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M 7L

Sonntag, 26. März 1922.

* Fuldaer Heilung

Druck der Fuldaer Aeckeudruckerei tu Fulda

6 Wirt im WlermiBM «EL

Man schreibt uns:

Dos unselige FriebenSdiNot von Versailles hat für xns Deutsche Lebrnsre-Hällnisse urtb LebensbedmMNgen schwierigster Art gebracht- Groß ist das Elend, das durch dieses Schanddokument der Geschichte verursacht, weite Dolksschich.on drückt. Arbeit :md immer wieder Arbeit ist es, die uns noch vor dem Schlimmsten bewahren kann und den langsamen Ausstieg unseres darniederliegenden Dat erlaube s herbeizuführen vermag. Unserer lieben Jugend wird es beschieden sein, dos zu erleben, was wir lebt alle erstechen, unter zusammengebrochenes Reich wie­der auferstehen zu sehen. Ihr wird ober noch ein schwe­res Teil Arbeit zu hm verbleiben, daher gilt es, sie aus» zurüsten mit dem besten Werkzeug, das ihnen am meisten dient, d. h. die Jugend muß durch guten Unterricht und gute Erziehung für den Kampf wirs Dasein befähigt wer­ben. Diese Aufgabe fällt in erster Linie der Schule zu.

Ist diese aber überall in der Lage, btefer Forderung gerecht zu werden? Leider müssen wir tri es verneinen. Ein Haupthindernis hierbei bilden die überfüllten S ch u l k l a s f e n. In ihnen wird das Unterrichts- und Erziehungsgeschäft sehr erschwert, oft muß in solchen Schulen strenge Zucht walten, wo der Lehrer Liebe geben , möchte. Don einer Berücksichtigung der kindlichen Eigen­art kann kaum die Rede fein, die Lehrziele bleiben auf das Notwendigste beschränkt. Daher geht das Bestreben aller an der Schule interessierten Kreise auf die Herabsetzung der Klofsenbrsuchsziffer. In Berücksichtigung der Finanz, not hat die Preußische Regierung wenigstens dem größten Schulelend steuern wollen durch Herabminderung der Schülerzahl für die Schulstelle auf weniger als 60. Der Landtag hat in dem Bestreben, dem unerhörten Be- tchulungselend ein Ende zu bereiten und geordnete Schul- oerhältnifle herbeizuführen, bezüglich der Höhe der Schul­kinderzahl folgender Entschließung zugestimmt:

„Die Stmrtsregiemng wirb ersucht, mit dem größten Nachdruck die Herabsetzemg der hohen Klassenbesetzung, namentlich auf dem Lande, onzustreben, und zu diesem Zwecke Schulstellen auch da zu gründen, wo sich zunächst Steif erträume nicht einrichten und Mietwohnungen sich nur unter erheblichen Schwierigkeiten beschaffen lassen."

Em-e Reihe weitsichtiger Gemeinden hot von sich aus eine Besserung der SHulverböltnisse herbeigesiihrt, aber gor viele sind sich der hohen Pflichten, weiche sie für die Schuljugend hat, nicht recht bewußt. In folgendem seien die Schulverhältnisie in den überwiegend katholischen drei Kreisen Gersfeld, Hünfeld und Fulda darqelegt. Sie «ttsprechen dem Stand von Ostern 1921.

3m Kreise Gersfeld sind 21 errang. Volksschulen mit 36 Klassen, 31 Lehrerstellen und 0 Lehrerinnenstellen, 26 kathol. Volksschulen mit 51 Klassen. 34 Lehrerstellen mÄ> 9 Lehrerinnenstellen. Die Privat schulen blieben so­wohl hier als auch bei den beiden folgenden Kreisen außer Betracht, da ihre Rassenstärken normal sind. Von den 47 Volksschulen haben 14 eine überhohe Besuchsziffer, d. h. es entfallen auf jede Lehrkraft über 60 Schüler. Es find dies folgende Gemeinden: Abtsroda-Sieblos (62), Bähen (83), Dalherda (ev. 61), Dörmbach (63). Eckweis­bach (69), Günthers (ev. 80), Lahrbach (83), Reulbach (86), Schmalnau (77), Seiferts (85), Steinwanb (62), Thai­den (64), Weyhers (74), Wickers (63). — Evangelische Schulen sind von 21 (36 Klaffen) 2 oder 9,5 Prozent über» völkert, bei den 26 kathol. Schulen (51 Klassen) stellt sich der Prozentsatz auf 46.

Der Kreis Hünfeld hat 17 evang. Volksschulen mit 33 Klassen, 22 Lehrer und 2 Lehrerinnenstellen. In 33 kathol. Schulen mit 72 Klassen unterrichten 43 Lehrer «md 13 Lehrerinnen. Don triefen 50 Volksschulen hoben 21 über 60 Schüler pro Lehrkraft und zwar: B-uchenau (ev. 62), Burghaun (ev. 74), Burghaun (65), Dammers­bach (64), Eiterfeld (74), Evdmmmsrode (ev. 76), Gott­hards (74), Großenmoor (eo. 74), Hofaschenbach (62), Kombach (70), Langenschwarz (ev. 69), Leibolz (64), Lelmbach (86), Mahlerts (81), Michelsro-mboch (63). Ober» bveitsbach (eo. 80), vdenfachfen (so. 63), Roßbach (64), Schwarzbach (116!), Silges (74), Soisdorf (96). — Ev. Schulen sind von 17 (33 Klassen) 7 oder 41 Pro­zent. katholische Schulten von 33 (72 Klassen) 14 — 72 Prozent übervölkert.

Am schlimmsten in dieser Hinsicht sieht es im Kreise Fulda aus. Hier gibt es 3 evang. Volksschulen mit 17 Klassen, 10 Lehrerstellen und 7 Lehrerinnenstellen, 79 kathol. Volksschulen mit 232 Klassen, 129 Lehrerstellen «Md 65 Lehrerinnenstellen. Don diesen 82 Schulen sind 40 übervölkert. Es sind diese (alle kathol.): Bacheain (74), Bfankenan (111!), Buchenrod (71), Dieterchausen (72), Dipperz (72), Döngesmühle (83), Eichenzell (77), Engelhelms (68), Flieden (75), Giesel (69), Hauswurz (78), Höf und Haid (105)7 (Em ob. 2 Lehvkr.7 Im letz- ten Falle wäre die Zahl normal. Der Einsender.), Hof­bieber (65). Horas (69), Joharmesborg (82), Kerzell (90), Klein!Wer (72), Kohlhaus (64), Künzell (86), Lan­genbieber (70), Magdlos (69), Marbach (64), Margreten­haun (66), MittelkÄbach (71), Müs (72), Neuhof (65), Nisderkalbach (75), Dbetbimbarfi (79), vberrode (65), Pil- gerzcll (63), Rmnmerz (85), Rochemann (83), Rückers (68),

Unpolitische Zeitiause.

Bon Fritz Nienkemper.

Berlin, 21. März 1922.

„Frühlings-Anfang." Hatschi! Wo ist mein dickes Karnffol? Bitte um eine Tasse Kaffee, mit einigen Lohnen darin, und recht heiß, — noch heißer!

Heute wollt' ich mit Frohlocken Singen schöne Lenzeslieder. Doch der Schnee in dichten Mocken Fällt auf meine Hark nietet.

Träumte schon von Osterglocken: Weihnachtswetter kehret wieder, Hinter'm Ösen muß ich hocken, '

Zu erwärmen steift Meder.

Wenn es so weiter geht, wollen wir die Osterfeuer tatet nicht auf den Bergeshöhen anzünden, sondern --uf dem häuslichen Herd.

ist umgestürzt. Auch der Kalender paßt nicht in die neue Zeit. Er lügt wie gedruckt. Oder ' wie ein Kriegsberichterstatter.

Pech Frühling haben wir schon fett Jahren unfeHtm6*61 3a^rcn' im Schicksalsjcchr 1918, machte ien rrr\vt>„ Heer gerade zu Frühlingsanfang den fett- fanaen h” Vorstoß. Schön berechnet, herrlich ange- Warmn AWonnen, schließlich stecken geblieben, rats- anäU» I1 ^blieben? Einige sagen, wegen Ber­ten Weaen Rekerven auf den schlech-

nnJw _ rechtzeitig nachkommen konnten. Bei-

immer der verhängnisvolle Schluß-

tnto™ ? E einer verhältnismäßig

Ostereier uns dieses Jahr .kin irdischer Prophet .zu emem armen Sünder, der ^Lter^ob:rb5,lf-S-fpan»-,ft und geduldig abwarten »«ch. ob die gefchastigen Buttel die WirbÄ strammer drehen oder etwas locker lassen werden

-.Der schon über das Abrahamsalter himvea ift d-r ^strnert sich noch mit Wehmut, wie wir vor 51 Iah- <en als Sieger sangen:

Vaterland, in taufend Jahren

Soh'st du solchen Frühling kaum.

Schletzenhausen (83), Salzschlirf (66), Schweben (90), Steinhaus (73), Steinau (80), Weidenau (74), Welkers (80). — Die 3 eo. Schulen des Kreises sind mit 0 Pro­zent, die 79 kathol. Schulen (mit 232 Klassen) sind zu 50 Prozent übervölkert, nämlich 40 Schulen.

. In den drei Steifen sind also 75 Volksschulen, in denen auf eine Lehrkraft über 60 Schiller kommen. Was das bedeutet, wurde schon obm ausgeführt. Wollte man, der fallenden Anmeldeziffer für die nächsten vier Lahre ent­sprechend (für 1926 hat die Statistik wieder ein bedeutendes Anschwellen gemeldet), pro Lehrkraft jetzt 65 Schüler rech­nen, so blieben immer noch 58 Schtristellen in diesen drei Kreisen neu zu errichten und zwar 6 für evang. und 52 für katholische Lehrer. Die Schulnot wäre bann beseitigt.

Einer der Hauptgründe, der insbesondere die Land­gemeinden, die heute genau so finanzkräftig sind wie viele Stadtgemeinden welche ihre Schrllverhäftniffe gut geordnet haben, veranlasst. so gleichgültig der besseren Gestaltung ihrer Schirlvechälinisse gegenüber zu stehen, ist die Geld­frage. Oft herrscht mir dem Gebiet der Kostenfrage noch Unklarheit. Sie möge durch folgende Angaben beseitigt werden.

Nach dem Ministerlalcrlah vom 25. Juni 1921, U III E 2217, betragen die Schuloerbandsbeiträge noch einer vorläufigen rohen Schätzung

1. für, jede planmäßige Lehretsielle jährlich 9600 dl, 2. für jede plonmäß. Lehrerinnenstelle jährlich 8600 dl, 3. außerdem für jede Schulstelle der Beioldungsgwp- pen 2 und 3 jährlich 4800 bezw. 7200 dl,

4. m Schulverbänden, deren Lehrer und Lehrerinnen einen höheren Orts-zuschlag, als den in der Ortsklasse E erhalten, oe.rßerdcm:

in Ortsklasse D jährlich 360 1«, in Ortsklasse C jährlich 720 M, ht Ortsklasse B jährlich 1200 M. in Ortsklasse A jährlich 2000 M.

Für einige der angegebenen Stelle« in den drei Sheifen käme wohl höchstens der erfte Fall (Ortskl. D) in Frage, weil die größere Zahl in Ortsklasse E eingereiht ist. — Außerdem sei nock, folgendes hevr-orgehoben. Die Ge­meinden mit weniger als 7 Schnellen (»rib das sind d'e hiar in Frage stehenden alle) erhalten für alle Lehrstellen den vollen ©testsbeitrag, fcds sie nicht Klaffen mit weniger als 40 Schülern haben. § 42 des D. V. G. sagt nöml'ch:

„Ist die Zahl der Schulkinder durch 60 nicht teilbar, so wird bei den Schulverbänden mit nicht mehr als 7 So'xlstellen angenommen, daß die nächsthöhere burdj 60 teilbare Zahl von Schulkindern vmhanden wäre."

Nun noch eins zur Erwägung! Die Gegner der Son- fessionsfchule verwerfen so gerne die wenig gegliederten i Schulen, die sogen. „Zwerofch len", zu denen sie auch olle 5 einKasiigen und Halbtagsschulen zählen. Wir sind nun zwar der Ansicht, daß mich in der einklassigen Schule ein „geordneter Schnlbetrieb" möokicki ist. Mer wo es gilt durch Beseitigung überfüllter Klassen «r einer Systemver- besseruna der Schüfe zu kommen, da tollte man nicht zögern. Das platte Land hat einen Anspruch itormtf. in der Ausbildung feiner Kinder nicht nächstehen zu müssen, aber es erwarte nicht alles Heil allein von oben, sondern es nehme sein Geschick selber in die Hand mid fei auch bereit, für die Schchugond ihrer Gemeinde, also für ihre Kinder. Opfer finanzieller Natur zu bringen. Aber derartige Kapitefeanlägen bringen die höchsten Zinsen.

Mit Recht sieht der Landwirt mehr und mehr den Nutzen der länÄsichen Fortbildungsichule ein, er schickt seine Söhne auf die landwirtschaftliche Schule, er sucht sich pri­vatim alle Verbesserungen, die E r! ragsst ei gerungen brin­gen, anzueignen, er wendet hohe Summen auf, um durch Ansic-uf geeigneten Zuchtviehs feinen Dich stand zu heben, ober gar oft wird die Schecke nur als notwendiges Hebet, als Aschenbrödel betrachtet. Und gerade von ihr geht aller Segen aus, chve Saat trägt hundertfache Frucht. Also man schaffe die Dovaussetzimg für ein ersprießliches Wirken und beseitige die hohen BefuchsMern. Den Nutzen erntet Ihr und Eure Kinder!

Christliche Gewerkschaften

und ksnfesiionells Ztanöesvereme.

Im Zentralblatt der christlichen Gewerkschaften Deutschlands lesen wir:

Don jeher haben die christlichen Gewerkschaften anerkannt, daß sie nur dann in der Lage sind, die wirtschaftlichen und sozialen Interessen der Arbei­terschaft mit größtem und dauerndem Erfolg wahr­zunehmen, wenn die religiös-sittliche Seite der .Arbeiter-Charakterbildung nicht ver­nachlässigt wird. Da aber die Gewerkschaftsarbeit im wesentlichen wirtschaftlicher Art ist, kann es nicht anders fein, als daß die Gewerkschaften ergänzt werden müssen, durch die Wirksamkeit der konfessio­nellen Standesvereine. Früher, als die Standes- vereine an Mitgliederzahl der stärkere Teil der christlich-nationalen Arbeiterbewegung waren, for­

Dcht heißt es: feit tausend Jahren sah'st du solches Elend kaum! Man möchte jetzt die Gestorbenen be­neiden, denn sie brauchen in diesem Jammerfrühling nicht mit den Zähnen zu klappern.

X ♦

Der Neid ist keine Tugend und das Derzageu erst recht nicht. Wern das Leben geschenkt worden ist, der hat die aer . Pflicht und Schuldigkeit, nach besten Kräften weiter zu leben und zu streben.

Unser grimmigster Feind, der Franzose CLmencemi, Tiger genannt, hat einmal gesagt, cs gebe 20 Mil­lionen Deutsche zu viel auf der W:Ä. Don seinem Tigerstandpunkt hat er recht. Und wir alle haben recht, wenn mir diesen Vorrat an deutscher Mcnschen- krast zu wahren und zu mehren suchen. Es ist der einzige nationafe Schatz, den wir noch haben. Auch du. lieber Leser, bist ein Teil von diesem Schatz. Deine Familie bittet auch einen Backstein zum Wiederauf- bau Deutschlands.

In Genua oder sonstwo trägen die Staatskünstler ausgiebig reden über den Wiederaufbau. Wir gewöhn­lichen Menschenkinder können unterdessen schon etwas Tatsächliches leisten für den Wiederaufbau. Wie denn? Der Ratschlag klingt sehr prosaisch und sogar etwas ein­fältig, aber er hat es doch in sich. Haltet euch gesund, — du dick selbst und die Deinigen, gesund cm Leib und Seel! Darin steckt das Fundament zum Wiederaufbau.

Jawohl, auch die k 8 r p e r l i che Gefmchheit ist ein wertvoller Schatz, der sorgsam behütet und gepflegt werden muß und von dessen Betreuung einst Rechen- chaft gegeben werden muß. Wenn ich ein gelernter Mediziner wäre, würde ich mich gern in der Gesund­heitspflege betätigen. So bleibt mir nur übrig immer mietet aufmerksam zu machen auf die Pflicht, die zu­gleich christlich und national ist.

Hinter dem Achtstundentag steckt ja eine schäm Theorie: em Drittel des Tages fleißig arbeiten, ein Drittel der Fortbildung und Erhteumq widmen und das fetzte Drittel dem erquickenden Schlaf. Wohl dem, der demgnnäß handelt. Aber bei Millionen sieht die Praris ganz anders aus. Die arbeitsfreien Stunden werden nicht zur Fortbildung und Erholung benutzt, sondern zur Jagd auf aufreibende „Vergnügungen", und dabei wird auch die Nachtruhe zum großen Teil um die Ohren geschlagen. Für eine Masse von Menschen, namentlich für jüntztme Lute, »ist die ausgedehnte „freie Zeit" eine Quelle des Verderbens sowohl in sitt­licher wie in oestvchheitücher Hinsicht. Daher für alle

derten die christlichen Gewerkschaften mit Recht, daß jedes Standesvereinsmitglied auch Mitglied einer christlichen Gewerkschaft sei. Heute sind die Ge­werkschaften der stärkere Teil. Run gilt es mit gleichem Maß zu messen und zu verlangen, daß auch alle Gewerkschaftsmitglieder, soweit ihnen das nur immer möglich ist, die Mitgliedschaft m den konfessionellen Standesoereinen erwerben.

Dieses Verlangen kann allerdings nicht durch irgendwelche Zwangsmaßnahmen gestützt werden. Während umgekehrt die wirtschaftliche Notlage schon die Mitglieder der konfessionellen Standesver- eine den Gewerkschaften zuführt — roobei a1 er- dings zahlreiche religiös gesinnte Arbeiter in dis sozialdemokratischen Gewerkschaften geraten kön­nen die Gewerkschaften nur immer wieder daraus verweisen, welche Bedeutung das durch die toten« desvereine geförderte religiöse Erleben und sittliche Empsinden des einzelnen Arbiters für den wirt­schaftlichen und sozialen Aufstieg der ArbeitersuMl überhaupt bedeutet. Es kann gar nicht anders sein, i als daß' die besten Kräfte in der Gewerk- schaftsbewegung von dorther kommen, wo im be­sonderen Maße die religiösen Kräfte geweckt und gepflegt werden.

Das enge Band, das zwischen christlicher Ge­werkschaftsbewegung und konfessionellen Standes- vereinen bestehen muß, wurde unlängst auf einer Tagung der kachol. Arbeitervereine durch Bischof K l e i n von Paderborn in einer Rede treffend her­vorgehoben.

„'Bif müssen", so betonte der durch seine seelsorgerische ®irfter,feit in den westfälischen IrÄrstrieovten und durch die Förderung der christlichen Slrberterbewegung bekannte Bischof, „unsere Grundsätze in Einklang bringen nut dem Geiste des Christentums. Ohne Christentum, ohne Mauden gibt es keine wahre, gesunde soziale Reform. Werden Sie daher in Ihren Vereinen zu Samt ertrüge rn des christ­lichen Idealismus irnd bleiben Sie umwlässig bemüht, unser Volk aus dem Sumpfe des Mammonis- mus und Egoismus zu den lichten Höhen christ­licher, religiös-sittlicher L e b e n s au s f a s - (ung omporzuführen. Ich weiß. Sie haben Ihre Stan» besfpagen, Ihre Standesforderumgen, und ich wünsche Ihnen von Herzen Glück zur Durchsetzung Ihrer berech­tigten Stendessorderungen. Die Arbeitervereine sind heute mehr denn je eine Notwendigkeit . . . Die katholischen Arbeiter sollen aber auch Mitglieder der christlichen ®e- wevkschasten sein. Es darf nicht heißen: Katholische Ar- beitervereine oder christliche ®en>erftoaften, sondern ka­tholische Arbeitervereine und christliche Gewerkschaften! Und wenn ich energisch betont habe: Der katholische Ar- bester gehört in die katholischen Arbeitervereine, so sage ich mst demselben Nachdruck: Katholische Arbeiter gehören in die christlichen Gewerkschaften und nicht in die freien."

Wir fügen dem hinzu: Um die christliche Ge­werkschaftsbewegung wird es um fo besser bestellt sein, je zahlreicher ihre Anhänger sind, die sich auch als lebendige Glieder der Arbeitervereine be­tätigen. ___________

Betriebsräte und Kuffichtsrat.

Das Betriebsr Lieg efetz bestimmte in § 70, daß auf Grund eines besonderen Gfetzrs in den Aufsichtsrat von Unternehmungen ein oder zwei Betriebsräte als Mitglieder entsandt w,:rden können, um daselbst die Interessen der Arbeitnehmer zu vertrttcn. Nach längeren Verhandlungen fft nun dieses „Gesetz über die Entsendung von Betriebsrats- miigüedcrn in den Aufsichtsrat" in Kraft gllreten. Seine wichtigsten Bestimmungen sind folgende:^ Als Aufsichtsrat im Sinn des Gesetzes gilt das entsprechende Organ der Aktiengesellschaft usw., ohne Rücksicht auf die Bezeichnung im Gssellschaftsvertrag. Zwei Bc- trietetotsmitglisder sind zu entsenden, wenn nach dem Gesellschaftsvertrag mehr als 3 Aufsichtsräte gewählt find oder wenn beide Arboitnehmergcuppen (Ar­beiter und Angestellte) im Brtriebsrat vertreten sind; in allen übrigen Fällen ist ein Mitglied zu entsenden. Die Wahl der Mitglieder für den Auifsichtsrat «folgt durch den Betriebsrat; wählbar sind alle seine Mitglie­der, die am Wahltage ein Jahr von ter Körperschaft beschäftigt und nicht in den fetzten zwei Jahren durch Beschluß gomäß § 39 des Bekiebsrätsgeiiches abgesitzt worden sind. Die Wahl findet gcheim und mit Stim- rnenmehrh'it statt. Bei 2 Mitgliedern kann die Wahl getrennt durch jede der beiden Arbeitnehmergruppen für ft 1 MMed erfolgen. Die Mitgliedschaft im

tecesLJM

Eltern und Pfleger dir dringende Mahnung: Sorgt dafür, daß eure Angchörigen die 16 arbeitslosen Stun­den des Tages vernünftig verbringen! Mit bloßen Dik­taten und Sanktionen nach dem Muster unserer ge- stn-ngen Gegner ist das nicht zu erreichen; vielmehr nur durch liebevolle Anleitung, gutes Bsffpiel, väterliche und mMerliche Kontrolle und ausdauernde Nachhilfe.

Daß dir Gesundheit ein Gut von unschätzbarem Wert ist, muß dem Nachwuchs von den ersten Kmds- beinen an zum Bewußssein gebracht werden. „Glück­lich" wollen sie ja alle weiden; wenn sie erkennen, daß ein gesunder Mensch das erste Anvecht hch auf ein be­hagliches Leben, werden sie nicht fo leichtsinnig sich der Erschöpfung oder Ansteckung ausfttzen.

Alles mit Maß und das fft schon der Anfang der Weisheft. Maß halten im Anstvmoen und im Ge­nießen, — wer daran von jung an gewöhnt ist, kann lange leben auf Erden. Maß halten auch in dem jettt so beliebten Sport, der ein heilsames Gegengewicht bildet gegsn den weichlichen Zug ter Zeit, wenn er nicht selbst in Raubbau ausartet.

Abhärten — das ift eine ferne Zucht; doch auch sie muß in bedächtigem Maße betrieben werden — zu techter Z>nt und in unMdlicher Form. Am aller­wenigsten fft die jetzige Jahreszeit mit ihrem stürmi­schen Wetterwechsel zu Künsten der Abhärtung geeignet. Wer jetzt aus Uebermut oder Eitelkeit die wärmenden Kleider von sich wirst und in sommerlichen Fähnchen durch Märzschnee und Aprilstürmen läuft, ist ein Narr hes Kalenders oder ein Sklave der Mote. Hafte dich warm, bis es wirklich warm wiiÄ.

Noch ekn Quatembersprüchlein, d. h. eine Rand- Flösse zum Quartals-wcchs'ck.

„Nein, nein", ruft die Hausfrau, „das geht doch zu weit. Die Zeitung soll wieder zwei Mark mehr losten. Wer kann denn das bezahlen? Hörst du, lieber Mann, die Zeitung mußt du ahbefteilen. Wir müssen sparen bei diesen teuren Zellen. Also vergiß nicht. Und was ich sagen wollte: ich gehe jetzt noch aus mit SchM- ster Ida, um enfges einzukaufen, damit wir zu Ostern nicht wie Vogelscheuchen herumlaufen. Gib mir noch etwas mst von deinem (trnpr-g^n Papiergeld, sonst kom­men wir wirklich in Derl yscheit. . . . Was denkst du dir denn bei 500 Mark? Dafür kann man ja noch nicht einmal zwei Dollars kaufen. Weniger als das Doppelte bietet doch ein zeitgemäßer Ehemmm seiner neben Frau schon gar nicht an.«... Na ach». Zu

I Aufsichtsrat endet ausschließlich durch Rücktritt oder Ausscheiden aus dem Betriebsrat, dem das Mitglied angehört. Für die auf Grund dieses Gesetzes gewähl­ten Aufsichisratsmitgüeder gelten die gesetzlichen Äc- stimmunaen wie für die übrigen Aufsichtsräte; insbeson. dere teftef)t für sie di- S ch we i g e p f l i ch t über ver- tranftch gemachte Angaben. Das Gesetz tritt cki 1. Februar 1922 in Kraft; binnen 3 Monaten find die ersten Wahlen vorzunehmen, wozu vorn ReichsarbeiiS' Ministerium noch eine Wahlordnung erlassen wird.

Llttershilfe.

Auch die evangelische Innere. Mission befürwortet wärmstens die .Altershilfe des deutschen Volkes". Direktor Steinweg schrerbt darüber:

In der kirchlichen LiebeStätigkeit sind die Alten und Gebrechlichen von jeher ein Gegenstand der Kürforge gewesen. DaS Wort des alten Testaments: .Vor einem, grauen Haupte sollst Du aufstehen und die Alten ehren, denn Du sollst Dich fürchten vor Deinem Gott" ist stet» für die christliche LiebeStätigkeit matzpebend geblieben. Daher ist in der Inneren Mission die Bersorzung der yilten und Liechen ein nicht undeträchtliches Arbeits­gebiet. Die Armen- und Krankenpsleie der Kirchenge- meinden hat vorzugsweise mit den Alten zu tun. Viele Vereine und Organisationen, insbesondere die Frauen- vereine lassen den Alten ,hre Fürsorge zuteil werden. Viele Siechenhäuser und Altenheime stehen als Psseae- irätten zur Verfügung. Freilich haben alle diese Ein­richtungen heute mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen, sie genügen nicht mehr gegenüber der großen Not der alten Leute. Daher begrüßt die Innere Mrssion mit warmer Freude das Alterhrlfswerk und will gern in ihm Mitarbeiten nach besten Kräften.

Wichtiger als alle äußeren Maßnahmen erscheint jedoch, das Gewissen des ganzen Volkes wieder zu schärfen für die Pflichten, die es seinen Ältcn gegen­über hat.

Unser Volk hat in den letzten Jahren den oben genannten Bibelspruch fast ganz vergessen. In der Not dec letzten Jahre ist in erster Linie für unsere Jugend, die unsere Zukunft ist, gesorgt worden. Aber daneben dürfen wir unsere alten Leute nicht vergessen, denn was etwa auf der einen Seite materiell dadurch gewonnen wrrd, daß man alle Fürsorge auf die Jugend und Lebenskräftigen konzentrierte und die Alten ver» nachläffigte, das würde auf der anderen Seite einen noch viel stärkeren Verlust bedeuten an ideellen Werten, an tiefer, feinster Seelenkultur, an Verlust an den zarten und doch so starken und wertvollen Gefühlen der Ehrfurcht und Rücksichtnahme, der Liebe und Dankbar­keit, die wir dem Alter schuldig sind. Es würde das schließlich wieder ein Schritt weiter sein auf dem Wege der Veräußerlichung, der innerlichen Verarmung und Verrohung, auf dem wir seit langem schon weit abwärts geglitten sind. Daher erscheint es uns außerordentlich wichtig, daß das Altershilfswerk zugleich eine geistige Bewegung entfacht, die unserem Volk seine Pflichten gegenüber dem Alter wieder ins Gedächtnis zurückruft

Kus der deutschen Landwirtschaft.

f. $iir den Weinbau. Mitglieder der Zentrums- fraktion und der Deutschen Volkspartei haben im Reichs­tag einen Antrag auf Abänderung des Weinbau­gesetzes vom 28. Juli 1918 eingebracht. Der Antrag bezweckt eine Abänderung dcS Gesetzes dahin, daß ein­mal aus den Einnahmen der Weinsteuer ein Betrag bis zur Höhe von 3 Millionen Mk. jährlich zur wissen, schaftlichen Forschung der den Weinbau und die Wein­behandlung betr. Fragen verwendet werden darf; zum andern wird beantragt, daß aus den Etnnahmen der Weinsteuer ein Betrag bis zur Höhe von 3 Millionen Mark jährlich zur Durchsührung der Reblausbe­kämpfung verwendet werden darf. Der Reichsfinanz» Minister kann erforderlichenfalls diese Beträge im Ein­vernehmen mit dem Retchsrat erhöhen.

— Die Vereinigung der deutschen Bauernvereine und »ar Wahlrecht zu den Landwirtschastrkammern. Die Ber­einigung der deutschen Bauernvereine ist, rote sie uns schreibt, nach wie vor der Ansicht, daß die neu zu bildenden Berufskammern und Bezirkswirischaftsräte und deren Oderbau Vertretungen der Berufs­stände sein sollen. Für die Landwirtschaft ist dies aber nur bann möglich, wenn alle Teile des lanoroirt« schaftllchen Berufsstandes — Großgrundbesitz, Groß, bauern, Mittelbauern, Kleinbauern und Parzellenbesitz, sowie die Landarbeiter — in der Kammer usw. ent- Iprechend ihrer Bedeutung und Stimmenzahl vertreten sind. In Berlin kennt man mancherorts anscheinend nur Großgrundbesitz und Landarbeiter. Man vergißt daß der Bauernstand das eigentliche Rückgrad der

Ostern sollst du denken, ich sei noch dein Frühlings- bräulchen von damals. . . . Kinder, seid brav; ich bringe euch auch Kuchen mit vom Konditor."

Das ist moderne Hauswirtschaft. An einem Ende spart man in Löffeln, und am anderen Ende verschwen­det man in Scheffeln. Wegen des Keinen Preisauffchla- ges wird der alle treue Hausfreund, die gewohnte Zei­tung, zur Tür hinausgeworftn, und durch diefeLbe Tür wird der überflüfsize Luxus hereingelaffen.

Die Zeftung hat bei der Teuerung immer hinterher gehinkt. Sie ist verhältnismäßig billiger geblieben, als alle anderm Artikel. Jetzt gehts wirklich nicht mehr mit der Billigkeit. Namentlich der Papierwucher zwingt zu der engeren Wahl: entweder Preissteigerung oder Bankerott te-s Blattes! Aber viele wollen es nicht verstehen; sie fchetten auf den armen Verleger, als ob der bedrängte Mann ein Schieber wäre.

Also ein paar Markscheinchen werden „erspart".

Abends sagt der Hausvater: „Weißt du Frauchen, ich geh« noch euren Augenblick aus. Ich muß doch mal sehen, was in der Welt passiert. Der verflixt« Zei- tungsbote kommt ja nicht inchr."

Und der Sprössling sagt: „Früher konnte man doch hier zu Haufe noch etwas fernen vom Lauf der Welt. Jetzt sehe ich bloß die lanyroeili-gen Schulbücher und die Märchen, die mir zum Halse heraushängen. Ich kaufe mir ein Sportblatt; wenn es fein muß, vom eigenen Taschengelde."

Und das Töchterchen sogt: „Weißt du, Mutti, frü­her war es doch gemütlicher, wenn wir abends alle zu­sammen um den runden Tisch saßen und Papa aus der Zeitung vorlas und uns alles erklärte.^

Und die Mutter fängt an nachzurechnen, ob sie nicht am Ente aus der Abtestellung der „teuren Zeitung" om schlechtes' Geschäft gemacht hat.

Wenn sie klug ist, wird sie in ihrem Nachrechnen noch etwas weiter kommen. Die Familie hat nich' allein den Schaden.

Was soll aus der Partei werten, wenn die Presft pret3geg2ten wird? Wie soll die chrfftliche West- anschauung das Vaterland retten, wenn die Christen wegen ein paar Mark im öffentlichen Leben sich selber mundtot machen? Was wird aus den verlassenen Elaubens-mnoffen in der Diaspora, wenn sie nicht ein­mal ein katholisches Blatt mehr zu sehen bekommen?

Soll alles zugrunde gehen, weil unsere ^Sparsam­keit" an falscher Stelle in Knickrigkeit umgefchlagen ist?

Besinne dich schnell und bestelle dein altes, dervähr- tes Blatt, das immer noch halb gefchmkt fft!