Fuldaer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Lladl Fulda.
Nr. 100.
NeranuoorNiL für Den ceoauioneUen leit* Dr. I. Kramer- - für die Anzenzen: I. Varze! > er-Fuida.
Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckere! in Fulbo torninTutret ST>r. " Vost'cbeck-Kon'v 4051 Frankfurt a M-
Dienstag, 2. Mai l922.
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49. Zahrg.
Der Friedenswunsch des Papstes.
Die russische Zraae im Mittelpunkt der Konferenz.
Line Note Tschitscherins an Dnrtyou.
Zufammenkunft
Genua steht im Zeichen lebhafter Bemühungen, dir ftnmer wieder neu auftauchenden WvderstLnd» zu über- winden und einen Enderfolg der englisch-italienischen Vermittlung-Politik zu sichern. Von verschiede nm Seiten werden diese Bemühungen unterstützt. Auch der hl. Vater hat mit einer neuen Kundgebung in dieser Richtung sich eingesetzt. Bemerkenswert ist vor allem auch eine Note Dchüscherins, in der er dem französischen Delegierten Barthou, der seine angekündigte Pariser Reise noch nicht angetreten hat, zur Versöhrwng rät und Hm goldene Brücken baut.
lieber die
Kundgebung des Heiligen Dakers
wird berichtet: Der Papst richtete an den Kardinal- Staatssekretär G a s p a r r i ein Schreiben, in dem er den lebhaften Wunsch ausdrückt, in der ganzen Well einen wahren und dauerhaften Frieden wiederhergestellt zu sehen, der in der Versöhnung der Geister und nicht bloß in einem Verzicht auf Feindseligkeiten bestehe. Er könne nicht seine innigste Ge- uugtuung darüber verbergen, dank dem guten Willen aller Starken, die Hindernisse befestigt zu sehen, die anfänglich die Möglichkeit eines allgemeinen Einverständnisses auszuschließen schienen. Die Rückkchr der menschlichen Gesellschaft zu einem normalen Zustand, der im wesentlichen mit den Gesetzen der Vernunft überrinstlmme und der sicherlich eine göttliche Ordnung sei, würde außerordentlich vorteilhaft für alle sein, für Sieger und Besiegte, besonders für die armen Völkerschaften am äußersten Ende Europas. Das Schreiben schließt: „Bei der universellen Mission der N ä ch st e n l i e b e, die dem Papste vom Heiland on- vertram ist, mögen sich alle von neuem mit dem christlichen Geist wechselseitigen Wohlwollens vereinigen in dem Bestreben, für das gemeinsame Wohl zu sorgen, bas endlich auch jeder einzelnen Nation die heften und dauerhaftesten Vorteile wieLergewähren würde."
Lloyd George
hat mft einer Aeußerung auf diese päpstliche Kundgebung nicht warten lassen. Wie ein Spezialbericht des Vertreters des WTB. aus Genua meldet, besagt eine offizielle Erklärung Lloyd Georges: Der Premierminister ist sehr erfreut über den Brief des Papstes und bewundert seinen Inhalt. Der Papst spricht mit vollster Kenntnis über die Zustände, die in Osteuropa herrschen. Der Premierminister glaubt, daß eine so klare und bestimmte Kundgebung des Helligen Stuhles zugunsten des Friedens mit Rußland eine große Ermutigung für alle christlichen Mächte Europas bildet.
Die russische Delegation
Hat sich inzwischen auch gerührt, um die bislang von Frankreich verhinderte Einigung über die russische Frage in Genua zu erzielen. Mitten in die Beratungen der ohne Teilnahme der Rusten tagenden Subkommission, die das den Russen zu überreichende und bislang schon teilweise abgeschlossene Memorandum feststellen soll, hat Herr Tschitscherin einen Brief an den Präsidenten Facta sichtet. Herr Tschitscherin übt Krüik an den Methoden der Konferenz, die dazu geführt haben, daß seine Delegation seit fünf Tagen vergeblich auf Fortführung der Verhandlungen wartet. Er weift energisch darauf hin, daß der Zweck der Konferenz doch eigentlich die Hilfe für die notleidenden Staa-
Auf Menhammer.
Roman einer Ehe von D. Ernstberger.
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Der Löwenwirt stand mit Heiner und Jackl unter der Tür, als Hanni zu läuten begann. Beim letzten Ton stieg er eilends in feinen Keller und schlug den Zapfen ins größte Faß. Und nebenan, recht handlich, stand ein zweites. Da war aber der Zapfen schon drin- neu und ein großes Loch noch dazu, durch das die Löwenwirtin recht bequem Äaster hineinschütten konnte. Der Löwenwirt sah die beiden Fässer prüfend an. Das eine war fast so groß wie das andere. Er rieb sich schmunzelnd die Hände.
„Des is Dei Teil, Kasper!" hatte die Löwenwirttn gesagt, als sie das Wasser am Brunnen pumpte. Ka- fper lächelte zustimmend und meinte: „Für die Bande is alleweil noch gut genug An ehrlich n Mensch'n könne die in ihr'n Ausschuß ja net brauch'«. Als ob ich net a ganz anderer wär' wie der Hemer und der Weber- michel!"
Den Hut tief in die Stirne gedrückt, trat der Schul- gen bau et aus seinem Haus Wenn sonst zur Wahl ge- gangen war, tjatte sich vorher im Schulzenhos der ganze Ausschuß versammelt, und man war zusammen ins Wahllokal gegangen.
Heute kam ferner. Nur der Peter stand wartend in seinem Hos. 2lls der Schulzenbauer näher kam, traf er ihm grüßend entgegen und ging mit ihm mitten durchs Dors bis ins Wirtshaus. Die Ebacher sollten nicht sagen können, daß ber Schulzenbauer keinen Freund mehr habe. Der erste Wahlzettel lautete auf den alten Bürgermeister, nud der Peter hatte ihn abgegeben. In die Wirtsstube ging er nicht.
Die Kleinbäuerin hatte ihre Sonntagskleider angelegt. Als der Zeiger ihrer großen Schwarzwälde' Uhr auf zwölf stand, wich sie nicht mehr vom Fenster weg. Hanni hatte ihr versprochen, sofort den Ausgao ber Wahl zu melden. Nun drückte sie sich schon seit einer Stunde am Fenster die Nase platt Jetzt mußte banni doch kommen! Sie üetz die Löwemmrishaustüre
bei San Remo?
ten hatte fein sollen, von der bis jetzt doch überhaupt nicht die Rede gewesen fei und er erklärt zum Schlüsse, daß die Gewährung von Krediten die Voraussetzung für die in seinem Brief vom 20. April gemachten Konzessionen gewesen sei.
Gewisse Wirkungen scheint die Aktion der Russen schon ausgelöst zu haben. In Konferenzkreisen wird erzählt, daß von einer befristeten Note an die russische Delegation auf Wunsch der Neutralen abgesehen worden sei. Jedoch dürfte im Laufe der Woche den Russen der fertiggestellte Ent- wurf der gemeinsamen Note mit der Bitte um Stellungnahme, aber ohne Festsetzung einer Frist, zugehen.
Wichtiger noch ist eine Meldung, die uns soeben auf dem Drahtwege übermittelt wird. Danach hat Tschitscherin am Sonntag abend einen
Brief an Barthou
entworfen, in dem er sagt:
„Das feit mehreren Monaten in Berlin ausgearbeitete und in Rapallo unterzeichnete Abkommen zwischen Deutschland und Rußland ist als ein gegen die Interessen Frankreichs gerichteter Akt angesehen worden. Es ist ausgesprochen worben, daß dieser Vertrag Ge- Heimklauseln politischer Art enthalte und die Angriffs- absicht Rußlands gegen Frankreich und seine Alliierten verberge. Trotz der wiederholten halbamtlichen Dementi der deutschen und russischen Delegation und trotz ber Erklärungen in der Presse erhält sich dieser Argwohn und beunruhigt außerordentlich die öffentliche Meinung und die Regierungskreise in Frankreich. Die russische Delegation hät es deshalb irn Interesse der Wahrhett und um jedes Mißverständnis über die friedliche Politik Rußlands zu beseitigen, für nötig, die- sen Brief an Sie zu richten. Es liegt nicht in der Absicht der russischen Regierung, weitere besondere Abkommen zu schließen, die das alte Abkommen vervollständigen, das die Mächte gegenwärtig in Genua beraten. Dieses Abkommen müßte erst die Grund- läge für den Weltfrieden werden; und was ferner Frankreich betrifft, so sei die rusiische Regierung der Ansicht, daß es zahlreiche Berührungspunkte zwi- schen den be'ben Ländern gebe, die ein llebereintommen über alle schwebenden Fragen erleichtern.
Nach dieser Richtung hin habe sich die russische Politik, ttotz der feindseligen Haltung, die Frankreich fett nunmehr 4 Jahren einnehmen zu müffen glaubte, nicht gewandelt. Die rusiische Delegation könne nicht verheimlichen, daß die französische Politik in der öffent* sichen Meinung einen lebhaften Widerhall gefunden habe. Die rusiische Regierung ist überzeugt, daß eine Aenderung der drohenden Haltung für die französischen. und russischen Unterhändler, wie auch für die Bevölkerung Osteuropas und die wirtschaslliche Ent- Wicklung daselbst ebenso nötig wie nützlich sein würde." '
Natürlich wird auf Grund dieser Vorgänge der endgültige Text des Memorandums in der russischen Frage in Konsere-nzkreifen mit großer Spannung erwartet. Von ihm wird ja die Weiterentwicklung sehr wesentlich alchängen. „Corriere della Sera" ist der Ansicht, daß eine leichte Besserung in der L a g e zu verzeichnen ist, infolge des Beschlusses, eine einheitliche Fassung des Paragraphen über die russischen Schulden von einem besonderen RedÄ- Konskomitee herstellen zu laßen.
nicht mehr aus den Augen. Der Brustfleck wurde ihr zu eng, so klopfte ihr Herz. Mit ber Lisbeth fing si zu schimpfen an, weil sie so schwitzen muhte. Daran war Lisbeth schuld; sie hätte nicht so viel schüren sollen! Lisbeth aber behauptete, das Feuer im Ofen wäre ausgegangen, es hätte ja niemand ans Nachlegen ge. dacht.
Je weiter die Zeit vorschritt, desto ungemütlicher wurde es der Kleinbäuerin. „Lisbech, unser Vater is durchg'fall'n!" sagte sie, als die Uhr eins schlug.
Sie ließ sich ganz zerdrückt auf den nächsten Stuhl nieder.
Da kam es zum Hausplatz hereingestolpert, daß die Kleinbäuerin zusammenschrak und meinte, der junge Hengst im Stall hätte sich losgerisien und käme hereinspaziert. Erschrocken sprang sie auf, da polterte es auch schon an die Stubentür . . . Hanni kam über die Schwelle. Er mußte so stark schnaufen, daß er nicht sogleich sprechen konnte. Aber fein Gesicht glänzte! Da wußte die Kleinbäuerm alles.
Hanni stellte sich so stramm vor sie hin, wie er es eis Soldat gelernt hatte. „Kleinbäuerin", sagte er salutierend, „ich gratulier! Ihr seid Fra Vurgerma- sterin!"
Don der Stund an hörten im Kleinbauernhof die Besuche nicht auf. Lisbeth mußte den ganzen Nachmittag Kaffee kochen. Was die Männer im Löwenwirtshaus beim Bier, das leisteten die Weiber in ber Kleinbauernstube mit Kaffee, lieber den Schulzen- bauern ging’s her, daß man nur so staunen mußte, wie so ein grundschlechter Kerl achtzehn Jahre lang Bürgermeister sein konnte.
Die Lumpenkundl kauerte in einer Ecke, löffelte den Kaffee aus einem großen Hafen und biß gierig von dem Kuchen herunter, den ihr die Bäuerin. gegeben hatte. Dabei entging ihr kein Wort. Die Schulzen- Christin gab ihr noch mehr dazu, wenn sie ihr wieder was vom Kleinbauernhof zu erzählen wüßte.
Als sich die Kkeinbäuerin endlich zur Ruhe legte, trat sie tn ihrer Schlafkammer nochmal an das Fenster und bett achtete sttllzusriedsn bett hellen Lichtschein, ber
Es geht auch ohne Frankreich. !
Lloyd Georgs denkt an Scnöerocrträgc.
Nach dem „Corriere della Sera" soll Lloyd George bei Erörterung des Memorandums betont haben, England sei fest entschlossen, unter allen UmständenamWiederaufbauRußlands teilzunehmen. Wenn die Konferenz von Genua nicht zu einem allgemeinen Abkommen mit Rußland führen würde, sei es klar, daß an Hand der hier geführten Verhandlungen mehr als ein Staat, unter denen sich auch Großbritannien befinden würde, berechtigt fühlen würde, Sonderoerträge mit Rußland abzu- schließen.
Zur Znderuilg an Deutschland.
wtb Paris, 1. Mai. (Tel.). Der Sonderberichterstatter des „Petit Parsten" in Genua meldet: Lloyd George habe wiederum die Notwendigkeit eines Zusammentritts der Signatar mächtedesFrie den s- vertrages von Versailles vor dem 31. Mai betont, damit über die Maßnahmen gesprochen werden könne für den Fall, daß Deutschland seinen Drrpflich- ftmgen nicht Nachkomme. Als Ort der Zusammenkunft hat Lloyd George eine kleine Stadt an der italienischen Riviera vorgeschlagen, die nicht weit von San Remo gelegen sei.
Gberschlefien.
Das Bandenunwesen.
In Antonienhütt« (Oberschlesien) hat nachts eine Bande von 60 bis 100 Personen, die mit französischen, russischen und österreichischen Gewehren gut bewaffnet war, ihr Unwesen getrieben. Drei an der Hüttenstraße liegenden Geschäfte, darunter ein Gasthaus und ein Fleischwarengeschäft, wurden durch Handgranaien demoliert und ausgeplündert. Verhaftungen konnten nicht vorgenommen werden, da tue Wache zu fchwach war, um den Banditen entgegenzutreten. Die interalliierte Kommission ist um Unterstützung gebeten worben, jedoch ohne Erfolg.
Aerzteprvtest gegen polnische Verleumdungen.
Nach einer Meldung der „Montagspost" aus Breslau hat der Verband polnischer Aerzte Schlesiens anläßlich der Ermordung Dr. Styzynskie einen offenen Brief an den Präsidenren Calonder in Genf gelichtet, in dem die oberschlefischen deutschen Aerzte in maßloser Weise angegriffen werden und ihnen eine shslemaiische Bekämpfung bei polnischen Berufsgenossen vorgeworfen wird und sie u. a. als geistige Urheber der Ermordung Sihzynskie bezeichnet werden.
Ter oberschlestsche Aerz!everband erhebt gegen diese Angriffe schärfsten Protest und stellt fest, daß die Behauptungen über eine feindselige Tätigten der deutschen Aerzteorganisationen gegenüber den polnischen Kollegen den Tatsachen nicht entsprechen, was schon daraus hervorgehe, daß gerade Dr. St. trotz seiner polnisch-nationalen Einstellung ein beionders rühriges Mitglied des oberschlefischen Aerzreverbandes war.
Hus dem besetzten Gebiet.
fpb. Französisches Flaggenoer bat. Für die Maifeier hatte ber sozialistische Magistrat in Höchst a. M bie Beflaggung ber stäbtischen Gebäube angeorbnet Der Kreis- belegterte, Major Schnebecker, hat jeboch bie Beflaggung verboten unb lediglich bas Mitführen von Flaggen im Festzuge gestattet.
vom Löwenwirtshaus über die Dorfstraße herüber fiel. Laut, sehr laut ging es da noch zu.
„Hoch soll er läben; hoch soll er laben; dreimal hoch!" hallte es herauf. Die Kleinbäuerin konnte ganz deutlich die Baßstimme ihres Seppi unterscheiden, ber sich mit hochleben ließ. — Sie riß bas Fenster auf unb beugte sich weit hinaus, obwohl ein kalter Nooember- wtnb um die Hausecke blies, gerabe in bas Ohr hin- ein, auf bem sie bas Reißen hatte.
Da fiel ihr etwas ein, was sie schon den ganzen Tag tun wollte und was sie mm doch fast vergessen hätte. Mit bem Oellärnpchen in der Hand tastete sie sich nochmal in die Stube unb suchte im Wandschränkchen nach Tinte unb Feber. In der Tischschublabe lag neben bem angeschnittenen Laib Brot ein dickes Gebetbuch. In dies Buch hatte sie alles, was sich in ihrem 2eben Besonders ereignet hatte, vorn auf öer ersten Seite geschrieben. Ganz obenan stand ber Todestag ihrer Eltern, bann kam ihr Hochzeitstag unb Lisbeths Geburt. Sie setzte ihre große Hornbrille auf bie Nase unb überlas langsam alles. Dann zwängte sie bte Feber zwischen bie steifen Finger unb schrieb mit großen Schriftzügen barunter „Heute, am 20. November 1913, kurz vor ' Kathrein, würbe mein Seppi Bürgermeister."
Nun war bie Seite fast voll. Nur ein kleiner, fingerbreiter Streifen war noch nicht befchneben. Die Kleinbäuerin meinte, bas sollt: gerade noch ausreichen für Lisbeths Hochzeitstag. Befriedigt legte sie bann alles wieber an feinen Platz unb ging in ihre Schlafkammer zurück. Am nächsten Tag in aller Frühe kam bie Magd ber Eöwemnirtin und brachte dem Kienbauern feinen Hut unb feinen leeren Gelbbeutel. Er hatte beibee ver- geffen mit nach Haus zu nehmen.
„Schö is bie Burgermasterwahl, Seppi," meinte bie Kleinbäuerm, „ober halt a teure Wichs." — „Die schö War' es allweil teuer, Kunbl!" sagte ber Kleinbauer stillzufrieben.
5m Schulzenhos war es m diesen Tagen recht still. Außer bem Peter unb ber Lumpenkundl war niemand vom Dorf dorthin gekommen. Selbst Hanni schien feinen Dienst beim Bürgermeister vergessen zu haben. Als ihn ber Schuizenbauer nötig hatte, mutzte ihn erst bie
Deutsches Reich.
j. Der Aettesteurat des deutschen Reichstag- versammelten sich am Samstag, um über die dem- nächstigen Arbeiten des Reichstages zu beraten. Angesichts der Tatsache, daß die deutsche Delegation bis zum 2. Mai noch nicht von Genua zurückgekehrt sein wird, beschloß der Aeltestenrat, daß die nächste Vollsitzung nicht am 2. Mai statt- findrn wird, und daß der nächste Sitzungstag aus unbestimmte Zeit verschoben ist. Die Ausschußarbeiten werden aber während dieser Zeit ihren gewöhnlichen Gang nehmen.
j. Das preußische Skaarskommissariat für Volks- ernährung. Wie während des Krieges, so hatte auch bisher die Verwaltung der Geschäfte des preußischen Staatskommisfars für Dolksernährung beim Reichsminister für Ernährung gelegen. Nunmehr hat das preußische Staatsministerium beschlossen» entsprechend dem Vorbild der übrigen Länder, die Geschäfte des Staatskommissars für Volksernährung dem zuständigen Ressortminister zu übertragen. Infolgedessen werden nunmehr die Arbeiten des Staatskommissars vom preußischen Minister für Landwirtschaft, Forsten und Domäner geleistet werden.
j. Lemnlengehäller unb Pensionen. Der Landtagsausschuß für Beamtenfragen beschloß, das Staatsministerium zu ersuchen, auf die Reichsre» gier ng dahin einzuwirken, daß den Ruhegehaltsempfängern und den Hinterbliebenen von Beamten und Lehrern die Wirtschaftsbeihilfen (Ueber- teuerungsZufchüsse) und die Befatzungszulagen gewährt werden. Ferner soll dahin gewirkt werden, daß den Beamten und Lehrern sowie Ruhegchalls- empfängern und Hinterbliebenen die noch ausstehenden Nachzahlungen schleunigst gezahlt werden, und daß die Zahlungen zu denselben Zeiten erfolgen, wie bei den im Dienst befindlichen Beamten. Weiter erklärte der Bcamten-Ausfchuß die Forderungen der Spitze norgani- sationen für berechtigt, den allgemeinen Teue- rungszufchlag zum Grundgehalt. Ortszuschlag und zu den KinderzuschlSgen auf 60 v. H. zu erhöhen und den bisherigen Sonderzuschlag auf die ersten 10 000 Mark in der Weise zu verändern, daß auf di« ersten 15 000 Mark ebenfalls 60 v. H. (Kopf- Zuschlag) gewährt werden. Das Staatsministerium soll sich für diese Forderungen gegenüber der Reichsregierung einsetzen und zwar soll für die Erhöhung der Bezüge der 1. M a i als Termin festgelegt werden.
* Zum Oberpräsidenken ber Provinz Westfalen ist, wie jetzt amtlich bestätigt wird, der dem Zentrum angehörige Landtagsabgeordnete Granowski ernannt worden. Gegen Granowski, der aus dem Arbciter- stande hervorgegcmgen ist, hatte gleich nach der Wahl des Provmzialausschusfes eine starke Hetze eingesetzt, an der sich alle Zentrumegegner beteiligten. Diese Gegnerschaft gegen Gronowski entspringt nicht zum geringsten Teil der Abneigung, die in weiten Kreisen gegen solche Beamte besteht, die nicht die vor geschriebene Beamtenkarriere durchlaufen haben. Es wäre sicher der Ruin unserer Verwaltung, wenn bei Besetzung der wichtigsten Staatsstellungen schematisch nach der Partei- schablone verfahren wurde. Für die Staatsämter können mir Leute in Frage kommen, die dafür qualifiziert und geschutt sind. Die berufliche Tüchtigkeit muß schließlich entscheidend sein. Daß diese indes nicht ausschließlich m den Amtsstuben selbst erworben wird, beweist die große Zahl der höheren Der- wattungsbeamten, die ftüher, im asten Deutschland, in wichtige Aemter berufen wurden, ohne daß man sie ÄS Fachmänner hätte ansprechen können. Das parlamentarische System bringt cs zudem mit sich, daß nicht nur reine Berufrbramte, sondern auch geübte Parlamentarier in leitende Stellungen gelangen, die dafür zu sorgen haben, daß die Arbeit der Parlamente
alte Christin herbeiholen, unb bann war er scheu und unsicher, wie eben nur ein böses Gewissen den Menschen machen kann. Der Schulzenbauer aber war verschlossen unb zurückhallenb. Da war bann jeher froh, wenn er mit bem anbern nichts zu tun hatte. So oft bte Lumpenkundl bei ber Christin in der Küche faß, hatte die alte Magb schwere Stunden. Was sie da alles über ihren Herrn zu hören bekam! Weil sie aber ihren Zorn an den Dorfleuten nicht auslaffen konnte, ließ sie ihn am Michel unb an ber Sleinmagb aus. An solchen Tagen konnte ihr niemand etwas recht machen: sie brummte unb schimpfte in einem fort
Das dauerte so lange, bis bem Michel bie Geduld riß unb er ber Lumpenkundl runbweg erklärte, daß er sie mitsamt ihrem Korb zum Hof hinausfchmeiße, wenn ste sich noch einmal zur Christin in die Küche fetze. Von bem Tag an war bie Kunbl wieber mehr im Klein- bauernhos zu finben. Sie wußte ber Kleinbäuerm schreckliche Dinge vom Schulzenhof zu sagen. All' bas Böse, was bie Christin in ihrem Groll nur angebeutet hatte, arbeitete bie Kunbl gründlich aus, unb damit es mehr ben Einbruck mache, sagte sie, ber Schulzenbauer hätte bas alles selbst gefügt
Da kochte unb brobelte cs nur so in der Kleinbäue- rin. Sobald sie jemand vom Dorf traf, kam es zum Ueberlaufen. Den Hanni warnte sie, sich nie mehr ein Gelb vom Schulzenbauern zu leihen, weil es sonst allen Leuten bekannt würbe. Den Heiner frug ste, wie ek eigentlich dazu käme, sich vom Schulzenbauern Esten unb Gelb geben zu lasten, er, ber Heiner, ber hoch fast ebensoviel war wie ber protzige Schulzenbauer, nur haß er sich halt nicht so viel einbilbe. Das ganze Dorf wisse darum. Sogar ber Lumpenkundl hätte ber Schulzen- bauer erzählt, wie viel Dank ihm der Heiner schuldig sei.
Zum Franzenbauern ging sie selbst hinunter. „Hör' Du, Detter, oorm Schulzenbauern ein wenig in Obacht nehmen, gelt! Erzählt ber Protz allen Leuten, sogar ber Sumpenfunbl, baß er Dir burch bie Christin eine Sau aus feinem Stall herführen lieh, als bte Deinigen alle ar. ber Seuch' krepierten unb Du kein Geld hattest, Dir neue zu kaufen."
(FartjeMig folgt)