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M 77.

Sonntag, 2. April 1922.

*** Ctlittl(| •$* ;’~<a*

HSchstmi-tenzuschläge

und Reichsmietengesetz.

5n den verschiedenen von amtlichen oder privaten Stellen mit Einschätzung des jeweiligen Preisstandes der Lebenshaltung errechneten Indexziffern trat bis in be lenke Seit der Kostenaufwand für Wohnung, also die Miete, erst an letzter Stelle auf. Angesicht- dr auf allen anderen Wirtschaftsgebieten dauernd M bemerkbar machenden, teilweise unnatürlich sprung-' hasten Prr ssteigcrung war trotz eines bisherigen zwi­schen 50 bis höchstens 100 Prozent klarierenden Teue­rungszuschlages der Mietpreis in Wirklichkeit durch­schnittlich immer noch auf fr:m Stand der einstigen GoLmarkwährung stehen geblieben.

Wir muhten vor dem Kriege annähernd den vier­ten bis fünften Teil unseres Einkommens für Woh- nnngszuxcke an'egen, was zweifellos eine ganz erheb- bche privatwittfchaftliche Belastung und dememspre- chend — allgemein wirtschaftlich' betrachtet — einen ungesunden Wohnungsüberschuß ergab. Die Kriegs- und Nachkriegsoerhältnisse — auf der einen Sette Rohstoff- und ArbeitermangSl, auf der anderen Seite Teuerung, ständiger Zuzug von Heimkehrern, Vertriebenen und Landflüchtigen in die Städte — brachten die heutige sich immer mehr mrschärfende Wohnungsnot mit sich. Dieser will das ran kürzlich vom Reichstag endgültig angenommene Reichs- mretengefrtz mit feinen eingehenden Bestimmungen über Vermietung von Wohnungen, Geschäftshäusern, Büro- und Lagerräumen usw. sowie über die Höh« der bei Mietsverhättnffsen zu entrichtenden Miete wirksam be­gegnen.

Die Gegensätze zwischen den Kontrahenten, Vermie­ter und Witter, sind angesichts der allgemeinen Der- worrenheit der wirtschaftlichen Lage selbst durch ein noch so paragraphenreiches Gesetz nicht mit einem Schlage zu beseitigen, — noch dazu in heutiger Zcit, wo leider politische Rücksichten in diese wirtschaftliche Fragen nicht unerheblich hineinspielen. Besonders wich- tig sind für den Einzelnen diejenigen gesetzlichen Maß­nahmen, die über die Höhe des Mietzinses entscheiden, da es hier umnitelbar an den Geldbeutel geht Und gerade auf diesem gewiß peinlichen Gebiet scheiden sich die Geister bereits, ehe das mühevoll dreimal durch­gearbeitete Gesetz nun erst seine praktische Berwendbar- keit beweisen soll.

Die durch entsprechende, die heutige Geldentwertung berücksichtigenden Zuschläge der WirtschaftslcM ange­paßte sog. Grundmiete (Friedensmiete vom 1.Juli 1914) soll nach dem Gesetz auch weiterhin sich a u t o- m at i s ch regeln und den Gedanken der „gleiten­den Miete" verwirklichen. Erhöhung der Hypo­thekenzinsen usw. sollen durch die Zuschläge in Hun- dertletzen der Grundmiete gebührend Rechnung getra­gen werden. Die Festsetzung derselben wird den ein» zslnen Gemeinden überlasten. Erwähnt mag noch werden, daß das Gesetz zunächst einmal eine Fristbegren­zung bis zum 1. Juli 1926 erhalten hat. Hierdurch soll bei dem Angriff auf den an sich schon so stark belasteten Etat gerade der wirts<haltlich so schwachen Klasse des Mittelstandes anscheinend die Hoffnung auf eine spätere ebenso „automatisch" sich vollziehende Min­derung biefcr Zuschläge erweckt werden, eine Hoffnung, die wir noch allen bisherigen Erfahrungen mit gutem Gewissen nicht zu nähren vermögen.

Wie sich das Gesetz in allernächster Zeit auswirken wird, können wir unschwer an dem Beispiel der Reichs- hauptstadt Berlin erkennen. Danach wird bereits mit Wirkung vom 1. April als Höchstgrenze für Mietzins- steigerungen im Sinne des § 2 der Höchstmieten, anordnung vom 9. Dezmnber 1919 ein Zuschlag von 120 Prozent zur Friedensmiete festgesetzt. Für Räume, die zu gewerblichen Zwecken (§ 1 der Reichsgewerbe, ordnung) hergestellt sind, beträgt der Zuschlag: a) bet ermr Friedensmmte bis zu 2000 M 120 Prozent, b) be’ einer Friedensmiete über 2000 bis 5000 JA 150 Pro- Zent, c) bei einer Friedensmiet« über 5000 JA 180 Prozent.

Sozialer.

= teuPrfien Krankenkasse» Im Band 298 der „Statistik des deutschen Reiches" werden die vom Sta- Wischen Reichsamt zusammenaesteNten Zahlen aus der Krankenversicherung für das Jahr ISIS ver- r ffentlicht. Die letzte Veröffentlichung betraf das Jahr SIS. Danach gab es im Jahre 1919 9017 Kranken- asten und zwar 2609 (28,9 Proz.) Ortskrankenkasten, 538 (6 Proz.) Landkrankenkaflen, 4960 (55 Proz.) Be­triebskrankenkassen und 910 (10.1 Proz.) Innungskran, tenfoffen. Die Gesamtzahl der Versicherten verteilte sich jedoch in dieser Weise: Ortskrankenkassen 61,8 Proz.;

Letriebskrankenkasten 23,6 Proz.: Landkranke?»allen 12,8 und Jnnungskrankenkassen 1,8 Proz. Die Zahl oer Versicherten betrug 15 840 850 gegenüber 13 840 848 im Jahre 1915. Die Einnahmen beliefen sich auf 1385 Mill. Mk.. die Ausgaben auf 1125 Mill. Mk., und zwar 118 Mill. Mark Verwaltungskosten, 991 Mill. Mark Krankheitskosten. Von diesen entfallen wieder 421 Mill. Mk. auf das gewährte Krankengeld, 182 Mill. Mk. aus den Arzt, 147 Mill, auf Arzneien usw„ 119 Mill, auf Krankenhauspflege.

Vie Autonomie der ReichsdanL.

In dem Memorandum vom 27. Januar, das die Reichsregierung brr Neparrttionskommisfion hat zugehen laßen, ist in Erfüllung eimr Forderung irr Entente ein Gesetzentwurf angekündigt worden, nach dem die enge Verbindung des deutschen Zentralnoteninstituts, der Reichsbank, mit der Reichsregierung gelöst werden soll. Der Ankündigung entsprechend ist der Entwurf vor kurzem, v o r den neuen Forderungen der Repara- tionskommifsion, zur parlamentarischen Beratung über­geben worden. Zunächst hat sich der Reichswirtschafts, rat mit ihm zu befassen.

Hätte nicht die Entente die Aendermig des Rechts- verhäftniffes der Reichsbaick zur Reichsregierung ver­langt, fo würde in Deutschland sicher niemand auf den Gedanken gekommen sein, ihr eine selbständigere Stel­lung zu geben. Denn die Bank hat bisher allen an sie gestellten Anforderungen aufs beste entsprochen. Sie hat sich zu allen Zeiten, namenüich aber während des Krieges und auch seitdem, durchaus bewährt. An ihrer Leitung ist auch nicht das Geringste auszusetzen. Der Reichskanzler hatte allerdings das Recht, auf ihre Geschäftsführung Einfluß zu nehmen. Er war befugt, dem Rsichsbankdirektorium allgemeine Anweisungen zu erteilen u. in Einzelheiten der Verwaltung einzuoneifen. Tatsächlich aber ist nie von dem Recht Gebrauch ge­macht worden. Gleichwohl glaubt man in den maß­gebenden Ententekreisen, daß die Aufhebung dieses Rechtes und damit die Verleihung einer größeren Selb­ständigkeit an das Zentralgeldinstitut dieses dazu drän­gen werde, von sich aus auf die Einstellung det Notenpresse zu drängen, auf welche Weise dann allmählich die deutsche Mark sich von ihrem Tiefstand erholen w:rde. Diese Entwicklung wäre gewiß sehr zu wünschen, es kann aber nicht übersehen werden, daß die große Notenflut zum allergrößten Teile auf das Uebermaß der Deutschland auferlegten Re- parationslasten zurückzuführen ist. Die Reichs- einnahmen reichten bisher nicht im entferntesten für die Riesensummen aus, die aufgebracht werden muß­ten. Und die Dekadenzahlungen und die neuen irr- sinnigen Forderungen der Reparationskommission haben erneut einen katastrophalen Sturz der Mark herbei­geführt. Dieser Marksturz schlägt, wie die „Daily Chronicle" so schön sagt, dem deutschen Budget voll­kommen den Boden ein und bringt alle finanziellen Vorkehrungen in Unordnung und Zusammenbruch. Wie soll da mit einem baldigen Abbau der Dnflationspolitik zu rechnen sein?

Würde die Reichsbank sich weigern, dem Geldbedarf des Reiches weiter durch Notenausgabe Rechnung zu tragen, so würde es dazu kommen, daß eines Tages Beamten und Arbeitern kein Gehalt und kein Lohn ge­zahlt werden könnte. Soll aber die Notenpreffe zum Stillstand kommen, so gibt es dafür nur ein wirk­sames Mittel, und das ist die Anpassung der Re­parationszahlungen an die Leistungs­fähigkeit des deutschen Volkes, die Verhütung der fortgesetzten Verringerung der Substanz des deutschen Dolksvermögens. Solange die augenblicklichen wirt­schaftlichen Verhältnisse unreränbert bleiben, wird die autonome Reichsbank cbenftnnenig wie die nominell vom Reichskanzler geleitete die schädliche Papiergeld- wirtfchaft beseitigen und eine andere Notenemissions­politik treiben können.

Trotz dieser Erkenntnis war die Reichsregierung zur Veranlassung einer Aenderung ihres Rechtsverhältnis- fes zur Reichsbank genötigt, m B'rfolg ihwr Politik. Nach dem Entwurf bleibt der Charakter der Reichsbank als einer ausschließlich auf Privatkapital gegründeten und selbständigen, vom Rerchsfiskus unabhängigen juri- stischen Person unverändert. Die Leitung g?ht aber vom Reichskanzler auf das Direktorium über, das feine Beschlüsse nach Stimmenmehrheit faßt. Der Bor- sitzende des Direktoriums, der Reichsbankpräsident, wird wie bisher vom Reichspräsidenten ernannt, ab?t der Unterschied ist der, daß fortan das Direktorium nach Wtachtlicher Aeußerung des Zeniralausfchusses dem Reichskanzler über die zu ernennende Persönlichkeit einen Vorschlag mit dem Ersuchen unterbreitet, ihn dem Reichsrat zur Beschlußfassung zu übermitteln. Das

Huf Hltenhammer.

6] ----------

Spät am Abend fuhr das Rappengespann wieder durch das schwere, eiserne Einfahrtsgitter in den um» iäunten Hof von Altenhammer. Die Mägde hatten Kränze um die Türen gewunden und über der Haus- türe hing eine große, blumengefchmückte Tafel, mit dem Willkommgruß darauf. Die Base mtt den Mägden stand unter der Türe; die Knechte schossen zu den Dach- fenstern hinaus Freudenschüsie.

Der junge Gatte hals Stine aus dem Wagen. Sie fclieb mit dem Kleid im Rade hängen und wäre ge­fallen, wenn Christian sie nicht aufgefangen hätte.-

Die Base erbleichte. „Des bedeut' nex Gut's, dachte sie für sich. Und: „Des bedeut' nex Gut's, sagte die Eroßmagd laut zu den anderen Mägden.

Lächelnd kam Stine auf die Base zu; lächelnd reichte *u Üdem die Hand.

, ,^5 die Dienstboten in der ‘-ipinnftube beisammen n> sprachen sie sich höchst befriedigend über die neue aus, aber daß sie beim Aussteigen fast gefallen

’ tQs war und blieb eine böse Vorbedeutung. Die nn m Qu$ in bie Spinnstube, setzte sich an ihr * p1"?6 und hörte eine zeitlang schweigend zu.

" f^atzt amol des dumm' G'red", sagte sie dann. . % 7 Lab sie dabei dem Spinnrad einen Ruck, daß

-Es geht aUmeil wie's unser Herrgott anders. Da dran macht fei Has' und rnV Brautkranzreg'n was. Des Hei-

rat n ist immer a ernste Sach'. Da braucht ma unfern Herrgott dazu! ', Wn ls ba bie H<,uptsach'."

®ie ®ansrnagt> ftupfte {f)re Nachbarin in die Seite. „SBeils koner g mocht b-rum i9 a Betschwester ttorn. und drum ts das Hestafn bei ihr so ernst!

Stine saß 'M Wohnzimmer, wo die teueren Vorhänge 5mgen und bte neuen, modernen Möbel standen. Der Abschied von Hetmat und Elternhaus war ihr schwerer Leworden, als sie gemeint batte.

Hier mußte jetzt ihre Heimat feinft Sie fröstelte. Es war hier alles so kalt und fremd!

Gegenüber saß der junge Gatte. Papiere lagen auf «m Tisch ausgebreitet. Sie waren dem großen Paket Entnommen, das der Schu'zenbauer vor der Trauung dem Bräutigam in die Hände gelegt hatte.

„'s is redlich erroorb’n. Kei unrechter Heller is dabei; bes muß Euch Glück bringen, Christian", hatte er dabei bewegt gesagt.

Ein leiser Seufzer stahl sich über Stines Lippen.

Der Gatte schaute auf. Es fiel ihm ein, er hätte bte neue Herrin von Altenhammer erst durch das Haus führen sollen, bevor er es sich hier bequem gemacht und feine Neugierde befriedigt hätte, um wie viel reicher der heutige Tag Altenhammer gemacht habe.

Mit der Durchsicht dieser Papiere war es in seinem Innern hell geworden. Er hatte es jetzt nicht mehr nötig zu arbeiten und zu sparen. Wenn er heute Attenham- mer verkaufte und in die Stadt zöge, konnte er leben wie ein Fürst.

Zufrieden legte er seinen Arm um Stine und führte sie durch die Räume seines Hauses.

Bei der Rückkehr vom Rundgang kamen sie bei der Haustüre vorüber. 3m Hof stand noch die Hochzeits- kutsche mit der bändergefchmückten Peitsche des alten Lenz.

lieber ihren Gatten hinweg sah Stine nach dem Wagen hin. Der hatte sie hierher gebracht. Hatte der Wagen sie zum Glück geführt? Ties im Westen durch­brach eben der Mond eine düstere Wolkenschicht. Dort lag das Dorf, das bis heute ihre Heimat gewefen war; dort lebten Menschen, die sie liebten.

Was man verlor, das schätzt man hintennach doppelt ein So ging es auch der Stine Auf einmal wußte sie, daß sie ihr Heimatdörfchen i-ebte mit allem, was drin war. Selbst Lisbeths Feindschaft wußte sie zu entschul­digen, und wäre jetzt die Lumpenkundl zum Hof herein- gekommen, sie hätte sich darüber gefreut

Dor ihren Augen stand die niedere Stube, mit den breiten, weißgetünchten Querbalken an der Decke und den attmodifchen, grünen Bänken an der Wand. Und hier? Hohe, helle Räume mit schön getünchten Wänden und großen Fenstern und in den Zimmern feine, mo­derne Möbel. So hatte sie sich's immer gewünscht, auf Altenhammer war das fo — aber wie kalt und un- wirtlich erschien ihr das alles nun!

3.

Frühzeitiger als sonst war »s Winter geworden. । Schon um Allerheiligen wirbelten weiße Flocken vom I Himmel und als die tunge Herrschaft von Attenham- «

Recht, die übrigen Dramtenstellen zu besetzen, wird dem Reichsbankpräsidenten übertragen.

Das ist das Wesentliche des Gesetzentwurfes. Nach- teilige Folgen für die Finanzwirtschaft des Reiches find aus ihm nicht zu befürchten.

KarMnal Mffis preffe-pre-lgl.

Der Kardinal-Erzbischof Maffi von Pisa fühlt als ehemaliger Journalist wie kein zweiter, den Pulsschlag der Zeit und weiß aus eige­ner Erfahrung, welch ungeheure Macht die Presse ist zum Guten wie zum Bösen. Dieser Journa- listen-Kardinal hat vor mehreren Jahren in seiner Kathedrale eine eindringliche Predigt über die Be­deutung der katholischen Presse gehalten. Er hatte zwar italienische Verhältnisse im Auge, aber gilt nicht Wort für Wort auch für uns Deutsche? Hö­ren wir ihn reden:

„Zu meinem großen Schmerze muß ich nicht selten sehen, daß Katholiken ohne zureichende Ursache, nur aus Gewohnheit und Neugier die Hand aus ft reden, ein Blatt zu taufen, obwohl sie von ihm wissen, daß es kein Freund ihres Glaubens, wenig rücksichtsvoll auf die guten Sitten ift Das sind Katholiken, welche ihren Pfennig in den Beutel des Judas legen. Wenn alle Katholiken, solidarisch und geschlossen, die Zeitungen, welche offen oder versteckt ihren Gauben oder die gu­ten Sitten angreifen, boykottieren würden, so könne auch nicht ein einziges fein Leben fristen; anstatt dessen aber sind sie in der Uederzahl und gedeihen.

Katholiken, die ihr sie unter ft ufoet, euer ist die Schuld! .. . Und diese sind es dann, welche dem katholischen Journalismus ihren ganz besonderen Tribut nicht vorenthalten, den „heldenhaften und großmütigen Tribut der Kritik, der Zensur und auch der Herabsetzung." Daß auch die katholischen Blätter ihre Mängel haben, daß auch sie einmal einen Irrtum begehen, ist kein Wunder; ich würde mich viel mehr wundern, wenn das nicht vorkäme. St. Peter in Rom, der Dom von Mailand, die Kathedrale von Pisa haben ihre Fehler, obwohl sie Schöpfungen der hervorragend­sten Geister sind, und da sollte die Zeitung geschrieben, gedruckt und verbreitet oft in der Hast weniger Minu­ten, unter hundcrtlei Ablenkungen, auf Grund wider­sprechender Berichte, widersprechender Telegramme, unter dem betäubenden Lärm der Räder und Maschinen keine Fehler aufweifen? Auch ich war einmal 3 o u r n a l i ft, und ich freue mich, daß ich es war, denn ich konnte somit praktisch das Apostolat des Jour­nalisten erproben und mir zum Bewußtsein bringen, daß auch das Zeitungsschreiben meinem Amte entsprach.... Auch ich konnte es mit der Haird greifen, auch ich konnte es kosten, inmitten wieoieler Versuchungen und Pressio­nen und Nachstellungen manchmal der Journalist arbei­tet und weil ich es gefehen habe, mit wieviel Rücksichten und Kautelen sich der katholische Journalist abgeben muß. Ich war auch niemals der letzte, um zu helfen, wo und wie ich konnte, nachdem ich mir von den Schwie­rigkeiten Rechenschaft gegeben, nicht nur durch münd- lichen Rat, sondern indem ich mir selbst Opfer auf­erlegte. Und das sage ich nicht aus Eitelkeit, sondern um mein Recht zu belegen denen gegenüber, die sich über die Mängel der katholischen Blätter beklagen und meinen, sie seien nicht gut gemacht; und ihr, was habr ihr getan, damit sie besser werden? Ihr, die ihr euch derselben, vielleicht zu eurem Vorteils bedient habt, und als höchsten Beitrag, sie zu erhalten und zu verbreiten, euch vielleicht tjerabgelaffen habt, einmal ein Gratts-Probe-Abonnement anzunehmen? Ehe ihr tritt« iert, erkauft eu das Recht zu kritisieren, zum minde- ten durch euer Abonnement, damit ihr nicht in den chlirnrnen Verdacht kommt, daß eure Worte an> deres verbergen wollen in dem gefürchteten und schrecklichen Falle, daß man von euch oieleicht einen Beitrag, ein paar Lire verlangen könnte!"

aus dem Nachbargebiet.

---- NIeberkalbach. Maa schreibt uns: Dor 50 Jahren pflanzten zwei Naturfreunde auf einer hiesigen Berges- höhe eine Linde. An dem Kreuzungspunkte zweier Feld­wege, inmitten fruchtbarer Felder wuchs sie heran zu einem Prachtstück seltener Art. Unter der Linde auf grünem Rasenteppich machten die Landleute (Feldarbeiter) der näheren Umgebung ihre Frühstücks- und Mittagspausen. Hier zu rasten, in heißer Sonnenglut oder starkem Regen­schauer, war eine Wohltat für Menschen und Tiere. Eine prächtige Aussicht auf unsere liebliche Heimat und eine größere Anzahl Nachbardörfer gab dem Fleckchen, wo die Linde staird. noch ganz besondere Reize. Dieses prächtige Naturdenkmal wurde nun von rohen Händen %

mer zum Katharinentanz ins nahe Pfarrdorf fuhr, konnte Lenz seinen Rappen schon das neue Schlittenkleid mit den vielen Glöckchen anlegen.

Es war zum ersten Male, daß Stine in Gesellschaft ging.

„Mach'n Sie sich fei schö, graul" sagte bte Safe. „Heut' schaut alles auf Sie. Manche von ba brunt’n wär' gern auf Ihrer Stell g'wes'n. Unb hängen's a Ihr Goldwar' an. Die Reichmannsdorfer seh'n ba drauf und putz'n sich selber als wie bie Osterochs'n."

Stine befolgte ben Rat. Auch ihr Gatte sah sie gern geputzt. Das wußte sie; um ihm zu gefallen, tat sie alles gern.

Sie wäre ja lieber daheim geblieben. Was lag ihr an ben fremden Leuten; was am Katharinentanz? Und doch war sie auch wieder neugierig, bie Leute kennen zu lernen, bereu Unterhaltung ihr Gatte so hoch schätzte, daß er nicht einen einzigen Abend in der Woche seiner jungen Frau opfern konnte.

Sie hatte sich das junge Eheglück anders gedacht und wenn sie bie langen Abende allein in der Stube faß, tarnen ihr oft wunderliche Gedanken, ob Christian die Stine ober des reichen Schulzenbauern einzige Toch­ter gefrett hatte.

Wäsierige Flocken fielen aus sternenlosem Himmel in den schmutzigen Schnee des Hofes. Die Rappen schüttelten das kalte Naß von sich, baß hell die Glück- lein am Schlittenkleid erklangen. Lenz 30g feine Mütze noch tiefer über den Kopf. Seit fein haar fo dünn wurde, war er am Kopf für Kälte empfindlich. Unge­duldig fah er zur Haustüre hin.

Da kenn auch schon sein Herr mit der jungen Frau in ben Hof. Stine hatte ein Spitzentuch über ben Stop; geworfen. Die Rappen griffen aus, unb fort ging- es wie bie roilbe Jagd. Bald fah man bie Lichter von Reichmannsdorf blitzen.

Als der Schlitten mit hellem Geläute durchs Dor" fuhr, wußten die festlich SBerfammelten in der „Rose", daß der Stock von Altenhammer kam. Alles fah auf d, Türe, durch die er eintreten mußte. Unb als dies ge­schah, war es in dem kleinen Saal mäuschenstill.

Die Vorstellung der jungen Frau war bald erledigt. Man lächelte sich an, schüttelte sich die Hände; jeder einzelne am Tisch stellte noch die Frage: „No, habn's denn schon eiug'wohnt, Frau Stock?" unb bann war

Ihr Stauen!

Hilfe am Nächsten und Linderung der Not war stets die schönste Aufgabe der §rau Unfere alten Leute hungern und leiden. Wendet ihnen Cure Fürsorge zu.

Ihr Berufstätigen!

Spendet von Curem Cinkommtn.

Ihr Landfrauen!

Spendet Lebensmittel.

Ihr Hausfrauen!

Gebt von dem entbehrlichen. Seid gaftfre gegen das Alter! Schirmt und schützt unser» notleidenden Alten.

feiner Krone beraubt und so zagerichiet, daß es jeher Be> schreidung spottet. Es ist wirklich eine Schande, daß ei noch Leute gibt, die fo etwas fertig bringen. Hoffentlich wird die Behörde ihr Möglichstes tun, damit dem Frevler eine gebührende Strafe zulest wird.

Verödet sicht sie droben — ein Denkmal ftiihrer Zett

Von Bubenhand genommen wird ihr das Blütentieid.

Eine vor Jahresfrist in der Mitte des Dorfes zm» Andenken an die gefallenen Stieger pepftangft Eiche wurde auch da-» nach der Pflanzung abgebrochen — vernichtet. Trübe Zeichen der Zett!

spö. Tettingen. Neben der Arbeiterschaft sind nunmehr auch bte technischen Angestellten der Ge> werkjchaft Dettingen in den Streik getreten. Tiefer Streik spielt aber für den Foitbetrieb der nunmehr völlig geregelten Notstromversorgung des Aschaffenburg-Hanauer Wirtschafts­gebietes durch die technische Nothilfe keine Rolle.

|] Eisenach. Ter frühere Giotzherzog W Ibelm Ernst hat den von der (Sebietsbertretung Sachsen- Weimar-Eisenach angenommenen Vertrag über dir Wartb urgstiftun g bestätigt, so daß nunmetz» diese Stiftung rechtskräftig geworden ist.

Heues aus Hranlrfurt a. M.

fpb. Die Frankfurter Messe 1922 und 1923. Das Meß amt teilt auf vielfache Anfrage mit, daß die Herbstmess 1922 vom 8. bis 14. Oktober stattfindet. Die Frühjahrs messe 1923 wird vom 15. bis 21. April, die Herbstmessi vom 23. bis 29. September abgehalten.

fpb. Neuer Villeneinbrach. Abermals wurde nn W e st- endoiertel in der Bockenheimer-Landstraße ein schwe­rer Villenembruch verübt. Die Diebe stahlen Bestecke, Schale^ Platten, Becher, Kannen unb andere Siibcrsochon mit W. M. und M. gezeichnet im Gesamtwert von 70 000 bis 80 000 Mark.

fpb. Ausgedeckler Auswanderungsschwindel. Der Kon- ditor Karl Ziegel, seines Alters 18 Jahr, und der 19fäh. rige stellenlose Konrad Dix gründeten ein Auswan.de« rungsbüto, gaben in einer Zeitung Inserate auf, roa nach sie 1000 Arbeiter und Handwerker angeblich im Aus trag einer Frankfurter Firma für einen Bahnba> in Brasilien suchten. Die tüchtigen Gefchäftslettt« forderten, wenn sich Arbeiter meldeten, die sofortige Er­legung von 3 Mark für Postunkosten. Zu Hunderten lie­fen die Angebote ein; das Paar hatte den ganzen T<q zu tun, um die Briefe zu öffnen und diesen die frei Morl zu entnehmen. Die Herrlichkeit dauerte glücklicherweise nur mehrere Tage, denn die Kriminalpolizei machte am Mittwoch dem Schwindel-Auswanderungsbüro ein Ende.

mc. (Er wußte Bescheid. Der Lehrer einer hiesig« Schule trug seine Schüler noch einer der neueren Straßen im Nordend. Nur ein fett kurzer Zeit aus Holland zuge- rerfter Junge wußte, wo die Straße sich befindet. „Sehl ihr, ihr Dummköpfe", meinte der Lehrer, „der fremde Bick weiß Bescheid!" Darauf üb’rgab der Lehrer dem „Hol- länsder" ehren Brief mit 1400 Mark, womit er eine Rech­nung bezahlen sollte. Holland ging und kehrte niemals wieder. Bisher fehlt von dem Burschen jede Spur.

mc. (Ein Liebesdrama. Der am 8. Mai 1896 geborene Albert Schmidt aus Weiher (Oberlahnkreis) hatte ein Ver­hältnis mit einem Mädchen aus Dieburg, bas von Letzte­rem «löst wurde Als nun Donnerstag mittag gegen %1 Uhr bas Mädchen mit feinen beiden Fremchinnen während der Mittagspause in der Heinrichstraße spazieren ging, lauerte Schmidt dem Mädchen auf tmd tötete es durch mehrere Revolverschüsse. Er selbst schoß sich bann in den Kopf und wurde schwer verletzt ins städtisch« Krankenhaus überführt.

me. Von der Messe. Zahlreiche Fremde sinsd anläßlich der sechsten internationalen Meße schon hier ein getroffen, Auch bie Ausländersonderzüge treffen im Laufe des Tage»

man auch schon so weit bekannt, daß man vom Wetter sprach und von der Kält'n jetzt schon um Käthe ein.

Wenn Stine sprach, bann horchte man an der Tafel unb an den Wänden genau darauf, roos sie sagte.

Stine mußte an den Ausspruch der Base denken: „Frau, hängen's fei Ihr Goldwar' an; die b»e>chntanns- börfer putzt'n sich wie die Osterochf'nl" Gold in Form von Ketten unb Spangen und Broschen war ba zu sehen, daß man hätte einen Goldarbeiterladen damit ausftatien können.

Die Frau Metzgenneister stieß die Frau Bäckermeister mit dem spitzen Ellbogen in die Seite: „Was roirb's denn g'halst hab'n, bas Bauernmädle!" flüsterte sie ge­ringschätzig. „Dem Uhrkettl nach ts so wett net her."

Sie schaute dabei mit Befriedigung auf ihre breite, massive Goldkette nieder. Und weil sie samt ihrer Rette unb all ihren Kochrezepten, bie ihre Lieblingsunterhal­tung bildeten, der Frau Stock gar nicht zu imponie­ren schien, deshalb wunderte sich bte Frau Mctzgermei- fier auch noch darüber, rote nur der nette Herr Stock das Bauernmädle g'möcht hat.

Stine sprach wenig. Ihr Gatte trank und rauche, unterhielt sich über bte Futterpreise, unb wenn die schwarze Kathrin eine frische Maß Bier brachte, sah er auf und lachte und wußte immer mos Lustiges zu sagen, daß die Kathrin mtilachen mußte.

Dann stieß drüben an der Wand der Totengräber- Hanni seinen Freund, den Nachtwächter-Jakob, mit dem Fuß an. Jakob nahm bte Pfeife aus dem Mund unb meinte: „Wär' die schwarz' Kothrirr n?t a arms Luder, bann hält' der Stock sei Fra net auf’n Schulzenhof g'sucht."

Je weiter der Abend oorschritt, desto stiller wurde bte Stine und desto mehr rötete sich das Gesicht ihrer Mannes.

Als er später beim Tanz die erste Tour mit seiner jungen Frau machte, merkte Stine, daß ihr Mann nicht mehr ganz sicher auf den Beinen war.

Sie ließ sich an ihren Plag führen und sah zu. Sie wollte nicht mehr tanzen Anfangs kamen viele zu Stine und forderten sie dazu auf. Wenn sie ablehnte, bekamen die Leute lange Gesichter und rote Kopfe, und die Frau Metzgermeister bekam recht, wenn sie sagte: „Des einsällia Bauernmädle muß ma lauf’n lass'n!"

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