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uld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 53.

Verantwortlich für den reüauionellen Teil' Dr. I. Kramer. - für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. :: Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda- ?ierniprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung.

Sonntag, 5. Hlärz 1922*

49. Zahrg.

Bewasoreis: Monatlich 8.00 Ml. zugestellt frei ins Haus. - AbgehoU in der Geschäftsstelle 7,50 2RL -4 Äuzeiaen: Kleinzeile nach Colonel IM; auswärts 1.50M. Reklamezeile (Teftbrette) nach Lolone'maß 4 Mark.

Das Wohnungsproblem.

Das Reichsmietengeseh für vier Jahre angenommen.

Die Vorkriegszeit hat das Problem fcer Wohmmgs- not nicht gekannt. Die Politik von heute ist mit dieser schwierigen Frage, in der schroffe Interessengegensätze vorhanden sind, cmfs schwerste belastet. Es muß ein Ausgleich gefunden werden. Deshalb ist es Pflicht stDes vernünftigen Staatsbürgers, mit Ruhe u. ohne Leidenschaft diese Angelegenheit zu beurteilen. Das Reichsmietengesetz, das am Freitag im Reichs­tag angenommen morden ist, darf nicht auch noch ein neuer Zankapfel werden, an dem sich die Parteien erhitzen.

Seit Wochen hat der Kampf um das Reichsmieten- Sefetz gewährt. Er wurde mit besonderer Schärfe ge- fichrt, wie wenn hier unwiderruflich und für alle Ewig­keit entschieden würde, ob im Wohnungswesen freie Wirtschaft oder Sozialisierung herrschen joll. Diese prinzipielle Frage soll das Gesetz aber gar nicht lösen. Es handelt sich jetzt nur darum, den Zu­stand ,der sich bisher auf Grund des Krieges und der Nachkriegszeit tatsächlich entwickelt hat, so weiter- zubilden, daß die wichtigsten Aufgaben gelöst werden können, die uns die Wohnungswirtschaft heute stellt: das sind der Bau neuer Wohnungen und die Erhaltung der vorhandenen Gebäude. Beides tarnt man heute nicht mit der freien Wirtschaft erreichen. Die Baukosten sind heute auf das zwanzig- fache der Friedenspreise gestiegen. Es ist aber heute söllig unmöglich, die Mieten ebenfalls auf das zwanzig­fache zu steigern. Aber selbst, wenn eine solche Stei­gerung durchgesetzt werden könnte, so kann heute nie­mand sagen, wie lange sich in künftigen Jahren der- irtige Mieden aufrecht erhalten lassen, wenn sich etwas unsere Währung wieder bessert . Daher würde sich dem Privatkapital keine Sicherheit für dauernde Verzinsung bieten. Die Voraussetzung für eine private Bautätig­keit wäre also nicht gegabon. Das Beispiel Nordameri­kas, tw es keine Wohnungszwangswirtschaft gibt, wo im Gegensatz zu uns Kapitalübersluß herrscht, und wo trotzdem 1919 und 1920 kaum neue Wohnungen ge­baut wurden, zeigt zur Genüge; nicht die Zwangswirt­schaft, wie immer behauptet wird, sondern die völlige Unsicherheit der künftigen Preisge- Haltung hindert den Neubau von Wohnungen auf «rivatwirtschaftlicher Grundlage.

Für die Wohnungspolitik scheidet dcher heute die tote Wirtschaft aus. Man muß vielmehr die Mieten *o regeln, daß sie dem Hausbesitzer auf jeden Fall seine Selbstkosten angemessen decken. ©omeit aber darüber hinaus die Mieten nach der allgemeinen wirtschaftlichen Lage gesteigert werden können, kann diese ßtergierung nicht ohne weiteres dem Hausbesitz zu- siießen, sondern muß im Steuerwege erfaßt und zu Baukostenbeihilfen für Neubauten verwendet werden. Tatsächlich herrscht über diese Grundlage nahe­zu Einstimmigkeit. Auch die Vertreter des Hausbesitzes im vorläufigen Reichswirtschaftsrat und im Reichstage haben ausdrücklich anerkannt, daß man heute die freie Wirtschaft int Wohnungswesen nicht wieder zulassen könne und daß auch weiterhin die Mieten behördlich Seregelt werden müssen.

Erkennt man dies an, so kann es sich also nur darum handeln, einen gerechten Ausgleich zu finden zwischen den Interessen der Vermieter und der Mieter. Diesen gerechten Ausgleich soll das Gesetz bringen. Für beide Teile wird die bisherige Lage verbessert und auch vte Gesamcheit wird dabei gewinnen. Dies gilt vor Erm von der Aufbringung der Reparatur- f o st e n. Daß unsere Häuser, dieser wertvolle Bestand- teu unseres Nationalvermögens, nicht verfallen, liegt so-

Grotzkaufmann selstermann.

421 Don Wilhelm Herbert, München.

. hatte längere Zeit zu tun, als er heitti-

tam alle diese Briefe zu lesen.

Der Bürodiener, der dabei ein paarmal aus- und unh ft' beobachtete ihn in feiner verschlagenen Weise ti nh- । e ^nn draußen den Kopf mit einem der ge- „ etl Leute zusammen, der sich seit der Absage im- ausstellte^ °lS ein mißgünstiger, hetzerischer Patron her-

Alte pfeift arg!" flüsterte der Diener. „Es faule>» k b'ck eingehen! Die Geschuhte wird immer

! 5 ^“ fauler! Wenn Sie was finden und merken, Mick un*c,reiner mit unterkommen könnte, vergessen Sie oder $®nn hier, glaube ich, fliegt über kurz ooer lang die ganze Bude auf!" den Er'te ^uchhaller, der das Gewisper hörte und an delte fak11 werkte, daß es sich um Ausrichtereien han- und 'machte 2,'^^ .^ehn Sorten dazwischen ~ ucm Klatsch ein Ende..

, . , en sahen ihn aber mit grünen Blicken an ‘risch — Dinge, die früher nie oorgekom- mtn tcaren. ias Unheil fraß sich so bereits langsam b'e D- S'pim " ^nig ber

r^aUf fnfAe TrX “?b treue Teil der Angestellten sich auf solche Treibereien einließ

Nach Prüfung der Jorre[pX3 trat Selstermann zu seiner Tochter hinaus.

„Es herbstelt rasch!" sagte er mit bitterem Hohne. „Cine eilige Luft weht. Die Blüten der Freundschaft, so üppig sie einst ins Kraut geschossen, sind allesamt über Nacht erfroren. Nichts als uas „lebhafte" und „lebhaf­teste Bedauern", gerade „jetzt" und gerade „im "Augen- blick" leider nicht helfen zu können, ist übrig geblieben. Ich werde diesem ersten Ausflug ins ideale Land der Nächstenliebe nach dem Schnupfen, den ich mir dort geholt habe, keinen weiteren folgen lassen."

„Was gedenkst Du denn zu tun?"

„Ich wsrde es machen, Gretchen, wie der Kapitän, ber ein großes Leck un Schiff hat und mit ziemlicher

wohl im Interesse der Vermieter, wie in dem der Mie­ter. Aber auch Reich, Staut und Gemeinden, die wohl oder übel in der Not der letzten Jahre die Regelung des Wohnungswesens in di>e Hand nehmen mußten, müssen Wert darauf legen, daß die erhaltenen Wohnungen in gutem Zustande verbleibM.

Was bringt das Gesetz den Mietern? Es sichert sie vor ungemessenm Mietssteigerungen. Der Mieter soll jederzeit berechtigt sein, durch Erklärungen dem Vermieter die Berechnung des Mietzinses nach den Vorschriften des Gesetzes, die gesetzliche Miete durch­zusetzen. Diese gesetzliche Miete umfaßt neben der Frie­densmiete Zuschläge, welche erhöhten Aufwendungen des Hausbesitzers für Verwaltung und laufende Jnstand- setzungsarbeiten decken soll. Für große Reparaturen ist daneben ein besonderer Zuschlag vorgesehen. Dieser soll grundsätzlich nur dem einzelnen Haus und seinen Bewohnern zugute kommen. Die Gemeinden können aber auch Zuschläge zur Wohnungsabgabe einen beson- deren Ausgleichsfönds einrichten, aus welchen Beihilfen an wirtschaftlich Schwache gegeben werden können. Hierin iksoll gerade den Interessen der Minderbemittel­ten und kinderreichen Mieter und der kaPitalschwachen Hausbesitzer gedient werden. Die Reparaturzuschläge müssen natürlich ihrem Zweck wirklich zugeführt werden. Das ist in dem Gesetz fest gelegt und durch die Grund­sätze über die Mietervertretung weitergesick^rt. Das ist nicht mehr wie recht und billig: Wenn die Mieter, im Gegensatz zu früher, die Reparaturkosten unmittel- bar aufbringen mirfim, so muß ihnen dafür eine Ge­wehr geboten werden, daß die Häuser auch tatsächlich vor dem Verfall bewahrt bleiben.

Aber auch für den V e r m i e t e r bringt das Gesetz wesentliche Verbesserungen. Er ermöglicht es ihnen einmal auch bei langfristigen Mietverträgen die Miete nach den Vorschriften des Gesetzes zu steigern, während bisher Eingriffe in laufende Verträge nicht zulässig wa­ren. Bor allem aber sichert er ihnen ohne weiteres die fertigen Mittel, welche zur Vornahme der laufenden und großen Jnstandsatzungsarbeiten notwendig sind. Dies erfolgt durch Zuschläge zur Friedensmicte, welche von vornherein für einzelne Bezirke behördlich festgesetzt werden. Es bedarf also nicht erst eines besonderen um­ständlichen Verfahrens, wie es jetzt der § 10 der preußi­schen Höchstmietenvrdnung erfordert. Dem Hausbe­sitzer werden dadurch dir Mittel gegeben, um seilte wertvollen Vermögensobjekte mit Hilfe der Meter wieder instand zu setzen und dauernd instand zu halten.

Man sagte dem Entwürfe nach, daß er mittelstands- fcindlich sei, gerade das Gegenteil ist der Fall. Er sichert dem Hausbesitz eine Existenz, er schützt die große Menge von Kleinrentnern, Sozialrentnern, Beamten, Angestellten und Arbeiter vor übermäßigen Mietssteige- rungcn, und er sichert dem Baugemerbe und verwaMen Berufen für lange Zeit lohnende Beschäftigung bei den zu erwartienden Reparaturen.

Alles dies wäre vereitelt worden, wenn das Gesetz nicht zur Annahme gelangt wäre. Denn die bisher be­stehende Höchstmietenverordnung dringt weder den Ver­mietern noch den Mietern dis oben dargelegten Vorteile, und da sie die Aufbringung der Reparaturkosten an ein besonderes Verfahren knüpft, so war sie auch für die Bauhandwerker ungünstiger. Auch der Ausgleichfonds für große Instandfctzungsarbeiten konnte nicht gsfchaf- fsn werden. Alle Erwägungen von welchem Stand- MNkt man sie auch stellen mag, sprachen also für die Annahme des Gesetzes. Dieser Tatsache hat auch das Zentrum bei der Abstimmung Rechnung getragen.

Sicherheit damit rechnen muß, daß es untergeht, eh? er den Hafen erreicht. Ich werde auf ber Kommando­brücke stehen bleiben."

„Und mit untergehen? Baker!"

„Das habe ich allerdings nicht vor, Gretchen, mei­netwegen nicht und — ich sollte das eigentlich zuerst sagen — auch Euretwegen nicht! Im Gegenteil, ich will mit den Wellen ringen und raufen, wenn es einmal so weit ist, bis zum letzten Atemzug in der Hoffnung, vielleicht doch noch ein kleines, und wäre es noch je bescheidenes Eiland finden zu können, wo sich ein neues Leben aufbauen läßt!"

„Glaubst Du nicht, Vater, daß zu dem neuen Leben auch ein Mensch gehört?"

„Doch, doch, Gretchen, das glaube ich ganz entschie­den, aber" . . .

„Aber?"

„Aber über diese Erneuerung, d „ <cy, kann man feine unterschiedliche Anschauung haben!"

Damit drehte er sich weg und entschlüpfte ihr wieder. Sie blickte ihm traurig nach, wie er aus dem Zimmer ging und an fein Putt zurückkehrte.

Die Zwischentür war durch Zufall nur angelehnt geblieben und nicht geschlossen worden. So wurde sie Zeugin eines erregenden Vorfalls, der an eine häßliche Erinnerung aus ihrer Vergangenheit anknüpfte..

Bei Selstermann war mit leisem Klopfen ein Mann cingetreten, der seine demütige Haltung — mit der er draußen im Kontor an den einzelnen Herren vorbeige­schlüpft war, um nicht erkannt zu werden — hier in: Zimmer des Chefs rasch ablegte und in das Gegenteil verkehrte.

Er trat dicht an bas Pult heran, so daß der volle Lichtschimmer in sein scharfgeschnittenes, verkommenes, blasses Gesicht fiel.

„Sie kennen mich wohl noch?" sagte er frech und aufdringlich.

Selstermann sah ihn an. Es war der Bedienstete, der wegen Unehrlichkeiten seinerzeit hatte entlassen wer­den müssen und einige Zeit später einen unverschämten, aber — wie Gretchen damals beobachtet hatte — leider geglückten Erpressungsversuch verübt hatte

Sie hörte draußen den widerlichen Klang der Stimme und entsann sich sofort, wem sie angehörte. Denn der Vorfall damals hatte ein Wundmal in ihrem Innern zurückgelassen, das sofort wieder schmerzte, als sie den ersten Ton vernahm.

Einen Augenblick war sie versucht, an die Tür zu treten und sie geräuschvoll wieder zu schließen. Sie wollte nicht die Lauscherin spielen. Dann aber sagte sie sich, daß die Zeit und ihre Rolle gegenüber dem Va­ter eine solche war, daß sie um jede Gelegenheit förm­lich froh sein mußte, einen tieferen Blick in feine Ver­hältnisse zu tun und so ihm vielleicht eher in der Weise helfen zu können, wie sie nun einmal die einzige Mög­lichkeit der Hilfe auffaßte.

„Was wollen Sie denn?" hörte sie ihren Vater fra­gen." In feiner Stimme lag Widerwillen und Schrecken zugleich.

„Ich bin in einer sehr mißlichen Sage, Herr Selster­mann! Ich stehe direkt vor einer Wende in meinem Leben. Wenn ich dte Unterstützung nicht finde, die ich brauche, ist mir das Zuchthaus offen. Ich habe eine Dummheit gemacht aus Not, die nur sofort und mit einer bedeutenden Summe noch in ihren fatalen Folgen abgewendet werden kann. Ich brauche fünfhundert Mark auf die Hand!"

„Ne kann ich Ihnen nicht geben!“

„Ich weiß, ich weiß, Herr Selstermann. Sie sind eben auch in einer kleinen Verlegenheit — auch in einer Verlegenheit, die unter Umständen sehr unange­nehme Folgen zeitigen könnte . . . aber Sie werden gerade jetzt keine Lust hahen, diese Unannehmlichkeiten noch durch gewisse Dinge vermehrt zu sehen" . . .

„Welche Dinge?"

„Nun," sagte der Gauner mit kalter Stimme. „Wenn ich zum Beispiel reden würde" . . .

! Eine Pause trat ein. Sie schien Gretchen Ewig- j ketten zu währen. Unwillkürlich trat sie ein paar Schritte ' von ihrem Schreibtisch weg ins Zimmer hinein gegen i die Türe zu. Dort blieb sie stehen und hielt in ängst­licher Spannung den Federhalter am Munde.

„Mitt! Mut, Vater!" hätte sie gern gerufen. „Schüttle \ Dir den Blutsauger vom Halse! Habe endlich den Mut

Die Abstimmung im Reichstage.

Von unserem parlamentarischen Berichter st alter.

Nachdem man vor Beginn ber letzten kleinen Pause die dritte und die endgültige Beschlußfassung über das Reichsmietengesetz zurückgestellt hatte, entschied sich am Freitag das Geschick über jenen Gesetzentwurf, der wie kein zweiter unter dem Streit und Widerstreit ber Meinungen zu leiden hatte.

Das Haus war äußerst zahlreich versammelt; denn das Schicksal der Vorlage sollte nach dem Willen des Hauses durch namentliche Abstimmung entschieden werden. Aber auch die bis auf den letzten Platz gefüll. ten Tribünen bewiesen das große Jnteresie, das von weiten Kreisen dem Gesetz entgegengebracht wurde, sei es nun in der Form der Annahme oder Ablehnung.

Zu einer Debatte tarn es bei ber dritten Beratung im Plenum nicht mehr und man wird vielleicht sagen bür- fen: Gott sei Dank nicht mehr: denn sonst wäre bei der widerstreitenden Meinung der Parteien die Abstim- mung sicherlich am Freitag noch nicht erfolgt, weil man sich von neuem wieder in die Materie festgebissen hätte. So aber konnte der Präsident sofort zur Abstimmung über die zu den einzelnen Paragraphen vorliegenden Anträge schreiten. Es werden zunächst nur Anträge angenommen, die eine wesentliche Aenderung nicht be­deuten. Auch von Seiten des Zentrums liegt ein neuer Antrag vor; dieser zielle dahin, den gesamten Gesetzentwurf zu befristen. In seinem Wortlaut heißt es: „Das Gesetz tritt mit dem 1. Juli 1926 außer Kras t." Dieser Antrag Lange-Hegermann findet gegen die Stimmen der gesamten Linken An­nahme. Damit ist zweifellos von Seiten des Zentrums zum Ausdruck gebracht, daß man nach einer gereiften Zeit in eine Neuprüfung ber Verhältnisse einzutreten wünscht.

Der Endabstimmung wird non allen Seiten mit er­höhtem Interesse entgegengesehen. Denn man weiß, daß nicht alle Parteien geschlossen stimmen werden. So- wohl unter den Demokraten, wie auch im Zentrum selbst ist die Abstimmung nicht einheitlich. Auch der Reiche kanzler hatte im Plenum Platz genommen, um feine Stimme abzugeben. Nach längerer Zeit des Aus­zählens der abgegebenen Stimmen verkündet endlich der Präsident das Resultat. Es waren im ganzen 371 Stimmzettel abgegeben wert.": looen war, • n?r un­gültig, da er keinen Namen trug. 2b? Abgeordnete hat­ten sich für bas* Gesetz entschieden, 163 b • Vor - je ab« gelehnt. Das Resultat -u-o> stillschweige.-» ausgenom­men. Für den Entwurf stimmte ein Teil der Demokraten, ein Teil des- Zentrums und die gesamte Linke. Das Reichsmietengesetz ist also genehmigt wor­den. .

Danach setzte das Haus die Gtafsberahtng bet dem Kapitel Reichsschatzministerium und Ministerium für Wiederaufbau fort. Die Ausschußanlräge auf Vor­legung von Denkschriften über die Vereinfachng der Ver­waltung wurden angenommen. Der deutschnationale Antrag auf Auflösung des Reichsschatzministeriums am 1. April 1923 wurde abgelehnt. Der deutschnattonale Abg. Dr. wienbeck wendet sich gegen die Konkurrenz, die die „Deutschen Werke" dem Handwerk machen, und wünscht deren allmählichen Abbau. Der Sozialdemokrat Skucklen tritt ihm entgegen, ebenso meint auch Reichs­schatzminister Bauer, daß die „Deutschen Werke" dem Handwerk keine Konkurrenz machen.

Schließlich wird der Etat des R--ichsschatzministerimns gebilligt und man wendet sich dem Wiederaufbaumini­sterium zu. Hierbei verlangen sowohl ber Sozialdemo­krat Kiebmittcr wie ber Volksparteiler Dauch Beschleu- nigung der Auszahlung ber Entschädigungen für die Kolonial- und Ausländsdeutschen. Ein Regierungsver- treter sagt dies zu.

Man bricht schließlich die Beratung ab und vertagt sich auf Samstag.

Eine bevorstehende Novelle zum Rcichsmietengesetz.

Bei der 3. Beratung zum Neichsmietengesetz am Freitag sind eine Anzahl von Abänberungs» anträgen des Zentrums nicht zur Abstimniung gekommen. Dies lag daran, daß durch eine Ver­säumnis deS Neichstagsbüros die Drucksachen zu spät in die Hände des Präsidenten und des Hauses ge­langt sind. ______________________________

Es handelt sich um eine Reihe von Verbesse- rungsanträgen. So sollte beispielsweise in § 2 Ab­satz 4 folgender Zusatz eingefügt werden, daß, wenn in der Gemeinde am 1. Juli 1914 infolge starken Wohnungsüberschusses die Mieten außergewöhnlich niedrig waren, dieser Umstand bei Bemessung der Friedensmiete besonders berücksichtigt werden sollte. Im § 6 Abs. 1 sollte der zweite Satz folgende Fas- jung erhalten: Die oberste Landesbehörde kann an- ordnen, daß der Vermieter die sachgemäße Verwen- düng ber Gelder nachzuweisen hat." Wie wir er­fahren, wird das Zentrum Gelegenheit nehmen, diese Abänderungsanträge in Form einer Novelle zum Reichsmietengesetz dem Reichstag vorzulegen.

Sie Mimilm Her PMenteiMl.

In einer öffentlichen Versammlung der demokrati­schen Partei in Wes:! äußerte sich Reichstagsabgoorb- neter E r k e l en z zur Reichspräsidenlemoahl dahin, die Wahl menbe zur entscheidenden Kraftprobe zwischen Republik und Monarchie werden. Diesem Kampfe dürfe man nicht aus öcm Wege gehen, und dem müsse auch die Kandidatenaufftellung Rech­nung tragen.

Es dürfe nur zwei Kandidaten geben: einen republi- konischen und einen monarchistischen. Der republita- msche müsse so gewählt werden, daß er alle republika­nischen Stimmen auf sich vereinigen könne. Wenn etwa die Monarchisten einen Bewerber Wlfftellten, die Republikaner aber mehrere, dann könnte leicht ein Vertreter der Minderheit gewählt werden. Ob Präsi­dent Ebert, der im Laufe feiner Amtszeit erhebliche moralische Eroberungen gemacht habe, geneigt sei, er­neut zu kandidieren, steh; noch nicht fest.

In letzter Zeit sind wiederholt Mitteilungen durch die Presse gegangen, daß einzelne Parteien bereits be­stimmte Persönlichkeiten für die Wahl zum Reichsprä­sidenten aufftellen. Diese Mitteilungen sind vollstän­dig aus der Luft gegriffen. In und zwischen den Par­teien haben noch keinerlei Verhandlungen m dieser Frage stattgefunden.

Die Zwangsanleihe

ist seit einigen Tagen Gegenstand von allerhand Mit­teilungen, die durch die Presse gehen. U. a. wird vor ollem behauptet, daß die Reichsregierung bezw. das Reichsfinanzministerium beabsichtigt, die Ver­handlungen über die Zwangsanleihe in diesem Jahre nicht mehr vorzunehmen. Angeblich soll die endgültige Umlegung der Zwangsanleihe erst vorgenommen werden, wenn die Vermögensein­schätzung nach Iahresschluß vorgenommen ist.

Wie der „Vorwärts" mitteilt, wird die sozial­demokratische Reichstagsfraktion dahin wirken, daß mit Rücksicht auf den dringenden Geldbedarf des Reiches möglichst bald ein erheblicher Teil der Zwangsanleihe zur Einhebung gelangt und daß der Rest nach Fertigstellung der Einschätzung der Ver­mögen eingezogen wird. Die Voraussetzung zur Annahme des Gesetzes über die Zwangsanleihe wird, nie der „Vorwärts" weiter mitteilt, für die Sozial­demokratie die sein, daß festgesetzte Termine und be­stimmte Summen in Ansatz gebracht werden.

SEBie' uns von parlamentarischer Seite mitgeteilt wird, sind die Mitteilungen über eine beabsichtigte Hinauszögerung der Zwangsanleihe unbe­gründet. Ser Reichsfinanzmimster Dr. Hermes hat gelegentlich der Besprechungen über die Zwangs­anleihe ausdrücklich erklärt, daß die Veranlagung der Zwangsanleihe noch in diesem Jahre erfolgen muffe.

Im Anschluß an die Kabinettssitzuna am Freitag hat eine Besprechung des Reichskanzlers und b‘j Reichsministers Dr. He rmes mit den Führern der Wahrheit! Sage ihm, daß er nichts reissen, nichts enthüllen könne, was Du noch fürchtest, weil Du endlich die Furcht vor ber Wahrheit verloren hast!"

„Angenommen," sagte da braußen ihr Vater in einem Tone, aus bem sie sah, baß er schon wieder zu unterhandeln begann, „angenommen, Sie wüßten etwas, was mir schaden könnte, und Sie würden es sagen, was haben Sie denn davon in Ihrer eigenen Bedrängnis für einen Vorteil? Sie kämen ja, wenn Ihre Sache danach liegt, doch ins Zuchthaus! Obwohl ich glaube, daß ein so geschickter Mensch wie Sie" . . .

„Ach, Herr Selstermann," sagte ber andere mit kaltem Lachen. „Saften wir doch die gegenseitigen Komplimente und bleiben wir rein geschäftlich. Wir wissen beide gleich gut, daß auch die geschicktesten Men- schen dem ungeschicktesten Zeugen gegenüber nichts ma- chen können und ins Zuchthaus marschieren, wenn be­stimmte Tatsachen vorliegen" . . .

„Aber ich habe jetzt kein Geld" . . .

„Ich habe in den letzten Tagen hier in der Nähe herumgestanden, Herr Selstermann, und habe mir die Entwicklung der Dinge so von außen her, gewisser- maßen als Zaungast, ein bißchen mit angesehen, weil ich sonst nichts zu tun hatte und noch immer eine Art Anhänglichkeit an Ihr Haus besitze, wenn dieses auch meine Fähigketten und Dienste nicht so gewürdigt hat, wie sie es verdient hätten. Ich weiß aus dem, was ich da gehört und gesehen habe» daß Sie momentan ae­robe nicht auf Rosen gebettet sind. Aber fünfhundert Mark . . . fünfhundert Mark, um die Sie ein für alle­mal einen unangenehmen Posten los sind — denn ich schüttle dann den Staub von meinen Füßen — fünf­hundert Mark sind doch für bas Haus Selstermann eine solche Lappalie! Es müßte eine unheimliche, eine ver­heerende Wirkung tun, wenn ich draußen erzählen sollte, daß, mir eine glatte Forderung von fünfhundert Mark hier nicht mehr hätre honoriert werden können."

Jedes dieser höhnischen und drohenden Worte drang wie ein Dolchstich durch Gretchens Innerstes. Sie stand an ber Tür und hielt sich kaum noch, diese aufzureißen und mit ber ganzen Kraft ihrer Empörung zu rufen: .Hinaus, Elender! Hinaus!" (Forts, folgt.)