Fuld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
49. Zahrg.
i
Samstag, L Kprtt 1922
Nr. 76
altem
da muh die Mehrheit
en fteck«r bteiben.
en unsicheren Kantonisten gehören vor »rutsche Bolkspartei unö die Un-
Jetzt handelt es sich um die Zukunft Deu!M<mds, und deulftckU velepation eilte teagfähige hinM'nch b^vmmen.
Neuregelung der Getreidewirtschaft.
Di« ursprünglich für den 28. März angefetzten Verhandlungen zwischen den Spitzenverbänden der Land-
Der kommunistische Ubanderungsantrag zum Antrag Hergt wird nicht genügend unterstützt (Heiterkeit), über den erste« Zusatzantrag Hergt wird nmnenttich abgestnnmt. Er wird mft 312 gegen 60 Stimmen abgelehnt. Der zweite Eventualantrag Hergt, au, dem Antrag Marx das Vertrauen sirr die Regierung zu streichen, wird MHfakls mit 312 gegen 60 Stimmen der Deutschnationalen abgelehnt. Es folgt dann die Abstimmung über den noch unverändert gebliebenen Antrag Marx. Auch diese Abstimmung ist eine namentliche. Die Unabhängigen und die Kommunistische Acheftsgemernschast enthalten sich hier der Stimme. Der Lertrauensantrag Marx wird dann mit 248 gegen 81 Stimmen bei 43 Stimmenthaltungen angenommen. Alle übrigen Anträge sind damit erledigt. (Lebh. Bei hall bei der Mehrheit.)
Da, Gesetz zur vvrlSvsigen Regelungdes Reiche Haushaltes wird darauf in der zweiten unb dritten Lesung ohne Aussprach« angenommen.
Die Besoldnngsregelung erledigt.
®, fo^gt die zweite Lesung einer besonderen Ergänzung zum Besoldungsgesetz.
Abg. Delia® (Dem.) berichtet über die Ausschutzeer- haniüunge«. Der Ausschuh fordsrt die besonder« Derück°
Die Logik der Tatsachen siegt!
Große Mehrheit für die Regierung vr. Wirth.
248 Stimmen für, Sl gegen das Üertrauensostum, 43 Stimmenthaltungen.
Genua.
Zusammensetzung der deutschen Delegation für Genua., DaS Reich^kabineit hat in einer kurzen Sitzung über die Vorbereitung der Konferenz von Genua beraten. Die Frage der Zusammensetzung de» denlschen Delegation ist noch nicht endgültig geregelt. Wie die Biäiter mitteilen, wird die deutiche Delegat on, die unter Führung von Dr. Rathenau fiebert wird, einschließlich des Hilfspersonals etwa 8 0 Personen umfaff n. Zu den Delegierten treten noch eine Reihe von wirtschaftlichen Sachverständige». AIS Vertreter der Gewerkschaften find in Aussicht genommen der frühere preußische Minister» Präsident Siegerwaid, der frühere Reich arbeits- mmtster Wiisell und der demokratische Reichstags» abgeorduete Erkelenz.
gut es eben geht. Es muß „verhandelt- werben bei sichem Vertrauensvotum, und wir dürfen schon froh sein, wenn die Verhandlungen zum guten Ende führen.
Wir haben noch die feste Regierung, und wir wollen sie bewahren: denn sie tut uns jetzt mehr not, als je zuvor.
Die ReichstagrßtzMg
Was die drei Koalitionsfraktionen and die Bayerische Gruppe angeht, so wollen wir ja nicht behaupten, daß dort alles Parteileben ohne Fehl und Tadel Jet; aber diese Parteien haben sich doch in den jüngsten Krisen bewahrt: sie wußten, was ffe wollten, und hatten den Mut ihrer Meirmng auch m schwierigen Augen- bilden.
Auf der Gegenseite steht die deutschnationaie Partei, der es bis jetzt gelungen ist, ihre ganze Anyan» aerichaft im Samre der S °ta ftro phen poli 11k M halAM. Sie sind zielbewußt und geh.» verwegen brauf- los; aber ihr Ziel 1t leider verderblich nnd dm Weg dah.n führt in den Abgrund.
Bon dieser wagh-l'igen Oppositionspartei seht die Agitation für die Neuwahlen aus. Boi der Zer- fcchrenbeit des Fraktionswefens und der inneren Schwäche verschiedener Parteien hat der Gedanke etwas Bestechendes, durch Neuwahlen eine Gesundung herbei- zufuhren. Aber der Schein täuscht. Erstem hal-n wir überhaupt jetzt k«i n e Z ei t und keine uberschus- stoe Äraftzum eine Wahlhandlung richtig durchzufüh- re« unb zweitens würde unter den jetzigen rechtlichen und tatfüchlichen Verhältnissen ba alte Parteigeist bet den Wahlen die Führung wieder an sich reihen, sodaß die letzten Dinge säuerlich bess«, eher viellcicht M schlimmer werben könnten.
Bis der Tag der Erneuerung kommst, müssen We Re-
denn die Fraktionen find noch fast alle verfomm-ft, um Fraktionssitzungen zu pflogen.
Zunächst erledigt das Haus ein von allen Parteien mit Ausnahme der U. S. und Komm, eingebrachtes Gesetz über die Unter st iitznng von Rentenempfän- 0ern der Angestellten, und Jnvalibenoer- s i ch e r u n g. Danach kann bte Uotetstützung bis zu einem solchen Betröge echäht werben, daß das Gesamteinkommen des Rentenempfängers den Betrag von 4800 <M erreicht. Eine Witwen- oder Wttwerrente soll dem Bete«, von 3300 Mark erreichen, eine Waisenrente den von 2000 JL Für nicht leistmtgssähige Gemeinden hat da, Land oder nach dessen Bestimmung eia Demeindeverband oder eine sonstige Körperschaft de, öffentlichen Rechte mit Zuschüssen einzutreten. Das Gffetz soll am 1. April 1922 ht Kraft treten. Das Gesttz wird in zweiter Lesung angenommen, gegen die dritte Lesung erheben die U n - abhängigen, denen die Sätze zu niedrig sind. Wi- derspruch, fotaf) die Echöhougen nicht am 1. April di Kraft treten köemen.
Dann feilt man die große politische Debatte fort.. Domkapitular 0eicht, der Führer der Bayerischen Bolkspartei, schließt sich der Abwehr gegen die unerhörten Ententeforderurgen an. Er stimmt der Regierungserklärung zu und fordert zur Ablehnung des beutschnationalen Mißtrauensvotums auf.
Die kommunistischen Redner, Dr. Lsrck Md Fröhlich, machen ihre Wichen Extratouren. '
Das Vertrauensvotum.
Inzwischen ist folgender Antrag Marx (Ztr.) ein. gegangen:
.Der Reichstag verwahrt sich gegen die in den Roten der 3tepoTationsfommiffion vom 21. März dem deutschen Volk angesonnenen unerträglichen Forderungen vnd billigt
sichtignng des Familienstandes. Der Aus- ichuh bat die Bezüge der Gruppe 7 im Endgeholl um 1000 JA erhöht und die Staffelung etwas verändert, so daß sich folgende Reihe ergibt: 20 000 <K, 21 000 °4l, 22 000 Mark A000 <41, 24 000 JA. 25 000 JA. 26 000 M. 27 000 Wert’ 28 000 JA. Die Kinderzulage wird für Kin- der vöm 14.—21 Lebensjahr mir gewährt, wenn sie sich m der Ansbildung befinden ober ^w°rbsunsähig sind und nM ein eigenes Einkommen von mehr als 4000 M lähriich haben Den vechcioateten Beamten kann eine Frauen- zulage gewährt werden. Die Fnruenzn.'age ton« aM SBitroern gewährt werden, die oerforgungsberechtigte Kinder zu erhalten hoben. Der T e u e r u n g s zu s ch l a g betratst zum Grundgehalt. den Diäten und dem Orts- «uktoM, fomeit diese Bezüge 10 000 JL mcht übersteigen, 60 Prozent, im übrigen 30 Prozem. zu den Kmderzuschla- gen 30 Prozent. m
Reichsfinorrzminister Dr. Hermes erklärt, daß die B «- samtkosten der Neuaufbesserungen funsztg Mrl- liarden bezogen. Es folgen einige billige AgliÄions- reden zum Fenster hinaus. Schließlich wirft Abg. O en bemann (Komm.) in langer Obstruttionsrede den bürgerlichem Parteien vor, sie trieben eine verbrecherische Polrtrk.
Damit sclstießt die Aussprache. Die Vorlage wird' in der Ausschußfassung in zweiter und auch in der soicmtlgen dritten Lesung angenommen. Auch die Dorlage färbte Ergänzung des Pensionsgesetzes und des Wehrmocht- versorgungsgesetzes wird angenommen. Es folgt bann die dritte Beratung des Kohlen st euergefetzes.
Abg. Remmels (Komm.) bezweifelt die Beschlußfähig, feit des Hauses. (Die Kommunisten certaffen unter all- seitiger großer Heiterkeit den Saal.) Präsident Löbs erklärt, daß für die Feststellung der Beschlußfähigkell eite langwieriger Namensaufruf notwendig sein werde. Da jedoch Wortmeldungen nicht vorliegen, schießt er die Aussprache und vertagt die Abstimmung aus Freitag um 1 Uhr» 3. Lesung der Steueroortoge. t
Der Erfolg -er Regierung.
von Slresemann bis Scheidemann.
Zu dem Ergebnis der gestrigen Abstimmung im Reichstag über das Vertrauensvotum für den Reichskanzler Dr. Wirth schreibt die „Germania":
Die 248 Abgeordneten, dis ihr klares tmö bedeutsames Ja durch ihre Stimmenabgabe aussprachen, bilden ein Ganzes von Stresemann bis Scheidemann und zwar ein Ganzes, das genau zwei Drittel der Vertretung des deutschen Volkes ausmacht. Das letzte Drittel umfaßt aber fr-inesroegs nur die wirkliche Opposition, sondern wiederum zu einem Viertel Unentschiedene, die nicht Ja und nicht Nein zu sagen vermochten. Tatsächlich stehen also der Mehrheit von 248 Zustimmenden lediglich 81 Vernnmnde gegenüber, d. h. von den Parlamentariern, die eine entschiedene und klare. Steilung in dieser Lebensfrage des deutschen Volks» einnehmen, schart sich eine gute Zweidrittelmehrheit um den Reichskanzler.
daher di« von der Reichsregienrng zu dieser Note abgegebene Erklärung."
Damit schließt die Aussprache. Präsident Löbs teilt «ft, baß zum Antrag Marx ein A b ä nde r un g s o n- trag hergt (Dnat. Bp.) sing«aasen ist, der bre Re- g-enmgserNänmg billigt, soweit sie ein« »are Zurückweisung des Angriffs bar Repavationskommission auf die eouMtänitä* des Deutschen Reiches enthalte, vermißt toetbe jedoch eine klare Stellungnahme zu den anderen Forderungen der Reparat'onskommission. Für den Fall der «Metoung dieses Antrags soll die Billigungserklömng gestrichen werden. Die Kommunisten beantragen, den Antrag hergt in seinem Hauptteil ,u streichen zu «Kören, daß der Reichstag Der Regierung das zur Fuh. rung der Geschäfte ersorderliche Vertrauen versagt.
Es folgen noch (Erflärungen. U. a. führt Abg. Dr. Stresemmm (D. Vp.) **: Wir haben bei den staftgehab- ten Debatten über die Note dar Reparationskommission yrm Ausdruck gebracht, daß es notwendig fei hinter das Nein des Reichskanzlers eine m ö g l, ch st b r e i t e F r o M des Reichstages und der Regierung zu setze«. Deshalb stimmen wir der Entschffehung M, die die verw-chnmg des Deutschen Reichstages gegen die unerhörten Forderungen der Entente z»mi Ausdruck bringt, und die hinter die Er- Sänrnpen der Reichorecherung zu der Note der Repara- tianskommission tritt Daß diese unsere Zustimmung nicht auf die prinzipiellen Ausftkhnmgen des Reichskanzl» in dem Sckstußkatz seiner Rebe bezogen werden kann, ist * meinen im Namen meiner Fraktion dazu gemachte« Ausführungen ausdrücklich betont worden. Wir können fedoch von einem Eingehen auf diese prinzipiellen Gegensätze in der aeoenwärtigen Siturstion der Politik nichts Günstiges für die deutsche Regierung erhoffen. Wir lehnen dahkr ein Einachen auf diele Gegensätze ab und werden uns demgemäß bei bar Abstimmung über den Antrag Hergt sMißtrauensvotum) de- Stimme enthaften, da wir aus dem Boden der Antrages Marx stehen, werde« wir alle Z u= satzanträge zu dem Antrag Marx ablehnen. (Df.)
Die Abgeochneten Skhaen (Komm.) und Dr. Levi (Komm. Lrbeitsgemeinfch.) lehnen dos Vertrauensvotum ab.
Abg. Dkld (Soz.) erffärt, daß feine Fraktion unter ARehmmg «stier Zusatzanträge für dem Antrag Marx stimmen werbe.
Di« AbstimmtMA.
lieber die Abstimmung entspin-nt sich eme rege ®e« schästrordnungsdebatte, in btt der Abg. Dr. Stresemann erklärt, daß der Reaisnmg ein Rückstart für eine bestimmte außenpolitisch« Situation gegeben werden müsie. Er bedauert, daß dte Deutschnationalen daftir kein Verständnis haben. (Deffall bei den Mehrheftsparteien.) Abg. Leicht (Boyer. Dolksp.) bedauert, daß versucht wind, Zwietracht in die Kreise hm einzutragen, die sich der Derantworftmg bewußt sind. (Stürm. Beifalls
Lm deutschen Reichst^ haben sich am Donnerstag wieder einmal wichtige inner- und außeupolit.sche Entscheidungen abgespielt. Heber die Bedeutung der Vor- gänge umerrichtet folgender Brief unseres Berliner 3U Dtilarbviters, der am Donnerstag nachMittag gefchÄe- l>en ist. Es heißt da:
Während ich diesen Brief zu Papier bringe, ist das Vertrauensvotum noch in ixt Schmiede. Arier es wird fertig werden, well die Politik der Regierung das einzig m ö g l i ch e und also das einzig richtige ist. Anders ausgcdrückt: die Logik der Tatsachen wirb auch diesmal den Sieg ecCaitgat über dte parteipolitischen Quertreibereien.
Diesmal ist die Lösung der Vertrauensfrage nicht ganz so umständlich und schwierig geworden, wie un- längft nach dem Cisenbahnerstmik. Aber Sorgen und Mühen hat sie doch gebracht. Leider, muß man hinzu- fctzm. Denn gerade jetzt, wo dte Taktik gegenüber den auswärtigen Vsorängern den Ausschlag gibt, fjäite alles Schwanken und Zweifeln vermieden werben sollen. Die Sachlage war ja durchsichtig klar und voll- stlmbig spruchreif. Warum mußte denn wieder „wr« handelt" werden zwischen den Fraktionen. Die Ursache steckt in der Zerklüftung des Parteiwesens, und Denn man dar Sache auf den Grund geht, so findet man, daß einige von unseren sogenamUen Parteim eigentlich keine richtigen Parteien sind, b. h. feint einheitliche Willensmeinuqz Haden und im 'kritische-n Augeirdlick in schwank enden Frak tio ns-
Beiua6»ret»: Monmlich 10.0J Mu zugestelli frei ins Haus. " «bgehoii fn der Seichästsst.lle 9.50 Mk. _ tlBteiaea Sleinjeiie nachao^one' 1.20 Mk., auswärts2Mk. ttef lameieiit (lepteeite) nach Cotone maß S Mae?.
abhängigen. Wir wollen keinen Vorwurf erheben, weil wir immer noch hoffen, daß die besseren Etemente m iuiejen Fraktionen in der einen oder an» deren Form sich schließlich gritenb machen werden. Aber die Tatsache läßt sich nicht leugnen, daß die Deutsche Dolksparwi zur Unsicherheit beigetrogen hch, während für die WÄtstelllmg Deutschlands die Cinig- feit und Entschlossenheit mm. höchstem Werte war. Erst dre regierungsfreundliche Rode des Abg. Stressmann im Plenum, dann eine Abstimmung in der Fraktion, die auf Abl^hmmg des Bertrausnsoolums hinauslirf, dmm die Erklärung, es fei nur eine Probeadstimmung grwestm, und die endgültige Entschließung werde noch folgen. Es ist ja löblich, wenn bas letzte Wort, wieder gut ausfällt; doch noch viel bester wäre es gewesen, wenn das vernünftige Wort von Anfang an gesprochen und die fraktionsdiplomatischen Verhandlungen überhaupt a rm leben worden wären. Die Schwankungen in der Deutschen Volkspartei bedauern wir umso mehr, da dies,.' Partei durch den Anschluß andasSteuerkom- p r o a, - ß bewiesen hat, wie wertvoll« Kräfte sie für les Gesamtwoh» zu stellen vermag, wenn si- sich zu einer patriotischen Entschließung aufschwiugt.
Don den Unabhängigen kann man nach dem Wesen und nach bn Vergangenheit dieser Partei nicht ähnliche positive Leistungen erwarten, wie von der Deutschen Dolkspariei. Man mutz schon zufrikden sein, wenn dort die radikalen GSlüste so weit gemäßigt wer- den, daß man durch ausdrückliche StimmenthaUwig ober wenigstens durch stille Abwesenheit bedenkliche Beschlüst« zu verhüten sucht. Die Deutsche Dolkspariei sähen mir gern als erklärtes und treues Mitglied in der Koalition. Die unabhängige Fraktion würde dazu erst fähig werden, wenn sie In die sozialistische Mehrheitspartei MÜckkehrie. Bis dahin wäre es bedmklich, wenn die Reichspolitik in irgendeiner Weise a b h ä n- fl i g würde von der Gnade ober Ungnade der Ünab-
Leramwonlich tüt ötn reoautoneHen Teil' Dr. 3- Sranter- lür bk Anzeigen: F. Parze>>er-Fuida.
Rotationsbruck u. Verlag bet Fuldaer Xctienbrutferti I _ i-emioretbet 9h. ö. Te!egr.-21breffe: Fuldaer Zeitung.
in Fulda.
Huf Ättenhammer.
* Roman einer Ehe von D. Ern st berget.
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Als die Frau auf Altenhammer starb, war ihr Sohn bereits, zwanzig Jahre all. Er machte dem Dater reich sich Sorgen und legte diesem den Gedanken nahe, es fet das Beste, wenn Christian möglichst bald heirate. Etz fehlte nicht an Enttäuschungen und Sorben, bis die Dahl auf des reichen Schulzenbauern einzige Tochter fiel. Die 6tine war zwar nun mal ein Bauermnäd- chen-, herüber konnte ihre städtische Kleidung nicht hin- täuschen, aber das viele Geld mußte ersetzen, was 'M sanft fehlte.
g.. Schulzen bauern waren die Der haltniste auf i enyoinnler von seinen Ettern her bekannt, die mit M ^ofMtern Christians eng befreundet gewesen wa.
<Us der damalige Besitzer von Allenhammer par , horten die gegenseitigen Besuch« auf. Der Schul- zcnbauer r»^ bei lber Leichenfeier von Christians Erotzvater 9emefen, uni) aus hen damaligen Verhält- mffen btlbete er si<h ein Urteil, als Stines Heirat be- schlosten wurde.
So kam Stine neue fierrin «nf dos Gut «lten- hammer. Vie sand hort aus der alten Zeit, von der ihr Vater so vtei erznhft h^ue, nicht mehr vor al» eine Mte Dose, Dte mit kräftiger Hand die Führung b-- choushattes leitete, feit Ehristians Mutter tot war Sie war schon als kleines Waisenkind zu den Verwandten auf Altenhammer gekommen und hatte alle Wandlu, gen dort miterlebt. Die Dienstboten mochten sie nick' leiden und nannten sie eine verbißene, alte Jungfer &)rcn Befehlen aber beugten sich alle, selbst Christian und sein Vater.
Kurz vor Christians Hochzeit erkrankte plötzlich fein ®ater und starb. Christian war nun alleiniger Besitzer “cn Altenhammer. Die Bose war von der Stunde an »och mürrischer und stiller geworden.
Denn die Leute tuschelten und sagten: „Des be= lteut' nix Gut's, ein Todesfall so kurz vor der Hochzeit", dann schimpfte sie wohl über dummen Aberglauben; im
Stillen aber dachte sie: Drauchlls da noch eine böse Bedeutung? Ist das nicht schon Unglück genug, daß dem Christian der Vater fehlt? Daß er sich bei dieser Jugend schon als alleiniger Herr fühlt? Daß er sich sagen tonn: Ich bin reich und kann mir alles erlauben und niemand hat mir was einzuredenl
Kaum deckte die Erde den Toten, so wußte die Base auch schon, daß ihre Gedanken sie nicht getäuscht hatten. Jetzt blieb Christian noch weniger daheim als seither. War irgendwo in der Umgebung eine Festlichkeit, so stand er an der Spitze. Bei keiner Jagd, bet keiner Versammlung fehlte er. Wollte er aber einmal daheim bleiben, so holte man ihn, denn wo er war, da ging es nobel und luftig zu, und er gönnte auch anderen etwas. Waren früher schon viel Gäste in Altenhammer, so wurde jetzt das Haus erst recht nicht leer.
Die Base schüttelte den Kopf. »Wenn des so weiter geht, ess'n Dich die Fremd'n noch arm", sagte sie einmal unmutig zu Christian.
Der aber ließ sie brummen und ging pfeifend weiter. Da suchte sie Trost in dem Gedanken: Wenn die junge Frau kommt, wird es anders werden, und sie drängte zur Hochzeit. Dem Christian aber eilte es nicht. Rur selten sah man ihn mit seinem schönen Rappengespann nach dem Schulzenhof fahren, vom Schreiben war et fein Freund.
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Wenige Wochen bevor die chochzeit stattfinden sollte, kam er einmal mürrisch aus der Stadt heim und zankte mit den Dienstboten. Lis dte Leute alle auf dem Felde waren, kam er zur Base in die Küche.
»Des mtt der Hochzeit wird nix", sagte er mit finsterer Miene „Erstens brauch ich noch kei Frau und zweitens bekomm ich noch was ganz anderes als btt Stine.*
Die Safe, die auf einem Stuhl faß und Kartsffe' schälte, ließ das Messet aus bet Hand fallen und blickte ihn zornig an
.Und des weißt etzt erfchi?!* sagte sie streng.
„Ich hab's immer g'wutzt. Der Vater wat schuld, daß es so weit kommen ist mit der Stine."
"„Der Vater werd' g'wuht hab'» warum *
Christian lachte spöttisch. „Ser Vater hat auch net immer recht g'habt. Der hat gar viel g'wollt und kei Mensch hat g'wußt warum", sagte er ärgerlich.
Als die Züge bet Base immer strenger wurden, und sie ben Arm in die Seite stemmte, warf er da Messer, bas er spielend in der Hand gehalten hatte, zornig auf den Anrichttisch mitten in die Gläser un! Tasten hinein, daß die Scherben auseinanderflogen.
Die Base war aufgeftanben und stellte sich vor i* hin. „Was soll etzt des heiß'»? Wem sei Sach' machst denn kaput?"
Er ließ sie nicht weiterreden. „Meine tffst* schrie er sie an „Kein Menschen geht', was an, was ich tu'. Und wenn ich eine andere heirat', das geht auch keinen was an. Dich auch nicht, merk' Dir'sl"
Mit großen Schritten verließ er die Küche und schluq die Türe krachend zu. Die Safe fetzte sich wieder an ihre Arbeit. Jetzt war nichts mit ihm zu machen, das wußte sie. Wen« aber der Sturm bei ihm vor über war, bann wollte sie ihm ihre Meinung sagen.
Di« nächsten Tage wich Christian der Base aus. Dann erhielt sie einen Brief von der Stine, worin diese anfrug, warum sie von Christian nichts höre. Sie steckte den Brief in ihren Brustlatz, und als Christian am nächsten Morgen noch in seinem Bett lag, kam sie zu ihm aufs Zimmer. Schweigend reichte si« ihm den Brief. Während er fas. beobachtete sie ihn genau.
„War soll ich der Stine schreiben?" fragte sie, als er zu Ende gelesen hatte.
„Ich schreib' schon", antwortete er kurz.
Sie setzte sich auf den Stuhl, bet neben dem Bett stand, und legte die Hande in den Schoß. Dann frug sie m ganz geschäftsmäßigem Ton, wie es denn jetzt mit der Hochzeit fet. Sie muffe bas wissen, und wenn er die Stine nicht heirate, so mäste sie das auch wissen. Und bann solle er sich nur gleich nach einet anberen Haushälterin umsehen, denn sie fei zu alt, um den Haushalt so weiter allein zu führen, und bei jeder fungen Frau möchte sie auch nicht den Dienstboten spielen.
Christian setzte sich rasch im Bett auf. Altenhammer ohne die Bafe — bas war gar nicht denkbar! Was
denn eigentlich der Bas« einfiele? Das hätte sie doch, dem Vater versprochen, baß sie immer auf Aitenham-s mer bleiben wolle. Heiraten wolle er, unb di« Stine fei auch recht. Was man fo im Zorn fagt, das muffet man doch nicht gleich fo ernst nehmen . . .
Die Bafe behielt ihr ernstes Gesicht und den ge- schäftsmäßigen Ton bei. Wann denn die chochzeit statt»! finden solle? Sie müsse sich doch vorher darnach richten- Und im Herbst seien große Zahlungen zu leisten, unk» da könne man des Schulzenbauern vieles Geld recht, gut brauchen, anstatt immer wieder ein Stück Land $n verkaufen. /
Sie hielt inne und verließ stillschweigend das Zi«- mer.
Wenige Wochen später fand die Hochzeit statt.
•
Es war ein nebliger, kalter fierbftiag, als Stine auf Altenhammer ihren Einzug hielt
Der alte Lenz hatte feinen Pferden frische Sträuße an den Kops gesteckt, und auch an seiner Brust steckte ein mächtiger Zweig Rosmarin, der bis an das struppige Kinn hinauf reichte. Die Peitsche hatte er mit roten Bändern geschmückt und sein bester Feststaat zierte ihn.
„Wem g'hört denn der Rock, Lenz?" frug die Safe, als er sich, bevor er wegfuhr, um das junge Paar zu holen, bei ihr in der Küche im Feststaat vorstellte.
„Mir", antwortete der Lenz stolz und stellte sich dabei so grab und schneidig vor die Base hin, als dies seine steifen Glieder zuließen. „Mir!" wiederholte er noch einmal laut „'s is der Hochzeitsrock von mein Vatern selig!
Die Gansmagb. die in der Küche Geschirr spülte, lach!« Er gab ihr einen Klaps, daß die Zöpfe flogen.
„Fratz frecher! Ob Du's glaubst oder net, er g'hört mir unb is von mein Vatern selig."
Die Bafe meinte, fein Vater müsse aber gut dick gewesen fein; er soll doch vom andern Knecht noch einige Westen unter den Rock anziehen. Al- der Len; zur Abfahrt fertig auf dem Bocksitz saß, trug er einen ganzen Trödelladen von alten Westen unb Unterfiel-. be-n mit sich fort, (gortfeßiuig folgt.?