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FuldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Lkadl Fulda.

nr. 107.

Serantroortlid; für den reoauionellen Teil• Sr. I. Kramer, - für die Anzeigen: I. Parze« ler-Fulda. S Rotationsdruck o. Verlag der ftuldaer Actlendruckere« in Fulda 'ernioretber Nr. 9- PosNckieck-Kon'o 4051 Frankfurt a TO-

- Mittwoch, 10. Mal 1922.

Bezugspreis: Monatlich 18.07 Mr. zugestellt frei ins Haus- “ Abqeholt in der Gefchäftsst« lle 17,50 litt. s Anzeigen: Kleinzeile nach Ifoionei 1.50 Mk., ausw. 7,50 Mk. ^rtiamezeile (lettbreitel nach Colone mag 8 Mark.

49. Zahrg.

Deutschland sich in der während Rußland mit

Zustizresormen.

Im Hauptausschuh des preußischen Landtags wurde bei der allgemeinen Aussprache zum Justiz- Haushalt ein Antrag aus Beso Id ung der Re sc- rendare angenommen. Ein Antrag auf Ab- schaffung der Todesstrafe wurde gegen dir sozialtiemokiatichen Stimmen abgelebnk. Angenom­men wurde ein Antrag auf Anregung von Straf- beslimmungen g egen terorristische Geheim- organisationen. Ferner wurde ein demokra­tischer Antrag angenommen bei der Reichsregierung dahinzuwirken, daß allen deuischen Gerichtsas- ses oren in jedem deutschen Lande zur Rechtsan­waltschaft zugelassen werden, rbenso ein Antrag, die mittleren Jun izbeamten in erhöhtem Maße zu richterlichen Geschäften heranzuziehen

Gberschlefien.

Wie von zuständiger Seite mitgeteili wird, dürfte, soweit sich b.s zetzt übersehen läßt, die lieber gäbe der oberschlesischen Gebiete an Deutsch, land und Polen im Lrmse des Mqmüs Juni er- olgen.

polnische heharbeil.

Ern polnischer Aufruf warnt wegen angeblicher deutscher M o rD t a t e n in dem der deutschen Verwal­tung nicht unterstehenden Teil Oberschrsicns. Die Deutschen möchten ihre Unschuld daran beweisen, well onst das Rachebedürfnis der Polen nur zu erklärlich würde. Es handelt sich dabei natürlich um eine Ver­hetzung der Palen gegen die Deutschen. Die deutsche Regierung w.rd Protest in Warschau einlegen.

nalen Korporationen zuständig. Die Behauptung der „Times", die K o n f e r e n z s e i z u E n d e, sei eine böswilligeErfindung. Der Burg­friedenspakt hänge von einer befriedigenden Lösung mit den Russen ab. Er werde solange in Genua bleiben, als eine Möglichkeit einer europäischen Re­gelung bestehe.

Heber den Artikel? des alliierten Me­morandums erklärte Lloyd George, daß dieser von einem Franzoserk und zwei Belgiern versaßt und von Frankreich angenommen worden sei. Der französische Protest sei erst nach der Abreise Bar- thous gekommen. Bon einem Vorbehalt Barthous habe er nichts gehört. Zmn Schluß erklärte Lloyd George, eine ablehnende Haltung der Russen würde das Ende der ■ Konferenz bedeuten und die Eng­länder mit den Franzosen einigen.

Gunst gere KuffaMng Ser Lage.

Die Berliner Blätter berichten aus GsrE am Diens­tag pormitiag, daß dort eine optimistischere Auffassung Platz gegriffen hat. Die „Voss. Zrg." berichtet, ljie und La gehe man bereits soweit, zu ver­sichern, daß dertotePunktder Konferenz überwun- den sei. Montag vormittag haben Tschitscherin und Litwinow nach einem Besuche bei Schanzer längere Zeit mit dem Reichskanzler Dr. Wirth und R a t h e n a u konferiert. Die Führer der Sowjetdele­gation begaben sich darauf zu Loyd George. Das Ziäl an dieser Besprechungen ist, in der musischen Frage zu einem Kompromiß zu gegangen.

Heber Len Inhalt der rusjischen Antwort auf das englisch-italienische Memorandum weiß das „Beniner Tageblatt" bereits zu melden, daß sie zwar nicht zu- st.mme, jedoch für England und Italien als vechand- kmgswillige Mächte zu weiteren Besprechungen zmei- cherch sein werde.

Zoffe über das Uonfer-NMgLbnrs.

Ein.Teil der russischen Delegation, der unter Füh­rung Joffes Aiontog früh in Berlin eingetroffen war, st abends nach Moskau weitergere-ist. In einer Umer- rctung mit einem Mitarbeiter der „Zeit" erklärte Joffe vor ferner Abreise, daß die russische Delegation in Geima mit dem Ergebnis der Konferenz nur z u f r ie- d e n sein könne. Mehr a!s einen Vertrag, der die Beziehungen Rußlands zu einer der europäischen Groß­mächte regele, hätten die Russen kaum erwarten können An eine allgemeine Verständigung hätten sie nie zu glauben vermocht. Joffe erklärte weiter, er fahre zur Berichterstattung nach Moskau und rechne damit, Leck er noch Gelegenheit hoben werde, wieder nach Genua zuruckzukehren. Die Nachricht, daß Tschitscherin dort bleiben wurde, um nach Beendigung der Konferenz Ein- zelverhandlungsn mit den Mächten zu führen, sei falsch Es sei wohl anzunehmen, daß nach Schluß der Kon­ferenz an einem anderen Orte Einzelverhand- lungen mit den Mächten beginnen werden.

Gin neuer politischer Gedarne.

wtb Genua, 8. Mai. (Tel.) Der Sonderbericht­erstatter des „Malin"/ in Genua erklärt: In' den privaten Unterrebungen zwischen Italienern und Franzosen beginne sich ein politischer Ge­danke durchzusetzen. Um die öffentliche Meinung in Frankreich zu beruhigen, wolle man sich italienischer- seits um den Abschluß eines en g l. -fr a nzö si - scheu Schutzvertrages bemühen, in den auch Italien eingeschlossen werden soll. Das sei ein Gedanke, der bis in das Jahr 1919 zurückgehe.

Zange der Sieger befindet, Gewalt nicht gefaßt werden kann. Die Pariser Taktik gegenüber Rußland weicht also nicht bloß in der Methode, sondern auch rm Ziele selbst von der englischen Politik ab: Die Pa-

Biete sie einige Hoffnung, so werde man sicher mit den Verhandlungen fortfahren können. Für eine eventuelle Anleihe an Rußland seien die internatio-

rifer wollen überhaupt keine Verständigung mit Rußland aufkommen lassen,^obschon England sie auf das dringendste wünschen muß.

England wird um so empfindlicher berührt, als Poincare sich in dieser russischen Frage demonstrativ hinter belgische Anträge stellt. Die Solidarität zwischen Frankreich und Belgien wird so scharf her­vorgehoben, daß die Engländer sich sagen müssen: Warum haben wir denn eigentlich Geld und Blut geopfert zur Rettung Belgiens, wenn dieses Land, das wir als einen Stützpunkt für die britische Fest­landpolitik betrachten, ein Anhängsel von Frankreich und zum Stützpunkt einer uns feindseligen Politik wird? In Verfolg dieses Gedankenganges taucht die weitere Frage auf: Hat denn die britische Welt­macht in Europa überhaupt noch etwas zu sagen, oder ist das Festland schrankenlos dem französischen Militarismus verfallen?

Da haben wir den klaffenden Gegensatz zwischen der französischen Gewaltpolitik und der englischen Handelspolitik, und dieser Zwiesvalt geht hinunter bis auf die Wurzeln der Weltstellung der beiden rivalisierenden Mächte, die einzelnen Klauseln des russischen Memorandums sind nur Beiwerk. Und wenn schließlich der Riß in Genua wieder einmal verkleistert werden sollte, so würde er doch bei der nächsten Gelegenheit sich wieder auftun. Die En­tente ist sterbenskrank und geht ihrer Auflösung ent« Sn, — wenn nicht in Paris wieder ein Um«

ung zur friedlichen Politik sich ereignet.

Was hat D e u t s ch l a n d bei diesem Auf- Efungsprozeß zu befürchten oder zu erhoffen? Welche Stellung hat die deutsche Regierung einzu­halten? Das läßt sich nicht so leicht umschreiben, und wir müssen immer beachten, daß die Entwick­lung i m F l u s s e ist. Es können jeden Augenblick überraschende Zwischenfälle und Wendungen ein» freien, denen sofort Rechnung getragen werden muß. snv "klärt es sich, daß der Reichskanzler Dr.

den geplanten Abstecher nach Berlin ver- 5ptet h?i und vorläufig in Genua bleibt, um jeden

>-bi.e deutschen Interessen wahrnehmen zu ,toe’ne Besprechungen mit Lloyd George l»rrt^M;*Q^ten5mcrte5 Zeichen der Zeit. Selbst- man daran nicht schon übertriebene

^fen, als ob England bereits ent« fö&frÄ«» ----- T-°n'--ich in

noch abwarDie Parole heißt immer b‘lbe” Seitl”

Zungen können uns nicht nach- nnr?frhti?» Sanb schuld habe an der Krisis. 9m^fprhin Vtt{erer Regierung wird uns r.hlr hpn b2Dor bewahren, daß der

fcben Äahj'mD^unte^fiA109®’1 if)ren weltpoliti- Khen Jting.Ginpf unter fid) ausmach^n, tüährenb Demschland nichts werter erstrebt als^den Wieder-

Lloyd Georae über di» Probleme.

Lloyd George beantwortete in einer Zusam­menkunft mit englischen und ameri­kanischen Pressevertretern eine große Aeihe an ihn gerichteter Fragen über die europäi« «chen Probleme; u., a. erklärte er, daß alles von

5st LW Sturge schm iieigefofa?

Angebliche Ueberwindung des „koken Punktes".

€in enaUsch-franLö,rsch-ita1ienifcher Zchuhvsrtrag

In diesen vier Wochen ist schon öfters von einer I dem Charakter der russischen Antwort abhänge. Krisis auf der Konferenz gesprochen worden. Aber r:~ ---

da ging es noch nicht um Leben und Tod. Doch jetzt steht das Ganze auf dem Spiel: die Kon­ferenz selbst, der Wiederaufbau Europas und so­gar der Bestand der Entente.

Was bisher als Schreckgespenst im Hintergründe stand, der förmliche Bruch zwischen Frankreich und England, steht nunmehr vorn auf der politischen Bühne im grellen Licht der Rampen. Lloyd Ge­orge hat dem aus Paris zurückgekehrten Barthou unumwunden erklärt, daß England sich von Frank­reich abwende und neue Verbindungen suchen müsse, wenn Frankreich die unfreundliche Politik fortsetze. Der große Krach läßt sich nur verhüten (richtiger gesagt: nur vertagen), wenn einer der beiden Streiter im letzten Augenblick nachgibt. Bisher war regelmäßig Lloyd George derjenige, der zur Rettung der Entente umfiel. Diesmal ist ihm die Selbst­verleugnung besonders schwer gemacht worden; doch darf man sie deshalb nicht schon für unmöglich er­klären.

Worum handelt es sich denn? Die Franzosen sagen, um das russische Memorandum, oder eigentlich nur um dessen Artikel 7 von der E i g e n tu m sen t sch ädig un g. Sie wollen nämlich die Schuld an dem Krach den Russen - zuschieben, die angeblich zu wenig bieten und zu viel fordern. Aber die öffentliche Meinung der übrigen Welt läßt sich nicht durch Einzelheiten ablenken. Sie nimmt alles in allem und ersieht daraus, daß Frankreich von Anfang an darauf hingearbeitet hat, die Konferenz von Genua zu stören und unfruchtbar zu machen. Wer mit den Russen zur Verständi­gung kommen will, muß mit ihnen auf dem Fuße der Gleichberechtigung verhandeln; Frankreich aber setzt Rußland ein Ultimatum auf die Brust und fordert unbedingte Unterwerfung unter das ganze Diktat, nach demselben Zwangsverfahren, das die Pariser gegen Deutschland angewendet haben. Der große Unterschied ist nur der, dqß

। Der VergarbetterkonMt im Ruhrgebiet

Eine in Bochum abgehaltene Konferenz des Gesamtvorstandes des alten Bergarbeiteroerbandes hat zu den durch die auf mehreren Schachtanlagen des Ruhrreoiers ausgebrochenen Arbeitseinstellun­gen geschaffene Lage eine Entschließung angenom­men, in der es heißt:

Die Arbeitseinstellungen in den Bezirken Dort­mund und Eichlingshofen werden, soweit sie den Organisationsleitungen bisher gemeldet sind, von der Organisation anerkannt. Für Mittwoch sind vom Reichsarbeitsministerimn Verhand­lungen zwischen den vier Bergarbeiterorganisa- tionen und dem Zechenverband angesetzt.

Der Kampf in der süddeutschen Metallindustrie.

Die letzte Ausgabe der „Süddeutschen Ar­beiterzeitung", das Organ der kommunisti­schen Partei Württembergs, wurde gerichtüch b e - schlagnahmt, weil sie einen lcmdesverröteri- schen Artikel an der Spitze bringt In diesem Ar­tikel wird von dem Bundesvorstand des Allgemei­nen Deutschen Eewerkschaftsbundes die Einsetzung aller gewerkschaftlichen Machtmittel für den Sieg der süddeutschen Metallarbeiter zunächst die Proklamierung des Solidaritätsstreiks in Sub- deutschland gefordert, ferner daß unter allen Um­ständen an der 46-Stundenwoche festgeyal- ten und der Dermittlungsvorfchlag des Reichs- arbeitsminifters zurückgewiesen wird, daß die Front der Streikenden nicht auseinandergeriffen wird, indem für Bayern, Baden und Württemberg getrennte Verhandlungen geführt werden und daß während der Dauer des Streiks im ganzen Reich jede Heber ft unbe in der gesamten Metall­industrie verweigert und keinerlei Stre'.kvrecher- arbeit geleistet wird.

Der Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Ge- werkschaftsbundes (freie Gewerkschaften) hat sich in seiner letzten Sitzung eingehend mit dem Kampf in der süddeutschen Metallindustrie beschäftigt. Der Ausschuß hat in einem Beschluß „die große Bedeu­tung dieses Kampfes für die gesamte Arbeiterschaft anerkannt und den im Kampfe stehenden 2Itbe:iern seine vollen Sympathien ausgesprochen." Der Be­schluß fordert die Gewerkschaftsvorstände auf, alle Maßnahmen zu treffen, um den Kamps nachhaltig zu unterstützen. Als erste Maßnahme dieser Art wurde eine finanzielle Unterstützung ter streikenden und ausgesperrten Metallarbeiter durch dis Erhe­bung von E x t r a b e i t r ä g e n gutgeyeißen.

Vie Zwangsanleihe.

Der Gesetzentwurf über die Zwangsanleihe ist nunmeher dem Reichsrat zugegangen. Laut „Deutsche. Allg. Z'g." wünscht öte Regierung, .daß die Beratungen rnnerhajb von acht Tagen erledigt Werden, damit der Reichstag noch vor dem 31. Mai sich mit der Vorlage beschäftigen kann.

Deutscher Reich.

* Berlin, 9. Mai. Der Verfassungsausschuß des Landtages nahm den Gesetzentwurf über die Schaf­fung der Provinz „Grenzmark Westpreußen-Pofen" an. — Die Straßenbahn hatte am 4. Mai durch den Proteststreik einen Ver tust von 1,7 bis 1,8 Mill. Mark zu verzeichnen.

* (Ein Gesetzentwurf zur Lleurrung der Rot der Zei- futtgen. Wie wir hören, steht ein Gesetzentwurf zur Steuerung der Not der Zeitungen, wie er in einem ge­meinsamen Antrag der Parteien im Reichstag von der Reichsregierung gefordert worben ist, im Reichswirt- fchaflsmin sterium kurz vor seinem Abschluß. Es steht in allernächster Zest zu erwarten, daß dieser Entwurf dem Reichskabinett zur Beschluß saffung vorgelegt wer­den wird, um dann den anderen gesetzgebenden Körper­schaften, dem Reichsrat und dem Reichstag eingelegt zu werten.

* Die Zulassung der Frauen zur Rechtspflege be­trifft ein Gesetzentwurf, der dem Reichstag zugegangen ist. Art. 1 bestimmt, die Fähigkeit zum Richteramt kann auch von Frauen erworben werden. Ebenso kön­nen Frauen zu Handelsrichtern, Amtsan. walten, Gerichtsschreibern, Gerichtsvoll­ziehern ernannt werden. Die übrigen Artikel ent­halten entsprechende Veränderungen der bestehenden Ge­setze. In der Begründung des Entwurfs wird der Be­hauptung enigegengetreten, daß der Frau die Befähi­gung zur Beteiligung an der Rechtspflege ermangele, da sie an Entschlußfähigkeit hinter dem Manne zurück- stehen und gefühlsmäßigen Einflüssen mehr als er unter­liege. In der Begründung heßt es weiter, wenn die Frau zur Betätigung in der Rechtspflege gleich dem Manne unterschiedlos zugelassen wird, so geschehe das nicht aus der Annahme heraus, daß für jede Betätigung auf dem Gebiete der Rechtspflege und für jede ihrer Un­terarten Mann und Frau sich in ihrer Eignung völlig gleichständen. Die Absicht des Gesetzes fei vielmehr, gerade die Andersartigkeit der Frau, die eigentümlich weibliche Eignung der.Rechtspflege nutzbar zu machen.

* Die Einährungsprobieme. Zum Haushai! des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirt- Ichast hat die sozialdemokratische Reichsta s- frakiion einen Antrag eingsbrachk, der für das Wictschasisjahr #922—23 die Beibehaltung des Hmlageverf ahren s sür Broigetreide verlangt. Durch die Umlage soll der Kesamtbedarf an B>oigetreide für die Ernährung der Bevölkerung in Höhe von viereinhalb Millionen Tonnen sicher­gestellt werden. Zur Sicherstellung des Kartoffel, bedarfs sollen privatrechtliche Liefe, ungsverträge dienen. Gleichzeitig sollen Richtpreise für das ganze Reick auf der Grundlage der durchschnittlichen Geste!,nng-kosten festgesetzt werden. Der Antrag fordert «chließlich die Wiedereinführung der Zwan gsbewirischastung des Zuckers und zwar in der Weise, daß die Bevölkerung pro Kopf und Woche ein halbes Pfund jur Verfügung gestellt erhält und aure$em für Säuglinge pro Kops und Woche ein Pfund. I

Ser PM M Hit SmmM in RMM-

Aus Rom wird der Katholischen Korrespon­denz geschrieben:

Seit einiger Zeit hat man davon gesprochen, daß kirchenpolitische Verhandlungen zwi- schon dem Vatikan und Rußland ftattgefunben hät­ten; besonders seien auch schon-Abmachungen wegen Entsendung katholischer Missionare nach Rußland getroffen worben. Diese Nachrichten gründen sich auf Vermutungen, die nicht den Tatsachen entsprechen. Der Apostolische Stuhl hat, sich in Rußland bis jetzt auf das rein caritatioe Ge­biet beschränkt. Wie bekannt ist, hat der verstor­bene Papst Benedikt xv. den Hungernden in Ruß­land seine väterliche Liebe gezeigt und große Sum­men zur Linderung der Not geschickt. Aber die Not steigt- dort von Tag zu Tag. Deshalb gedenkt Papst Pius XI. das Werk seines Vorgängers weiterzuführen. Hierüber haben jetzt Verhand­lungen zwischen dem Vatikan und Rußland stattge­funden mit dem Erfolg, daß mit Genehmigung der russischen Regierung eine eigene päpstli ch e Abordnung mit Hilfsmitteln jeder Art in die Hungergebiete abgehen kann; nur einige Einzel­heiten ' dieser Hilfsaktion bedürfen noch der Rege­lung. Um dieses Hilfswerk des Papstes möglichst großzügig und erfolgreich zu gestalten, werden die Sammlungen des Vatikans für Rußland fort­gesetzt; auch beabsichtigt der Hl. Vater, in Kurze einen eigenen Aufruf zu Gunsten der hun­gernden Russen zu veröffentlichen. Der Papst ver­folgt damit die Politik der christlichen Bruderliebe, die der Axostoliscke Stuhl während des ganzen Weltkrieges beobachtet hat — allen Völkern ohne Unterschied der Religion 311 _ helfen, wo wirkliche Not vorhanden ist. Es darf wohl als ein Werk der Vorsehung angesehen werben, daß gerade jetzt eine Persönlichkeit den Stuhl Petri einnimmt, die durch eigene Anschauung und berufliche Tätigkeit mit den Verhältnissen in den europäischen Ostlän. dem bekannt und vertraut- geworden ist.

*

Dieser Tage wurde, wie die „K. K. erfährt, aus dem bisherigen Sammlungsergebnis der Ruß- I a n b f p e n i) e der beutschen Katholiken eine erste Rate im Betrag von 1 Million Mark durch den geschäftsführenben Ausschuß dem Apostolischen Nuntius in München zur Weiterleitung an ben Hll Baker überwiesen. Eine weitere Nate dürfte in Kürze folgen. Wer zur Linderung des grenzen­losen Elendes und der unbeschreiblichen Not int Osten Europas sein Scherflein beifteuern will, gebe es der Rußlandspende der deutschen Katholiken, die dem Hl. Vater zur Verfügung gestellt wird. (Die „Fuldaer Zeitung" setzt ihre Sammlung immer noch fort. D. Red.) Die kirchlichen Stellen, welche die Verteilung in Rußland vornehmen werden, bieten alle Gewähr dafür, daß die Spenden auch tatsächlich den Hungernden zugute kommen und nicht zu irgend welchen anderen Zwecken Verwen- düng finden.«

Hits dem besetzten Gebiet.

* Amerika bleibt am Rhein- Das Reutersche Büro meld t aus Washington: KrieaSminister Weels teilte mit, daß zwei Bataillone tiex.8. United-Ltates-Jnfanterie ihre Äbreise von Koblenz um mindestens einen weiteren Monat verzögern werden infolge von Ansuchen, die von verschiedenenLändern erfolpt sind, einschlreßlichDeuts ch» lands, und daß die amerikanischen Truppen länger als bis zum 1. Juli bleiben, dem Zeitpunkte, der für die vollständige Zurückziehung der amerikanischen Arme? in Deutschland vorgesehen war.

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5chu!e und Volksbildung.

= yreutzischer philo ogentag. Der Verbandstag des preußischen Phltologenvervandes findet am "7. und 8. Junr d. I. in H i l ö e s h e i m statt. Am 1. Tage werden die inneren Verbandsor.gelegenbeiten zur Beratung kommen. In der Hauptversammlung des 2. TageS werden neben Berichten über den Werkunterricht und die Sortierung der Leibesübungen, auch über die An» Wärterfragen, die Reform des höheren Mädchenschal» wesens und die Aufbaufchule zur eingehenden Besprechung gebracht werden.

ausländ.

* Tas englische -Königspaar ist dl Begleitung des Admirnls Beatiy und des 'Marschall Haig tu Brüssel angekommen.

* Verhaftung eines bekannten vlSmischen Aktivisten. Bekanntlich hat F.eich nach Kriegsen>e in Belgien eine schwere Verfolgung derjenigen Persönlichkeiten einge­setzt, die während des Krieges an der von Deutschland eingeführten Doppelverwallung in Belgien teilgenom­men haben, nämlich an einer wallMschen und einer vläm.scheu Abteilung. Da hierbei die von ben Slawen längst ersehnte und erstrebte Selbstverwaltung erreicht wurde, haben viele bekannte führende vlämiche Per­sönlichkeiten daran mitgewirft, weshalb sie jetzt wegen Zusammenarbest mit dem Feinde oft zu langen Ge­fängnisstrafen unb zum Tode verurteilt werben. Bis­her war es aber noch nicht vorgekommen, daß auch einkatholischerGeistlicher deswegen vor ein Gericht gestellt worden ist. Nun wurde vor einiger Zest gegen den betonmen JesuitenpaterStarcke auch eine diesbezügliche Anklage erhoben; da er aber im Auslande weifte, konnte ihm die An­klage nicht zugestellt werden. Kaum hatte er jedoch davon vernommen, als er sich sofort nach Belgien auf­machte, um persönlich sich zu verantworten. Ueber- raschenberwe-fe wurde er nicht sogleich verhaftet, sodaß man zur Annahme geneigt war, die belgische Gerichts­barkeit hätte nicht den Mut, ihn festzunehmen. Nun kommt aus Brüssel die Nachricht, daß er doch am Sams­tag ben 6. Mai verhaftet worden ist, um sich am 17. Mai vor dem Schwurgericht in. ©ent zu verantworten. Da bisher noch kein einziger Aktivist freigesprochen war-