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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Aulda.

49. Zahrg

Mittwoch, 26. April 1922

Nr. 95

ver Gegensatz zwischen Frankreich mit ten SLrigen Lonserenzmachten

tifffchen ©Sfirer" zu beigen. Es tauchen immer wieder Gerüchte auf von der Erschwerung der Stellung Rachen««». Wenn diesen Gerüchten auf den Grund gegangen wird, so ist fast immer feftzustcLen, daß sie aus den Kreisen der svantzöflfchen Delegation stammen, m denen sogar schon der deutsche Botschafter in Rom o. Reurathals Nachfolger Rathenaus genannt wird. Es hcmdekt sich dobei um glatte Erfindungen.

Hoffentlich ist das deutsche Volk politisch reif genug, um der überaus schwierigen Lage inner­politisch auf die Dauer gewachsen zu sein.

In »*«itntt te »WW.

Der Reichstag wird seine Verhaudkungen nach den Osterferien, Dienstag den 2. Mai, wieder anf- nehmen. Sein nächftW Arbeitsprogramm hängt naturgemäß davon ab, ob der Reichskanzler und die Minister bis dahin von Genua zurückgekchrt sein werden. Cher ats mit einem plötzlichen Abbruch der Konferenz, der eine frühere Einberufung des Reichs­tages HAte notwendig machen können, ist heute damit zu rechnen, daß der Minister des Auswärtigen nächste Woche noch nicht in Dcffin sein wird. In diesem Fall wird der Haushaltsplan des Außenministeriums mm der Tagesordnung abgesetzt werden, und der Reichstag wird sich dann zunächst mit dem Post - oder Elsen- bahnetat beschäftigen.

W WkißM W toatotMn®

hat das Auswärtige Amt dem Reichstag zugchen taffen. Das Weißbuch enthält Aktenstück« zur Repara- kionsstage vom Mai 1921 bis März 1922. Sei Är- hait faßt die Erklärung der zitierten Regierungen vom 5. Mai 1921 (Londoner Ultimatum), « handelt weiter die Erechnisfe rmd Verhandlungen mit d« Entente bis bis zur Konferenz von Cannes.

Dem Weißbuch fft ein Anhang bechefüch, welcher u. a. die Entscheidungen der Reparatwn-ckvmMiffio« vom 17. August 1921 wegen der Frage «tthLt, inwie­weit gewisse Leistungen Deutschland, ihm auf das Schuldkopital und inwieweit auf die Annuitäten anzu-

B«aa,»tei« - Monat»» 16.03 Att. zugeltell, frei in* Haus- - 8 ^Nbgeho» ix der Geschästsstille 9.50 Ml. >

««eigen: $letx$eile n,ch1.201!«., -uswSrt-ZMk. M » f ) a at c t e 11 < lTqttnette> na» Eolsxe m«q 9 TTer?.

A«erika«ischr Anieihehilse.

Wtb Varis, 25. April (Tel.). Rach einer Haoas- meDuna aus R e w Y o r k hat dir P l e r p o »t - M o r- gan -Gruppe die Aufforderung der Reparaiwnskom. Mission, an einer internationalen Kommchion zur Vorbereitung einer internationalen ~ n» leihe MzmrrhmM, endsültizonseBomme«-

SeemtaettH* Mr Str. rdutttttmeaex Teil- De. I. Kramer- - % Me aiqtigtx: A. Vnezsllsr.Fulda. V-

Rotattsnsdrnck n. Berlao der ffnldo« Acbendrxckerei in ^etniKt*er Ar. 9. Postickeck - Koni« 4051 Frankfurt a M

Vie virkuffisn Sber de«

Im Montag ist m Genua selbst sachlich gearbei­tet worden. Der Tag ist unter KomnnisiLmsjitzungen ^ne Zwischenfall rmv ohne politische Erregung ver­lausen. Das Interesse der OeffenLchteit bezog sich aus fcte mutmaßliche Däner der Konferenz. Ewig kann diese Konferenz, die jetzt schon fett 14 Tagen an der Arbeit ist, ja nicht währen. Sie muß einmal zu Ende «Heu. Ais Schlußtag wird der 10. Mai angegeben. 2n etwas knalliger ausgemachten MeSungen wird ge- strgt, daß Lloyd George schon gegen Ende dieser Woche Genua verlassen werde, um bei der Anwnfenheit des englischen Königspaares in Belgien zugegen zu sein. Die Konferenz solle a m 2. Ma i mit eurem feierlichen Schlußakt beendet werden. Zu diesem Schlußakt werde auch Herr Poincore erwartet.

Vorläufig hat Herr Poincore jedeeffalls noch anderes zu tun. In Bar le Duc, wo er einen Prooinziaüandtag eröffnete, hielt der französische Mmifterpräsident eine Rede, die den wilden Haßgefühlen der Pariser Regle- rang gegen Deutschland neuen, unverhüLten Ausdruck £\ Die schwierige diplomatische Lage, in der sich mkreich in Genua befindet, Hot allem Änsthome nach incares Chanvimsmus aufs heftigste cmgebtafeir. Die Rede klang aus in einen Apoll cn die Parteien, in der Stunde der Gefahr die inneren Streitigkeiten ja «Mgeffen und aufs neue die Reihen zu einer nationalen BAryeitsfront zu schließen. Er suchte dm Beweis ziu erbringen, daß sein Nationalismus und Chauvinismus in nichts hinter dem der Ueberpatrioten Tardieu und Genas,en zurückstehe, und dieser Beweis fft ihm tat­sächlich glänzend gÄungem Die Erklänmg, daß die französische Regierung zu einer militärischen f Sonderaktion gegen DeutMand entschloflen fei, j wenn dieses nicht bis zum 31. Mai die von der Re­pa r a t i o n »k o m m i f s i o n gestellten Forderungen erMst habe, ferner Me Dtttteilmrg, daß die französische Delegation in Genua nach wie vor ttngeawten sei, die Konferenz zu verlassen, wenn es ihr nicht gelingen solle, die von Herrir Poincare m feinen Erklärungen vor der Kammer und in seinem an die Alliierten ge­richteten Memorandum nfedergeivgten Richtlinien zum Siege zu führen, und endlich die in einem Paffus von der Unzulänglichkeit mternationoier Kmffvrenen zur Wikderhsrstellimg des durch denLertragvonRa- pal'o angeblich gestörten europäischen Gleichgewichts enthaltene AnfpleLmrg auf weitere Gswoltmaßnahmcn Frankreichs muffe« Herrn Poincare auch in den Ansen der unentwegtesten Gewaltpalitiker rehabilitieren und die Welt darüber ausklär«,, welche Wege Frankreich «uch weiterhin zu wandeln gedenkt.

Poincare hat das große herausgespielt. Wie wird Lloyd George in Genua darauf reagieren? Poincare hat aufs neue ausge­sprochen, daß er im Falle der Weigerung der zu­ständigen Stellen, sich dem französischen Standpunkt «nzuschließen,sich vollständige Hand- tungssreiheitvorbedalte". Wag das be- ' deutet, wissen wir: Einen Sieg des französischen «ationaliftischen Blocks, der bereit ist, es auf einen Bruch mit England antommen zu lassen und gegen die öffentkche Meinung der ganzen Welt seine eignen Wege der Gewalt zu gehen. Aber weiche Chancen hat dabei Frankreich? Diese Frage stellen sich schon besorgt französische Blätter. Wird die französische Regierung ohne die Kammer ehren solch folgenschweren Entschluß fasten? Und wird der -Dloc national" es auf sich nehmen, einmal selbstän­dig die Verantwortung zu übernehmen in einer Sache, die über die politische Konstellation in Europa

HbjdM der «oxfermz.

für die nahe Zukunft endgiltig entscheidet? Und, so fragen französische Blätter weiter, wenn ja. stellt dann die französische Kammer jetzt noch den Willen des französischen Volkes dar? Also Kammer­wahlen vor der endgiltigen Entscheidrmg. Wir wisten es noch nicht. Doch zunächst müssen wir die Stellungnahme Lloyd Georges abwarten. Wird «ich er es auf einen Bruch mit Frankreich ankom­men lassen, wenn dieses die Konferenz andauernd weiter gefährdet? Er ist sicher der andauernden Störungsverfuche Frankreichs müde und fein Prestechef spricht sogar davon, die Zusammenarbeit mit den alten Alliierten sei nur dann möglich, wenn sie im Sinne einer vollkommen friedlichen Politik erfolge. Wenn das Gegenteil der Fall wäre, weim man jeden Augenblick Zwischenfälle schaffen wolle und einen Zustand der ständigen Beunruhigung in Europa aufrecht erksielte, so würde die englische Demokratie nicht fortfah­ren können, mit den alten Alliierten zu­sammenzuarbeiten und seine Handlungsfreiheit zu- rücknehmsn müssen. Der letzte Ausdruck deckt sich also wörtlich mit der vorher erwähnten Aeußerung Poincares.

Wer von beiden wird also nachgeben: Einer? Beide? Oder schließlich keiner. Wird Lloyd George die Drohung wahr machen und eine ganz andere Politik einfchlagen, die sich von Frankreich und der Gewaltpolitik abwendet und neue Wege sucht in Wirtschaftsbündnissen und nicht in Militär-Allianzen? Das hängt von Lloyd George ab. Rach der Erklärung, die er nun in der Sitzung i am Sonntag gegenüber dem französischen Dele- ! gationsfuhrer Barthou abgegeben hat, ist über seine Stellungnahme wohl kaum mehr ein Zweifel möglich. Kmz rmd bündig erklärte der englische Premier dem französischen Kollegen:Die Stim­mung der englffchen Demokraten gestattet mir nicht, daß ich auf diesem Wege folge". Ja, er geht sogar so weit, daß er sagt, wenn man die bisherigen Methoden fortsetze, dann wäre es besser, gleich nach Hause zu gehen. Und er fügt erläuternd hinzu: Das englische Dokk wünscht nach wie vor mit den Mächten, an deren Seite es im Weltkriege gestan­den hat, für den Wiederaufbau Europas zu wir­ken. Aber die englische Politik würde und ich sehe mich ge,zwungen, dies hier feierlich zu erklä­ren außer Stande fein, an dieser Richtlinie fest­zuhalten, wenn der Zusammenhalt einem anderen Zwecke als der wahren Pazifizierung Europas dienen sollte."

Auch die Franzosen sind sich bewußt, daß Lloyd George jetzt gewillt ist, sich auf die Seite derjenigen m stellen, die den Frieden wollen, einerlei wer sie sind und woher sie kommen. Also die letzte Ent­scheidung liegt bei Lloyd Georg« und darum hängt alles davon ab, wie er sich entscheiden wird.

<Etn Feldzug gegen Rakhencm?

Wie aus Genua gemeldet wird, scheiM im franzö-

Vas hat Deutschland zu erwarten. !

Deutschland ist, et eg daS Verhältnis von Frank- reich zu England sich nun gestalten wie e6 will, immer in einer sehr gefährlichen und ungemütlichen Lage. Der Chefredakteur de» Berliner Tageblattc», Theodor Wolff, der in Genua weilt, schreibt darüber fernem Blatt folgende vielsagenden «ätze:

Die nächste Straßenecke (an der Poimarä nach dem Dall" von Genua Deutschland auflauern will) ist der 31 Mai, an dem wir die 60 Milliarden neuer Steuern unb artbere Kleinigkeiten vorzeigen sollen. Ob bas Europa, von dem man so viel spricht und das wir niemals sehen, sich dann dem imperialistischen Größen- wahn widersetzen wird, wißen rott nicht. Diese Euro­päer, die hier die Solidarität rühmen unb mitunter ver­pesten, haben uns bisher durch ihre Vertreter im Bot­schafterrat und in der Pariser Reparationskommissicm wöchentlich mindestens eine Drohnote geschickt. Alt jener Schnelligkeit, die vorauszusehen war, Hecken nach dem kurzen Dertragszwischenfall die französischen Politiker wieder den allgemeinen Unwillen unb Widerwillen auf sich gelenkt. Dom Unwillen und Widerwillen bis zu einem festen entschiedenen Willen ist der Weg aber noch weit. Lloyd George urteilt über das Verhalten der Franzosen öffentlich so gnadenlos, daß die Auftichtig- keiten eines Bußpredigers liebliche Schmeicheleien dane­ben find. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß er hier sein eigener Kind, die Konferenz, verteidigt, unb daß in solchen Fällen der Löwe die ganze Kraft seiner Tatze zu zeigen pflegt. Illusionen sind nicht erlaubt. Die Wolken, die über Genua hingen, sammeln sich wahr­scheinlich anderswo. Wenn aber in diesem Kampfe bis aufs Messer in dieser friedlichen Versammlung der Nationen die deuffche Delegation ohne wirtschaftliche Vorteile nach Hause gekommen wäre unb sich obendrein mit Hilfe der Versailler Paragraphen Rußland hätte entreißen lassen, so hätte man sie bei der Heimkehr mit Recht in kleine Stücke zerhackt. Jetzt ist ihre Aufgabe vor allem, zum Erfolge der Konferenz beizutragen, so- weit man ihr das gestattet, und die Falle zu vermeiden, die der Scharfsinn des Herrn Poincore ihr stellen will. Der Freund des toten Iswolski wird, wenn er den Krachbeabsichtigt, selbst das Feuer an die Zünd­schnur legen müssen, worin er ja Erfahrung und Uebung

Kur dem besetzten Gebiet.

fpd. llnr Keine Leberirerbrmcrn. Son Koblenz wird einem Berliner Sure zur Weitergabe an zahlreiche große deutsche Zeitungen seit Dachen eine Fülle von Meldungen über neue französische Verstärkung im Rhein,Moselgebiet $ugeleitet, die leider Auf. nähme finden. So sollen an Ser Mosel gtcei-uBritoncrt in Rnmarschbereitsch-ft stehen. In den Moselorten zwischen Trier, Ehraug unb Cochem foDen Cuarher« macher Quartiere vorbereitet haben. An allen diesen Meldungen ist nickst ein wahres Wort. An der Mo,el lebt men in tiefstem F> jeden unb kern einziger Fran­zose ist al» Verstärkung dort mehr anwesend Nach einer Meldung, bte am Sonntag den 23. April durch die deuffche Preste ging, soll bte Stadt Neuwied und die kleine Rachbaffmdt Snaetti am Rhein besetzt sei* von einem Alpenjägerregiment, einem französischer' Art.-Reg. und einer Abteilung SkaftreaienothGene. Neuwied ist tatsächlich besetzt den 8 (sprich und licS acht) Mann vorn 166. Jnf.-Reg. ix Shrenbreitsteix. Dies: 8 Mann behüten da« amerikanische Depot in oer Neu- wieder Taubstummenanstalt. Nutzer diesen 8 Mann ist weit und breit nicht» von Alpenjägern noch von Artillerie zu entdecken. Ix GxgerS traf am letzten Eawstag eit Bail, bei 156. franz. Ixs.-Regt». ein und nahm im Schloß Quartier. Bon Arffllerie, Krastzugartillerie un Alpenjägern findet sich keine Spur. Ästersiein bet Koblenz wurde am Samdteg von einem Varl, bei 156. Inf. besetzt. Sonst ist von den .Verstärkungen- der Franzosen am Rhein Nicht» zu merken. Die sogenanntenLatrmen-Befehle", an die man sich wahrend der KriegSzeit gewohnt hatte, finden hall immer noch gar manche Liebhaber; nicht nur eine urteilslose Stenge, sondern auch sog. Gebildete fallen auf derartige Gerüchte immer wieder hinein.

var Gtzfer em er beigifche« VesgtzsnarsMairtt Am 30. Januar hat ein belgischer BesatzungtzaM-tzörch«. dem in einer Wirtschaft in DuiSb « mätzig die Verabfolgung von Schnaps verweigert wor- den war, in seiner Wut ohne jeden Grund die sieb, zehnjährige Tochter des 3?rrts durch einen Schuß in die Leber schwer verletzt. Das Kind lag seitdem ix einem Krankenhause; eS ist «m Cfterjonn« tag gestorben. Sie »eersigux« ist unter großer Teilnahme der Bevölkerung vor fich a-qangen. Dec Täter ist dieser Tage vom belgischen Kriegsgericht tn Nachen zu sieben Jahren Zuchthaus, 50u0 Franken Getbftrafe und Degradation verurteilt worben.

veutscher Reich.

* Berlin, 25. April. Am Mviffog hat unter dem Borsitz detz NelchSpräüdemtcn ein Dcinisicrrat ftottgefuxben, der den Bericht de» box der detttschen Delegation nach 8erlitt entsandten Dladt-sekretäril hx Autzwärtige« Amt v. Gimsox extgegenuadm. Simson wird heule Berlin »eiloffei«, uet wieder nach Genu« zurückzukehrex.

* Der erste Srzherger.M-rtzPrvjetz. Nlstk Offen­burg wirb gemeldet: Der SchwurgerlchlSprozeH gegen Killinger, der der Bethilfe an der Etmor- düng Erzberger» beschuldigt wild, wird am 15. Mai in Offenburg seinen Anfang nehmen. Ter Angeklagte Killinger wird von einem Cffntbürget Rechitauwatt Dr. Äiteg und einem Rechiranwalt au# ZMuche« verteidigt. Die Berhanbiung wird

I rechnen sind. Fern« die Aufzvichnuny des Finanz- 1 mimfters über die Aufbringung d« Zahümg von 1 Milliarde Gvldmart; ferner eine Aufstellung über dw deutschen Barzahlungen und Sodjteifhmgtn vom 1. »ai 1921 bis 15. März 1922; endlich den brffffche« Ctstwurf von Cannes vom 10. Januar 1922 für die Regeiun« der Reparationsleistungen m Jahre 1922.

stuf Slteichommer.

Roman einer Ehe von D. Ernstberger.

24] -----------

«Dablieb'n wird etzt, jag' ich, und «issin wtit ich, warum Du g'rauft host."

»Ich hob net grauft"

Als er trutzig schwieg, kietz sie feinen Aermel frei legte ihre Hand auf seine Achsel.Hopp, Lenz, Eer Schwede! MW wirst's doch fagn", sprach sie er» «mmternb.

-Fragt hakt Sn er Magd, wenn die aOee so gnau antwortete er etwas versöhnlicher.

Die Base deutet ans den Küchenstuhl, der neben der stand. J>od Dich, Lenz, unb sag' mir». Ich 8rab von vir gern wiss'n. Warum host etzt gtouft?*

"ahm aus dem Küchen schrank ein Stück Oster- ttK9em setzte sich der Lenz, unb biß behaglich hinein. »Don toegn der lumpeten Kathrin roars" erzählte K °°nn ganz gemütlich unb ah weiter.

Base hatte sich an bie Anricht gelehnt, weil ste 2° am besten ins Gesicht sehen konnte.

»Das hast denn net mit der Kathrin g'habt?"

-Mt der Kathrin hob' ich nix g'habt."

»Sa. »arum hast beim dann grauft?

Er wurde vffeder verlegen und suchte nach feinem Schmalzlerglas tn den Taschen. Endlich gab er sich einen Ruck.

!Bon weg n dem Herrn war'sl" fuhr es ihm her- «U5.

Die Vase schlug die Hände zusammen.£ jn Herrn host mit der Kathrin g rauft? tief sie entfettLenz, «enz, do host wor schon s ang'stellt. Was is Dir des an. langen? Da host an schön Rausch g"habt. Wenn des der Herr derfährtl"

Dem Lenz kam plötzlich die Wut an, weil er daran dachte, wie ihn der Schusterhanni vor allen Leuten vet. höhnt hatte.Ihr Altenhammerer bleibt daham", hatte *r gesagt.Ihr verhetzt ja doch ner unser schön Modle Nb macht's schlecht und ungiückltchl"

Da war der Lenz aufgesprungen unb hatte ihn beim Kragen geschüttelt.Eag's nochmal, wennst trauft, Du Lumpl" schrie er wütend.

Der Hanni aber hat ihm frech ms Gesicht gelacht und zurückgeschrieen:Leugn's, daß Dei Herr sei Dftem bei der schwarz'n Kachrin hätti"

Da konnte er sich nimmer Ijatten. Mit der Faust hat « ihn mitten ins Gesicht geschlagen, daß dem Hanni das Bütt bei der Rase herunter lief. Dann kam ein Maßkrug ihm an den Kopf geflogen und noch einer, unb plötzlich lag er mit seinem Festrock auf der Straße. Der Nachtwächter^sakob hat ihn dann zmn Bader ge­führt, «eil das Blut übers Gesicht lief.

Wäre ihm die Base nicht in den Srm gefallen, Hütte er jetzt mit der Faust auf die Anricht geschlagen, daß das Geschirr zerbrochen wäre.

^Hitzkopf dummer! Der Bu' schläft!" schrie sie ihn c i.

Das brachte den Lenz wieder zur Vernunft. Er zog seine Kappe vom Kopf, zeigte der Vafe die Arbeit, die der Lader mitten in der Nacht mit ihm gehabt hMe und erzählte alles haarklein, was fich beim Rosenwirt ^getragen hatte.

Wie er sagte, daß die Kathrin in die Stadt gegangen sei und daß die Reichmannsdorfer sagen, er hält sie frei, wurde bte Base aschfahl. Kein Wort sagte sie, bis der Lenz mit dem Erzählen fertig war.

Als er aber sitzen blieb unb auf eine Antwort zu »arten schien, holte sie ein zweites Stück Osterkuchen. Leiser wie sonst sagte sie, er soll sich ins Bett legen unb ausruhen, sie wolle ihm feix Esten hinüber in die Kam- mer tragen.

Lenz nickte zufrieden unb stand auf. Sie ging ihm bis in den Hausplatz nach und Pelt ihn am Aermel fest.

Die jung' Frau braucht nix davon zu wifl'n, Lenz. Die bürf Dein verpflasterien Kopf net seh'», gell?" flü- sterte sie ihm ms Dhr.

Am Nachmittag klärte sich das Wetter auf. Tiefblau leuchtete es hinter den grauen Wolkenfetzen hervor, unb Frühlingssonnenstrahlen umspielten da» Dettchex des fcfcbnmr.ernben Knaben in der Darbe.

Stine saß am Fenster. Ihre Hände lagen feiernd im Schoß. Friede und Zufriedenheit war auf ihrem seinen Gesicht. Die Base sah neben dem Bettdjien. Sie hielt ein Gebetbuch in den welken Händen, aber ihre Augen lasen nur Buchstaben unb die frommen Worte, die sie mechanisch las, waren nur gesprochen, aber nicht gedacht. Wie sie sich auch bemühte, es kam nichts an- beres in ihren Kopf hinein, eie das Rosenwirtshaxs unb der Lenz unb die Kathrin.

Sie sah forschend unter der Brille hervor gn Stint hin. Heißes Mitleid erfaßte ste für die Ahnungslose. So ist halt der Mensch; was et gern möcht, des glaubt er gerne, dachte sie. Weil Ehriftian amol wo anders hin is wie in die Äofn, meinfs gleich, sie Hot etzt an brav'n Mann. Derweil is vielleicht der Lump noch nie schlechter g'wesin wie grab etzt.

Sie klappte das Gebetbuch zu. Wie sollte sie beten können, wo sie innerlich ganz zerfresien war von Groll und Zorn? Kam er nur heim, der Christian, sie wollte es ihm schon merken lassen, was sie von ihm dachte unb wußte.

Lieber Gott, wie dumm war sie mit dem Christian gewesen, solang er klein war. Wie lieb war ihr bet Dub! Ganz Altenharnmer hätte sie um ihn gegeben unb betteln hätte sie für ihn können von Haus zu Haus. Unb jetzt!

Es regte sich leise in den Kiffen. Mit einem Schritt stand die Alte am Dettchen unb riß bie Vorhänge aus­einander. Drinnen lag er, der Bub, und lachte sie an, grab wie einst der Christian. Unb grab wie damals beugte sie sich über ihn und küßte bie kleine», bitten Fäustchen unb streichelte die Kiffen, auf benen er lag, weil sie ihn mtt ihrer harten Hand nicht anzurühren baute.

Hinter ihr stand Stixe. Lächelnd beobachtete sie das Tun der Alten.Es ist schabe, daß Ihr mcht geheiratet habt, Das; Ihr könnt mit Kinder gut umgehen unb habt sie gern,* sagte sie, indem sie näher trat unb das Beffchen abdeckte.

s is was Schön's um flaue Kinder," sagte die Base 1 .T3*** S* tieibn kalt net is. 6k «erd'» grötzer

und dann tretn sie der Mutter statt auf den Schoß oft aufs Herz. Und Bub'» scho gar."

Sie wollte noch mehr sagen. Born Christian wollte sie erzählen, wie der auch einst so lieb in seiner Wiege lag und mit den Füßchen strampelte und nach seiner Mutter die Aermchen streckte; aber sie schloß den Mund unb zog bie Lippen fest übereinander.

Denn ein Hasen gefaßt ist bis oben hmemf, dann darf man nicht viel daran rütteln, fenft teuft er üb*

Gehn's mir dem Bubn a brhle naus im Gart», in bie Sonn', Frau," sagte sie.Bielleicht wird Ihr tzustn r« der warmen Luft bester, wwb bem Bnbn schab's a nix, wenn k an Me Lust gwohnt wird."

Stine hob den Kleinen «ff den Arm. Die Base wickelte um beide ein dickes, wollenes Tuch und ging mtt ins Freie. 2m Garten blühten die Schneeglöckchen unb vereinzelt schaute es blau zwischen srischgrünex Deilchenblättern hervor.

Boll Freude begrüßte Stine die ersten Frühlings­boten. So wohl und zufrieden fühlte sie sich, wie da­heim auf dem Schulzenhof. wenn sie im Frühlings­sonnenschein unter der knospigen Linde saß und dem Schlagen der Finken lauschte. Die afften Derlchenl Die hatte ihr daheim immer der Peter gebracht. Don dem Tag an blieben bann die Fenster m ihrem Zimmer für die Schwälbchex offen

Kommt Das, nehmt mir ein wenig den kleinen Joseph ab. Ich macht' ein Sttaußchen bixden für den C^istian, wenn er zurück kommt", sagte die junge Frau.

Sie löste bas Tuch, bas die Base um sie geschlungen hatte und wickette bte Alle mtt dem Steinen hinein. Dann ging sie daran, Veilchen und Schneeglöckchen w* ter altem, dürren Laub hervor zu suchen.

Ihre Hände wurden kall. Em hefttger Husten nötigte sie, ihr Suchen zu unterbrechen.

Vie Base sah sttllschweigenb zu. Als aber der Husten gar nicht nachließ unb Stine trotzdem sich immer wie­der bückte, wurde sie ärgerlich.

Ma bürf die Männer net so verwöhne, Frau", brummte sie.3fcr erlöstet Euch, unb der Ehrijüan