Einzelbild herunterladen
 

Nr. 80.

-

M . Ws

H

O W

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

Serantwortlid; für den reöauianeaen Teil' Dr. I. Kramer' s für die Anzeigen: X Parze!fer-FuLa. ? Rotationsdruck u. Verlag der msthaer Actfendruckerei in Fulda iferninr edier Nr. 9. Vosticbeck-Kon'o 4051 Fran timt a M-

Donnerstag, 6. April 1922.

Leruasvrei«: Monatlich 10.00 IRL zugestellt frei ins Haus. z J 8 Abgeholt in der Geschäftsst'lle 9.50 3tt s Anzeigen: Kleinzeile nachTo'one' UOMt; auswatts2Mk. <Refi ante »eile (Tettbreite> Noch Colone'maß 6 Marl.

49. Zahrg.

Vor Genua.

MtrmMOü in Mir unh in Won.

Sie haben alle beide jetzt ihr Vertrauensvotum er­halten, sowohl Poincare wie Lloyd George. Der erstere mit 484 gegen 72 Stimmen, der letztere mit 372 gegen 94. Die Stirmnenmchrheit sieht in beiden Fällen recht imposant aus. Prüft man jedoch den inneren Wert, so ist der parlamentarische Erfolg für den frartzösischen Ministerpräsidenten viel durchschlagen- ber als für den englischen Premier.

Poincare hat sich einfach auf den einseitigen französischen Standpunkt gestellt: Deutschland soll zahlen, Deutschland so wefter erüwaffnen, Deutsch­land soll weiter drangsaliert werden und von der Ent­lastung Deutschlands darf in Genua mit keinem Worte -gesprochen werden.

LloydGeorge dagegen spricht nur halb englisch, zur anderen Hälfte französisch. Er hat sich den Be­dingungen unterworfen, die Frankreich für Genua ver­langt hat, und demgemäß verteidigt er sophistisch den Satz, daß in Genua die Reparation und der Versailler Vertrag überhaupt nicht besprochen werden dürfen. Trotzdem will er in Genua den Wiederaufbau Europas betreiben, und Europa kann doch nicht gesunden, so lange sein Kernland, das größte ttnö wirtschaftlich regste Deutschland, in Währungsröend und Handslsnot berate» derlisgt. An diesem inneren Widerspruch krankt die Rede, von Lloyd George, so daß der Eindruck zurück- bleibt: der ernst so robuste Mann ist matt und siech ge­worden; es ist ein Schwanengesang; man muß ihn nach Genua gehen lassen, damit er nicht sagen Lärm, wir haben ihm diese letzte Probe aögeschnitten, ober es müßte in Genua ein Wunder passieren, wenn Lloyd George mit dem allen Nimbus heimkehren sollte!

Auf die matte Rede von Lloyd George ist eine neue Steigerung, des Dollarkurses ge­folgt. Also gerade das, was die englische Regierung im Snterefle ihres Welthandels verhüten mußte.

Lloyd George schiebt dir eigensten Interessen Eng­lands beiseite oder wenigstens auf die lange Bank, ba er sich unbedingt verstrickt fühlt in dem Bündnis mit Frankreich. Er riskiert unter keinen Umstünden einen Bruch mit Frankreich, und die Franzosen tröffen das; daher zwingen sie dem englischen Ministerpräsidenten ihren Willen aus.

Llody George darf in Genua von Deutschland nid# reden, obschon von Deutschlands Gmesung das Heil Europas abhängt. Den Ersatz für feine Beredsamkeit sucht er mm bei Rußland. Rußland soll die auf- bauende Weltwirtschaft retten. Rußland soll auch die Abrüstung einleiten. Das Selbstbewußtfein der Saw- jefregtenmg wird dadurch in bedenklicher Weise gestei­gert- Wenn Deutschland und das übrig-' Europa so lange warten sollen, bis der Handel mit Rußland in ordentlichen Gang kommt und klingende Früchte trägt, so müssen wir noch viele Jahre hungern und darben und dulden und verzweifeln.

,,, ^uf Slot)b (Beorge selbst darf mm nach dieser chtyrmmschen Rede keine Hoffnungen mehr fetten. Es Wetfxt nur die Möglichkeit, daß sich in Genua bald die WW Erkenntnis durchsetzt, es fei kein Wiederaufbau Europas möglich, wenn nicht zuerst die deutsche Fraoe en« vernünftle Lösung finde. Der 3rotmg ito Tab Wn tmrb dazu führen, daß man die deutschen Tribute «ach. Umfang und Fristen auf ein erträgliches Maß herabsetzt und damft dem ringenden Deutschland die erlöserche W e l t a n k e i h e ermöglicht. Don dieser An- feche sprach Lloyd George auch nebenbei, doch durste er aus Rücksicht aus Frankreich die entscheidende Bedeutung nicht gehörig hervorkchren.

Genua kann nur bie Einleitung sein. Ob die Fortsetzung in Vollkonferenzen erfolgt oder in engeren Beratungen der nächstbeteiligten Mächte, ist Nebenfach- sich. Aber das, was Poincare für Genua verboten

!Ulli....... US

äuf Ättenhammer.

Roman einer Ehe von 2. Ern st berge r.

8] ___________

Ob der Vater sonst wohl sei; ob er immer sein Recht habe? Die Christine wäre doch stets eine so treue, be­sorgte Dienerin gewesen, sie würde es doch jetzt auch {ein.

»Die Christine b'sorgt freilich alles und meint's gift mifn Herrn, aber die Jungfer Stine kann's ihm hall «t ersetz'n. Sie is a all's, mürrisch Weibsbild!"

Sttne ging langsam in das Haus zurück.

2a, hier fehlte sie überall. Hier war sie unersetzlich ?? und dort fehlte sie eigentlich niemanden. Dort lag 049 f>aus^cüiea fest in den Händen der alter

. J^angs war sie ost zur Safe gekommen:Laßt .." .7,uch dies und das abnehmen: Ihr seid jetzt alt; uh wch auch etwas tun."

25 Alle aber hatte immer abgewehrt.

®* * Arbeit muß ich hab'n. Ich bin brüber alt und r,h., °tbn auf Attenhammer und könnt etzt ohne mei hJnY"er leb'n. Ich bin a Dienftbot und werd' l" . . ? Euer Arbeit kommt noch, die bleibt net aus, h-wt ree Angst net Wenn erscht «inner auf Allen- ®teber schreie, und Rane Hemdle und Höst Md Windeln zum Trocknen am Ofen rumhängen, bann 2hr n.mmer, daß 5f)r nichts zu tun habt."

Vielleicht hatte die Alte recht Vielleicht mar es T?CrS .^'e'-leicht auch auf dem Schulzen­hof? Drelletcht wurde ein Enkelsohn dem Schulzen- bauern neuen Lebensmut gebe» und ihn uergeffen lassen, daß die Sttne dem Hof fehUe.

E» hämmerte schon stark, als Lenz die Pferde zur ^ückfahrt aus dem «tolle führte. Sttne war keinen Schntt ins Dorf gekommen. Sie geizte mit jeder Mi­nute, die sie beim Vater verbringen durfte.

Einigemal hatte sie auch flüchtig tn den Nachbarhof mnfiber geguckt. Da drüben war aber alles mie ausge­storben. Die kleinen Tüllvorhänger hingen ganz re­gungslos an den Fensterscheiben. Niemand hätte ge­ahnt daß dicht hinter dem dünnen Gewebe ein blasser chliinnerkovs lehnte und in den Schulzenhof hinüber sah.

hoi, wird auf die Tagesordnung gesetzt werden muf­fen, nicht Europa zugrmÄe gehen soll. Mit oder ohne Lloyd George! Die wtrffktMftlichen Lebens- intereffen Englands uni> die wichtigsten Interessen der Neutralen werden sich attf die Dauer nicht durch di« Pariser Diktate vrrgewaittgen taffen, und auch die Franzosen sÄbst werden allmählich eittsehen, daß sie bei einer weltwirischaftsichsn Verständigung bessere Ge­schäfte machen, als beim Vormarsch ihrer Truppen.

Die jüngsten Roden waren nicht schon; lvch das letzte Wort bilden sie teinesaeegs.

Vsrbersitungeu zvr Usüftreaz.

Poincare hat für Mittwoch nachmittag die ftanzö- fischen Delegierten and SachMrstärchrgen für die Kon­ferenz von Genua $ufamnx-nberufcn, nm ihnen die fetz­ten Anweisungen zu erteilen.

Die französische Delegation wird 'm drei Abteilungen am Donnerstag, Freitag und Samstag von Paris ebrröfen. Der Führer der Delegation, Ju­stizminister Barthou, reist erst am Samstag vormittag ab.

Nach demTemps" ist bei der Regierung kein offizieller Schritt erfolgt, durch den die französisch De­legation zur Teilnahme an einer Vorbesprechung zur KonseretH von Genua Mischen den Debegicrten der alliierten Hauptmächte eingetaden würbe. Der englische Premierminister scheine nicht die Absicht zu haben, sich auf der Durchfahrt in Paris aufzichalten. Anscheinend fei den französischen Delegierten rare der Vorschlag ge­mocht worden, noch dem Beispiele Lloyd Georges etwas früher nach Genua zu kommen. Das Blatt spricht die Hoffnung aus, daß die französischen Delegierten sch zu keiner Zusammenkunst vor der Eröffnung der Kon­ferenz hergeben würden.

Aus London wird gemdiet, daß die letzte Zusam­menkunft des britischen Kabinetts vor der auf Freitag morgen festgesetzten Abreise Lloyd Georges am Mitt­woch vormittag stattfinde. Am Dienstag fei bereits das Hilfspersonal der britischen Delegation nach Genua abgereist. Der Hauptteil der Delegation fährt am Frei­tag ab.

Abreise der rnsfischeo Defegtrtton.

Die russische Delegation für Genua mit Tschit- scherin,Litwinowund2offeander Spitze hat Dienstag abend Berlin verlassen. Krassin hat sich nicht nm noch Genua begeben, sondern fft nach London ab- gervist, wo er BerhaMungen zu führen hat.

Deutscher Reichstag.

Erledigung der Steuergesetze. Kommunisten- streiche.

^..2>eHsi.oSJftfeung rossbe zum größten Teil ousgeftiUt durch eine Aussprache zur dritten Le­sung des Mantelgesetzes zu den ©teuer«

® ln' ®eJ4es bekanntlich auch die Jwcmgsanleihe ermhmt. Die Zett des Reichstes wurde durch diese Aus­sprache völlig unnötig in Anspruch genommen. Die Aus­sprache fmverte auch nicht eine« neuen Gedanken zutage.

Dra größten Teil der Aussprache erlitten die Redner bCT Opposwonsparteten. die in ganz überflüssig langen Reden chren ablehnende Standpunkt gegen die Sadoce

Ausdruck brachten. Den Anfang machte der Deutsch, mrtwnale Dr. helsserich. Ihm folgten der Redner der Unabhängigen Selbmann und der Kommunist Fröhlich. Zwischendurch trug der unfreiwillige Komiker des Reichs- ^gs, der bayerische VauerbünWer, zur Ersteitvnrng des Hmstes bei Sachlich fft, wie bemerft, über die Reden nichts za tagen, da sie neue Gesichtspunkte nicht enttneXen. Sehr zutreffend charaktensiette der mehcheitssoztalistischr Ab«, ft ab mann die Oppositumsreden, mLorn er sie als den Rarrerrschwatz oon Kilometerreden bezeichnete. Er recht- fettrgte gegenüber dn Amgttffen der Urmbtiängigen die

Stfton stand der Schlitten zur Abfahrt bereit; da tarn es leichtfüßig über den Hof gesprungen, an der verschneiten Bank unter der Linde vorbei. Leis klopfte es an das Fenster des Nachbarhauses: .Ist der Peter daheim?" Freundschaft in Ehren, kann keiner wehren.

Da wurde auch schon die Haustüre aufgerissen. Hund in Hand standen die beiden Nachbarkinder an der Grenze, die den Schmiedbauernhof vom Schulzenhof trennte.

Als Lenz mit der Peitsche knallte und der Schulzen- bauer mit feinem Schwiegersohn an den Schlitten trat, schied Stine tiefbewegt von dem treuen Jugendfreund.

Auf der Heimfahrt wurde zwischen Stine und ihrem Gatten nur wenig gesprochen. Er saß finster und auch gedankenversunken neben ihr im Schlitten.

Er sah sie von der Seite an; in seinem Blick lag et­was Lauerndes, als er sagte: »Hast aber noch gute Freunde unter den Bauernburschen, Sttne!"

Stine wurde rot, obschon sie sich nichts Böses be­wußt war. Da lachte er laut auf, aber es war ein böser Lachen

*

Als sie heimkamen, tag auf dem Tisch eine Ein­ladungskarte von Reichmannsdorf, für den nächsten Tag zur Christbaumverlosung in der Rose. Beide lasen die Karte; niemand sprach dabei ein Wort.

Am anderen Tag blieb der Herr länger liegen, weil es Sonntag war. Als Stine vom Frühgottesdienst aus dem Pfarrdorf zurück kam, saß er noch beim Früh­stück.

Sie stellte sich an ben_Dfen und vertauschte die fal­ten Stiefel mit mannen Schuhen. Er trank unterdessen feine Taffe leer. Dann stand er auf und probierte das Schlagwerk der Uhr.

Es ist fpät bet mir geworden heut", sagte er, offne sich umzudrehen.

Hierauf ging er rasch zur Türe. Aus der Schwelle wandte er sich nochmals zurück.

Wie ift9 denn, gehst Du mit zur Verlosung?" frag er, halb über die Schulter herüber. .Gehst Du mit, muß der Lenz b*» Schlitten »nsparmen, sonst geh' ich zu Futz."

HÄttmg ferner Pattersreuitae. Das olciche tat nach chm der Abg. Decker von bor Deutschen Volkspartei.

Das' Mantelgefetz wurde dann mit großer Mehrheit angenommen.

Mit der Annahme biefes Gesetzes ist das große Werk der Steuergefetzgebung beendet unb das veranlaßt beit RelchLfmanzminister Dr. Hermes, den Parteien, welche dieses große Werk im Interesse des Bwkrtandes gefordert haben, zu danken, zugleich aber auch die ungerechte Be- urtaihmg der Lasten durch die Entente, die das deuttche Vokk durch diese ©ieuerooriagen auf sich genommen hat, auf das sihärffte Verwahrung einzufegsn. Das deutsche Volk sei mit triefet Stuervefvrm bis an die G.raze ferner Leffttmasfähigkeit getragen, uwb wer das verkenne, oer» rate, daß er schlecht unterrichtet sei. Diese Erklärung des Ministers mißbrauchten die Kommmrisfen, ism zum Schluß noch eimrcri ihre Gafienj-rmgenpepflog«chei!«i im hellsten Lichte echheinsn zu taffen. Der Abg. Koehnen verfang das Wort zur Sache, well noch seiner Vehauptang durch die Erklärung des Ministers die »».»fpncdje wieder er­öffnet fein fall. Hierüber entspann sich eine längere Ge- schäftsor-rEgsdebatte, die sch'teßlich zu derartigen Lärmszenen führte, daß die Sitzung zum Schluß ab- gobrochen werden mutzte. An der Ku>itdpebMg beteiligten sich auch die Trilrimenbesucher, die sich aus den Teilneh­mern an der Sozialisten konferenz zufermnen- setzten. Kschrien hat wohl das Bebürtats empfunben, den Moskowitrnn zuliebe, etwas Rattamheoter inszemeren zu ntiffen. Die finanziellen Lenpsiichtrmgen der Komnm- «fften an Moskau sind ja jetzt offenkundig.

In einer zweiten Sitzung, die eins balde Stunde später eröffnet mürbe, sprachen zum Reichsamt des Innern Minister Dr. Köster, der sich gegen die Behauptungen in der französischen Kammer über deut­sche Rüstungen wandte und die Notwendigkeit der deutschen Schutzpolizei dartat. Der französische Kriegs­minister hat unter den Organisationen der von ihm verdächtigten Art benannt: die Technische Nothilfe, die deufichen Sportvereine und die Regimentsvereine. (La- chen.) Was diese letzteren anlangt, darf sich doch im Auslande niemand darüber wundern, daß wie in Eng­land und Frankreich so auch in Deutschland Vereine entstanden sind, die die Pflege der Geselligkeit und der Kameradschaft zum Ziele haben Diese Vereine haben jedoch mit militärischen Dingen bei uns ebenso wenig zu tun wie die gleichen Vereine im Auslande. Ich möchte jedoch gerade aus diesem Anlasse alle diese Ver­eine und ihre Leiter bitten, alle p a r a d e m ä ß i g e n Spielereien zu unterlassen, die der Kontrolle des Auslandes nur einen Anlaß zu unerwünschten Matz- nahmen vielleicht auf ganz anderen Gebieten geben könnten. Die Technische Nothilfe hat mit der Reichs­wehr auch nicht das geringste zu tun und ist auch schon seit einer Reihe von Jahren dem Reichsminister des Innern unterstellt. Mir ist es nicht bekannt, daß der Sport, an dessen Ausübung doch gerade auch ein er- heblicher Teil der deutschen Arbeiterschaft einen tüch­tigen Anteil nimmt, irgend welche Beziehungen zu militärischen Dingen haben sollte. Die deutschen Sport­vereine, von denen ein erheblicher Teil die Beziehungen zum neutralen und auch zum feindlichen Auslande wie­der ausgenommen bat, werden höchst überrascht fein, wenn sie aus dem französischen Parlament hören, daß die Franzosen in ihrer Existenz und in ihrer wichtigen Arbeiten eine Bedrohung Frankreichs erblicken. Eins jedoch scheint mir klar: Wir stehen in schwierigen Verhandlungen mit der Kontrollkommission über den Zweck unserer Schutzpolizei. Wird fie noch weiter zerschlagen, so wächst damit die Gefahr, daß die von regulärem Schutze entblößten Gemeinden wieder zu dem irregulären Selb st schätze greifen. (Sehr richtig! auf der Rechten.)

Hierauf wird die Weiterberatung auf Mittwoch vertagt. ___________________

preußischer Landtag.

Rechte und Linke im lärmenden Streif.

Dah die Interpellation der DeutschnatioMre« betref­fend die Vorgänge in der Lichterfelder An­stalt nur aus polittschen Rücksichten erfolgte, wurde m der Sitzung des preußischen Landtags am Dienstag, wo te Aussprache über diesen Gegenstand fortgesetzt wurde, den Doirtschmttiomllen auch von einem Kommu­nisten bescheinigt. Der Bertteter der Unabhängigen be­nutzte die gleiche Ge'egenheit, um den Sozialdemo­kraten da Teilhabern an der großen Koalition den

Weil die Sttne nicht sofort antwortete, drehte er sich vollends um und sah sie fragend an. Ihre Augen blickten ihm scheu entgegen.

Wegen mir braucht der Lenz nicht fahren; ich geh' nicht mit", sagte sie mit leise zitternder Stimme.

Du verlierst auch nix, Sttne. Ich geh' ja auch nur hin, weil die Leute so arg drauf sehen." <Sr zog die Türe zu, und sie war allein.

Kein Auge schloß Sttne in der kommenden Rächt. Sie blieb lange lesend in der Stube sitzen, las aber nur Buchstaben vom Papier, die ihr Geist nicht zu Sätzen formte. Als es Mitternacht wurde, ging sie in das Schlafzimmer und löfchte das Licht aus. Sie lauschte angeftrengt auf ferne Männertritte, aber sie vernahm nichts wie das leise Rieseln des gefrorenen Schnees, den der Wind vom Dach wehte. Eine Uhr schlug im Haus. Sie zählte dreimal. Mit schleppenden Schritten trat sie vom Fenster weg. Die Kälte durchschüttelte ihren Kör­per, daß die Zähne aufeinander schlugen.

Mit den Kleidern legte sie sich zu Bett. Sie wollte nicht mehr horchen, sie wollte sich mit Gewalt zur Ruhe zwingen. Aber der blonde Kops hob sich beim leisesten Gebäusch stets aus den weißen Kiffen. Sie hörte jeden Stundenfchlag. Endlos schien ihr die Nacht.

Es war morgens fünf Uhr, da hielt fie es nimmer länger aus.

Sie stand auf und klopfte leise an bie Türe der Pose. Man solle die Knechte wecken. Vielleicht war der Herr auf dem Heimweg gefallen, hatte ein Glied gebrochen und mußte erfrieren, wenn nicht Hilfe kam.

Aber die Base antwortete kalt und ruhig:

Der berfriert net, Frau; habn's fei Angst. 8 Un­kraut kommt net um! Ich wett', der sitzt schö warm beim Rof'nwirt. Da dran müff'n Sie sich g'wöhnen, Frau, daß der Herr fo früh net hamgeht. Des is net zum ersten Male und net zum letzt'mal, daß der Herr vom Wirtshaus kommt, wenn's Tag wird und die an- dem Leut fcho wieder ans Arbeit'n gehen. Des is amai fo, und des müjsen's trag'n. Jeder Mann hat was, des ma halt in Kauf nehmen muff, wenn ** hwet" ,

Der Hofhund schlug an.

EonrnH zu machen, daß dÄmrch die Schulen zu onffru- menten der katholischen Schulpolitik geworden sind. Oes muffen wir vom Zent rum als em Lob srsfiasse«, denn hfermst wird nichts anderes gesagt, als daß wie durch unsere SchlÄpoliti? die katholische Schule gerettet haben.

Die AusPtbrwrgen des unabhängigen Abg. Lohn sicht» ten schließlich zu heftigen Widersprachen von Seiten der äußersten Rechten. In der Flut von Schmrpfworter« zwischen den beiden äußersten Flügeln wäre es beinah« zu Tätlichkeiten aekornmra, wenn mast besonnen« '«-.men-te die schärfsten Kampfhähne auseinander gehörte» hätten.

Endlich schloß mo» bisse unfruchtbare Aussprache, u» zur BchMblrmg der gr off en An frage des Adg. Dta- mer Überzeugehen, der Hilfe für die vom Hoch­wasser überfluteten ostpr eußifcheu Kreise ne-tencte. Alle Parieren erklärten dazu ihre Justtrnmung, taff der Antrag dem Hauptausschuß üfcc.ötefen wurde.

Endlich wurde die fett mehreren Tagen unterbrochene Beratung über den Landw ir t fcha f t s hau s halt wieder aiffgenommM und zwar bei der Abteilung Gestüt- Verwaltung. Em Ausschußanttag ging dahin, bie Koste» der Sctroalinmg durch Mehreinnahmen bei den Deck» und Füllengeldern aiffbrätgen zu taffen. Während bie Sozta» listen diesen Antrag rmterstützten, war tret Z eist rum saog. lfecobi-Rrfffrnrf der Meirrung, baff der Haushalt nicht durch die Erhöhung der DeckgSllder ins Gleichgewicht gebrachi werden dürfe, da in diesem Falle die kleinen Landwirte wegen der hcchen Deckpreise auf die Zucht von Pferde» verzichten mufften.

Die Weiterbervsilng wurde üvn-n auf Mittwoch fest- geieffi.

Die 2. Mernüüsnale

und die 3. Internationale.

Der Einigungsversuch der drei soziak' sttschen Snternationafen, über den wir bereits be­richteten, kann heute bereits als endgültig ge­scheitert angesehen werden. In der ersten Sitzung der drei Internationalen, die sich in Berlin im Reichstag ein Stelldichein gegeben haben, sind die Gegensätze so scharf aufeinandergeplatzt, daß es nicht möglich war, die für Montag in Aussicht genommene Sitzung abzuhalten. Die 2. Inter­nattonale (Rechtssozialisten) hat vielmehr in ulti­mativer Form an die 3. Internationale Bedingun­gen für ihre weitere Teilnahme an der Konferenz gestellt. Die 3. Internationale (Kommunisten) hat das damit beantwortet, daß sie an die zweite In- ternattonale die Forderung gestellt hat, sie möge einfach erklären, ob sie an einer sozialistischen Kon­ferenz über bestimmte Aktionen der Arbeiterkreis« tellnehmen wolle oder nicht.

Die Oesterreicher (2%. Internationale) suchen zu vermitteln. Aber es scheint nicht, als ob diese, Vermittlungsversuch von Erfolg sein wird. Höch­stens wird erreicht werden, um wenigstens nach außen hin das völlige Scheitern der Konferenz zo vertuschen, daß ein gemeinsames Mani- fest veröffentlicht wird, welches die Punkte zu­sammenfassen soll, über die man einig werden kann. Es ist also genau das eingetreten, was wir vorausgesagt haben. Die* völkerbefreiende Inter­nationale ist ein Traum und wird ein Traum bleiben.

Ünr dem besetzten Gebiet.

Das beste fifelänte für einen fiafernenbau. ütad Mittellungen der Reichsvermögensverwaltung, Zweig stelle Landau, haben die französischen Militärbehörde» den vorn Stadtrat in Neustadt o. d. H. gemachte» Vorschlag, in erster Linie das Gelände Landwehrhölzs für die Militärkasernen in Aussicht zu nehmen, abg« lehnt. Infolgedessen müssen die Kasernen in dem beste« Gelände der Gemarkung Neustadt, in der Brunnenge wann, erbaut werden. Gegen die Erbauung der ft® fernen in Brunnengewann hatten nicht nur die ftäbti schen Körperschaften, sondern sämtliche Vereine bei Stabt mit größter Eindringlichkeit Einspruch erhoben

Etzt is er da. G'sund und fidel, vielleicht mehr als Ihnen recht is", sagte die Vase streng.

Man hörte unsichere Schritte im Hof, ein Geräusck an der Tür, und endlich drehte sich der Schlüsiel in Schloß.

Als es polternd an die Schlafzimmertüre schlug, sich» Stine zusammen.

Laßt mich hier bleiben, Bas'; ich will nicht z» ihm", bat sie.

Die Base schüttelte ihr Bett durcheinander und gläi tete die Kissen.

Da leg'n Sie sich etzt noch « röste nei, Frau. Sie brauch'n Ruh und Schlaf, und an D'foffnen geht tnai am best'n ausm Weg."

Dann zog sie ihre Kleider an und ging in die ftüch, an die Arbeit.

4.

Als die Frühlingssonnenstrahlcn den Schnee an dei Südfront des Wohnhauses weggelockt hatten, da toe immer die ersten Veilchen und Schneeglöckchen blühten fing Stine an zu kränkeln. Blaß, mit großen, dunkel. umränderten Augen, ging sie still einher.Etzt gibt* bald Kindstaus und Kerzendreier", sagten lachend bii Dienstboten. Die Base aber wurde von Tag zu Tag mürrischer Man hörte sie fast den ganzen Tag mit den Dienstboten schelten und brummen. Nur wenn ft» mit Stine zusammen war, bekam ihr zersorgtes Gesicht weichere Züge und chre Stimme klang miß) und gut

Sie waren jetzt viel aufeinander angewiesen, die bei- den Frauen. Der Herr war meist auf der Jagd. Manch­mal sah chn auch Lenz in der Rose sitzen, wenn er mH Holz durch das Dorf fuhr. Dann hatte der Herr die Flinte der schwarzen Kathrin zum Aufheben gegeben; er saß mit einigen treuen Freunden kartthch am Wirts­tisch, und die schwarze Kathrin saß daneben und sah zu. Zuhause ließ sich Lenz niemals was merken. Nur der Base sagte er ganz im Vertrauen einmal davon. Aber die hatte ihn wütig angegudt, und von dort an hatte Lenz geschwiegen.

<3E8tHeitUM tatet.)