FuLdaerZeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.
flr. 65.
LerantworUich tür den ceOauiontUen leii* Dr. I. Kramer» a für die Anzeigen: I. Parze11er-Fulda. -
Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckeret in Fulda, ^ernlprecher Nr. ». lelegr.-Adreisr: Fuldaer Zeitung.
Sonntag, §9. IHörz 1922.
Bezugspreis: Wlonatli» 8.00 Mt. zugestellt frei ins Haus. - Abgehoit in der Gejchästsstille 7,50 2RL :: Anzeigen: Kieinzeile nach 2o-onei 1 Älk.; austoärts 1.50 zur* R e k l a m e , e i i e (leporeite) nach Colone maß 4 Mark.
49. Zahrg.
Notensturm
Vie „gefährlichen" Mten.
Die Mich vor jeder größeren Reparations- Konferenz, hat mich jetzt wieder ein großes Bombardement Deutschlands mit Entwaffn ungs- aoten begonnen, das der Wclt Deutschlands bösen Dillen beweisen soll. Fast zur gleichen Zeit, da der Entente-Kontrollkommission die deutsche Antwortnote Über die Schutzpolizei überreicht wurde, stellten die Berliner Botschafter der Entente unter Führung Herrn Laurents eine gemeinsame Note zu, in der sich eine hohe Entente darüber beschwert, daß dte 'deutschen Bchjrden in den letzten Monaten gegenüber der Interalliierten Militär-Kontrollkommission eine „o b st r u k - zionelle Haltung" eingenommen hätten.
Die Note tanft die Aufmerksamkeit der deutschen Regierung in dringender Form auf dies« Lage und fordert sie auf, „Praktiken" ein Ende $u machen, die, selbst wenn sie van untergeordneten Behörden begangen sind, doch unter die Verantwortung der Regierung fallen, da der Friodensvertrag es ihr zur Pflicht macht, die CntfcheWMgen der Kontwllkvmmif« sirm cmszuMren". Das Interesse Deutschlands in ft* nanzieller Hinsicht erheisch: zudem, die alliierten Körperschaften instand zu setzen, sich so schnell als möglich ihrer Aufgabe zu entledigen. Entschlossen, die g ä n z - liche Durchführung der vom Versailler Vertrag vorgeschriebenen Entwaffnung zu sichern, zählen die alliierten Mächte darauf, daß die deutsche Regierung alle Maßrcyeln ergreifen wird, die nötig sind, um die Hemmnisse" unverzüglich verschwinden zu lassen, welche bisher der Tätigkeit der Kontrollkommissionen in den Weg gelegt wanden find.
Weiterhin hat nun GeneralNollet dem Auswärtigen Amt eine Note übergeben, in der es heißt: Lor dem Krieg und während feiner Dauer haben die Zioilbehörden eine gewiss« Zahl von Urkunden geführt, die die Ausführungen von Rekrutiemngs- «md Mobilmachungshandlungen betrafen, die jetzt durch die militärischen B.-stimmrmgen des Friedensverttagcs verboten sind.
Es ist mm der Kontrollkommission angiezeigt (!) worden, daß nicht alle diese Urkunden vernichtet worden sind. Ein TeL davon soll sich noch in den Händen der Dürgermeifter und anderer örtlicher Behörden bs- sindm. Die Kommission beehrt sich, um die Vernichtung der noch übrig gebliebenen Archivezu ersuchen. Diese Vernichtung hat in Gegenwart von Kontrolloffizieren
geschehen, die von den beteiligten Verbinimngz- stellcn über die in dieser Hinsicht getroffenen Maßnahmen zu unterrichten sind.
Die Kommission bittet außerdem, ihr in möglichst tarier Frist die Schritte mitzuteilen, die die deutsche Ntenmg in Ausfichrung des Artikels 211 des Frir- densvertrags ergriffen hat oder zu ergreifen gedenkt, um den unerwähnten Zivilbchörden diejenigen Dienstgeschäfte zu entziehen, die der Friedensoertrag gebietet.
Um was für Akten es sich eigenLich handelt, fft ms der Note, di: offenbar auf irgend eine Denunziation suruckzuführen ist und scheinbar auf eine neue Schikane hmauslaufen soll, nicht recht ersichtlich.
Die achte Dekade.
Nach dem „Temps" hat die deutsche Regierung am 17. März in Paris eine Devisenzahlung von 31 Millionen Goldmark auf Grund der Entscheidung von Cannes geleistet.
Der Gesamtbetrag der bisherigen Dekadenzahlungen beläuft sich auf 248 Millionen Goldmark und überschreitet den in Cannes in Aussicht genommenen Betrag der Barzahlungen von 720 Mil- Konen Goldmark jährlich wesentlich, denn diese Dekadenzahlungen werden für das ganze Jahr nmd 1100 Millionen ausmachen.
Srohlmufmaim Selstermann.
Don WUHelm Herbert, München.
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. Das erste Mal, daß der Angeklagte sich aufrichtete «tb mit stärkerer Betonung antwortete: „Meine Ehre ist keine geringe Sache!"
„Bravo!" rief jemand im Zuhörerraum.
„3dj untersage jede Kundgebung!" wendete sich der Achter mit ziemlicher Schärfe dagegen. „Ich müßte bei Wiederholungen den Saal räumen lasten!"
»Eie haben Recht!" fuhr er zu dem Angeklagten fort. „Die Ehre ist sicher keine geringe Sache. Sie ist sogar das höchste Gut für jeden anständigen Menschen. So habe ich es auch nicht gemeint. Es fällt nur auf, daß Sie Ihre eigene Person, deren Behauptung' doch suuh unter den Begriff der Ehre fällt, immer und immer wieder derart von ihm schmälern und vergewal- ließen — und da, wie er nun die geringfügige Zewschuv, «uj Ihren Namen machte, schlugen Sie gleich so drem!"
6in noch nie jemandem etwas schuldig geblie- ■toI te ber Angeklagte.
„Sa) versteh« ihn vollkommen", bemerkte Hofmann halblaut zu seinem Nebengeschworenen Selstermann, der keinen Blrck von dem Verhörten gewendet hatte und «tor zerstreut nickte.
„Ich glaube, wendete sich der Borsitzende an die Geschworenen, den Staatsanwalt und den Serie tbigsr, J*r Gedankengang des Angeklagten ist mit genügender «eutllchkett hervorgetreten, so daß ich bei der erster «rnehmung in dieser Richtung ,etzt nicht weiter in ifjr “fingen will, sondern gleich zur Tat selbst übergehe."
»Sie sind also, nachdem Sie in Ihrer Stammwirt- chaft von der auf ihren Namen aufgenommenen Zech- 'Md erfahren, diese bezahlt und einen «einen Imbiß °"zehrt hatten, heimgegangen. Waren Sie ange- "toifen?"
»Nein!"
„Wah haben Sie denn unterwegs gedacht?"
sEs Hat mich gewur»
der Entente.
Cm wertvolles Bekenntnis.
Die Dsutschnationalen haben bekanntlich von jeher die ErfüllungspoMik der Reichsregkrung rmd des Reichskanzlers Dr. Wirth bekämpft nut der Begründung, daß eine solche Politik verfehlt (et und memms ihr Ziel .erreichen werde.
Sn seiner Reichstagsrede anläßlich der Steuerberatungen am Donnerstag hat nun der Abg. Dr.tzelffe- r i ch Ausführungen gemacht, die feftgchalten zu werden verdienen. Er fordert von der Regierung, daß sie eine aktive Politik treiben solle, die „den neuen Tendenzen innerhalb der Entente und der neu cmfkommenden Ein- sicht entgegenkommen sollen, die UnhÄtbarkeit der bisherigen Reparationsmethoden zu erkennen." „Die Stunde der Umkehr beim Gegner ist da!" So sagte wörtlich Herr Helfferich. Was er da sagt, ist vollkommen richtig.
Wir freuen uns, daß Herr Helfferich cnbtitf) zu der Erkenntnis gekommen ist, daß die Politik der Rsichs- regterrmg und des Reichskanzlers Dr. Wirch doch richtig war. Denn daß sich die Umkehr bei der Entente bemerkbar zu machen beginnt, das ist doch lMgtlich die Folge der Erfüllungspolitik der Rsichs- regierung.
Es ist vollkommen richtig, was tfe „Dass. Ida." (Nr. 119 vom 17. März) in dieser Beziehung schreibt, wir können uns dem nur rückhaltlos cmschließen: „Es ist deshalb notwendig, immer wieder deutlich zu sagen: Wenn die Politik Dr. Helfferichs und feiner Freunde befolgt worden wäre, so stünden dis Franzosen an der Mamgrenze. Die Sanktionspolitik hätte schon lange in eine Annexionspolitik ungeschlagen und in der W-lt würde Deutschland als böswilliger Schuldner ange- prangert sein. . Erst seit der Wirchfchen Kanzlerschaft ist Frankfurt dauernd befreit, fft die Gefahr der Lostren- nung dos Rheinlondes auf ein Mirchestmaß reduziert, ist die Repcrrationsforderung von Etappe zu Etappe ermäßigt und besteht Aussicht, daß aus dem von der Vernunft beackerten Boden die internationalen An- leihen herauswachsen, mit deren Hilfe allein ein, endlich einmal auf ein Bermmftmaß reduzierte, Reparattons- teistung von Deutschland erfitttt werden kann."
Deutscher Reichstag.
Abg. Herold sItr s zu des Stenervorlagen
Der Reichstag setzte am Freitag die allgemeine Aussprache über die Steuervorlagen fort. Wie in den Vortagen wurde auch am Freitag die Sitzung durch einige Zwischenfälle unterbrochen. Nachdem zu Beginn einige Anfragen erledigt waren, mußte auf Antrag des Abg. Dr. Becker (Volkspartei) die Sitzung abgebrochen werden, weil dieser, der zuerst das Wort ergreifen sollte, die Anwesenheit der zuständigen Regierungsver- tretet vermißte.
Die neu anberaumte Sitzung nahm alsdann zunächst einen ruhigen Fortgang, bis der Abg. Henks von den Unabhängigen durch eine rein agitatorische Rede die bis dahin in ziemlicher Stärke anwesenden Mitglieder des Hauses aus dem Sitzungssäle verscheuchte. Die Kommunisten glaubten ihre Gelegenheit wieder einmal gekommen und bezweifelten die Beschlußfähigkeit des Hauses. Es wurde aber durch Namensaufruf festgestellt daß das Haus beschlußfähig war.
Der Abg. Dr. Becker-Hessen begründete die Zustimmung seiner politischen Freunde zu dem Steuerkompro. miß und polemisierte dann zunächst gegen den Abg. Bernstein (Soz.), dem er sträfliche Fahrlässigkeit vorwarf, daß er sich nicht genügend Aufklärung darüber verschafft habe, daß entgegen seiner (Bernsteins) Be» hauptirna, in Deutschland tatsächlich das Vermögen ebenso sehr belastet sei als im Ausland. Auch an Helfferich übte der Sprecher der Deutschen Dolkspartei Kritik, dem er vorhielt, daß, wenn er bis zum Ende in der Kommission mitgearbeitet hätte, er zu dem gleichen
„Es hat Sie gewurmt! Haben Sie in diesem Groll sich vorgenommen, ihn zu bestrafen, sich an ihm z rächen?"
„3d) hab'» ihm sagen wollen!"
„Man könnte annehmen, Sie hätten vielleicht in dem begreiflichen Aerger unterwegs beschlossen, jetzt endlich einmal mit chm abzuredmen, sich ihn vom Halse zu schaffen, ihn aus der Wett zu räumen. Haben Sie derartige Gedanken gehabt unterwegs?"
„Nein!" sagte der Angeklagte wieder und fügte hn Ton der Ueberzeugung bei rote früher: „Er war ja mein Freund!"
„Er war Ihr Freund — aber Sie wollten es ihm sagen! Wie wollten Sie es ihm denn sagen?"
„Ich wollte ihm sagen, daß er das nicht mehr tun darf, well ich es nicht dulde!"
„Konnten Sie beim nach all Ihren früheren Erfahrungen glauben, daß er auf solche Worte etwas gebet würde?"
„Er hat gewußt, daß ich auf meine Ehre nichts kommen laste!"
„Woher hat er das gewußt?"
„Wir haben schon einmal gerauft darum!"
„Ah! Sieh da! Das ist ja ganz neu! Ganz neu und natürlich sehr wichtig. Erzählen Sie doch, wie das war damals!"
„Nein!"
Der Angeklagte fchüttelle den Kopf und machte etr mürrisches Gesicht, als ob es ihn reue, daß er sich durch die Fragen zu der Bemerkung überhaupt hatte verleiten lasten.
„Aber warum wollen Sie es denn nicht erzählen? Es ist doch für Ihre Tat, für die Beurteilung Ihrer ganzen Handlungsweise von höchster Wichtigkeit. Haben Sie sich etwa zu fürchten dabei?"
„Nein!"
„Warum wollen Sie es denn nicht erzählen?"
„Weil es schlecht war von ihm!"
„Aber um so mehr müßten Sie es sagen! Das könnte doch ganz wesentlich zu Ihrer Entlastung dienen. Warum wollen Sie es denn nicht sagen, wenn es doch schon von Dorteil für Sie fein kann?"
Entschluß wie die Deutsche Dolkspartei hätte kommen müssen.
Sem Redner der Deutschen Dolkspartei folgte der Sprecher des Zenttums, der Abg. Herold- Dieser be. sprach zunächst die einzelnen Vorlagen und verwies im einzelnen auf die zahlreichen Verbesserungen, die unter führender Mitwirkung des Zentrums an den einzelnen Steueroorlagen vorgenommen worden sind. Glücklich und geschickt war die Abfertigung der Deutschnationalen durch den Abg. Herold. Wenn Helfferich einen Ausspruch Stegerwalds zitiert habe, wonach die Sozialdemokratie die Staatsnotwendigkeiten über die Agitation stellen muffen, so müsse derselbe Grundsatz auch für die deutschnationale Volkspartei gelten. Hier aber bestehe zwischen der Sozialdemokratie und den Deuffchnationalen ein sehr erheblicher Unter- schied. Die Sozialdemokratie arbeitet positiv mit, die Deutschnationalen aber bekennen sich zu einer trockenen Opposition und hätten tatsächlich die Agitation über die Staatsnotwendigkeiten gestellt. Sehr unangenehm schien den Deutschnationalen auch der Hinweis Herolds auf ihre inkonsequente Haltung zu En. Während sie in den Ausschüssen nach den eigenen orten Helfferichs eine Anzahl Verbesserungen erzielt hätten, hätten sie sich jetzt gegen das Mantelgesetz erklärt. Bei den Deutschnationalen schwieg man mäuschenstill, als Herr Herold die Frage aufwarf, ob sie bet ihrem „Nein" verharren würden, wenn sie wüßten, daß dadurch das ganze Steuerprogramm zu Fall gebracht und die Folge (ein würde, daß unser Vaterland dadurch in kürzester Zeit in den Abgrund gestoßen würde. Wenn die Deutschnationalen aber wüßten, und das würden sie nicht bestreiten wollen, daß wir Steuern brauchen, dann müßten sie auch die Verantwortung dafür mit übernehmen und nicht anderen das Odium allein aufladen. Aber die Dsutschnationalen glaubten eben parteipolitisch bessere Geschäfte machen zu können und wenn Dr. Helfferich dauernd sich befugt glaube, Kritik zu üben, so solle er doch endlich einmal zeigen, wie man es bester machen könne. Der Abg. Herold schloß seine wiederholt mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß es dem einmütigen und energischen Willen und der enffchlostenen Tatkraft des deutschen Volkes gelingen möge, in nicht allzuferner Zeit besseren Verhältnisfen entgegenzugehen.
lieber die Ausführungen des Unabhängigen Redners Henke ist nichts zu sagen. Der Bertagungsantrag der Kommunisten wurde in namentl. Abstimmung mit großer Mehrheit abgelehnt. Nachdem auch dieser Versuch der Kommunisten gescheitert war, wurde die Aussprache durch den Redner der Demokraten Dr. Fischer-Köln fortgesetzt. Auch er verteidigt das Steuerkompromiß aus ähnlichen Gründen wie die Abgg. Decker und Herold.
Zum Schluß wendet sich der Reichsfinanzminister 2». Hermes gegen den Abg. Bernstein und weist nach, daß die Besitzsteuern in Deutschland höher als in irgend einem anderen Lande sind.
Dann vertagt sich das Haus auf Samstag.
Ministerpräsident Braun
und das Eiserne Kreu$-
Durch die Darstellungen einiger Blätter ist dcr Eindruck erweckt worden, als ob der preußische präsidem Braun in der Mittwochdebatte des Reichstages über die Frage der Einstellung der wcrtersn B:r- Ltihung Eiserner Kreuze sich über dieses Ehrenzeichen m herabfetzender Mise geäußert hätte. (Aus _ unserem Bericht konnten allerdings eine smchr Lchllitzfo.gering nicht aezagen werden. D. R.) An der Hand des amt» sichen Stenogramms der Rede des MSnisterpräsiden« ten weist dcr amtliche preußische Pressedienst trarauf hin, daß Braun sich lediglich gegen die Bestrebungen wandte, den Termin für die weitere Verleihung Eiserner Kreuze abermals zu verlängern, nachdem durch Mmisterialbeschlüsfe bereits mehrere Male ein „letzter" und schlteßÄch „unwiderruflich letzter" Termin festgesetzt worden war.
Der Ministerpräsident erklärte, daß die militärischen Stellen, die jetzt schon Geheime Hofräte und andere Herren aus dem damaligen Hauptquartier und der Etappe zum Eisernen Kreuz 1. Klaffe vorgeschkage» hatten, mehr als genug Znit gehabt hatten, um die Frontkämpfer zu berücksichtigen, denen doch der Dorrmrg gebühre. Wolle man den Termin immer wieder verlängern, fo wäre das, nämlich disfe sehr eigenartige Handhabung der Verleihung, ein Poffenspiel, das er nickst mitmachen könne. Schm hieraus geht hervor, daß der Ministerpräsident gerade im Interesse! der Hochhaltung des Wertes dieses Ehrenzeichens für die wirklichen Frontkämpfer sich gegen Methoden gewandt hat, die das Ansehen des Eisernen Kvnizes schädigen können, ging auch noch besonders klar aus seinen weiteren Worten hervor, indem er sagte:
„Ich habe nut das eins Beispiel der BerleihunK des Eisernen Kreuzes I. Klasse an Leute, die in der ganzen Zeit im Hauptquartier im Warmen gesessen haben, erwähnt. Wenn ich materiell Stellung nehme» soll, so betrachte ich diese massenweise Verteilung von Eisernen Kreuzen auf Grund von Nachweisen und Behauptungen, die heute auf ihre Richtigkeit gar nicht; nachgeprüft werden können, als das bitterste Un- recht gegenüber denjenrgen, die es für hervorragende Kriegstaten berechtigterweise bekommen haben und auch gegenüber all denen, die schon der Grüne Rasen deckt oder die auf dem Grund deS Meeres ruhen."
In diesem Zusammenhang sei noch einmal darauf hingowiesen, daß die Verleihung von Eisernen Kvuizett an Kriegsgefangene, die erst fetzt zurückkchrei^ unabhängig von der Einstellung der sonstigen Verteilung weiter «folgt.
Preußischer Landtag.
Die Urbarmachung der Moore.
Sm Freitag beendete daS Hans zunächst die 2. Lesung deS HanderSetatS; die Abstimmungen hierüber sollen erst Dienvtag, den 28. März, vorgenommen werden.
Ein Entwurf, wonach die Gemeinden bis zur endgültigen Veranlagung der wiederkehrenden Gemeindesteuern und KanalisationS-ebühren für die Rechnungsjahre 1922 und 1923 berechtigt sein sollen, die für daS Vorjahr erhobenen Abgabebeträge vorläufig weiter zu erheben, und auf die endgültige Veranlagung anju» rechnen, wird in zweiter und dritter Lesung verab- schiedet, desgleichen ein Entwurf zur Ergänzung deS Gesetzes über die Erhebung von Zuschlägen zur Grunderwerbssteuer. Der Entwurf über die Bereitstellung von Staatsmitteln zur Ur barmachun g von staatlichen Mooren geht nach kurzer Aussprache an den SieolungSaurschuß. Hierbei wird ein sozialdemokratischer Antrag auf Vorlegung eines Moorschutz. gesetzeS angenommen.
Ein Antrag aus Aufhebung der Fideikommisse geht an einen Rechtsausschuß. Nachdem dann noch Adg. peters (Sog.) den AuSschußbericht zum Forstetat erstattet hat/ wird die Weiterberatung auf Samstag vertagt.
Und wieder kam die einzige Erklärung, die der An- geklagte für alles hatte, was feinem Empfinden zuwiderlief: „Er war mein Freund!"
„Gut! Wir kommen vielleicht ■ noch darauf zurück! Sie haben also schon einmal mtt ihm gerauft, weil er etwas Schlechtes getan hatte, das — wie ich wohl aus dem Zusammenhang schließen darf — gleichfalls Ihr Ehrgefühl verletzte. Wie fft es denn bei dem Geraufe zugegangen? Wer hat denn damals angegriffen?"
„Er!"
„Und wer hat gesiegt?"
U)ch!"
„Warum?"
„Weil ich stärker war!"
„Und was haben Sre ihm getan?'
„Ich hab' ihn in den Winkel geworfen!"
„Und dann? Dort im Winkel? Was haben Sie ihm da getan? Wie er wehrlos dalag?"
„Da hab' ich ihm meinen neuen Sonntagsanzug geschenkt!"
„Sie haben ihn nicht geschlagen?"
„Nein!"
„Warum?"
„Weil er mein Freund war!"
„Und nun diesmal? Erzählen Sie! Sie sind heimgekommen in Ihre gemeinsame Wohnung und wollten es chm sagen! Was fft geschehen? Wo war er?"
„Im Bett!"
„Aber so erzählen Sie doch! Es wäre mir viel lieber, wenn Sie das, was jetzt geschehen, selbst und zu. sammenhängend vorbringen würden. Ich möchte der Sach« nicht durch meine Fragen eine Färbung geben. Dollen Sie nicht sagen, was war?"
Der Angeklagte starrte dumpf vor sich hin. Dann warf er sich plötzlich auf die Lank und brach in schweres Weinen und Schluchzen aus.
„Muß doch ein recht erbärmlicher fiert gewesen sein, der andere", sagte Hofmann, den die ganz ungewohnten Dorgänge mächtig ergriffen, zu Selstermann, „einen graben Menschen so zugrunde richten, aus lauter Eigennutz!" —
Has -em besetzten Gebiet.
* linier feindlichem Joch. In Aachen erschien in der Technffchen Hochschule eint belgische Kommission mch beschlagnahmte im Physikalischen und Elektrotechnischen Institut und in der Aerodynamischen Abteilung alle Apparate, die zu Versuchen mit drahtloser Telegraphie gebraucht werten. Dadurch ist vorläufig ein Arbeiten mit Hochsreguentströmen und eleüdrischan Schwingungskreisen unmöglich geworden. Der Weit der beschlagnahmten Gegenstände wird auf über eine Million Mark geschätzt.
* Die rheinischen Jagden für alliierte Jagdgesellschaften. Don der Vesotzungsbehöide sind für die Ueberlaffung von deutschen Jagden im besetzten Gebiet an sogenannte alliierte Jagdgesellschaften genaue Bestimmungen erlassen worden. Danach sind alle staatlichen Jagden diesen Gesellschaften Vorbehalten. Beschwerden über diese Gesellschaften müssen an tüe deutschen Vsnwaltimgsstellen in Gemeinde und Kreis oder an die deuffchen Forst- und Jagd- jchutzstellon gerichtet werden. Es heißt, daß diese Destim- mutngen auf einer Regelung fußen, die in der Streitfrage getroffen wurde, ob dir Jagden zu Den Spott- oder de« Erholunigsgelegenheilen zu rechnen seien, die der Bttatzungs- arimee von Reichswegen zur Verfügung zu stellen- sind.
Selstermann wendete keinen Blick von dem Angeklagten. Mit halb offenem Munde und erregten Zügen starrte er auf ihn.
Lebhaftes Gemurmel ging durch den Saal. Die Zuhörer standen unter dem Sann des Eindrucks, den bas plötzliche Zusammenbrechen des bisher ruhigen, fast teilnahmslosen Mannes hervorrief. Allerlei halblaute Bemerkungen, Vermutungen und Auslegungen gingen in den Reihen hin und her.
Der Vorsitzende wartete geraume Zett, bis der Angeklagte wieder gefaßter schiem Das laute Aufstöhne« hatte nur kurz gebauert Dann war er wieder ruhiH geworden und hatte sich allmählich aufgerichtet.
„Sie haben ihn im Bett getroffen. Hat er ge-‘ schlafen?"
-Fest!-
„War er betrunken?"
„Er war abends immer betrunken
„Um Ihr Geld?"
Der Angeklagte schwieg.
„ifaben Sie ihn aufgeweckt?"
»2a!"
„Die?"
„An der Schulter!"
„Gerüttelt?"
„Ja!"
„Und bann? Was hat er getan? Las haben El» gesagt?"
„. . . Warum hast du mir die Zechschuld angehängt?"
„Und er?"
„Er ist aufgerumpett!"
„Aus dem Bett heraus?"
„’Rein! 2m Bett!"
„Und?"
„Und hat die Hocke genommen!"
„Diese Hacke da?" Der Vorsitzende hob vom Tffch eine gewaltige Eisenhacke mit kurzem Stiel, der gleich dem Werkzeug selbst über und über mit Blut bespritzt war-
Der Angeklagte nickte.
fgoUkÄuaa fckt.)