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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sfaöf Fulda.

49. Zahrg

Nr. 97

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um etwas mehr handelt, als um die Grenzlinie oder um sonstige spezifisch

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Welche Auffassung zutreffend ist. muß sich erst noch 'Zeigen. Zu der Berufung auf die früheren Umfälle von Lloyd George muß man freil'ch beachten, daß es

Deutsche Fragen, die England nicht in seinem Lebens- iT* new berühren. De Eröffnung des russischen Marktes und der wirtschaftliche Aufbau 1 oon Europa überhaupt sind für die englische Er- '* Werbspolitik von s o wesentlicherBedeutung,

»Dir Doktor könne sag'n, was sie mög'n, und unser ^Eirgctt tut, was er will. Mach'n Se sich kein Kummer *** Frau, Sie werd'n bahcun a wieder g'ivnd", tröstete

' , daß das Weltreich sich schwerlich auf die Dauer der '» , engherzigen und verderb!icl)en Gewaltpol'tik der Pariser l opfern kann. Um so weniger, als England in der L Wrüstungssrage einen starken Rückhalt an Nordarne- t rika hat.

Für die Anbahnung einer Verständigung zwischen Frankreich und England scheinen übrigens schon die «sten Schritte getan zu sein.

Ein am Mittwoch abend in Genua ausgegebenes Can.munique der englischen Delegation besagt:

Nach Ansicht der Mehrheit der Allrerten ist es not­wendig, daß sich die Unterzeichner des Bersailler Ver­trages über die Maßnahmen einigen, die M ni-

tierammortltd, >üi den croauionelleii Teil' Dr. F. Kramer- a für di» Anzeigen: I. V ar zeI'er»Fulda.

Nmarlonsdruik u. Üeriao der i^ulbner Art len Druckerei in Fulda r»i-n'-',kkder Nr. 4 Voll ckeck» Kan o 4051 FranUuri a TO-

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Lusammenkuast der Zlgnaturmächte in Genua oder Pads

Was die Amerikaner über die Konferenz sagen.

Stine kränkelte den ganzen Sommer durch. Schon hingen die Früchte reif an den Bäumen und da und dort zogen lange Spätsommersäüen durch die warme Lust. ,

.Wenn nur erst wieder warme Lüfte wehen, die werdest die Lunge schon aushetlen, Frau Stock", hatte k«r Doktor im Winrer gesagt, als der schreckliche Husten Und als er int Frühling wiederkam, meinte er: ^cht'hinaus! Immer in die warme Luft, Frau Stock. ®is die Herbstnebel kommen, muß der Husten vorbei «llin, fonft gibt's einen bösen Winter."

Aun war es Herbst. Der Doktor kam wieder, dies» wai schüttelte er bedenklich den Kopf. .Unser Winter ist nicht? für Ihren Husten. Sie müssen nach dem Sü­den, Frau Stock. Ihr Mann kann's machen, und tas Haushalten ist in guten Händen, wenn Sie auch nicht da sind."

Stine schaute den Doktor an, als verstünde sie nicht, was er sagte. Tränen traten ihr in die Augen.Das kann ich nicht, Herr Doktor", antwortete sie mit beben­der Stimme. .Weg' von meinem Buben, das kann ich Kicht. Keine Stunde! Wenn's schon mal hier nicht bes­ser wird, draußen wird's auch nicht. - Dort sterb' ich vor Sehnsucht nach meinem Kinde."

dann aber wieder den Kleinen auf den Armen hielt, schwand das Bittere aus ihrem Herzen und sie schien ausgesühnt mit 'hrem Los.

Die Base beobachtete all' dies mit scharfem Blick. ! Und sie sah noch mehr'. Es ging rückwärts auf Alten- Hammer. Christian hatte jetzt andere Geschäfte in der Stadt, als Gelder auf die Bank zu tragen, wie fein Ka­ter und Großvater. Bet ihm brauchte man kein Geld . fortzubringen, da hatte man eher eins.

| Mit bösem Blick sah ihm die Base nach, wenn er über den Hof ging-«. Einigemale hatte sie es verficht, ihm Hns Gewissen zu reden: Chrtstmn ließ sie aber

sie.Wie der Sie ang"schaut Hot! G'rad als wenn er was sag'n wollt und wüßt net was. Hab'n Sie das net g'seh'n?"

Stine nickte traurigj.

Was der ner g'ha'ot hat?" fuhr die Base fort.

Da wischte Stine mit dem Taschentuch über die nas- sen Augen.Mitleid!" sagte sie ernst und ging hinaus.

Sie hatte sich den Herbst anders gedacht, als es Frühling war und im Warten Veilchen und Schneeglöck­chen blühten und die 'Fenster für, die Schwälbchen ge­öffnet waren. Sie scch ost stundenlang in der Nacht am Bettchen ihres Kindes, wenn Christian so lange nicht heimkam. Es war dann immer alles so still und dunkel um sie her: ihre Gedanken hatten freien Raum, und alle Quellen ihres Herzens begannen zu riefeln. Oft falteten sich ihre Hände zum Gebet, und mit dem Gebet kehrte ihr die Hoffnung wieder. Der Gedanke, daß die Kathrin nicht mehr in der Rose war, tröstete sie, wenn Christian s» spät vom Wirtshaus kam. Das andere, worüber die Leute sprachen, wußte sie nicht.

Aber alle ihre schüchternen Versuche, ihm den Auf­enthalt daheim angenehm zu machen, mißlangen. Wat er daheim, so ging er meist aus das Feld oder auf die Jagd, und tarnen Regentage, so hatte er in der Stadt 3u tun ober in Reichmannsdorf. In beiden Fällen kam er gewöhnlich erst spät in der Nacht heim, wenn Stine mit dem Kleinen längst zu Bett gegangen war.

Dies Alleinsein fraß Stine am Herzen. Wenn sie

Auf aifenf)awmer.

Roman einer Ehe oon D. Gr« ft berget, 26] --

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Sreitag, 28. ßprll r922.

zeitig beende, sollen nach Festsetzung der Grund'uge des Weltvaktes mit zehnjähriger Geltungs- dauer die zahlreichen kleineren Fragen von einer ein,zufetzenden Unterkommission in Genua weiter« beraten werden. Es ist anzunehmen, daß von den einzelnen Staaten Vorschläge eingereicht werden. Man rechnet auf sechs bis sieben derartiger Dor- schlüge, die zur Prüfung vorgelegt würden.

Der deutsche Delegierte der Financkommifsion' in Genua, Reichsbankpräsident Ha v e n st e i n, wird aus Genua in "'Berlin zurückerwartet, nachdem die Finanzkommission ihre Arbeiten beendet hat. Auch die Transportkommission hat ihre Arbeiten abge­schlossen. _ ,

Der Führer der polnischen Deie- g a t i o n, Skirmunt, hat auf die Note Tschitscherins eine Antwort gesandt, in der er sich gegen den Vor­wurf der Rechtsverletzung verwahrt. Dis Zustim­mung Polens zu L: Note der alliierten sei lediglich der Ausdruck der Teilnahme Polens an einem ge­meinsamen Schritte, der den Schutz vertraglicher Rechte der Sto.atsngruppe, zu der es gehöre, gegen­über einer dritten Macht bezwecke.

Kmen amsche Ansichten.

vanderlip über die politischen Konsequenzen der Konferenz.

DieVoss. Ztg." bringt einen Artikel des ame- Titanischen Finanzmannes Vanderlip, der als amerikanischer Beobachter in Genua weilt, in dem dieser über die politischen Konsequen­zen der Konferenz folgendermaßen urteilt:

Leute, die die Situation in , Genua verstehen, teilen Europa in zwei Parteien ein. Aus der einen Seite steht die Gruppe von Ländern, die eine starke Jndustriebevölkerung haben und dringend fremde Märkte brauchen, und entschlossen sind, alles in ihrer Kraft stehende zu tun, um den wirtschaftlichen Wie­deraufbau Europas zu ermöglichen- Dieser Gruppe gehören Großbritannien, Deutschland, die skandinavischen Länder, Belgien, Italien und die Tschecho-Slowakei an.

Die entgegengesetzte Dölkergruppe ist saft aus­schließlich von politischen Zielen beherrscht. Jedes dieser Länder ist, soweit Lebensmittel in Betracht kommen, mehr oder weniger auf sich selbst angewie­sen. Alle diese Länder sind imperialistisch gefärbt mit militärischen Gesichtspunkten und unversöhn­lichem Antagonismus gegen benachbarte Nationen. Die Gruppe, die von Frankreich geführt ist, umfaßt auch Polen, Iugoflavien und Rumänien und verfügt über die furchtbarste bewaffnete Kraft Europas. Die Mächte dieser Gruppe sind nicht so praktisch gesinnt, wie die der ersteren, aber chauvi­nistischer und temperamentvoller.

Unter einem Banner mit der Inschrift: Fried e, Abrüstung, wirtschaftlicher Wieder­aufbau und Welthandel wird die Reugrup- gierung Europas vor sich gehen.

Amerikanische Gäste in Berlin.

Am Mittwoch nachmittag traf eine Gruppe führender amerikanischer Persönlichkeiten, die im amerikanischen politischen und Wirtschaftsleben eine Rolle foielen, in Berlin ein. Unter ihnen befinden sich das Mitglied des Kongresses Fred Britten, der amerikanische Gesandte in Ungarn Theodor Brentano, Bankier Serlins aus Rewyork u. a.

Britten erklärte einem Mitarbeiter derDeut­schen Allg. Ztg.", daß er im Kongreß bereits gegen b i c schwarze Schmach protestiert habe. Er sei der Ansicht, daß 100 Millionen Goldmark für die Reparationszahlungen freigemacht werden könn­ten, wenn die nutzlose Besetzung der Rheinlands aufgehoben würde. Er würde selbst nach Kob'en.; reisen, um sich über die durch die Besatzung geschaffenen Zustände zu orientieren. Hin-

Er wollte wieder auf die Tür zugehen: die Alt» stellte sich ihm in den Weg.

Ich merk' ncx davon! Oder meinst vielleicht, weilst alles zu Geld machst, was geht? Die vier groß'n Eich'n stn auf Altenhammer g'stand'n, so lang a Stack d'rauf war. A jeder Hot sei Freud dran g'habt; all'n ihr Stolz sein's g'wes'n, und Du kannst a stolz darauf fei. 's wird mancher Vater sein Bub'n in spätem Iahr'n noch erzähl'n, daß Altenhammer viel stolzer ausg'seh'n Hot, wie die vier groß'n alt'n Eich'n g'stand'n sind, und daß die erst der Christian Stock umg'macht Hot, weil der mit'm Geld mehr anzufange g'wußt Hot, wie mit seiner andern War' . . ."

Willst Du schon wieder frech werden'." schrie er sie an.Halt Dein Maul! Sch bin niemand Rechen- schäft schuldig und Dir am wenigsten."

Die Alte lachte hart aufGanz recht, Christianle, Du bist kan Mensch'n Rechenschaft schuldig. Ueber nex! A net do drüber, was Du in der Stadt und beim Ro- senmirt für G'schäster host. Ober weißt, mir is hall heut' früh cingfaUn, wie Du als c o ganz kl ans Büble immer den jungen Entlen nach bist, drob'n am Teich. Dort bist immer am liebftn g'wes'n. Sm Sommer war grab nie recht viel Wasser drin. A dreckige Brüh und Morast war da der Teich. Do hat mich Dei Mutter oft fünfzig mol im Tag naufg'schickt, ich soll mich nach dem Christianele urnseh'n und hundert mal hat's gfagt: Gib Obacht, Margret, daß mein Bub'n nix passiert. Ich hob so Angst, daß er mir amol do drob'n am Teich im Sumpf erstickt! Die letzt' Zeit war mir's oft, als höret ich Dei Mutter wieder sag'n: Gib Obacht, Mar­garet, daß mir mei Bu do drob'n im Sumpf net erstickt! Mit G'wall Dich wegzieh'n vom Sumps wie dortmals kann ich Dich etzt nimmer. Ich kann nur sag'n: Gib Obacht, Buble, Du gehst an g'sährlich n Weg. Do i» schon manch ausg'ruscht. Gib Obacht, daß Dir's ne# a so geht!"

Mit höhnischem Lächeln hatte er ihr zugehört.Dum- mes Geschwätz! Weibertratsch!" sagte er.Man weist ja garnicht, war Du willst!"

^Fortsetzung feist)

Da zog der Doktor feine Schullern hoch.Ich habe Heine Pflicht getan und Sie auf die Folgen aufmerk» fan gemacht Ln unserer Winterluft können Sie nicht 1 Kunden, grau Stock. Das andere ist Ihre Sache."

Gr sprach ernst. Seine Hände strichen nachdenklich t>e Enden feines langen, weißen Bartes. Dann ging er.

Die Base hatte am Küchenfenster gehorcht. Al- der Doktor fort war, ging sie zur Stine in die Stube hin-

sichtlich der Reparatioiiszahlungen erklärte Britten, daß nur ein langes Moratorium und auswär­tige Anleihen Deutschland dazu verhel­fen könnten, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Sowohl in dieser Beziehung als auch hinsichtlich der Rhein.andbesetzung werde Frankreich die Unter­stützung seiner Verbündeten vertieren, wenn es nicht bald zur Einsicht komme. Die Vereinigten Staaten würden als Regierung keine direkte finanzielle Hilfe Deutfchlanü gewähren, wohl aber solche Stritte der großen Banken genehmigen und unter­stützen. ________________

Der Kampf um öas Elternrecht.

Von einem besonderen Mitarbeiter.

Mehr wie je fit es jetzt notwendig, die chr stl.cht Elieruschaft auj das ihnen tin Artikel 12ü der Weimarer Versastung gewährwijteie Recht auf die Erziehung des SwaMUchses h.uzmvs jen. Denn wenn nicht alle Zei­chen trügen, wird eine Inanspruchnahme dieses Rechtes in der Zukunft za jenen Mitteln gehören, um das zu er» zwingen, was zwrn oft feierlich verfprochen, ja fogar ge» j-etzsich fist gelegt, aber in ber Praxis n cht erfüllt wurde. De Elretnbew-egurrg, die gottlob im Erstarken begriffen ist, fit nur daraus zu erklären, weit die Väter und Mütter alter Konfessionen erkannt haben, daß hl. Kul- turyuier gefährdet sind. Es fit n'djt wie $>err Regie­rungsrat Wille in Nr. 42 der Allg. Deutschen Lehrer- zeitung schreibt, daß der Zusammenschluß von Ettern- benälen und Elternbünden aus rein politischen oder konfessionellen Gründen erfolgt sei. Die Potit'sierung der Etternschaft geht von den Kreisen aus, die Herrn WWe nahestehen. Dir größere Teil der deutschen Eltern­schaft kämpft lediglich für bas Ldeat einer religio» senundvatertändjchen Erziehung gegen Bia. ttTia.iair.us und Weltbürger.um.

Es fit auch salsch, zu behaupten, Glternbeiräte uns Etterndünde richteten sich gegen die Lehrerschaft. Im (Segenteil, mit dem großl-en Teil der Lehrerschaft wird der Kamps geführt gegen die sog. enischieeenLU Schul» resormer und deren saml'enzerjetzetrden Bestrebungen. Deren Ziele Hal klar erkannt der Berliner Professor Dr. Ed. Spränget. Er w rst der entschiedenen Schulreform vor, daß sie parteisozialistisch . stark beeinftußt sei, daß sie vom alten Marxismus etwas retten wollte, daß sie die Bedeutung der Famlie nicht einzuschätzen ver- stche. Spranger kommt zürn Ergebnis,, daß die Se« memschastsschule nicht durchführbar ist. Aber ohne einen Kampf um das Recht ber Eltern wird cs nicht abgehen, ohne kraftvolles Eintreten für feinen Glauben wird mancher christliche Baier, manche chrfitliche Mutter noch unangenehme Heber» raschungen erleben.

Herr Wille sicht tu dem Zusammenschluß der El» tarnte röte eine Gefahr für die entschiedene (lies: so» ziat ftische) Schulresorrn und er fordert nun deren Zer­schlagung und Beschränkung auf die einzelne Schule. Aber gerade, weil man die Zeichen der Zeit versteht und mit den Strömungen der Gegner Bescheid weiß, kam man befipielswe se in Kassel und Hanau zu einem Zusammenschluß. Letzterer bietet Gewähr, daß Aufgaben gelüst werden, die über bon Rahmen der einzelnen Schuloertretting hinausgchen. Der Eltern­beirat soll sich nicht mehr dazu äußern dürfen, ob di« Schule seiner K nder zur weltlichen oder zur Gemein­schaftsschule umzuwandeln ist. lim so erfreulicher mutet es an, roerai die christlichen Eltern und Erziehungs­berechtigten der Stadl Hanau in ihren Entschließungen ein Bekenntnis oblegen für die Konsasfionsschule und verlangen, daß Elternrecht und die Gewissensfreiheit auch in den Simultanschulen voll zur Geltung kommen und demgemäß das Recht aus Art. 146 Abf. 2 der Reichsverfassung abteiten, innerhalb der Gemeinden Volksschulen ihres Bekenntnfises und ihrer Weltanschau­ung zu errichten.

Wir Katholiken sichten in tiefer Forderung nicht allein. Der Reichsoerband evangelischer

sterprästdent Po'neare in Bav-le-Due ins Auge gefaßt hat. Zurze t weiß man noch nicht, welches diese Mag- nahmen sind, und es ist daher notwendig, daß man sie erfährt. Es soll keine Sitzung des Ober­sten Rates [ein, jorubern tebigiid) eine Verenigung aller Unterzeichner des Frnchertsrertrages, deren Mehr- he t sich zurzeit in Genua befindet. Die Prernierrn ni- stcr, Saa-oerftändigen und Juristen, die damals den Vertrag abgefaßt hoben, sind hier. ie Besprechung kann demnach 'n Genua stuttfinden. Es scheint, als befiel'« fe iens der französischen Regierung de Ansicht, daß diese Frage dem Bofichafterrat in Paris unterbreitet werden mässe, der um die Mitglieder der Kleinen Entente und Polen zu vermehren wäre. Der klare engl sche Standpunkt tst aber der, daß, wenn die 5-auptinteressenlen und Regierung-chess in Genua weilen, die Versammlung in kurzer Zeit auch in Genua stattfinden könne. Wir müssen die von Poncare vor- gesebenen Maßnahmen kennten fernen, denn feine Er­klärung schafft eine sehr ernste Lage, und die Maß­nahmen, von denen er spricht, gehen alle Unterzeichner des Friedensvertrages an.

Inzwischen hat sich ergeben, daß es sich doch um «ine Sitzung des Obersten Rates handeln wird. Dafür sxr'cht folgende Meldung, die uns kurz vor Redaktionsfchluß zugeht.

Eine Tagung des Gbersten Aales.

wtb Paris, 26. April. (Tel.) Die Par fier Mor- genpreffe bestätigt die Nachricht, daß gestern abend spät der Vorschlag Lloyd Georges, bald den Ober st en Rat einzubemfen, in Pars vmgetrvffen fit. Der Vorschlag des Tages der Einberufung, den Lkoyd George gemacht hat, entfpr'cht den Ansichten von Poincare, jedoch kann dieser Frankreich nicht ver- lasien, solange der Staatochef sich fern der Hauptstadt befindet. (Der Präsident Millerand befindet sich auf einer Reise in Nordafrika. D. Red.) Der Zusammen­tritt des Obersten Rates könne daher n >' ch t vordem 6. M a i in Frage komme« Zu dieser Zeit aber werbe Poincave den letzten Sitzungen der Konferenz von Genua beiwohnen wollen, sodaß also dann der Oberste Rat in Genua zufammentreten könne. Wenn aber der Zusammentritt früher gewünscht werde, dann erhebe sich nach demPetit Parisien" die Frage, ob ber Oberste Rat nicht besser in Paris zusammen- träte, wenn man nicht ferner die Frage stellen würde, ob die Erörterung der Angelegenhett in einer Stadt erfolgen könne, in der sich «'ne deutsche Dele­gation befinde. DerPettt Parisien" glaub! übri­gens, daß sich der Oberste Rat nicht nur mit der Frage der Prüfung des Vertrags oonRapallo, sondern auch mit dem Verfallstag vom 31. M ai belästigen werde.

Em Wettpakt.

In englischen Kreißen erklärt man. daß Lloyd George beabsichttge seinen Aufenthalt in Genua bis 10. Mai zu verlängern, da man annehme, daß er Genua nicht verlassen will, ohne einen Weltpakt abgeschlossen, zu haben, der Rußland und Deutschland «w.fassen würde. Wenn nicht ein Fehlschlag die Beratunget, der Konferenz vor-

An c 'm Freitag kam er grab mit schmutzigen Klei­dern und Stiefeln von der Feldhühnerjagd heim, da kam es zum Ucberlaufen. Er war zum Essen nicht ein- getroffen und weil die Stine auf ihn warten wollte, waren die Pfannkuchen verdorben. Als er endlich kam, waren die Dienstboten schon wieder alle bis ääf die Gänsemagd an ihre Arbeit aufs Feld gegangen. Stine war mit dem Kleinen oben.

Mit der Flinte im Arm tarn Christian geradewegs in die Küche. Sn der Hand hielt er zwei paar Feld­hühner. Er befahl der Magd, sie gleich nach Reich­mannsdorf zum Rofenwirt zu tragen, die fallen für ihn gerichtet werden, wenn er abends kommt.

Als sie fort war, trat die Base mit gerötetem Gesicht und funkelnden Augen in die Stube; Christian möge mit ihr in den. Stall kcmmen, ein Pferd fei tränt. Er aber verlangte erst etwas zum essen. Die Base öffnete die Röhre und stellte die Pfannkuchen auf den Tisch. Wer net kommt zur rechten Zeit, muh halt essen, was übrig bleibt", sagte sie, ohne ihn anzusehen.

Er schob die Platte mit den Pfanntuch-n fo heftig zurück, daß sie auf das Tischtuch rutschten.Sch eh nicht, was übrig bleibt, verstanden!" schrie er sie an. Ich will frische Psanntuchen oder ich geh' nach Reich- mamisdorf und laß' mir Schnitzel backen!"

Die Base stellte sich vor ihn hin und sah ihn drohend an.Des kannst", gab sie zurück.Zuerst gehst etzi aber nüber in Stall; Dei Liebling, De, Chaifenpferdle es, von die Rapsen is taner."

Mit gerunzelter Stirne ging Christian nach dem Pfsrdcstall.

Die Base folgte ihm auf den FußSo", sagte sie, die Türe fest zuziehend,do HStf ich Dich etzt. Dem Schimmele fehlt nix, Gott sei Dank. Ober Du bist krank, und der ganz Hof is krank und des wollt' ich Dir sag'n. Brauchst net hitzig $ werd'n", fuhr sie fort, als er auffahren wollte,g'sagt wird's etzt, was mich drückt und wenn Du mich gleich umbringst. Des bin ich Dein Eltern schuldig. Und flu* mein' ich's a. Ober fo kann's amol net weiter geh'."

Er lachte zornig auf.Ich brauch' keine alten Wei­ber zum Sorgen, kb bin mir Mann» ner.ug."

' Wenn zwei Eheleute sich zanken, muß der Nachbar sehr vorsichtig jein, ehe er sich einmischt. Das ist auch dann noch gefährlich, wenn die Strsrenden schon recht laut von Scheidung reden. Denn es besteht immer noch die Gefahr, daß sie sich einstweilen wieder ver­ständigen, um gegen den Vermittler als den angeblichen Friedensstörergerne niam Front tu machen.

Zwischen Frankreich und England ist ein Zank im Gange. Vom Scheidungsbrief, vom Abbruch der En- »pte wird auf beiden Seiten gesprochen. Der Krach [q£:nt ober sch en wenigstens einen Augenblick vor der Wre zu stchen. Ader wir sind durch mehrfache Er­fahrungen gewitzigt und fragen uns, ob die Herrschaf­ten sich nicht schließlich wieder vertragen werden auf unsere Kosten.

Wir müssen die naturgesetzliche Entw'cklung der Dinge abwarten und uns vorläufig begnügen mit der Feststellung, daß man auch beim schlechtesten Willen die Schuld an der gegenwärtigen Verfchärfur^ des engltsch- sranzöfischen Eogcnsatzes nicht aus den gewohnten Sün- tenborf Deutschland abfch eben kann. Herr Poincare fit offensichtlich der Störenfried. Zum Glück für uns ist er m't seinen Sprengpatronen immer etwas zu spät gekommen. Diefesrnal hat er anscheinend auch ein ja grobes Kaliber verwandt, denn er versucht jetzt, in mancher Bez ehung seine Rede in Bar-le-Duc abzu­schwächen.

Lloyd George und alle richtigen Engländer Haden jedenfalls das Verhalten Les ftanzösfichen Ministerprä­sidenten als eine grobe Herausforderung betrachtet als einen rücksichtslosen Versuch, England und seine Freunde unter das französische Macht gebot zu beugen. Daher die scharfen (allerings nur inoffiziellen) Ee- ßeuerflärungen von Lloyd George, das Zusammen- abe'ten der Alliierten werde ernstlich erschwert und England werde verhindern, daß Europa wieder zum Kriegsschauplatz werde. (Zum Schlachthaus", soll er -gesagt haben.) Daher auch die gepfefferten Artikel in »vielen englischen unb neutralen Blättern. Demgegen­über steht aber die Ansicht vieler bedächtiger Beobach­ter: Frankreich veftlasse sich auf de Erfahrung, daß England immer nachgebe, um den Bruch de- Dund- nisses zu verhüten, und Poincare werke schon richtig obeetrelfen haben, was Lloyd George sich schließlich gefallen lasien werde.

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