FuldaerZeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.
Nr. 102.
Verantwortlich für den redauionellen Teil' Dr. I. Kramer, u für die Anzeigen: I. Parze Iler-Fulda. u
Rotationsdruck u. Verlas der Fuldaer Actlendruckerei In Fulda, •ternipredier Rr. 9. Postscheck-Konto 4051 Frankfurt a. M-
Donnerstag, 4. Mai 1922»
Bezugspreis: Lkonarllch 10,03 Mk. zugestellt frei ins Haus- ~ Abgeholt in der Geschäftsstelle 9,50 Bit. > Anzeigen: Kleinzeile nachColonel 1.20Ulf.; auswärts2Alk. ^eklamezeile (Textbrrite) nach Colone'maß 6 Mark.
49. Zahrg.
WemilhW des RO»-Mem«dms.
Darthous Kbreife nach Paris.
Schwere Krifenftimmung in Genua.
Das vielbesprochene Memorandum an die Russen, ein Schriftstück, worin die Siegermächte Stellung zu allen wichtigen politischen und wirtschaftlichen Problemen Rußlands nehmen wollen, ist nun endlich fertig geworden. Ja, es ist sogar am Dienstag bereits der russischen Delegation überreicht worden. Nach seiner Fertigstellung herrscht auf feiten derer, die das Memorandum formuliert haben, nicht etwa Schöpferfreude; im Gegenteil. Die Konferenz befindet sich im Zustand größter Verwirrung. Man spricht von einer schweren Krisis, B a r t h o u ist in dem wichtigen Augenblick nach Paris nun endgültig abgefahren, B a r r ä r e, der berüchtigte Chauvinist, hat seine Vertretung in Genua übernommen und der Gewaltpolitiker Poincare sorgt durch Telegramme, die er aus Paris sendet, für eine weitere Steigerung der Schwierigkeiten.
Wichtig ist, daß das Memorandum an die Russen vorläufig von Frankreich und Belgien förmlich nicht anerkannt worden ist. Belgien, der Trabant Frankreichs, hat schon von Anfang an gegen die wichtigsten Bestimmungen der Denkschrift angekämpft: Barrere aber hat sich geweigert zu unterschreiben, ehe er aus Paris Anweisung erhalten hat. So ist das Memorandum am Dienstag abend den Russen übersandt worden unter Vorbehalt der nachträglichen Zustimmung der französischen und belgischen Regierung.
Der Inhalt des Memorandums.
Meldungen aus Genua zufolge enthält das den Russen übergebene Memorandum im wesentlichen folgende Bedingungen:
Die russische Regierung verpflichtet sich, die revolutionären Bewegungen in anderen Staaten nicht zu unterstützen. Sie erkennt die öffentlichen Schulden an die verschiedenen Regierungen an, die Mächte gewähren ein Moratorium auf Kapital und Zinsen. Die Alliierten übernehmen keine Haftung für Schäden der Gegenrevolution. Die Herabminderung der russischen Kriegsschulden soll innerhalb eines allgemeinen Abkommens der Alliierten über die interalliierten Schulden erfolgen. Die Sowjetregierung erkennt die Schulden der verschiedenen russischen Regierungen gegenüber Ausländern an. Sie verpflichtet sich, mit den Vertretern der Inhaber russischer Papiere ein Abkommen über die Wiederaufnahme des An- leihcdienstes zu treffen. Wenn dieses Abkommen nicht zustande kommt, wird die Entscheidung einem gemischten Schiedsgericht von Vertretern der ausländischen Inhaber russischer Papiere, der russischen Regierung und einem vom obersten Gerichtshof Amerikas eingesetzten Vorsitzenden übertragen. Die russische Regierung verpflichtet sich zur Rückgabe des ausländischen Kapitals oder zur Kompensation, lieber die Form der Kompensation hat ein Schiedsgericht zu entscheiden, das aus einem Vertreter der russischen Regierung und derjenigen Ration besteht, der der betreffende Eigentümer angehört. Schließlich bestimmt das Memorandum, daß die russische Regierung Anordnungen zum Schutze der Ausländer treffen muß.
Den Russen ist zur Beantwortung des Memorandums keine bestimmte Frist gesetzt werden. Die Antwort der Ruffen wird auf jeden Fall von großer Bedeutung fein.
Die Ztörungsversuche ysineaw's sind mit aller Deullichkeit im letzten Stadium der Beratungen über das Memorandum in die Erscheinung getreten. Rur wenige Mimten vor der Schlußsitzung der Russenkommrssion traf Las erwähnte Telegramm Pvmcares ein, worin er die französische Delegation ersuchte, die alliierten Vertreter bei Ler Konferenz zu bitten, die im Unterausschuß für russische Angelegenheiten ausgearbeitete Denkschrift den Sowjetsberwltmäch- tigten nicht zu übermitteln, bevor das französische MinisteriWN davon Kenntnis genommen hätte. Sollte dem Ersuchen nicht stattgegeben werden, so sollen sie alle nötrgen Vorbehalte bezüglich der in der Denkschrift enthaltenen Vorschläge machen, besonders hinsichtlich des Artikels 6. Das haben diese dann auch getan.
Poincare hat, wie Havas weiter berichtet, noch keine offizielle Einladung zur Teilnahme am Obersten R a t erhalten. Er fei auch weiterhin der Ansicht, daß eine solche Zusammenkunft gegenwärtig nicht angebracht wäre. Man müsse Len Verfalltag vom 31. Mai abwarten und die Entscheidung, die die Re- ecraticnckommission im Falle der Feststellung einer ab- ichtlichen Verfehlung Deutschlands treffen werde. Er ei außerdem der Ansicht, daß jeder Meinungsaustausch über die eventuell zu ergreifenden Sanktionen unter den gegenwärtigen Umständen zwecklos fei. Eine Debatte über Len üeutsch-rusfrfchen Vertrag von Rapallo und seine politischen, wirtschaftlichen oder sogar militärischen Folgen erscheine dem französischen Mnister- prästdenten verfrüht. Er sei der Ansicht, daß es besser fei, das vollständige und endgültige Ergebnis der Konferenz von Genua abzuwarten.
Irr IlÄ W GM« ns Mteil
Die nationalistische „Liberte" in Paris erhält von ihrem Sonderberichterstatter in Genua folgendes Telegramm: Darthou hat nach Paris Vorschläge Lloyd Georges mitgenommen, die einem Ultimatum recht ähnlich sehen. Wenn Frankreich ihm nicht in feiner russischen Politik bis aufs äußerste folge, werde er separat mit den Sowjets verhandeln. Wenn Frankreich es ablehne, nach San Remo zu gehen, wo Lloyd Georgs vor dem 31. Mai eine Tagung des Obersten Rates abgehalten wissen wolle, werde er das als eine Art Bruch betrachten.____
Rußland und der Vatikan.
wtb. Paris, 2. Mai. (Tel.) Wie eine Nachrichtenagentur aus Nom meldet, bestätigt sich dar in Vatikanischen Kreisen umgehende Gerücht, Tschitscherin werde demnächst im Vatikan von Papst Pius XI. und demKardinalftaatssekr. Gasparri empfangen werden. Mit letzterem werde er über die Zulaffung katholischer Missionäre in Rußland verhandeln, w ROMettW m!i die MW
WdlMW.
Die Reparationskommisfion hat'Dienstag vormittag, wie Havas mitteilt, offiziös über den Bericht ihres juristischen Sachverständigenausschufses betreffen die Folgen beraten, die der deutsch-russische Vertrag von Rapallo auf die Erfüllung der deutschen Reparationsverpflichtungen haben könnte.
l (Ein neuer Rrparationrvorschlag Lloyd Georger.
wtb London, 3. Mai. (Tel.) Der diploma- kifche Vertreter der „Daily Mail" in Genua berichtet, daß Barlhou an Poincare einen Plan von Lloyd George für eine umfassende Regelung der int era llierken Kriegsschulden und der Reparationen überbringe. Dieser Plan sehe vor, daß die gesamte Reparativ n s s u m m e cuf 110 Milliarden festgesetzt und dann in zwei Kategorien gefeilt werde; die eine von 65 Milliarden, die andere von 45 Milliarden. Die erste Zahl stelle die gesamte Summe der interalliierten Kriegsschulden dar und werde vorläufig vollkommen beiseite gelassen, und von Deutschland werde nicht verlangt, daß es irgend welche Zahlungen für diese Summe leiste. Die 45 Milliarden würden das unmitkelöare R c - parakionsproblem bilden. Del einer solchen Herabsetzung der Reparakionssvmme könne Deutschland eine internationale Anleihe auflegen, die z. D. die Zahlungen für die nächsten 5 Iahre decken könne. Die Annahme dieses Vor- schlages werde das gesamte Reparations- Problem auf eine gänzlich neueGrundlage stellen.
dem besetzten Gebiet.
’ Lin Zusammenstoß in Mam;. (Amtliche Darstellung.) Am 1. Mai vormittags 10.30 Uhr versuchte in Mainz Beim Fischtor ein Auto, daS von Zivilisten besetzt war, den Mäiumzug der Arbeiter zu durchfahren. Die Zug. teilnehmer und das Publikum wollten die Durchfahrt verhindern. Es kam zu einem Wortwechsel zwischen dem Chauffeur und Zugteilnchmern, in dcffen Verlauf der Chauffeur den Revolver zog und daS Publikum bedrohte. Der im Auto befindliche amerikanische Kriminalbeamte Kaplan sprang mit het Pistole auf daS Trittbrett des Wagens und bedrohte ebenfalls die Menge, die ihm den Revolver zu entreißen versuchte. Dabei entlud sich die Waffe und der Schuh ging Kaplan in den Arm. sodaß er in das Militärlazarelt gebracht werden mutzte. In dem Auto, das sich auf der Verfolgung eines in Richtung Wiesbaden flüchtig gewordenen amerikanischen AutoS befand, fatzen außer dem amerikanischen Chauffeur und dem amerikanischen Kriminalbeamten zwei deutsche Kriminalbeamte. Sämtliche Jn- saffen waren in Zivil, also als Militärpersonen nicht kenntlich.
Die Mrzdurger AnMZÄsrrferenz.
Stackere Dclelligung der Gemeinden an der Einkommensteuer.
Hebet das Ergebnis der Konferenz, die die Finanz- mirrffter der Länder unter Vorsitz des Reichsfinanzministers Dr. Hermes in Würzburg abhält, wird folgendes bekannt: ■
Es konnten zunächst nur allgemeine Richtlinien aufgestellt rvettdon, weil die gesetzgebenden Faktoren des Reiches und der Länder noch gefragt tverdsn müssen. Die ihnen zur Genehmigung zu unterbreitenden Richtlinien bedeuten ein wesentliches Entgegenkommen des Reiches gegenüber Ländern und Gemeinden, zu deren Gunsten vor allem eine andere Verteilung der Reichseinkommensteuer vorgesehen ist. Hieraus -werden Ländem Md Gemeinden künftig bedeutend höhere Mittel zufließen als bisher.
Zur Deckung des großen Fehlbetrages des Reichshaushalts soll unter Umständen eine neue Erhöhung der Umsatzsteuer, die eben erst von 1% auf 2 v. H. erhöht worden ist, vorgenommen werden. Das wichtigste Ergebnis der Konferenz ist die Abdeckung der Vorschüsse, die das Reich seit Anfang 1921 für die Beamten-Gehalts-Erhöhungcn Ländem und Gemeinden gezahlt hat. Sie werden in feste
Suf Menhammer.
Roman einer Ehe von D. (Ern ft berget.
31] ---------
»La, wies fellmol war", jagte auch er und ging hinaus.
Zwei Tage später stand die Tanne in der Wohnstube, und Stine hängte vergoldete Aepfel und Äusse und Zuckerfachen an die breiten Aeste. Als der Lenz den Saum gebracht hatte, meinte sie auch erst, er wäre zu groß und mache die Stube zu voll. Die Safe ließ das aber nicht gelten. Die Ecke, wo sonst die schwarze Säule mit der großen Fächerpakme stand, wurde freigemacht und die Tanne dorthin gestellt. Lenz hatte den Stamm abgesagt, daß die Zweige bis tief herunter hingen. „Wie jellmol, wo der Christianle die Zuckerstückle runter gess'n Hot", sagte er zur Safe, als die Tanne endlich richtig stand.
Sie nickte wieder. Ein leises Hoffen klang durch ihre SBorte, als sie sagte: „Grad' wie fellmol wo in Altenhammer alles fo glücklich war." . . .
An Weihnachten stand die Tanne fertig geputzt in der Stubenecke. Rings um den Saum herum lagen auf Bänfen die Gaben für die Dienstboten. Auf einem Tischchen daneben stand ein ganz kleines, geputztes Bäumchen, und darunter lagen Bilderbücher, Hcms- wurstel, Soldaten und noch viel anderes für den kleinen Joseph.
Die Uhr schlug vier Mal; cs begann schon zu däm- rnern- Stine überschaute noch mal alles, was sie zur Bescherung hingerichtet hatte. Dann zog sie aus einer Schublade einen in Fließpapier verpackten Gegenstand hervor und legte dos Paket neben die Sachen, die auf dem Tischchen für den kleinen Joseph bereit lagen. Das «ar ifjr Ehristgeschenk für den Gatten.
Sie entfaltete dos Papier. Die Schulzenbauern, stine von einst schaute ihr tnt reichgestickten Rahmen entgegen. Sie rückte einen Stuhl nahe an das Fenster und fetzte sich. Ihre Blicke weilten auf dem Bilde in ihrer Hand. Der große Pfeilerspiegel warf ihr lebendiges Bild zurück. Nur undeutlich waren im Dämmer-
licht ihre Züge noch zu unterscheiden; aber zusammen- gesunken und eingefallen schien ihre Gestalt. Die Stine von einst und jetzt! Nur zwei Jahre hatten aus dein blühenden, lachenden Mädchen ein krankes, kummervolles Weib gemacht.
Es wurde Stine ganz eng und heiß kn der Stube. Leise, damit der Kleine nicht erwache, öffnete sie das Fenster. Sie lehnte den Kopf an das Fensterkreuz und ließ den kalten Wind über ihre heiße Stirn streichen. Es war lautlos still ringsum; nur hier und da flog ein Vogel auf vorn verschneiten Ast.
Ihre Jugend war so schön und sonnenhell gewesen; vielleicht sieht sie gerade deshalb die Schattenwege, die sie jetzt gehen muß, so tief dunkel. Cs ist beim Menschen wie bei der Pflanze. Was von jung auf Sonnenlicht gewöhnt ist, kann im Schatten schwer gedeihen. Sie denkt der Weihnachtsabende daheim im Elternhaus. Wie klopfte da das Herzchen in freudig banger Erwartung! Am Christbaum in der Ecke Hinterm Tisch hin- gen Reiter, Sterne und viel anderes noch, was man essen konnte. Viel Lichter brannten zwischen den Aestcn, und cm Stamm hing die schönste Puppe, welche die Seien« kundl in der Stadt auftreiben konnte.
Als sie groß war und die Botenkundl nicht mehr die Läden in der Stadt nach der schönsten Puppe ab- laufen mußte, putzte sie selbst den Christbaum. Wo sonst die Puppe hing, waren jetzt viele Paketchen angebracht; die hatte der Schulzenbauer selbst aus der Stadt für feine Stine geholt. Er scheute weder Geld noch Mühe, um fein Kind zu erfreuen. Dann tarnen die Schmiedbäuerin und der Peter herüber. Stine mußte Glühwein machen und man aß Lebkuchen dazu. Wenn in der Küche die Mägde das Blei zischend ins Wasser plumpsen ließen und lachend das Gegossene sich deuteten, bann sprangen Stine und Peter auf und hielten auch den Löffel übers Feuer.
Was war das immer für ein Kopfzerbrechen, was die gegossenen Figuren vorstellen! Die Christin goß regelmäßig einen Rosenkranz und ein Gebetbuch. Der
Stine auf dem Hof bleibt. Und Peter nickte der Christin zu. — Daß sie das nicht vergessen konnte.
Wie mochte es heute auf dem Schulzenhof fein? Kam Peter noch herüber, ober saß der Vater allein unter dem Christbaum? Er war nur ein derber Sauer, der Vater; aber er war ein braver Mensch. Wie kläglich sank vor ihm ihr Gatte mit seinem eingebildeten Wesen zusammen!
Ein wildes Heimweh nach dem Schulzenhof erfaßte sie. Sie legte die Hände vor die Augen und weinte bitterlich.
In das verhaltene Schluchzen der jungen Frau klang ein Kinderstimmchen. Der kleine Joseph war erwacht. Sie beugte sich über das Veilchen des Kleinen und drückte ihn an ihre Brust.
Nun tarn auch die Safe von der Küche herein, geschäftig, mit hochgestülpten Aermeln. Ob sie heute das Esten eher richten soll wegen der Bescherung, wollte sie wissen.
Sie zündete die Lampe an und sah auf die Uhr. In einer Stunde konnte der Herr da sein. Sie meinte: beut’ hätte der Herr nimmer in die Stadt gehen sollen, da bleibt jeder richtige Mensch daheim.
> Stine sagte nichts dazu; aber gedacht hatte sie das auch. Wenn er nur rechtzeitig zur Bescherung eintraf!
Draußen schlug der Hofhund an und der kleine Kastor kroch aus seinem Hüttchen im Hausgang und kratzte winselnd an die Haustüre. Die beiden Frauen in der Stube rührten sich nicht; sie lauschten gespannt.
„Er is! 's is der Herr!" sagte die Base. Stine riß die Türe auf und trat ihrem ©alten mit dem Kleinen aus dem Arm entgegen.
„Weil Du nur do bist, Christian!" sagte sie froh. „Es ist alles bereit zur Bescherung. Wir haben nur auf Dich gewartet."
Sie hielt ihm den Kleinen zuin Kuß hin. Flüchttg berührten seine Lippen den rosigen Mund. Die kleinen Händchen zerrten am Schnurrbart; ärgerlich schob er das Kind zurück.
Kleinmogd ihr Schatz war ein Schuster, die goß immer
Schuh und Stiefel, und die Stine goß einen großen, „Ich bin hungrig. Vor allem jetzt was ordenlliches zackigen Klumpen. Die Christin meinte, das fei die große zu elfen", sagte er, während er den Hut auf das Sofa i Linde vor dem Schulzenhof und das bedeute, daß die 5 warf und d«v Ueberzieher herunterzog. 1
Beiträge des Reiches umgewandÄt werden, fo daß Län- der und Gemeinden künftig mit festen Zuschuß- fummen in ihren Haushaltsplänen rechnen können, lieber das hierbei einzufchlagende Verfahren gmx-n die Meinungen auseinander, eine endgültige Klärung ist noch nicht erfolgt, sie fall weiteren Besprechungen Vorbehalten bleiben.
Reichsflnvnzminister Dr. Hermes erklärte, er werde in Zukunft alle zwei Monate derartige Fiannz, konferenzen abhalten.
Der Sozialismus und die Jugend.
Bei den sozialistifchen Kundgebungen am 1. Mai ist allenthalben die starke Beteiligung Jugend» sicher und Kinder ausgefallen. Die „Zeit" berichtet z. B. aus Berlin:
Sei der Kundgebung, die etwa 200 000 Teilnehmer nach dem Lustgarten zog und im allgemeinen sehr ruhig verlief, fiel die äußerst zahlreiche Beteiligung der Jugend auf. Unter dem Gesang der Snternahonale marschierten die „Radikalen" unter dem Sanner mit dem Sowjetstern teils selbständig, teils „von Muttern" geführt, heran. Vor einem Zug der Kleinsten, vier-, fünf» und sechsjährigen Hosenmätzen, prangte ein Hefiges Schild, das der Träger nur mit Mühe schleppen könnte, mit der Aufschrift: „Kein Gott, kein Kaiser, kein Tribut! Wir fordern die weltliche Schul e."
Weiter folgte einem großen „Pappbanner", wie aus der Aufschrift erkenntlich, die „Kommunistische Stu deute nsraktion der Universität Ser» lin". Ganze acht Mann, unter denen sich noch bret Studentinnen befanden, ohne Hut, geschmückt natürlich mit dem Sowjetabzeichen.
Solche Demonstrationszüge orientieren in mancher Beziehung besser über den Geist einer Bewegung, als es die Reden der Führer tun. Die Feststellung kann man am 1. Mai immer wieder machen. ______________________
Eine Demonstration am 2. Rai.
Nach der großen Berliner Demonstration am 1. Mai gab es in der Reich-Hauptstadt bereits am 2. Mai eine neue Demonstration. Die gesamten städtischen Arbeiter demonstrierten gegen die Ablehnung des letzten Schiedsspruches durch die Stadtoerorb«tenveiHamm- lun-g vor dem Rathaus, nachdem sie sich an ver- chisdenvn Plätzen gesammelt hatten und von dort ge- chlossen abmarschiert waren. Die Demonstranten ver- uchten, die Postenkette zu durchbrechen und in das Rathaus gewaltsam einzudrmgen. Die Schutzpolizei wurde aufgeboten und mußte mit auf gepflanztem Bajonett und gezogenen Säbeln eingreisen. Cs wurden etwa zchn Personen verletzt. Gegen 1410 Uhr zeigten die Straßen wieder das gewohnte Dill» Es wurden insgesamt zehn Personen ftstgenommsn.
Deutscher Reich.
* Die Besetzung Oberschlesie» durch die deutschen bc,;w. polnischen Behörden soll nach einer Meldung aus Berlin etappenweise stattfinden, und zwar bereits o m 15. M a i beginnen und am 15. Juni beendet fein. Innerhalb dieser Zeit soll auch der Abtransport der interalliierten Besatzung erfolgen.
* Die neuen Teuerungszulagen. Bei den Der» Handlungen mit den Gewerkschaften über die Erhöhung des Einkommens für Beamte und StaatSarbeite, wurde von Regierungsseite der prozentuale Teuerungszuschlag in der von den Gewerkschaften verlangten Höhe (Erhöhung um 30 Prozent) für tragbar erklärt. Dagegen muffe die Erhöhung des KoPfiatzeS, insbesondere auch die Erhöhung der Grundlage, auf der der Kopfsatz berechnet wurde (von 10000 Mk. auf 15000 Mk.) abgelehnt werden.
Die Safe nahm ihm den Pelzrock aus der Hand. „Fisch gibt's; backene Fisch! So war’s schon mei Lebtag Mode auf Altenhammer, scho beim Großvater selig." i
„Aber dann vorwärts, hopp! Hunger hab' ich! Vorn Plaudern werd' ich nicht satt", drängte er.
Die Alte ging. „Sei die Mannsbilder is die Hauptfach' das Eff'n", brummte sie. „'s is aner wie der ander ..."
Der Saum war angezündet. Stine hatte von ihrem Gatten einen Ring erhalten mit einem großen Saphir, von kleinen Brillanten umgeben. Sie betrachtete wohlgefällig das wertvolle Geschenk.
„Die Steine hätten auch eine schöne Krawattennadel gegeben, Christian", sagte sie, den Ring an seine helle Krawatte haltend.
Da zog sich etwas wie ein langer Faden über die weiße Hemdenbrust herüber; Stine zog es weg und hielt es gegen das Licht — es war ein langes, schwarzes Frauenhaar. „Wie bist Du dazu gekommen?" fragte sie. . . .
Er drehte sich um und verglich die Zeiger der Wanduhr mit feiner Taschenuhr. „Weiß ich's", sagte er über die Schulter herüber. „In nuferem Omnibus kann man noch mehr mit heim tragen." Er versuchte einen scherzenden Ton anzuschlagen, aber seine Worte klangen unsicher.
Stine merkte das nicht. Sie lachte zu seinem Scherz. „Ja, 's ist wahr, der Omnibus ist dancuh."
Die Safe stand mit dem kleinen Joseph auf dem Arm daneben. Alle Freude war aus ihrem Gesicht wie weggeblasen. Nicht einmal die kleinen Fingerchen, die in dem runzligen Gesicht herumtappten, konnten sie zum Lächeln bringen. Ihr mißtrauisches Ohr hörte die Unsicherheit aus Christians Worten. Sie sah auch, daß es bei Stines Frage wie ein Erschrecken über feine Züge huschte. Der kleine Joseph streckte die Händchen verlangend nach den blitzenden Sternen und Glaskugeln aus — die Safe stand da und starrte in die glitzernde Pracht. Sie sah vor sich nur den breiten, schwarzen Hc arzopf, den die schwarze Kathrin wie eine Krone um den Kopf gelegt trug . . .
Uortjetzung folgt)