Fulda er Zeitung
Nr. 94.
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
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Dienstag, 25. flprll 1922.
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Frankreich fühlt sich ifolirrt.
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Genua ist weiterhin der Schauplatz wsltgeschlchtlicher Vorgänge. Alle Probleme, tue sich nach dem Kriege in der Wett gezeigt haben, Amgen dort an. Angesichts der Bedeutung dieser großen Konferenz für die Bölter und für jeden Einzelnen treten alle anderen politischen und wirtschaftlichen DbskuMmen weil $urürf. Genua muß die gesunde Grundlage schassen, wem namentlich auch für Deutschland wieder bessere wirtschaftliche Zu- ftände kommen sollen, an denen ja dann alle Stande: Unternehmer, Festbesoldete und Arbeiter Anteil haben werden.
Der Bedeutung der Konferenz hat jetzt wieder, nachdem tmi Samstag und Sonntag gefährliche Klippen von dem Krmferenzschiff überwunden werden mußten, der kialiemfche Außenminister Schanzer Ausdruck gegeben. Am Sonntag abend empfing et die Pressevertreter und sagte ihnen u. a.:
„Die Nationen, die des Blutvergießens snd derGewattmüde sind, suhlen fctie gebieterische Notwendigkeit eines nicht nur wahren Friedens, sondern auch dessen, was die wirkliche Befriedigung der H«zen der Menschheit Herbeisühren kann, daß der Friede auftecht erhalten wird und daßdieAusgabender wirtschaftlichen Wiederher st ellung E «- r o p a s mit voller Hoffnung auf Erfolg der Verwirklichung entgegengeführt werden können.
Schanzer betonte weiter, man dürfe nicht vergessen, daß ter Grund, weshalb die Konferenz einberufen wurde, so wesentlich'für die Zukunft und die Existenz Europas und für die WieLerherstelkmg einer normalen Wirtschaft ist, daß sie Erfolg haben «Äffe. Ein Fehl- jschlag der Konferenz würde em Unglück für die Welt sein. Alle in Genua versammelten Stationen müßten dringend wünschen, ein solches Unglück zu vermeiden. Keim von triefen Nationen Errate wünschen .durch die öffeickliche Meinung und durch die Nach- weit angeklagt zu werden, ein Nachlassen des guten Wittens in der Erreichung des Ziel« gezeigt zu Hoden.
Schanzer schloß mit dem Ausdruck des Vertrauens auf Erfolg der Konferenz und mit der Bitte an die Weltpresse, dem internationalen Frieden zu dienen.
Angesichts solcher Stimmen ist es omtänMMi daß däe Franzosen, deren Bestrebungen aaf Störung der Kvnftrenzarbeit heikle unzwoidsutig z« Tage liegen, nun nicht mehr langer bamii zögern tomrten, chren Gefühlen Ausdruck zu geben. Zu diesem Zwecke hat der Führer der französischen Delegation, Barthou, eine Note henmsgebrmhi. die die Isolierung Frankrckchs druKKH Mgiedt. Wir erhalten darüber folgende Draht- meDMg:
wtb (ßenna, 23. April. (Tel.) 3t» einer vom 1- Abgeordneten Varkhou diktierien Roke wird avsgesprochm: Trotz der seit zwei Tagen unternommenen Versuche, d e n R i ß, der durch die Konferenz von Genua neuerdings infolge des deutsch- russtschen Vertrags hindurchgeb!, zu überbrücken, sei dieser für jeden Unparteiischen zu erkennen. Weder die deutsche noch die russische Antwort fei vorläufig zufriedenstellend und beruhigend. Die französische Abordnung werde alsbald die Vorbehalts ausfxrecheu, auf denen sie voll bestehen muß. Deutschland und Rußland seien nach Genua gekommen, um im Trüben zu fischen. Die französische Abordnung werde trotzdem nach den ihr gegebenen Richtlinien weiter handeln. Die Zugeständnisse könnten in keiner Weife weitere VeschlSsi« in Bezug auf längere Garantien nach sich ziehen, me Frankreich für unerläßlich halte. Um ihre unter den gegenwärtigen Verhältnissen ungemein schwierige Aufgabe durchzuführen, stütze sie sich auf die
©tote stand auf und trat an da» Fenster.
Dienstboten tarnen eben vom Kirchgang zurück. Lachend schüttelten sie die wässerigen Schneeflocken nqn ihren Kleidern. Weit hinter den andern kam der Lenz nach.
Auf aitenhammer.
Roman einer «he von v. Ernstberger. 28! ----------
»Seit, Du host heut nachbet, Lenz?" sagte die Base, sie beim Essen saßen. Er war ihr ausgefallen, daß rr nicht mit den andernl-Dienstboten kam.
!ßie Mägde kicherten. „Na, bet Hot er not. Belm ?~fnwtrt Hot er sich vor die Tür hing'stellt und ho: “f® Sänefertafel abg'les'n, der Hot so lang dauert. Und ""Mrt wär er a gern, weg'n dem Bock, wenn'» halt "ex kost' hött'", neckte die Stallmagd.
-Und an neue Schatz Hot er sich ang'stellt, der Lenz", M die Slemmagb ein, „a ganz Feine aber. Ko Zähn' Ws nimmer."
»Unb ka haar a net, ober dafür hot's an Schnurr- 60,1 - neckte wieder die erste.
Lenz löffelte die Nudelsuppe, die es wegen bes Oster - r *1 S°b’ ruf>’9 aus seinem Teller und lieh die Mägde ptcmvern. $<[s et fertig war, legte er den Löffel weg und fuhr mit dem Aermel über den Mund.
„ ie ettt 9 mir heut noch lieber wie ihr zw«. Die Hot a an Mann kriegt. Euch ober wog taner, trotz der Zahn und der fiaarV
■®M“ benVts für a Kettl?" frag die Base.
„?In Totengraber-Hanni fd Kettl!" lachte die StaS- •ROflb.
„Die kommst denn Du zu der Totengraber-Kettl, Lenz? stug die . Base weiter.
Lenz hatte den Teller schon wieder mit «raut und Klöß gefüllt, so daß bte Base kaum ein Plätzchen fand, wo sie das Fleisch hinlegen konnte. Er hatte nie Lust iur Unterhaltung beim Essen, und heute schon gar nicht.
„Degeg'nt is mir halt", brummte er.
Kaum war das Tischgebet gesprochen, ging er hin- Über in den Stall zu seinen Rappen.
Sonst hatte er immer gepttfsen ober den Mägden ein Scherzwort y1' '-»orten; beut» unterließ er beides.
französische öffentliche Meinung, die ruhig und nmtzvoll bleiben nnd überMrzke Arteile vermeiden müßte. Die Uneinigkeit der Mäckfte, die JsolierungArankreichv und da« Zustandekommen einer dentsch-rufsischen Gruppe enthielten folgenschwere Möglichkeiten. T(ht tm.- tem Stute müsse man der Zukunft entgegeublicken, die über die Zukunft Europa« und Frankreichs ent
scheide. _ , _ ,
Um die Stimmung, die aus dieser Kundgebung toricht, zu verstehen, muß man sich mit bmn fdn fei- genben mitgeteilten Notenwechsel der letzten zw« Tage bekannt machen.
Notenwechsel Schlag ans Schlag.
Samstag und Sonntag haben sich die Noten, die Mischen den verschobenen Gruppen der Konferenz gewechselt worden sind, fast überstürzt.
Der französische Vertreter, Herr Barthou, von dem behauptet wird, daß er den telegraphischen Aruoeifungen, die ihm Poincare von Paris aus gibt, nur noch widerwillig Folge leiste tmb an Rücktritt denke, gab zunächst dem Präsidenten der Konferenz einen Brief ab, worin es bezüglich der deutschen Antwortnote über das deutsch-russische Abkommen hieß:
Die französischen Deiegierien fmd ber Meimm«, daß, ahne hier von anderen Derpfiichttmgen ober Abkommen Deutschlands Mi hrrechen, dies« Bertrog die Grund, sötze von Cannes verletzt. Wut 6er anderen Seite Haden bte AMerten festgeftM, dcch der deutsch-nch- fische Vertrag den Geist wechselseitigen Der- tränens vernichtet, der zur mtwnMianalen Irr- fcrmnetxrrM vneilühlich ist und ber die Konferenz zu- fomnwngefßbrt hat. Die Alliierten stimmen ben-in überein, dotz chre Einigkeit chn«i nicht gestatten dürfe, mit bra deutschen Vertretern in der Stomeniffion für die russischen Fraqsn ^<mrmenRMarf>ette». Die deutsche Mote gibt dem Schreiben vom 18. April eine unzulässige Auslegung. Es wäre zwecklos, auf die Emzekhsiten ber von ber dänischen Delegation ausgestellten Dehmcht-FM?-« eivyugchen. lllgnerischer Dehauptungern bte durch die offene urib tovose Haltung der eMetbenben Mochte gertögenb rotototegt weichen. Wir sind überzeugt, bah Ew. Exzelleng ntzt mir bie Notwendigkeit anerkennen werden, Ne Häupter der Delegationen, die sich unter Ihrem Vorsitz vereinigt und die Note vom 18. April unter- zeichnet h-chsn, zufammenzuberufen. um über Ne Hn-ch bte d«chHe Note pMastene Lope zu beraten. Diese DowÄmg mutz, um nützlich 3M feto, binnen «ttgefter Frist ftattfindsn. .. , ’ . „ .
Dis deutsche Delegation hat diesen Ausfall der Franzosen sofort in würdiger Weife zurückgemiefsn. Der Reichskanzler Dr. Wirth schrieb nämlich so- fort gleichfalls dem Präsidenten De Fakta einen Brief folgenden Wortlautes:
Gchr geehrt« $)m Präsident! Es wich der Text eines Schriftstückes in der OoffeMichckeit verbreitet, dos der Präsident bw ^mngöfifche» DeleMtion an Sie gerichtet habe« ME. yn tiefem Schreiben wirb, wie mir mitgeteilt wird, in Bezug aus meine« Brief vom gestrigen Tage die ««,- tomg .Mlegaiiw» mertfomteres" («igenhaifie »ehauptun- a gebnA-cht. Sollte dieser Ausdruck wn-kkich gefalle« to sehe ich.mich peMmpen, entschiedenen Ein. spruch gegen diesen beleidigenden Ausdruck M echeden, womit ber an einem besonders festlichen Tage ber ftonftnentt (Besuch der Känipr von Stoße«. D. Red.) von Ihne«, Herr PrÄfibsnt, so nachhaltig betonte und fo tatfrStig vertretene Geist ber Ätmferens von Genua «Uf das schwerst« verletzt wird.
Gleichzeitig mit diesem Austausch von Briefen fand auch ein Briesverkehr zwischen den Russen und der Konferonzleitung statt. Die Russen und die Franzosen sind nämlich in der Sitzung des Ruß-
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tttn zerbrochen« Hasen lag im Weg, als er über ben ftof ging; er schleuderte ben mit bem Fuß gegen bas Jjaus, daß er an ben Steinen klirrend zerbrach.
Die Base riß bas «üchenfenster auf. „Lackl bummer* Bifl a net g'scheiter und machst so an Spektakel, wenn ber Bub schläft! Hot Dich bw Topf geniert?"
Ohne sich umqchrehsn ging Lenz weit« und schlug die Türe zum Pfeedestall hinter sich zu.
„Dos er net Hot?" sagte die Base für sich. Sie nahm sich vor, ihn ein wenig auszuhorchen. Als die antwren Dienstboten nachmittag» fort waren, suchte sie ihn. 3n fein« Kammer sah sie, daß fein Sonntag», anzug und fein Hut fehlte. Sie schüttelte ben Kops. Dar hatte ber Lenz sonst nie getan, daß « fortging, ohne etwas zu sagen Was hatte ber nur?
5m Hof stand ber Kleinknecht mit b« Pfeife im Mund, die Hänbe m den Hosentaschen. Sein Anzug hing voller Strohhalme. Er mußte irgendwo in den Ställen gelegen sein und ein Schläfchen gemacht haben.
„Dem kommt'- Daheimbleib'n heut a schwer an", murmelte die Base. »Der macht alle» bem Rosenwirt fei Bock. Die Mannsbild« wiff'n nix wie sauf'«. Daß ber Ehristian d« roegblieb’n is, is a rein's Wunder.'
Sie öffnete bas Fenster. „Hanner!" ftfme sie üb« ben Hof hinüber, „wo is dem, ber Lenz?"
Der Knecht wandte sich um und nahm die Pfeife aus bem Munb. „Beim Nofenwirt. Do gibts heut Lock und a net teuerer wie « Bier."
Die Base nickte und schloß da» Fenster wieder. Dann holte sie die Legende und setzte sich in die Stube neben den warmen Df en, wo ber Kinderwagen stand.
Am nächsten lag in ber Früh brachte ber Briefbote eine Karte vom Christian mit bem Poststempel Nürnberg. Er schrieb, baß er einen lag später heim käme: bringenber Geschäfte halber.
„Er haft’ heim foll'n; s’ is lang g’nug, bte Dienst- bot’n wiss'n ihr Arbeit net", brummte die Dose. Aber als «och besser wie beim Xofenroirt und der schwarz'« Kathrin!
E» «ar für sie ein krittscher Tag. Eie muhte mit bem linken Fuß »ussst aus bem Leit sreättfiat sein, weil alles schief gtr ‘ ,
landcrusschusses aneinander geraten. In dieser Sitzung erklärt« der französische Delegierte Sey- doux auf Anordnung Barthous, nachdem das russische Memorandum erschienen sei, muffe er, bevor er den weiteren Sitztmgen beiwohnen könne, nähere Instruktionen aus Paris einholen. Der russische Delegierte Rakowski wollte erwidern, doch wurde die Sitzung geschlossen. Aus diesem Grunde richtete die russische Delegation ein Schreiben an den Vorsitzenden der politischen Unterfotmniffion, worin es heißt:
Das Memorandum der russische« Delegattrm stellt bte Antwort auf das Memorandum ber Loudon« Sachverständigen bar und legt bte russisch« Auffassung gegenüber bet StellungmlMe ber Sachverständigen za der ras- sffchen Frage dar. Gemäß ben von ihr mehrfach geäußerte» Wünsche«, eine Serftänbigyng mit allen Mächten zu erreichen, mchm bte russische Delegation an den vertraulichen Besprechungen teil und erklärte fkb bereit, unter gewisse« Bedingungen ihre in bem Memsran- bum festpelegte Stelkungnahme zu änber«. Das Erpebm» dieser Stereintenmom war ber Brief, ben bte russische Delegation <m ben enplischem Minrsterpräsibente« richtete, ber in ber gestrigen Sitzrmg bes politischen Unter- uusschusss als Unterlage für bie Fortsetzung ber Despre.- chmrgen angenommen wurde. Es ist also selbsiDerstönd ich, daß, da ber Abfassung bes ÜRetnortnAums der russischen Delegasion nun der Dries bet vusifchen Delegation an de« englischen Mmisterpräsidente« folgte,, das Memorandum — vorausaesetzt, daß bie im Otto« besindiichen Besprechungen «folgt fern sollten — als Memorandum angesehen werden muß, bas bte Meinung der russischen Delegation im erste« Stadium der Brfprechmrgsn bar- (teilt.
Darauf hm hat nun Frankreich am Sonntag wieder an der fraglrchm KommWonDsitzung teilgenommen. Man redete lang über bas russische Msmovandam, obwohl Schanzer zu $egmt nritgeteiTt hatte, daß dies Memorandum von der ruffffchen Delegation zurückgezogen worden fei. Barthou erklärte, daß die Russen selbst das MemorarckMN als GruMoge für die Erörterung der ruWhrn Fras-n bezeichnet hätten. Der Japaner Graf I s h i i erklärte, daß Rokowsky non bem offiziellen Charakter des M«nvcai^»ms Mitteilung gemacht hockte. Er rertDKS auf bie Erfahrungen, Me er mit dsr borschewiftischen Regtzerung ist Tschita gemacht habe, die bereits getroffene Abmachunym verstümmelt ober wieder zurückgenommen Hobe.
Am wichtigften ober ist ber Beschluß, bett die aus Barlantzen Barthou» tatsächlich am Smmraq txr- sammckte Konferenz der alliierten Länder in ber AngeleH-lcheit dvr deutschen Antwortnote gefaßt hat. Lloyd Georg» sft hier den Lnschauu- gm und Forderungen Barthous entschieden entgegen« getreten und hat, wie überemstimm«nd genwibet wird, die schwer bedrohte Konferenz von Genua vor dem Schrttern gerettet. Schließlich wurde närnKch folgender von den Engländern entworfene Brief an den deutschen Reichskanzler befchiofs«r:
Herr Präsident! Die Unterzeichneten wünschen. Ihnen Ihre Antwort auf bie Rote vom 18. April zu bestätigen, m welcher die Haltung angegeben wurde, die die Alliierten einzunehmen gezwungen waren, nachdem zwischen Rußland unb Deutschland ei« Vertrag beschloffen worden war. Die Unterzeichneten stellen mit Sefrie» btgttng fest, daß bie deutsche Abordnung sich darüber Rechenschaft ablegt, daß nach Abschluß eine» Separat- friedens mit Rußland in allen Fragen, welche von der Konferenz zu erört«n sind, nicht mehr wünschenswert fei, daß Deutschland künftighin an ben Erörterungen teiinehme, bie über ein Abkommen Zwischen Rußland unb den verschedorten Staaten, bte auf ber .Konferenz vertreten sind, gepflogen werden. Die Unt«zeich«eten hätten es vorgezvgen, bie Korrespondenz über diesen Gegenstand nicht weiter fortzufetzen, aber in Ihrem Brief befinden sich gewisse Behanptungen, die $u berichtigen sie sich verpflichtet sehen. Die unter, zeichneten Vertreter ber einladenden Mächte stellen fest, daß die Deutschen gegen den Vorschlag, die Londoner B«atungen sollten bie Grundlage ber Konferenz bilden, niemals Einspruch erhoben haben. Die Behauptung, daß Deutschland durch die bei ben Alliierten mit Bezug auf Rußland bestshend»» Projekte gezwungen wor
den sei, Rußland näherzutreten, ist jedenfalls auch un- begründet. Kein Projekt wurde von ber Konferenz angenommen oder könnte angenommen werden, ohne daß alle Möglichkeiten für eine Erörterung in den Kommissionen ober Unterkommissionen geyeben wären. Deutschland war auf völlig gleichem Fuß mit den anderen Mächten. Eine anders gerichtete Auf. faffuna ber Tragweite der Londoner Vorschläge könnte private Besprechungen mit ben Russen fordern. Aber diele falsche Luffasiung könnte in ferner Weise bte Hai- tunq rechtfertigen, wie sie von Deutschland vollzogen wurde. Die Unterzeichneten können nur tyr Legauern aussprechen, al» ob von selten Dritter dem Geist »oyaler Zusammenarbeit, welcher für die ^‘^erijmtetiung Europas wesentlich ist, Beeinträchtigung geschähe und müsse« dem entschieden widersprechen. Ne Unter- zeichneten behalten sich aüsdrückltch für ihre Negierungen da» Recht vor, bi; Bestimmungen bes Beitrags non Rapallo für null und nichtig zu erkläre«, wenn erkannt würde, daß dieser ben Zustimmungen des Friedensvertrags widerspräche.
Zu biefer Antwort macht dir doutfchr Regierung halbamtlich u. a. folgend« Benterkuntzen:
Es sei offerrfun&g, daß es sich angesichts der von den EntentedÄetzatttmen bis jetzt ausgsgebevs« Presfe- patole bei der n«w Note um ein Kompromiß handelt zwischen Mächten, die ttn Interesse Europa^ eine Fortdauer der Konferenz römischen rmd sotchNsi dl ihre eigenen Ansprüche über bie der Allg«neircheit stellen. Sicher sei, daß d e Note dos Bedürfnis der übergroßen Mehrzahl bet in Genua vertretenen Mächte zum Ausdruck bringt, endlich einmal diesen unb jeden roriteren künstlich konstruierten Zw.fchenfall zu Ende zu bringen. Deshalb tmb angesichts des Unterschiedes des Inhalts ber vorliegenden Note zu ftüher tarierten Presjestimmen hält es die deutfchr Delegation für falsch, die D i s k u s s i o n in einem Noten- v»chfel weiterzuführe v. Das würde nur Wasser aus die MMe derjenigen Dslegotionen sein, die darauf misgchen, die Konferenz zu einem Kampfplatz politischer Auoemanderfetzungen zu machen, anstatt st« z» positiver Arbeit kommen zu lassen. Der Inhalt der Note hat bet deutschen Delegation diesen neuen ll^rsuch erleichtert. Die neue Note bestätigt, daß unftrr Verzicht auf Teilnahme an ben Sttzmigeit der ersten Unieokom- missivn sich lediglich beschränkt auf DrrhaiMuiMN, die den anzuftrebenden Dertrag zwischen anderen Regrenm- gen und Rußland zum ©^«uftarat haben. Unsere Interessen habe» chve oertragstnüßts« Form bereits ge- ftmden.
Ein Wort noch zu dem vorletzten Satz ber ütote, daß die Unterzeichneten ihren Rexieruntzeit ausdrücklich das Recht vorbehalten, alle Bestimmung« dr« dcutsch-rufstschen Vertrages als null unb nichtig anzusehen, bie etwa den geltenden Verträgen zu- wideriaufen. Selbstverständlich hat bie deutsche Delegation, der auch der Justitiar des Auswärti- gen Amts angehört, diese Rechtsfrage sorgfältig vorher geprüft und das Bestehen eines Widerspruch» verneint. Zum selben Reftcktat sind die englischen und italienischen Rechtssachverftätttrigen m Genua getätigt . De-r Dorbehait dürfte sich daher al» em rein formaler charakterisieren. Nach dieser endgültigen Note stellt sich der Sachvechctt also dahin, daß der d euts ch - russ ifche Vertrag i« voller Wir Isa mk eit aufrechterhalte» bleiben solle, daß die deutsche Delegation m bei Weffr cm Beratungen Wer russische AngÄeyerchrü'-» terlmmmt, wie es in unserer Ankvort auf bie erste Note der ernt oben lot Mächte umschrieben ist und da ß die bisher angerufenen Rechtostellen einen Widerspruch zwischen dem dem Vertrag von Rapollo und dem Ser'iateter vertrug nicht haben feststtttl«, kämmt-
®te bie ,Berlmet Morgenpost^ au6 Genua meldet, hatteDr. Rathenau noch Ueberreichung der Entente- Note eine längk'-e Beipiechung mit dem italienischen Außenmintster Schanzer. Wie der Berichterstatter be« Blatter sagt, batf man annehmen, daß der
Zuerst kam b« Lenz recht lang nicht heim, und als sie morgens aus ihrer Kammer heraus ging, stolperte sie über seine schenutzige« Stiefel, bie er im Hausgang mitten hingeworfen hatte, unb schlug sich an 6« Wand bte Hand auf. Al» ste bann in bie Küche kam unb bte Milch abdeckte, lag oben drauf eine tote Spinne, und bie etattmagb «zählte, ber Lenz habe beim Rofen- wirt Streit gehabt und mtt dem Bi«krug eine auf den Schädel bekommen. Wer weiß, was ba Noch altes passierte, wenn's schon m All«h«rgottsfrühe so anfing!
Lenz hatte «m zweiten Dfterfeicrtag die Zipfelmütze Sanz werktagsmäßig tief äi>« bte Ohren gejogen unb vermied es auffallend, mit der Base zusammenzutreffm. Sonst war er immer b« erste in ber Küche, wenn sie den Dienstboten ihren Kaffee einschenkte. Heute stand sein Hafen noch hinten in b« Röhre, unb braun- gebrannte Häute hingen am Topf herunter, so kochte der Kaffee zusammen.
Al» Lenz wieder einmal mit schwerem, schlurfen- bem Tritt an ber Küche oorübtrging, tarn die Safe heraus unb stallte sich mH cingeftemmien Armen unter bie Türe.
„Host gestern je viel Bock g’foffn, daß Du heut «och (an Kaffee nunter bringst? ÜBcmt Du ih« net trinkst, schütt' ich ihn aus; so z'sammenbrennen läßt ma bte War net", sagte sie giftig.
Lenz hatte einen Fuß schon auf dem Treppenabsatz, um in feine Sammer zu gehen. Er zog ihn langsam wieder zurück unb ging wortlos an ber Base vorbei in bte Küche. Der Kaffee war zur Hälfte eingekocht unb fe heiß war ber Hafen, bah er sich fast die Fing« baran verbrannt hätte. Die Base ging hinter ihm Darüber an ben Herd unb betrachtete aufmerkfcnn bte Zipfelmütze, unter ber ein Heftpflasterfleckchen hervorspitzte.
„Is denn so falt, daß ma heut am heitg'n Osterfest mit ber Zipfelkapp'n rumläuft?" fragte sie.
„Mich friert’»", sagte Len, gleichmütig und bsies sei- ne« »aff«.
„Kester» »er’s kälter und Du host doch k» Zipfel, kapp'« bragchtz", fuhr b^e Bose hartoäckiz fort.
„'s ist halt net a Tag wie ber ander." Er schüttete kaltes Wasser unt« ben heißen Kaffee unb trank ih» mit einem Zug aus.
Al» er wieder hinaus wollte, stellte sich ihm die Safe tx ben Weg unb musterte ihn von oben bis unten. Dann fiel ihre Hand fest auf feine Achsel. „So alt unb so bumm unb so falsch!" sagte sie mit Nachdruck.
D« Lenz würbe oerlegen. „Warum?" Meint Ihr mich?" sagte er unsicher.
Die Base legte bie Sterne unter der Brust ineinander unb sah ihn höhnisch an. „Den denn! Wer ist benn so dumm wie Du? Unb falsch bist o, sonst tätest sag'«, warum Dir ber Bader Dein Kopf so verpflastert hat!' Dabei schob sie bie Zipfelkappe hinauf, baß man deutlich bte Heftpslasterstreifen sah.
Lenz wurde noch v«legener. Er schob bie Kappe wieder vorsichtig über die geplusterten Stellen. „Es kann an jeb'n amol wos pasjiern. Fürs Hinfallen kann ka Mensch", brummte «.
Draußen im Hausplatz ging ein Kichern los. Die Stallmagb hatte gehorcht unb tarn nun herein. „Net wahr i»; hivg'fall'n i» er «et; g’rauft Hot er!" rief sie lachend.
Lenz sah sie drohend en. „Sag'» nach amol, Luder, ftech's!" schrie er sie em-
Die Stallmagd wich einige Schritte zurück. Sie stellte sich unter bie Küchentür, damit sie rasch bovonlaufen konnte, wenn ber Lenz handgreiflich wurde. „Ich sag's noch amol", sagte sie von dort aus. „Alle Leut sagen's, daß Dei Dickkopf mehr aushält, wie bem Rofenwirt seine Waßkrüg."
Jetzt war beim Lenz bie Sebulb zu Ende. Er ging auf sie los. Die Base hielt ihn zurück. „Halt Lenz, bablteb’n wird!" sagte sie nachdrücklich. „Denn die Rann die-Wahrheit red', brauchst net so hitzig zu nter'n, und lügt sie, kommt's Dir a net aus. Desroeg’n mußt net nachlauf'n. Etzt macht' aber ich wiss'n, warum Dir ber Bader Dein Kopf so verpflastert Hot."
„Ich hab'» scho gfagt". antwortete er brummig. Gr wollte bte Safe zur Seite schiebe«. Die hielt ih» ab« mir um so fester am Aermel.
(Fortsetzung folgt)