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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

fir. 50.

Verantwortlich für den ceomtlonellen Teil' Dr. I. Kramer- z für die Anzeigen: I. Parzelfer-Fulda. = Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adrrffe: Fu ldaer Zeitung.

Donnerstag, 2. Märr 1922.

Bezugspreis: Monatlich 8.0« IRL zugestellt frei ins Haus. - Adgeholt in der Geschäftsstelle 7,50 2RL z Anzeigen: Kleinzeile nachLownellML, auswärts 1.5OML Rrktamezeite (Textbreite) nach Coloneimaß 4 Mark.

49. Zahrg.

Sechs Wh eise halbe Miet* MM.

was Deutschland bisher bezahlt hat.

DerTemps" macht fotgerföe Angaben über die deutschen Zahlungen seit dem Waffen still­st and e:

Deutschland hat fett dem Waffenstillstände in runden Ziffern 9 bis 9Va Milliarden Gold- mar? bezahlt. Davon si-id aber abzuzichen dis im Abkommen von Spa« Derrl^chÜMd zugestandenen Vor­schüsse auf den Wert Ä»>hstvffe und Nahmngsmtttel, i^flrn Anrechnung auf d> OoSsiangen vor dem 21. Mai 1921 gestattet worden *7

©oimiit kommt man jch^Äch auf etwa 6% Milliar­den Goldmark, worin alle tatsächlichen Barzahlun­gen und Sachleistungen Deutschlands bis heute einbe­griffen seien.

Die neue italienische Regierung.

Die Vorspiele für die Konferenz von Genua konn- trn uns Deutsche wahrlich nicht entzücken: doch etwas Wohlgefallen dürfen wir immerhin haben an der Erle­digung der italienischen Minfftörkrisis, welch: trotz aller Schwierigkeiten noch rechtzeitig und in verhaltnis- mäßrg befriedigender Weise erfolgt ist. Wir brauchen für das neue Ministerium Facta-Schan­ze r nicht zu schwärmen, können aber aus drei Vorteile Hinweisen.

Erstens bietet Italien keinen wetteren Vorwand für die Verschleppung der Korchrrvnz, und das gefüllt uns besser als Herrn Poincare.

_ Zweitens ist der italienffchcn Krisis die kultur- kämpferische Spitze alMbrochm! worden. Die mit uns geistesverwandten Popolari habun sich als un­entbehrlich erwiesen und ihre Stellung als entscheiden­des Zentrum im dortigen Parlament bchauiptct.

Drittens verspricht das neue Ministerium unter der außenpolitischen Leitung bs erfahrenen Schanzer ein« größere Selbständigkeit und Zielbewußtheit gegen« üb:r den französischen Zumutungen.

Unsererseits hat man die Hoffnungen aus Genua immer weiter herabspanuen müssen. Trotzdinn müßen wir wünschen, daß die Konferenz stattfind-et, damit der v°out> der in Cannes angespomren wurde, nicht gang abrecht. Der Gedanke des gemeinsamen Wiederauf- Laues dcr Döw:r muß lebsndig bleiben, und das kann « auch immer noch, obschon Herr Pomcare so viele Klauseln zur Einschränkung der Redefreiheit sich ausge- tustelt hat. Auch nach der Stippvisite von Boulogne rst der Ringkampf zwischen Poincare u n d L l o y d G e o r g e, zwischen der französischen Ge- waltpolttik und der englischen Weltpolttik, noch nicht . SeJ<^I°ffcn- Es kommt viel darauf an, ob dis drittstärkste Macht der Entente sich zum Anhängsel Frankreichs machen lassen oder eine selbständige Mittel­stellung bewahren wird, um gegebenenfalls dm Aus­schlag zu geben, wenn die ttalienischm Jnteressm mit den englischen zusammenfalten. Das wird nach Lage der Dings leicht cintreten. Darum ist es von großer Bedeutung, daß der neue römische Außenminister Schanzer soeben aus WaWnUton heimkchrt, wo er den Mchren Charakter der friodeusfeindlichm und gemein« Machen Politik der französischen Heißsporne gründ­lich kennen gelernt hat.

Allerdings wird ja behauptet, das neue italienische Kabinett sei nur eine lleberganysregieruna und werdeball»" einer dsfimtivm Platz machen müsi stn, sei« mit oder ohne Neuwahlen. Heutzutage haben fast alle Ministerien etwas provisori­sches an sich. Die vermeintlichen Lückenbüßer halten sich ost länger, als die sog.großen" Ministerien. Je­denfalls wird auch das Ministerium Facta Gelegenheit haben, Gutes zu schaffen oder wenigstens drohende

Großkaufmann Selftermann.

Don Wilhelm Herbert, München.

39] -________

Der Weg durch die ihr völlig fremde Gegend führte sie an ein langes, düsteres Gebäude, das schmucklos dastand und nur eine große Anzahl kleiner vergitter- ter Fenster zeigte.

Es war das Gefängnis, das man hier vor die Stadt in die Einsamkeit gestellt hatte.

Eben, cüs Gretchen vorüberging, öffnete sich das Tor. Ein großer, plumper Wagen rumpelle heraus, der zum Transport der Gefangenen bestimmt war. Ne­ben ikM schlüpfte ein Mann mit einer Aktenmappe durch, in dem Gretchen Dr. Weiß erkannte.

Auch er sah sie, sobald er auf die Straße trat.

Sie hier?" fragte er erstaunt und freudig über­rascht.

"2ch komme auf einem Umweg von Lore!"

»Nun, wie geht es?"

tfi "®,e leibst ist ruhiger und besser, aber ihre Sing- stimme teine ^aft mehr!"

Das wird Sch°n singen? Das ist doch wohl zu früh.

~ ha « ^"ederkommen, Fraulein Gretchen st

L .-i8ilenfa!l5 mit Hofrat Stöcker sprechen und r3t tüI)ren!" Ur 3®eifcffaft hält, Lore zu einem Fach-

Wie Sie ihr treu zur Seite stehen, Fräulein Gret- I <f;en, m allem. Cm guter Mensch sind Sie."

"®m D'eU lchwacher, saumseliger und unschlüssi- ger, Herr Doktor. Sonst würde ich das Hebel mit scho­nungsloser Hand an der Wurzel fassen"

Noch immer diese schweren, harten Gedanken."

Mehr als je. Doch lassen wir das vorerst. Für uns ist das kein. Gespräch zur Zeit. Sagen Sie mir lie- her, wenn ich es Horen darf, wie Sie Ihren Schützling getroffen haben, was er für einen Eindruck macht und was Sie für feine Verteidigung hoffen? Es intereffiert «ich sehr!"

Ich habe einen ganz merkwürdigen Menschen ken- ren gelernt, Fräulein Gretchen. Einen Bärenkerl von

Hebel abrvehwn zu helfen. Das weitere wird sich finden, werm die erste Probe auf der bevorstehenden Konferenz g'.cracht ist.

Die Popolari haben sich entschieöm und mit Er- folg gewehrt gegen die Wiederbenrstmg des alten und immer noch schr mächtigen Giolitti, weil sie ihn in dem Verdacht hatten, daß er bei dem freimaurerischen Vorstoß gegen die kirchenfreundlichen Abgeordneten und Minister die Hand im Spiele gehabt habe. Wenn jetzt die Unentbehrlichkeit der Populari aufs neue festge­stellt ist, so wird mich Giolitti wohl dem Drange der Zeit nachgeben müssen, der auf Annäherung wid Aus­gleich zwischen Staat und Kirche hinaus- 8'ht.

(somit wollen wir hoffen, daß die Wendrmg m Italien dem Friedenswerk förderlich fein wird, sowohl dem kirchenpolttischen Frieden als auch dem weltpolitischen Friedm. Das umrsättlrche Frankreich hat doch noch nicht die Herrschaft auf Erden errungen.

Schanzer bei Poincare.

Der neue italienische Außenminister Schanzer ist Dienstag nachmittag aus Washington inParis eingetroffen und von Ministerpräfkdeitt Poincare empfangen worden.

6trattlonw«B unD MsiSBÄ

Wie die Blätter mitteilen, werden nach der Rückkehr des Reichskanzlers von einer kleinen Reife nach Vaden, die für Donnerstag er­wartet wird, Besprechungen zwischen dem Reichs- kanzler, dem Reichsfinanzminister und den Führern der Koalitionsparteien über das Steuerkompromiß, insbesondere über die Zwangsanleihe, ftatffinden.

Laut Lokal-Anzeiger wird auch die Deutsche Volkspartei zu diesen Beratungen Vertreter entsenden.

Zwei Jahre christl. Politik in Ungarn.

Von ernern besonderen ungarischen Mitarbeiter wird der Zentrums-Parlantents-Korrefpl>ndenz ge­schrieben:

Nach einer harten Arbeit mm zwei Jahren ist die ungarische Nationalversammlung vor einigen Togen cruseinanderyegongen. Bei dieser Ge- tegenhett widmeten die Tagesblätter der Nationalver­sammlung und ihrer Tätigkeit einen -lobenden oder ta­delnden Nachruf, je nachdem sie für ater gegen die Nationalversammlung waren. Die liberale sozialdemo- kratische Presse übt an der Nationalversammlung und der von ihr inaugurierten Richtung eine Kritik aus, die jede Sachlichkeit entbehrt; nach idii.tser Kritik hätte die Nationalversammlung, die ihrer Aufgabe absolut nicht gewachsen war, dem Lande mehr geschadet als genutzt. Ein Seufzer der Erleichterung geleitet sie zu Grade", schricib derPchter Lloyd".

Cs liegt uns fern, uns zum LobvÄvier der Natio­nalversammlung aüfznwerfen. Sie war der Aufgabe der geschichtlichen Zeiten, die wir im den letzten zwei Jahren erlebt haben, wirklich nicht in allen Beziehun­gen gewachsen. Ihre geistige Ausstattung war mangel­haft, es fehlte ihr an politischen Größen mit absolutem Werte, an einer konsequenten und zielbewußten Politik, an uneigmnütziger Vaterlandsliebe; es gab in ihr zu viel Durchschnittsmenschen, in geistlichem und sittlichem Sinne, iwe mehr Parteipokttik als L-mdespslitK machten, und zu ost das eigene Wohl dem Volkswohl vorgesetzt haben. Dieser Nationalversammkmg war es beschie- den, den Frieden svertrag von Trianon zu unterzrichnen, sich dem Körrig mit der Waffe in der Handerttgegeinzustellen, ihn gefangen zu nehmen, dem

außergewöhnlicher Gröhe und Kraft. Dazu eine aus­fallend hochklingende Stimme, das Auge eines Kindes und das Gemüt eines schwächlichen Weibes. Ganz wil- lenlos, wie wenn der Ausbruch seiner rohen Naturkrasi das erste und letzte an Energie aus ihm herausgeholt und alles in ihm erschöpft hätte. Er heult und weint, verweigert meist die Nahrung und jammert um den Er­schlagenen, wie wenn dem ein anderer ein Leid angetan und damit ihm selbst seine ganze Stütze und Lebens­freude genommen hätte."

'Und wie erklärt er die Tat?

Die erklärt er gar nicht. Wenn man darauf zu sprechen kommt, dann starrt er vor sich hin und spricht nur einzelne abgebrochene Worte.Ich habe geschlafen," sagt er.Wach wäre es nicht geschehen!" Und wenn ich ihm gesagt habe, daß er so nicht durchkomme, daß er verurteilt werde und daß es sich um eine sehr schwere Verurteilung handeln könne, bann sah er mich verständ­nislos an und murmelteAber wie können sie mir denn noch was tun dafür, wo ich doch selber am allerschwersten gestraft bin . . . ich habe ja meinen Karl nimmerl"

Und was denken Sie selbst dieser Sachlage zu tun?"

Ich bin mir mehr im Zweifel als je. Das Nächst- liegende wäre ja jetzt, den Psychiater anzurufen und an eine krankhafte Störung hier wie dort zu denken. Aber es widerstrebt mir aufrichtig gestanden, diesen Men- scheu, der fein ganzes Dasein bis auf die unsinnige Un- terordnung unter den brutalen Lebenstrieb des andern vernünftig und arbeitsam zugebracht hat, nun auf ein­mal bei dem schweren Konflikt, in den er geraten ist, als einen Geisteskranken hinzustellen. Das wäre in jeder Hinsicht ein sehr zweischneidiger Versuch. Einmal ist er nach meiner Meinung gar nicht geistesschwach und dann, wenn er dafür vom Gericht erklärt würde, müßte man ihn auf Lebensdauer als gemeingefährlichen Irren unterbringen, in eine Anstalt stecken."

Entsetzlich, Herr Doktor, wenn er so wegen des andern für fein ganzes Leben zum Blödsinnigen gemacht würde. Ist denn das Ganze nicht so zu erklären, daß ihm eben dieser andere noch über fein fflrab hinaus

Feinde auszuliesern und ztt entthronen, diese Nctionai- versamw.lung mar nicht imstande, Wcstungam zu retten, die Nachsolgrstaaten zu sprengen, ober einen mich nur irgendwelchen außenpolitischen Erfolg von Oeden- targ abgesehen, was aber mehr ein Verdienst her In­surgenten war zu erzielen.

Wir fragen aber, hätte vielleicht etroa eine andere Nationalversammlung das Land aus ferner Isoliertheit, aus seinem finanziellen und wirrfchafllichm Tiefstände heraus holen können? Die Politik der Naticmalversamm- turtg hat am meisten auf sinanziellem und außenpoliti­schem Gebiete versagt, und eben diese Politik mar fast ausschließlich m den Händen solcher Politiker, die sich nicht zur christlichen Richtung bekannt haben. Als seiner Zeit der Finanzmmister Koranyi demissionierte, und d:r liberale Finanz Politiker Hogodüs an seine Stelle kam, frohlockte die liberale Presse, und feierte in schwul­stigen Leitartikeln den Sieg des Liberalismus über die christliche Richtung. Die kühnen Hofstrungen und Drr- sprechungm Hegedus, die das gange Land in einen fte- herhäften Zustand versetzt haben, erfüllten sich.ober nicht; die Mission Hegedüs endete mit einem jäm­merlichen Fiasko; Hegedüs verschwand für ewig von der Bühne der Politik. Dor seinem Zurmktreten er­klärte er, er habe alles auf geboten, um das Land vor einer finanziellen Katastrophe zu rotten, aber er mußte mit feinem Programm Schiffbruch leiden, weil ganz Europa von einer finanztellen Katastrophe bedroht wird, die das kleine aus sich selbst angewiesene Ungarn nicht aushaltsn tarnt.

Aehnlich verhält es sich auch mit der Auhenpoli- t i t. Ungarn ist heute noch zu schwach, als daß es die von der großen irrtb kleinen Entente ihm auferlegten Ketten abftreisen könnte. Wenn man aber dürfe Tat­sache gur Rechtfertigung der liberalen Politik als Mil- derungsgiund anführt, ist es dann nicht unrichtig und ungewcht, daraus gegen die christliche Poli- t i k ein® Waffe zu schmieden? Und doch hat dte christ- liche Politik sich seit dem Zusammenbruche des Bolsche­wismus auch unvergängliche Verdienste erworben.

Die christliche PoMk der christliche Kurs genannt kann auch auf gewaltige Leistungen zurückblicken. Wenn es nach der Niederringung der roten Herrschaft auch einige Grausamkeiten gegeben hat was sind diese Grausamkeiten, die sich als Reaktion des roten Terrors psychologisch erklären lassen, gegen die Kämpfe in Irland oder Statten? so herrscht heute in Un» MM doch eine Ordnung irrch Einigkeit, wie in keinem zweiten Lande Europas, das sich am Kriege beteiligt hat. Derchristliche Kurs" schuf, fogufagen aus nichts, ein, wenn auch kleines, aber stramm bis» diszipliniertes Heer, dem in den Südost-Europaländern kein 2. gteichkommt, er führte iäg Bodenreform durch, und sicherte so die Zukunst von Tausend und Abertau­send kleinen Bauern, er sicherte durch die Schaffung eines treuen Gewerbegesttzrs die Zukunft der Kleinge- werbetreibendkn, er machte aus beim Gebiete der Kino- lizenzen Ordnung und traf Verfügungen gegen die Auf­wiegelung der gemeingefährlichen Hetzpmffe.

Das bedeutendste aber, was er geschaffen hat, ist doch die Aufrüttelung des Voltes zum chriftlich-mttionaten Gedanken. Das durch zwei Revolutionen m feinem seelischen Gleichgewichte arg beidrohte Ungornhim er« wachte über Nacht zu seinem besseren Ich. Den christlich- nationalen Gedanken kann man aus der ungarischen Politik nicht mehr aus scheiden; es fft und bleibt die Sig­natur der Zukunft. In seinem Bannkreise sicht die Intelligenz und das Volk, die Politik und Literatur, ganz Ungarn, auch jene Kreise, wenn auch gegen ihren Willen die noch vor Jahren alles, was sich christlich nannte, für uüromontan, reaktionär und klerikal ausschrteen; heute müssen sie mit dem christ­lich-nationalen Gedanken als ntit einem realen Faktor rechnen.

Das fft die reine Wahrheit, ohne Lobhudelei und Verschönerung. Es fft ganz recht, wenn der Historiker auf die Schattenseiten aufmerksam macht, dabei darf er aber auch die Lichtseiten nicht rcr^effa?. Auch dann nicht, wenn es sich um die christliche Politik handelt.

den Willen gestohlen hat, daß er unter dem Eindruck der moralischen Knechtung, in der er immer gestanden, auch jetzt noch gerade wie hypnottsiert denkt und han­delt, ein armseliges und bedauernswertes Opfer dessen den er erschlagen hat?"

Das ist ein sehr beachtenswerter Erklärungsversuch. Ich schäme mich nicht, Fräulein Gretchen, ihn mir an­zueignen. Ja, ja, man kommt vielleicht damit der Wahrheit naher cis mit irgend etwas anderem. Ich Hobe mich nicht gescheut, schließlich, wie ich sah, daß er auf gor nichts reagierte, das WortMord" zu neu- neu, wie es in der Anklage steht. Ich habe ihm auch gesagt, was das Gesetz darunter versteht die mit Vorsatz und Ueberlegung ousgeführte Tötung eines an­deren und daß dos Gesetz dafür das Leben des TS- ters fordert."

Und er hat fein Leben mit keinem Worte dagegen verteidigt?"

Nicht mit einer Silbe. Er hat mich "nur verständ- nislos angesehen und geseufzt:Wenn ich nur meinen Karl wieder hätte. Dann wäre gleich alles anders!" Eine feltfame Tragik, daß er in dieser höchsten Not ge­wissermaßen die Hilfe dessen anruft, an dem er selbst die Tat begangen hat, die ihn in die schlimmste Not bringt. Es ist wirklich so, daß alle seine Gedanken auch heute noch dem andern gehören und für ihn selber nichts mehr übrig geblieben ist. Ich werde vor den Geschworenen ganz allein stehen und der Mitwirkung dessen beraubt sein, für den ich kämpfen soll im Ge­genteil, er wird mir vielleicht darin von allen das größte Hindernis sein."

So wirkt der Fluch des Egoismus seines Freundes noch über das Grab hinaus und richtet ihn vollends zugrunde, wenn nicht das Schicksal gerechter ist als die Natur", sagte Gretchen und zog aus dem Gehörten ibre^golgerun^ für das, was in ihr selber vorging.

Dr. Weiß betrat mit ihr das Haus ihres Vaters, weil er diesem, wie versprochen, einen kurzen Bericht über das erste Zusammentreffen mit seinem Klienten erstatten

Deutsche; Reich.'

* Reichskanzler Dr. Wirth erklärte während feiner Anwesenheit in Karlsruhe dem Vertreter der bad. Zent.. Korrespondenz zu den Gerüchten über Differenzen innerhalb der Zentrumspartei, daß es wohl im Zentrstm wie in allen politischen Parteien auch Meinungsverschiedenheiten gegeben habe; die Halqttsache sei aber die Grunücinstollrmg und dabei gäbe es nur eine Antwort: Einig und gefchlos- s e n wie kaum jemals! /

* Das Einsehen deutscher Festungen. Der Reich-, rat hat u. a. den Gesetzentwurf über das Eingehen deutscher Festungen an der Westgrenze und an der Küste angenommen. Der Gesetzentwurf ist eine Folge des Versailler «Ertrages. Nach seinem Inkraft­treten gehen die Festungen Wesel, Köln, K o b l e nz, Mainz, Germersheim, die rechtsrheinischen! Befestigungen von Straßburg und die Oberrhein- befestitzungen ein. i'

* DerTubantia"-Fall. Die internationale Kommission zur Beantwortung der Frage, ob der große MchldampserTubantia" vom Kgl. Nieder­ländischen Lloyd 1916 von einem deutschen 11 Boot torpediert wurde, hat diese bejahend beantwortet. Der Kgl. Niederländische Lloyd plant von der deutschen Regierung Schadenersatz zu beanspruchen. Wie das Wölfische Bureau zu diesem Spruch bemerkt, hatte die Untersuchungskommisstom lediglich den Tatbestand feftzustellen. Mit der Entschädigungsfrage war sie nicht befaßt.

* In der Frage Groß-Hamburg haben jetzftim preußischen Staatsministerium Verhandlungen zwischen der preußischen und hamburgischen Regie­rung begonnen. In seiner Eröffnungsansprache'hob Ministerpräsident Braun hervor, auch die preußi« sche Regierung verkenne nicht, daß die sachgemäße Ausgestaltung des hamburgischen Hasengebiets zur Ermöglichung der wirtschaftlichen Höchstleistung nicht nur int besonderen hamburgischen, sondern im all­gemeinen deutschen wirtschaftlichen Interesse liege. Die Preußische Regierung gehe mit dem Senat Ham­burgs sonach im Ziele einig, und es werde Auf­gabe der Verhandlungen fein, den richtigen, allen berechtigten Interessen Rechnung tragenden Weg zu diesem, im Interesse unserer deutschen Wirtschaft zu erstrebenden Ziele zu finden. Wenn beide Teile partikularistische Sonderinteressen zurückstellten, würde es möglich sein, das Problem in kürzester Zeit be­friedigend zu lösen.

* Staatsbanken. Ein Gedanke, der in Deutsch- land Fuß zu fassen scheint, verdient gebührende Be­achtung. Es handelt sich um die Einrichtung sog, Staatsbanken, mit der man bereits in einzelnen Ländern Deutschlands begonnen hat. So bestehl beispielsweise in der Hauptstadt des sächsischen Frete staates, Dresden, eine sog. Staatsbank. Der ba­dische Finanzminister Köhler hat neulich Gelegen­heit genommen, dieser Bank einen Besuch abzustatten, um sich mit ihren Einrichtungen vertraut zu machen. Wie wir erfahren, dürfte es in den Absichten des badischen Finanzministers liegen, auch für Baden eine nach ähnlichen Grundsätzen ausgebaute Staats­bank ins Leben zu rufen.

* Die krlegsgeschichMchen Arbeiten des Reichsarchios. Das Reichsarchiv plant, wie eine halbamtliche Auslassung besagt, außer rem archivartschen Arbeiten auch eine größere wissenschaftliche Arbeit zur Zusammenfassung der Geschichte des Krieges. Gerade auf diesem Gebiete befindet sich das Reichsarchio in lebhaftem Austausch mit den entsprechenden Stellen der früheren Gegner. Daß sich bei diesen Arbeiten, die keineswegs nur van ehemaligen Generalstäblern ausgeführt werden, Unzu­träglichkeiten ergeben können, fabatb sie auf das poli­tische Gebiet übergreifen, ist klar. Reichsminister deck Innern Dr. Köster hat daher sofort nach Uebemat)me; des Amtes im Einvernehmen mit dem Reichskanzler bie- nötigen Schritte getan, um diese Frage befriedigend zu regeln. Die historische Kommission des Reichsarchivs/ der u. a. bfe Professoren Hans Delbrück, Götz, Erich

Dort ging es heute weit lebhafter zu, wie man es sonst in dem stillen Geschäftshaufe gewohnt war, wo 'nach der Art des großkaufmännifchen Betriebes kaum von einem unmittelbaren Kundenverkehr gesprochen wer­ben konnte.

Unruhige und aufgeregte Menschen füllten den gan-- zen Korridor und brägten in das Kassenzimmer, in­dem der Ches selbst tätig war und auszahlte.

Gut, daß Du kommst", sagte er und trat mit den beiden in seinen Arbeitsraum heraus.3d) habe all» Hände voll zu tun."

Was ist bas?" fragte das Mädchen, innerlich be«, unruhigt. V

Sturm!" erwiderte Sglstermann und latste kurz. Sturm steht im Kalender, meine Herrschaften! Sauter Seide, die von uns irgend etwas zu verlangen haben geschäftlich und außergeschästllch großenteils noH gar nicht fällige Beträge."

Aber Du bezahlst doch alles sofort, Vater?"

Ich bin so unkaufmännisch, es zu tun, Gretchen. An sich wäre wohl das rtchttgste für mich und das beste Mittel für das uns gegenüber jetzt ausgehetzte und über»1 reizte Publikum, die Leute warten zu lassen, bi» ftei einen vollen Rechtsanspruch auf Zahlung hätten. Aber; sie sollen sehen, daß man beim Hause Selftermann auch nicht eine Minute lang Sorge um das Seine zu habens

Draußen machten sich Gemurmel und Ungeduld be- merkbar. >.

Sie entschuldigen, Herr Doktor! Ich möchte Sie aber doch sehr gerne sprechen! Können Sie sich etwas gedulden und zu meiner Frau hinaufgehen, bis mir hier fertig sind?"

Dr. Weiß erklärte, daß er für den Dormittag zur Verfügung stehe.

Als die Uhr den Schluß der Geschäftsstunden Der«, kündete, kamen Selftermann und Gretchen in die Woh­nung. Sb - ; >

Die Mutter ging in die Küche, um dort nach dem Rechten zu (eben. >

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