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Auldaer Zeitung

Donnerstag, 27. April 1922.

C-> Druck der Fuldaer Dctieudruckerei in Fulde

für

mit

S3RSSC

aber gebieterisch gleiche Entwicklungsmöglichkeit alle, auch für die konfessionellen Schulen.

Verhandlungen hinter den Kulissen, wo die Zen­trumsvertreter wie Bittsteller um die Existenz der konfessionellen Schule anhalten mußten, wo die da­mals 75 Mann starken Demokraten unter Hinweis auf Zugeständnisse in kirchlichen Fragen anfangs jedes Entgegenkommen versagte und nur widerwil­lig die magere Bettelsuppe der zweiten Ausschuß­fassung:Ob und inwieweit . . . einräumten? llnb das, obgleich sie wußten, daß es sich um die höchsten und teuersten Programmpunkte ihrer ver­bündeten Partei handelte?

Wo und wann hat das Zentrum jemals eine Koalitionspartei so tief gedsmütigt und ihr Abfall von ihren Prinzipien zugemutet? Haben nicht auch diesmal wieder, genau wie in Weimar Sozialdemo­kraten und Demokraten im Bildungsausschuß sofort und offensichtlich gemeinsame Front gegen das Zen- trum genommen? Das Zentrum hat der Koalitions- Politik Opfer über Opfer gebracht: die konfes­sionelle Schule und damit die christliche Er­ziehung der Jugend des von ihm vertretenen Volks- teiles wird es um keinen Preis und in keinem Falle opfern oder etwa verkümmern lasten. Zu ihrer Rettung und Behauptung wird es die Hilfe suchen, wo sie zu finden ist und wäre es bei der schlimmsten Oppositionspartei. Die Verantwortung mögen dann die auf sich nehmen, die das Zentrum durch ihre Taktik zu solcher Stellungnahme ge­zwungen haben. In ihrer Hand liegt es, ob die Weiterberatung des Schulgesetzes zum guten Ende führen, ob es tatsächlich ein Friedenswerk werden wird, wie Gröber es sich gedacht hat.

Das Ziel ist nur auf dem Wege der Verständi­gung, die allen Schreiern von außen zum Trotz dis doktrinären Bahnen verläßt, sich mit der normal- rechllichen Vorzugsstellung der Gemeinschaftsschule begnügt und die Lebenswirklichkeit fest unter die Füße nimmt. Diese Lebenswirkllchkeit verlangt

gegen die Not weitester Volkskreise verhärtet, die Herzen der darunter Leidenden, die weit in die bürgerlichen Kreise reichen, aus Erbitterung hart werden lassen. Die soziale Entfremdung und der soziale Haß ist heute größer wie vor der Revolution, hat sich auch in Schichten verbreitet, die früher sich wenig um die Arbeiterbewegung kümmer­ten. Damals richtete der Haß sich bloß gegen eine kleine Schicht der sogenannten Kapitalisten, heute richtet er sich gegen ganze bürgerliche Erwerbssiände. Diese aber sind in Stadt und Land dagegen weithin blind. Manche Führer, die auf der äußersten Rechten stehen, spielen mit diesem Feuer, die Mehr» zc.bl der diesen F-Werbssiäuden angebörenden aber schließt die Augen, ganz mit ihrem Erwerb beschäftigt.

ar um hören die sogenannten bürgerlichen Stände zur Smnde nicht das unterirdische "Grollen des Gewitters, das sich ansammelt. Sie sind blind gegen die Tatsache, daß jene wachsende Verbitterung ob Not und Elend den Wagemut des im Stillen geschäftigen Kommunismus stärkt, der vom Osten her geschürt wird. Dieser hat zudem die Heber« zeugung, daß er einen entschlossenen Widerstand lener bürgerlichen Kreise gegen eine kommunistische Welle ebeniowenig wie 1918 zu fürchten hat.

Bußprediger wenden sich an das Gewisten. Do dies noch lebt, horcht man auf. Es gibt auch ein soziales Gewissen. Der Geist des Kapitalismus, des Gewirnmachens ohne Rücksicht auf Menschen und Menschenglück, hat dies soziale Gewissen seit Jahr­zehnten auch unter unS eingeschläfert, vielfach er­tötet. Unsere Zeit ist wieder ein Beweis für das

Wenn wir aber nach dem eigentlichen Grund unterschied fragen, so liegt dieser in dem Individualismus bei den Europarn und dem Familiensyftem bei uns. Bei unserem Familiensystem legt man groß« Gewicht «ms die Ab- stammumg, auf die Ahnen, dir Eltern, die Kinder. Das alles wird in Europa wenig beachtet. Was gelten z. B. in Europa die Kinder? Weil sie doch überall im Wege sind, weist man ihnen ein eigenes Zimmer an. Im Re­staurant kann man sehen, wie Mann und Frau sich streiten, wer die Zeche bezahlen soll. Äst irgendwo eine Gesellschaft Mammon, so zahlt nicht einer für alle, sondern jeder muh für sich selbst zahlen. Jeder schließt in Europa sein Zimmer ab, dar Sohn, die Frau. Sn Japan ist olles gemeinsam und es wird nichts afrgsfperri.

Ferner die Schwierigkeiten der Erbschaft. In Europa wird ein Testament gemacht, in Japan bekommt alles nur einer, welcher das Haupt der Familie ist. In Europa pocht jeder nur auf ferne Macht und sein Recht. Nur der Einzelne hat Gewalt, umd dieser beherrscht alle aridem mit Regeln urib Gesetzen. Sein Streben geht nur dahin, seine Macht zu vergrößern und andere mit Pflichten zu überladen und ihnen ihre Rechte zu nehmen. Wenn das im Staate geschieht, kommt es zur Revolution, wie z. B. in Frankreich. Die Gesetze roaren dort eben ungerecht, und die Unterdrückung hat sich gerächt. Ich will euch eine die damaligen Zustände beleuchtende lustige Geschichte erzählen, die Geschichte von der Froschberrchigung. (Einer von den heroischen französischen Königen hatte große Teiche in feinem Garten. Darin gab es natürlich auch Frösche. Sein« Fnau konnte aber das Gequäke derselben durchaus nicht ausstehen. Was tut mm der König? Er befiehlt den Dauern, bie Frösche zum Schweigen zu brin­gen, sonst werden sie bestraft. Die Dauern denken hin und her, wie sie das auf teilen sollen und fingen schließlich an, mit langen Stangen in das Wasser zu schlagen. Da schwiegen di« Frösche, aber mir so lange, als die Bauern schlugen. Als dieselben doch auch zum Esten gehen muhten, begann das Konzert von neuem. Der König wurde zornig und befahl den Dauern, auch wähend des Cstens zu schlagen. Daß bei solchen Zuständen die Revolution aus. brach, ist begreiflich. Der König wurde samt feinem An. Hang abgeschlachtei. Schuld mar. daß er geglaubt hatte, er brauche mir zu befehlen und alle Leute seien für ihn allein da.

Da stellt jemand abends ein Glas mitten im Zimmer auf den Baben. Ein anderer geht im Finstern hindurch und zertritt dos Mas. In einem solchen Fall gibt es in Europa einen großen Streit: der eine versteift sich auf sein Recht, das Glas hinzustellen, wo er will, der ander« I auf das feine, Hinzuge hm und zu treten, wo er will. In I Japan ist so etwas nicht möglich. Der eine würde sagen: I

i rechte Platz für das Glas, ich habe es in der Vergeßlich­keit stehen lasten; und der andere: EntschuDigM Sie bitte, daß ich so unachtsam war usw.

Und mm wollen wir unser Familiensystem betrachten. Nach diesem gehen Macht und Besitz der Eltern bröm- gungslos auf den Sohn über. Beide sind hellig und IM- I versehrt zu bewahren, lieber alle Unternehmungen be- I schließt ein Familierat. Das fft eine ungemein schöne Einrichtung. Und rote in der Familie, so ist es auch im Staat. Alles wüd vom Landes-Herrn gegeben, das Volk I nimmt es aus seiner Hard. Dlcher rührt dann auch die Treue, welche bereit ist, seinen Besitz für das Bater- fand hingugeben. Darin Regt die Grundlage der japanischen I Sittlichkeit. Das Kind empfängt alles von der Lieb« | und Großmut der Eltern, der Untertan alles vom Herr­scher. Das gibt es in Europa nicht. Dort stt die Liebe der Gotten Grundlage der Gesellschaft, nicht die Treue zum Lande-Herrn, auch nicht kindliche Pietät. Je mehr Macht man in Europa hat, desto weniger Recht gönnt man dem andern. Man will nm nehmen, nicht geben. Das Volk tut dasselbe, es will immer mehr Rechte Haden ober I weniger Pflichten. In Japan ift das nicht so; da bekommt i älteste Sohn alles von selbst von den Eltern über. ! tragen und das Volk alles vom Kaiser als feinem Vater. Daher die Siege und Errungenschaften Japans. Es folgt daraus, daß das Fomiliensyftem nicht schlecht und der Individualismus nicht gut ist. In diesem Punkte sollen wir aber die Europäer nicht nüchahmen.

Es gibt aber in Europa auch Gutes, was wir lernen Een. Da wäre z. B. das Selbftändigkeits-, Pflicht- und Derantwortlichkeitsgeftchl. In Japan denkt sich der ältere Sohn leicht: Ich türm machen, was ich will, ich bekomm« die Erbschaft doch. In Guropa muß jeder Zusehen, daß er etwas Tüchtiges keiftet, nur dann kommt er in der Welt vorwärts. In Japan schiebt auch jeder gern dir Arbeit auf den andern: .Wir sind ja alle Geschwister, di« Schwester wird es schon machen." Der Europäer übt <ruch sein Recht mit Entschiedenheit aus, z. B. bei den Wahlen. Bei uns ist einmal das Wetter zu schlecht, dann hat man wieder zu viel Arbeit und dergleichen mehr. Die Europäer find fleißig und ausdauernd. So haben sieben Deutsche, denen es in Europa nicht gefallen hat, in Japan um Arbeit nachgeftrcht. Sie erhietten em gro­ßes Stück Land zm- Urbarmachung. Sie schafften in einem Jahve so viel rote zwanzig Japaner und tihnmerten sich <ücht darum, daß sie ganz mager wurden. Das ist auch der Grund, warum Deutschland es in kurzer Zeit ZU solcher Macht gebracht hat. Die Europäer find auch strebsam und ausdauernd. Ein Beispiel dafür ist Watt und seine Kaffeekanne: « munde iwehakbe Stunde hat et dem Spiel des Deckels zugesehen und darüber nochMdacht, I

Die Mitschuld -er tatenlosen Gutgesinnten.

Wenn heule ein großer Bußprediger, der Goitesgewalt zu reden vermöchte, unter uns

dagegen dieFrankfurter Zeitung", die im vorigen Jahre den Entwurf wiederholt gegen allzu phra­senhafte Angriffe in S ' ] genommen hatte, in einer Märznummer, sorvfir mir erinnerlich, aus Besorgnis vor einer Berlin jung des konfessionellen Prinzips durch dieses Gesetz nunmehr auch Zurück­ziehung des Entwurfes und Ersatz durch ein Not­gesetz betr. weltliche Schule für das beste hält.

Am stärksten ist die Sozialdemokratie an dem Schicksal des Reichsschulgesetzes interesfiert. Cs legt erstmalig die weltliche Schule gesetzlich fest. Fällt es, so schwebt diese weiterhin in der Luft. Wohl aus diesem Grunde läßt derVorwärts" vom 6. April das Zentrum wegen seiner Taktik in dem Bildungsausschuß, in dem das Reichsschulgesetzauf Minen gelaufen sei", so unwirsch an. DieSozia­listische Korrespondenz" aber droht schon mit Schul­streik der Arbeiterkinder und verlangt Vorlegung eines Notgesetzes, das die bskenntn'.sfreie Schule für das Reich einführe und ihr die Gleichberechti­gung mit andern Schularten zuspreche. Gleichbe­rechtigung aller Schularten verlangen auch wir, nicht mehr und nicht weniger. Warum sträuben sich also die Kreise, die derS. K." nahestehen, gegen die neue Fassung des § 1, die auch ihrer Lieblings­schulegleichmäßig freie Entwicklungsmöglichkeit" geben soll? Soll nur die Bekenntnisschule das Aschenbrödel werden?

Es wird für eine Verständigung nützlich sein, wenn alle, die im Notgefetz den Rettungsanker sehen, sich darüber klar werden, daß das Zen­trum für ein solches Notgesetz keinesfalls zu haben ist. Weil nämlich ein solches die welt­liche Schule einseitig ordnendes Gesetz nicht das in Art. 146 Abs. 2 vorgesehene Gesetz sein kann und gegen Art. 174 verstößt, also verfassungswidrig ist. Uebrigens würde mit der Zurückziehung des Ge­setzes durch die Reichsregierung wohl der Gesetz­entwurf der Regierung, aber nicht das Reichsschul­gesetz begraben werden. Es gibt auch noch den Weg des Volksentscheids.

lieber den hier gegebenen Fall sagt Art. 73 Abs. 3 der Reichsverfassung:Ein Volksentscheid ist ferner herbeizüführen, wenn ein Zehntel der Stimmberechtigten das Begehren nach Vorlegung eines Gesetzentwurfes stellt. Dem Volksbegehren muß ein ausgearbeiteter Gesetzentwurf zugrunde liegen. Er ist von der Regierung unter Darlegung ihrer Stellungnahme zu unterbreiten. Der Volks­entscheid findet nicht statt, wenn der begehrte Ge­setzentwurf im Reichstag unverändert angenommen worden ift." Warum sollte die Mehrheit, die sich zur Annahme des § 1 zusammengefünden hat und vielleicht von der Regierung einfach beiseite gescho­ben werden sollte, schlimmstenfalls nicht zu diesem verfassungsmäßigen Mittel greifen, um die Be­kenntnisschule vor Vergewaltigung zu schützen?

Doch das sind vorläufig theoretische Erörterun­gen. Das Zentrum will keinen Kampf, der letzten Endes auf eine Schwächung der Regie­rung und eine Sprengung b e r Koa­lition hinauslaufen muß. Dazu ist die Gesamt­lage des Reiches zu ernst. Für eine Regierungs­partei, die bisher unentwegt und dauernd die Koa­litionslasten bis zur Selbstentäußerung getragen I hat, ist es bitter genug, nicht mit den anderen Koalitionsparteien im Einvernehmen arbeiten zu I können, sondern in der Abwehr gegen sie stehen zu müssen. Und wenn aus diesem AnlaßVor­wärts" undVossische Zeitung" das Zentrum an- I rempeln, weil es mit zwei Parteien, die nicht Re-' I gierungsparteien sind, und von denen die eine so- I gar in schärfster Opposition steht, gegen die Regie- I rungsparteien und gegen die Regierungsvorlage gestimmt hat, so muß dazu noch ein deutliches Wort gesagt werden.

Wie war es doch damals in Weimar, als die I Schulartikel zur Beratung standen, mit der Koa- I litionseinigkeit? Haben nicht Demokraten und So- I zialdemokraten sich gegen die dritte Koalitionspar- I tei, das Zentrum, verkündet, gemeinsam den An­trag Nr. 95 eingebracht, alle Anträge des Zentrums I niedergestimmt und die Zwangssimultanschule zum I Beschluß erhoben. Wo war damals die gebotene | Rücksicht auf die Koalition^einhett? Etwa in den

_ , auf-

ftänöe, so würde er wohl ein Prediger in der Wüste bleiben, auch in weilen Kreisen jener, die sich Christen nennen. Denn die lange Not des Krieges, dann die ebensolange Not der in der Revolution zutage getretenen inneren Zerrissenheit hat die Herzen der wirtschaftlich Starken in allen Erwerbsständen

Wort Christi: Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Die Revolution von 1918 war ein ernfteS, Gott Dank nicht alles zerstörendes Erdbeben. Las Schlimmste blieb uns erspart. Leider hat es aber auch dos soziale Gewiffen nicht so tief erschüttert, daß man gründlich lernte. Jenes Revolutions­gewitter, das sich nicht austobte, fand darum leider genügende Spannung immer schärferer sozialer Gegensätze, um von neuem sich anzusammeln.

Wir täten Ungezählten unrecht, wenn wir auch von ihnen sagen wollten, daß ihr soziales Gewiffen völlig schliefe. Aber über ihnen liegt eine seelisch« Lähmung. Diese gilt es ab; «schütteln. Ti- Schwäche der sogenannten Gutgesinnten, die Halb­heit jener, die ihrem Gewiffen nicht widersprechen, aber zugleich doch das mammonistijche Geschäft mit­machen wollen, ist in der Geschichte der Menschheit viel zu oft mitschuldig geworden an den Sünden der Zeit, damit an furchtbaren Strafgerichten, weil sie dem Bösen nicht widerstanden". Es genügt nicht, um gerecht zu sein, daß man in fernem Herzen das Unkraut des Bösen und Ungerechten verabscheut oder mit Worten beklagt; widerstehen mrtß der Gerechte dem Bösen, der sozialen Ungerechtigkeit. Sonst ist der Schrei der Armen und Notleidenden, Waisen und Alleinstehenden zum Himmel auch die Schuldig­erklärung derer, die nicht warm und nicht kalt sind.

Das heutige Crstorbensein des christlichen sozialen Gewissens können auch die eifernden Gerechten nicht auf einmal in einem ganzen Volke wenden. Aber sie können schrittweise der Gerechtigkeit wieder Platz schaffen, wenn sich in jeder Gemeinde zunächst erst einmal die Beherzten zusammentun und sich ver­pflichten, daß jeder in seiner Umgebung wieder einige andere zum beherzten Gegen-den-Strom-Schwimmen bestimmt. Darauf warten wir nun schon seit drei Jahren, daß in allen Orten, in allen Ständen eine kleine Gruppe jener sich bildet, die, ohne viele Worts zu machen, beharrlich anders gegenüber den not­leidenden Bolksgenossen handeln tote die große Mehr­zahl, die nach dem Grundsätze handelt:Geschäft ist Geschäft". Diese Gruppen toerben bald Erfolg sehen, denn das gute Bei piel ist an sich stärker tote, das böse Beispiel. Dies wird aber allmächtig, toenu es allein das Feld beherrscht.

5um Schulkamyf im Reiche.

Don A. Rheinländer, M. d. R.

II.

So erfreulich von unserm Standpunkte aus ge- sehen das Ergebnis der am 5. April getätigten Ab­stimmung über 8 1 des Reichsschulgesetzes ist, so perechtigk es doch keineswegs ohne wfiteres zu gro­ßem Optimismus. Es ist ein erster Schritt auf dem $ege zur Sicherstellung der konfessionellen Schule, gewiß' aber doch nur ein Provisorium. Wnn auch die Weiterberatung der Vorlage einen gleicherweise annehmbaren Erfolg für die Erhal­tung der christlichen Schule zeitigen würde, was nicht ausgeschlossen erscheint, so lassen doch die Mehrheitsverhältnisse im Plenum 235 Stimmen egen, 234 für die Bekenntnisschule Raum zu ^lerhand Hoffnungen auf der einen und zu Be- Mhtungen auf der andern Seite.

Wenn der Entwurf überhaupt zur zweiten Le- sM in der Vollversammlung kommt! Das scheint glich den letzten Vorgängen im Ausschuß durchaus nicht sicher zu fein. Der Derfassungskon- «likt ist erhoben worden. Schon am 29. März

I., als die Abstimmung über 8 1 in die Nähe nickte, brachten die drei Vertreter der Demokra- ßfchcn Partei den Antrag (Nr. 55) ein:Der Aus­schuß wolle beschließen: für den Fall der Annahme eines der Anträge Nr. 36, 50, 51 der Ausschuß- znEachen: Der Inhalt der Anträge Nr. 36 (Dr. Düringer), Nr. 50 (Marx), Nr. 51 (Dr. Runkel) steht im Widerspruch zu den Ausführungen des Ktac tssekretärs Schulz in der 71. Sitzung der Natio­nalversammlung am 31. Juli 1919, die er namens der Regierung und der Kompromißparteien ge­geben, in der Sitzung des Ausschusses am 17. März 1922 wiederholt hat. Der Inhalt steht also im Wi­derspruch zum Wortlaut und Geist der Verfassung."

Dieser Antrag ist, insofern nicht tragisch zu neh­men, als er juristisch sehr anfechtbar er­scheint, außerdem auch sicher von der Mehrheit, die I fich für einen der angeblich verfaffungswichtigen Anträge entschieden hat, abgelehnt werden wird. Die Abstimmung wurde auf das Ende der Be­ratung verschoben.

Ernster zu nehmen ist eine vom Staatssekretär Schulz abgegebene Regierungserklärung: Ohne Zweifel gebühre der Gemeinschaftsschule nach der Verfassung eine bevorrechtete Stellung. Durch den Beschluß, nach dem alle drei Schularten gleichberech­tigt sein sollen, sei eine neue Läge geschaffen, die Grundlage des Entwurfs verschoben, sodaß die Re­gierung erneut Stellung nehmen müsse. Demge­mäß wurde die Weiterberatung vertagt, bis die Reichsregierung sich schlüssig geworden sein wird. Zieht sie die Vorlage zurück, so ist alle bisher ge­leistete Arbeit vergebens getan. Das Reichsschul­gesetz wurde das Schicksal teilen, das vor 30 Jahren die Sfltutgesetzvorlage des Ministers von Zedlitz im xreußfichen Landtage erlitten hat. Ob die Reichs­regierung heute einen solchen Schritt tun kann, ohne die schwersten Erschütterungen herbeizuführen, sei dahingestellt.

Jedenfalls würde barm das Zentrum vor einerneuen Lage" stehen. Die konfeffio- nellr Schule steht freilich auch in diesem Falle nach Art. 174 der Reichsverfassung unantastbar fest auf dem Loden der bestehenden Rechtslage und die Be- deutuitg dieses Schutzartikels tritt immer klarer zu Tage. Dann muß allerdings gemäß Art. 174 die ungesetzliche, unter allerhand Verschleierungen er­folgte Einführung der weltlichen Schule aufhören. Auch die Gemeinschaftsschule wird dann die be­uchende Rechtslage als Barriere respektieren müs- pi. Es scheint allerdings, als wollten gewiffe !d°eise diesen Reichsfchulgesetzentwrtrf unter allen Inständen in den Orkus werfen, weil er der ton« Monellen Schule etwas Licht und Lust läßt, statt ße mit Stumpf und Stil auszurotten. Deshalb legen sie der Regierung nahe, den Entwurf zurück- Mziehen und ein Notgesetz zur Einführung «r weltlichen Schule vorzulegen. In einem üb- Ams sehr fachlich gehaltenen Artikel in ihrer Abendausgabe vom 6. April hofft dieVoff. Ztg.", dieser Weg möge nicht notwendig werden, während

Mehr als 760000 Handwerker in Innungen organisiert.

Die einwandfreie Zahl der im Reichs vorhandenen Handwerksbetriebe vermochte trotz aller Bemühungen des Deutschen Handwerks- und Gewierbekammertages unsere Reichsstatistik noch nicht festzustellen. Es ist das ein sehr bedauerlicher Mangel, der" auf dör Dauer nicht mehr ertragen werden kann. Da nur die auf amt­lichem Wege erfolgende Erhebung zu dem Ziele führen kann, brauchbare Zahlen hierüber zu erhalten, so hat der Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag und | mit ihm der Reichsverband des deutschen Handwerks I davon Abstand nehmen müssen, von sich aus den Ver­such zu machen, den Mangel der Reichsstatistik m beseitigen.

I Nach mühevollen Vorarbeiten gelang es aber wenig­stens, über die Jnnungsorganisationen im Deutschen

I Reiche und deren Mitgliederzahlen genauere Unterlagen »u sammeln und diese Msammenzustellen. Es fanrtte einmal untersucht werden die Entwicklung der Snmings- I organisationen im Deutschen Reiche vom 25. Oktober | 1004 bis 1. Juli 1919, also für einen Zeitraum von I nahezu 15 Jahren; ferner wurde der Zuwachs an In­nungen im Reiche vom 1. Juli 1919 bis Ende 1921 ermittelt. Es zeigte sich hierbei, wie sich die Zahl der Innungen stetig vermehrt hat und welche Verschiebungen im Verhältnis der freien' Innun­gen zu den Zwangsinnungen eingetreten sind.

Während nach den Ermittelungm des Deutschen I Handwerks- tmb Gerverbekammertages am 1 Juli 1919 5501 Zwangsinnungen und 7868 freie Innungen vorhanden waren, sind es am Ende des Jahres 1921 <6-4 bejro. 8479. Schon aus bissen Zahlen geht beut.

I Ito) hkrvrn, wie groß das Bestreben des Handwerks ge» roorbm ift, sich einer straffen Organisation anzuschlie- tzen, so, wie sie die Zwangsinnung darstellt; denn dft Zwangsmmmgen nahmen seit dem 1. Juli 1919 an äan tn west höherem Maße zu, als die freien Inmm.

I Gefahren schon sie sich nicht aus, um etwas Neues zu | tef roden! Denkt nur an das Flugzeug!

DMEteDlismuL dxr Europäer hat aber auch schlechte Seiten. Da ist di« Stvefisucht, keiner will nach- die Pietät spielt kein« große Rolle. Aus den Lechen der für das Vaterland gefallenen Soldaten machte man in Deutschland Ammoniak. Ein Japaner I ®r:>c ^mnol auf einer Seereise mit einem Europäer befreundet. Da entstand eines Tages zwischen beiden ein I Du,put: es handelte sch um die Frage, wer im Falle eines Schiffsunglücks zuerst zu retten sei, die Mutter oder Gattin. Der Europäer meinte: solbstverstöndlich die I Japaner glaubte zuerst nicht recht gehört zu

hauen, berat für ihn stand fest, daß in solchem Falle zuerst die Mutter gerettet werden müsse. Die beiden gerieten darüber m Streit, und die Freundschaft war zu Ende. Auch der Opsergeist ist in Europa selten. So wie er in 3ap<m zu Hause ist, findet man ihn dort nicht; Opfer­geist wird nur von Buddha gelehrt. Der vorige Kaiser hat diesen Seift richtig erfaßt. Er bot sich kn einem ®e- j dicht Gott zum Opfer an für di« Sünden der Nation.

Dieser Geist hertfchi auch bet der japanischen Armee, nicht aber bei den europäischen Soldaten. Ms der Kommandant von Port Arthur, Stöffel, sah, daß der Klamps aussichtlos war, knüpfte er Verhandlungen zur Uebergabe der Festung an. Ganz anders General Nogi. Ms feine zwei Söhne gefallen waren, verbot er, ihnen ein Begräbnis zu halten; es sollte auch das dritte Opfer, er selbst, zugleich mit ihnen begraben werden.

Drei Jahre vor dem russisch-japanischen Kriege Hot Kuropatkin Japan bereift, um die Aussichten für einen roetriMcöen Steg Rußlands zu erforschen. Es schien ihm ein Leichtes zu fein, aber Japan Herr zu werden. Er hat ober nur das Materiell«, nicht das Geistige gesehen.

Schlechte Setten des japanischen Dolkscharakter* find: Sroßmamrssucht, sklavffcher Seist und blinde Folgsamkeft; die Neigung, selbst Böses zu tun, nur um Ruh« zu be­kommen; Mangel an Pflichtgefühl, an Unternehmungs» Mist und Fleiß, an Originalität, an Selbstüberwindung und Ausdauer; Scheu vor Anstrengungen, Hsrdengefft und Kastengeist, Engherzigkeit, Mangel an Originalität.

Der Japaner hat aber auch gute Setten: er hat eine ruhige SemüteOTt, er streitet nicht gern mit andern und liebt es nicht, Widerstand zu leisten; er besitzt ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl .verabscheut die Grausamkeit ist Allen irrfb Schwachen gegenüber hilfsbereit.

Zum Schluß kommt der Redner wieder auf das eigent­liche Thema zurück:Wenn wir die schlechten Seiten ab- zuleyen suchm und das Sirte festhaüen, weiden wir wahr- hastig Frieden rind Sluck erlangen." Dr. A. N

Japaner und (Europäer.

$<s Urteil eines Volkes über ein anderes wird bittrer Rieben fein von der Selbstkritik desselben. Das folgt der verschiedenartigen Einstellung der Völker, «ms Dolkscharakter, der wiederum von den mamiiafochsten beeinflußt und bestimmt wird. Ein objektwes Etl über ein fremdes Volk zu fällen fft unmöglich, man von der Basis der eigenen Rationalität und Vergleiche zieht. Urteil durch Vergleich ist mm bei den Völkern das gewöhnliche. Cs bleibt schief wmifjitg, da es kein« feste Norm gibt, an welcher «T? eilT Volk messen könnte. Die wahre Beurteilung eines " versuchen, unter möglichster Abstrahierung eigenen Volkheit das Wesen der fremden aus ^Äestimmmtgsg-ünden heraus za verstehen. Das fft unendlich schwieriger als der einfeftige Vergleich ^^deshalb dos wahre Verständnis der Psyche eines hu 's" VEes überaus selten auch bei uns Deutschen, &JJ3 embiSen, so große Psychologen zu sein.

«Der S . Urteile über Europa und Japan, die ums typjich komisch erscheinen, entnehmen wir einer bas Them^"^'^ Red« eines Profeffors Kioto über Glück er^Äi"5^ roeI<fc W^fe kann ewiger Friede und Nicht entwickln ®trt>c,n?" Das eigentliche Thema ist gar Wien Se\n~f^ne ^°nge Logik reihen sich die vevschte- Mrouten "E Vi-Sern und ein-

»ermeßt . ^J^gen verflochten. Den größten Raum 5la»-ei[. «u** auf die Schildenung der Dor- und

grn . p®ter imd Europäer. Vieles darin fft 31 D. erstaunt sein zu hören, daß die 2fr?bes Krieges us den Leichen Ammoniak fchafL °D(n Auffassung bericht aus einer Kora- ^mio/und ^ldren über die deutsche Stichtoff. c^rren die ^nfre^ Propagierten Lügen-

LCr buS? schallten die Leichen der Ge- «d (v ^0Rt und gewännen daraus Fette

geradezu lächerliche

ch-n Äl*5 °ll°rbiuas klaffi-

ctf'^re i geitfe) KadaverrroertungsxesellMft M^den Ausllr^n des japEsch«» Wffor9 fe$

Verschiedenheit besteht mm zwffch^

Wach e$rotben von links nach rechts statt Wn oben und von rechts noch links. Oder die

Die eJ; einem Mahle: wir (die Japaner) sagen, , baß eien; je" die wir dein Safte vorsetzen, schlechtes Zeug Merad« lobt seine Speffen und bietet sie an,

fte refoJ? es etwas Gutes fft. Darm das Esten mft