Fuldaer Heilung
Druck »er Fuldaer Aetieudrackerri tu Fuld»
Sonnlaz, 19. Marz 1922.
M B WN Die glelMe MMs.
Aon Ed. Berns th, Berlin.
Tjg (Erörterungen um das Lohnprobtem wollen nicht
-^inen. Dn Serfammkcnyen der Srfxrtcclwr und ^SSittjmer diskutiert man darüber und dir Press« ",<a die rcn ihr auch in wittschaNicher D-ziedung sonst ®^Sere Ansicht in dieser Frag« zmn Ausdruck.
’jLjyr sind die Meirungrn nur zu ost vorn Inieres- , ^chpunkt stark xetrübt. Wenn z. D. die Staats- urö und -Arbeiter des Maudens lein foll- J‘ inii der Emsützrurrg der gleitenden Löhne ihre oeoen» Srfige schlechte wirtschaftlich« Sage mit einem Schlaf« Stiern 3“ können, so mftj daraus üerrrefen werden, daß gui) die sooenannten öfsentlichen Arbeitnehmer sich den getetzen der cr'JremeiMon Wirtschaft nicht werden ent- können. Wer bk Zusammeichäng» unseres Staats, lebens kennt, der wird wissen, daß di« Geschichte mit dem Schöpsen ans dem roten Tops eines schönen Taaes ihr Grät nimmt. Wie jeder private Angestellte mit» Arbei- fcr, so miHren auch untere Beamten abhängig bleiben non pein Ertrcree unterer Wirtschift. Wo das nicht der Fall ist, wird die Desizitwittschaft der Staatsbetriebe verewigt.
will niemand.
Worauf es in unserer gecenroärtifltti Wirtschastsloxe to den meisten Befürwortern des gleitenden Lohnes cm. kRNint. ift wohl erstens eine gerechtere Lohnfest, setz un g gegenüber dem Preissteigsremgen. und .zweitens einfach"re und schnellere Verständigung zwi» schm den Tarifkontr-chenten. Ich vermag nämlich richt hanan zu cfaitikn, last weder die Arbeitenchmerverbände mH die Gewerkschrsten sich jemals dmu bekehren wer- öon, die Reorlun-g der Löhne cemz cmsich'ieblich einer dem Gsrrerbe kernsteheuden Jnstemz zu iiberlosiem. Bei den geernten mag das noch «wehen, für dl« Priraimduftrie muß der Gedanke aber vollständia «russcheiden.
Der Lohn lost den ZestverhMnissen entsprechen, er gmß gerecht fein. Schon in der hl. Schrift heißt es rief« fcrb: Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wertl Hoden die- fenigen, die über die Höhe der Löhne bestimmen, immer danach gchonvelt? Wenn man die oft grenzenlose Not besonders der kinderreichen Familienväter kennt und auf der andern Seite die nicht selten über« mäßigen Gewinne in Hendel und Industrie sieht, ist mott versucht, daran zu zweifeln. Wie oft haben die Tarif. Parteien in den letzten Jahren bei der Festsetzung der Löhne das Neichsanbeitsministerium zm Vermittlung oder zur Fällung eines Schiedsspruches in Airfvruch nehmen müssen! Der einen Seite war stets fcte Forderung zu hoch und der andern Seite das Angebot zu gering. So kst es bis auf den heutigen Tag geblieben. Und wenn nicht alle Zeichen trügen, wird stch dieser Zustand in den kommenden Wochen und Monaten noch wefenLich verfchär. fen. Wir stehen mitten in einer Teuerungswelle, wie sie noch der Revolution noch nicht verzeichnet wurde. Leider schon wir darum auch größeren Lohnköm.pse« entgegen, die wahrlich nicht dazu angetan stnd, unsere Wirtschaft hatd einer völligen Gesundung zuzuLheen.^ Jeder Schrrlt, her getan wird, um Lohnkämpfe zu verhüten, muß des» rotem begrüßt werden.
Bevor' jedoch die gleitende Lohnskala pn Einführung kommt, Mich man sich über die Grundlagen, den Unter» Kau, klar fein. Doch schon bei dem Bau der Funda- mente stößt man auf große Schwierigkeiten. Das ein« sächsle Mittel wäre, vom Frisdensstand ouszu- gehen. Gemessen an der Derteveruna trr hauptsächlich in Betracht kommenden Lebensmittel und Eebratichsgegen. stände, der Sttete, der Feuerung usw. müßten denn auch die Löhne erhöht teerten. Das mMe z. B. ergeben, daß ein Arbeiter mit zwei Kinder«, der im Frieden eine« Taralohri von 8 M hatte, bei einer Verteuerung aller De- bürfniffe um das ZOst-che, wie fie haute unzweifelhaft frft»
30 mal 5 JL gleich 150 M verdienen müßte. Nun sii « aber Tatsache, daß solche Löhne von den in Be- dacht kommenden Arbeiterfchichten heule YtW verdient wer. tett. Noigednimgen hat man in eine allgemeine Der» Mchicrung der Lebenslage willigen müssen. Der No» winÄ'ohn ist gewachsen, der Reallohn (seine Kaufkraft) Ist ober erheblich gefallen. Die Unternehmer lehnen es durchweg ab, den Friodensstsndard als Grundlage der Lch rc eroinbc mm gen zu nehmen. Sie werden da« natürlich auch in der Frage der gleitenden Lohnskala tun.
Don verschiedenen Seiten ist deshakd der Vorschlag erfolgt, einen anderen Seitpurft. so vielleicht den 1. Oktober als Ausgangspunkt zu nehmen. Wollte man diesen Weg beschreiten, so müßte zunächst sestyestellt werden, ob die Löhne am 1. Oktober auch tatsSWch als gerecht zu bezeichnen waren. In 100 Fällen wird dies« Frage von bar Arbeiterschaft unzweifelhaft 99 mttt verneint. f)ii> zu kommt noch, daß über dos sog. Existenzminimum heute alle möglichen Begriffe obwalten. Welchen Unterschied gedenk t man zwischen Verheirateten und Ledigen und kinderloser. und kmderre'chen Familienvätern zu machen? Wir können bei der Einführung der gleitenden Lohnskala doch nicht nur ausschließlich an di« Beamten denke«, die schon
Unpolitische Zeitlaufe.
■fertig, 14. März 1922.
Die Zwangsanleihe macht all« Zeitungen voll, und Kenn noch ein Plätzchen freibleibt, fo schreibt man von ter WeitanIeih «, die Deutschland künftig auch noch beziehen soll. B:i dem vielen Gerede von Leih- millionen kann ein irnternehmtmgaMtyss Menschen» tmd dick-f auf den Gedanken tomtren: Wenn doch von der grotzrtt Kredithllse eine Kleinigkeit für .nich absiel! Dir schön märe ich h.raus, trenn ich mir ein bescheide-
Sümmchen geliehen bekäme. t
Leise zieht durch nrin Gemüt
Lockend FrühliNtSläutsnt
Lägt sich N'cht v»n dem Kredit Was für mich erbeuten?
, Siebes Söhnchen, bezähme die Pmnptröche! Wenn du borgst, so bist du nicht schön heraus, sondern kommst ^taüich hinein, nämlich in ein Schuldens och.
Schuldmmachen ist nicht schwer;
Schulden tilgen desto mehr.
Der stolz sagen kann: „Ich bin keinem Menschen fchuidig/ der soll diesen Stand der finanziellen "nschuio nach besten Kräften zu wahren suchen. Borgen rcajt Sorgen. Leihen end t mit Schreien. Pumpen macht Lumpen. Jeder mcrte sich den klugen Warn» !"‘r a V ®«U|i du borgen, so komme morgen!
_ «B di« Staaten und die Börsen urrd die GelL- mamr.r m ihrem verzwickten Kvedünetz zappeln und Sckul^losiH°est^ Beobachter seitwärts stehen: in deiner
Einige müssen pumpen, um sich über Wasser zu wüten; envere wollen pumpen, weil si: dabei zu ^ofitteren S^ntm. Der Gäutsixer des einen ist vtr^er d.r »chsl^dner des ana.ren und umgekehrt. Da vlism fch^ßlich die moistm nicht n> hr„ was eigentttch b»en und nicht haben Deutschland >°ä an Frankreich Tribut zähen, Frankreich ist an rWnb v rschuidet England ist an Amerika vrschuto
3m Prioalverkehr sagt Schulze, er fei reich, weil £«n Müller so und so vte, fordern habe. Und Fuller sagt, er sei wo^habeud weit Meyer ihm s»
jo viel schuldig 1«. Und Meyr brüstet sich mit S^r. Guthaben bei der Firma Fischer. Wenn mm die
F scher pitiiit geht, so pur^fet Meyer. Möller i,?6 Schulze hinterher Und trenn Deutschland etwa r/^ Zahlungen emsbellen müßt», rrie cs Rusi- M grjari, säße Frankreich auf dem Trockenen und die an Frankreich müßten schrecklich viel ab« kn. Das gtony KreditgebÄrde ist ein luftig auf»
Kartenhaus, Bei Licht betracht«, ist« tietnl»
lange die Kinderzukagen kennen. Abgesehen v«n Berg» bau st ist» in der Prmotindustrie K'mderzulagen so gut wie tifibefamri. Die sozialdemokratischen Gnverkschaften sind sa im Prmstip Gegner des Sozial- oder Familienlohres, deshalb läßt stch der Fomillenlohn nicht mit jener Be- Wermisimg auch in der Privatinüustri« e'mMron. wie es bei der vorhandene« RoKoee bar kinderreichen Familien geboten wär«. Ohne Zweifel müßte man a'fo Grund- toten für Verheiratete und Ledige schaffen. Aber selbst nx-.tn dies gelänge, ergebe sich die zwene Haupts chw: eng- fett, nämlich die, wie die Preisverteuerungen Errechnunz firLen sollen.
Der Reichsinder in seiner heutigen Form gib! fei» rwn einwandfreien MaHftob des Existenzminirremrs. Es sind nur Derglelchszrhlen, die heute' vielfach bei Lohnver» Handlungen eine Rolle ’pitten, in keinem Falle aber, wie bei einer gleitenden Lohnskala, unbedingt den Ausschlag febcn. Das SiÄistlsche Rrichsamt errechnet den Reichs- index en dem Verbrauch einer fiinhköpfigen Familie für 'Ernährung. Wohnung, che'zung und Deleuchtuna. Bekleidung und Sonstiges (Meusrn und Kulturbodürfniste) fehlen eettfbrötfjg. Die Berechmmgen müßten fänsttiche Posten umfassen, allo mü andere Grundlagen gestellt werden, wen« wir sie als alleinigen Matzstab der LshnerhöhiMgen gelten tonen wollen. Vorarbeiten nach dieser RiMung siollen bereits aufgsrommat fein. Zu^gleitiMden Lohnen können wir nie kommen, wenn nicht die ll^ennz.schnei en zwei Dorbebinsmrgen aeschoffen w^nden. UnL cch d.es-2 Problem dann dmMchrbar ist, hangt zudem noch oon nrnnchmlei Roberfrag-n ob, d?e loder, kennt, der mit Lohn- zu tun bat. Nicht tn letzter Linie muß die Fre^Märt werden, ob uni-re Wirffchost eine auto» ns."Vche°'Lohnre-olung vertragen kann.
sNottvendig ist aber, daffibrr sind stch Arbeitgeber und «rbeiwchmer einig, eine Vereinfachung der Lohn- vechonbkmgcn. Es ist asf «e Dauer nicht mchr zu verantworten, daß wertvolle Strafte unseres Wirtlchafts- l-Hens lediglich nur noch Lohnverhandluingen pflegen und der wertefchafferden Tätigkeit entfremdet werden. Das trifft für be$e Parteien zu. Ob diese Deremfachung mir mit der Cinführung der gleitenden Lohnskala möglich ist, bleibt dahingestellt. Es wäre schon viel erreicht-, wenn Arbeitgeber unb Arbeitnehmer bei künftigen Derhamdtun- oen estWandfreies amtliches Material über den Umfang der Teuerung hätten und wenn man sich dann beiderseits mit mehr Vertrauen und Verständnis begegnen würde. ______________________
papft BenedM und die Kustteserung des Deutschen Uaisers.
In der van den Kölner Katholiken veranstalteten GeDonhfeier für dm verstorbenen Papst Dm.Idtkt, über die wir schon kurz berichteten, gab der Chefrotakteur der „Kölnischsn Volkszeitung" Dr. Karl H ö b e r eine SchÄdsrung der Umstänida, aus deinen herrvus die Enstmtr im letzten Moment aus die Auslieferung des Deutschen Kaisers v e r z i ch te t e. Dir Tatsache ist an sich bekannt. Es war, wie in so manchen anderen Dingen, das Eingreifen des Papstes, das d'e Schmach der Aurlieserung verhind rt,:. Wir geben die Schilderung Dr. Höbers ausführlich wieder, weil es sich hier um einen für uns Deutsche und zumal uns deutsche Katholiken hochinteressanten historischen Vorgang handelt. Dr. Höher erzählte:
Im Hochsommer 1919 wurde der Redaktion der „Kölnischen Sotfsyttang" aus Rom das Gutachten eines vatikanischen Juristen über die von der Entente geforderte Auslieferung des Deutschen Kaisers geschickt, ein Gutachten, das mit Wissen und Willen des Papstes im „öftercaiore Romano" orsch enen war und das nunmehr auch dir „5t. D." ceröffentstchen sollte. Er war wenige Tage vor der Unterzeichnung des Vertrages von Ver ailles, bin politische Hochspanuung war größer als je, di« Freiheit der Presst war damals im besetzten Gebiete aufs äußerste gefährdet. Auch mußte unsere Rüdaktian sich ihrer Pflichten und Verantwortlichkeit noch allcn S.iten bewußt blribsn. Wir sagten uns aber damals: Die Zentrumspartai kämpft sür Wahrheit, Recht und Freiheit. Hier liegt ein gerctnzu klassischer Fall'vor, um diese Parole zu befolgen.^ Ich s.über erklärte — meine Kollegen werden es bestätigen —: „Ich.bin bereit, die ganze Verantwortung allem auf mich zu nehm-en und, wenn, es sein müßte, ein halbes Jahr ins Grsänsnis zu gehen." (Lebh. Bravo!)
Das Sdechtsgutachten des Datikaiis erschien wirklich in der „St. 53.", und wir erhielten tags darauf die Mit» liilung, daß der Artikel in scher Hinsicht gegen die Zenfur verstoß«; die Entscheidung hierüber stehe noch
lich ein Wunder, daß es unter den ErschüLcrungen des letzten Jahrzehnts nicht schon vollends zusammengestürzt ist.
Wir -Itriwn schon unterscheiden zwischen Werte, die noch etwas wett sind, unö Wette, d e nur auf dem gr» Utibigen Papier paradieren. Erstere nennt man Sachwert:; Schwärm« sagen sogar „G^ibwerte". Dazu sollen z. V. die Eisenbahnen, die Bergwette, die Fabriken, der Grund und Boden gehören. Din Etssnbahncn heben nur Goldwert, wenn sie goldige Ueberschüsse ein» bringen; vorläufig er färb'rn sie riesige Zuschüße. Bergwerke und sonstty- Werkstätten sind an sich nicht wertvoll, sondrm werden es erst a-s Produktionsmitdck. Damit sie recht viel Waren erzeugen, mutz man ihn«! gehöriges Betriebskapital lassen; also hat die Anzapfung de» „Besitzes" ihre SckMnke, die nicht ohne Verderben üderschritum werden darf. Der Grund und Boden bringt fernen Segen, sondern rarr stnkram, wenn er unbenutzt Wiegt Die mühsame Arbeit des Landmairncs oder die Mnwotzise Arbeit des Baumeisters mutz erst das Land zur Goldgrube geftaiien. Sachwerte sind mmfchliche Machwette. Wer aus D'.utsch'anb einen Trcbut eintreib, n will, muß dafür sorgen, daß Vre Deutschen bei der Arbrst bleiben. Diese einfache Wahrheit dämmert mm allmählich einem Teil unserer EtSublyir. Auf grvtzmächtigen Kongressen will man j-^tzi die Erkenntnis verbreiten, daß der Gläubiger den EckMmer pfi'xstm behandeln muß; denn wer totFr- schloJM ist, kann nichts mehr leisten, und wer an chan- d-n und FüßM gefesselt wird, farm steinen Ueberschuß herrmsarbeltan. So führt die verschmitzte Schuldver- ftridung auf eimm Umweg zur gesunden Vernunft zurück.
Ist denn tarn Linse Schukdverstrickung eine „Errungenschaft" der Neuzeit? Nein, es ist nur ein altes Uebel gesteigert workxn. Schon vor Chttsti Geburt hatten z. B. d e Athener folche Verwirrung in dem Mein und Dein, daß der kluge Gesttzgeb r Soion einen grüttdächm SckMnachlatz durchführen mußte. Und die IiL-en hatten ihr Jubaschr, in dem die Sachwert zu ihrem alten Herrn zurückkehtten. Solche und ähnliche Heitmittol waren schon darals notwndig bei dm viel einfacheren Rechts- und Geschäftsmrhättnrfstn.
®nen interessanten Einblick gewährt uns dar Gleichnis oom Kön ter mit fernen Krstchten Abrechnmtg hielt, mrüLi t Matthäus im 18. Kapitol berichtet. Der C-b-rfiieäit war seinem Herrn 10 030 Talente sLuLdig, und dr Ober knecht hatte von dem Untertnecht 100 Denare zu fordern. D:r Herr droht dem Hauptschuldner, er werb: ihn und sein Weib und seine Kinder und alles, was er besitze, verkaufen lasten. Daraus sehm wir, daß das Sklavrarecht noch b. stand, was die Verwertung
aus. Wir erfuhren aber auch aus h o l l a n d t s ch e n Quellen, daß jenes Gutachten auf die engl>schen Machthaber großen Eindruck gemacht habe. Jedenfalls wurde von dort aus die Forderung der Auslieferung 'tres Kaisers nicht mehr erhoben, «o- mit steht fest: Wenn das deutsche Volk vor der urer- hörbm Schmach und Schande bewahrt blieb, semen ein.!.en früheren Kaiser den Feinden auszultepettr, Io dankt es dies in erster Linie den Be- mü Hungen des Papstes Benedikt XV. lWährend dieser Worte mckte der jlardinrl beftatrgrni). Die Dsrsammtung unterstrich den Redner mit starker B^ifÄlskuTchgebung.) ,
Die Zurückhaltung deutscher Krugs« gefangener in Frankreich
ist bekanntlich schon zu wiederholten Malen in der deutschen Oeffsnilichkeit besprochen, in den Parlamenten zur Sprache gebracht, und auch die Reichsregierung hat zu wirÄrrhollen Malen sich bemüht, deren Freiheit zu erfangtm. Leider sind bis jetzt alle Bemühungen erfolglos ychlieben.
Erfreut ickerweise scheint jetzt ober auch in Frank- reich eine Bewegung einzuf:tzen, die dicsts schreiende Unreckst aus der Well schaffen will. D r Professor Le- m-erder veröffentlicht in der in Paris erscheinendsn Zeillmg „Cahiers des droits de l'homme" vom 10. Februar d. Is. einen Artikel, in welchem er gegen die Festhaltung ixr deutschen Gsfanc,:nen die schärfste Der- Währung einlegt. Es wird auch die deutsche Oefsent- lrchkeü interessieren, für welch unbedeutende V rgel>en deutsche 5feiegsgefangenen irft schweren Freihrttesttasen bestraft roorb'n sind. Aus den zahlreichen Fällen, die Professor Lenrercier an führt, seien mir erne wenige herausgegrisfen, So ist ein Mann, ter Ausweispapb re und Lebensmittel gestchl-sn hatte, um zu fliehen, mit 15 Jahren Zwangsarbeit und 5 Jahre Gefängnis bestraft worden. Ein anderer, der keine Rockknöpfe hatte und sich solch? von einer abgelegten französischen Uniform abschmtt, wurde mit 7 Jahren Zwangsarbeit bestraft. Besonders kraß ist brr Fall eines Gefangenen, der mit 10 Jahren Gefängms bestraft wurde, weil er, um in einem Lastauto Platz zu schaffen, die Reste eines alten zerbrochenen Rades fortgrworsen hatte. Lemercier weist mit volLm Recht darauf hin. daß Vergehen und Strafen tn schreiendem MißverhSltms stehen, und er betont mit Recht, daß die meisten bifter Leute für vergehen veruttrill sind, d'e eine Folge des Krieges waren.
Das D nehmen der französischen Reoienmg, das ihr, wie Herr Lemercier hervorhebt, ihr Interesse fei» rrsmerjs gebiete, wird von allen Gefühlen der Mensch- l'chkeit verurteilt. Lemercier fordett von der französischen ’Rngtertmg die Freilassung der deutschen Knegs- gefanxenen in Frankreich.
Umfang dir deutschen Üurwanöerung.
So schwierig auch die Auswanderung durch die hemmenden Gesetzesbestimmungen, durch die auch im Ausland herrschende Wirtschaftskrise und durch den niedrigen Stand der Mark gemacht ist, so bewegt sie sich doch nunmehr in aufsteigender Linie.
Da in gewissen Teilen Süddeutschlands der Auswanderergedanke von jeher lebendig war, so ist der Anteil der Katholiken an der Steigerung der Auswanderung besonders stark. Im Jahre 1921 reiften 13 652 Personen über Hamburg aus, während es im Jahre 1920 nur 768 waren. Weitaus der größte Teil der Auswanderer wendet sich jetzt nach Südamerika. So gingen von den im Jahre 1921 insgesamt ausgewapderten 8458 Deutschen 6797 nach Südamerika, nach Mit- telamerika reiften 231, nach den Vereinigten Staaten 1429 Deutsche. Die Auswanderung über fremde Hafenplätze ist im Jahre 1921 deshalb so stark zurückgegangen, weil die Zahl der deutschen Schiffsverbindungen dauernd wächst.
Die Auswanderung nach Nordamerika hat neuestens stark zugenommen, wenn wir auch noch um 60 000 zurückbleiben hinter der Höchstzahl der 1921 von Amerika zugelassenen deutschen Auswanderer. Sehr gering im Verhältnis zu Hamburg ist die Zahl der über Bremen, Emden und andere Häfen ausreisenden Deutsche«.
der menschlichen Arbeits-krast auf dem einfachen Wege des Mrufchenkanss zuli>:ß. Die hatte Drohung sollte aber nur em Schreckschuß fein. Auf die fuß-fällige Ditte des Ob:rknechts routöe ihm d e ganze SckM> erlassen. Run faßte aber der Begnadete den armen Milkricht an der Gurgel und ließ ihn trotz feiner Bitten jns Gefängnis werfen, bis er die SchttL bezahle. Alf» in die SchuLch-st schicken, obschon cr doch wissen mußte, daß dies eine sinnlose Quälerei sei, da im Gefängnis sich die Schuld mcht so abarbeiten läßt, wie in der Freiheit. Der grausame Unfug wurde dann durch das Mochte, bot des Herrn abg stellt.
Düfte Schuldhaft erinnert an die Rolle, die uns Deutschen von den gewalttätigen Panfern zugchacht war. Ihre fortq' setzten Sanktion^ sollten Deutschland zu einem großen SckulRurm machen, in dem wir alle un. ter der Sklavenpeitfche dte TreimühS: zu bedienen hätten.
Aus dem kleinen Rückblick schon wir schon, daß es eigentlich eine alte Aufgabe ist, die neuerdings von den verantwortlichen Staatsmännern gelöst werden mutz. Aber auch eine schwierige Ausgabe, da die DcrhÄtmsse höchst cewitfeü sind und fast die ganze Wftt in Mftle'derftchast gezogen wird.
Wir wollen fron berufenen Politikern hier nicht in das Handwerk pfuschen, sondern bloß die Nutzanwendung betonen für die gswöhMchsn Menschenkinder. ®.ne Anleihe hat für manchen etwas reizendes; aber bedenke das Ende: Zinsteiftung und Rückzahlung sind kein Kinderspiel. Am besten fährst du. tu nn du dein eigener Gläubiger bist Das soll heitzM: wenn du selber crspatt haft, was du gern haben möchtest.
Et:ee Zwangsanleihe ist entschredm nur von Staaten« gen möglich. Aber es kommen auch irr. Familienleben Fälle vor, wo die Freihoit der C,i:>'ch'.icß.lng bedroht ist. Da Hal z. B. ein teichtsinmzer Sprößling „Ehrenschulden" gemacht, die ihn in heilloses Unglück und die ganze Familie in Schaden stürzen, roemt die Sache nicht rechtzeitig eingerenrft wird. Lder bei einem «ngersinrrigen Angehörigen ist ein Lieblingsplan zu einer fiten Ilse gxrortxm. Es g-ht kc'ne Ruhe und keinen Fnch n in der Familie, sokanc-e man ihn die angebliche „Kleinigkeit" verweig-ert. Das gibt poin- liftre Lagen, und für die ynoifsenhastrn Eltern wird c, oft sehr schwer, das nchtige oder vi lmehr das kleinere Uebd zu wähfen. Da gilt es, r if! ch zu ubertogen und nach Umstünden sich guten Rat bet wirklichen Sachocr- ftäntifim zu holen.
Nur keinen leichtsinnigen Sprung ins Dunkle! Die „Kredllhilfe" ist wie ein Gang durch das Moor. Wer versinkt, darf sich nicht wundern.
Unf?r SchEmch sei vernichtet. Schuldenfrei, — sorssfreU • . '« • ' '.....
Die Fuldaer Zeitung
hat in den 50 Jahren ihres DcstehcnS
in grundsätzlichen Kragen
ihren Standpunkt stets festgchalten. Die Forderungen des Christentums zu verteidl.ien und im öffentlichen Leben zur Geltung zu bringen, war ihr Ziel, dem sie treu geblieben ist und treu bleiben wird, auch angesichts der wechselnden Strömungen pnd Stimmungen unserer Tage.
Unveränderlich im Grundsätzlichen ist die Fuldaer Zeitung aber in Technik und Aufmachung
zu einer reitgemäßen TagesreUunj auSgestalter worden. Denkbar schnellsten» und doch zuverlSssig übermittelt un8 daS amtliche deutsche Tclearaphenburo, zu erheblichem Teile auf dem Drahtwege, die Tagesnachrichten Auch kein Grotzstadtblatt kann diese Nachrichten schneller in unserem DerbreitungSgebicte den Lesern übermitteln. Die Zahl unserer Mitarbeiter ist groß, sowohl waS die Mitarbeiter für den politischen und kultu politischen Teil angeht, als auch bezüglich der heimatlichen Fragen und Jntereffen. Gerade
als Heimatblatt
ist die Fuldaer Zeitung, die von vielen Fuldaern auch in weiter Ferne als Bote aus dem Fuldaer Land in hohen Ehren steht, unersetzlicl).
TerUnrerhaltungsteil der Fuldaer Zeitung wird mit aller Sorgfalt gepflegt. Unsere Romane werden namentlich von der Frauenwelt stets mit großer Spannung gelesen. Der Unterhaltung und Gemütsbildung sollen vor allem auch
die Duchenblätter
diere«, die wir allwöchentlich als Beilage er» scheinen lassen.
Um den praktischen Bedürfnisten eines großen Teiles unserer Leserschaft tNtgegenzukommen.werden wir in Zukunft in zwangloser Folge eine besondere Beilage unserer Zeitung cuigliedern, die unter dem Titel
5ür Haus, Hof und Sorten
den Klei ngärinern und Kleintierzüchtern Anregung und Förderung geben soll. Für diese Sparte haben wir uns die Mitarbeit bewährter Fachleute gesichert.
Der Forderung der Zeit entspricht eö auch, daß die Fuldaer Zeitung täglich
Sportnachrichten
in reicher Zahl und für die lokalen Verhältnisse auSgewählt, zur Veröffentlichung bringt.
Ferner suche« wir urfern Lesern zu dienen durch schnelle und zuverfässi.e Veröffentlichung der
wirtschaftlichen Meldungen, namentlich durch die Berichte über die Märkte im Regierungsbezirk Kassel und in der Stadt Frankfurt a. M. Der
Anzeigenteil
der Fuldaer Zeitung ist stets reichhaltig, bedeutsam für den Geschäftsverkehr, geschätzt vor allem toe, en seiner Vollständigkeit h. "ftfchtlich der Familien, an zeigen. Dabei hat ixs Fuldaer Zeitung trotz aller Teuerung
einen vallrslümt'chen Preis
beibehaltcn, sodaß sie in Hinsicht des Gebotenen als billigste Zeitung angesprochen werden kann.
Auch nach der neuen Teuerungswelle wird die Fuldaer Zeitung vom 1. April ab monatlich nur 10 Start kosten. Bestellungen sind jetzt t u bewirken, damit die Belieferung rechtzeitig erfolgen kann.
(Etwas für unsere liebklecre Zelt.
Don Geh. Regierungsrat Prof. Dr. M. F a 6 b e n b e t
Daß mir trotz der fest 2000 Jahren erschallenden christ- kchen Predigt der Liebe und aller daraus garichleto» Dolkserziehurgsarbeit noch immer in einer Welt des Hasses leben, ist kaum zu begreifen. Mehr als je tobt der Kampf oller gegen alle, trennt Feindschaft die Naionen, die Parteien, Stäube und Dolksliasfcn. Jo fe tftt die Familie Mäht nicht ton der allgemeinen Zerrissenheit uni Zersetzung verschont. Gegenüber dieser Flut des Hasses gcht die dringendste Fordermig der Gegenwatt an die ChrfftusMMgen, daß sie sich nichts so sehr angelegen sein lassen, als den ganzen Inhalt des göttlichen Liebesgebotes tn feiner Tiefe und Höhe cruszufchöpsen vrob zu erfassen. Nicht deshalb, weil die Gegner jode Fo'ge» Widrigkeit dos Harchelns auf diesem Gebiete mit Argus- äugen verfolgen und das herrliche Urteil über den Geist des Urchristentums: „Seht, wie lieb fie einander haben* auf die heutigen Christen nur hämisch uvü spöttisch an» zurrenden stets bereit sind, sondern weil der Heiland selbst es mit aller Klarheit zum AusLonck gebracht hat, daß m der vollen Erfassung des Liebesgeboles der gange Geist des christlichen Sittengcsctzcs enthalten ist.
Jeder von uns hat gewiß diesen Gedanken von Kindes- tagen an stetig und immer wieder gehört. Aber wie es oft mit unserem geistigen Erbgut geht, eines Tages tritt eine effie -Wohch.'it in rarer Fassung an uns heran und greift uns so mächtig ans Herz, wie nie zuvor, wird uns zmn Erlebnis. So erging es mir, «is ich gerade znm Beginn dte Fastenzeit das kürzlich erschienene kleine Buch des Venediktinerodies Wöhrmüller von St. Bonifaz in München „Das königliche Gebot" (Verlag Kösci-Pustet in München) in die Hand betam. Da keine Zeit des Kirchcnsahres dem Christen die göttliche Liebe fo anschre.il ich vor Augen stellt, wie die Fastenzeit, beim sie bringt dem Christen zum Dewußlsem die größte Liede, die überhaupt rut geben kann, die Liede desjenigen, der fern Leden gab für feine Feinde, so ist klar, daß dieses Büchlein gerade in der Gegenwart eine sehr eindrucksvoll« Fastenkefung bieten dürste. In einfacher, kerniger, phrasenfreier Spreche sich ich hiw den tiefsten Sin« des Gebotes „Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst!' in allen feine« Folgerungen für alle Lebenslage scharf maßen Rechnung tragend, erhalten mir jene gedanklich hevausgcarbeitet. Nicht geistreichelnid, nicht in zugeschmtz- ten, gesuchten Rctzewenüimgen. sondvvn den Forderungen les Verstandes und den Bodürsnissen des Gemüts gleicher»'