Kttldaer Leitung
Druck der Auldaer rie»e«vr»ckerct ü» F»ld»
Jti. 99.
Sonntag- 3V. April 1922,
zu erkennen, wie unser ganzes wrrtschaMches Leden unter dem Druck der modernen Prioatmono. pole sicht. A. R.
Brief aus München.
In letzter Zeit machten hier wieder einmal die Fr«» denker, und zwar die „proletarische" Abart, in der Oeffentlichkeit gegen die Kirche Vorstöße und zogen hierzu zwei auserlesene Kämpen heran: einen abgefallenen Priester, der nun in Württemberg Amtsrichter ist, und einen ausgesprungenen Franziskaner. Die bei. den Hauptthemen waren die Beichte und die Person des Kardinals Faulhaber. Der Amtsrichter wollte zeigen, daß die Verpflichtung zur Beichte eine kirchliche Anordnung sei, die nicht in die ersten Zeiten des Christentums hinaufreiche, geschweige denn von seinem Stifter ausgehcn. Dabei bekundete der ehemalige Priester eine Unwissenheit in der kirchlichen Vergangenheit oder eine Skrupellosigkeit in ihrer Deutung, die bei einem nun. mehrigen Richter doch sehr zu denken gibt. 3m „Bayer. Kurier" wurde ihm nachgewiesen, daß er feine Weisheit aus einer Tendenzschrist holt, die längst widerlegt ist.
(Zur Dchchundertleier am 3. Dkn.)
Was die Gegenwart mit allen Kräften erstrebt: vAker- umsussMüe Derftänte zur Berfeibigimg der katholischen Sache oder zur Verfolgung großer kochoftscher Ziele zu schassen, das sintet sich langst venwEcht im Verein der GLoubensveobmitunG d-r am 3. Mai auf 100 Jahre zw- rückblickt. Moser chnww^ioste und oerdionteste MPons- verein, dem wohk die vornehmste Stelle im katholischen Der- emsteben gübührt, ist ein wahrer DeWunü, aLumfassend wie die Kt-che und wach Mon^emLerts Wort „ein- ihrsr gewetteten Jufllttrtionsr". Die SbamÄrs- und Dvrmö- g-nsurterschtede treten in ü>* zurück, und so bringt er die Weichheit der Kinder Go-Ses deutlich zum Ausdruck. Er offsnbart die Macht des DeremsgÄaNkens, intem er zeigt, wie sich ohne betrüchlliche persönliche Opfer und Anstren- gangen eitrig durch die GemD-Om'ckeit des Handelns ce- waltiee erzielen (offen. In der Einfachheit und
Zweckmüßigt rit ferner Arb-itsweffe ist er em imübettaf'e- nes D orb ikd geM^dsn -
Keme EinzÄpersönlichksit da-if sich rühmen,. dieses große Werk geschaffen zu haben. In der EesH'chte seiner Grün- drmy wie in seinem mustergültigen Ausbau «kennen mir deuKch die Hand 6er DoUsehung, die sich schwach« Werk- Keuge bediente, um im r'chügen Zeitpunkt ein War! zu ooW-r-iryan. wie es die Not dsr Kirche erheischte.
Zu Anstmg des 19. Jahrhunderts lag die Heidenmission völlig darnieder. De Gcheüschast Jesu, die die stärkst-n MWonskrSste gestellt halt«, war längst cr-1» gchoL on; ixe ftonzösisch- Revolution hatte fast alle übrigen Mrssioneaedm in dar. meisten tethokischrn LärSem unter- drückt. Die wrrigen Waubrnsboten drohten auszusterSen. Mit dem Niedsrgemg der kvHÄffchrn Ee-möchte, Fünften nnd Großen, mit 6er ’BtwU&wg der Kirche und der Unterdrückung der xeMchm MistaMmor, Stifte und Klöster versiegten auch die Hilfskp.Ekten. Nach menschlichem Ermesicn ginxen die Mtssioni-n dem Untergang ent- gegen.
Doch die Darseß-Mg fand Mittel und Wege, das er- h-benc Werk zu reiten und mietet zrr tel-ben. Bad erhoben sich die Olten aus dar Asch- und stwbten einer neuen Hochblüte entgegen. Sie lernten apostolische Ta- iigJcit als ihr- Haupte-ckgade betrachten. Auch die weiblichen Orden paßten sich den Erfordernisi«' 6er Zckt an. Später erstanden eigene MissionsgenoffMsckhsften von Män- nenn und Frauen. Die DeKmißtel sollten in Znkunsst weniger die Kirch- in* die G-r-ßen, der Welt auDemgen, sondern der Missrons-iser der Gesamtheit der Gläubigen, die sich in einem weltumfassenden Verein znsammenschlteßen würden.
Zwei fromme Fraren von Lyon waren berufen, mrab- hänaig voneinonter das Htksrwerk vokynb-rertan. Seit 1815 'sammelte Frau PeKt Geter zr-r Unterstützung des ihr befrormteten Bisthofs von Neu-Oil-rms in den D-r- einiglon Staaten: und Paulins Maria Isricot, eins für dEes Gute begeisterte Koufmarmstochter, bsgründete 1820, hauptsächlich unter den Arbeiterinn-»-, einer SeisenstSbrik, einen Verein zur Unterstützung der Miisionen des Pariser Seminars in Öftesten. Sie halt: wie durch himmlische Svlouchtung einen Plan gch.nLen, d-r die Derwalteng ihres Dsie-ns und die GeWstmmkum fpwleich leicht mochte und eine Ausdehmmg ins GronFenlofe gestaltete. Cs ist die EinteLirng in Zehner-, Hunderter- und T-Msender. gruppen, jede getestet von einem eifrigen Mitglied. Dmch TeAung'der Verein-gellen, der Zehnergruppen^ dchnt sich das Werk aus.
Zn Anfang 1822 fluchte man das Hilst-wett für Neu- Orleans auf eine brettere Gnmdioge zu ftedtn. Man hotte crftiTC.t. daß nur ein alla'merner, der Kirche ein- gegliederter Deren beim Delle die nötige Zugkraft de- sitzen roüiOe. Ans einer Versammlung cm 3. Mai wurde 6er Grundsatz bet AllremcüH-it angmoimnen, uni) bam.it trat der Weltverein für die Wekimission ins Leben. Jaricots Drganifa'ion ward zEundegel'gt und der Wo- chenbeitrag auf einen Sou (4 Pfennig) festgesetzt. Die l-esch-rdene JiMLstau löst« sctemn ihre Sondsrsliftrmg auf. Da der von ihr erdachte M’fflt das Rückgrat des Glau- bensvsre'ns bildet, so wird sie häufig öls S!if erin _ te« bezeichnet.' N«h einem Iaht erhielt b:r Verein, die päpstliche Bestätigung.
Rasch breitete sich das Werk in Frankreich au» und überfchitt die Grenzen des Landes tmd die Meere. Heute zählt es Mitglieder nicht nur in allen christlichen Ländern, sondern mich in den meisten Mssionsgebieten von Mask« bis zu den Efft-nSrn in der Steste., Begeistert haben es alle Päpste, viele hunderte von Dischöfen
mehr erhitzt worden. Darum beschlossen unsere Der- treter, bas Lftllen-jatz geschlossen zu hatten und den Franzoien das letzt« Wort zu lassen. Deutschland konnte sich das Stitischwsigen gestatten, weil für jäten verständigen Beobachter seine Verteidigung überzeugend geführt war. Schweigen war in diesem Falle wirklich Gold.
Wer von dem „letzten Wort" sein Holl erwartet, verrät wenig Vertrauen auf die sachlichen Gründe für fein Verhallen. Boi einem Strafprozeß gilt freilich di« strenge Vorschrift, daß der Angeklagte das letzte Wort erhallen muß, und das hat auch seinen guten Grund, damit nicht zum Schüsse der Angeklagte noch überrum- M werden tarnt durch eine unerwiesene Behauptung, die den Geschworenen den Kopf verwirren könnt«. Aber in den allerseltensten Füllen ift das letzte Wort für den Angeklagten von entscheidender Bedeutung. Er muß schon während der Verhandlung seinen Endlastungs- beweis geführt haben, sonst hilft ihm die Zungenfertig- keit bei Abschluß auch wich mehr. Und auch bei den Sire tixkeiten im gewöhnlichen Leben kou mt es auf den Wert der sachliche Gründe an, nicht aus den Krastsatz bei Abbruch der VerhanLIungen. Das ift in der Regel eine Wiederholung, die für verständige Zuhörer üdcr- Big ist, oder in v eien Fällen eine Uobertreibung oder himpsung, die ihrem Urheber weder Ehre noch Vorteil bringen.
’ Darum möchte ich aus dem Zwischenspiel von Genua die attgente.ne Nutzanwendung ziehen: Wenn du in Streit gerätst, so bleib ruhig und sachllch, erkläre dein Verhalten einfach und deutlich, spare dir alle Schett- trorte, und wenn dein Gegner sich auf die Taktik der Wiederkäuer verlegt, um seine falsche Behauptungen immer von neuem oorzubringen, so kehre ihm im Bewußtsein deines guten Rechts den Rücken zu und laß ihm das letzte Morst, das ihn auf die Dauer nicht glück- lich machen kann.
Dom M a i wird auch gesungen: „Da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus; .... mir steht der Sinn in die weite, ux le Well."
Das ist ein Klang aus der früheren Zeit, als die Winierwanderungen roch nicht Mode waren. Und wenn von einem Ausflug m die weite, weite Welt gesprochen wird, so denken wir an die fürchterlichen T “
* Politik und Rechtsprechung- ^m Haup c-usschutz des preuß. Landtages, der in der letzten Woche zu- famment-Ä, um die Mrb-ratmrgen tes-3uft ‘ Halts in Angriff zu rrchmm, wurde vom Berchter- ftatter de Erklärung abgegeben, dah lnfo^ der c h-chung feer G-richtsg-buhren und oer Echohuing Strafen wesentlich höhere ©uimijmen in Mem Jahre zu verzeichnen sein tceruen als im Voranschlag txs Hauchaits angegeben ist. Dann kam es zu emer lskchaften Diskussion über die Art und Weise der Rech tss prechunginder letzten Zell. Em Sozia- list führte ledhDft Klage darüber, daß d e Reastsspve- djung polllisch eingcstellt sei; so sei m einem Beleibi- MnAprozeß des M-mfters Sooer ng m JBresiau em Mann freige^rochen wsrdsn, der dem Mmister vorge- wvrfen hatte, er Hobe Mwisienlos gehandelt und m einem zweiten Falle sei ein Schriststelln, ter ©euer ng beschuldigt habe, er habe 27 000 Mark für Bersch.Amg eines Wayror» Schokolade erhallen, mit einer Geldstrafe von 200 Mark davongekommen. Dustizmm ster am Zchichoff erwiderte, er venirteile derartig Ent- fcheidtmgen aufs entschiedenste, aber es handle sich um AusnahmeMe. Der D-rieeter des Zentrums, feer Abg. Rh lei, stimmte der Auffassung des Mmisters bei. Zum Schluß wurde noch gefordert, daß 'n der Justizverwaltung nicht mehr so viel Hilfsrichter befchafllgt werden sollten, sondern daß mchr hauptamtliche StÄten für Richter und Staatsanwälte geschaffen wurden.
* Auö dem Muster and vrauns >/wklg. Wie e5 in der Berivaliung des roten Ucufteilanbe« Braun schweig zugeht, darüber hat der Sepp Oerter- Skandal und Enthüllungen aus der Braunschweiger Pol izei drastische Auskläiung ge eb.n. Astes das wirb aber von den Angaben des KommandeuiS der Braunschweiger Schutzpolizei BartbauS vor dem parlamentarischen UntersuchungS- ansschutz übenrossen. Zusammenfass-nd erklärte dieser unter allgemeiner Bewegung: Es gebe ketn SitofDelilt, mit Ausnahme von Mord, Totschlag und Staub, oas bei der Brauuichweiaer Schutzpolizei ntch, coitfefommen fei. Diebstahl, Betrug, Unter- tchlagung, Uckundeusalschung, alles fet vorgeko.nmen. i'ie E >'porung über dtese Dinge m Braunichwetg iji verständlich und man kann eS begreifen, daß sich
und ung-zLHAe Tttfftomrre als die Zierde des Dchchunderts, als Gottesrnerk gefeiert. M-nd 400 Millionen Mark hat der Verein aufgebracht zur Unterstützung der Herdemnis- chmen und der Kirche in der Diaspora; nicht elngeschlosien sind die 36 Millionen des Lubwlg-Missionsvereins, ton 1838 als bay-Mcher Landeszweig gegründet, feit 1844 selbständig ist. Die fest Anfang erscheinenden „Annalen', je ein Host für jede Zehnergnuppe, mit ihren ErzMurgnt von den Wundern ferner Wellen, von dem Helbeiftum der Mifsiomire irÄ> der Gimrbensireue der Neuchrchen, trugen die Degeistevimg in Polaft und Hütte, machten das Missionsrnerk zmn Gemeingut und befruchteten auch das WaubenÄ-bM in der Heimat. In einer Auftege von 348 770 Stück in, 13 Sprachen gingen sie 1913 um die Wett.
In Frankreich war die DereinsorglMifaticm am strengsten durchgesichrt, und drs Land ftand bis zmn Weltkrieg auch m der Höhe feines Vertrags an ter Spitze, um dann von test Tercinkgten Staaten überflügell zu wer« den. Mit rmerteroner^meiter Unparteilichlell hoben ine beiden Zentralräte von Lyon und Pans ihr Ehrenamt ber GvlrstmnnSnng und -Verteilung verwartet. Aber es rnurde doch in letzter Zeit als Mr-rgel eMpftrndon, daß die Leitung nasMieMch in frMizösifchen HL-ten lag. Zn- gleich hat sich die Einsicht D-chn gebracht daß em Ausbau tes S-MM-lv-reins in einen Werteverein ferne Wirk- samkest bedeutend krLftiZen märte. Der teullche LarÄes- zweia, ter Tav er ins verein (Sch Aachen), isth'.enn vm-^esanV-n unü hsi sich feit 1917 in einen Werbe- rerete umgefWiet Drei Jahre später trennte er sich vor, Lyon und unterstellt« sich umrntiettar der PropaganSa- fonsrtcaSan. Die nächste Zukunft verspricht die Dar- leEg"der ZentnÄe von Lyon-Paris nach Rom zu brm- qan Unter feer Propaganfea ro&d ein inierrarttffns'.er Zen- iToIrct das Werk leiten und die Landeszrvcige, noch dem Aachener Muster crrsseSaut, rverden ein kräfttges Eigenleben führen. ....
So rüstet sich der D-rein beim Eiirtrstt in fein zmestes I-chrhrmd-rt auf ferne gvoßen Waten. Mit dem M- ge.4n D-teterbmrd, dem Werke der hl. Krncheit, bcktet der Deiein der ELautensverbreillmg einen echten Vol- ierbunfe, wie ihn nur ter in der Kirche wehende G«st Gottes fchMffen konnte. Er verdient daher die b-Mcherte Teilnahws all« Eläudgen., Möge ihm das ^ubel;<chr Hm-dertk-ufente neuer Mitglieder zuführen! I
Unpolitische Zeitiäuse.
Bon Fritz N r e n f e m p e t.
Verlin, 26. April 1922.
Der M a t steht vor der Tür, — der sog. wunderschöne Monat. Ich kann nicht sagen, daß ich ihm mit wunderschönen Gefühlen emgegeusahe. Hinein kommen wir noch; aber wie heraus lammen, das ist feie Zrage.
Sanft war ter erste Mai ein kritischer Tag. Dieses Jahr ist es ter 31. Mai. Denn an diesem Tage sollen wir dem Reparationsausschusse 60 Milliarden funkelnagelneuer Steuern pnd einige andere Kleimg- ferten auf feem Präsentierteller entgegenbringen; sonst soll es uns schlecht gehen.
Wohl dem, der kvm Minister umfc kein Abgeordneter 'ft! Er laßt feie Dinge mit ter lantesübl.chen Geduld sich hctankommen und denkt: die Suppe wird wohl te'ckst f0 h^ß gece.jeti werten, wie sie gekocht ist. Und Wozu stno tenn Tausente von sog. Sachoerstänfeigen nach Genua gewailiahrtet, wenn sie ncht einmal die Mckikrsilz teschwören können!
Lst dos nicht etwas letchlsimtig gedacht? Mag schon sinn; ater tn diesen schlimmen Zeilen braucht man not» we^ 8 etwas Leichtsinn, um überhaupt den Kopf über -wuss« teilen zu können. Wer alle möglichen Gefahren aus fete Golfe wage legt, ter begeht eine Art von Selbstmord; denn aus lauter Todesangst kann man sich einen porxitigen-feot- bereiten.
Es muß fete; endlich mal wieder grünen und blühen auf Erden. Der Frühling hat dieses Jahr lange auf sich warten lasten Er hat uns auch noch besonders ge- aigert, intern er seine Nase eines schönen Tages durch di- Türfpaite stockte und bann plötzlich wieder ver- fcni), als ob er sich in feer Hausnummer geirrt hätte. Letzt aber wird es Mat, und es steht geschrieben, daß dieser Monte alles neu mache. Es ließ sich ja Noch mo! Versäumtes nachholen. Zum Be spiel köimeu die gestren-gen Herren, fei- sonst um Milte Mai ihren Eiskeller aufmachen, dieses Jahr einen Streikbeschluß Men; Abkühlung haben wir reichlich getroffen, mtd die Kohlen sind all« geworden.
Also, lieber Prints, wenn es sein kann, so beschere •hs einen recht schönen warmen tmd fruchtbaren Mai,
— ohne Zänkereien wegen des ersten Tages und ohne Krisis c .i letzten Tage.
Von einer Maibowle wollen wir fieter gar mast lebest. Wenn auch feer Waldmeister wächst, so kann doch ein gewöhnlicher Bürger den Wein nicht bezahlen. Cs gehl auch ohne Wvhol und ohne echte Kaffeebohnen: Für alles kann ter Mensch sich mit „Ersetz" behelfen; nur feer sruchttreibLndc Sonnenschein Ute) die Gnade Gottes sind unersetzlich. *
Aber die großmächtige Konferenz von Genua, wird uns feie feen politischen Frühliniz bringen? Ich weiß es nicht; vorläufig sieht es so aus, als ob feie vielen Köche den Brei verderben.
Worum haben feie Staatskünst;« in der letzten Woche sich gestritten? Wer das letzte Wort testen sollte. Das ist eine Frage, die bei den gewöhnt.chen Zänkereien von streitlustigen Männern und scharfzüngigen Frauen eine große Rolle spielt. Viele meinen, Ker tes letzte Wort spreche, feer habe gewonnen und könne als Sieger tes Schlachtfeld verlassen. W a s er gesagt habe, darauf komme es weniger an; es genüge, feafe der Wdcrpart zum Schweigen gebracht sei und dadurch seine Niederlage bekundet habe. Sülchen Wer- elauten sollt« man eigentl ch bei den hoh«i Siaats- kirfftlern nicht vermuten. Aber es ging in Gruilde so aus: Deutschland hatte sich eine Extratour gestattet mit Sowjet-Rußland, die auf der Tanzkarte nicht ver- zeick)net stand. Dafür bekam Deutschland einen Der- meis von se ten der Mauerblümchen. Es antwortete darauf tn aller Nutze und vieler Höflichkeit. Der Zwischenfall ist erledigt, sagte feer Ballvater Lloyd George und mit ihm alle Anwesenden. Doch am nächsten Tage kam aus Paris feie Order: Halt, so gcht das nicht; Deutschland hat das letzte Wort gehabt und das darf nicht fein, ihr müßt noch einen zweiten Verweis nach- schickrn! Unfe man tat dem Pariser Störenfried fean Gefallen, fabriz erte eine zweite Note, in feer feie Sache wieder gekaut wurde, und schloß mit ter Versicherung, mm sei die Sache wirklich erledigt. Darauf hätte nun Deutschland mit einer zweiten Antwortnote e.ndmcks- voll antreten können, cber bann hätte es wieder das letzte Wort gehabt, und feie Pariser hätten noch eine dritte Note verfangt. Mit Repliken und Dupliken wäre feie Arbeitszeit vertrödelt und feie Stimmung immer
Moderne Privatmonopole. 1
Sn ter süddeutschen konservativen 5kvrrrfpontenz lesen w r folgenden Aufiatz, ter auf feie .heutigen wirt- jchaftlichen Probleme ein helles Licht wirft:
Freie Wirtschaft ist tie Vor miss chung jeder geteih- nchen Emwiäumg des gefmr^-gewerbuchm und lozimen Levens -, feie freie Wirtschaft die sich unter tee Be- dimumgen ter sittlichen Ordnung stellt, tenn ohne moralische Drteung wird Frecheü zm Anarchie; Ordnung ist di- Voraussetzung feder Freiheit. Der bowerb ist ter Sauerstoff, ter das wirtschaMche Leben aesund cchalt; aber auch dieser Wettbewerb mutz mit sut-ich zuitänfegen Mitteln ausgefühtt werten. So ouifsen Freiheit und Ordnung auch im wrrtschaftuchen Leben zufammenktingen und vom Gedanken feer rotrt« schastlichen Ethik durchdrungen fern.
$can hört heute oxifadj feen Rus nach wirtschaftlich^ Freiheit, aber man vergißt ost, daß ter (Stegen ter wirstchaMchen Frechen nur dann, sich vollkommen äußern rann, w-nn tee zu bewirtfchastenten Gitter und Itorteutie in reichachsm Maße präfent (mfe; ift 3w!?’ jtorfmangel vorkMifeen, fo führt die freie Wrrycyaft zur Ausbeutung, tenn feie jcaprlaikräft.gen unter ten frei» winjttMtloch sich Betätigenden kau,en die Stoffe M- fammen, fetzen feie Schwächeren matt und fchasten fach rin Privormonopol, das rückfichtslos misgenützt wird, wenn feie Gewißen weit genug find. Solche Zustände tes Prroalmonopol..ftischLn herrschen vielfach in feer Welt, bsjonters auch in Deutschland, wsii eben der Wettkrieg die tzwhstof se cerpuLoert hat und die Stationen imirter noch nicht emig sind, um sich mit ihren Besitz- tü.r.srn auf feem legalen Weg eines geordneten Aus- laufchs auszutzrtfen, vom Ueberfluß abzugeben dorthin, wo ldtangei rft_ So ist feie freie Wirtschaft mehr oder wen.-gar tmaginär.
In ganz besonderer Deutlichkeit erleben wir diese stete Wirtschaft, die keine ift, in Leutsch.mL, jetzt unter dem Druck der besonteren Verhältnis d.e unter tem Vcmrgel nationaler motorischer Kräfte ernftannen sind. Was mir schon m normalen Zeiten erlebten: Der- trufurntze-n und Lylwicalisierung der Profeuktionsstatten — eine Verr.enung feer freien Wirtschaft durch feen hemnurngs-os gewortenen Äapimlismus — gestattet sich jetzt in den trüben Zeiten feer allgemeinen Hemmungen zu einer Regeiiraßigkstt: das gairze wirtfckMttiche Leben gerät unter feie Herrschaft der Truste, feer Synürtare, feerÄonoentionen.
Zu feen vielen Beispislen eines aus nächster Nähr.
Die Herste.umg mm W a s s e r m e s s e r n ist, seitdem ute Besorgung ter großen mtd kleinen Städte mit technisch zulänglichen WatzertertungseMrichtLMgen zur Reget wutifee, em uut’raticcr FabrikÄionszwoig geworden. Sofort griff auch hier feer Gedanke ter „Konvention" Platz, das heißt: feie Fabrikanten von Wasier- Eneflern schloßen einen Bund und fegten einen Preis test, unter tem nicht verkauft werden darf; feer freien Wirtschaft ist damit ein Schnippchen ge.ch.aMN.
Jin Ludwigshafen bei Atamcheim hat der in tceitai Kre.sen bekannte Fabrikant Friedrich Lux auch eine solche WasiermesfersadrÄ; er aber trat feer Konvention nicht bei. Das hat test Zorn feiner Kollegen erregt; sie ließen ihm kurznch jagen: „Herr Lux, wir nrtten Sie faput machen, wenn S e nicht unserer Konvention teitreien". Auf feen Einwand, daß es ersahrungsge-. maß bei fesvartigen PretLkonventlonen nicht ganz ehrlich zuMye, wurde aus tem gteichen Ätunte das E.NMftänfe- nis taut, daß wohl bei Konvemionen betrogen werte, daß es ater immer noch vorteilhafter sei, einer Konvention anzugehorm, bet ter betrogen werte, als gar keiner. Herr Lux ist trotzdem ter Konvention nicht bei getreten, weil er sich nicht untreu werten will. Die Kotwentionstvme mären nun aber feie Drohung in L<te Tat umsetzen, denn man hat in ten letzten Wochen feer Gememoe Enkenbach m feer Pfalz und ter Gemeinte Nierstein in RtzernhefM den halbzölligen Waiser- messer zu 300 bJtarf angeboren, während ter heutige Konvemionspreis 670 Mark ift.
Herr Lux macht nun durch Rundschreiben cm alle Snrereneuren daraus aufmerksam, m.e billig jetzt Wasser- rneffer zu haben sind; er selbst kann sich allerdings nicht dazu entschließen, solche Pfade zu wandeln und den Abnehmer gegenüber mit zweierlei Maß zu messen.
Wir haben hier in einem verhältnismäßig Keinen Ausschnitt ein typisches Beispiel dafür, wie die „freie Wirtschaft", losgelöst von ten Grundsätzen verpflichten, ter Wirtschafts-Moral zu einem Prioatmono- pol feer Ausbeutung wird; denn die Konvention setzt feie „Preise" natüttich so „fest", daß ihre Teilnehmer nicht zu kuttz feabei kommen. Heißt ein Geschäft. Man braucht keine große Orientierungsgabe zu besitzen, um
die allgemeine Enirüstung auch gegen dar ganz« Ministerium richtet, unter dem solche skandalöse Zu« stände sich breit machen konnten. Der bisherig, Junizminister Junke hat sich nun auch schon int Privatleben zurückgezogen» da fein GesundheuZ? zustand schonungsbedürftig ist.
aus dem Nachbaraebiet.
Petersberg. Am Mrtdwoch, ten 26. April, hiev feie Zahlstelle Petersberg des Christll Metall, arbeiter-Derbandes ihre IahresgrneoalversMMN» Sung ab. Der Vorsitzende, Kollege Stickel, gab den ®e» sthösisbencht. aus tem hervorgmg, daß rnmerhalb ter Zcchl- stelle tuchtg gearbeitet warten ist. 3m verflossenen Jahre wurden 11 MtgliederversamnÄungen und 15 Dorsllmds» fitzrmgen abgehab.en. An feie Verwaltungsstelle Fulda mut* den 25 558^7 Mk. aibgefilhrt. Nun mürbe zur tBorftante» wähl geschritten, die foigMdes Ergebnis hatte. 1. Dor- sitzcmder Ambros Stickel, 2. Porsitzenber Philipp Sauer, Ab. Jos Wchner, Kass lerer, Sauer Valentin Schriftführer. Ms Beisitzer wurden oewähtt Ambros Decker, Anna Axt, Jos. Hartmarm, Divmsins MMar, Leonhard Rupp, Wich. Sauer, Magnus Schreiner, Anna Mahr. Moysia Schreiner uni» Eduard Händler. Kolleoe Schmitt von Fulda feiet: dann einen Vortrag über das Thema: „Die christlichen Gewerk- schäften rm Kampfe um nationrie und wirtschaftliche Frei- heit". Nachdem die tem Vortrag folgende Diskussion fee» endet war, wmten die Dovavbellen zur Gründung einer 3ugy:<tebtetof, innvchach ter Zahlstelle vorgenvmm>-n. Als vorläufig-cr Iugendlelter rourte der Kollege Joseph Hartmann gewählt. Mönen nun im nou-sn Jahre Mitglieder und Borstondsmit^irter ihre Pflicht tun, damtt die Zahl, stelle Petersberg wie im cerrangenen Jahre nützliche Arbeit für die DolksgesanMeit leistet. _ Ä ,
----- Soden (Kr. Schlüchtern). Die Ortsgruppe Soden der deutschen Zentrums« p a r t e i hat fiir das laufende Jahr eine Reihe von Vorträgen und Diskrtsfionsabenden vorgesehen. So fanden bereits drei Vorträge durch Herrn Bürger- meister Radke statt, welcher in diesen die Entwicklung des Deutschen Parteiwesens und duffen Bestrebungen behandelte. In 'erfolgreicher Weise ent- ledigte sich der Vortragende seiner Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit ter Zuhörer. Anschließend an toten Vortrag wurde eine kleine Diskussion gehalten, wobei manch interessante Auffassung zu Tage trat. Ein weiterer Vortrag sand am 26. d. M. statt, in dem Herr Hauptmann a. D. Berta seine Zuhörer mit ter eigenen Heimat vertraut machte. Das gewählte Thema „Die geschichtüchs Bedeutung Sodens" führte die Zuhörer zurück bis m das 6. Jahrhundert. Durch fein reiches Wissen in der Geschichte der früheren Jahrhunderte bot Herr Haupt- mann a. D. Berta seinen Zuhörern einen genuh- reichen Abend und mancher lernte seine Heimat- f(teile noch mehr kennen und schätzen.
(fpb) Neu-Iflnburg. In einem urrteaussicht^ten Art-Anblick wurden einem Fuhrmann feie beiden Pferde samt dem Wagen gestohlen. Alle NachforschnngM nach feem Gefährt blieben bisher er- folgjlos. , . . .
(fpb) rkkainz. In reichem Maggenschmuck kam ter neue Rafeschleppdampfer ,Stoffe Corn, Fen- bei", ans feiner ersten Bergfahrt begriffen, an unserer Stadt vorbei. Der stattliche Dampfer ist Eigentum ter Badischen Aktiengesellschaft norm. ©ebr. Feudel, wurde auf der Schiffswerft von Gebrüder^ Sachsenberg in Roßlau a. d. Elke erbaut, hat eine Länge von 73 Metern, eine Breite von 22 Metern und besitzt eine Maschine von 1600 indizierten Pferfeekräftsn. In feinem Anhlmge tesmchen sich vier Scheppkähne, feie Kohlen geladen Halen.
:::: Maffei. Zn der An gelegen heit des Ko m» m u n a l ko n s l i k t s hat eine Abordnung der bürgerlichen Staltverordnelen dem Regierungspräsidenten den Auflö-ungsanlrag übermittelt. Es verlautet, datz von dieser Seite die Absicht bestehe, eine Ve r » Mittelung zu versuchen.
aus Gberhe^en und den hessischen Remtern.
)( Treyla. Der Beginn des neuen Schuljahres be- zeichnete fu'r die hiesige mittlere Schule einen be. deukungsvollen Wendepunkt. Als Folge der Bereinigung mit der gleichartigen Schule in Ziegenhain ist auf die seither sünsklaffige Schule die Unterfekunda auf. gebaut worden, was auch viele Eltern auswärtiger Schüler veranlaßt hat, ihre Kinder der hiesigen Schule zuzuführen. Sie konnte daher das neue Schuljahr mit mehr als 170 Schülern — davon allein in der Sexta 52 — eröffnen. Von der Ziegenhainer Schule wurden vertragsgemäß zwei Lehrkräfte übernommen. Die Eifenbahndirektion Frankfurt a. M. ist durch die Ein- legung eines Schülerzuges zwilchen Ottrau ute Treyfa den Wünschen iMereffierter Streife entgegengekommen.
greife, feie heutzutage für alle Verkehrsmittel gefordert werten.
Deshalb braucht man fteilich kein Stubenhocker zu werben. Wer klug ist, richtet seine Wanderungen so ein, daß er nur feie verbrauchten Stiefelfohlen abzu- schrslben braucht. Es kommt nicht auf die Kilometer» frefferti an, sondern auf feie Erquickung für Körper unfe Geist. „Warum in feie Weite schweifen? Sieh, bns Gute liegt so nah."
Im übrigen bin ich feer Meinung, die Herren Abgeordneten solllen noch einmal feie Frage prüfen, ob denn die Eisenbahn und feie Post verharren müssen bet feen hohen Gebühren, die den Verkehr halb tot schlagen. Es ist ein Schaden für bas Gemeinwohl, insbesondere für ten Familiengeist und feen Heimatssinn, wenn man ten Briefwechsel und ten Verwandtenbesuch für ten Durchschnittsburger unmöglich macht. Man sollte lieber einen kleinen Zuschlag zur Einkommensteuer erheben.
Das läßt sich fteilich erst regeln, wenn unsere große Tribut- und Pumpfrage gelöst ist. Bis dahin mußt du fehM, wo du teinen Anteil an Maienluft und Sommerfrische bir verschaffst.
Ein jeder strecke sich nach seiner Decke!