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Fuldaer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadl Fulda. ___

nr. 64.

tietamroonlid) Nir öen n-oauwnellen Teil' Dr. I. Kramer, u füt Vit Anzeigen: Z. Parzeiler-Fuida. s Rotationsvruä u. Verlag der Fuldaer rlctiendruckerei in Fulda, 'emipredjer Nr. 9- 'selegr.-Adrelse: Fu Idaer Aeitunq

Samstag, lS. iUärz |922.

Lezaaavreis: UMonoilid) 8.0J Ml. zugelteL frei ins Haus.

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Anzeigen Kleinzeile noch >ro an«' 1 Mk., auswärts 1.50Mk. üttigmtpi'f (Tennrttte' nach Colone maß 4 Mark.

49. Zahrg.

3m Leichen

Vie Verhandlungen im Reichstag.

Die Beratung der Steuervorlagen ist vorn Reichstag am Donnerstag in zweiter öefimg begonnen «sotten, nachdem das bekannte Kompromiß glücklich

Mtante gekommen war.

' Zuvor wurde der noch ausstehende Rest des Branntweinmonopols erledigt, aber auch dlesmol ging das nicht ohne Störung vor sich. Die Kommunisten, die bereits während der früheren Bera­tung durch fortgesetzte Anzweiflung der Beschlußfähig, feil des Hauses Obstruktion getrieben hatten, ließen sich bei der schwachen Besetzung des Hauscs zu Beginn der Setzung di« Gelegenheit nicht entgehen und die Sitzuntz mußte abgebrochen werden. Dir Kommunisten hatten sich aber einer Täuschung hmgegeben, wenn sie glaubten, daß das Haus wirklich nicht beschlußfähig feien. Denn zu Beginn der neuen Sitzung zeigte sich «ne verhältnismäßig starke Besetzung des Hauses und das Branntweinmonopol wurde ohne weitere Schwierigkeiten verabschiedet.

Sodann begann die zweite Lesung der Staueroor-

lagen mit dem sogen. Mantelgesetz. An düse schloß sich eine allgemeine Aussprache an, die vom Roichssmanzmimster Dr. Hermes eröffnet wurde. Sie Kommunisten und Unabhängigen scheinen Wert darauf zu legen, bei jeder Gelegenheit darzutun, daß sie für te einfachsten Begriffe des Anstandes kein Der- pändnis haben. So recht in der Art von Gassen­buben versuchten sie den Minister durch Zwischenrufe und Anspielungen auf die Weinangelegercheit zu stören. Ihr Bemühen scheiterte aber an der sicheren Haltung des Ministers, der sich durchaus nicht aus der Ruhe bringen ließ. In eingehender, sachlicher Art verbrei­tete sich der Minister über die einzelnen Steuervor­tagen und betonte, daß mit diesen Steuervorlagen an die äußerste Grenze der Belastung Deutschlands gegangen ist, daß durch die Steuer- gesetze die Gesinnung unseres Wirtschaftslebens nicht gefährdet w:rden dürfe und dies Ziel fei erreicht. Die neuen großen B e s i tz ste u e r n können erst 1923 ver­anlagt werten, während die übrigen Steuern, die le­diglich Erhöhungen oorsehen, sofort durchgsführt wer- den können. Die Zwangsanloihe wird in aller­nächster Zeit durch ein besonderes Gesetz sichergestellt Verben. Bon Wichtigkeit war das Zugeständnis des Ministers, daß die Luxus st euer binnen brrzem rmrUmgestaltung unterzogen wird.

Abschließend ging der Minister auf das schwierige krMem der Entwertung des deutschen Gel- beb ein und verwies mit Recht daraus, -daß eine Des- ferung des Markkurses nur von außen her und durch rmr vernünftige Begrenzung der Leistungen Deutsch- « <ms dem Friedensoertrag erfolgen könne. Die Ausführungen des Ministers fanden bei der üüerwie- Senden Mehrheü des Hauses wiederholt starken Beifall. Nur die äußerste LmSe verfiel wieder in ihren Gassen- jungenton.

Nach dem Minister sprach der Sozialdemokrat Bern- Pern, der ausführte, daß die Zustimmung zu den Steuersätzen der Sozialdemokratie nicht leicht gewor­den sei, daß aber jeder, der die Beranwortung trage, dm Notwendigkeiten Rechnung tragen müsse. Unend- kiche Lasten würden dem deutschen Volke auferlegt, aber sie müßten getragen werden, wenn nicht durch den Zu­sammenbruch weit größere Lasten geschaffen werden sollen. Im weitere rechtfertigte er die Haltung der sozialdemokratischen Fraktion und es muß anerkannt werden, daß die Sozialdemokratie sich durch die viel­fachen Versuche von links her von dem Boden fach- sicher Mitarbeit nicht hat abbringen lassen. Er orKürte

auch, daß die Sozialdemokratie es ablchne, eine Krifen- PÄiiik zu treiben und eine Auflösung des Reichstages

Grotzkaufmann Selstermann.

Don Wilhelm Herbert, München.

62] -----------

12. Kapitel.

Der Schwurgerichtssaal war schnell, nachdem er ge- vfsnet worden, bis an die Grenze des Zulässigen von Einem neugierigen Publikum gefüllt.

Der Fall, mit dem die Sitzungsperiode begann, fiel J lehr aus dem Gewöhnlichen, daß er nicht nur die *reik beschäftigte, aus denen sich gewöhnlich die Zu- hörerschaft bildete. Die Eigenart des Schicksals, das hier ä"r Erörterung kommen sollte, hatte auch viele ange» Sogen, die tiefer in den Gedankengängen der Großstadt- Enenschen zu schürfen wußten. Eine Reihe von Perso- tte?:.bie sich mit psychologischen Fragen befaßten, waren erschienen und warteten mit gespanntem Jnteresie der Enthüllungen aus dem Seelenleben zweier Menschen, deren Freundschaft ebenso seltsam gewesen, wie das End-, das fieahm.

Alfred und Gretchen waren durch Dr. Weiß mit «arten versehen worden, die es ihnen ermöglichten, auf B*er <D°rbm^ten Bänke des geräumigen und feier ä)sn Saales Platz 3u nehmen, der mit seiner düsteren vpatherbststimmung f0 ted)t 3U bcn Dorgängen paßte, heute die Geschworenen beschäftigen sollte.

Die Geschworenen Ratten sich frühzeitig eingefunden ^arr*erl auf den Eintritt des Kollegiums rechtsge- I ."Mer Richter, vor dem die Bildung der für heute be« Ernten Geschworenenbank erfolgen sollte.

$un führte man zwischen zwei Schutzleuten den Kn» r^ten herein, einen Mann von herkulischen Körprr- ^wltniffen. Zu seiner Große und seiner wuchtigen ^frialt stand ü,c Gebrochenheit, mit der er den Saal b in einem seltsamen Gegensatz. Es hätte kaum

Bewachung bedurft, die ihn umgab. Wie ein bi.°5n®anöelnber, den Kopf tief gesenkt, wankte er auf

Anklagebank zu >md nahm teilnahmslos dort Pi- jj1 Auge erhob sich nicht vom Boden, und als nun smJU9enöl$e Verteidiger eintrat und ihn begrüßte, ^dvltete er kaum mit einem unmerklichen Nicken, j

der Steuern.

ferboizuführen. Nach dem Abg. Bernstein sprach der bg. Hefferich von den Deutschnationalen. S>etne lllusführungen fanden zunächst einige Aufmerksamkeit im Hause, die aber sehr bald nochließ, da Herr Hölsse- rich sich in einem rein oppositionellen Standpunkt aus gchalkne Kritik der Steuervor- lagen erging. Sein Bemühen, die ablehnende Haltung feiner politischen Freunde den Stsuervortagen gegen« iiber zu rechtfertigen, war recht gezwungen. Er er­klärte, wenn die Dsuilschnationalen das Steuerkompro­miß ablehnten, so geschehe das einfach deshalb, weil das Ergebnis der KompromißverhanLlMMn gewissen Forderungen der Parteipolittk und der Kompromiß- Politik angrpaßt sei, die mit der Sache selbst nichts zu tun habe.

Ganz abgesehen davon, daß diese Behauptung des Herrn Halfferich völlig abwegig ist, erscheint die vor- gchliche Sachlichkeit des Herrn Hslsferrch und seiner Freunde durch ferne eigenen Warte m einem recht zweifelhaften Lichte. Nach der Rede Helfferichs wur­den die Brrhcmdluvigen abgebrochen und auf Freitag

Die neuen direkten Steuern

haben in der zweiten Lesimg im Ausschuß zum Teil nicht unwesentliche Abänderungen erfahren.

Bon den 7 Entwürfen, die dem 11. Ausschuß des Reichstages Vorlagen, sind 6 übrig gcblfcten. Das Vermögens st euergefetz ist dahin abgeänderi worden, daß eine andere Tcütifiierung der Steuer­sätze vorgenommen wordM ist. Statt bei 500 000 Mk. beginnt die Steuer bei 250 000 Mark mit 1 vom Taus. Die Steuer steigt bis 10 v. Tausend bei Vermögen über 10 Millionen Mark. Auch bezüglich der Bewertungs- vorfchriften sind eisige Derbessenmgen vorgenommen. So wurde beftimati, daß bei der Ermittlung tes nachhattigen (Ertrages im Sinne der Reichsabgabeord­nung nicht schlechthin, sondern mirinsbesondere" der Ertrag der letzten drei Lahre zu berücksichtigen ist, eine Bestimmung, die die DerücksichtiMng besonderer Um­stände namentlich bei der Landwirtschaft gestattet. Fer­ner wurde beschlossen, Kunstgegenstände und Kunst- sammlungen, die vor dem Kriege angeschafft sind, frei» zulassen, biß während des Krieges oder nach ihm ge­sammelten nur daun zur Steuer heranzuziehen, wenn der einzelne Gegenstand einen Sktt von mmtesbrns 20 000 Mark und die Sammlung von 200 000 Mark hak.

Auch bei der Bermögenszuwachssteuer sind- ehnigi2 Abänltevungcn vorgenommen, die sich auf Sticher Linie bewegen, wie die beim Vermögenssteuer- gesetz. Beim Körperschafts st euergesetz wunde auf Antrag des Zentrums die Verbesserung beschlossen, daß Sparkassen, soweit sie sich auf den eigentlichen Sparverkehr beschränkten und gemeinnützige kommunale Kreditanstalten steuerfrei bleiten sollen. Ferner wurde eine Befreiüngsoorschrift eingefügt für die Zentralge­nossenschaften und neue Bestimmungen über gegenseitige Anrechnung der Einkommen- und Körperschaftssteuer.

DasUmfatz st euergesetz. hat wichtige Aendr- mngen nuht erfahren, abgesehen davon, daß ihm rück- wirkende Straft ofo 1. Januar d. 3. gegeben werden soll. Es wird sich fragen, ob es bei dieser Rückwirkung bei der Beschlußfassung im Plenum des Reichstages Mei» bcn wird.

Vsim Kapital verkehrt st euergesetz ist die Verbessrerung angebrallst, daß Dankunternehmun- gen des Reiches, der Länder und Gemeinden von der Gefellfchaftssteuer bereit find, wenn ihr Zweck ein ausschließlich gemeinnütziger ist. Die Gewerb«- anschaffungssteuer ist ans dem Gesetz gestri­chen worden. Das Vers ich« rungssteuergesetz hat wesentliche Abänderungen nicht erfahren.

nach dem er wieder gleichartig da saß und nicht be­achtete, was um ihn vorging.

Auch die Person des Verteidigers, der nur wenigen bekannt war, rief lebhaftes Jnteresie hervor. Es wir keiner der bekannten Kriminalisten, die man sonst hier zu sehen pflegte, besonders, wenn es sich um eine: außergewöhnlichen Fall handelte. Man Hörle in der Reihen der anwesenden Juristen, daß es ein jurwe Anwalt war, der heute seine Jungfernrede halten sollte., Die Kritik ba und dort unter den Zuhörern war., sofort bereit, es zu tadeln, daß man zu dem schwierigen Fall nicht einen gewiegten Verteidiger gerufen hatte, dem die ganze Szene etwas Altgewohntes war. Andere lobten es wieder, daß man gerade heute eine junge Kraft zu Worte kommen ließ, von deren erstem Eifer mancher ein ganz besonderes Interesse erwartete.

Dr. Weiß hatte nur einen kurzen grüßenden Blick mit den Geschwistern im Zuhörerraum gewechselt. Dann suchte sein Ange unter den Geschworenen. Er nahm mit Befriedigung wahr, daß Selstermanns hochragende Gestalt sich unter den Richtern aus dem Volke befand, an Größe der Erscheinung nur noch von Schreiner- meister Hofmann überragt, der gleichfalls für diese Pe­riode zu den berufenen Geschworenen gehörte.

Selstermann war von einer starken inneren Unruhe befallen, die er nur mühsam äußerlich beherrschte. Die schwere eichene Gewölbedecke schien auf ihn niederzu­lasten und seine Stimmung wurde nicht freier, als er bei einem raschen Blick in den Zuhörerraum seine' bei­den Kinder dort sah. Es war ihm gewesen, als liege in dem Blick seiner Tochter ein stummer, aber beredter Borwurf, daß er es gewagt, hierher zu kommen und mit dem eigenen schuldbeladenen Gewißen sich alsRichter über die Handlungen eines andern auszuwerfen, in des- sen Erlebnissen so viel Verwandtes mit dem zu finden war, was in seinem eigenen Haus und in seiner eigenen Seele oorgegangen.

Jetzt trat das Richterkollegium ein.

Der 2Inr«:t!agte erhob sich auf Geheiß der Schutz­leute, nahm aber auf einen Wink des Vorsitzenden als- bald misder Platz, ohne nun mehr Jnteresie an den | Geschehnissen zu nehmen als vorher.

WMklAlMI Ofrt ßMWMMlW.

Die gefährliche Polizei.

Die interalliierte Militärkontrollkommission hat unter dem 27. Februar in einer Note an bis Reichsregierung den Erlaß von Anordnungen an die einzelnen deutschen Länder bis zum 15. März verlangt, durch welche die Ordnungspolizei den Forderungen der Kommisiion entsprechend um- organisiert werden sollte.

Diese Forderungen sind in der Hauptsache die fogenden: 1. Beschränkung der staatlichen Polizei auf den im Jahre 1912 vorhanden gewesenen Stand, 2. Beseitigung der Nachrichten- und Kraft­fahrformationen, der Luftfahrtüderwachungsabtei- lungen und aller anderen sogenanntenfesten Ver­bände" (Hundertschaften), 3. Ueberführung der da­durch frei werdenden Mannschaften in den Einzel- dienst und entsprechende Aufhebung der jetzt für einen Teil der Polizei eingeführten Kaser« nierung.

Die Reichsregierung hat sich sofort mit den Re­gierungen der Länder ins Benehmen gesetzt und auf Grund dieser Verhandlungen am 15 März eine umfassende Antwortnote an die Kontrollkom« Mission gerichtet. In dieser Note sind zunächst die Verpflichtungen zusammengestellt, die Deutschland hinsichtlich der DrbnungspoItRei durch die Note von Döulogne vom 22. Juni 1920, durch die Pariser Beschlüsse vom 20. Januar 1921 tn Verbindung mit dem Londoner Ultimatum und durch die zu beiden Entscheidungen erlassenen Ausführungsbe- stimmungen der Kontrollkommission auferlegt wur­den. Im zweiten Teil der Note ist eingehend bar­gelegt, baß unb in welcher Weise diesen Verpflich­tungen in allen deutschen Ländern Rechnung ge­tragen wurde und in dem letzten Teil wirb auf bie Deanstanbungen eingegangen, bi« bie Kontroll­kommission trotz dieser Erfüllung aller, Verpflich­tungen gegen die Organisation der Polizei erhebt.

Zum Schluß betont bie Note erneut den festen Willen der Reichsregierung, an der bisher von ihr gehandhabten loyalen E r f ü l l u n gs p o l i t i k festzuhalten unb macht eine Reihe Vorschläge, die im wesentlichsten dahingehen, von einer weiteren Verstaatlichung nur im beschränkten Umfangs und nach vorheriger Verständigung mit der Kommis­sion Gebrauch zu machen, bie Zahl ber festen Der- bänbe innerhalb des Seutfdjen Reiches erheblich zu verrninbern, die Kasernierung entsprechend einzu» schränken, sämtliche Nachrichten- unb Kraftfahrfor» mationen sowie die Luftfahrtüberwachungsabtei­lungen aufzulösen, das aus Heeresbeständen stam- menbe ober militärischen Typen gleichstehenbe Nachrichtengerät abzugeben, bie zentral geleiteten Depots ber einzelnen Länder abzuschaffen mb bie jetzige Uniform ber Schutzpolizei nach dem D^r- brauch ber vorhandenen Bestände in einer Weise abzuändern, daß sie zur feldmäßigen Verwendung ungeeignet ist.

Es ist zu hoffen, daß dieses Entgegenkommen bis an bie Grenze des Möglichen bie Entente von der loyalen Politik des Reiches überzeugt und von weiteren Anforderungen abhält.

preußischer Landtag.

Das ForlbildungS chulwese«.

Man setzte am Donnerstag bie Beratung des Handelsetais beim AbschnittVerkehrswesen" fort. Handelsrninister Sier Ina gibt zunächst der For- derung Ausdruck, daß alle Verkehrsmittel in der Hand des Staates bleiben müßten. Die berechtigten Klagen über die Wagengestellung der Eisenbahn erkennt er an. Was das Streikrecht betrifft, so haben es zweifellos die Arbeiter und Angestellten. Nach Artikel 159 der Reichs« Verfassung haben es die Beamten aber nicht. Sie haben nur bas Ävalitionsrecht. Der Minister geht dann auf

eine Anzahl in der Debatte vorgebrachte Einzelheiten ein über bie Verwaltung der Duisburger und Emden-, Häsen und über den Ausbau einiger Kanals. Dem Vorgänger im Amt, der demokratische Abg. Fifchoeck, gibt noch einige Ergänzungen in der Frage des Dws- burger Hafens. _ , _ ., , _

Man wendet sich dann dem nächsten KapitelGe­werbliches Ünterrichtswesen" zu. Es entspinnt «ich hier­bei eine längere Debatte über Fortbildungsschulwesen.

Dabei begrüßt u. a. Dbg. vennen (Ztr.) bie Auf. wärtsentwicklung des gewerblichen Schulwesens tm letzten Jahre. Die Unterstellung dieser Schule unter das Ministerium für Handel und Gewerbe habe seyt günstig gewirkt. Die Berufsschule dürfe nicht als em« reine Fachschule aufgefaßt werden. Ihre er$t ehe rische Aufgabe müßte bei der Auswahl ber Lehr­kräfte besonders berücksichtigt werben. Es mühte vrr- hinbert werben, baß bas Kultusministerium burch be« fonbere Kunstgewerbeschulen den Anstalten des Handele- und Gewerbeministeriums gewissermaßen Konkurrenz macht

Man vertagt schließlich die Weiterberatung des Etat/ auf Freitag.

Kns dem besetzten Gebiet.

* Franzosen als Nachfolger ber Amerikaner. Wie in Koblenz verlautet, erfolgt mmmehr im Lause des Mo­nats April die Besetzung mehrerer Moselstäble durch stvryb'ijchr Truppen. Zwischen dem Befehlshaber der ameiikviiifchen Streitkräfte am Rhein und General De- go-utte haben am Samstag Besprechungen über die neuen Besetzungen stattgefunden.

Das Krleg5qtrid}tsttrfeil gegen bie ©rgonifation Kenful. Das Urteil 0eS Düsseldorfer Krie s -erichtS gegen die Mitglieder der Or anifation Konsul ist, der ,Bergisch-Märkischen ZeitunV zu olge, von der inter­alliierten Rheinlands ommisfton nicht bestätigt worden. Fünf der Verurteilten, die eine Strafe von einem Jahr Gefängnis -erhalten hatten, ist bie Strafe erlassen worden. Sie find aber au5 dem Gebiet des Brückenkopfes von Düsieldorf auzgewiefen worden. ES wird erwartet, daß auch die übrigen Verurteilten ent­lassen und ausgewiesen werden.

WittschüftsfrageK.

Bei ber Beratung des Etats für daS Reichswirt- schaslsministerium im Haushaitsausschuß deS Reichs­tages wurden die gegenwärtig besonders aktuellen WirtschaftSfragen besprochen. Hebet die wichiigste aller Fragen, die Kohienmarkllage, sprach der Zentrum-obg. Klöckner und berührte habet die jüngste,. Kohlenpieiserhöbungeri, die sich defemntlich zusammenfetzen aus einem Betrag für dir E> Höhung der Sergarbeitetlöbne und einem weiteren Zuschlag für die Verbesserung der Betrtebsanlaaen auf den Zechen. So sehr er bie nachteiligen Folgen dieser Erhöhung für die Bevölkerung und das weiier ber- a>beitende Gewerbe beklagt, so richtig hielt er die Berücksichligung der gewaltigen Ausgaben für die Erneuerung und Verbesserung der Werksanlagen. Redner führte aaS, daß die Produktion auf den Zechen mit Rücksicht auf die große Kohlennot mit allen Mitteln gefördert werden müsse. Jnfolge- desien muß der Bau von Arbeiterwohnungen, ber augenblicklich allem die Förderung beeinflussen kann, in einem schnelleren Tempo betrieben werden. Des weheren macht sich der Ausbau unb die Neu­errichtung von Koksereren Dringen) notwendig Die Entente bat in Der Forderung der Reparatwnskohlen Freiheit in den abzuberujenSen Sotten. Sie Be­fürchtung liegt vor, daß später wesentlich größere Mengen Koks gefordert werden, bie unseren Hoch­öfen in Abzug gebracht werden müssen. Ilm alsdann nicht gezwungen zu fein, deut che Hochöfen anszu- blaien, muß rechtzeitig auf eine Erweiterung unserer Koksbasis durch Reuerrichlung von Kokserelen hinge, Wirkt Werden.

_ Der ZentrumSabg. Ersing sprach iiber die gegen toärrig über unser Land hingehende gewaltige Teuerung, die in ollen Schichten der Bevölkerung Erregung auslöst. Er m inte mit Preisprufungs-

Die Geschworenenbank wurde gebildet. Als S-lstrr« manns Namen genannt wurde, gab es den beiden Rin« bern des Kaufmanns einen Ruck. Sie sahen gespannt nach dem Vater, ber dem Aufruf mit klarer Stimme antwortete unb ruhig und aufrecht bie Stufen zur Ge­schworenenbank emporftieg und an dem ihm bestimmten Orte Platz nahm. Das Schicksal, bas gar oft im Leben bie Rosten bramatischer verteilt, als es die raffinier­teste Absicht bewerkstelligen könnte, wollte es so, daß der nächste Platz neben Selstermann dem Schreiner­meister Hofmann zufiel.

Gretchen fah mit Erstaunen und seltsamer Bewegung das Spiel des Zufalls, in dem sie selbst aber weit mehr zu erblicken gewillt war.

Der Gerichtsfchreiber hatte den Eröffnungsbeschluh verlesen, der die Anschuldigung enthielt. Das Verhör begann.

Angeklagter, stehen Sie auf! sagte ber Vorsitzende. Der Gefangene erhob sich langsam und mübe.

Mair stellte seine Personalien fest. Dann fragte der RichterWollen Sie auf bie Anklage erwidern?

Erst auf ein paar leise Flüsterworte des neben ihm sitzenden Schutzmannes schien ber Mann auf der An­klagebank zu verstehen, worum es sich handelte.

Er antwortete mit einer sonderbar hohen und leisen Stimme:3a!

Haben Sie Ihren Freund getötet?

3a!

Die Antwort rief unter dem Publikum ein lebhaftes Gemurmel hervor.

Warum haben Sie ihn denn getötet?"

3ch weiß es nicht er war mein bester Freund!

Die eigentümliche, fast schwärmerische Betonung, mit ber die letzten Worte gesprochen wurden, erweckte wieder «in verwundertes Raunen im Zuhörerraum.

Nun, sagte der Vorsitzende,so lassen Sie uns das Einzelne besprechen!

Er schilderte aus den Akten den Lebensgang beider wie sie schon in der Schule nebenenanber gesessen wie es ber anbere schon damals verstanden hatte, sich bcn Fleiß des Emsigeren zu Nutze zu machen wie ihre Freundschaft dann in den Lehrlingsjahren enger

und enger geworden war. Wie der Angeklagte mit Er­folg vorwärts strebte unb gerade bas Gegenteil bei bem zweifelsohne viel begabteren, aber desto fauleren Ka­meraden der Fall gewesen war. Wie der regellos von hier nach dort kam und überall wieder ausgeftetU wurde. Wie der Angeklagte die ersten verdienten Gro­schen mit ihm teilte. Wie er später als Geselle bereits vollkommen unter ber geistigen Herrschaft bes Freundes stand, der dessen Wochenverdienst vergeudete, so daß ber Angeklagte selbst oft hungern mußte. Wie bann bas bie 3ahre hin so fort ging unb den Charakter einer immer deutlicher und schamloser auftretenben Aus­beutung annahm.

Ist das wahr?" fragte der Vorsitzende immer wie­der.

Ganz gleichmäßig antwortete der Angeklagte mit Ja!" und versäumte fast niemals beizusetzen:Er war mein Freund!"

Aber genügte Ihnen denn da, Gefühl der Freunb- schaft?" fragte der Richter,um all das für selbstver­ständlich zu halten, was Sie sich da gefallen ließen? Sagten Sie sich denn gar nicht, daß die Betätigung die­ser Freundschaft doch eine höchst einseitige war, bah bie Opfer, bie gebracht wurden, doch Ihnen ganz allein auferlegt waren? Haben Sie, ber Ste doch schließlich diese grauenhafte Tat begingen, denn vorher gar nie daran gedacht, sich in zulässiger gesetzlicher Weise gegen eine solche Ausbeutung zu wehren?"

Rein!" sagte der Angeklagte und sah oerrounbert zum Gerichtstische auf.Er war ja mein Freund!"

Der Vorsitzende lächelte etwas ungeduldig.Gewiß-. Sie haben ihn sicher immer als Ihren Freund betrachtet und behandelt, wenn auch er dieser Freundschaft eine ganz selbstsüchtige Auslegung gab. Aber es hat doch im Leben unter vernünftigen Menschen auch die wärmste Freundschaft ein Ziel unb eine Grenze m dem eigenen Anspruch auf Existenz. Sie hätten ihm doch den Stand­punkt einmal klar machen müssen ober Sie hätten auf der andern Seite nicht um eine verhältnismäßig geringe Sache pötzlich fo über alle Erwartung empfind- (ich fein dürfen'