Samstag, 25. tTlärz 1922
Nr. 70
Nach der Neparations-Note
ernste Lage
außenpoliti
in
der 11 a I i e» ranzöfische
Mehrere Blätter melden, daß n i s ch e, der englische und der f
Aussperrung in Bayern
Wie die »Münch. Neuesten Nachr." melden, ist dort die Aus perrung der Arbe ter in den dem Verband bayerischer Metallindustrieller angeborenen Betrieben völlig durchgejührt worden. Ein chließlich der durch die Aussperrung «etroffencrt, dürsten sich in Bah'rn rund 60000 Metallarbeiter im Kamplc befinden.
GrsWausmann Selftermann
Don Wilhelm Herbert, München.
-
den Doppehentnrr aus 160 dl zu rrmäßigem, für Scho- kolade soll es bei den Sätzen von 200 dl bleiben. Abg. Ttemmek (Komm.) verbreit« sich in fanden Ausführungen über die Zollpolitik er Mehrheit und nennt unsere jetzige Steuerpolitik ein Verbrechen und die Abgeordneten, die sie mitinochen Verbrech«. Er wird dafür vom Präst- dentm zur Ordnung gerufen. Gegen 11 Uhr sprach er nC<^rdtog: Kleinere Vorlagen und Weiterberotuns-
Das Kvelauten.
Zum Feste Mariä Derkündigung (25. März).
Eine hellige Weihe und Derklärung liegt über dem Leben des Katholiken, der an Hand der weisen Führung seiner Kirche dies Erdental durchwandert. Mag er als munterer Wandervogel der Sonne zuvorkommend vor Tagesanbruch sein Wandern beginnen oder am Abend müde mit der sinkenden Sonne der Verberge zustreben: gleich anheimelnd und seelenerhebend klingt ihm das Aoeläuten entgegen. Don den Türmen der Dörfer und Städte ruft der geweihte Glockenmund, einer nach dem andern, in besinnlichen Pausen dreimal während des Tages: Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft — Siehe, ich bin eine Magd des Herrn — Und das Wort, ist Fleisch geworden.
Die Erinnerung an das große Geheimnis der Mensch, werdung weckt den Katholiken am Morgen, sein erstes Denken soll in dankbarer Gesinnung sich diesem Geheimnis der Liebe und seiner Erlösung zuwenden. Die Aveglocke rüst am Abend das Kind vom ftohen Spiele auf der Straße, den müden Landmann vom Acker, den Tag zu beschließen mit dem Gedenken der Großtaten Gottes zum Heile der Menschen. Und mitten im Tagewerk, wenn die Sonne die Tagesscheide erklommen, ruft das Mittagsläuten ein Surfum corba hinein in das Menschengetriebc, Ewigkeitsgedanken, das zeitliche Wert nicht hindernde, sondern belebende, beseelende. 3m Trubel der Großstadt — sehr zu ihrem seelischen Schaden — verhallt das Aveläuten zwischen dem Getute bet' Autos und Rasteln der Straßenbahnen. Das Land genießt den Vorteil solch seelischer Ruhe- und SBetradj«: tungspunkte, der religiösen Erhebung über den Alltag mitten im Alltag.
Menn wir die Lehren und Einrichtungen unserer Kirche zurückverfolgen können bis in die ältesten Zeiten, finden wir darin eine Bestätigung ihrer Echtheit, ihrer Ueberlieferung aus den Händen der Apostel. Aber die Kirche hat nicht nur Altes, sondern auch stets Neues.' Sie ist kein versteinertes Gebilde, sondern ein leben-; biger Baum, der mit seinen im apostolischen Zeitalter« hastenden Wurzel» einen saft zweitausend Lahre alten
Es stand leer.
„Die Herren werden noch irgendwo ein Glas Bier ober Wein miteinander trinken auf die Aufregung," sagte Alfred beruhigend. „Ich begreife nichts leichter als das und hätte, aufrichtig gesagt, nichts dagegen gehabt, wenn wir es auch so hätten machen könnenl"
Sein unbeschwertes Gemüt fand sich ohne Bedenken in die Tatsache, die Gretchens tiefer eingeweihten Sinn bedrückte und sie lange nicht einschlafen ließ.
Rach einem kurzen Schlummer, der ihr wenig Erquickung bereitete, erwachte sie wieder und wollte nach des Laters Zimmer schleichen, als ihr schon auf dem Korridor die alte Margarete entgegenkam und zu- flfifterte: „Herr Selftermann ist noch nicht zu Hausei"
Eine sinnlose Angst befiel das Mädchen für den Augenblick. Sie war momentan geneigt, Mutter und Bruder aufzuwecken und mit ihnen zu beraten, was geschehen solle. Mit Zentnergewicht traf es sie au; bie Seele, daß sie selbst in den letzten Tagen ununterbrochen in den Vater gedrungen war. Wie, wenn er sich — zu einem anderen, mutigeren Entschlüsse nicht im- stände — ein Leid angetan hätte?
Aber sie faßte sich- 3hr eigener starker Wille siegte auch jetzt wieder über die Anwandlung ohnmächtiger Furcht.
„Ich sehe nach ihm!" sagte sie leise. „Es soll niemand etwas merken'"
Tie Alte half ihr mit zitternden Händen beim Ankleiden und ließ sie mit einem schnellen Händedruck und einem stillen Segenswunsch aus dem Hause, in dem noch alles ruhte. Rur der Hausmeister schlich mit verschlafe- „cm Gesichte auf dem Pflaster draruhen herum und räumte den ersten srifchgefallenen Schnee weg, der im Moraengrauen die Stadt mit weißem Trauerschleier überstäubt haste. Er riß die Mütze vom Kopf, als er die Tochter Selstermanns erkannte. Dann schaute et ihr mit hämischem Lächeln nach. „Immer was los!" brummte er vor sich hm.
Gretchen wurde sich erst eine Strecke vorn Elternhaus entfernt über bie Unsicherheit ihres Beginnens vollkommen klar. Die erste Angst hatte sie einfach fort, getrieben.
Was nun tun?
Sie sah in dem gelben fahlen Dämmerlichte in den trostlosen Morgen hinein und bemerkte zwei Schutzleute, die von Erfüllung ihrer Pflicht übernächtigt und tief in ihre Mäntel gehüllt, langsam und gleichmäßigen Schrittes heraufkamen.
Sollte sie bie Männer um Rat und Hilfe angehen?
Sie verwarf den plötzlichen Gedanken ebenso rasch wieder.
Oder zum Gerichtsgebäude laufen? — Aber was dort? Sie würde wohl nur verschlossene Tore und — wenn es ihr auch gelang, Einlaß zu erhalten — doch keinen weiteren Aufschluß finden.
Ihr Herz riet ihp, Dr. Weiß aufzufuchen.
Freilich haste sie auch dagegen lebhafte Bedenken. Die frühe Stunde, die Anstrengungen, die der gestrige Tag dem Anwalt gebracht, sprachen dawider.
Aber in der Derlasienhest, in der Seelenangst suchte ihr Sinn mit dem natürlichen Gefühl der vertrauenden Siebe doch wieder nach dem Einzigen, der da helfen und raten konnte, der — bas wußte sie ja — ihre Sorgen voll mit ihr teilte.
Sie wendete den flüchtigen Schritt nach der Wohnung des Anwalts, blieb aber vor dem Haufe wieder unfchlüffig stehen — augenblicklich den Mut nicht findend, die Klingel zu rühren und sich den erstaunten Blicken der ihr:7 Lage unkundigen Bewohner des fremden Hauses auszufetzen.
Da kam ihr der Zufall zu Hilfe.
Das Tor öffnete sich und ein Mann trat heraus, den Mantelkragen über das Gesicht heraufgeschlagen.
Als sich die Gestalt aus dem Morgennebel löste und ihr näker fchrill, erkannte sie mit freudigem Schrecken den Gesuchten. , «
Jetzt hatte auch er sie gesehen.
„Gretchen!" rief er verwundert und bestürzt und stand mit zwei Schritten neben ihr. „Was ist denn vorgefallen?"
„Der Dater ist nicht nach Hause gekommen!"
„Warum? Was steckt dahinter!" i
(Schluß folgt.)
Um Me welchseltörser.
Dec Reichskanzler hat am Donnerstag eilte Deputation von Vertretern der Bevölkerung der Weichselniederung unter Führung des Regte» rungs-Präfidenten von Westprentzen empfangen. Die Etschienenen gaben dem in dem Bezirk Marienwerder ausgesprochenen einmütigen Protest der Bevölkerung gegen die Abtretung der deutschen Ortschaften auf dem rechten Weichselufer an Polen Ausdruck und baten die Reichsregierung um ihre Unterstützung, damit die Ortschaften deutsch biteben.
Ter Reichskanzler sagte ihnen die Unke r st ü tz u n g der Reichs! eg ierung zu und gab die Maßnahmen bekannt, bie bereits in bie Wege geleitet worben feien, um den Wunsch der Bevölkerung der Weichsel» Niederung zur Geltung zu bringen.
Botschafter dem Reichskanzler Dr. Wirth Beuche abgestattet hätten, und daß dies als ein erstes Anzeichen neuer Verhandlungsbereitschaft der Ententemächte über die Reparationsforderungen auszufassen sei. Wie die „Deutsche Allg. Ztg." allerdings mitteilt, ist ihr von autorativer Seite diese Mitteilung als unrichtig bezeichnet worden.
Bei den Besprechungen mit den Parteiführern hat laut dem „B. T." der Reichskanzler drei Vertreter der deutschen Industrie, Ge° Sat Bücher, Dr. Kurt Sorge und Geheimrat ch, empfangen. Sie legten im einzelnen em- gehend den Standpunkt der deutschen Industrie zur Note der Reparationskommifsion dar und erklärten, daß die A u f b r i n g u n g der geforderten 60 Milliarden neuer Steuern unmöglich sei.
Die Delegierien für Genua.
Wie eine Korrespondenz hört, werden deutschen Delegation für Genua, die von dem Minister des Aeirßsrn, Dr. Rathenau, geführt wird, Finanzminister Dr. Hermes, der Staatssekretär im Reichsfinanzministerium Schröder sowie der Reichswirtschaftsminister Robert Schmidt angehören.
Erträglichen bereits gegangen. Darüber besieht bei allen Parteien des Reichstags nicht der mind.ste Zweifel.
Durch die Note der Reparationskommission ist, darüber kann ein Zweifel nicht ernsthaft auftermen, für Deutschland abermals eine außerordentlich
14. Kapitel.
Dr. Weiß, Gretchen und Alfred waren miteinander »ach Haufe gegangen — der junge Rechtsanwalt glücklich über die gute Durchführung der Sache — Alfred m schwärmerischer Begeisterang für den bewunderten Verteidiger — Gretchen unter einem fellfamen Wider- ' streit der Empfindungen. Die Liebe durchleuchtete ihr
Herz mit Frohmut, weil das Können, Fühlen unb sielen des Geliebten mächtig auf sie eingewirkt hatte, no [Qg „och immer der Schatten darüber, den oas Lchi^ tf)re6 Vaters fest langem auf ihr ganzes rieben breitete Freilich stieg ihr mitten in den Ge- ,.reiVatan heiß und fast erfchreckend bie Hoffnung auf: Heuic Nutzte ber Widerstand in ihm gebrochen
~ ßte gangen Vorgänge im Schwurgerichtsfaal, v , °es Vorsitzenden, des Verteidigers mußten die letzte mor^ (Begenroe^r feines Stolzes durchstoßen
Jre,e Sabn für die Erkenntnis ferner selbst und für d'° Umkehr geschaffen haben.
E- war tnr, als dürfe sie mit hellerer Seele dem Morgigen Tage entgegenschauen.
An Selftermanns Haufe nahm der Rechtsanwalt von ten Geschwistern Abschied.
Alfred sagte ihm noch einmal in sprudelnden Worten, sehr er ii)tit berounbere, unb stieß bann plötzlich mit gewissen Be.charnung heraus: „Und "verzeihen Sie daß ich so lange mich gegen Sie wie ein bummer '»tingc benommen habe.'
$r. Weiß lächelte unb drückte ihm fest bie Hmib: wollen gute Freunbe sein und bleiben!"
, Hann fand sich feine Hand und die Gretchens. Sie einander m bie Augen und verstanden sich. Es durfte keiner Worte zwifchen ihnen.
Glücklich und ber jungen Liebe froh ging Dr. Weiß *9 feiner Wohnung.
Gretchen, deren Mutter schon lange zu Bett war, ^°pste lejfe an dem Schlafzimmer ihres Vaters, um W* äu überzeugen, ob er schon nach Hause' gekommen, i
Verantwortlich lür den teoautontUen Teil' Dr. I. Kramer- - für dk Anzeigen: I. Parzeiler-Fulda. - Rotationsdruck n. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, stemlnretber 9h. U. Teleqr^Adresie: Fuldaer Zeitung.
M AMMMMMS Bit SINMM.
Eine Regierungserklärung über die Reparationsnote ist, wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, für Dienstag nächster Woche zu erwarten. Am Donnerstag fand zuerst zwischen dem Reichskanzler und den Vertretern der Regüerungspa rteien eine Besprechung über die Note der Reparationskommifsion statt. Der amtlichss Wortlaut der Note ist erst am späten Morgen des Donnerstag in Berlin eingetroffen, wahrend das Begleitschreiben der Reparationskommission bis zur späten Nachmittagsstunde noch mcht eingetroffen war.
Dieser Besprechung mit den Regierungsparteien folgte spater eine Besprechung mit den Vertretern der übrigen Parteien. In der Besprechung der Vertreter der Regierungsparteien mit dem Reichs- kan^er ergab sich Uebereinstimmung darin, daß es uirzeit unzweckmäßig erscheint, daß der Kanzler schon am Freitag das Wort zur Reparationsnote im Plenum des Reichstages ergreift, zumal, wenngleich auch die Ueberfetzung des amtlichen Textes am späten Nachmittag noch nicht vorlag, doch bereits eine Reihe von Unklarheiten sich ergeben, die zunächst aufgeklärt werden müssen.
Der Reichskanzler wird aller Wahrscheinlichkeit nach aus Anlaß der Behandlung der Steuervorlagen die Gelegenheit ergreifen, zur Note der Re- parationskommission Stellung zu nehmen.
was nun?
■ Von einem Zmtrurnspackamentarier wird uns aus
Berlin geschrieben:
Die anfängliche tiefe Bestürzung, die die Note der R-parationLkommrision sowohl bei der Reichsregierung als auch im Reichstag hervorgerufcn hat, ist jetzt, nachdem der Wortlaut vorliegt, einer ruhig:ren Beurteilung gewichen. Diese Note stellt die Anwort dar auf das Ersuchen der Reichsregierung an die Entente um Zahlungsaufschub. Die Note stellt dw Gewährung tin.r Zahlungserleichterung in Aussicht, die — sich "allein betrachtet, wohl als eine erfreuliche Tat- ie angesehen werden darf, wenngleich auch gegen die ... Aussicht gestellten Ermäßigungen eine Reihe von EMvondungen erhoben werden können. Aber, das ist das wesentliche, die Gewährung der Erleichterung ist an Bedingungen geknüpft, dir auf den ersten Blick als unerfüllbar erscheinen können. Nicht nur, daß neben den Bedingungen schwerster Art die Ausbringung neuer Steuern in Höhe von 60 Milliarden Mark gefordert wird, son-
foinie inncrpolischcr Äs auch
„ , scher Art geschaffen. Es läßt sich
im Augenblick garnicht überfein, ju welchen Folgen das Vorgehen der Reparationskonunrssion führen kann. Es ist zumindestMS nützt national gedacht, wenn in der rechtsgerichteten Presse mehr oder minder bereits
dcrn diese Forderung ist auch ultimativ befristet bis zum 31. Mai.
Selbst wenn die materiellen Forderungen der Reparationskommission, d. h. die Aufbringung von weiteren 60 Milliarden Steuern tatsächlich möglich wäre, wäre sie ganz undurchführbar in der vorgeschriebenen Zeit. Aber von alledem abgesehen. Die weitere Aufbringung von 60 Milliarden Steuern ist eine Forderung, die an der Wirklichkeit scheitern muß. Die Reparations- noi>> zeigt dm völligen Mangel von auch nur geringem Verständnis für dir wirtschaftliche und politische Lage Deutschlands. Es ist kaum faßbar, daß eine solche Forderung erhobm werden taten in einem Augenblick, wo nach wochenlangen unsäglichm Mühen eine 23er- ständiauna zwischen den Parteien herbeigeführt worden ist, bl? dem deutschen Volke eine Steuerlast »on mehr als 100 Milliarden aufbürbet Mit dieser stsuerfichen Belastung des deutschen Boltes und 6er deutschen Wirtschaft ist an die äußerste Grestze des
Aus dem besetzten Gebiet.
spd. Poinccre im besetzten Deblet. Nach Mitteilungen aus französischen Mititärkreisen wird Ministerpräsibent Poincar« in föeglcitunci mehrerer Minister Anfang A prit die Rheinarmee besichtigen unb dabei vor allem bie etaste Speyer, WarrnS, Mainz, Wiesbaden und Düsseldorf besuchen.
spd vrand in Veit vesatzungrbaracken. Dienstag abend brach in . en englischen Barackenlagern im Vorort Rie l bei Köln ein Brand auS, der infolge des Sturmes eine größere Ausdehnung annahm. Die en stische Militär« firde erlitt bei der Feuersbrunst erheblichen Schaden. Das englische Et> ppenblatt, bie „Cologne Post" Hedi in ihrem Bericht über den Brand das aufopferungsvous Verhalten der Kölner Feuerwehr hervor.
spd. Vie Tragödie von Lupe« und Malmebd Die^belgische Regierung hat auf Ersuchen des Gouverneurs der Steife Eupen und Malmedy ihre Zustimmung zur Ausweisung der Bewohner erteilt, die sich weigerten, die belgische staatsan tehörigkeit anzunehmen.
6 Die flmerihantr am Sheln. Die nächsten Rück« transporte der amerikanischen Rheintruppen Verlagen den Brückenkopf Koblenz am 7. und 28. April und am 16. Mat. Nach einer neueren Erklärung deS amerikanischen KriegsministerS Werks werden 500 Mans im Rheinland tietbleiben.
fpd. Schleifii«; der geftunz ttsdlen; Mik der Schleifung der Festung scheint doch der Landschasts- charakter der rheinischen Residenz in sehr erheblicher Weise Veränderungen zu erfahren. Biele Anlagen, wie gerade die Aufbautelle deS Eh r enb r eit stein L, sind geradezu landschaftliche Rcizptinkte erster Ordnung, dabei al5 Verteidigun Sanlage nach dem Stinb der Heuti en Kriegstechnit ohne jeden Wert. Wie von zuständiger Seite versichert wird, soll die Meldung, daß die interalliierte Militärkouimisston von der Entfestigung EhrenbreitsteinS absehen will, leider nicht zutreffen. Die Schleifung der linksrheinischen Befestigungswerke nimmt ihren planmäßigen Fortgang und ist teilweise schon vollendet.
Fuld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadi Fulda._________________
Deutscher Reichstag.
Das Fortfchrelkea der Si-uergefeßaebung.
Stai Donnerstag stand die zweite Beratung des Entwurfs über die
Aendcrung des Kohlensteuergefetzes zur Eiörttnmg. Da gernbe diese Steuer direkt in bas Volks- und Wirtschaftsleben eingreift, — soll doch diese Steuer von 20 aut 40 Prozent erhöbst worden — so war bas Jnteresie an dieser Vorlage ein sehr reges. -Die DauMnati ovalen hatten einen Sernrlttiungsantnag rat- gebracht, ber bie Steuer auf 30 Prozent erhöht wissen wollte, die Unabhängigen unb Kommunisten verlegten für Personen mit einem Einkommen unter 50 000 dl Steuerfreiheit der HausbranLkohken. '
Zu Beginn der Sitzung cr-Iärte Im Namen der Regierung Staatssekretär Zapf, daß dem nichts irn Wege stehe, In CrnzelMm Ausnahmen von der Steuer zu machen. Der draischnotlomLe Abg. Leopold erklärte bei ber B^rünbung des Anttvges ferner Partei, daß, lecher die erftrebte DsrbiMlz'.ng des Hausbrandes für bie ärmere Devö^rung procktifch nicht burckKhrbar sei. Eln unod- hängiger unb kommunistischer Abgeordneter ließen sichbel ihren Ausführungen von parteipolitischen Erwägungen leiten. Dor erste ruft zur Mob^machimg gegen die PreiÄnktatur der Kohlenzechen auf, wahrend ber zweite bie Vorlage mst der Begründung ablehnt, sie be- toftc bie breiten Mafien. Seine Dehaupirmg, daß die Löhne ber Bergarbeiter nickst entsprechend gestiegen seien, wird vom soziaiistischen Ma. Cöffler widersprochen Ms Verirrter des Zenttmns stellt ber Abg. Jmbnsch lest, oaß die Erhöhung der Kohlenfteuer gegen unseren Willen uns au-fgesmimgen worben sei. Dann meldete sich noch einmal ein Kommumst zum Wort. Mst reichem Wortschwall vevllmgt er noch einmal Steuerfreiheit für dm Hausbrand. Bei der Abstimmung wurde ber Aiusschutz- antrag angenommen, allerdings mst der Aenderung, daß die Sten'ererhöhung schon am 1. April d. «1. in Kraft traten soll.
Während ber Mftstnmung kam es zu Samtenen, da eine Reihe von Kommunisten unbedingt wieder zu Wort kommen wollte, was ihnen ber Vizepräsident Ttet- rich Derroeicerte. Nachdem sich bie Gemüter etwas beruhigt hatten, schritt man zur Eröfteruug des Gesetzes bett. Erhöhung einzelner Verbrauchs steuern.
Nock mehr oder weniger langen Erörterungen wurden verabschied^ Leuchtmittel- und Zünd war en- steuer. Bier- und Mineralsteuer und sch.ießlich b!e Tabak st euer.
Cs folgt der
Gesetzentwurf über die Zolkerhöhung.
■ Der Ausschuß beantragte, bei Kaffee und Ka!->op.iver bie von der 'Jtegicntng geforderten Sätze von 200 .K für
die Genugtuung zum Ausdruck gebracht wird, daß ! liefe Note eine Regierungskrifis $ur Folge haben muffe. Wir find der Meinung, daß in et-roct so ernsten Stunde alle Voiksgenoffen. ^eichgültig, welchen Parteien sie angehören, zufammenstehen sorlten. nicht crb:r die Schmierigkeiten und Gefahren der Stunde unnötig ver- mehrem solllen .
An den Krise n gerächten, die rm ^-FcMüwen- hang mst tem Eintreffen b:r Separationsnote auftarich- ten, ist natürlich, zurzeit wenigstens, kein wahre s W o r t. Wir hoffen, daß es dazu nicht kommen wird. W7 rde es vielleicht unter passiver Mitwirkung gewisser Parttvm dennoch dazu kommen, so würde das nach imferer Auffassung der Anfang vom Ende ^^Äber vielleicht braucht man doch noch nicht alte Hoffnung aufzugsben, daß es nicht zum Schlimmsten kommen und doch noch eme Verständigung mit der Entente möglich sein wird. Die letzte Ent- sHÄdung wer die Note der Reparaiionc-komnrission liegt nicht bei ihr, sondern b e.i d e m O b e r st e n R a t der Entente. Dazu kommt, daß die Note doch mancherlei Unklarheiten enthält, die Rüchragen notig machen werden und so wenigstens die MLalichieit von Derlzsndlungen nicht ausschließen. So ist es z. D. völlig unklar, ob es sich bei der Ford rung der Repora- tionskormnifsion noch westere 60 Milliarden Steuern um völlig neue Steuern außerhalb der Zwangsanleihe handelt oder ob die Zwangsau- leihe mst in die Berechnung eingezogen werden soll.
Auch sonst enthüll die Note mancherlei Unstimmigkeiten, üfcr die erst völlige Klachest geschaffen we-rdtn muß. Jedenfalls sei nochmals sestgestellt, daß uns der Wog zu weiteren Verhandlungen noch nicht oerschloss m zu fein scheint, daß hier ein» schwache Hofsnumg besteht, daß aber auf irr anderen Seite der Ernst der Lage nicht in Abrede gestellt werden darf.
Es kommt setzt darauf an, d i e R u h e zu b rvahrsn. Wn sind Überzeugt, daß die Reichsrsgierung die Note nach allen Richtungen hin auf die Möglichkeit ihrer Erfüllung prüfen wird, ebenso wie wir davon ikberzeugt find, daß sie fest und entschlossen die ErMung von Forderungen, deren Undurchführbarkeit sie kennt, ab° lchnen wird. Die Verantwortung für das, was hei einer Unnachgiebigkeit der Entente eintreten muß, w'rd ihr allem vor der ^schichte werlossen bleiben. Es ist kaum begreiflich, wie wenigs Wochen vor Genua, wo der'Wiederaufbcm Deutschlands und damit Europas zum erstenmale ernsthaft erörtert wurden soll, derartige Forderungen ausgestallt werden konnten, die den Wiedwaufbau Deutschlands cmßerhall» des Bereichs jeglicher Möglichkeit rücken muffen.
Verhandlungen?
Der Vertreter der Reparationskommifsion in Berlin, H e g u t n, hat sich für eine Woche nach Paris begeben, um dort die Reparationskommifsion über verschiedene, die Reparations- und , Garantieforderungen betreffenbe Fragen Auskunft zu erteilen.
Bezugspreis r 'Monmiich 8.00 Alk. zugestellt frei ins Haus. - Abgeholt in der Gefchästsst, lle 7,50 Mk. z älnjeiaen: Kleinzeiie nach iconei 1ZKL; auswärts 1.50Mk. Rekiamezeiie CLepbreite) nach Colone maß 4 iliarf.
49. Zahrg