FuldaerZeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.
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Uerantwortlid; für den reöauionellen Teil' Dr. I. Kramer. - für bk Anzeigen: I. Parzeller-Fulba. Z Rotationsdruck u. Setlaa der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, ^ernlmeckier Nr. 9. Postlcheck»Konto 4051 Frankfurt a. M-
Samstag, 6. Mai 1922.
Bezugspreis: Monatlich 18.00 Mk. zuge^ellt frei ins -aus- " Abgeholt in der Geichästsstklle 17,50 Mk. :: Anzeigen: Kleinzeile nach Tolonei 1.50 Ult.; ausw. 2,50 Mk. Nekiamezetie (Textbreitei nach Colone'maß 8 Mark.
49. Zahrg.
öihälidW teiWk Arbeiter-W.
Der Proteststreik in Berlin.
Das (Treiben der Kommunisten im Landtag.
Während die ernsten Deutschen aller Stände und Berufe mit Sorge an die Entwicklung denken, die sich in Genua und Paris vollzieht, ertauben es sich die kommunistischen Hetzer durch chre Berliner Machenschaften der Welt wieder aufs neue ein trauriges und folgenschweres Schauspiel zu bieten vom Verfall deutscher Gesittung, deutscher Arbeitstreue und deutscher Zuverlässigkeit. Leute wie der 2lbg. Katz bringen es fertig, die Berliner Arbeiter' zu den törrchsten Handlungen zu verleiten und dann im Parlament wahnsinnige Radauszenen auszuführen, durch die der Parlamentarismus und der demokratische Staat kompromittiert und in der öffent- l-ichen Meinung herabgesetzt wird. Die Sache der ganzen deutschen Arbeiterschaft wird in dieser Weise auis schwerste geschädigt, der Ehre des deutschen Arbeiters großer Abruch getan.
Was niemand, der noch Vernunft und Denkvermö- gen besitzt, für möglich hätte halten sollen, das ist wieder einmal in Berlin zur Wirklichkeit geworden. Die städtischen Arbeiter haben einen 24stündigen Proteststreik proklamiert, di« Räder des Verkehrs in der Reichs- hauptstadt lagen infolgedessen zum großen Teil auch am 4. Mai wieder still, die Arbeit in den Hauptbetrieben ruht und mancher, der mll der Sippschaft der unverant- wortbchen Streikhetzer und polnischer Drahtzieher weder etwas gemein hat, noch mit ihnen etwas zu tun haben tttlt ist gezwungen, die Hände in den Schoß zu legen.
Der Streikterror der Berliner städtischen Arbeiter ist mchts anderes, als ein Angriff, der sich nicht gegen den Polizeipräsidenten von Berlin richtet, sondern gegen ore eigenen Arbeitsgenossen anderer Berufsgattungen, weil diese die Wirkungen des Streiks am «npftndAchsten am eigenen Leibe spüren, wenn in die- sim Zeiten der Teuerung ein neuer LohnausfM ihre an sich gernMn Gehalter wester schmälert. Und warum dies alles? Sagen wir es kurz: Weil die Strane, die wieder von kommunistischen Hetzapostsln aufgewühlt uwrdcn r* daran verhiikderr worden ist, dem Berliner Stadtpariament ihren Willen aufzuzwingen. Am Dienstag hatte sich vor Dem Berliner Rathaus eine große Menge von Demonstranten airgejcrmmÄi, zu denen von der Freitreppe des Rathauses linksradikale Redner sprachen. Wie es in den bisher erfolgten amt- iichen Feststellungen der Vorgänge heißt, sind während des Vrr.aufs der Demonstration Angriffe aus der Menge auf einzelne Polizeibeamte erfolgt, die sich da- dnrch veranlaßt sahen, die Angriffe mit der blanken Waste abzuwehren. Dabei sind einige der'Demonstranten zu Schaden gekommen; wenn aber sowohl die Freiheit" von einer „frechen Provokation seitens der Sclmk- polizei" spricht wie auch die „Role Fahne" in nicht nnMoerjtehenLer Absichi der Aufreizung von einem „Blutbad faselt und die Zahl von 2 Toten und 25 ' Verwundeten nemrt, die jenem „teuflischen Plan" zum Opfer gesallen seien, ,o entsprechen diese agitatorischen Entstellungen durchaus nichtdenTatsachen Die sofort eingoieitete Untersuchung hat ergeben, daß von 10 Verletzten nur 2 ins Krankenhaus geschafft zu werden brauchten und Tote überhaupt nicht zu beklagen sind. u
Liese Vorgänge sind einzig und allein Len politischen Hetzern und Drahtziehern wieder Mittel zum Zweck rzrer unsauberen Geschäfte, mit denen sie die Volksvrr- hetzung systematisch betreiben. Selbstverständlich wird es notwendig sein, nicht nur die Vorgänge selbst, sondern auch Liv Ursachen, die zu ihnen geführt haben, restlos^ aufzuklären und Las Ergebnis der eingeleiteten Untersuchung sofort nach Mschluß der Oeffentiichkeit mit- zuteilen. Umso unerhörter ist das Vorgehen der Ber
liner städtischen Arbeiterschaft, die erft einmal abwarien sollte, wie die Tatsachen sich wirklich verhalten haben, ehe sie die Räder des Verkehrs und der Arbeit willkürlich stillegt, um ihrerseits mit dem Mittel des Proteststreiks einen Druck auf Die Regierung und den Polizeipräsidenten auszuüben.
Dieses Vorgehen ist nichts anderes, als ein Angriff auf die Staatsautorität. -Die Berliner städtischen Arbeiter haben wieder einmal — und leider nicht zum ersten Mal — den Beweis erbracht, daß sie durchaus nicht imstande sind, die Dinge von einem sachlichen Gesichtspunkte aus zu sehen, sondern daß unter ihnen der Radikalismus und die politische Verhetzung immer noch di« Oberhand hat. Diesem un- veraMwortlichen Vergehen gegenüber ist es aber immerhin erfreulich, festzustellen. Laß unter Mißachtung der diktatorischen Anordnung der Obleute dennoch eine ganze Anzahl städtischer Arbeiter auf ihrer Arbeitsstätte erschienen sind.
Auf diese Weise konnte ein allerdings nur geringer Teil des StraßenboHnverkehrs ohne Störung durchgeführt werden. Es ist außerdem nicht gelungen, die Eisenbahner mit 'm den Proteststreik hmeinzuziehen, so daß die Berliner Stadt- und Vorortbahnen ihren Verkehr voll aufrecht, erhielten. Auch die Omnibus- und Hochbahnangestellten haben den Streik nicht mitge- macht. Das sind Anzeichen, allerdings nur schwache, daß es auch in Berlin Arbeiter gibt, die das gefährliche Treiben Der Komammisten und Syndikalisten durchschauen.
Tumultszenen im Landtag.
Das Toben der Kommunisten gegen die Schupo.
Sie Vorgänge in der Berliner Arbeiterschaft fanden ihr Echo im preußischen Landtag. Schamröte und Zorn müssen einem ehrlichen Preußen ins Gesicht steigen, wenn er erfährt, wie es am Donnerstag im preußischen Landtage zuging. Man hatte Ungewöhnliches er. wartet, aber als das Ungewöhnliche kam, da war es doch so toll und so fürchterlich, daß man unwillkürlich denken mußte: Hier wird der Wahnsinn zum Verbrechen!
Sie Interpellation der Kommunisten wegen der. angeblichen Uebergriffe der Polizei bei den Vorgängen vor dem Berliner Rathaus am Abend des 2. Mai sollte be> antwortet werden. Wenn der Mob der Straße durch sein Verhalten am Dienstag das Stadtparlament bedrohen und ihm seine Beschlußfreiheit nehmen konnte, so konnte man es dem Berliner Polizeipräsidenten nichr Übelnehmen, wenn er am Donnerstag auch in der Nähe des preußischen Parlaments verstärkte Schutzpolizei hatte antreten lassem Sie Bekanntgabe dieser Tatsache durch den Kommunisten Sah zu Beginn der Sitzung ließ schon das Barometer auf Sturm fallen. Als in dieser Erregung nun auf einmal auch der Polizeioberst K ä u p i sch, an der Brust bas Eiserne Kreuz 1. Klasse, im Kampfe für das Vaterland erworben, am RegieMNgstische et. schien, um dem dort weilenden Innenminister Severing eine Mitteilung zu machen, da wirkte die grüne Farbe seiner Uniform und das Ehrenzeichen auf die Kommunisten wie bei den Puterhähnen und bei wütenden Stieren ein rotes Tuch. Man hätte, glauben können, daß der Sitzungssaal des preußischen Landtages einem Zirkus glich, in dem Stierkämpfe stattfinden. Wütend stürz» ten sich die gereizten Kommunisten auf das grüne Tuch und nur eine starke Abwehrpostenkette von handfesten Abgeordneten konnte das Allerärgste verhindern.
Präsident Leinert, der sich vergebens bemühte, die Ruhe herzustellen, mußte die Sitzung eine Zeitlang aus-- setzen und sah jich nach Wiedereröffnung schmerzbewegt gezwungen, zu bekennen, daß der Zwischenfall im Hause alles in Schatten stelle, was bisher dort vor- gekommen fei. Aber auch jetzt hatten sich die Kommt..
Huf Altenhammer.
Roman einer Ehe von D. (Ern ft berget.
32] ______:_____
Vor dem Bett des Hausherrn stand indessen der Doktor und fühlte den Puls.
„Im Bette bleiben vorläufig, Herr Stock. Bettwärme ist da am besten. Kein Bier trinken, nur ja kein Bier; Milch und Tee löschen auch den Durst." (
Sie helle Schadenfreude blitzte aus seinen kleinen Augen hinter der goldenen Brille hervor. Ser Kranke ächzte. Das Bein riß und zuckte, daß er kaum das Deckbett darauf leiden konnte.
„Herr Doktor, das halt ich nicht aus, rpenn das lang bauert", sagte er ingrimmig, mit dem gesunden Fuß das Deckbett zur Seite werfend.
Der Doktor stand eben am Tisch und schrieb ein Akzept. „Was halten Sie nicht aus, Herr Stock? Das Teetrinken?" Ganz harmlos klang die Frage. Stine sah aber doch, wie unter dem langen weihen- Bart die Lippen spöttisch zuckten.
„Das auch. Das Bettliegen ober gleich zuerst!"
Der. Doktor drehte den Bleistift zwischen den Fin- gern. „Steh'n Sie auf, wenn Sie können oder wenn
Olauben, vom Aufstehen wird es besser", sagte er mehr belustigt wie teilnehmend. Sann trat er an das Sett und klopfte seinem Patienten auf die Achsel: „Wo- gen dem Aushaltenkönnen, machen Sie sich nur keine toarge, ijerr Stock; das lernt sich schon. Das Kranksein ist auch eine Schule. Da lernt sich so manches, wenn man empeht, daß man nicht mit dem Kopf durch die Wand kann." 1
Er drehte sich um und sah Stine an. „Wie steht es denn mit Ihrer Gesundheit, Frau Stock?"
„Wenn das viele Husten nicht wäre, könnte ich zu- frieden fein."
Er nickte. „Ja, das viele Husten", sagte er ernst und fuhr nachdenklich fort: „Es ist doch merkwürdig, wie selbstlos manche Frauen sind und wie geduldig sie Krankheiten zu tragen wissen. Brauchten oft selbst dringend Pflege und pflegen noch andere mit Geduld. Meine grau war auch so. Ich habe es ihr gedankt.
Andere opfern sich und bekommen als Dank nur Rohheit und Kränkung. Das ist bitter! Leider «gibt es solche Lümmel genug, die sich einbilden, die Frau fei nur zum Quälen da."
Er trat an das Bett und reichte dem Kranken die Hand. „Also, schön im Bett liegen bleiben und Tee trinken, Herr Stock, damit das Reißen ncktzläßt. Ich schau mich schon wieder um.
Als der Doktorsschlitten wegfuhr, riß der Kranke das Deckbett mit einem Fluch zur Seite und versuchte aufzustehen. Aechzend sank er wieder in die Kissen zurück. Es ging nicht.
Stine tarn in das Schlafzimmer zurück. Christian lag mit dem Gesicht der Wand zugekehrt, wieder ruhig im Bett und lieh ihre teilnehmenden Fragen unbeantwortet.
So kam Neujahr heran. Mit dem Bein war es nun doch soweit, daß er wenigstens außer Bett sein konnte.
Wenn jetzt immer der Postbote kam, mußte er zu ihm ins Zimmer hinaufkommen. War er dann oben fertig und hatte dem Herrn Stock all die Neuigkeiten von Reichmannsdorf erzählt, und dafür feinen Wein und feine Zigarren probiert, dann wartete sicher im Hof in einer Ecke die Nanu mit einer Wurst ober einem Stück Dörrfleisch. Sie hatte bei der Kartenschlägerin erfahren, daß der Heiner wirklich und wahrhaftig der Angestellte fei, der ihr zukommt, und seitdem ging Heiner niemals mit leerer Tasche aus Altenharnmcr hinaus.
Aber gewöhnlich, wenn es wo g’rab am schönsten geht, kommt das Schicksal und wirft einem Prügel unter die Beine. So ging es auch der Rann und dem Heiner.
Am Tage vor Silvester hatte er alle Hände voll zu tun. Um diese Zett erhielten die Bauern ihre Postsachen pünktlich, denn Heiner sah darauf, daß niemand fein Neujahrstrinkgeld vergaß. Es dunkelte schon, als er die ersten Häuser von Reichmannsdorf wieder erreichte. War nun die Flasche Wein schuld, die er beim Stock in Altenhammer getrunken hatte, ober war es die Dunkelheit: er stolperte hart über einen Stein, fiel hin
triften noch nicht beruhigt. Durch Zwischenrufe rote: „Polizeischurken, Bluthunde, Mörder", durch Brüllen, Pfeifen und Zischen suchten sie eine regelrechte Sitzung unmöglich zu machen Noch war man nicht zur eigentlichen Tagesordnung gelangt, da waren schon all diese Ereignisse geschehen. Ser erste Punkt der Tagesord- nung, der die Wahl von 8 Mitgliedern des Wahlprü- sungsgerichtes vorsah, wurde wegen der herrschenden Stimmung aus Antrag von der Tagesordnung abge- setzt.
Dann kam die eigentliche Besprechung der kom- munistischen großen Anfrage. In derselben wurde behauptet, daß Offiziere der Schutzpolizei gegen wehrlose und ruhig demonstrierende Mengen mit blanker Waffe ihre Untergebenen vorgetrieben hätten. Sie fordern, daß künftig Arbeiterdemonstrationen unbehelligt bleiben und daß die am Blutbad schuldigen Beamten und Offiziere zur Rechenschaft gezogen werden. In agitatorischen Ausdrucken, die mehr ein Schimpfen und Poltern als ein Begründen waren, wurde die In- terpellation vor zwei Kommunisten in ihrer Berechtigung bargelegt. Man muß es Minister Severing, der der mehrheitsfozialdemokratifchen Partei angehört, anerkennen, daß er es in meisterhafter Weise verstand, diese Ausführungen zu widerlegen und das Vorgehen der Polizei zu rechtfertigen. Er bedauerte es tief, daß Blut geflossen fei. Aber er bewies den Kommunisten, daß sie durch die Art und Weise der Semonftration entgegen dem Willen des Polizeipräsidiums eine Provokation im Auge hatten und daß die demonstrierende Arbeiterschaft, wie ihm selber Arbeiterbeputationenen mitgeteilt hatten, das Stabtparlamcnt zwingen wollten, die Forderungen der Arbeiter zu bewilligen. Köstlich war es auch, als er bemerkte, daß dieselbe Schutzpolizei, die von den Kommunisten so beschimpft wird, auf eindringliches Er- suchen hätte dazu dienen müssen, die Sowjetdelegation bei ihrem Aufenthalt in Berlin zu schützen. Das war Höhepunkt und auch Schluß feiner Rede.
Aus dem besetzten Gebiet.
fpd. Straßenbahn- «nd Msitärperfonen. Mit dem 1. Mai sind durch Erlaß des Oberkommandierenden der Nheinarmee die noch bestehenden Fahrpreisermäßigungen für Militärpersonen auf den Straßenbahnen der Städte Mainz und Wiesbaden in Wegfall gekommen. Damit ist in allen Städten zwischen Zivil und Militär Tarifgemeinheit hergestellt.
• Verminderung der englischen Vesatzungktruppen. Wie der ,Lokal-Anzeiger- erfahren haben will, soll vom 1. Juli ab die Stärke der englischen Besatzungstruppen nur noch zwei Infanterie-Bataillone und zwei Kraftzug-Batterien betragen.
Lloyd George, Müh und Ralhenau
haben in Genua eine Besprechung gehabt über bit die Konferenz beschäftigenden Probleme, die über eine Stunde dauerte. Nachher empfing Lloyd George den Besuch Schanzers.
Die Blätter messen dieser Unterredung ettte große politische Tragweite bei. An der Aus» -spräche, die den Charakter einer förmlichen Sitzung trug, nahm auf englischer Seite noch Lord Birken- bead und Sir Wo thinnen Evans teil. Bei der Besprechung wurden alle Probleme berührt, die bisher die Konferenz beschäftigt haben. Der Reichskanzler schilderte ausführlich in sehr ernster Tarle- pung die Sage in Deutschland und äußerte im Zusammenhang damit seine Absicht, nach Berlin zu reisen. Lloyd George bewog darauf den Reichskanzler, die Abreise nach Berlin aufzuschieben, was dieser nach dem Bericht der Blätter auch zugesagt haben soll.
Es wurde schließlich verabredet, die Aussprache in einigen Tagen unter Hinzuziehung des französischen Delegierten Barlhou nach dessen Rückkehr sortzusetzen.
Sonderkonserenz vor dem 31. Mai.
Die englische Delegation teilt mit: Bezüglich des Planes einer Versammlung der Signatarmächte des Versailler Vertrages bleibt der englische Standpunkt nach wie vor der gleiche, das heißt, man hält es für nützlich und notwendig, daß die Versammlung vor dem 31. Mai in Genua oder dessen unmittelbarer Umgebung stattfindet. Von französischer Seite liegt bei der britischen Delegation keinerlei neue Mitteilung vor. Man erwartet die Rückkehr Barthous, der neue Instruktionen mitbringt.
Lin französisches Dementi.
Wie „Havas" mitteilt, dementiert man in französischen offiziellen Kreisen kategorisch die aus Genua einem englischen Blatte mitgeteilte Nachricht betreffend die Mobilisierung derIahres- klassen 18 und 19 im Hinblick auf Operationen im Ruhrgebiet, im Falle Deutschland am 31. Mai seine Verpflichtungen nicht erfüllen werde.
Sein deutsch-russisches Milikärabkommen.
Deutsche; Reich.
* Uitliii, 5. Mai. Ter Reichsrat nahm einen Gesetzentwurf zur Verlängerung der Pachtschutzord- nung vorn 9 Juni 1920 an. Die Grenze für die Kleinpachtungen, die besonderen Schutzes sür würdig erachtet werden, wurde bis auf 2,5 Hektar herabgesetzt. Das Gesetz wurde auf Vertrüge über Pacht von Fischerei und Jagd ausgedehnt. Das Gesetz soll am 31. d. M. in Kraft treten und am 30. Juni 1924 erlöschen.
* Regierungswechsel in Braunschweig. In der letzten Sitzung ter Landesversammlung wurde in der fortgesetzten Beratung des Berichts des parlamentarischen Untersuchungsausschusses der gänzlich abgeänderte Antrag des Abg. Schäfer (Landesvmhtverband), der lautet: „Der Landtag möge beschließen. Las Staatsmini- fterium besitzt das Ver trauen des Land- t a g s", in namentlicher Abstimmung mit 30 gegen 29 Stimmen abgelehnt. Nach der Abstimmung über den Antrag Schäfer zog sich der Aeltcstenausschuß zur Beratung zurück. Nachdem die Sitzung wieder auf» genommen war, wurde der (Etat in erster Lesung ohne Einspruch angenommen und dem Finanzausschuß überwiesen. Darauf erklärte Minister A n t r i ck, daß die Regierung angesichts des Mißtrauensvotums zurücktrete, daß er und seine Kollegen die Geschäfte jedoch bis zur Bildung der neuen Regierung weiter führen würden.
und kannte nicht wieder aufstehen. Der Schusterhanni kam aus seinem Häuschen und wollte ihm aufhelfen, da dies nicht ging, suchte er zunächst die Briefe und Zeitungen, die neben einer großen Wurst auf der Straße lägen, zusammen. Und als der Heiner so jammerte, meinte der Hanni:
„Du bist halt scho mei Lebtag a Rindvieh g'wes'n, Heiner. A anderer wär froh b’rum und Du jammerst! Zu was zahlst denn nei in b' Unfallversicherung? Etzt berfst Dich in Sei Bett leg'n unb kriegst obenbrein an Batz'n Gelb. Unb Su tust, als wär’ des a Unglück!"
Heiner konnte sich aber nicht vom Gegenteil überzeugen. Was wußte bcr Hanni von ber Rann unb ihren Würsten unb oon ben Neujahrstrinkgeldern, ble noch nicht eingenommen waren, unb vom Stock feinen Wein unb feinen Zigarren? Nun lag er im Bett unb bie vielen Briefe mußte bcr Weberlenz, ber aushilfsweise im Postbienst verwenbet wurde, austragen.
Ser Weberlenz tat sich schwer. Das Lesen unb Schreiben war ihm schon in bcr Schule nicht leicht ge- n-crben. Auf ber Post lagen Stöße von Karten unb Briefen. Von früh bis nachts lief er herum, plagte sich ab mit Adressenlesen und würbe doch nicht fertig. Nach Altenharnmcr hatte er am Silv-ftcrabenb einen ganzen Stoß von Briefen Er hatte bie Abrcsscn nicht weiter gelesen. Ob ber Brief dem Herrn, ober bem Lenz, ober ber Nann gehörte, das war ihm. gleich. Er wußte ja nicht, daß man in Altenhammer für eigenhändige Briese auch ein eigenes Trinkgeld bekam.
So kam es, baß Stine bie Briefe zuerst in bie Hände bekam und es fiel ihr auf, wie hastig ihr Gatte frug, warum beim ber Heiner nicht selbst herausgekommen ei. Sic sah auch, wie er erschrak, als sic erzählte, baß der Wcbcrlcnz für den Heiner bie Briefe brachte, weil ber Heiner krank war. »
Sann soll eben ber Lenz, wenn er wieber kommt, direkt herauf zu ihm kommen. Die Post müsse zuerst burch feine Hände gehen, befahl er ärgerlich.
Stine bückte sich, um einen Bries, ber zu Beben gefallen war, aufzuheben. Das Papier roch parfümiert unb bie Abreffe war oon Frauenhanb geschrieben. Da legte sic chn nicht zu de« andern, fonbern »ahm ihn
Die deutsche Botschaft in Paris dementiert durch „Havas" die'Nachrichten der französischen Presse, nach welchen angeblich ein deutsch-russisches Militärabkommen geschlossen worden sein soll. Die deutsche Botschaft erklärt diese'Nachrichten vom Anfang bis zum Ende für erfunden.
Vie ReparationsRommtflion über den Rapallovertrag.
Die Reparationskommission hat an die deutsche Regierung eine den deutsch-russischen Vertrag betreffende Note gerichtet, in der es u. a. heißt:
Im Art. 2 des Vertrages von Rapallo verzichtet die deutsche Regierung auf alle Ansprüche der Anwendung von Gesetzen und Maßnahmen der Sowjetrepublik, welche deutsche Reichsangehörige, ihre privaten Rechte, Rechte des Reiches oder der deutschen Länder betroffen haben. Die Reparations- kommisiion bemerkt dazu, daß bie deutsche Regierung nicht auf Rechte verzichten kann, welche von dieser Regierung auf die Reparationskommission gemäß Art. 260 des Versailler Vertrages übertragen worden sind oder übertragen werden müßten. Die Reparationskommission bittet die deutsche Regierung, ihr zu bestätigen, daß ein solcher Verzicht nicht von der deutschen Regierung beabsichtigt gewesen ist. Angesichts der Tatsache, daß der Vertragt abgeschlossen wurde, ohne daß die Ansicht der Kom« _____________________j _____i zunächst mit sich in bie gute Stube, wo sie ihn genaues bettachtete.
Stine kämpfte einen schweren Kampf. Sie hörte eins Stimme, bie sagte: Laß die Hand von fremdem Eigent tum; bas ist gemein, was du tun willst. Wer sagt bck benn, baß bu dich nicht täuschst? Gibt es nicht Männ^ genug, bie eine -Frauenhanbschrift haben? Unb als oi nicht Manner auch geschäftliche Geheimnisse vor ihre! Frauen hätten! Sann wieber rief es in ihr: ben Briet hat Sir bas Schicksal in bie Hanb gespielt. Laß' bie GeS legenheit nicht unbenützt. Ueberzeuge bich! Sie Fra«! hat bas Recht, Briefe ihres Mannes zu öffnen!
Sie kämpfte mit einem Entschluß, bis sie mit einetil hastigen Ruck ben Umschlag entzwei riß.
Sie hatte nur zwei Papierfetzen in ber Hanb; Wal brinnen war, lag am Boben. Sie starrte darauf nieb« unb ihre Augen weiteten sich im stummen Entsetzen.
Ein lächelnder Mäbchenkopf mit dunklen Augen uni dichten, modern frisierten Haaren schaute ihr da ent* gegen. Eng schmiegte sich ein Kinbergesichtchcn an bei buntten Frauenkopf.
Sie wußte nicht, wie es kam, baß sie auf dem B« den kniete unb ihre Stirne auf bie Kante bes Dfenü zu liegen kam. Sie wußte nur, baß es warm über ihu Gesicht herunter lief, unb baß Blut an ihren Fingers klebte, als sie hastig herüber wischte, weil unten laus ihr Namen gerufen würbe.
Sie sprang auf unb stieß bas Bild samt dem Unu schlag mit bem Fuß unter den Schrank. Sann offne» sie leise bie Tür unb ging hinab . . .
Sie Base schrie laut auf, als sie die Stine sah. Aschfahl, mit buntten Ringen um bie Augen und blutiget Stirne kam sie in die Stube. Sie wehrte ab, als bie Base mit angstvollen Fragen auf sie einftürmte.
„Nichts ist! Nur ein wenig gestolpert und g’rab tnii der Stirn auf eine Kante gestoßen."
Sie Base konnte sich nicht so schnell beruhigen. Sie lief in die Küche unb holte Wasser, um die Stirne aus» zuwascheu. Sie ruhte nicht, bis sich Stine in den Lehn, tuhl legte, sich zu erholen.
G«qetzung foigQ