antrag des Zentrums wurde angenommen. HoffenLich gelingt -es, in den Verhandlungen mit den landwirtfchafllichrn OrMsisa- tionen einen Weg zu finden, der für alle Teile an­nehmbar ist.

ten es schon erheblich besser. Man lernte allmählich, unsere einheimische Zuckerrübe zweckmäßig anzubauen I und raffiniert auszun-utzen, so daß Deutschland das

süßeste" Land von Europa wurde. Wir hatten nicht b. selber billigen Zucker im Ueberftuß, sondern konnten fo viel Zucker an das Ausland liefern, daß die Schutzzöllner in den anderen Ländern sich gegen die Ueberschtvemmung mit deutschem Zucker zur Wehr setzten. Wo sind die schönen Zeiten geblieben? Die | giiirstigen Beding-ungen für den Rübenbau und die

Fabrikation des Zuckers sind leider gefchwun-fen; aber geblieben ist der Zucke-rhunger, der «r jener Zeit sich entwickelt hatte. 3a, das Vedürsnis nach Zucker ist fc?2r gewachsen, da gerade fei dem Mangel an Fett und sonstigen KrafMahrunvsmitteln der Zucker als Quelle der Wanne und der Tatkraft besonders begehrt wurde. St» der Not greift man auf das Saccharin Mrück, '-4 Jenen falschen Süßstoff, der höchstens im Gau--«i ein betrügerisches Kitzeln hervorruft, ober dem

| e'<PCT gar keinen Nutzen brmgt.

Wie, rrartvo§. der wirkt che, ehrliche, kräftigende Süßstoff ist, haben die Vorfahren schon vor Tausenden ron ,?c^ren gewußt. Wenn im alten Testament die Herrlichkeit des gelobten Landes geschi.fert wird, so heißt cs, Paläst na flösse von Milch und Honig. Diese <)>u-aminei:ft?3mtg ist sehr bezeichnend^ In gleicher

Kus dem IlachdaraMet.

Harmerz. Der Rrie^gerverein Harmerz be­absichtigt sein 13. Stistungssest, das erste wieder nach Kriegsende, am 28. Mai festlich zu begehen. Er bittet die umliegenden Vereine, auf diesen Festtermin in ihrem Sommerprogramm Rücksicht zu nehmen. Nähere Mit­teilungen erfolgen durch die Fuldaer Zeitung.

----- Somborn (Freigericht). Am 1. Mai würfe Herr Kaplan Amon Wohlgemuth, der über drei Jahre zu Somborn im Freigerichte wirkte, als Gene- ralvikariatssekretür in seine Heimatstadt Fulda versetzt. Die Pfmrei Somborn verliert in fe tt Scheidenden einen äußerst eifrigen, gewissenhaften Seelsorger und guten Predige.. Obwohl seine berufliche Tätigkeit in­folge der weiten Wege nach Bernbach, einem großen Fllialorie, sehr iMstrengend war, wandte er sein Herz noch gang besonders der Somhorner Jugend zu. Ein blühender Jungmänner-Verein> der sich aUfettiger Be­wunderung und Wertschätzung erfreut, sicht in ihm fernen Gründer und Lehrer. Mit viel pädagogischem Geschick hat er es verstanden, Angehörige aller Be- russ-kl-asssLN in Mefem Vereine zu fammdhi. Sein dauerndes Bemühen, jedes einzelne Atttglied mit den Ideen und Zielen der kath. Iugendberoegung bekannt zu machen und zu beleben, ist mit fern besten Erfolg gekrönt. Hervorragendes leistete der Verein in den Aufführungen des MysterienspielsParadies und Brudermord", die wie kern zweites Theater im Frei­gericht besucht waren. Bei einer gemütlichen Abschieds- fe':cr der Mitwirkenben würdigte Herr Lehrer Hu- pach die großen Verdienste des Herrn Kaplan in Somborn und wünschte ihm im Namen aller noch eine recht erfolgreiche, oieljährige Tätigkeit auf dem Gebiete der Jugendpflege und hn Weinberge des Herrn.

spd. Gießen. Am Sonntag findet auf Einladung des Hessischen Bauernbundes eine große Piotest- versammlung der geiamten obeihessischcn Bauern­schaft gegen die geplante Reichs-Getreide­umlage statt.

fpd. Gcm inden a. M. Mit großem Z schen ging ein rot gliujenöet großer Meteor duekr neben dem Rachaus nieder.

scheu Arfe lskrast überhaupt unbedlngt der Zuwrrnum- gel behoben werden muß. Wenn es nicht anders geht, so muß die Zwangswirtschaft wieder hergestellt wer­den, damit die bedürftigen Personen roenigstens bar allerrwtWcndigstc an Zucker sicher erhallen können. Es g-cht nicht an, daß ein Teil des Volkes um Gesund-' heil mrd Leben gebracht wird, weil ein anderer Teff in Süßigkeiten schlemmt.

O

Darf ich zum Schllrflc noch einen moralischen Sei« trnsprung machen?

Der Leib braucht Zucker. Braucht die Seele fei1 nen Süßstoff?

Es kommt nur manchmal vor, als ob bei der Er- ziehung in Haus und Schule zu sehr mit Essig und y wenig mit Zucker gearfe tet würfe. Es gibt Eltern und Lehrer, die immer nur verbieten und tadeln und schelten und strafen, eher kein Wort der Anerkennung üfer ihre gefteangen Sippen bringen Das ermg'1 Rügen wirkt n'eferbrütfenb, ent-mutigend. Der Zög­ling wird verdrossen und denkt schließlich: Es hllfi ja doch nichts, wenn ich mich bemühe; ich bin mal rer- urte si als unverbesserlicher Dummkopf rmd Bösewicht!

Welch eine Erfrischung, welch eine Stärkung kann man fo einer bedrückten Seele verschaffen wenn mar ihr ein bißchen Lob gönnt für einen kleinen Fortschritt, ein herzl ches Wort der Teilnahme und des Der. -trauens einf.ießrn läßt! Das wirkt wie ein Stück Zucker, da- fen wankenden Soldaten vor fern Schlapp-' werden rettet.

ßroMmgiltagro im »ikllbWn üanOiag-

yOa Prof. Grebe, Mrtgl. d. Landtags.

In dem Haushalt des preußischen Staatsmmiste- riums und des Mm.stcrpräsidenten ist auch der Siamstom.Tjiifar sür Voiksemährung uckergebracht, lang war der Reichsernährungsmimster zugleich preu- ßlscyer Staatskommisjar für Vcüksernährung. Dtit fern Abbau der Zwangswirtschaft wird ein besonderes Staatstommijiariat immer mehr überflüisig. Bei dem PcrjonelMHechsel im Reich-ernährungsminiftM iiu.n würfe deshalb das Staatskommissariat für Bolkscr- nährung in eine Abwickumgsstelle umgewandelt und das Lcmdwirrschafisministerium mit den Geschäften beauftragt. Als Abwicklungsstelle kam das Staats« fommifiar at für Bolksernährung in den Haushalt des Stoateminifteriums. Ob diese Regelung wünschens­wert ist, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Jedenfalls erhielt fei Hauptausschuß da­durch Gelegenheit, in seiner Sitzung com 9. und 10. Mai die Ernahrungssrage ausführlich zu be- ha-ndeln. Das Zentrum hatte bereits eine große Anfrage im Landtage eingebracht, in der die Regierung ausgefordert wwd, schleunigst in der Eifel und im Hunsrück ferch Lieferung von Futtermitteln die Dieh- hallrmg vor einer Katastrophe zu bewahren. Abg. Rhicl (Z.) wies im Haupiaussthuß mit allem Nachdruck auf die Dringlichkeit diefer Sache hin. In Gebirgsgegenden komme es darauf an, das Vieh über die nächste Zeit Hinwegzubringen. Es muffe vor allem auch für Rau futter gesorgt werfen. Der Landwirt- schaftsminifter Dr. W c n d 0 r f f erwiderte darauf, daß infolge der großen AnfraM des Zentrums bereits «n 6. Mai eine Aussprache mit fen Abgeordneten der beteiligten Gebiete stattgefunden habe. Am 8. Mai fei mit fern Regierungspräsidenten verhandell; ein Kommissar mit weitreichenden Vollmachten fei in das Notstandsgebiet gesandt und der Finanzminister fei here.t, erhebliche Mittel zur Verfügung zu stellen.

Im weiteren Verlaufe gestalteten sich die Ver- hmr-dlungen wieder zu einem Kampfe um die Zwangs­wirtschaft, besonders das Umlageverfahren in der Landwirtschaft. Die drei sozial.sti- schen Parteien brachten Anträge ein, die dies Verfah. ren fetfefelten wollen. Die Kommunisten be­antragten nicht bloß eine Ausdehnung des Umtageoer- fahrens, daß den Groß- und Mittelbetrieben nur die »Sur -Fortführung der Produktion der erforderlichen Diengen" lassen sott, sondern sic wollen zm Durch- suhrung fes Ablieferungszwanges dieOrganlsattonen der Landarbeiter, Kleinbauern und .Kleinpächter" her- anziehen und die Verteilung und Preisfestsetzung der Kommunen unter ausschlaggebender Mitwirllrng der vorgenannten Berufsorganisationen sowie der Äon« stMrentsnvereinigungen übertragen. Die Unabhän­gigen verlangten eine Erhöhung der Menge des Ge­treides fei dem Umlageverfahren mH feine Ausdeh- ramg auf die Zucker- und Kartoffclwirtschast. Die M e h r h e ! t s i 0 z r a l d c m 0 k r a t r « beantragte ebenfalls die Beibehaltung bezw. Erwerterung des Um» lageverfahrens in fern gleichen Umfange wie die Un­abhängigen und verlangte ferner, daßhie Preise für feefe Lebensrnittel in einer für die breiten Schichten der Bevölkerung erträglichen Höhe festgesetzt werfen und die orgamsatorischen Maßnahmen zur wirksamen Erfassung der Umlagemengen getroffen werfen."

Die Lage fer VolkSerirährung ist sehr ernst. Einiae Ziffem, die der Llmdwittschaftsminffter anführte, mögen das dartun. Die Produktion im Inlanfe ist erhoblich zurückgegangen. Die Anbaufläche ist um 16 Prozent geringer als vor dem Kriege, fer Er- I trag ist um ein Drittel gesunken. Des dem Schlacht­vieh prägt sich fer Rückgang besonders in fern ge­ringeren Schlachtgewicht der cinzeinsn Tiere aus, das z. B. bei den Rindern von 250 auf 150 Kg., bei fen Kälbern von 70 auf 31 Kg. gesunken ist. 1913 lie­ferte die heimische Mehhaltung 2,4 Milliarden Kia Fleisch, 1921 nur 1,1 MMarfen. Die Einfuhr von Nahrungsmstteln gestaltet sich bei fer stehenden Geld­entwertung immer schwieriger. Sie erforderte im laufenden Jahre 2% Milliarden Golfeark 2B;e

Summen (bei einem Dollarstwrfe von 300 rund 170 MMarfen Papiermark) beschafft werden sollen, bereuet ernste Sorge. Angesichts dieser Sachlage muß alles geschehen, um wenigstens die wichtigsten Nahrungsmittel in fen notwendigsten Mengen und zu I er.chwmgllchen Preisen sicherzustellen. Ein schüeTes Anwachsen fer Erzeugung ist nicht zu erwarten; wir können nur mit einer allmählichen Steigerung rechnen. Um so notwendiger ist es, die Volksemäh-

°us der heimischen Ernte soweit wie £u sichern. Die erforderlichen Maßnchmen sinö^Sa-che fes Reiches. Die Anträge tm preußischen

Unpolitische SeitiLnse.

Von Fritz Rrentemper.

Berlin, 9. Mai 1922.

..Js ^>e.n- Nrt eine bchäbige Madume und macht reichllch Einkäufe. Ein fescheifenes Mütterchen tritt herein.

Sie wünschen?"

Etwas Zucter möchte ich kmrfen."

Ja, Zucker mörhlen wir feCber haben."

«- »Elch Gott, ich brauche ihn so notwendig. Meine liegt frttif und bat ein Flaschenkind mrd wir haben kein Krmnelchen Zucker mehr/

Bedauere sehr; was ich nicht habe, kann ich nicht oerkausen.

Das Mütterchen geht mH die bchäbige Madame jagt:

Schade, daß Sie keinon Zucker mehr haben; ich fech-e hoeg ein Pfund mitzunchmew" Der Lafen- jiMgung gnnft so freundlich, als wenn er phoiogra- phiett werfen sollte, faßt unter fen Lafeiitisch mH hott ein Päckchen hervor:

Hier, gnätege Frau. Extra für Sie resewieri. Für unsere alten Kunden sorgen wir."

Nun möchte ich gerne Keiler berichten, bie belaste uicaoame sei fern fefüranerten Biiitterchen nachoeeilt und Hube ihr angeboten, das Pfund Zucker mit ihr zu teilen. Aber das märe Dichtung statt Wahrheit. Sie trug d-w erbeutete Pfund Zucker vergnügt nach Haute und freute sich fefen auf den süßen" Kaffee und den leckeren Kuchen, fen sie backen wollte. Es kostete frei- «ch 16 Mark, eher was macht das beuteitiace aus? Anferswo bezahlt mtm schon 20 Mark.

Wo fer Zucker ein Luxus tft, da findet er sich JSo £zr Zucker eine Leben-notwendiakeit ist, da fehlt er.

Der Sicg'ftrat von Greß-Deelm hat einen Not­schrei erlas'en an den Starte!omm fer für Ernährung, «r frrrt: Die Apotheken können nicht fen Zucker er­langen, fen sie Für die Herstellung von MsbikameMen Die Aerzte in fen Säuglinge- und Klein- ruHersürlorncstcAen befürchten ernste Gesundhe.ts- *

1 Der .3'Ufer ist seit einem halfen Jahrefrei", d. h. alle, die mit Zucker ein Geschäft machen wollen, kön­nen sich über ihn herstürzen. Da sind zunäck-st die | Hamster, die Zucker aufspe chern, weil sie denken, er werfe gegen Schluß fes Erntejahres noch teurer teere | den. Dann 'die Zuckerbäcker und Likörfabritemten, Hie gern Vorzugspreise bezahlen, weil sic selber sehr hohe Gewinne erzielen. Besonders zahlreich sind neuer-, dirrvs die Hersteller von Bonbons, die für ihre Schlek- tercicn fioiien Absatz finden bei jung und art. Was nun an die Kleinhändler kommt, will nicht mehr aus- rercheu für das große Zuckerbedürfnis des Boltes. So erklärt sich nicht bloß die Teuerung, fonfern mich dis Taktik mancher Kleinhändler, den" Zucker nur abzu- gehen. trenn gle chzeitig etwas anderes gekäust wird. Auf diese Weife kommen die sogenanntenmuten Kun­den" zu Zucker, während die weniger fenrttelten Leute I immer wieder hören müssen, cs fei fern Zucker da. I Vor fern Kriege war es v eifach üblich, daß der streb- \ ferne Kaufmann recht billig, oft ohne Verdienst Zucker I adgab, um durch die Unterbietung in diesem Artikel die Kunvsckiast M sich zu locken. 'Jetzt braucht er nicht zur Preischlsuderei zu Greifen, sondern kann schon ferch das Angefet von Zucker zu hohen Preisen sich Ahnehmre für die anderen Waren heranzichen.

Bei fer Zwangswirtschaft hatte «man wenigstens etwas sicher, nämlteb, was auf die Karton verbürgt war. Beim treteenrkfenen Fro hanfe! bekomut ein Teil zu viel!, ein Teil seinen Bedarf und ein dritter Toll gar n'csits. Don Luxus, hier Maneell

Dos ist sehr schlimm, wenn es sich um men so wichiigen Stoff ha cfelt, wie fen Zucke jzr Mensch hat einen starken Znck^rhu^er, im> d st keineswegs nur L-ckermäuligkeft fonfern -'.Ehr Nahrung-mit« ......^lu/lKW. 01cia^

td, das zur Entwrckelutm zur Kräsirguno mrscres Linie mit fer Milch, die Ettfeiß mH ^Fett acht rvird