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FuldaerZertung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Aulda.

Samstag, 29. ßpril 1922.

Verontworrtich iür den cedaaionellen Teil- Dr. I. Kramer- ™ für hie Anzeigen: I. ParzeNer-Fulda.

fRotationebrurf u. Verla« her Fuldaer Saienbraifere' in Fulda ivemipredxr Nr. 9. Postscheck »Konto 4051 Frankfurt a. M

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Reklamezeile (Textbrestei nach Colone'maß S Mark.

Burgfrieden für Europa. €ine Rede des englischen Premierministers.

Sn Genua arbeiten auch tvsilerhin die verschieden­sten Faktoren Les politischen und wirtschaftlichen Lebens Europas mit großer Energie. Letzte, endgültige Klarheit, wie und was alles werden wird, läßt sich iwch immer rricht gewinnen.

Die Ententestaatsmänner erörtern, daran ist nicht pr zweifeln, allen Ernstes einen Plan, die von Lloyd George vorgeschlagene Rüsoungspause in die Praxis um­zusetzen, in Form eines Weltpaktes oder Burgfriedens.

Offiziell hat allerdings bislang die deutsche De­legation in Genua noch keinerlei Benachrichtigung über diesen Plan der alliierten Machte erhalten. Die Auf- rollung der Frage der Ver'yimMng von Sanktio­nen, die bei dem Burgfriedensplan eine Rolle spielt, «trrß es aber allem schon als ganz ausgeschlossen er­scheinen lassen, daß Deutschland vor vollMdete Tat­jochen gestellt wird.

Die Spannung im Verhältnis Frankreich und England dauert cm übrigen noch unvermindert an.

Die Sorgen Lloyd Georges.

Gegen neue Kriegsgefahren.

Der englische Premierminister hat in Genua vor den englischen und amerikanischen Pressevertretern eine Rede gehalten, die große Beachtung findet. Er sagt u. a.:

Als der Krieg zu Ende war, hofften mir, daß dies auch das Ende der Herrschaft der rohen Gewalt bedeuten würde. Ob diese Hoffnung sich erfüllt, hängt in vollstem Maße von der Genueser ftonferenj ab. Die Schwie­rigkeiten in Europa bestehen darin, daß es Zuviel ungeregelte Fragen gibt. Jede dieser Fragen enthält die Vorbedingung für einen europäischen Brand. Einige Leute sind ungeduldig, weil wir nicht in zwei Wochen zu einer Lösung gelangt sind. Es wird länger dauern. Die Washingtoner Konferenz hat drei Monate gedauert, aber sie hat ihr Ziel erreicht. Sogar sechs Monate oder ein Jahr würden nicht zuviel fein. Ich will nicht sagen, daß ich drei Monate oder noch länger hier bleiben werde. Aber wir dürfen nicht hof­fen, die Schwierigkeiten binnen zwei, drei oder vier Wochen zu überwinden. Wir müssen mehr Zeit dazu haben. Große Probleme liegen vor. Die ganze Grenze von O ste urop a ist so gut wie ungeregelt. Von der Ostsee bis zum Schwarzen Meere gibt es kaum eine Grenzlinie, um die es keinen Streit gibt, und jede Linie enthält in sich die Möglichkeit eines furchtbaren Konfliktes. Zum Teil liegt die Schuld bei keinem Wolke, sondern bei dem Durcheinander von Rassen, das in Mitteleuropa besteht. Es gibt unend­liche Möglichkeiten für künftige Konflikte, und ob Amerika will oder nicht, es würde unvermeidlich hineingezogen werden wie in den Weltkrieg. Hierdurch find die Schwierigkeiten nicht erschöpft.

Deutschland und Rußland sind im Zustande eine« halben Antagonismus gegenüber dem Rest von Europa. Das bezieht sich auf zwei Drittel von Europa. Nur ein Blinder kann sich einbilden, daß durch irgend eine Kom­bination zwei große Völker, die zwei Drittel von Europa repräsentieren, niedergehalten werden können. Die Völker Europas müssen in guten Beziehungen zu ein­ander stehen. Man muß sich klar machen, was es heißt, wenn Europa, ständig in zwei Teile gelagert, ver­fallen würde. Das deutsch-russische Abkommen war für manche Leute eine Offenbarung. Ich habe es schon vor langer Zeit gewagt, meine warnende Stimme zu erheben und zu sagen, was unvermeidlich geschehen müßte, wenn es kein gutes Einvernehmen gibt. Es ist unvermeidlich die Möglichkeit eines hungerleibenden Rußlands gegeben, das von einem zornigen Deutsch­land ausgerüstet wird. Wie lange wird es noch dauern, bis Europa verwüstet wird, wenn dies die ständige Politik irgend einer europäischen Kombination bildet. 5m Augenblick gehören wir zu einer beherrschenden

stuf Altenhammer.

Roman einer Ehe von D. Ernstberger.

27] ---------

Sie trat einen Schritt näher, legte ihre Hand auf seinen Arm und sah ihm fest ins Gesicht. „Versiehst mich wirklich net? Ich mein, ich hätt' doch deutlich g’reb’."

Er schüttelte ihre Hand, von seinem Arm. „Treib's nicht zu weit!", sagte er drohend. „Daß Dir „des Küble" nicht zeigt, wer Herr ist auf Altenhammer."

Se stemmte den Arm in die Seite. „Zeigte!" sagte pe herausfordernd. „Ich fürcht' mich net. Wirf mich naus und hetz' mir den Phylax nach. Sag'n ober tu ich's Dir doch, daß Du Dich und Dei Familie in Not und Elend bringst, wenn Du fo weiter machst, und daß Du .. ." Sie stockte, als wollten die Worte nicht mehr recht vom Munde gehen, dann wurde ihr Blick steinhart — „und da Du a Lump bist, ärger wie der Nachtwäch- ters-Jakob, wenn Du so weiter machst!" vollendete sie rasch.

Er packte sie am Arm und schüttelte sie, daß ihr Kopftuch sich lockerte und einzelne graue Haare über die runzliche Stirn fielen. Dann zeigte er auf die Türe.

„Naus!" zischte er keuchend vor Wut. „Augenblick­lich fort! Daß ich mich nicht vergesse, Hexe alte, miserable! Ich will's Euch etzt zeigen. Dir und meiner Frau, daß ich nicht nach Eurer Pfeife tanze!"

Die Safe war bis an die Türe zurückgewichen. Sie hielt die Türklinke in der Hand. „Do werd' bald aus- Vfiff'n sei", sagte sie hart. „Ich geh', und die Frau liegt, bis die Bäum wieder blüh'n, drauß'n im Kirchhof. Der Kummer, der Aerger und die Eorg'n: die drei hob'n scho mei Lebtag am erft’n und am schnellst'!, die stärkst'n Leut' umbracht, und die Frau Hot scho von Anfang an net zu die Stärtst'n g'hött."

Er ging ihr einige Schritte nach und zeigte wieder ®uf die Türe. Die Adern auf feiner Stirne und an den Schläfen waren ausgelaufen.

Sie schob mit rascher Bewegung die Haare wieder

toter das Kopftuch unb band es fester.

an-

Gruppe von Siegern. Dies wird nicht ewig bauern. Wenn unser Sieg in Unterdrückung ausartet, werden wir nach dem Gefühle der Menschheit den Sieg, den Gott uns gegeben hat, mißbraucht haben. Die Strafe wird unvermeidlich folgen. Wir müssen gerecht und fair sein. Wir müssen uns in der Stunde unsere, Triumphes beschränken: sonst wird Europa cm Chaos fein und zwar noch zu Lebzeiten von Leuten, die, rote ich, graue Haare haben. Darum habe ich sa>wer ge­arbeitet, um die Konferenz zu einem Erfolge zu ge­stalten. Ich bin erschrocken über das Sturmlei­ter, das sich am Horizont zusEmcnzieht und am europäischen Himmel höher und höher emporsteigt.

Das Sturmwetter wird unvermeidlich losbrechen, wenn nicht durch irgend ein Mittel die Atmofphär- g er einigt wird. Wenn Genua erfolglos bleibt, wird meine Warnung sich als berechtigt erweisen. Ich bin erstaunt über die Leute, die das nicht begreifen und an- aesichts der schwersten Sturmzeichen sich mit selbst- l ü ch t i gen T r i.v i a l i t ä t en befassen. Darum mochte ich, daß Genua mit einem wirklichen Friedenstag endet. Ohne dies wird es trotz aller Teilergebnisse cm Miß­erfolg fein. Ich freue mich, Gelegenheit zu haben, die, vor der brittfchen und amerikanischen Presse zu sagen. Sch wollte, Amerika wäre selbst hier, nicht aus selbst- süchtigen Motiven, sondern weil Amerika eine beson- dere Autorität besitzt. Seine Richtzugehörigkeit zu Europa würde ihm das Recht geben, das zu sagen, was uns, die wir alle in diese alte Streitftage verwickest sind, kaum möglich ist. Es ist zu spät, diesen Ausruf jetzt zu erlösten. Amerika ist nicht hier und Europa muß fein möglichstes tun, um feine fßrobieme auf eigene Manier möglichst gut zu lösen. Dies kann mit Slmer Hilse geschehen. Sie können die öffentliche Mei­nung erregen, die Leidenschaften aufstacheln und die Menschheit zornig machen. In folcher Atmosphäre ist kein Friede möglich. Aber auf der anderen Seite kön­nen Sie Geduld, Versöhnung und kamerad­schaftlichen Seist predigen, und wenn Sie dies tun, werden Sie Teil haben an einer historischen Tat.

s Ralhevsvs Antwort.

RoSherdru erklärte Pressevertretern gegenüber Mt der Rede Ltoyd Georges, Deutschland werde hinter jedem Plan, der dem wirklichen Friede n der Wo l t aus Ler Grundlage wahrer Gerechtigkeit und gleichmäsMsr Pflichten rmd Recht« aller NMnen inene, stchen und helfen, ihm (Erfolg zu verschaffen. Wenn es gelinge, ein solches Werk durchzusühWN, würden sich alle glücklich schätzen, die an der Konferenz teil- genommen hätten. u-suu

TMscherin über das -errtsch-rsUche Abkommen.

Trfchikscherin hat sich dem SlmderbeilckMftoller des „Temps" gegenüber in Genua dahin ausgesprochen, die wahre Bedeutung des Leuifch-rusfischen Abkommens fei, daß es den Grundsatz der Streichung aller gegen fettigen Forderungen ausstells, daß es mit einem Wort gesagt, zwischen den Bertragschsre- ßenden ,„tabula rasa" mache.

Deutschland Hobe so den Weg des Heils für Europa beschritten, dett einzigen, der zum Wieder­aufbau führen könne. Tschitscherin dementierte in aller Form dir Nachrichten über militärische Abmachungen zwischen Deutschland und Rußland und faßte so den Charakter der russischen Politik in Genua wie folgt zusammen: Rußland kapituliert nicht rmd wird nicht kapitulieren. Es roünfdjt die Versöhnung. Die ganze Politik der Großmächte, Rußland mit der Aussicht auf ein aggressives Vorgehen in Schrecken zu jagen, werde zu nichts führen.

»Ich geh' scho", sagte sie. „Nur eins muß ich Dir noch schnell sag'n, Büble. Stolz mußt net drauf fei, daß Du in an Lahr Vater word'n bist von zwei Bub'n. Es is a Schänd."

Sie fah, wie das Blut aus seinem Antlitz wich. Das hatte getroffen! Die Base öffnete die Türe und ging langsam hinaus.

„So Christianle", sagte sie mehr für sich wie für den andern, „g'sagt jst's, und des Hot fei müfl'n. Sch will ner auf n G'wisf'n hab'n. Die Blind'n fin mei Lebtag fcho die unglücklichst'n Menfch'n g'wef'n. Seh'n tust etzt, Du, da dei Weg der säuberst net is. Ich hob tu, was in meiner Kraft war. Die Zeit is um, wo ich G'walt g'habt hob über dich. Sellmcl hob ich und bei Mutter dich geführt: etzt fuchst dein Weg für dich unb bist der Herr vom Haus und ich bet Dienstbot ner.“

Langsam, mit müden Schritten und vornübergencig- tem Körper, ging sie in das Haus zurück.

10.

Um dieselbe Zeit beriete sich in Ebach alles für die Bürgermeisterwahl vor. An den Sonntagen, wenn die Nachmittagskirche vorüber war, füllte sich die Wirts­stube beim Löwenwirt schnell mit Gästen. Das war eine Seltenheit, denn so lang die Löwenwirtin ihren großen Kachelofen nicht schüren muhte, lief auch das Bier langsam vom Faß. Erst wenn die letzten Kartof­feln und Rüben im Keller lagen und der Herbstwind über die oben Furchen fuhr und das dürre Laub von den Bäumen riß, unterließen die Ebacher ihren Sonntag- nachmittagsspaziergang durch die Markung ihrer Felder, um ins Wirtshaus zu gehen und mit Karten, Plaudern und Streiten die Sorgen des Alltagslebens zu verscheu­chen. Diesmal hatte der Löwenwirt noch all sein Grum- met auf dem Felde liegen, ~unb im Kachelofen lag noch unberührt die Aschs vom Frühjahr her, aber trotzdem füllte sich die Wirtssiube von Sonntag zu Sonntag mehr und mehr.

„Wenn ner alle Jahr Burgermasterwahl wär'", sagte der Lüwenwirt zu feiner Frau.

Sie nickte. „Vielleicht tat dann a amol a G'fchetter ZBurgermafter werd'»", antwortete sie uxh badete:

Die Llliierlcn ja den russischen Vorschlägen.

Die Voss. Arg." teilt den Inhalt des von Herr Allner- ien ausgearbeiteten Memorandums, das die Antwort auf die russischen Gegenvorschläge darstellt, ausGenua mit, daß das Memorandum zweiteilig ist. Der erste enthält ein längeres Eingehen auf die rüst Forderungen und deren Zurückweif img. der zweite eine A n k u n bt = gung der Kreditgewährung in wch mcht bekmmter Höhe, aber nicht an die Moskauer Regie­rung, sondern an die russischen Geno ff en- schäften. Das MemorarÄum stellt kein ultr- m a t u m dar, ist aber sehr bestimmt schelten.

veuManös kKsnahme in den Völkerbund.

„Manchester Guardian" meLei aits Genua, es würden Anstrengungen gemacht, um Deutschland zu rer- cmlasscn ,vor der Septcmbcrfitzung der Völkerbunds- Versammlung um Ausnahme in den Völkerbund noch- zusuchen.

Loyd George kommt mich Bayern?

Wie die „Dost. Ztg." aus München meldet, soll Lloyd Geora« beabsichtigen, auf feiner Rückreise von Genua nach München u-Lr Oberammergau zu kommen. Für Mitte Mai fei für ihn und seine Fa- mille in Oberammergau Quartier bestellt worden.

Vie Uebergabe Gderschlesiens.

Richt vor Ende Mai.

Der Aufruf der interalliierten Kommission in Oppeln an die Bewohner Oberschlesiens, in dem noch vor einigen Tagen gesprochen wird, bis die Uebergabe Oberschlesiens erfolgen werde, ist dahin verstanden worden, als ob in wenigen Tagen die Uebergabe nun auch tatsächlich^ erfolge. Diese An­nahme ist unrichtig, da zunächst das eben fertig gestellte Abkommen zwischen Deutschland und Polen noch der Ratifikation der Parlamente der beiden Länder bedarf.

Auch die Besprechungen für die Vorbereitung der Uebergabe, für die nach dem Versailler Vertrag eine Frist von 4 Wochen bestimmt ist, werden erst am 4. Mai beginnen, sodaß die eigentliche Uebergabe frühestens Anfang Juni erfolgen wird.

Kus den KLten eines stellvertretenden Generalkommandos.

Der badische Finavzminister Köhler machte in einer Versammlung in Pforzheim Mitteilung von einem Berichte, den das damalige stellvertretende Generalkommando von KarlSruheim Herbst 1917 nach Berlin gerichtet hat. Dieser Bericht enthält die allerschwersten Borwürfe gegen daS Zentrum.

ES heißt darin, die gesamte, der Zinn um Spartet zur Bersügung stehende Organisation (Geistliche) korrumpiere die Stimmung des detttschm Volkes. Die Beweise dafür seien einwandfrei erbracht. Die Organisation dieser Flaumacher sei im Volke vom kirchlichen Sinne der kleinen Leute getragen, allmäch­tig durch den Nimbus Erzbergers. Ihre Arbeit voll» e: sich in der Dunkelhett und fei deshalb für das eralkommando unmittelbar nicht zu fassen. Nur von der Zentrale und im ganzen Deutschen Reiche könne dieser ungeheuren Schädigung begegnet werden. ES dürfte dabei aber nicht daran vorbeigegangen weiden, die unheimliche Geschlossenheit der Organi- sation zu kennzeichnen unb ihren objektiv landesge» jährlichen Charakter aufzndecken.

So also dachte im Jahre 1917, nach 3 KriegS» jahren, ein deutsches Generalkommando über daS Zentrum. Der „Badische Beobachter" nennt diesen Bericht mit Recht ein „perfides Schriftstück" und legt im einzelnen dar, wie sehr der Inhalt dieses Machwerkes der Wahrheit inS Gesicht schlägt.

Umögebung der Rheinischen Z entrums.

Auf einer Tagung in Königswinter wur- den folgende Beschlüsse gefaßt:

1. Der ProvinKÄmisschuß der rheinischen Zentrums« Partei spricht seine volle B Uligung aus zu der von dem Reichskvch'ler Dr. Wirth bei der Konferenz in Genua betonten und mtwpnt verfallen Politik der WAevvevsöhmmg imb des r '-hüfitichen Wiche roufdaues non Europa. Er muß dabei t»ie Aufmerksamkeit der Koa- feven^ von Genua richten auf die unerträgliche Höhe der Besatzung des Rheinlandes, weiche nicht mur schwer auf der Bevölkerung testet, sondern auch der xf®)- (img der Reparatisnskosten rrngcheure Summen entzieht, welche für dm Wiedewafbau der zerstörten Gebietenutz- bo- gemocht werben könnten. Dabei muß er er ichoch aUf .bas entschiedenste aSlolmen, eine Erleichterung dieser Desatzungslosten etwa dadurch zu ertew, daß das Rhem- tesrh einer Lockerung feines Dechüliimlses zum Reich ober einer smstttgen Aenderuna seiner politischen Derhästnstffe zu- stimmt. Reich mÄ Rhein geboren in Kultur. Geschichte imd Wtefichaft seit mehr als einem Sahrtoussnd mfirenn- bar Msonnren. Niemals werden wir die Evfülluno be­stimmter Wünsche «us der Hand einer, fremden Macht at> nehmen. Mehr als diese Wünsche lyrt uns stets die na- tianaüe Cteheit bes deutsche Voltes mÄ dös tmoerminbeite Festigkeit drs Deutschen Reiches bedeutet. GsoenKber bei offenen irrt!» geheimen Propaganda, welche bös rher nifibe Bevölkerung für die Gründung einer selbständiger^ Rhcinischen Republik unter französischer Obschoheit druck, DovspteAsl-rrng größerer wirtschrsstlicher DvrteNe^ oder an­bei-« ErleichterMgen in steuerlicher Hinsicht gewinnen will, • weist der VrrwmziaiMksichuß darsur hin. daß der De- haupdung. eine AenbermU d« politischen Derhastnisie^ des Rheinlandes write eine Befferrmg seiner wirdschnftlichsn Oase hciübeiführen, keinerlei Gleichen beizmueflen ist. Die im vorigen Jahre mit den Sanktionen gemachten Crfoh- nmgen Haden deutlich gezeigt, daß das wirfichaftliche Ge­deihen des Rhsirckandes unKslich vsrfiPi^t ist mit ferner Zugehörigkeit znm Reiche. Die Rheintschs Zentrumspartei fit gern®, dte große NufMbe der na­tionalen Abwehe im Verein mit all« übrige« rxttsrländfich gssinnlen Parteien zu lefiten. Anderseits mutz sie auf das bestimmteste fmdern. daß nicht durch eins s'nseitige auf parteipolitische und wlrtschastspofitische Werbezwecke eiiHgestellte Agitation einzelner Parteien imd wärfichastlicher Organisationen biete s Zusammenarbeiten jum Schaden des Vaterlandes erschwert ober unwirksam gemacht wird. Die Mitglieder der Rhein. Zentrumspm.tei vertrauen ttotz aller Leiden und Dsdrängnifie des besetzten Gebietes auf eine bessere Zukunft der cheinfichsn Heimat und des deufichen Vaterlandes. Sie werben durch Wort mzd Tot unentwegt Weiterarbeiten nach den voterländischsn unb chrfitlichen Grundsätzen der Zentnmnspariei zum na« tfimolen und winfichafKchsn Wiederaufbau des dsirfichen Volkes.

2. Der Proonrzialausfchuß der Menrrfchsn Zentrums­partei erfemit an, daß eine Getreideumlage in der bisherigen Form u n m ö g l i ch fit; sie macht die dauernde Sicherung der ErnKhoung der Bevölkerung unterrchmlhr- bar, weil sie die hierzu unumgänglich notwendige Den» mchruna der lemdwirifchaftlichen Erzeugung hindert.^ An der raschen und fortschreitenden Hebung 6er landwirtschaft­liche« Erzeugung aber hat die deutsche Volksgeme'nschast klas größte und entfcheidsnst e Inte reffe. Ilm aber die Ernährung der breiten Volksmassen nament- kch in den Großstädten und Induftriebezteken zu sichern, muh von ter Landwirtschaft gefordert werden, daß sie durch ihre Organitetwnsn in Verbindung mit dem reellen Handel .unter klusschalitzma drs fpekrÄaü'wrn Zwilchen- Handels durch rechtzeitige Schaffung einer Drot- teferoe etne gwitgertbe Mengs Getreide bet Dokks- emälyrwtg zur Verfügung stellt. Der Lcmdwiriffchoft muß hierfür ein Preis gesichert werden, der vom Reich im Ein- vernehmen mit den Vertretern her Landwirtschaft test gesetzt wirb. Unter Hinweis auf ttsfbedouerliche Vorgänge er* w-miet 6er RkeiUfiche Vvovingialausschiiß vem ter Regie­rung die äußerste Verschärfung der destcherden Stocfen für widerrechtliche Ausfuhr do« Lo- bensrn itteln.

»

• Auf dem mefifMchen Partrikrlg in Hemm sprachen Stegerwalb urtb Fri. Dransfeld. Einstinimitz beschloß die Versammlung die Absendung folgenden Tele» gnammes an die deutsche Delegation in Ge­nua: „Parteitag des Weftsälfichen Zentrums sendet in Anerkennung ter bisherigen Hattrmg der deiufichsn Dele-

ßump’n sin's, niederträchtige! Wos hob ich fchv Maß Bier herg'fchenkt des Jahr und kaner sagt: Der Löwen, wirt tat a zmn Burgermaster paß'nl

An den Tischen, wo von der Wahl gesprochen wurde, hatte sie immer zu schaffen. Da wußte sie es bald, daß der Schulzenbaucr nicht mehr gewählt würde, der Klein­bauer aber die besten Aussichten hatte. Es war schon so weit, daß der ©emeinbebiener, der Nachtwächter und der Flurer, sich ganz offen an den Tisch zu setzen wag. ten, roo die Anhänger des Kleinbauern ihren Rat hiel­ten. Der Löweuwirt mußte bald Tische zusmnmenrückeu, wo zuerst nur der Kleinbauer mit dem langen Heiner, Sack! und Stoffel gesessen war.

An einem Sonntag kam die Lisbeth mit dem Arm­korb unb brachte dem Vater einen ganzen, großen Preß­sack zum Abendstücken. Weil der Kleinbauer allein da­mit unmöglich fertig werden konnte, lud er auch Heiner mit Sackl und Stoffel zum Essen ein. Die Löwenwirtin mußte auch jedem eine Matz Sier dazu bringen, die der Kleinbauer bezahlte. Am nächsten Sonntag, als die Lisbeth mit dem Armkorb wieder dis Dsrfstratze herauf ,tatn, rückten auch der Franzenbauer unb der ÜJlaurers* andres ihre Stühle näher an den Tisch des Kleinbauern heran. Mit Red sahen es die anderen, wie gut der Preßsack schmeckte, und am folgenden Sonntag ver­suchten es noch viele anders, sich biefen Genuß zu ver­schaffen. „Die Baude hätt'n wir net braucht", meinte Stoffel freilich. „Wir hätt'n unser War a fress'n könne."

Als an Allerheiligen die Löwenwirtin zum ersten- male wieder schwere eichene Klötze in den Kachelofen schob, war man darüber einig, daß kein anderer wie der Kleinbauer gewähll wurde. Der ganze künftige Aus- schuß war beisammen, unb wer nicht in die Wahl kam, weil man so viel nicht brauchen konnte, der bekam Zu­geständnisse für alle Anliegen, die zu erfüllen Sache des Dorfoberhauptes und feiner Beiräte war.

Mit grimmigen Blicken beobachtete dies der Weber- michel. Er faß immer allein, weil er sich mit dem langen Heiner nicht an einen Tisch setzen wollte. Er ärgerte sich schrecklich, daß der Sdntlsenbauer sich fo gar nichts um die Wahl kümmerte. Wenn er an Sonntagen Wch ins Wirtshaus käme unb eatige Maß zahlt« unb

von der Christin Wurst unb Dörrfleisch zutragen ließ, bann wäre der lange Heiner mit seinem Kleinbauern bald allein am Tisch — so allein, wie jetzt er. Run kamen ihm oft versöhnlichere Gedanken. Aber was half das? ... Er hatte es ja oerrebet, da er mit dem Heiner je wieder gut werben wolle.

„Der Teufels feil mich hol'«, wenn ich mit bem Lump'n mehr reb!" hatte er einmal in der Wut ge­schrien, unb seitdem mußte er immer an bett Teufet benfen, wenn er den Heiner sah. Das kam fo. Heiner war einmal nachts vorn Wirtshaus heimgegangen: ba war mitten aus bem Himmel heraus was Feuerige, baher geflogen unb gerade über Michels Haus verschwun­den. Es war die Rächt vor bem Warpurgistag.

Es schüttelte ihm den ganzen Körper durcheinander unb er lief zähneklappernd ins Wirtshaus zurück und erzählte es der Läwenwirtiu unb ihrem Manne. Am nächsten Tag erzählte man sich im Dorfe, beim Weber­michel fei in der Nacht eine Here durch den Schornstein in das Haus gefahren. Seitdem hieß es, die Weberin fei eine Hexe. Der Heiner sagte es ihr laut ins Gesicht, unb von bem Tag an bestand zwischen Michel unb Hei­ner die Feindschaft.

Das war schon vor vielen Jahren. Damals kam Heiners Acltester in dis Schule, unb jetzt hatte er schon des Kleinbauern Staümagb zum Schatz. Da hätte man denken sollen, die Geschichte sei längst vergessen. Das, wäre auch sv gewesen, wenn im Kalender der Walpur- gistag ausgefallen wäre. Aber an diesem Tag wurde die Geschichte immer wieder aufgefrischt. Daß am Wal« purgistag die Kinder lärmend durchs Dorf zogen, um' die Hexen zu vertreiben, bas war in Ebach schon immer fo gewesen. Die ältesten Männer erinnerten sich, daß auch sie schon mit blechernen Töpfen unb Kannen be Hexen am Walpurgistag ausgetrieben hatten. Neu wvc, daß die Kinder fetzt dazu fangen. Heiner hatte es gr- bidjtet Es hieß:

Hex, hex, Fledermaus!

Flieg' dem Weber zum SckLot naus.

Flieg' nachts um Zwölfer wieder nei; Beim Weder kehr'n dis Hex'« ei;

Unb triskü 0 ©löste Hex'mv«t ' $. t